Cäsar und Kleopatra. Wie Seitensprünge den Gang der Geschichte beeinflussten

Seitensprung am Nil mit tödlichen Folgen


Facharbeit (Schule), 2014
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfang und scheinbares Ende des römischen Bürgerkriegs

3. Cäsar in Ägypten

4. Gemeinsamer Sohn Kaisarion

5. Kleopatra in Rom

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Asterix und Obelix haben Jahrzehnte lang die Gemüter von Jung und Alt erheitert. Aber ohne eine bestimmte Person hätte es sie vermutlich nicht gegeben: Gaius Julius Cäsar.1 Der Imperator hat ganz Gallien besetzt. „Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“2 Für diesen Satz und vieles mehr sind die Comics bekannt. Aber Asterix und Obelix erleben ihre Abenteuer nicht nur im heimatlichen Gallien, sondern auch in anderen Herrschaftsgebieten. In ihrem ägyptischen Abenteuer Asterix und Kleopatra wird die Beziehung von Cäsar und Kleopatra VII.3 thematisiert. Doch wer glaubt, es handle sich rein um Fiktion, sieht sich getäuscht. In den Asterix-Comics von René Goscinny und Albert Uderzo stecken überraschend viele geschichtliche Fakten.4 Während der Zeit, die Asterix und Obelix in Ägypten verbringen, wird das Verhältnis zwischen Gaius Julius Cäsar und Kleopatra als eine „Mischung aus Leidenschaft und Rivalität“5 dargestellt, die historisch verbürgt ist. Aber haben die Asterix-Autoren die damalige Situation wirklich so gut getroffen? In den meisten modernen Filmen und Romanen werden die beiden Staatsoberhäupter überzeichnet dargestellt. Um Kleopatra existiert ein Mythos, der bis heute noch Künstler wie Maler, Schriftsteller und Regisseure fasziniert und inspiriert, doch jeder interpretiert Kleopatra auf eine andere Weise. Einerseits hat Vivien Leigh Mitte des 20. Jahrhunderts Kleopatra in Cäsar und Kleopatra als infantile, naive Königin verkörpert, andererseits ist Kleopatra von Liz Taylor ein paar Jahre später als zielstrebige, durchsetzungsfähige Frau dargestellt worden, die nicht zuletzt charmant und anmutig ist. Obwohl sie als intelligent und gebildet galt, liegt das Hauptaugenmerk auf ihrem Aussehen, das von wunderschön bis hässlich reicht. Cäsar indessen wird in der Literatur als der von Liebe blinde Feldherr gezeigt, der alles daran setzt, seiner Geliebten jeden Wunsch zu erfüllen und darüber die Situation in Rom und im Bürgerkrieg komplett zu vergessen scheint. War er wirklich so blind, dass er den Komplott in Rom um sich herum nicht bemerkt hat? Ist er sehenden Auges in sein Unglück gerannt? Steht seine Ermordung im Zusammenhang mit seiner Affäre zur ägyptischen Königin? War sie gar der Auslöser? Zu diesem Thema gibt es eine Fülle an Literatur. Aber Historiker widersprechen sich in grundlegenden Dingen wie beispielsweise der berühmten Nilkreuzfahrt, dem Geburtsdatum des gemeinsamen Sohns und vor allem die Motive der beiden hinsichtlich ihrer Beziehung. Das zeigt, dass es trotz des Bekanntheitsgrades der Affäre und Unmengen Literatur immer wieder zu Streitigkeiten über das, was sich tatsächlich ereignet hat, kommt. Einigen modernen Romanen und Filmen, wie denen von Waldtraut Lewin6 oder Gabriel Pascal7, darf man nur wenig Glauben schenken, wenn es um historische Genauigkeiten geht. Besser können Primärquellen von Cicero, Sueton, Cäsar und Plutarch die tatsächliche Situation darlegen. Die folgende Arbeit versucht die Abfolge der Ereignisse, die Absichten der Protagonisten und die Beeinflussung der Geschichte durch ihre Affäre herauszustellen. Vor allem die Werke von Joachim Brambach8, Pat Southern9, Manfred Clauss10, Philipp Vandenberg11 und Uwe Baumann12 waren als Sekundärquellen sehr hilfreich. Die Arbeit beginnt mit den geschichtlichen Ereignissen während Cäsars Wirken. Dabei rückt besonders der Bürgerkrieg, die Schlacht bei Pharsalos und die Ermordung Pompeius‘ in den Blick. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird die erste Begegnung von Cäsar und Kleopatra thematisiert. Dabei sollen vor allem die Hintergründe des Verhaltens der beiden und ihre Absichten beleuchtet werden. Bestritt Cäsar den Alexandrinischen Krieg nur, um Kleopatra wieder zu inthronisieren? Begab sich Cäsar ungeachtet der Bürgerkriegs mit Kleopatra auf eine zehnwöchige Nilkreuzfahrt? Ist das Kind, das Kleopatra bekam, nachdem Cäsar Alexandria bereits verlassen hatte, von Cäsar? Die Affäre bestand vermutlich nach Cäsars Abreise weiter, denn Kleopatra kam ungefähr ein Jahr später für zwei Jahre nach Rom. In diesem Abschnitt der Arbeit sollen vor allem Kleopatras widersprüchliches Image und Cäsars Ermordung betrachtet werden.

