Kriegsmetaphorik in der Propaganda des spanischen Bürgerkriegs anhand ausgewählter Textbeispiele


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Quellenlage und Forschungsstand
1.2 These, Fragestellung und Vorgehensweise

2 Einführung in den historischen Kontext

3 Metaphern
3.1 Konzeptmetaphern
3.2 Kriegsmetaphern

4 Untersuchung zweier Aufrufe aus dem Jahr 1936
4.1 Aufruf von Francisco Franco vom 17. Juli 1936
4.2 Aufruf von Dolores Ibárurri vom 19. Juli 1936

5 Untersuchung zweier Aufrufe aus dem Jahr 1939
5.1 Aufruf des Generals Segismundo Casado vom 7. März 1939
5.2 Offizieller Kriegsbericht Francos vom 28. März 1939

6 Bewertung und Conclusio

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Metaphern sind ein allgegenwärtiger Bestandteil unserer Alltagssprache und unseres Lebens. Sie sind ein so normaler Bestandteil unseres Alltags, dass sie uns meistens schon gar nicht mehr auffallen. Es gibt Hunderte von Beispielen, die Metaphern enthalten, die uns aber so geläufig sind, dass wir erst bei genauerem Hinsehen erkennen, dass es sich um eine Metapher handelt. George Lakoff und Mark Johnson haben in ihrem 1980 erschienenen essayistisch geschrieben Buch Metaphors We Live By zum ersten Mal auf genau diesen Umstand aufmerksam gemacht und festgestellt, dass unser gesamtes Denken metaphorisch strukturiert ist.[1] In dieser Arbeit soll es um einen kleinen Aspekt dieses großen Kapitels Metaphern gehen, den Kriegsmetaphern. Das aussagekräftigste Beispiel für eine Kriegsmetapher, das auch von Lakoff und Johnson in ihrer Arbeit ausgeführt wird, ist das Gebiet ARGUMENTIEREN als KRIEG (vgl. Lakoff/Johnson 42004: 12). Das Feld ARGUMENTATION eröffnet sich als ein großes Gebiet, deren Bestandteile alle in irgendeiner Weise kriegsmetaphorisch dargestellt werden können. So sehen sich zwei Diskutierende als Gegner, die eine Diskussion gewinnen oder verlieren können und die sich gegenseitig angreifen und sich selbst verteidigen. Diese Redewendungen finden wir so häufig, dass man darüber ganze Arbeiten schreiben könnte. In dieser Hausarbeit soll es nun um die Verwendung von Kriegsmetaphern in Texten aus dem spanischen Bürgerkrieg gehen.

1.1 Quellenlage und Forschungsstand

Die Quellenlage und Forschung zum spanischen Bürgerkrieg und zum darauffolgenden Fran-co-Regime ist recht beschränkt, da sich die spanische Nation bis heute nicht gänzlich mit diesem dunklen Kapitel ihrer Geschichte auseinandergesetzt hat. Somit gibt es zwar einige Quelleneditionen, aber wenig Sekundärliteratur. Noch schwieriger wird es bei einem so speziellen Bereich wie der Sprache im spanischen Bürgerkrieg. Zu diesem Thema gibt es praktisch gar keine Literatur, weshalb in dieser Arbeit auch allgemeine Literatur über Sprache im Faschismus, Sprache im Zusammenhang mit Propaganda und Literatur über den Nationalsozialismus herangezogen wurde. Gerade letzteres soll auch vergleichend genutzt werden, um zu prüfen, ob es im Sprachgebrauch Überschneidungen zwischen Nationalsozialismus und Franquismus gibt.

1.2 These, Fragestellung und Vorgehensweise

Konkret soll es in dieser Arbeit darum gehen, welche Kriegsmetaphern in Texten des spanischen Bürgerkriegs verwendet wurden. Diese sollen untersucht und analysiert werden. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auch auf der Expressivität der Metaphern liegen. Das bedeutet, dass geprüft werden soll, inwieweit die Verwendung von Kriegsmetaphorik die Aussage des Textes verstärkt beziehungsweise inwiefern das Weglassen von Kriegsmetaphern den Text verändern würde.

