Handeln durch Sprache. Grundlagen der Sprechakttheorie

How to Do Things with Words


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen der Sprechakttheorie
2.1 Wesentliche Eigenschaften der Sprechakttheorie
2.2 Definition der vier Teilakte einer Sprechhandlung

3. Die jeweiligen Beiträge der vier Teilakte zum Erfolg einer Sprechhandlung allgemein und anhand konkreter Beispiele
3.1 Beitrag der Lokution
3.2 Beitrag der Proposition
3.3 Beitrag der Illokution
3.4 Beitrag der Perlokution

4. Die unterschiedlichen Interpretationen des Beispielsatzes „Ein Biss dieser Schlange endet tödlich.“

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unterstellt man, dass es seit jeher Aufgabe der Menschheit ist, sich zur individuellen und gattungsmäßigen Fortpflanzung mit der Natur auseinanderzusetzen, so wird schnell deutlich, dass dieser Prozess ein gemeinsames Zusammenwirken und eine gegenseitige Unterstützung der Menschen erfordert (vgl. Ehlich 2007, 83). „Kurz, die werdenden Menschen kamen dahin, daß sie einander etwas zu sagen hatten (ebd.).“

Seit Jahrtausenden von Jahren bestehen daher auf der Welt Sprachen. Wie viele menschliche Sprachen es in der Vergangenheit gab und heute gibt ist bis dato nicht genau zu sagen. Doch sicher ist: Mehrere tausend Sprachen bedienen sich seit ihrem Ursprung der Laute, um Bedeutungen übermitteln zu können. (vgl. Ehlich 2007, 58) Die menschliche Sprache kann somit neben ihrer Bedeutung als ein Instrument zur Symbolverarbeitung vor allem als ein funktionsfähiges Mittel der Kommunikation verstanden werden (vgl. Jungen et al. 2006, 23f.).

Dieser bedeutende Zweckbezug von Sprache als zentrales Kommunikationsmittel wird seit Beginn der 1960er Jahre auch mithilfe der Sprechakt- und Sprechhandlungstheorie untersucht (vgl. Ehlich 2007, 87). Die Sprechakttheorie wird als eine praxisbezogene Disziplin angesehen, welche der „Erforschung des kommunikativen Sinns von Äußerungen“, durch welche Handlungen vollzogen werden, zugrunde liegt (vgl. Staffeldt 2008, 14f.).

Dabei stellt man sich die Fragen: Was genau bedeutet das „Handeln durch Sprache“? Was soll eigentlich mit Äußerungen der Sprechhandlung bezweckt werden und inwiefern ist diese Zweckerfüllung gewährleistet?

Ziel dieser Arbeit, ist es herauszufinden, welches die wesentlichen Eigenschaften der Sprechakttheorie sind und in welche Teilakte eine Sprechhandlung unterteilt werden kann. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die jeweiligen Beiträge der Teilakte zum Erfolg dieser Sprechhandlung, welche allgemein und anhand konkreter Beispiele verdeutlicht werden sollen. Abschließend wird beleuchtet, welches die unterschiedlichen Interpretationen des Beispielsatzes „Ein Biss dieser Schlange endet tödlich.“ sind.

2. Grundlagen der Sprechakttheorie

2.1 Wesentliche Eigenschaften der Sprechakttheorie

Die Sprechakttheorie dient der Analyse von Sprechhandlungen. Mittels dieser Sprechhandlungen wird unterstellt, dass Äußerungen nicht nur dazu dienen, einen Inhalt zu vermitteln, sondern, dass wir mithilfe von Äußerungen auch Handlungen ausführen und damit eine Reaktion fordern (vgl. Petermann 2008, 71). Etabliert durch John L. Austin wurde die Sprechakttheorie unter anderem durch John R. Searle weiterentwickelt. Beide zählen zu den wichtigsten Vertretern der Theorie (vgl. Hagen 2005), weshalb sich die Ausarbeitung dieser Arbeit überwiegend auf die Erkenntnisse der beiden Philosophen stützt.

