Die Staatsbürgerliche Erziehung als Bestandteil der Arbeitsschulpädagogik von Georg Kerschensteiner


Hausarbeit, 2012

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einbettung in den historischen Kontext
2.1 Das Leben im Kaisereich zur Jahrhundertwende – ein Überblick
2.2 Schule und Fortbildungsschule zur Jahrhundertwende – ein Abriss
2.3 Gegen das Alte – die Grundgedanken der Reformpädagogik

3. Die Arbeitsschulpädagogik nach Georg Kerschensteiner
3.1 Georg Kerschensteiner
3.2 Kerschensteiners Kritik am Bildungssystem
3.3 Eine neue Form der Schule entsteht

4. Die Staatsbürgerliche Erziehung als Bestandteil der Arbeitsschulpädagogik
4.1 Der Begriff der Staatsbürgerlichen Erziehung?
4.2 Warum braucht es eine derartige Erziehung?
4.3 Die Einbettung der staatsbürgerlichen Erziehung in die Arbeitsschulpädagogik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Unsere Zukunft hängt davon ab, dass es uns gelingt, an die Stelle des blinden Untertanengehorsams das PFLICHTGEFÜHL des denkenden modernen Staatsbürgers zu setzen (Kerschensteiner, G., 1923, S. 23).“

Dieser Ausspruch von Georg Kerschensteiner versinnbildlicht gut, was seiner Meinung nach das Ziel einer staatsbürgerlichen Erziehung sein muss. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeitsschulpädagogik Kerschensteiners im Allgemeinen, sowie die staatsbürgerliche Erziehung als Bestandteil ebendieser im Besonderen darzustellen.

Beginnen wird die vorliegende Arbeit mit einer Darstellung des historischen Kontexts, welcher neben einer Betrachtung der Lebensumstände zur Jahrhundertwende auch auf die Schul- und Berufsschulbildung zu ebendieser Zeit eingehen wird. Den Abschluss des zweiten Kapitels wird die Betrachtung der grundlegenden Züge der Reformpädagogik bilden. Dies dient zum einen dazu, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, wie das Leben und das Lernen der Menschen zu dieser Zeit ausgesehen hat, zum anderen ist es notwendig eine Einführung in die damalige Zeit zu geben, will man die im Mittelpunkt diese Aufsatzes stehende Person richtig verstehen.

Der dritte Abschnitt dieser Arbeit wird sich dann ausführlich dem Thema der Arbeitsschulpädagogik widmen. Hierbei soll zunächst Georg Kerschensteiner vorgestellt werden, welcher nicht nur einer der bedeutendsten Vertreter der Reformpädagogik dieser Zeit war, sondern gleichzeitig auch als der Mann gilt, welcher die Arbeitsschulpädagogik maßgeblich beeinflusst und vorangebracht hat. Im Anschluss an die Vitae Kerschensteiners soll das Hauptaugenmerk auf der von ihm vorgebrachten Kritik am etablierten Bildungssystem liegen, bevor es im letzten Teil dieses Abschnitts um die Grundzüge der von ihm etablierten Arbeitsschulpädagogik gehen wird.

Da der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung auf der staatsbürgerlichen Erziehung als Bestandteil der Arbeitsschulpädagogik liegt, wird im vierten Kapitel diese Form der Erziehung genau betrachtet werden. Hier wird zunächst die Frage beantwortet werden was Kerschensteiner eigentlich unter staatsbürgerlicher Erziehung versteht, bevor die Frage beantwortet werden sollen, warum die staatsbürgerliche Erziehung für Kerschensteiner von Bedeutung war. Der letzte Teil des vierten Kapitels wird dann die Umsetzung der staatsbürgerlichen Erziehung im Konzept der Arbeitsschulpädagogik gewidmet sein.

Den Abschluss dieser Arbeit wird ein Fazit bilden, welches die gemachten Erkenntnisse zusammenfassen und unter einem kritischen Blickwinkel abschließend betrachten wird. Darüber hinaus sollen im Schlussteil nicht geklärte Fragen aufgeworfen und dargestellt werden.