Die ersten zwei Kapitel sollen einen einführenden Charakter haben. Zunächst werde ich eine Einführung in den historischen Kontext des spanischen Bürgerkriegs geben und einige historische Fakten darlegen. Im darauffolgenden Kapitel soll kurz auf die Konzeptmetapherntheorie von Lakoff und Johnson eingegangen sowie ein kurzer Einblick in das Gebiet der Kriegsmetaphern gegeben werden. Im nächsten Kapitel folgt dann die Analyse der verschiedenen Texte nach Kriegsmetaphern. Die Untersuchung wird anhand von vier Texten geschehen, wovon jeweils zwei aus dem Jahr 1936, also vom Anfang des Bürgerkriegs, und jeweils zwei aus dem Jahr 1939, also vom Ende des Bürgerkriegs beziehungsweise des Beginns der Franco-Diktatur, sind. Außerdem stehen die beiden Texte aus demselben Jahr insofern miteinander in Opposition, als dass sie von verschiedenen Parteien des Bürgerkriegs sind. Die ersten zwei Texte sind zwei mündliche Aufrufe, der eine vom Faschisten Francisco Franco, der andere von der umstrittenen Kommunistin Dolores Ibárruri. Die zwei Texte aus dem Jahr 1939 sind zum einen ein Aufruf des Generals Segismundo Casado vom 7. März 1939 und zum anderen der offizielle Kriegsbericht Francos vom 28. März 1939, der leider sehr kurz ist, aber in Ermangelung eines anderen besseren Textbeispiels herangezogen werden muss. Zunächst sollen also die verschiedenen Kriegsmetaphern gesammelt werden, worauf eine Analyse folgt, in der die Auswirkungen der Kriegsmetaphern innerhalb des Textes erörtert werden sollen. Zuletzt sollen die beiden Texte miteinander verglichen werden. Am Schluss der Arbeit werde ich ein Fazit ziehen, in dem die gesammelten Erkenntnisse zusammengefasst werden sollen.

2 Einführung in den historischen Kontext

Der spanische Bürgerkrieg war der blutige Kampf zwischen den faschistischen Militärput-schisten um General Francisco Franco und der demokratisch gewählten Volksfrontregierung der Zweiten Republik, der zwischen Juli 1936 und April 1939 in Spanien wütete. Im Juli 1936 begannen die Aufstände auf der iberischen Halbinsel, den Balearen und auch in Marokko (vgl. Schauff 2006: 73–75). Das Ziel war klar: Die Linken zu bekämpfen.[2] Am 19. Juli 1936 richtete sich Franco über das Radio in Tetúan (Marokko) an die Menschen und forderte, die in Spanien herrschende Anarchie zu bekämpfen und sich für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit einzusetzen, die in Spanien gänzlich verloren gegangen seien (vgl. Pérez-Maura 2004: 17f). Innerhalb von nur wenigen Tagen wurde in vielen Städten der Krieg erklärt und die Rebellen übernahmen die Macht, in anderen Städten wie Madrid oder Barcelona jedoch konnten sich die Republikaner halten (vgl. Schauff 2006: 74–76). Auf der Seite der Militärputschisten kämpfen, abgesehen von Armeeeinheiten, Teile der Guardia Civil, die Falange und die Karlisten (vgl. Schauff 2006: 74). Wie so oft stießen auch hier innerhalb der Putschisten unterschiedliche Interessen aufeinander, weshalb der Putsch selbst letztendlich aufgrund von Cha-os und in Ermangelung eines wirklichen Führers (Franco war in den Tagen des Putsches noch nicht der alleinige Anführer des Putsches) scheiterte und der Bürgerkrieg daraus hervorging (vgl. Schauff 2006: 78f). Die republikanische Regierung bestand zum Zeitpunkt des Putsches aus dem Wahlbündnis Frente Popular, einem Bündnis aus Izquierda Republicana, Unión Republicana, der sozialistischen PSOE und der kommunistischen PCE und POUM unter Ministerpräsident Santiago Casares Quiroga (vgl. Schauff 2006: 59–63). Im Laufe des Putsches und des Bürgerkriegs wechselten die Ministerpräsidenten mehrfach. So trat Casares Quiroga schon in der Nacht des 18. Juli 1936 zurück und wurde durch Martínez Barrio ersetzt, der aber seinerseits nach wenigen Stunden zurücktrat (vgl. Schauff 2006: 75). In den folgenden Jahren versuchte sich die Regierung immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise auf die Militaristen einzustellen, unter anderem indem sie ihre Ministerpräsidenten auswechselte.

