Die Explikation des Meinens nach Grice und Strawson


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Herbert Paul Grice
2.1 Kurzporträt
2.2 Die Explikation von Grice

3 Peter Frederick Strawson
3.1 Kurzporträt
3.2 Die Explikation von Strawson

4 Schluss

5 Literatur
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

„Zum Vollzug eines illokutionären Aktes gehört, daß er als solcher verstanden wird […], daß die Bedeutung und die Kraft der Aussage verstanden werden.“1

Peter Frederick Strawson

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Explikation des Meines nach Herbert Paul Grice und Peter Frederick Strawson, wobei die Gricesche Erklärung den Schwerpunkt der Arbeit darstellt.

Sie entstand im Seminar „Logik des Behauptens“ (Sommersemester 2004) an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main, am Institut für Kognitive Linguistik, unter Leitung von Herrn Dr. Christian Plunze.

In seinen Aufsätzen „Meaning“ von 1957 und „Sprecher-Bedeutung und Intentionen“ von 1969 legt Grice seinen Ansatz zur Bestimmung sprachlicher Kommunikation dar. Diese Explikation des „Meinens“ nach Grice wird nach einer kurzen Vorstellung des Philosophen in Kapitel zwei dargelegt.

1964 ergänzt Strawson die drei Griceschen Bedingungen zur Analyse von Sprechakten bzw. zur Erklärung von Kommunikationsversuchen um eine vierte und seiner Meinung nach notwendige Bedingung. Die Erläuterungen hierzu sind neben einem kurzen Porträt von Strawson in Kapitel drei zu finden.

2 Herbert Paul Grice

2.1 Kurzporträt

Herbert Paul Grice wurde als Kind von Herbert und Mabel Grice am 15. März 1913 in Birmingham in England geboren. Er lernte am „Clifton College“ in Bristol und am „Corpus Christi College“ in Oxford.

1939 nahm Grice seine Lehrtätigkeit am „St. John's College“ in Oxford auf, verließ die Stadt jedoch schnell wieder, um im Weltkrieg II. als Marine-Leutnant im Nordatlantik zu dienen. Nach Beendigung des Krieges kehrte Grice wieder zu seiner Lehrtätigkeit an das „St. John's College“ nach Oxford zurück. 1967 hielt er an der Harvard-Universität seine berühmten Vorträge über William James, die später in „Studies in the way of words“ veröffentlicht wurden. Im Anschluss daran ging Grice an die „University of California“ nach Berkeley, wo er 1975 zum Professor für Philosophie ernannt wurde. Trotz Emeritierung 1980 blieb er bis 1986 weiterhin in Berkeley.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Herbert Paul Grice2

Während des Krieges heiratete Grice Kathleen Watson. Sie bekamen in den vierziger Jahren zwei Kinder: Tim Grice und Karen McNicoll.

Herbert Paul Grice starb am 28. August 1988 an einer Lungenkrankheit in Berkeley. Zu dieser Zeit waren überraschend wenige seiner Artikel und Vorträge gedruckt worden. Grice widerstrebte es, seine Werke zu veröffentlichen; möglicherweise, weil ein anspruchsvoller Perfekti- onismus es ihm nie erlaubte, ein Stück als wirklich beendet zu betrachten.

Bekannt wurde Grice durch seine sprachphilosophischen Arbeiten, im Besonderen zur Sprecherbedeutung, zur intentionalen Semantik und zu konversationalen Implikaturen. Seine bekanntesten Aufsätze sind „Meaning“ von 1957 und „Logic and conversation“ von 1975, die beide in „Studies in the way of words“ 1989 veröffentlich wurden.3

2.2 Die Explikation von Grice

4 In Abschnitt vier seines Aufsatzes „Sprecher-Bedeutung und Intentionen“ erläutert Grice Beispiele, warum seine ursprüngliche Analyse zu stark sei. Um es zu vereinfachen, kehrt Grice zunächst zum ursprünglichen Analysans (‚S meint etwas mit dem Äußern von x’) zurück. Er minimiert ‚S äußert mit der Absicht, dass

(1) H r zeigt
(2) H denkt, dass S beabsichtigt, dass H r zeigt
(3) H (1) aufgrund seiner Erfüllung von (2) erfüllt’

zu ‚S äußert x mit der M-Absicht, das H r zeigt’.

In „Meaning“ von 1957 ist Grice der Ansicht, dass es um die Bestimmung der M-intendierten Reaktion bzw. Wirkung ginge, wenn er von der Bestimmung dessen, was S mit x gemeint hat, spreche. Grice nahm damals beispielsweise an, dass man ‚S meinte mit x, dass das- und-das der Fall ist’ durch ‚S äußerte x mit der M-Absicht, bei H den Glauben hervorzurufen, dass das-und-das der Fall ist’ erklären könne. Ebenso wie ‚S meinte mit x, dass H das-und-das tun soll’ durch ‚S äußerte x mit der M-Absicht, bei H zu erreichen, dass er das-und-das tut’ erläutert werden könne.