Aufgrund der schieren Menge an Informationen zum Thema Georg Kerschensteiner und seiner Arbeitsschulpädagogik, ist es nicht möglich eine vollständige Bearbeitung des gesamten Themenkomplexes vorzunehmen. Aus diesem Grund ist diese Arbeit auch nur als ein Auszug zu sehen, welcher die Kernfakten der jeweiligen Themengebiete darstellt ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

2. Einbettung in den historischen Kontext

Im folgenden Abschnitt soll zunächst ein grober Überblick über das Leben im deutschen Kaiserreich zur Jahrhundertwende gegeben werden. Hierbei werden im Überblick die bestimmenden Faktoren geschildert werden, die das Leben im Kaiserreich zur damaligen Zeit geprägt haben. Ziel soll es hierbei sein, dem Leser einen Umriss der Lebensumstände zu geben, sowie eine historische Einordnung, um das Verständnis zu fördern. Im Anschluss an diesen Unterabschnitt wird ein Abriss über die Schule im Kaiserreich folgen. Hierbei werden vor allem die niederen Schulen und die Fortbildungsschulen betrachtet werden. Dies ist insbesondere dahingehend wichtig, um einen Ausgangspunkt für die Darstellung der Reformbewegung und ihrer Ziele zu geben. Die Vorstellung der Reformbewegung im dritten Abschnitt stellt den Abschluss des zweiten Kapitels dar. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung der Grundzüge der Reformbewegung und der allgemeinen Kritik die diese am alten Bildungssystem äußerte. Aufgrund des Überblickscharakters der folgenden Abschnitte wird sich im Schwerpunkt als Quelle auf das Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte (Band 4) gestützt werden. Da dieses Kapitel lediglich als Darstellung allgemeiner Fakten angelegt ist, wird dieses Standardwerk als ausreichend angesehen um den Leser zu informieren.

2.1 Das Leben im Kaisereich zur Jahrhundertwende – ein Überblick

Das Leben im Kaisereich zur Zeit des Übergangs vom 19. In das 20. Jahrhundert ist durch eine Vielzahl von Umbrüchen für die Bevölkerung charakterisiert.

Das deutsche Kaiserreich war als Staat eine konstitutionelle Monarchie. Das bedeutet, dass es neben der Monarchie eine Verfassung gab. Das Volk hatte über das Wahlrecht Mitspracherecht bei der Wahl der Volksvertreter (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.2).

Zwischen den Jahren 1871 und 1910 war die Bevölkerung im Kaiserreich sprunghaft angestiegen, lebten im Jahre 1871 ca. 41 Millionen Menschen im deutschen Kaiserreich, waren es 1910 schon ca. 65 Millionen Menschen (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S. 3 u. 33). Dieser enorme Anstieg der Bevölkerung führte zwangsläufig zu weiten Veränderungen. Neben der Zunahme der Bevölkerung kam es zu einer Verjüngung, sowie zu einer damit verbunden Auswanderungs- und vor allem, Binnenwanderungswelle. Diese Binnenwanderungswelle war durch eine Wanderung der Bevölkerung in die Städte und in die westlichen Teile des deutschen Kaiserreichs gekennzeichnet (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S. 3)

Zurückzuführen waren diese dramatischen Veränderungen in kurzer Zeit auf die Verschiebung von einer Agrarisch dominierten Gesellschaft hin zu einer Industrienation. Die Menschen welche vorher relativ sesshaft ihr Leben verbrachten waren gezwungen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die neu entstehende Industriestandorte zu ziehen um dort eine Arbeitsanstellung zu finden. So wurden aus Selbstständigen Arbeiter und Angestellte (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S. 3).