John R. Searle stellt die Hypothese auf, dass „das Sprechen einer Sprache eine [...] Form intentionalen Verhaltens ist“ (Nolte 1978, 13). Zudem unterstellt er, dass zu jeder sprachlichen Kommunikation als ihre kleinsten Einheiten einzelne Teilakte gehören (ebd. 14). Im Rahmen des Vollzugs dieser Sprechakte geht es folglich darum, „dass man das tut, wovon man sagt, dass man es tut, indem man sagt, dass man es tut“ (Staffeldt 2008, 52). Bekannte Beispiele solcher Äußerungen, sind Bezichtigungen, Entschuldigungen oder Versprechen (ebd.).

Doch um solche Äußerungen im Rahmen der Sprechakttheorie untersuchen zu können, ist es unabdingbar, zu wissen: Was bedeutet es in diesem Zusammenhang überhaupt, eine Äußerung zu tätigen?

Das Tätigen einer Äußerung geht wie bereits erwähnt mit der Vollendung verschiedener Teilakte einher (vgl. Staffeldt 2008, 40). Dabei wird unter dem Oberbegriff des Sprechakts zwischen dem lokutionären Akt (Lokution), dem illokutionären Akt (Illokution), dem perlokutionären (Perlokution) sowie dem propositionalen Akt (Proposition) unterschieden (vgl. Nolte 1978, 14). Die charakteristischen Merkmale dieser vier Teilakte einer Sprechhandlung werden in den folgenden Definitionen erläutert.

2.2 Definition der vier Teilakte einer Sprechhandlung

Lokution

Die Lokution beschreibt den Vollzug von Äußerungsakten (vgl. Nolte 1978, 27) und somit die Äußerung von Wörtern, ganzen Sätzen oder Texten, welche einen „Redegegenstand (reference) und etwas, was über diesen Redegegenstand gesagt wird (sense)“ beinhaltet (vgl. Staffeldt 2008, 40). Charakterisiert werden kann die Lokution folglich als „sagen, dass (an act of saying something)“ (ebd.). Die Äußerungsakte können in phonetische, phatische und rhetische Akte unterteilt werden (vgl. Petermann 2008, 65). Bei dieser Unterteilung geht es beispielsweise darum, die Äußerung im Hinblick auf ihr Vokabular, ihre Grammatik, Intonation und Bedeutung zu beurteilen (Staffeldt 2008, 40). Konkrete Beispiele dazu werden im Beitrag der Lokution zum Erfolg der Sprechhandlung vorgestellt.

Proposition

Die Proposition dient der Realisation von Aussagen. Dabei geht es zum einen darum, im Rahmen einer Äußerung auf ein bestimmtes Objekt durch Erwähnung oder Bezeichnung zu verweisen (Referenz). Zum anderen wird dieses Objekt prädiziert, also durch ein Prädikat näher bestimmt (Prädikation). (vgl. Nolte 1978, 26f.) Die Proposition bildet typischerweise lediglich Teile von Sätzen ab. Ein Prädikativ als nähere Beschreibung des Objekts oder eine Referenz wie beispielsweise ein Eigenname, Nominalausdrücke oder Pronomen kommen nicht ungebunden an andere Satzteile vor. Dies verdeutlicht auch, dass trotz eines veränderten illokutionären Akts, der im Folgenden definiert wird, die Proposition, also der Gehalt eines Satzes, unverändert bleibt (ebd. 28ff.).

Illokution

Unter einer Illokution wird die jeweilige Handlungsabsicht oder Intention einer Äußerung verstanden. Dabei steht die mittels einer Äußerung vollzogene sprachliche Handlung im Fokus. (vgl. Staffeldt 2008, 27) Der illokutionäre Akt kann somit charakterisiert werden als „tun, indem man etwas sagt (an act in saying something)“ (ebd. 40) und gibt Aufschluss darüber, ob es sich bei der Äußerung beispielsweise um eine Aussage, eine Frage, eine Begründung, eine Bitte oder aber um eine Aufforderung handelt (vgl. Ehlich 2007, 76f.). Charakteristisch für die Illokution ist der vollständige Satz, der allerdings auch nur aus einem einzigen Wort bestehen kann. Als Beispiel dient hierfür der Befehlssatz: „Herein!“. (vgl. Nolte 1978, 28f.) John R. Searle unterscheidet grundlegende Kategorien der illokutionären Akte: Assertive, Direktive, Kommissive, Expressive und Deklarationen (vgl. Searle 1982, 31 – 36). Im Rahmen des Beitrags der Illokution zum Erfolg einer Sprechhandlung werden die entsprechenden Klassifikationen und ihre wesentlichen Merkmale später detaillierter behandelt.

