"Marx für Eilige" von Robert Misik. Eine Rezension


Rezension / Literaturbericht, 2016

5 Seiten


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Rezension zum Buch „Marx für Eilige“ von Robert Misik

Für eine bessere Übersicht und zum Einstieg in die Rezension, gebe ich hier einen kurzen Überblick über mein Vorgehen. Anfangs werde ich den Autor dieses Werkes in den Mittelpunkt stellen, bevor ich mich dem übergeordneten Ziel des Buches widme. Desweiteren wird es selbstverständlich eine Kapitelübersicht geben und dabei auch eine inhaltliche Besprechung, eines der exemplarisch ausgewählten Kapitel. Abschließen werde ich die Rezension mit einer kurzen Einschätzung meinerseits zu dem Buch von Robert Misik.

Robert Misik wurde in den 60er Jahren in der österreichischen Bundeshauptstadt geboren und kam schon früh mit der Thematik „Marx“ in Berührung, da er seit den 1980er der „Gruppe Revolutionäre Marxisten“ angehörte. Ob diese Nähe zum Marxismus seinen Blick auf die Thematik verfärbt hat, wird sich im Verlauf zeigen. Ab 1989 stand der Journalismus im Vordergrund von Misiks Tätigkeit. Er hatte verschiedenste Anstellungen in dieser Branche, darunter auch bei der deutschen Zeitung „Taz“ oder aber auch bei der in Österreich erscheinenden Zeitschrift „profil“.[1] Im Laufe der Jahre arbeitete er bei verschiedenen Medien als Journalist, bevor er im Jahre 2002 als freier Autor anfing Sachbücher zu schreiben und einen regelmäßigen Webblog zu initiieren. Hauptaugenmerk seiner Bücher und seiner Präsentationen im Web sind die Auseinandersetzung mit der Globalisierung, dem Konsum und allgemein mit politischen Theorien.[2] Seine Schriften zur Finanzkrise, dem Kapitalismus oder der Politik blieben der Leserschaft nicht verborgen. Misik erhielt 2009 den Staatspreis für Kulturpublizistik und wurde 2010 zum Journalisten des Jahres in Österreich gewählt.

„Robert Misik stellt die wichtigsten Texte von Marx vor und skizziert ein lebendiges Portät des herrschsüchtigen Visionärs, der immer über seine Verhältnisse lebte. Das Buch ist eine eloquente Einführung für Marx Anfänger, eröffnet aber auch erstaunlich neue Perspektiven für Marx Kenner.“[3]

Die erste Dekade des 21. Jahrhunderts ist geprägt von Krisen, sei es von finanziellen, politischen oder gesellschaftlichen. Diese Erkenntnis verleitete Misik dazu, sich wieder näher mit der Thematik Marx auseinander zu setzen. Aber nicht nur Misik beschäftigt sich mit dem Universalgelehrten aus Trier, auch führende Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftszeitschriften. „Als eine Regierungsform ist der Kommunismus tot. Aber als ein System von Ideen ist seine Zukunft gesichert.“[4] Dieses Zitat aus der britischen Wirtschaftszeitschrift „Econimoist“ wird auch durch eine Umfrage der BBC zur Jahrtausendwende gestützt.[5] Die Gesellschaft sieht immer noch Karl Marx als „den größten Denker“ des Milleniums an, noch vor solchen wichtigen Vertretern wie Einstein oder Darwin. Auch die Medien auf der anderen Seite des Atlantik sind der Meinung das Marx immer wichtiger wird in unserer heutigen Gesellschaft, besonders seine Analyse zum Kapitalismus.[6]

Marx ist also noch nicht tot. Gerade durch die aktuellen Krisen wird Marx immer aktuell bleiben und auch immer wieder zu Rate gezogen werden. Es ist en vogue sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder mit ihm zu beschäftigen. Auf diesen Zug springt auch Misik auf. Sein Werk „Marx für Eilige“ ist, wie der Name schon suggeriert, sehr kurzweilig und als Lektüre für nebenher gedacht. Er möchte mit diesem Sachbuch nicht die wissenschaftliche Welt der Historiker und Politikwissenschaftler ansprechen, nein, es soll eine leicht verständliche Einführung in das Leben und die Schriften Marx sein, aber eben für die Allgemeinheit. Lukas Wieselberg beschreibt das Buch als überaus „ lebendig “ geschrieben, ja sozusagen „ U-Bahn kompatibel “.[7] Dass ist der Anspruch den Misik an sein Buch legt, man soll nebenher, ohne tiefer in die Lektüre schauen zu müssen, sich mit Marx beschäfigen können und diesen auch verstehen. Woher die Intention für dieses Buch gekommen ist, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich ist aber, dass durch seine Zeit beim GRM[8] sein Interesse an Marx geweckt und geschürt wurde, und er nun der breiten Öffentlichkeit zeigen will, dass die marxschen Ideen aktueller denn je sind.