Grice kam so zu folgendem Schluss:

„Indikativistische bzw. quasi-indikativistische Äußerungen hängen mit der Herbeiführung von Annahmen, imperativistische bzw. quasi-imperativistische Äußerungen mit der Herbeiführung von Handlungen zusammen.“5

Grice führt dann eine Korrektur dieses Sachverhaltes durch:

Er setzt in der Erklärung von imperativistischen bzw. quasiimperativistischen Äußerungen ‚dass H beabsichtig, das-und-das zu tun’ an Stelle von ‚dass H das-und-das tut’ als direkte, M-intendierte Reaktion ein und hat damit folgende Vorteile:

Die M-intendierte Reaktion besteht nun in den indikativistischen wie auch den imperativistischen Fällen als propositionale Einstellung und bei Zustimmungen wie ‚ja’ oder ‚o.k.’ wird in indikativistischen Aussagen (Die Tür ist zu.) ein Glauben und in imperativistischen Aussagen (Mach die Tür zu!) eine Absicht ausgedrückt. In beiden Fällen ist das Sprecher-Ziel weiterhin eine Handlung.

Grice wendet ein, dass eine Erklärung von ‚Mit dem Äußern von x meinte S, dass das-und-das der Fall ist’ durch ‚S äußerte x mit der M- Absicht, bei H die Überzeugung hervorzurufen, dass das-und-das der Fall ist’ auf eine zu starke Bedingung Bezug nehme. Grice meint, dass man vereinzelt auch sagen können müsse, dass ‚S meinte, dass das- und-das’ ohne sich auf die Aussage festlegen zu müssen, dass ‚S M- intendierte, eine Überzeugung hervorzurufen, dass das-und-das’.

Grice führt Beispiele an, die zu Schwierigkeiten des oben Genannten führen:

Antwort in einer Prüfung

Prüfer (H): „Wann wurde die Entente Cordiale gegründet?“ Prüfling (S): „1904.“

Der Prüfling meint, dass die Gründung der Entente Cordiale 1904 stattfand, beabsichtigt aber sicherlich nicht, bei seinem Prüfer die entsprechende Überzeugung hervorzurufen, denn er geht davon aus, dass die Überzeugungen seines Prüfers unabhängig von den von ihm (Prüfling) getätigten Äußerungen sind.

Grice meint, die M-intendierte Wirkung bestünde darin, dass der Prüfer weiß, ob der Prüfling die richtige Antwort auf die Frage weiß oder nicht weiß oder der Prüfer weiß oder glaubt, dass der Prüfling glaubt, die Gründung habe 1904 stattgefunden.

Etwas zugeben bzw. eingestehen

Mutter (H): „Du brauchst es gar nicht zu leugnen - du hast die Kekse aus der Schublade genommen, oder?“

Kind (S): „Ja, ich war’s!“

Das Kind weiß, dass die Mutter bereits denkt, dass das Kind der Keksdieb ist, die Mutter möchte aber, dass das Kind die Tat zugibt. Die M-intendierte Wirkung liegt hier somit möglicherweise darin, dass die Mutter der Meinung ist, dass das Kind die Tat gestehen möchte oder dass die Mutter denkt, dass das Kind nicht lange so tun möchte, als ob die Kekse von ihm nicht gestohlen worden sind.

Jemanden an etwas erinnern:

Mann (H): „An welchem Tag in diesem Monat hat deine Mutter noch mal Geburtstag?“

Frau (S): „Am 27.!“ (oder: Frau zeigt auf den Geburtstagskalender, in dem am 27. ein dickes Kreuz eingetragen ist.)

Man könnte vermuten, dass der Mann bereits weiß, dass seine Schwiegermutter am 27. Geburtstag hat und es ihm nur nicht einfällt.

[...]


1 Strawson, Peter Frederick (1964): S. 58

2 Aus: Molina, Marcel (2005)

3 Vgl. The Literary Encyclopedia (2005); vgl. The University of Western Ontario (2004); vgl. Wiedemann, Uwe (2005)

4 Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf Grices Aufsatz „Sprecher- Bedeutung und Intentionen“ aus dem Jahre 1969. vgl. Grice, Herbert Paul (1969): S. 16-51.

5 Grice, Herbert Paul (1969): S. 37

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Explikation des Meinens nach Grice und Strawson
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Kognitive Linguistik)
Veranstaltung
Logik des Behauptens
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V34346
ISBN (eBook)
9783638345989
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Explikation, Meinens, Grice, Strawson, Logik, Behauptens
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor), 2005, Die Explikation des Meinens nach Grice und Strawson, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34346

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