Der Wechsel zur Industrienation forderte von den Menschen immer mehr Flexibilität und Mobilität um den Forderungen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden. Die vorhergehende Verknüpfung der privaten und beruflichen Welt wurde zusehends einer Trennung unterworfen. Gleichzeitig war es durch das Entstehen einer verbesserten Infrastruktur immer leichter seine sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.3-4). Einhergehend mit dem Fortschreiten der Industrialisierung gab es auch ein wirtschaftlicher Aufschwung, welcher jedoch großen regionalen Unterschieden unterworfen war. Nichtsdestotrotz gab es im Reich Wachstumsschwankungen und Einbrüche der Konjunktur, welche zu einem vermehrten Entstehen von organisierten Gewerkschaften und anderen Interessensvertretungen beitrugen. (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.4).

Deutschland, beziehungsweise das Deutsche Reich, wurde im Laufe der Zeit führend in der Chemie- und Elektroindustrie. Auch auf anderen Gebieten machte das Kaiserreich erhebliche Fortschritte, so ist es nicht verwunderlich, dass die gewachsene wirtschaftliche Macht auch zu einem gesteigerten nationalen und politischen Denken der Bevölkerung führte (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.4-5).

Es wird deutlich, dass diese Art der Umbrüche in kurzer Zeitfolge die Bevölkerung vor erhebliche Herausforderungen stellte. Dass diese Herausforderungen nicht ohne Reibungen und Probleme gemeistert wurden, dürfte nicht verwundern. Ein großes Problem welches mit der Industrialisierung und ihren Auswirkungen einherging war die Zunahme sozialer Konflikte und das Problem, aus Sicht der herrschenden Klasse, des Erstarken der Arbeiterschicht. Um diesem entgegenzuwirken wurde ab 1883 bis 1891 eine Reihe von Gesetzen erlassen, welche vor allem zur Beruhigung und Integration der Arbeiterklasse dienen sollten. Zu diesen Gesetzen zählten neben der Unfallversicherung auch das Gesetz zur Regelung der Krankenversicherung, oder aber auch die Beseitigung der Sonntagsarbeit, um nur einige Beispiele zu nennen. Mit diesen Gesetzen wurde vor allem eine Sozialreform hinausgezögert, welche sonst wohl zu einem erheblichen Umbruch in den etablierten Herrschaftsverhältnissen geführt hätte (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.6).

Als letzter Punkt dieses Abschnitts soll die Sozialisation der Bevölkerung betrachtet werden. Diese ist vor allem in der Zeit um die Jahrhundertwende von einem vom Staat geförderten Militarismus und Nationalbewusstsein geprägt. Dieser sogenannte „politisch-monarchische Katechismus“ (Katechismus - siehe S. 8 unten, Anm. d. A.) wurde dabei vor allem durch die Schule getragen, aber auch das Alltagserleben der Menschen, die Diskriminierung von Minderheiten mittels Gesetzen oder aber auch die Sonderstellung des Militärs im Staat führten zu einem ausgeprägten Bewusstsein für ebendieses und den Staat an sich (vgl. Berg u. Herrmann, 1991, S.12-13).

Man kann also folgende grobe Einschätzung des Lebens im Kaiserreich zur Jahrhundertwende geben: Das Leben und Erleben war geprägt von gewaltigen sozialen Umbrüchen, welche in Folge der Industrialisierung zur Bildung einer neuen Klasse, der Arbeiterschicht, führten welche nicht mehr selbstständig auf dem Land ihren Unterhalt erwirtschaftete, sondern zunehmend zu einer in Städten lebenden Schicht von Angestellten und Arbeitern wurde. Gleichzeitig führten eben diese Veränderungen zu sozialen Konflikten, welche durch die herrschende Klasse mittels Gesetzen eingedämmt wurde. Darüber hinaus kennzeichnete das Leben im Kaiserreich ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein, sowie eine Verehrung der Monarchie und alles Militärischen.

2.2 Schule und Fortbildungsschule zur Jahrhundertwende – ein Abriss

Die Schule im Kaiserreich lässt sich folgendermaßen aufteilen: zum einen in die niederen Schulen, die ländlichen und städtischen Volksschulen sowie die Mittelschulen und zum anderen die höheren Schulen (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 179).