2. Anfang und scheinbares Ende des römischen Bürgerkriegs

Mit der Überschreitung des Rubikons im Januar 49 v. Chr. löste Cäsar wohl wissend den römischen Bürgerkrieg aus. Cäsar und sein Heer waren nach dem gallischen Krieg zu mächtig für den römischen Senat und Cäsars einstigen Verbündeten Pompeius13 geworden. Der Julier stellte den Antrag, sich in absentia zum Konsul wählen zu lassen. Mit der Immunität des Amtes wollte er sich den Gerichtsverhandlungen entziehen, die auf Grund seines Fehlverhaltens in der letzten Konsulperiode anhängig waren. Endete seine Statthalterschaft in Gallien, bevor er zum Konsul gewählt wurde, wäre er als Privatmann einer Anklage ausgesetzt gewesen. Daher musste er sich rechtlich absichern, bevor er sein Heer auflöste und nach Rom zurückkehrte. Diese Prozesse hätten ihn seine politische Karriere gekostet.14 Cäsar war also sehr daran interessiert, „in die Innenpolitik [überzuwechseln], ohne durch einen Prozeß ausgeschaltet zu werden.“15 Die Cäsar- Gegner im Senat warteten auf seine Rückkehr, um ihn endgültig aus der Politik zu vertreiben. Sie stellten Cäsar ein Ultimatum, nach welchem er als Staatsfeind zählte, wenn er sein Heer nicht in den nächsten zehn Tagen entließe. Der Imperator weigerte sich aber und übertrat drei Tage später den sprichwörtlich gewordenen Rubikon mit dem berühmten Ausspruch „Alea iacta est.“ Es war einem Feldherrn strikt verboten, römischen Boden zu betreten, ohne sein Heer vorher entlassen zu haben.16 Pompeius hatte die Situation klar unterschätzt: Er hatte es verpasst, neue Truppen zu rekrutieren und „glaubte, den Julier auf politischem Weg, durch Reden und Anträge erledigen zu können.“17 In Rom wurde der Staatsnotstand ausgerufen, da Cäsar offen für den Marsch auf Rom rüstete. Pompeius wurde beauftragt, die Republik vor Cäsar zu schützen, dazu floh er zusammen mit vielen Senatoren nach Griechenland, wo er neue Truppen aushob und sich auf den Krieg einstellte. In Spanien hatte er zudem zwei Generäle mit ihren Truppen stationiert. Cäsar beschloss, „zuerst nach Spanien zu marschieren, um […] das Heer ohne Feldherrn zu schlagen, bevor er in Griechenland den Feldherrn ohne Heer angriff.“18 Interessant ist, dass der „gesamte griechische Osten […] Pompeius verpflichtet [war], insbesondere das Herrscherpaar in Alexandria.“19 Der Vater der beiden, Ptolemäus Auletes20, war durch Pompeius‘ Bemühungen wieder zurück auf den Thron gelangt. So unterstützten dessen Kinder, Kleopatra und Ptolemäus XIII., den römischen Feldherrn mit Schiffen, Geld, Proviant und 500 Mann, als er im Frühjahr 49 v. Chr. die Ägypter um Hilfe bat.21 Cäsars Chancen auf einen Gewinn der Auseinandersetzung standen zu diesem Zeitpunkt schlecht, denn Pompeius hatte nunmehr starke, unverbrauchte, aber auch zahlenmäßig überlegene Truppen.22 Hätten die ägyptischen Herrscher Pompeius nicht unterstützt, hätte das „bei dem zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlichen Scheitern Caesars das Ende des Ptolemäerreichs bedeutet.“23 Am 9. August 48 v. Chr. standen sich die beiden Heere schließlich bei Pharsalos gegenüber. Cäsar ging trotz der Übermacht der gegnerischen Truppen als Sieger aus der Schlacht hervor und Pompeius konnte in letzter Minute nach Ägypten fliehen, wo er sich Geld leihen und ein neues Heer aufbauen wollte.24 Kleopatra war zu diesem Zeitpunkt schon vor ihrem Bruder und dessen Kronrat - bestehend aus seinem Pflegevater Potheinos, seinem Rhetoriklehrer Theodotos und dem obersten Befehlshaber des Heeres Achillas - geflohen. In der syrischen Wüste versuchte sie ein Heer aufzubauen, um gegen ihren erst 13-jährigen Bruder vorzugehen. Denn sie hatte keinerlei Mitbestimmungsrecht und konnte auch nicht eingreifen, als die Berater des Königs beschlossen, Pompeius umzubringen.25 Mit der Ermordung versuchten sie, den Bürgerkrieg zu beenden und seine Fortsetzung auf ägyptischen Boden zu verhindern.26 Eine Aufnahme von Pompeius hieße außerdem, sich gegen Cäsar zu stellen, was nach dem Ausgang der Schlacht von Pharsalos zu riskant gewesen war. Als Cäsar drei Tage später, am 1. Oktober 48 v. Chr., in Alexandria landete, war er nicht gerade erfreut über das Präsent, welches man ihm machte: Den Kopf seines ehemaligen Mitteilhabers und Schwiegersohns Pompeius.

