Die Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV.


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorstellung des Themas

2. Von der Urkunde zum Konflikt

3. Exkommunikation und Absetzung Heinrich IV.
3.1 Die Untersagung der Herrschaft durch Papst Gregor VII.
3.2 Heinrichs IV. Umgang mit exkommunizierten Personen
3.3 Die synodale Funktion und das „Selbstverständnis“ zur Binde- und Lösegewalt des Papstes
3.4 Die zentrale „Bosheit“ Heinrichs IV. und die Ermahnungen des Papstes

4. Schlussfolgerungen
4.1 Beantwortung der ersten Frage: Welche „Machtmittel“ des Papstes lassen sich aus der Quelle zur Exkommunikation und Absetzung Heinrich IV. im Februar 1076 ableiten?
4.2 Beantwortung der zweiten Frage: War die Exkommunikation und Absetzung König Heinrichs IV. eine gezielte Strategie des Papstes oder geschah sie aus der Notwendigkeit der Umstände heraus?

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Sekundärliteratur

1. Vorstellung des Themas

Die Frage nach den Investiturrechten von königlichen Herrschern fasziniert die Mediävistik in einem erheblichen Maße. Die Begeisterung und breite Rezeption der Thematik, die im Grunde ihre ganze Strahlkraft auf den Investiturstreit zwischen den Reformpapst Gregor VII. und den salischen Herrscher König Heinrich IV. im ausgehenden 11. Jahrhundert bündelt, ist besonders hervorzuheben. Auch wenn die begriffliche Verortung dieses Jahrhunderts als „Zeitalter des Investiturstreits“ für Kontroversen innerhalb der Scientific Community sorgt, herrscht in der Forschung ein umso breiterer Konsens darüber, dass der Konflikt „in dieser Phase deutscher und europäischer Geschichte einen der entscheidenden Wendepunkte des gesamten Mittelalters“[1] darstellt. Nicht weniger als die sich abzeichnende Ausdifferenzierung und Sezession von staatlichen und kirchlichen Herrschaftsordnungen findet im 11. Jahrhundert ihren geschichtlichen Beginn.

Einer sehr detaillierten Registerführung Gregors VII. über seine schriftliche Korrespondenzen[2] verdankt es der Historiker, dass das Schweigen der Quellen in einem Zeitalter, welches hinsichtlich der Schriftlichkeit und der Quellenarmut auch als „Dark Ages“ bezeichnet wird, keinesfalls die Oberhand behält. Auf Grund des Registers ist eine quellenkritische Untersuchung der Absetzung Heinrichs IV. durch den Papst überhaupt erst möglich.

Welche Brisanz die Inhalte von Urkunden speziell im Hochmittelalter entwickelten, zeigte der schwelende Konflikt im 11. Jahrhundert zwischen kurialer und weltlicher Macht im Hinblick auf Amtseinsetzungen von Geistlichen, die in stetiger Häufigkeit von Königen und Kaisern vorgenommen wurden. Um den Konflikt näher beleuchten zu können, wird zunächst eine Urkunde, die die Schenkung eines Guts von König Heinrich IV. an ein Domkapitel mit gleichzeitiger Einsetzungsbefugnis der Äbtissin an den hiesigen Bischof, betrachtet. Die in Urkunden implementierten symbolischen Handlungen, Zeichen und Regelungen von Rechtsakten, die auf dem Gebiet der Diplomatik untersucht werden, sind für den Historiker von besonderer Bedeutung, da sie eine Analyse der politischen, ökonomischen und rechtlichen Geschäftstätigkeit ihrer Zeit erlauben.[3]

Des Weiteren wird der Frage nach dem historischen Kontext und dem übergeordneten Konflikt (Investiturstreit), der sich aus der Urkunde ableiten lässt, nachgegangen. Darauf aufbauend soll als zentrale Beobachtungsquelle die Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV. im Februar 1076 auf der römischen Fastensynode durch Papst Gregor VII. interpretiert und kontextualisiert werden. Die Quelleninterpretation wird sich dabei an folgenden zwei Fragen orientieren:

1. Welche „Machtmittel“ des Papstes lassen sich aus der Quelle zur Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV. im Februar 1076 ableiten?
2. War die Exkommunikation König Heinrichs IV. eine gezielte Strategie des Papstes oder geschah sie aus der Notwendigkeit der Umstände heraus?