Auf beiden Seiten wurde im Laufe des Bürgerkriegs jede Menge Propaganda betrieben. Ein herausragendes Beispiel ist die Propaganda in der Lyrik, die sowohl Republikaner als auch Nationalisten verwendeten, zum Beispiel „para enardecer los ánimos de los soldados en el frente de la batalla“ (Peral Vega/Sáez Raposo 2015: 279f). Auch in der Kunst, in der Musik, im Theater, in der Presse und in der Bildung wurde die Bevölkerung von beiden Seiten zum Kämpfen und Durchhalten aufgefordert. Viele Lieder, wie zum Beispiel Los cuatro generales oder die Hymne der Falange Cara al Sol, handeln von Kämpfen, Siegen und Niederlagen (vgl. Bernecker 1986: 185–188). Auch diese könnte man einer genauen Untersuchung nach Kriegsmetaphern unterziehen.

3 Metaphern

3.1 Konzeptmetaphern

Der Terminus „Konzeptmetaphern“ stammt von den beiden Linguisten Lakoff und Johnson. In ihrer Arbeit Metaphors We Live By machten sie 1980 erstmals darauf aufmerksam, dass es ganze zusammenhängende metaphorische Konzepte gibt. Das heißt, dass nicht nur einzelne Sprichwörter Metaphern sein können, sondern gesamte Wortfelder metaphorisch konzipiert sind. Das Beispiel aus der Einleitung ARGUMENTIEREN als KRIEG soll hierfür exemplarisch sein (vgl. Lakoff/Johnson 42004: 12). Aus der Quelldomäne KRIEG werden einzelne Faktoren herausgenommen und auf die Zieldomäne ARGUMENTATION übertragen, hier zum Beispiel die Kriegsgegner als Diskutierende (vgl. Lakoff/Wehling 2006: 27f). Auch in unserer Alltagssprache nutzen wir Teile dieses metaphorischen Konzepts in Aussagen wie (vgl. Lakoff/Johnson 42004: 12):

1) Ihre Behauptungen sind unhaltbar.
2) Ich schmetterte sein Argument ab.
3) Er machte alle meine Argumente nieder.

Ähnliche Beispiele sind auch im Spanischen zu finden. Daraus kann man schließen, dass es im Deutschen und Spanischen kulturelle Überschneidungen gibt, indem beide Völker eine Diskussion als eine Art Kampf wahrnehmen (vgl. Lakoff/Johnson 42004: 13):[3]

4) Tus afirmaciones son indefendibles.
5) Destruí su argumento.
6) Atacó todos los puntos débiles de mi argumento.

Dieses metaphorische Konzept ist nur ein Beispiel von sehr vielen, die Lakoff und Johnson darauf schließen ließen, dass Teile unseres Denkens und auch unsere Wahrnehmung metaphorisch strukturiert seien (vgl. Lakoff/Johnson 42004: 14, Lakoff/Wehling 2008: 17). In einem neueren Buch von George Lakoff zusammen mit Elisabeth Wehling aus dem Jahr 2008 gehen die beiden der Frage nach, inwiefern der Gebrauch von Metaphern in der politischen Sprache die Bevölkerung beeinflusst beziehungsweise inwieweit politische Botschaften damit mehr Ausdruckskraft haben. Die Basis des Effekts von Metaphern stellt die Tatsache dar, dass 80% des menschlichen Denkens unbewusst ablaufen (vgl. Lakoff/Wehling 2008: 22). Auf dieser Grundlage kommen die beiden zum Ergebnis, dass Metaphern deswegen so ausdrucksstark sind, weil sie „politische Realitäten in den Köpfen der Hörer [schaffen]“ (Lakoff/Wehling 2008: 31). Das bedeutet, dass sie sich im Grunde in das menschliche Gehirn schleichen und dort Bilder entstehen lassen, von denen die Menschen denken, es wären ihre eigenen Gedanken, dabei ist es nur ein sehr expressives Bild eines politischen Umstands. Beim konzeptuellen Gebrauch von Metaphern heben wir auch einzelne Aspekte stärker hervor – Highligthing –, während andere Aspekte nicht berücksichtigt werden – Hiding, was ebenfalls einen großen Einfluss auf unser Denken und unsere Wahrnehmung hat (vgl. Lakoff/Wehling 2008: 28). Im Folgenden soll im Rahmen des Themas der Arbeit näher auf den politischen Sprachgebrauch eingegangen und geprüft werden, inwieweit der Gebrauch von Metaphern in der politischen Sprache dem Inhalt mehr Ausdruck verleiht.