Gegliedert hat Misik sein Werk in acht gleich große Kapitel, welche chronoligisch angeordnet sind. Auf diesen jeweils knapp zwanzig Seiten sinniert er über die einzelnen marxschen Stationen von seiner Geburt in Trier, über die einzelnen Exilorte wie Paris oder London bis hin zu seinem Tod. Natürlich werden auch die wichtigsten Schriften, ob es nun das Manifest, das Kapital oder aber auch der historische Materialismus ist, vorgestellt. Dabei macht er immer wieder Exkurse in die heutige Zeit und vergleicht diese mit den marxschen Schriften. Tagespolitische Ereignisse wie „ geplatzte Seifenblasen “, „New Economy“ oder der „ Börsenwahn[9] werden in Frage gestellt. „ Wie funktioniert dieser Kapitalismus ?“[10] fragt sich Misik immer wieder und versucht mit Hilfe von Marx diese Problematiken zu lösen. Der vergleichende Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch sein Buch, bis in das letzte Kapitel, in dem er ein Lösungsvorschlag gibt. Die Zauberformel heißt „Marx lesen“. „ Marx lesen ist ein Heilmittel gegen alle posivistischen Borniertheiten, gegen alle letzten Wahrheiten. Stattt dessen gilt: Da es so ist, bleibt es nicht so. Jede gesellschaftliche Lage steht, wie fest sie begründet zu sein scheint, auf des Messers Schneide, immer bereit, in ihr Gegenteil umzuschlagen. Die Welt ist stabil, starr verfasst und unveränderlich? Nein, die Welt ändert sicht unentwegt, […].“[11] Der „ alte Meister “, wie Misik Marx nennt, „ hat uns über den Kapitalismus des Informationszeitalters und eben die Überraschungen die er parat hält“[12] mehr zu sagen, als sich vermuten lässt.

Gerade dieses letzte Kapitel, aber auch schon vereinzelt in den Abschnitten zuvor, kann als Verglorifizierung Marx angesehen werden. Seine Schriften als Heilmittel für alle Probleme unserer Zeit. In diesen Zeilen lässt sich vermutlich der „Marxist“ in Misik erkennen, welcher ja schon seit den 80er Jahren in ihm gewachsen ist und sich durch seine Kapitalismuskritik[13] äußert.

Frankenstein oder: Der entfremdete Mensch. Vom „frühen Marx“ zur „Abrechnung mit der Philosophie. Auch dieses Kapitel beginnt wieder mit der Thematik der Kritik an unserem System. Misik beschreibt wie überall auf der Welt die Globalisierung im Informationszeitalter greift und welche Revolutionen dies nach sich zieht.[14] Es gibt, wenn man Misik glauben mag, nicht nur Vorteile aus dieser Vereinheitlichung der Welt, der Abstand zwischen „den Gewinnern und Verlierern in diesem globalen kapitalistischen Casino“[15] wird immer größer. Aus diesem Grunde komme es auch immer wieder bei den Kindern des Wohlstandes zu Aufständen und Revolten. Hier schlägt der Autor dann auch die Brücke zu Karl Marx. Er zeichnet ihn als genauso einen jungen Mann, der in Paris in einem Cafe sitzt, über das Leben nachdenkt und sich vorstellt, wie er diese verbessern könnte. Im Weiteren zeigt Misik Marx Lebenslauf auf, beschreibt kurz seinen Werdegang, schulisch und privat. Hierbei geht er näher auf die familiären Besonderheiten von Marx ein, dass er in „ einem seltsamen Traditionsmix aus Thalmud und Thora[16] aufgewachsen ist. Nicht nur die Familie war besonders, auch die Zeit in die Karl hineingeboren wurde. Auf der einen Seite die Traditionen der jüdischen Kultur und andererseits der Sprung in die Moderne durch die Gedanken und Hoffnungen der französischen Revolution.

Nach dem Abitur ging Marx mit 17 zum Studium nach Bonn. Er sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und Anwalt werden. Karl interessierte sich aber viel mehr für die Philosophie. Dieses Studienfach schloss er in Berlin ab und wurde zum Doktor in Jena promoviert. Misik zeichnet seinen Weg weiter, wie Karl aus der Not heraus einen Job bei der „Rheinischen Zeitung“ annahm, wie er dort unter der Zensur zu leiden hatte und wie schnell er zum Chefredakteur aufstieg. Der nächste große Einschnitt in Marx Leben war die Umsiedlung nach Paris. Gezwungen durch die preußische Zensur gab Karl den Posten des Chefredakteurs auf und zog nach Frankreich.