Perlokution

Die Perlokution stellt die Wirkung einer Äußerung bei einem ihrer Hörer dar. Aus dem Gesprochenen entwickelt sich hierbei eine Handlungsabsicht der gleichen oder einer anderen Person. (vgl. Staffeldt 2008, 37) Der perlokutionäre Akt kann somit beschrieben werden als „bewirken, dadurch dass man etwas sagt (an act by saying something)“ (ebd. 40). Beispiele für perlokutionäre Akte sind das Belehren, das Erschrecken sowie das Überreden (vgl. Nolte 1978, 29). Zu beachten ist, dass perlokutionäre Akte selbst Folge von illokutionären Akten sind (vgl. Staffeldt 2008, 43) und somit die Untergruppe der Illokutionen bilden (Nolte 1978, 29). Dies wird anhand der folgenden Beispiele von Verben deutlich, die eine Wirkung auf den Hörer zur Folge haben und allesamt illokutionäre Akte darstellen: argumentieren, warnen, auffordern oder informieren (ebd.).

3. Die jeweiligen Beiträge der vier Teilakte zum Erfolg einer Sprechhandlung allgemein und anhand konkreter Beispiele

3.1 Beitrag der Lokution

Der lokutionäre Akt kann, wie bereits in der Begriffsdefinition erwähnt, in drei Kategorien unterteilt werden:

1. Der phonetische Akt umfasst die Äußerung von Lauten (vgl. Petermann 2008, 65), Geräuschen und Tönen (vgl. Staffeldt 2008, 40).
2. Der phatische Akt dient der korrekten Verwendung der Vokabeln sowie der Grammatik einer Sprache (ebd.).
3. Der rhetische Akt ermöglicht durch die Referenz und die Prädikation, welche gemeinsam als Bedeutung (meaning) erfasst werden können (vgl. Staffeldt 2008, 41), „das Sprechen über und von etwas“ (Petermann 2008, 65).

Die Lokution trägt insofern zum Erfolg einer Sprechhandlung bei, indem sie die Äußerung des Sprechers als solche in einer grammatikalisch und vokabularisch korrekten Form darstellt (ebd.). Zur Verdeutlichung dessen dienen die folgenden Beispielsätze:
„Ich bitte dich um diesen einen Gefallen.“ ist eine sowohl grammatikalisch als auch vokabularisch korrekte Äußerung. „Ich dich bitte diesen einen Gefallen um.“ ist als Äußerung ein Beispiel dafür, dass dieser Akt grammatikalisch als nicht wohlgeformt zu beurteilen ist.

3.2 Beitrag der Proposition

Wie bereits in der Begriffsdefinition der Proposition dargestellt, finden sich im propositionalen Akt sowohl die Referenz als auch die Prädikation wieder. In Bezug auf die Referenz handelt es sich bei der Proposition um einen „Sprechakt des Hinweisens“. (Nolte 1978, 33) Der Sprecher vollzieht den Sprechakt somit mit der Äußerung hinweisender Ausdrücke. Oftmals handelt es sich hierbei zum Beispiel um Eigennamen, Pronomina, Nomina im Singular mit einem bestimmten Artikel oder einem Possessivpronomen davor. (ebd.) Bei der Prädikation handelt es sich um die Beschreibung der eben genannten Referenzen beziehungsweise um eine Aussage über diese. Der propositionale Akt ermöglicht damit die Beurteilung, ob eine Äußerung wahr oder falsch ist. In den folgenden Beispielsätzen werden die Referenzen einfach unterstrichen und die Prädikationen, bei denen für die gleiche Aussage synonyme Ausdrücke verwendet werden können, zweifach unterstrichen verdeutlicht:

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Handeln durch Sprache. Grundlagen der Sprechakttheorie
Untertitel
How to Do Things with Words
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V343276
ISBN (eBook)
9783668331785
ISBN (Buch)
9783668331792
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprechakt, Sprache, Symbolverarbeitung, Linguistik, Grundlagen, Sprechakttheorie, Handeln durch Sprache, Performativität
Arbeit zitieren
Lena Andrikowski (Autor), 2016, Handeln durch Sprache. Grundlagen der Sprechakttheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343276

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