3.2 Kriegsmetaphern

Lakoff konstatierte im Jahr 2003: „Metaphors can kill“ (Lakoff 2003). Er schrieb das schon im Jahr 1990, als der erste Golfkrieg begann und wiederholte es nochmal im Jahr 2003 kurz vor dem Beginn des Irakkriegs. In seinem Artikel ging es vornehmlich um Metaphern, die verharmlosten und verschleierten. So erklärt er, wie der Irakkrieg gerechtfertigt wurde, indem er nur gegen die Person Saddam Husseins gerichtet sein sollte und die Leute Aussagen trafen wie (vgl. Lakoff 2003):

7) Saddam is a tyrant. He must be stopped.

Er macht darauf aufmerksam, dass diese Metapher nur dazu da ist zu verschleiern, wie viele Tausende Zivilisten auf der Jagd nach Saddam Hussein auch noch umkommen würden (vgl. Lakoff 2003). Auch im Alltag findet man jede Menge Kriegsmetaphorik, wo es uns schon gar nicht mehr auffällt, beispielsweise in der Werbung oder in der Schönheitsindustrie. Es wird suggeriert, man sei dauernd bedroht und müsse sich gegen diese Bedrohung schützen, wie man in folgenden Beispielen sieht (vgl. Emig 2001: 126):

8) Aggressive Bakterien im Zahnbelag bedrohen ständig Ihre Zahngesundheit.

9) Beth Porter plans to lose five stones in a year. Can she really win the battle of the bulge?

Kriegsmetaphorik in der Alltagssprache ist völlig normal. Rainer Emig ist sogar der Auffassung, der Krieg beziehungsweise die Krise sei heutzutage der Normalzustand (vgl. Emig 2001: 129). Es scheint, als sei man permanent in einer Art Kampfsituation. Wenn man sich nun echte Kampf- oder Kriegssituationen ansieht, kommt es einem so vor, als würde der Terminus Krieg mittlerweile auch inflationär gebraucht. Das Paradebeispiel ist das Thema Terror. Die USA hatte kurz nach dem Anschlag vom 11. September 2001 schon sehr schnell den Terminus „Krieg gegen den Terror“ verwendet, wogegen in Europa noch eher von einem „Kampf“ gesprochen wird (vgl. Lakoff/Wehling 2008: 120). Wie schon im vorherigen Unterkapitel erwähnt ist also die Wortwahl für das politische Handeln und die politische Meinungsbildung der Bevölkerung entscheidend. Wird eine Kriegsmetapher über einen längeren Zeitraum hinweg öfter benutzt, „so wird das, was eigentlich eine Metapher ist, in unseren Köpfen zum Common Sense“ (Lakoff/Wehling 2008: 31). Durch das Highlighting und Hiding ist es aber ein Verständnis, das bestimmte Aspekte herausselektiert und andere nicht zur Sprache bringt. Insofern hat der Gebrauch von Metaphern, vor allem von Kriegsmetaphern, im politischen Sprachgebrauch einen starken Einfluss auf das Denken und die Meinungsbildung der Hörer.

