Crispus und seine Hinrichtung. Umstände und möglichen Ursachen des Todes des Flavius Julius Crispus


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Nachfolgeregelung Konstantins des Großen

3. Leben und Karriere des Crispus

4. Die Frage seiner Hinrichtung

5. Schluss

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Leben, der Karriere und vor allem den Umständen und möglichen Ursachen des Todes des Flavius Julius Crispus, einem der Söhne Konstantins des Großen. Welche Gründe könnten Konstantin dazu veranlasst haben, den Tod seines ältesten und militärisch und politisch erfolgreichen Sohnes anzuordnen? Darüber herrscht in der Forschung seit geraumer Zeit eine rege Diskussion. Auf diese soll auch in dieser Arbeit eingegangen werden.

Zunächst sollen jedoch die historischen Fakten dargelegt werden. Begonnen werden soll dabei mit der von Konstantin ursprünglich gedachten Nachfolgeregelung, deren Scheitern und der Rolle, die Crispus ursprünglich in selbiger spielte.

Der nächste Abschnitt befasst sich mit Crispus selbst sowie seiner politischen und militärischen Karriere. Dabei soll auch eine Betrachtung der Flavia Maxima Fausta erfolgen, welche eine wesentliche Rolle bei der Betrachtung der möglichen Ursachen für die Hinrichtung Crispus spielte.

Die beiden wesentlichen für die Darlegung der historischen Faktenlage und der Person des Crispus in dieser Arbeit herangezogenen Quellen sind die „Liber de Caesaribus“ von Sextus Aurelius Victor sowie die „Neue Geschichte“ von Zosimos.

Sextus Aurelius Victor wurde um 320 in Afrika geboren und starb um 390. Er war Redner und Reichsbeamter, unter anderem Statthalter in Pannonien und preafecius urbi in Rom.[1] Sein Hauptwerk ist die angesprochene „Liber de Caesaribus“, eine von Augustus bis zum Tod Constantius II. reichende historische Darstellung. Das Werk wurde 360 vollendet. Die „Epitome de Caesaribus“ wurden nach seinem Tod verfasst und erweitern den behandelten Zeitraum bis 395, kürzen das von Aurelius verfasste Material jedoch ab. Die Überlieferung der „Epitome“ ist von Aurelius Victor und seinem Werk völlig losgelöst und soll daher hier nicht weiter betrachtet werden.[2] Als Heide geht Aurelius Victor oft auf „Vorzeichen“ und angebliche Himmelserscheinung oder Omen ein. Die Sprache in seinem Werk fand zur damaligen Zeit wenig Zuspruch. Er sah sich eher in der sprachlichen Tradition eines Sallust, während Zeitgenossen solche vergangenen Modellen meist nicht folgen konnten oder wollten. Sein Stil wird als „self-educated“ und „proper“ beschrieben, während die damalige Zeit eher einen „affected style with tortured word order, involved sentences, and artificial conceits“ erwartete.[3] Dies könnte einer der Gründe dafür sein, dass nur zwei Manuskripte überliefert wurden.

Über den heidnischen Autor Zosimos ist nur wenig bekannt. Er war literarisch und juristisch geschult bekleidete eine Zeit lang eine höhere Funktion in der Administration des Römischen Reiches. In seiner „Neuen Geschichte“ („Historia Nea“) betrachtet er die römische Geschichte von ihren Anfängen bis unmittelbar vor der Einnahme Roms durch Alarich 410. Er vertritt dabei einen stark antichristlichen Standpunkt, gibt dem Christentum sogar indirekt die Schuld am Niedergang Roms und ist daher auch als Gegner Konstantins anzusehen. Seine Darstellungen des Kaisers sind „von ausgesuchter Gehässigkeit“.[4] Er selbst stützt sich häufig unkritisch auf seine Quellen (Eunapios und Olympiodoros) und übernimmt auch deren Urteile ungeprüft. Nach eigener Aussage war er bemüht, eine „knapp gefasste, rasch voranschreitende Darbietung des geschichtlichen Ablaufs zu bieten.“[5] Dies schlägt sich auch in seiner Sprache und Wortwahl nieder. Sein Satzbau ist meist einfach gehalten und die Sprache insgesamt lässt sich als sehr nüchtern bezeichnen. Dennoch stellt die „Neue Geschichte“ eine der wichtigsten Quellen für das 4. Jahrhundert dar.

2. Die Nachfolgeregelung Konstantins des Großen

Die Nachfolgeordnung Konstantin des Großen war offenbar stark von dem der diocletianischen Tetrarchie beeinflusst – was nicht verwundert, war er doch schließlich zu Zeiten des selbigen aufgewachsen. Es gab jedoch Unterschiede. Der wesentlichste ist, dass die Herrschaft auf seine eigenen Nachkommen, seine Söhne Crispus, Constantin II., Constans und Constantius übergehen sollte. Er plante also eine dynastische Nachfolgeregelung, eine Art „familienbasierte Tetrarchie“.[6]

Die Reihenfolge, in welcher die Nachkommen Konstantins in den Rang eines Caesaren erhoben wurden ist in den Quellen belegt. Zunächst, noch zu Zeiten der gemeinsamen Herrschaft Konstantins und Licinius, „[…] zog man in der Stellung von Caesares die beiderseitigen Kinder hinzu: Crispus und Constantinus, die Söhne des Flavius, sowie Licinianus, den des Licinius.“[7] Licinius und seine Familie wurden 324 entmachtet und Constantius II. rückte als Caesar nach. Zum Zeitpunkt von Crispus Tod standen also unter dem Augustus Konstantin drei seiner Söhne als Caesaren.