[...]


1 Im Folgenden nur noch Cäsar.

2 Goscinny, René: Asterix der Gallier, Berlin 1968.

3 Im Folgenden nur noch Kleopatra.

4 Vgl. Van Royen, René/ van der Vegt, Sunnya: Asterix. Die ganze Wahrheit, München 1998. 5 Ebd., S.135.

6 Lewin, Waldtraut: Wenn die Nacht am tiefsten. Caesar und Kleopatra - Eine historische Liebe, Bindlach 2005.

7 Pascal, Gabriel: Caesar and Cleopatra, Großbritannien 1945 (DVD).

8 Brambach, Joachim: Kleopatra. Herrscherin und Geliebte, München 1991.

9 Southern, Pat: Kleopatra. Ein Lebensbild, Essen 2003.

10 Clauss, Manfred: Kleopatra, München 1995.

11 Vandenberg, Philipp: Cäsar und Kleopatra. Die letzten Tage der Römischen Republik, München 1986.

12 Baumann, Uwe: Kleopatra, Reinbek bei Hamburg 2003.

13 Pompeius (*106 v. Chr., †28.9.48 v. Chr.) schloss 60 v. Chr. ein Bündnis mit Cäsar und Crassus und heiratete 59 v. Chr. Cäsars Tochter Julia. Nach deren Tod wurde er Gegner Cäsars bis er in Ägypten 48 v. Chr. ermordet wurde.

14 Vgl. Jehne, Martin: Caesar, München 1997, S.73-75.

15 Ebd., S.73.

16 Vgl. Vandenberg, Philipp: Cäsar und Kleopatra. Die letzten Jahre der römischen Republik, München 1986, S.99.

17 Ebd., S.98.

18 Southern, Pat: Kleopatra. Ein Lebensbild, Essen 2003, S.32.

19 Clauss, Manfred: Kleopatra, München 1995, S.27.

20 Ptolemäus XII., genannt Auletes, (*zwischen 115 und 107 v. Chr., †51 v. Chr.) war von 80 v. Chr. bis zu seinem Tod ägyptischer Pharao. Er hatte fünf Kinder, darunter Kleopatra VII. und Ptolemäus XIII.

21 Vgl. ebd., S.25.

22 Vgl. Brambach, Joachim: Kleopatra. Herrscherin und Geliebte, München 1991, S.61.

23 Ebd., S.61.

24 Vgl. Southern, Pat: Kleopatra. Ein Lebensbild, Essen 2003, S.32f.

25 Vgl. Vandenberg, Philipp: Cäsar und Kleopatra. Die letzten Jahre der römischen Republik, München 1986, S.147- S.149.

26 Vgl. Southern, Pat: Kleopatra. Ein Lebensbild, Essen 2003, S.33.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Cäsar und Kleopatra. Wie Seitensprünge den Gang der Geschichte beeinflussten
Untertitel
Seitensprung am Nil mit tödlichen Folgen
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V343159
ISBN (eBook)
9783668329768
ISBN (Buch)
9783668329775
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cäsar, kleopatra, seitensprünge, gang, geschichte, seitensprung, folgen
Arbeit zitieren
Kathrin Anderlohr (Autor), 2014, Cäsar und Kleopatra. Wie Seitensprünge den Gang der Geschichte beeinflussten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343159

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