In dieser Zeit widmete sich Marx erstmals der Kritik an der Nationalökonomie. Es entstanden die Pariser Manuskripte. Misik schreibt, was ihn dann auch wohl zur Kapitelüberschrift inspirierte, dass in dieser Zeit die Erzählung der „ Frankenstein[17] Geschichte beginnt. Die Definition dieser Horrorgeschichte liefert Misik auch gleich mit. „[...] beginnt Marx die Erzählung seiner Frankenstein-Geschichte, vom Menschen, der sich vin seinem Wesen entfremdet, in dem er seine Welt schafft, die ihm – obwohl von ihm produziert – als ihm fremde, feindliche Macht gegenübertritt: der kapitalistische Kosmos […] Es ist eine Erzählung, die ihn nicht mehr loslassen wird.“ [18] Schlussendlich beschäftigt sich das Kapitel neben dem anfänglichen Lebesweg, dann noch etwas ausführlicher mit den ersten Schritten von Karl in der Welt der kritischen Wissenschaften.

Was für ein Mehrwert kann uns dieses Buch nun geben? Ich denke für den ungeübten Marxleser ist „Marx für Eilige“ empfehlenswert. Es birgt einen gelungenen Überblick über das Leben von Marx und einen guten Einblick in seine Werke, ohne störend in die Tiefe zu gehen. Verfremdlich sind allerdings die Glorifizierungen die Marx entgegengebracht werden, was sich zwar nicht störend auf den Lesefluss auswirkt, aber doch einen bitteren Beigeschmack der politischen Färbung hinterlässt.

Alles in Allem eine gelungene Einführung für die breite Öffentlichkeit, der geübte Historiker sollte allerdings vorsichtig und kritisch mit dem Werk umgehen.

Literaturverzeichnis:

Misik, Robert: Marx für Eilige, Berlin 2003.

alle Internetseiten haben den Stand: 30.09.16

1. https://ctl.univie.ac.at/ctl-lectures/archiv/friday-lectures-ws-201112/moderatorinnen/robert-misik/
2. http://derstandard.at/r6114/FS-Misik
3. http://www.economist.com/node/1489165
4. https://cms.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=-11&item_id=9783746619453
5. http://www.newyorker.com/magazine/1997/10/20/the-return-of-karl-marx
6. http://news.bbc.co.uk/2/hi/461545.stm

weitere Rezension:

Frank Schale, Rezension zu: Robert Misik: Marx für Eilige Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/18701-marx-fuer-eilige_21695, veröffentlicht am 01.01.2006.

[...]


[1] https://ctl.univie.ac.at/ctl-lectures/archiv/friday-lectures-ws-201112/moderatorinnen/robert-misik/

[2] http://derstandard.at/r6114/FS-Misik

[3] Misik, Robert: Marx für Eilige, Berlin 2003, Klappentext.

[4] http://www.economist.com/node/1489165

[5] http://news.bbc.co.uk/2/hi/461545.stm

[6] http://www.newyorker.com/magazine/1997/10/20/the-return-of-karl-marx

[7] https://cms.falter.at/falter/rezensionen/buecher/?issue_id=-11&item_id=9783746619453

[8] Gruppe Revolutionärer Marxisten

[9] Misik, Robert: Marx für Eilige, Berlin 2003, S. 86.

[10] Vgl. Ebd. S.86.

[11] Ebd. S.132.

[12] Ebd. S.137.

[13] Ebd. S. 20 (Schere zwischen Gewinnern und Verlierern im globalen Kapitalismus wird immer größer); S.21 (in allem Überfluss tut sich eine Leere auf, in dem der Mensch sich verliert)

[14] Ebd. S.20.

[15] Ebd. S.20.

[16] Misik, Robert: Marx für Eilige, Berlin 2003, S. 25.

[17] Ebd. S.27.

[18] Ebd. S.27-28.

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Details

Titel
"Marx für Eilige" von Robert Misik. Eine Rezension
Hochschule
Universität Trier  (Neuere und Neuste Geschichte)
Veranstaltung
Marx für HistorikerInnen
Autor
Jahr
2016
Seiten
5
Katalognummer
V342252
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl Marx, Misik, Rezension, Marx Überblick
Arbeit zitieren
Michael König (Autor), 2016, "Marx für Eilige" von Robert Misik. Eine Rezension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342252

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