Jeder seiner Söhne erhielt ein Territorium des Reiches zugeteilt, über dessen Schutz und Verwaltung er entsprechend walten sollte: Crispus erhielt Gallien 318 und wurde nach seinem Tod 328 durch Constantin II ersetzt, während Thrakien und Griechenland unter der Herrschaft Dalmatius, der Orient unter Constantius II und Italien von Constans regiert wurden - jeweils ab dem Jahr 335.[8] Konstantin wurde in seiner Funktion als Augustus als Lenker einer von vier Caesaren gezogenen Quadriga gesehen.

Darüber, wie der Verlauf der Geschichte ausgesehen hätte, wäre Crispus nicht im Jahr 326 zu Tode gekommen, kann nur gemutmaßt werden. Um die von Konstantin vorgesehene Viererherrschaft jedoch zu gewährleisten, rückte an seiner statt neben Konstantins weiterem Sohn Constans 333 auch der Stiefneffe des Kaisers, Dalmatius, 335 in den Rang eines Caesars nach.[9] Der stellenweise als fünfter Herrscher in der Nachfolgeregelung genannte Hannibalianus hatte nie die Bedeutung und den Rang eines Caesars, sondern lediglich den Titel „König der Könige“.[10] Er war als Großkönig für die nichtrömischen Gebiete zuständig und obwohl auch für ihn Münzen geprägt wurden, so zierte diese ein für römische Herrscher ungewöhnliches Motiv und wurden sie nur in Silber und Aes gefertigt, womit das Goldreservat des römischen Reiches unangetastet blieb.[11]

Es wird deutlich, dass Konstantin die Herrschaft in seiner Familie halten wollte und eine Dynastie begründen wollte. Dies wurde sogar in seinem Testament festgelegt. Er bereitete seine Söhne teils schon von Kindesbeinen an (was der Annahme, diese Vorstellungen zu seiner Nachfolge seien erst gegen Ende seines Lebens in ihm gereift, widerspricht) auf die Herrschaft vor und für alle Caesaren wurden Münzen geprägt, um sie der Bevölkerung als präsumtive Nachfolger vorzustellen. Er wusste, dass der „von allen Seiten bedrohte[…] Reichskörper“[12] nicht von einer einzelnen Person beschützt und zusammengehalten werden könnte. Eine wichtige Rolle spielte auch das dynastische Denken der Soldaten, welche keine andere Regelung akzeptiert hätten und deren Ansichten Dalmatius mit seiner in ihren Augen fehlenden Reputation zum Opfer fiel.

Die Frage, die sich stellt, ist, warum Konstantin seinen ältesten und bereits mit militärischen Erfolgen versehenen Sohn Crispus lieber beseitigen ließ, anstatt ihn weiterhin in die dynastische Nachfolgeregelung einzubinden.

[...]


[1] Gründel, R. / Pichelmayer, F. : Art. Aurelius Victor, in: Reclams Lexikon der griechischen und römischen Autoren, Stuttgart 1997, S. 66f.

[2] Schlumberger, Jörg: Die Epitome de Caesaribus. Untersuchungen zur heidnischen Geschichtsschreibung des 4. Jahrhunderts n. Chr. (Vestigia, Bd. 18), München 1974, S. 3.

[3] Starr, Chester G.: Aurelius Victor. Historian of Empire, in: The American Historical Review 61 (Bd. 3 1956), S. 575f.

[4] Rebenich, Stefan: Art. Zosimos, in: Metzler Lexikon antiker Autoren, Stuttgart [u.a.] 1997, S. 768.

[5] Zosimos: Neue Geschichte (Bibliothek der griechischen Literatur, Bd. 31), Stuttgart 1990, S. 7.

[6] Brandt, Hartwin: Konstantin der Große: der erste christliche Kaiser. Eine Biographie, München 2006, S. 154.

[7] Sextus Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 41,6.

[8] Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian (Handbuch der Altertumswissenschaft, 3. Abteilung, Bd. 6), München 1989, S. 76.

[9] Chantraine, Heinrich: Die Nachfolgeordnung Constantins des Großen, in: Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Bd. 7), Stuttgart 1992, S. 5.

[10] Brandt, Hartwin: Konstantin der Große, S. 152.

[11] Chantraine, Heinrich: Die Nachfolgeordnung, S. 11.

[12] Ebd., S. 18.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Crispus und seine Hinrichtung. Umstände und möglichen Ursachen des Todes des Flavius Julius Crispus
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V343149
ISBN (eBook)
9783668329584
ISBN (Buch)
9783668329591
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
crispus, hinrichtung, umstände, ursachen, todes, flavius, julius
Arbeit zitieren
Philipp Zeidler (Autor), 2013, Crispus und seine Hinrichtung. Umstände und möglichen Ursachen des Todes des Flavius Julius Crispus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343149

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