Zu Uwe Timm "Rennschwein Rudi Rüssel" - Unterrichtsausarbeitung


Unterrichtsentwurf, 2004

26 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsausarbeitung
2.1 Curriculum
2.2 Sachanalyse
2.3 Didaktische Analyse
2.4 Methodische Analyse
2.5 Auswertung

3. Exkurs
3.1 Unterhaltungsliteratur
3.2 Der komische Kinderroman

4. Reflexion

5. Literatur
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

6. Anhang

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit ist die Ausarbeitung einer Unterrichtsstunde zum komischen Kinderroman „Rennschwein Rudi Rüssel“ von Uwe Timm. Sie entstand im Rahmen des Seminars „Lesepubertät als didaktische Herausforderung. Jugendliteratur im Deutschunterricht der Sekundarstufe I“ von Frau Dr. Hannelore Daubert im Wintersemester 2003/2004 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Zunächst ist die Unterrichtsvorbereitung und -durchführung dargestellt (Kapitel 2). Es folgt ein Exkurs, indem nochmal auf die Besonderheiten von Unterhaltungsliteratur und komischer Kinderliteratur eingegangen wird (Kapitel 3) und schließlich die Reflexion der Stunde (Kapitel 4).

Die beschriebene Unterrichtsstunde fand im Rahmen eines Praktikums in der Sekundarstufe I (Klasse 5) einer Realschule statt. Die Klasse hatte mit dem Roman „Rennschwein Rudi Rüssel“ bereits begonnen, als ich mein Praktikum antrat. Da dieser Roman auch Teil des Seminars „Lesepubertät“ war, ich ihn im Laufe dieses Seminars bereits gelesen und er mir sehr gut gefallen hatte, war es für mich ein Glücksfall ihm in meinem Praktikum wieder zu begegnen und Unterricht hierzu halten zu dürfen.

Im Anhang befindet sich die Verlaufsplanung des durchgeführten Unterrichts..

2. Unterrichtsausarbeitung

2.1 Curriculum

Die beschriebene Unterrichtsstunde findet im Rahmen der im Lehrplan Deutsch für die Jahrgangsstufe fünf verbindlich ausgewiesenen Arbeitsbereiche „Sprechen und Schreiben“ sowie „Umgang mit Texten“ statt.

Dem Sinn des Aufbaus des Lehrplanes Deutsch als Spiralcurriculum1 folgend, sind die Unterrichtsgegenstände im Verlauf der Sekundarstufe I immer wiederkehrenden Arbeitsbereichen zuzuordnen, die ihrerseits selbstverständlich nicht voneinander getrennt zu betrachten sind, sondern sich überlappen.

Der komische Kinderroman „Rennschwein Rudi Rüssel“ von Uwe Timm2, der hier Unterrichtsgegenstand ist, wird im Lehrplan Deutsch unter Punkt „Erzählungen und Romane mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und unterschiedlicher ästhetischer Struktur“ vom Hessischen Kulturministerium für die Klasse fünf empfohlen.

Die hier dargestellte Unterrichtsstunde nimmt ihren Ausgang in diesem Kindertext, speziell dem 18. Kapitel, welches in dieser Stunde die Grundlage für eigene Textproduktion seitens der Schüler/innen darstellt.3

2.3 Sachanalyse

Der komische Familienroman „Rennschwein Rudi Rüssel“ von Uwe Timm ist 1989 im Nagel & Kimche Verlag erschienen. Der Roman wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und später verfilmt.4 Die Lektüre umfasst ca. 150 Seiten und ist in 29 kurze Kapitel untergliedert, so dass der Aufbau des Romans gerade für den jungen Leser leicht überschaubar und nachvollziehbar ist.

Die Hauptfigur des Romans ist ein Hausschwein, das auf den Namen Rudi Rüssel hört. Als Preis einer Dorf-Tombola gelangt das Schwein in eine Stadtfamilie und bringt dort den Alltag der Familie durcheinander. Der Versuch, Rudi auf dem Land unterzubringen, endet für das Schwein fast auf dem Schlachthof. Nachdem Rudi allerdings in die Wohnung der Familie zurück- gebracht wird, entdeckt der Hausbesitzer das ungewöhnliche Haustier und kündigt der Familie fristlos. Im Haus eines Fußballvereins findet die Familie mit Rudi ein neues Zuhause. Rudi Rüssel versagt zwar als Maskottchen auf dem Fußballplatz, bei mehreren Schweinerennen entdeckt man jedoch seine Begabung als Rennschwein.

