Rousseau und Hobbes im Vergleich. Welche Staatstheorie lässt sich als potentielle Grundlage für das Konzept des „Demokratischen Friedens“ nach Kant anwenden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

15 Seiten, Note: 1,3

Aliena Corsepius (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2
2.1 Menschenbild im Naturzustand und Vertragstheorie
2.1.1 T. Hobbes
2.1.2 J.J.Rousseau

3
3.1. „ErsterDefinitivartikel“ImmanuelKants
3.2 Das erste Prinzip des „Ersten Definitivartikels“ und die Staatstheorien von J.J. Rousseau und T. Hobbes - ein Abgleich

4. Schlussfolgerung

1. Einleitung

Seit es den Menschen gibt, gibt es auch Kriege; dieser Gedanke kommt umge- hend auf, betrachtet man den zeitlichen Verlauf der Menschheit. Schon in der Antike sind die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen verzeichnet und auch in der heutigen Zeit, dem 21. Jahrhundert, beherrschen Kriegsmeldungen die Schlagzeilen der Medien in einer erschreckender RegelmaRigkeit. Die Ak- tualitat von kriegerischen Handlungen machen die beiden Erscheinungsformen Frieden und Krieg zu zentralen Begriffen fur die Politik und die Politikwissen- schaften. Anhand der Beobachtung des historischen Verlaufs, wann sich Staa- ten unter welchen Bedingungen im inneren oder auReren Kriegszustand befan- den oder befinden, lassen sich wiederholende Muster und somit Bedingungen oder Voraussetzungen fur Krieg und Frieden feststellen. Eine der wichtigsten Theorien zum auReren Frieden stellt das Konzept des ,,Demokratischen Frie- dens“. Der liberate[1] Erklarungsversuch, dass demokratische Staaten unterein- ander keinen Krieg fuhren, wird gestutzt durch empirische Befunde (Czempiel 1996: 82) und kann als das einzige empirische Gesetz der International Be- ziehungen bezeichnet werden (Geis 2001: 282). Als Begrunder des Konzepts gilt Immanuel Kant, dessen Werk ,,Zum ewigen Frieden“ die politische Struktur von Staaten mit ihrer Tendenz zur Kriegsfuhrung verknupft und die philosophi- sche Hauptgrundlage fur die Theorie des ,,Demokratischen Friedens“ bildet. Die laut Kant fur einen ,,ewigen Frieden“ im Inneren eines Staates, und dem daraus folgenden auReren Frieden, notwendigen Prinzipien der republikanischen Ver- fassung sowie die damit in Verbindung stehende Friedenslogik, lasst auf die heutige liberale Demokratie als fundamentalste politische Bedingung fur eine stabile Friedensordnung schlieRen (Gerhardt 1995: 89). Die Verfasstheit eines Staates ist somit ein Aspekt, welcher Relevanz in der Frage nach einem Frie- denszustand besitzt. Diesen politischen Faktor mochte ich verknupfen mit dem anthropologischen, der das Wesen des Menschen behandelt; ist der Mensch von Natur aus uberhaupt fahig fur ein friedliches Zusammenleben? Und welche politischen Bedingungen wurden damit verbunden sein? Einerseits gibt es die Annahme Jean-Jacques Rousseaus der naturgegebenen Friedfertigkeit des Menschen im Naturzustand (Rousseau 1994: 65), wohingegen die von Thomas Hobbes vertretene Ansicht, mit dem naturlichen Wesen des Menschen wurde zwangslaufig ein „Krieg aller gegen alle“ (Hobbes 1994b: 124) einhergehen, vom Gegenteiligen zeugt. Rousseau wie Hobbes schufen jeweils eine in vielerlei Hinsicht gegensatzliche Anschauung des Menschen im Naturzustand, welche die Grundlage zu ihren ebenso differenten Staatstheorien bildet.

In dervorliegenden Hausarbeit mochte ich anhand des ersten Prinzips aus dem ,,Ersten Definitivartikel" Kants untersuchen, welche der von den jeweiligen Men- schenbildern abgeleiteten Staatstheorien von Rousseau und Hobbes, eben auf- grund ihrer Gegensatzlichkeit, eine potentielle Grundlage fur das Konzept des ,,Demokratischen Friedens" bilden kann. Ich beschranke mich aufgrund des be- grenzten Umfangs der vorliegenden Hausarbeit dabei auf den ersten der insge- samt drei Prinzipien des ,,Ersten Definitivartikels". Letzteren habe ich gewahlt, da jener, durch eine Macht, die allein durch das Recht legitimiert ist, eine Siche- rung des Friedens im Staatsinneren gewahrt und somit als ,,erste und wichtigste Realbedingung fur den globalen Frieden" gilt (Gerhardt 1995: 79).