Letztendlich sind also Kriegsmetaphern starke Ausdrücke, die in unserem Alltag allgegenwärtig sind. Sie beeinflussen unser Denken und unser Handeln und determinieren im politischen Kontext unsere politische Haltung. Der Gebrauch von Kriegsmetaphern ist folglich in einem kriegerischen Kontext umso aussagekräftiger, weshalb wir uns das nun an einem praktischen Beispiel ansehen werden.

4 Untersuchung zweier Aufrufe aus dem Jahr 1936

4.1 Aufruf von Francisco Franco vom 17. Juli 1936

Dieser Aufruf Francisco Francos wurde am 17. Juli 1936, also mitten im mehrtägigen Putschversuch der Militaristen, von einer Radiostation in Tertuán gesendet, in dem Franco sich an das spanische Volk wandte und ihnen die Gründe für die Erhebung gegen die republikanische Regierung darlegte (vgl. Pérez-Maura 2004: 17). Franco beschreibt in extrem pathetischer Sprache den katastrophalen Zustand des Landes, das es keine fraternidad, libertad und igualdad mehr gäbe, er klagt die Aufteilung des Landes an und schürt die Ängste der Bevölkerung, indem er sagt, ihre „fuentes de riqueza“ würden zerstört.[4] Die Schuld an diesem Zustand gibt er der republikanischen Regierung, aber auch den Ordnungskräften und anderen Ländern, wie der Sowjetunion. Er ruft also dazu auf, diesen Zustand, den er in solch pathetischer Sprache bildlich beschrieben hat, und vor allem seine Ursachen zu bekämpfen. Mit diesem Aufruf hat er vor allem ein Ziel: Seine Anhänger gegen den Gegner zusammen zu schweißen.[5] Die Sprache des Textes ist extrem kämpferisch, was natürlich dem Umstand des Putsches geschuldet ist. So finden wir die Lexeme defender beziehungsweise defensa ganze sechs Mal in dem Aufruf. Was hier verteidigt werden soll, ist die patria oder die nación, die hier als Mensch metaphorisiert wird, was sogar an der differentiellen Objektmarkierung im Beispiel „intentan destruir a España“ [Hervorhebung vom Verf.] zu sehen ist. Die Metapher NATION als MENSCH ist laut Lakoff eine ausdrucksstarke und mächtige Metapher (vgl. Lakoff 2003), die dem Volk suggeriert, gebraucht zu werden, um „ defenderla de sus enemigos hasta perder la vida “ [Hervorhebung vom Verf.]. Auch die constitución wird hier als Mensch metaphorisiert, die „suspendida y vulnerada […], aherrojada por la tiranía“ ist. Teilweise nicht nur kriegsmetaphorisch, aber doch auch sehr wichtig für die Ausdruckskraft des Aufrufs sind die vielen expressiven Adjektive, die ebenfalls von Kampf und Aggressivität zeugen, wie beispielsweise corroídas, soeces, calumniosos, engañadas, explotadas und sangrientas. Und in einem weiteren rhetorischen Stilmittel – der Frage – ruft Franco seinen Anhängern zu: „¿Es que podemos abandonar a España a los enemigos de la Patria, con proceder cobarde y traidor, entregándola sin lucha y sin resistencia ?“ [Hervorhebung vom Verf.]. Auch dieser Satz ist voller Kriegsmetaphern, geht es doch darum, den „Mensch“ Spanien aufzugeben und ihn seinen Feinden zu überlassen. In diesem Zusammenhang spricht er auch von Feiglingen und Verrätern, die zu der Zeit in den Heeren der Länder absolut minderwertig und zu verachten waren. Des Weiteren ist auch hier wieder die Rede vom Kampf und Widerstand, der geleistet werden muss.

Die Kriegsmetaphern und die kämpferischen Adjektive machen einen Großteil der Ausdruckskraft dieses Aufrufs aus. Sie verstärken die Botschaft, die Franco der Bevölkerung vermitteln will und kreieren ein Bild, das in die Köpfe der Bürger eindringt. Folglich kann man erkennen, wie effektiv eine solche Metaphorik in der Propaganda sein kann.