Der kindliche Ich-Erzähler, der älteste von drei Geschwistern der Familie, erzählt Rudis Geschichte rückblickend auf einen Zeitraum von zwei Jahren.5

Auf der einen Seite wird eine alltägliche Handlung, auf der anderen Seite aber auch etwas Ungewöhnliches (ein Schwein als Haustier) dargestellt. Doch aus der Selbstverständlichkeit, mit der die Familie Rudi wie ein normales Haustier behandelt, ergibt sich eine lustige Geschichte voller Situationskomik. Der Leser lacht nicht über die Personen des Romans, sondern mit ihnen.6

Trotz durchweg heiterer Momente wird auch auf ernsthafte Sachverhalte eingegangen. Die Massentierhaltung und ihre Konsequenzen werden genauso wie die Arbeitslosigkeit des Vaters zum Thema gemacht. Außerdem werden im Laufe des Romans Vorurteile ausgeräumt, die Schweine als faule, stinkende und gefühlslose Tiere darstellen. Auch wenn die Probleme unserer Gesellschaft nicht ausgespart werden, vermittelt der Roman Heiterkeit und ist nicht mit Problemen überladen.

Die traditionelle Rollenverteilung ist im Roman weitgehend aufgehoben. Die Mutter sorgt für den Lebensunterhalt der Familie, während sich der arbeitslose Vater um den Haushalt kümmert.

Im Gegensatz zu vielen Kinderromanen, die in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend von zerrütteten Familienverhältnissen, getrennten Geschwistern und alleinerziehenden Eltern berichten, handelt Timms Roman von einer weitgehend intakten, harmonisch funktionierenden „Verhandlungsfamilie“.7

2.4 Didaktische Analyse

Die 5. Klasse, in der der Unterricht durchgeführt wird hat, verglichen mit anderen fünften Realschulklassen, ein hohes Klassenniveau. Sie besteht aus 30 Schüler/innen, darunter 13 Jungen und 17 Mädchen. Fünf Schüler/innen besitzen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, was einem Passausländeranteil von knapp 17 % entspricht. Viele Schüler/innen sind Nicht-Muttersprachler. Die Klasse wird seit Anfang des Schuljahres im Fach Deutsch von einem Referendar unterrichtet. Sie kennen den ganzen Text und haben bereits Übung im Verfassen eigener Texte (Tagebucheintrag, Klappentext) zu anderen Kapiteln bzw. zum gesamten Text der Ganzschrift „Rennschwein Rudi Rüssel“.

Der Text eignet sich gut für ein fünftes Schuljahr, sowohl sprachlich als auch thematisch.

Er ist in Kapitel von etwa vier bis sechs Seiten unterteilt und umfasst insgesamt etwa 150 Seiten. Die Unterteilung in kurze Kapitel und die passende Länge des gesamten Textes ist wichtig, um eine Lesemotivation der Schüler/innen aufzubauen und diese zu halten. Gerade für schwächere Schüler/innen ist es ein Erfolgserlebnis, wenn sie ein komplettes Buch gelesen haben (= Lese- förderung).

Thematisch bringt der Text viele verschiedene Aspekte: das Kennenlernen der Familienform „Verhandlungsfamilie“, das Übernehmen von Verantwortung für ein eigenes Haustier oder den Aufbruch der klassischen Rollenverteilung von Mann und Frau. Außerdem kann - auch fächerübergreifend - auf das Problem der Massentierhaltung (Biologie, Ethik), auf den Beruf des Ägyptologen und Bauern (Arbeitslehre, Sozialkunde), das Problem der Arbeitslosigkeit (Arbeitslehre, Sozialkunde) oder auf generelle Informationen über Schweine8 (Biologie) eingegangen werden. Durch alltägliche Situationen und Konstellationen (z.B. das Halten von Haustieren) werden Bezüge zur persönlichen Erfahrungswelt der jungen Leser hergestellt.9 Der Roman weist zwar auf Probleme unserer Gesellschaft hin, tut dies aber ohne problembeladen zu sein.10

Mögliche Schwierigkeiten des Textes bestehen im Erkennen des Unterschiedes zwischen Fiktion (fiktive Geschichte) und Realität, z.B. der Frage, ob man ein Schwein als Haustier in einer Wohnung halten kann. Ansonsten müsste die Geschichte vom Rennschwein Rudi Rüssel für die Schüler/innen des fünften Schuljahres klar und verständlich sein. Eventuell auftretende Wortunklarheiten werden im Unterricht geklärt.