Die Bedeutung des Investiturverbotes für Laien, worunter aus Sicht des Reformpapstes ebenfalls der König zu subsumieren sei, gilt in der Forschung während der Phase der Eskalation des Konfliktes (1075/76) zwischen Heinrich und Gregor als umstritten.[4] Äußerungen gegen die Bedeutung der Investiturfrage werden dahingehend begründet, dass ein Verbot erst durch Beschluss und dokumentarische Verschriftlichung auf den römischen Fastensynoden 1078 und 1080 einen offiziellen Anstrich erhielt.[5] Befürworter bringen das grundsätzliche Problem der Kompetenzabgrenzung zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, das sich im Konflikt um 1075 in der Investiturfrage widerspiegelt, zum Ausdruck.[6]

Ratsamer wäre eine Gesamtbetrachtung des Konfliktes unter Beachtung des kirchlichen Strebens nach absoluter Eigenständigkeit ohne weltlichen Einfluss, wobei das Investiturverbot für Laien nur ein „Etappenziel“ darstellt. Letztendlich führte der kuriale Kampf für die Libertas ecclesiae unter dem Teilaspekt des Investiturstreits „zu den ersten religiösen Massenbewegungen in Europa.“[7]

Methodisch soll die Arbeit am Beispiel der Urkunde, die als Überleitung auf den zentralen Konflikt dient, induktiv betrachtet werden. Die hauptsächlich zu interpretierende Quelle zur Exkommunikation Heinrichs IV. wird von der deduktiven Methode geprägt sein. Sicherlich wäre eine Analyse des Konfliktes samt all seiner Facetten und wechselseitigen Wirkungen hinsichtlich der Multiperspektivität optimal. Um den Rahmen der Arbeit Folge zu leisten wird jedoch auf die Konfliktanalyse innerhalb des salischen Herrschaftsverbandes zwischen Heinrich IV. und den Großen sowie auf die Ereignisse und Folgen des Sachsenkrieges (1073-1075), dessen positiver Ausgang im Sinne des Königs zur Auflehnung gegen das Papsttum gewiss förderlich war, weitgehend verzichtet.

2. Von der Urkunde zum Konflikt

Anhand der Urkunde von König Heinrich IV. (Urkunde Nr. 277) soll einleitend das Grundverständnis des salischen Herrschers bezüglich seiner Rechte als König aufgezeigt werden.

Die Dispositio der Urkunde, die eine Schenkung des Guts in Eschwege von König Heinrich IV. an das Domkapitel zu Speyer und für mein Thema von vordergründigem Interesse, die Verleihung von Einsetzungsbefugnissen an den ansässigen Bischof zum Ausdruck bringt, ermöglicht einen ersten Ansatzpunkt zur Beleuchtung des Konflikts zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Nicht die Delegierung des königlichen Rechts zur Einsetzung Geistlicher in Kirchenämter an einen Bischof sorgt für das Konfliktpotenzial zwischen Heinrich IV. und Gregor VII., sondern die grundsätzliche Tatsache, dass ein König, der als Repräsentant der weltlichen Macht gelten soll, diese Einsetzungsbefugnis auf seine Person vereint.[8] In Anbetracht der bereits unter Papst Nikolaus II. begonnenen Kirchenreform[9], strebt auch Papst Gregor VII. an, den Einfluss von königlichen Gestaltungsspielräumen innerhalb der kirchlichen Hemisphäre zu konterkarieren. Vor allem simonistische Handlungen und die Möglichkeit der Priesterehe stellen zwei essentielle Punkte dar, die ihm ein Dorn im Auge waren.[10] Das Mittelalter im Allgemeinen und das Hochmittelalter im Besonderen zeichnet ein königliches Herrschaftsverständnis, wobei der König im Rahmen der konsensualen Herrschaft von seinem Volk und den Fürsten als vicarius Christi angesehen wird.[11] Doch eben diese bis dato gültige und lang praktizierte Anschauung der weltlichen Herrschaftsordnung, die als ottonisch-salisches Reichskirchensystem bezeichnet wird, sieht sich im 11. Jahrhundert in ihrer intellektuellen und machtpolitischen Hegemonie durch Gregor VII. bedroht. Das königliche Verständnis vom Gottesgnadentum lässt sich anhand der vorliegenden königlichen Beweisurkunde aus der Intitulatio implizit interpretieren: Heinricus divina favente clemencia rex. [12] Der Autor der Urkunde benennt die Entscheidungsinstanz, König Heinrich IV., in der sogenannten Devotionsformel mit dem entsprechenden Namen und Titel.[13] Die Legitimation und das Selbstverständnis des Königs bezüglich der Einsetzung von Menschen in geistliche Ämter beruht also auf Gottes geneigter Milde. Dementgegen stehen die Ansichten des Papstes Gregor VII.