Beginnend mit einer kurzen Erlauterung von den Menschenbildern im Naturzu­stand der beiden Vertragstheoretiker Rousseau und Hobbes, werde ich auf Kants ,,Ersten Definitivartikel" und dessen ersten Prinzips eingehen, um darauf- hin im Hauptteil meiner Hausarbeit eben jenes Prinzip mit den dazu jeweilig passenden Komponenten der Staatstheorien abzugleichen. Ich mochte mich dabei auf das erste Prinzip konzentrieren, da es die Sicherung des freien Han- delns der Staatsburger beinhaltet (Gerhardt 1995: 80), was den ersten und obersten Grundsatz in der republikanischen Verfassung, und somit auch die wichtigste Voraussetzung fur die langfristige Friedenssicherung verkorpert (Ger­hardt 1995: 81). Der darauffolgende Abgleich wird Ubereinstimmungen wie Ge- gensatzlichkeiten aufzeigen, welche mir im Schlussteil die Bestatigung folgen- der Hypothese ermoglichen werden: Im Vergleich zu der Staatstheorie von T. Hobbes, stellt jene von J.J. Rousseau eine potentielle Grundlage fur das Kon­zept des ,,Demokratischen Friedens" nach Kant dar.

2.

2.1 Menschenbild im Naturzustand und Vertragstheorie

2.1.1 T. Hobbes

Das Leben sei „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“ (Hobbes 1994a: 96), mit diesen Worten aus seinem Werk “Leviathan" beschreibt Thomas Hob­bes den im Naturzustand, also ohne kontrollierende Macht, lebenden Men- schen, dessen Leben gepragt ist von der Furcht vor Unterdruckung oder gar dem Tode durch andere und dem Drang nach seiner Selbsterhaltung (Hobbes 1994b: 124). Dies fuhrt zu einen immanenten Krieg eines jeden gegen jeden, da ein jeder zur Gewahrleistung der eigenen Sicherheit und Selbsterhaltung das ,,Recht des Krieges" besitzt, das Recht mit jeglichen Mitteln ,,seinem Nach- barn offen oder mit List zuvorkommen" und somit sein Leben zu schutzen (ebd.). Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht sind die drei Hauptkonfliktursa- chen der menschlichen Natur (Hobbes 1994a: 95) und fuhren bei den Men- schen zu einem standigen Wettkampf um Ehre und Wurde (Hobbes 1994b: 133). Der Mensch handelt aus Eigenwohlinteresse (Hobbes 1994a: 101) und naturlichen Leidenschaften, wie Hochmut, Parteilichkeit und Rachsucht (Hob­bes 1994a: 131), welche der Friedfertigkeit entgegenstehen und mitunter nur durch Furcht vor Strafe durch den Machtinhaber im Staate (Hobbes 1992: 151) und einer Garantie von Sicherheit einzudammen sind (Hobbes 1994a: 131f). Die Menschen erlangen die fur ein friedliches Zusammenleben notwendige Si­cherheit und der damit verbundenen Garantie der Selbsterhaltung (Hobbes 1994a: 131f) zum einen nur durch die VertragsschlieRung eines jeden mit je- dem (Hobbes 1994a: 134) und zum anderen darauffolgend durch die Errichtung einer allgemeinen die Menschen im Sinne des Gemeinwohls kontrollierenden Gewalt, indem jeder seine gesamte Macht und Starke auf eine Person, sei es ein Mensch oder eine Versammlung von Menschen, ubertragt (Hobbes 1994a: 134f). Die zu dieser Person vereinte Menge, der Souveran oder die Versamm­lung mit der hochsten Gewalt, bildet den Staat, dem ,,sich jeder einzelne einer groRen Menge durch gegenseitigen Vertrag eines jeden mit jedem zum Autor ihrer Handlungen gemacht hat, zu dem Zwecke, daR [er] die Starke und

[...]


[1] liberal im Sinne theoretischer Oberlegungen, „...die internationale Politik im Wesentlichen auf innerstaatliche Akteure, Strukturen und Prozesse zuruckfuhren.“ (Schimmelfennig 2010: 138).

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Details

Titel
Rousseau und Hobbes im Vergleich. Welche Staatstheorie lässt sich als potentielle Grundlage für das Konzept des „Demokratischen Friedens“ nach Kant anwenden?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V343002
ISBN (eBook)
9783668331303
ISBN (Buch)
9783668331310
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staatstheorie, Hobbes, Kant, Rousseau, Demokratischer Frieden
Arbeit zitieren
Aliena Corsepius (Autor), 2015, Rousseau und Hobbes im Vergleich. Welche Staatstheorie lässt sich als potentielle Grundlage für das Konzept des „Demokratischen Friedens“ nach Kant anwenden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343002

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