Im Folgenden sollen im Schwerpunkt die Unterrichts und Lehrinhalte der niederen Schulen dargestellt werden, sowie der Sozialisationsauftrag. Darüber hinaus soll kurz über die Formalia der Schule im Kaiserreich informiert werden. Im Anschluss daran werden die Fortbildungsschulen als Bestandteil der Berufsbildung eingehender betrachtet werden.

Im deutschen Kaiserreich zur Jahrhundertwende herrschte die allgemeine Schulpflicht. Diese lag seit den 1880er Jahren im Schnitt bei 100 Prozent, wobei Befreiungen und vorzeitige Entlassungen vor allem in den landwirtschaftlichen Regionen immer noch vorkamen. Die Klassenstärke lag im Durchschnitt bei 51 Schülern pro Klasse oder 56 Schülern pro Lehrer (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 192).

Der Bildungs- und Sozialisationsauftrag der niederen Schulen umfasste vor allem die Schaffung einer religiösen, sittlichen und vor allem nationalen Bildung, welche die allgemeinen Grundfertigkeiten abbildete, die für das bürgerliche Leben notwendig waren (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 183 u. 204). Im Gegensatz dazu war es der Bildungsauftrag der höheren Schulen vor allem zur geistigen Arbeit zu befähigen, welche den Prinzipien der Selbständigkeit und Wissenschaftlichkeit folgte (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 183).

Neben diesen Aufträgen hatten vor allem die niederen Schulen zusätzlich den Auftrag die Schüler so zu erziehen, dass diese der Monarchie und dem Staat treu gegenüberstanden. Man versuchte durch die Implementierung einer staatsbürgerlichen Erziehung, die dem Individuum grundlegende Rechte und Pflichten aufzeigte, der gefürchteten Sozialdemokratie entgegenzutreten (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 183-184).

Die Durchsetzung dieser Forderungen der Obrigkeit war vor allem dem Geschichts- und Deutschunterricht sowie dem Religionsunterricht vorbehalten.

Im Mittelpunkt des Religionsunterrichts standen die sogenannte Bibelkunde, sowie der Katechismus-Unterricht[1]. Zwar war die Anzahl des auswendig zu lernenden Unterrichtsstoffs durch Verordnungen reguliert worden, jedoch sahen es viele Schulaufseher als ihre Pflicht an die Internalisierung religiöser Wahrheiten zu fördern. Ziel des Religionsunterrichts war es vor allem einen Untertanen zu erzeugen, der in einem christlich- konservativen Sinn religiös und sittlich war (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 204-205).

Im Schwerpunkt des Unterrichtsfachs Deutsch stand der Lese- und Schreibunterricht, erst im Laufe der Zeit kam es hier zu einem Wandel in Richtung des Sprach- und Literaturunterrichts (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 205). Die Gesinnung wurde hierbei vor allem durch den dargebotenen Unterrichtsstoff in Form von Lesebüchern geformt. Die Inhalte der Lesebücher waren vor allem den großen deutschen Dichtern und Schriftstellern vorbehalten. Nichtsdestotrotz wurde die Auswahl der Auszüge so gewählt, dass eine nationale, vaterländische und religiöse Erziehung erleichtert wurde (vgl. Kuhlemann, 1991, S. 205-206).

[...]


[1] Katechismus meint, dass Auswendiglernen bestimmter Glaubenssätze und Bibelpassagen mit deren Hilfe

eine gottesfürchtige Gesinnung erzeugt werden sollte (vgl. Groothoff u. Stallmann, 1971, S. 562- 564).

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Staatsbürgerliche Erziehung als Bestandteil der Arbeitsschulpädagogik von Georg Kerschensteiner
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (--)
Veranstaltung
--
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V341648
ISBN (eBook)
9783668313958
ISBN (Buch)
9783668313965
Dateigröße
886 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg Kerschensteiner, Staatsbürger, staatsbürgerliche Erziehung, Arbeitsschulpädagik, historische Pädagogik
Arbeit zitieren
Alexander Klipphahn (Autor), 2012, Die Staatsbürgerliche Erziehung als Bestandteil der Arbeitsschulpädagogik von Georg Kerschensteiner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/341648

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