Die Ziele des Unterrichts können in Langzeit- und Stundenziele gegliedert werden:

Langzeitziele:

Ein Langzeitziel ist sicherlich die Leseförderung. Sie ist - in allen Klassen - als Daueraufgabe des Deutschunterrichts zu sehen.11 Die Kinder- und Jugendliteratur ist dabei gerade durch ihre Realitätsnähe und Aktualität sehr hilfreich. Besonders in den weiterführenden Schulen muss das Lesen für Schüler/innen attraktiv gemacht werden, Lesemotivation muss aufgebaut und Interesse und Spaß am Lesen vermittelt werden. Die Schüler/innen müssen die Erfahrung machen, dass Lesen nicht nur Mühe und Anstrengung bedeutet, sondern auch viel Vergnügen bereiten kann.12

Ein weiteres Langzeitziel ist der Erwerb literarischer Kompetenz; die Fähigkeit umfangreiche, komplexe Texte nicht nur zu lesen (also Buchstaben und Silben aneinander zu reihen), sondern auch zu entschlüsseln, zu verstehen und Sinnzusammenhänge zu erkennen.

Auch die Kenntnis unterschiedlicher Formen und Genres von Literatur ist ein Langzeitziel des Deutschunterrichts.13

Die Schüler/innen sollen lernen sich unter Einhaltung von Gesprächsregeln kritisch-argumentativ an Gesprächen zu beteiligen; ferner sollen sie ihre Ausdrucksfähigkeit im grammatischen und semantischen Bereich ausbauen („Sprechen und Schreiben“). Beides steht in Wechselbeziehung zueinander und ist untrennbar miteinander verknüpft. Beispielsweise in Form verschiedener, realer und fiktiver Schreibanlässe können die Schüler/innen erworbene grammatische und semantische Kenntnisse anwenden, üben, verfestigen und ausbauen.

[...]


1 Definition: Spiralcurriculum bezeichnet ein didaktisches Konzept zur Anordnung des Lernstoffs. Ein Curriculum, das nicht allein innerfachlicher Logik folgt, sondern auch entwicklungs- und lernpsychologische Gesichtspunkte berücksichtigt, ordnet den Stoff nicht

linear an, sondern in Form einer Spirale, so dass einzelne Themen im Laufe der Schuljahre mehrmals, auf jeweils höherem Niveau, wiederkehren. Aufgrund des hermeneutischen Zirkels kann allerdings auch innerfachliche Logik ein spiralförmiges Vorgehen begründen. Net-Lexikon (2004)

2 Timm, Uwe (1989)

3 vgl. Hessisches Kulturministerium (2003): S. 12ff

4 vgl. Falk, Ulrich (1998): S. 35

5 vgl. Gansel, Carsten (1999): S. 88

6 vgl. Falk, Ulrich (1998): S. 35

7 vgl. Daubert, Hannelore & Ewers, Hans-Heino (Hg.) (1996): S. 130ff

8 Unterrichtsvorschläge zu diesem Aspekt findet man bei Falk, Ulrich (1998): S. 37

9 vgl. Daubert, Hannelore & Ewers, Hans-Heino (Hg.) (1996): S. 130ff; vgl. Gansel, Carsten (1999): S. 88f

10 vgl. Falk, Ulrich (1998): S. 35f

11 vgl. Hessisches Kulturministerium (2003): S. 15

12 vgl. Daubert, Hannelore (1999): S. 50; vgl. Falk, Ulrich (1998): S. 36

13 vgl. Daubert, Hannelore (1999): S. 52; vgl. Hessisches Kulturministerium (2003): S. 15

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Zu Uwe Timm "Rennschwein Rudi Rüssel" - Unterrichtsausarbeitung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Kinder- und Jugenbuchforschung)
Veranstaltung
Lesepubertät als didaktische Herausforderung
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V34442
ISBN (eBook)
9783638346597
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit beinhaltet zum Einen eine genaue Analyse des komischen Familienromans "Rennschwein Rudi Rüssel" von Uwe Timm (Curriculum, Sachanalyse, didaktische Analyse und methodische Analyse) und zum Anderen einen Exkurs von 6 Seiten über "Unterhaltungsliteratur und komische Familienromane im Unterricht". Außerdem wird eine Unterrichtsstunde, durchgeführt in einer 5. Klasse, dargestellt, begründet und reklektiert (inkl. einer genauen Aufstellung der Unterrichtsverlaufsplanung).
Schlagworte
Timm, Rennschwein, Rudi, Rüssel, Unterrichtsausarbeitung, Lesepubertät, Herausforderung
Arbeit zitieren
Vera Witkowski (Autor:in), 2004, Zu Uwe Timm "Rennschwein Rudi Rüssel" - Unterrichtsausarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34442

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