4.2 Aufruf von Dolores Ibárurri vom 19. Juli 1936

Dolores Ibárurri war eine bekannte, aber – auch in den eigenen Reihen – durchaus umstrittene Kommunistin, die sich vehement gegen die Nationalisten stellte und für die Republik kämpfte (vgl. Bernecker 1986: 63f). Ihr berühmtester Aufruf ¡No pasarán! wurde am 19. Juli 1936 über Radio Madrid verbreitet. Hierin ruft sie alle Arbeiter und Antifaschisten auf, sich gegen die Militärputschisten zu stellen. Dabei zieht sie immer wieder Bilder der Errungenschaften der erst seit kurzem währenden spanischen Demokratie heran, wie die Parlamentswahlen vom Februar 1936, bei der die Volksfront die Mehrheit erreicht hatte. Auf den ersten Blick fällt auf, dass Ibárurri die Lexeme für Kampf wie luchar, lucha, combate und pelea deutlich häufiger verwendet, als Franco.[6] In diesem Text kommen sie ganze zehn Mal vor und durchziehen den gesamten Aufruf. Außerdem ist auffällig, dass Ibárurri kein einziges Mal die Lexeme patria und nación benutzt und stattdessen nur von España und vor allem von der república spricht. Auch hier wird wieder die Menschmetapher verwendet: Die república müsse geschützt werden vor „esos desalmados que quieren hundir la España democrática y popular en un infierno de terror y de muerte “ [Hervorhebung vom Verf.]. Im Grunde genommen steht das Wort república metonymisch für sämtliche demokratischen Siege, die die spanischen Demokraten in den vergangenen Jahren erreicht hatten und die es nun zu verteidigen galt – „a consolidar la victoria lograda por el pueblo el 16 de febrero“ [Hervorhebung vom Verf]. Auch „la vida y la libertad de vuestros hijos“ gilt es zu beschützen, „que el fascismo amenaza “ [Hervorhebung vom Verf.]. Um die spanische Bevölkerung weiter zum Widerstand zu ermutigen, hebt sie auch hervor, dass „los comunistas, los socialistas y anarquistas, los republicanos demócratas, los soldados y las fuerzas fieles a la República han infligido las primeras derrotas a los facciosos “ [Hervorhebung vom. Verf.]. Neben schon erwähnten Lexemen wie infierno, terror und horror, verwendet Ibárurri, genau wie Franco, expressive Wörter wie aplastar und auch sangrientos.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass die Kriegsmetaphorik in beiden Aufrufen, auch wenn sie aus zwei komplett unterschiedlichen Lagern kommen, abgesehen von der Menschmetapher von nación und república, recht ähnlich sind. Unterschiede gibt es aber durchaus in anderen rhetorischen Merkmalen, die hier jedoch nicht diskutiert werden sollen.