Gregor VII., der in der Geschichtswissenschaft auch als Reformpapst bezeichnet wird, führt zum einen die Politik des bis 1061 amtierenden Papstes Nikolaus II. mit einer bis dato unbekannten Rigorosität fort, zum anderen setzt er auf die strikte Einhaltung seiner neuen kirchen- und machtpolitischen Punkte. Der Papst war sogar bereit mit militärischen Mitteln seine Visionen durchzusetzen und forcierte dementsprechend den Aufbau einer militia St. Petri.[14] Zu nennen ist die neue Dimension des Verbots der Priesterehe, das in der praktischen Befolgung lediglich auf der Ebene des Episkopatentums weitgehend flächendeckende Einhaltung erfuhr, „aber unterhalb der Bischofsebene war es wenig beachtet worden.“[15] Weiterhin galt es für Gregor die simonistischen Praktiken, die zu seiner Zeit einen beinahe absoluten Konsens innerhalb weltlicher Herrschaftssysteme besaßen, zu bekämpfen.[16] Neu auf der politischen Agenda stand jedoch Gregors Auseinandersetzung mit König Heinrich IV., die er nicht forciert hat aber dennoch als Auslöser für Gregors Streben nach der Zurückweisung der Laieninvestitur angesehen werden kann.[17] Entgegen der heutigen landläufigen Einschätzung des Reformbegriffs ist es wichtig zu verstehen, dass eine Reform im Verständnis von Fortschritt bzw. Neuerung ein begriffliches Paradoxon darstellt. Gregor VII. ging es vielmehr um die Wiederherstellung der Urkirche zu Zeiten Christi, also um eine „Zurückentwicklung“ zum Ursprung.[18]

[...]


[1] Englberger, Gregor VII., S. 1.

[2] Die Rede ist vom Gregorii VII Registrum: Das Register Gregors VII.

[3] Vgl. Brandt, Werkzeug des Historikers, S. 81-87; Brauer, Quellen, S. 21-28.

[4] Suchan, Königsherrschaft im Streit, S. 94 f.

[5] Vgl. ebd., S. 95; Siehe auch zum Dictatus Papae Englberger, Gregor VII., S. 181: Der Forschung gelang es entgegen der weitverbreiteten Meinung zum angeblichen Papstdekret 1075 zu beweisen, dass es sich bei dem angeblichen Dekret lediglich um ein Konzeptpapier des Papstes handelte und es keine zeitgenössische Außenwirkung oder gar normähnlichen Charakter entfaltete. Es gibt der Forschung darüber Aufschluss, was seine Ziele waren und welchen Stellenwert die christliche Gewalt gegenüber der Weltlichen besitzt.

[6] Vgl. Suchan, Königsherrschaft im Streit, S. 95

[7] Leyser (et al.), 11. Jahrhundert als Umbruchszeit, S. 16.

[8] Vgl. Mirbt, Quellen zur Geschichte des Papsttums, S. 127: Dictatus Papae, Punkt 3: Nur er allein [römischer Bischof] kann Bischöfe absetzen oder sie wieder einsetzen.

[9] Vgl. Althoff, Heinrich IV., S. 118: Gregors VII. Einfluss war schon vor Erhebung in das apostolische Amt sehr groß in Rom und auf Nikolaus II. ebenfalls.

[10] Vgl. Weinfurter, Herrschaft und Reich, S. 127.

[11] Vgl. Schlick, König, Fürsten und Reich, S. 25.

[12] Die Urkunden Heinrichs IV., ed. von Gladiß, MGH DD H IV, S. 355.

[13] Vgl. Brandt, Werkzeug des Historikers, S. 90.

[14] Vgl. Althoff, Heinrich IV., S. 118.

[15] Weinfurter, Herrschaft und Reich, S. 127.

[16] Siehe zum Problem der weitverbreiteten Simonie: Englberger, Gregor VII., S. 189: Für Gregor galt der französische König als der „schlimmste Simonist seiner Zeit“.

[17] Vgl. Schieffer, Investiturstreit, S. 7 ff., 53 ff.

[18] Vgl. Weinfurter, Herrschaft und Reich, S. 127.

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Details

Titel
Die Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV.
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Umbruch und Konstanz. Das 11. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V343623
ISBN (eBook)
9783668332089
ISBN (Buch)
9783668332096
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exkommunikation, absetzung, heinrichs
Arbeit zitieren
Peter Becker (Autor), 2016, Die Exkommunikation und Absetzung Heinrichs IV., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343623

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