5 Untersuchung zweier Aufrufe aus dem Jahr 1939

5.1 Aufruf des Generals Segismundo Casado vom 7. März 1939

Nachdem Franco am 1. Januar 1939 das „Año de la Victoria“ proklamiert hatte (vgl. Pérez-Maura 2004: 351) und obwohl alles auch nach einem solchen Sieg aussah, musste die republikanische Regierung eine Entscheidung treffen: Den Kampf weiterzuführen oder nicht. In einer Mitteilung vom 12. Februar 1939 setzte die Regierung die Bevölkerung über ihre Entscheidung, nämlich weiterzukämpfen, in Kenntnis. Knapp vier Wochen später, am 7. März 1939, wandte sich General Segismundo Casado, der bis drei Tage zuvor loyal zur Regierung gestanden, dann aber einen Putsch gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Juan Negrín organisiert hatte (vgl. Schauff 2006: 174f), an die spanische Bevölkerung, um sich zu erklären. Sein Hauptthema in diesem Aufruf ist die Entscheidung des Volkes zwischen „la paz al provecho de España o la guerra al servicio de la locura imperialista“.[7] So sagt er ganz deutlich: „O la paz por España o la lucha a muerte“. Auch hier spielen die Bilder „ luchar por la libertad y la independencia“ und „ defender las“ [Hervorhebung vom Verf.] eine große Rolle. Casado vermischt dabei das Vokabular von patria und república und entscheidet sich nicht für das eine oder das andere, wie wir es in der Analyse im vierten Kapitel gesehen haben. Und auch hier haben wir also die Menschmetapher. Im Gegensatz zu den Aufrufen aus dem letzten Kapitel spricht Casado jedoch viel mehr in Metaphern, die den Schmerz hervorheben. So spricht er von „el dolor que por igual sufrimos“ und „el dolor de España en el corazón“ und versucht damit, die gesamte Nation anzusprechen, die unter „los horrores de la guerra“ leidet. Auch in diesem Text findet man wieder das Lexem sangre, das in der Kriegsmetaphorik immer eine wichtige Rolle spielt. So malt Casado das Bild des „solar nativo […] que estamos cubriendo de ruinas y de sangre“ und fordert die Bevölkerung dazu auf zu verhindern „que nuestro país se sumerja en un mar de sangre, de odio y de persecución “ [Hervorhebung vom Verf.]. Im letzten Beispiel findet man dann eine andere Metapher, die die Schrecken des Krieges als tiefes Wasser metaphorisiert, aus dem es schwer ist, wieder herauszukommen. Casado beendet seinen Aufruf mit den Worten „que no tomamos sobre nuestra conciencia la responsabilidad de destruir nuestra Patria “ [Hervorherbung vom Verf.]. Diese unheilschwangere Kriegsmetapher scheint hier ziemlich bewusst gesetzt, ist sie doch zum einen der Vorwurf an die Militaristen und zum anderen die Aufforderung an die spanische Bevölkerung, nicht zuzulassen, dass das Land zerstört werde und dafür zu kämpfen. Letztendlich war aber am 7. März 1939 eigentlich schon klar, dass der Kampf für die Republik verloren war, auch wenn Casado und die Kommunisten noch eine Möglichkeit sahen, dem entgegen zu wirken, indem man mit Franco kooperierte (vgl. Schauff 2006: 174). Franco aber lehnte dies ab und forderte stattdessen die Kapitulation der republikanischen Regierung.

Anhand dieses Beispiels entsteht der Eindruck, dass sich der Gebrauch von Kriegsmetaphern in politischen Reden zwischen Beginn und Ende des Bürgerkriegs nicht verändert hat. Allerdings müsste man noch weitere Textbeispiele heranziehen, um zu einem aussagekräftigeren Ergebnis zu kommen.

5.2 Offizieller Kriegsbericht Francos vom 28. März 1939

Am 28. März 1939 eroberten die Militaristen die Hauptstadt Madrid (vgl. Pérez-Maura 2004: 383). Die republikanische Regierung war gestürzt und die Herrschaft Francos wurde von den meisten Ländern der Welt, abgesehen von Mexiko und der Sowjetunion, anerkannt. Im sogenannten III Año Triunfal hatte Franco sein Ziel erreicht und überbrachte am 28. März 1939 in Salamanca seinen sehr kurzen offiziellen Kriegsbericht durch General Jefe de Estado Mayor Francisco Martín Moreno. Darin sagt er, „las tropas españolas han liberado la capital […] de la barbarie roja“ [Hervorhebung vom Verf.].[8] Hier stellt er metaphorisch die Unterdrückung durch die linke und kommunistische Volksfront dar und bezeichnet sie als rote Barbaren, was im faschistischen Sprachgebrauch recht typisch ist. Auch hebt er nochmal „las grandes victorias anteriores“ hervor und erklärt ganz klar den Sieg der Militaristen.

6 Bewertung und Conclusio

Anhand der untersuchten Textbeispiele haben wir gesehen, dass die Kriegsmetaphorik ein elementarer Bestandteil der Propaganda im spanischen Bürgerkrieg war, völlig unabhängig von Partei- und Lagerzugehörigkeit. Auch sind die verwendeten Kriegsmetaphern sehr ähnlich, auch wenn jeder Redner seinen Schwerpunkt auf etwas Bestimmtes legte und sich somit die Kriegsmetaphern teilweise unterscheiden. Des Weiteren kann man sagen, dass sich die franquistische Sprache stark mit der typisch faschistischen und auch nationalsozialistischen Sprache deckt. Hier werden einzelne Ausdrücke häufig wiederholt. Die verwendeten Kriegsmetaphern tragen auch zur Expressivität der Texte bei, die ja alle mündlich veröffentlicht wurden. Sie schaffen Bilder in den Köpfen der spanischen Bevölkerung und stellen die Lage sehr ausdrucksstark dar. Auch aus der diachronen Perspektive scheinen sich die Kriegsmetaphern nicht hinlänglich zu verändern. Es ist allerdings zu empfehlen, weitere Textbeispiele heranzuziehen und eine detailliertere Untersuchung durchzuführen. Diesem Anspruch kann diese Arbeit leider nicht gerecht werden.

Literaturverzeichnis

Bernecker, Walther L. (1986): Der Spanische Bürgerkrieg. Materialien und Quellen. Frankfurt am Main: Vervuert.

Pérez-Maura, Ramón (2004): La Guerra Civil en sus documentos. Barcelona: Belacqva.

Crusells, Magí (2003): La Guerra Civil Española. Cine y propaganda. Barcelona: Ed. Ariel.

Emig, Rainer (2001): Krieg als Metapher im zwanzigsten Jahrhundert. Darmstadt: Wiss. Buch-Ges.

González Calleja, Eduardo (1988): La hispanidad como instrumento de combate. Raza e im-perio en la prensa franquista durante la guerra civil Española. Madrid: Consejo Superior de Investigaciones Científicas.

Lakoff, George (2003): Metaphor and War, Again. <http://www.alternet.org/story/15414/> [Zugriff am 30.08.2016]

Lakoff, George/Wehling, Elisabeth (2008): Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und ihre heimliche Macht. Heidelberg: Carl Auer.

Lakoff, George/Johnson, Mark (82014): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg: Carl Auer.

Pankau, Johannes G. (Hrsg.) (1997): Rhetorik im Nationalsozialismus. Tübingen: Niemeyer.

Peral Vega, Emilio/Sáez Raposo, Francisco (Hrsg.) (2015): Métodos de propaganda activa en la Guerra Civil Española. Literatura, arte, música, prensa y educación. Madrid: Iberoamericana.

Schauff, Frank (2006): Der Spanische Bürgerkrieg. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Sluzalek, Ralf (1987): Die Funktion der Rede im Faschismus. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem d. Univ. Oldenburg.

Southworth, Herbert R. (2002): Conspiracy and the Spanish Civil War. The Brainwashing of Francisco Franco. London: Routledge.

[...]


[1] In dieser Arbeit wurde die 4. deutsche Auflage verwendet: Lakoff/Johnson 42004.

[2] Vgl. Schauff 2006: 74, hier zu den Radioansprachen von General Gonzalo Queipo de Llano, der zu einer „rücksichtslosen Bekämpfung der Linken“ aufforderte.

[3] Die spanischen Beispiele stammen aus der spanischen Übersetzung: Lakoff, George/Johnson, Mark (22005): Metáforas de la vida cotidiana. Ohne Ort: Catedra.

[4] Sämtliche spanischen Textbeispiele sind entnommen aus: Pérez-Maura (2004: 17–19).

[5] Zu dieser Funktion der Rede im Faschismus siehe Sluzalek (1987: 28–41).

[6] Sämtliche spanischen Textbeispiele sind entnommen aus: Pérez-Maura (2004: 27–29)

[7] Sämtliche spanischen Textbeispiele sind entnommen aus Pérez-Maura (2004: 373–375).

[8] Sämtliche spanischen Textbeispiele sind entnommen aus: Pérez-Maura (2004: 383–384).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kriegsmetaphorik in der Propaganda des spanischen Bürgerkriegs anhand ausgewählter Textbeispiele
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
Spanische und portugiesische Semantik
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V342089
ISBN (eBook)
9783668318762
ISBN (Buch)
9783668318779
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanisch, Bürgerkrieg, Metaphern, Kriegsmetaphern, Propaganda, Sprache, Spanien
Arbeit zitieren
Sarafina Märtz (Autor), 2016, Kriegsmetaphorik in der Propaganda des spanischen Bürgerkriegs anhand ausgewählter Textbeispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342089

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