Kirche und Nationalsozialismus

Die politische Haltung der katholischen und evangelischen Kirche gegenüber dem NS-Regime


Zusammenfassung, 2016
9 Seiten, Note: 14

Leseprobe

Inhalt

1 Kirchenkampf

2 Kirchenkampf als Begriff

3 NSDAP und Kirchen

4 Evangelische Kirche im Nationalsozialismus
Auslöser des Kirchenkampfes

5 Katholische Kirche im Nationalsozialismus
Reichskonkordat
Konkordatsverstöße

6 Bekennende Kirche

7 Erste Kriegshälfte
Kirche und Juden

8 Zweite Kriegshälfte

9 Folgen in Deutschland

Literaturverzeichnis

Internet-Recherche

1 Kirchenkampf

Als Kirchenkampf bezeichnet man im engeren[1] Sinn den Konflikt innerhalb der Deutschen Evangelischen Kirche zwischen der Bekennenden Kirche einerseits und den Deutschen Christen anderseits von 1933 etwa bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. Im weiteren Sinn wird oft die Epoche der deutschen Kirchengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus insgesamt so bezeichnet. Im zweiten Fall umfasst der Begriff

- den Kampf des NS-Staates gegen die evangelische, teilweise auch die katholische Kirche und ihre herkömmlichen Organisationsstrukturen, mit dem Ziel der Gleichschaltung
- den Kampf von Nationalsozialisten in und außerhalb der Kirchen gegen das konfessionelle Christentum. Dieser Kampf verfolgte verschiedene Zwecke: sie sollten z.B. mit der NS-Ideologie kompatibler gemacht werden; ihr gesellschaftlicher und politischer Einfluss sollte verringert werden; einigen Nazis schwebte eine „arteigene“ Religiosität vor (siehe z. B. Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Ludwig Fahrenkrog))
- den Abwehrkampf von christlichen Gruppen und Teilkirchen gegen diese Bestrebungen.

Im Folgenden soll die ambivalente Haltung sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche gegenüber der NS-Politik im Dritten Reich beleuchtet werden.

2 Kirchenkampf als Begriff

Der Begriff Kirchenkampf gilt heute als umstritten, denn dieser suggeriere einen Kampf zwischen der Kirche und dem NS-Regime. Sowohl innerhalb der evangelischen als auch der katholischen Kirche gab es zwar partiellen Widerstand gegen die Regierung Hitlers, doch eine geschlossene Opposition gab es nicht. Die Kernthematik des Kirchenkampfes lag in dem Versuch der Nationalsozialisten, die Rassestandpunkte in den Kirchen zu etablieren sowie deren Organisationsstrukturen zu prägen.

3 NSDAP und Kirchen

Die Nationalsozialisten erhoben Anspruch auf eine totalitäre Weltanschauung. In dieser gab es keinen Raum für eine (gleichberechtigte) religiöse Weltdeutung und Sinngebung. Eine Einheitspartei sollte die machtpolitischen Geschicke des Staates lenken und frei von jedweder Konkurrenz einer Kirche sein. Die NSDAP nahm gegenüber den Kirchen eine ambivalente Haltung von Vereinnahmung bis hin zu Konfrontation ein. Ein „deutscher Glaube“ konnte „Gott“ nur in der deutschen Geschichte finden: die nationale Revolution wurde ausgegeben als Erfüllung aller religiösen Sehnsüchte. Die Nationalsozialisten warben für ein „positives Christentum“ ohne konfessionelle Bindung, „soweit nicht […] gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen“ werde. Weiterhin ist ein militanter Antisemitismus zu nennen. Hitler schrieb etwa in Mein Kampf: „Indem ich mich des Juden erwehre, erfülle ich das Werk des Herrn.“

Die „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ (DC) gründete sich 1932 als Zusammenschluss von evangelisch getauften Nationalsozialisten. Diese pflegten ein „arteigenes Christentum“, in dem das Führerprinzip verankern werden sollte. Die nach Konfessionen gegliederten Landeskirchen sollten zu einer Reichskirche vereinheitlicht werden.

4 Evangelische Kirche im Nationalsozialismus

Die Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde von der Mehrheit der Christen als „Rettung des Vaterlandes“ begrüßt. Im Zuge der Reichstagsbrandverordnung wurden alle persönlichen Freiheitsrechte der Weimarer Verfassung aufgehoben und die Bespitzelung sowie Inhaftierung von Kirchenvertretern gestattet. Von der evangelischen Kirche wurde dies wie auch von der katholischen kaum registriert, stattdessen sogar noch als „Wiederherstellung der Ordnung“ (Otto Dibelius) gepriesen. Am 23. März ließ Hitler verlauten: „Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen die wichtigsten Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums.“ Er werde ihnen „den ihnen zukommenden Einfluss einräumen und sicherstellen“ und sähe „im Christentum die unerschütterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes.“ Bereits am folgenden Tage wurde das Heimtückegesetz verabschiedet, das Kritik der Regierung Hitlers gegenüber dem Ausland unter Strafe stellte. Gegenüber ausländischen Partnern versicherten hochrangige Ökumeniker der Kirchen, dass sich alles in „ruhiger Disziplin“ ereigne und kein Grund zur „Hetze“ bestünde.

Auslöser des Kirchenkampfes

Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, insbesondere der „Arierparagraph“, drohte jüdische Beamte, Universitätsprofessoren und auch Pastoren mit Entlassung. Doch mit dem Ausschluss der Juden stünde die „Existenz“ der Kirche als Glaubensgemeinschaft auf dem Spiel. Die Kirche geriet also verstärkt in einen Konflikt.

Im Mai, einen Monat nach dem Inkrafttreten des „Arierparagraphen“, wurde innerhalb der Kirche zunehmend der Ausschluss der Juden aus der Kirche als Kirchenspaltung angesehen und abgelehnt. Die „Jungreformatorische Bewegung“ erklärte in ihren „Grundsätzen zur neuen Gestaltung der Kirche“: „Wir bekennen uns zum Glauben an den heiligen Geist und lehnen deshalb grundsätzlich die Ausschließung von Nichtariern aus der Kirche ab; denn sie beruht auf einer Verwechslung von Staat und Kirche. Der Staat hat zu richten, die Kirche hat zu retten.“ Doch, da die Kirche sich auf die Rettung des Seelenheils zu beschränken habe und nur der Staat über das Recht bestimmen könne, blieb ein konsequenter kirchlicher Widerstand (gegen die Nürnberger Rassegesetze) aus.

5 Katholische Kirche im Nationalsozialismus

Auf katholischer Seite spricht man für 1933–1945 wegen des im Juli 1933 abgeschlossenen Reichskonkordats nicht von einem „Kirchenkampf“. Dieser Ausdruck wird hier für den Kulturkampf in der Bismarckära verwendet. Seitdem blieb die katholische Bevölkerung politischen Neuerungen gegenüber überwiegend distanziert. Zwar warnten deutsch-katholische Bischöfe immer wieder vor der NS-Ideologie und bereits vor der Machtergreifung distanzierte sich der deutsche Episkopat vom Nationalsozialismus – so wurde es Katholiken verboten, sich der NSDAP anzugliedern – doch nachdem sich Hitler kirchenfreundlich äußerte und in der in 4 genannten Regierungserklärung die beiden großen christlichen Kirchen als „wichtigste Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums“ bezeichnete, positionierte sich die katholische Kirche gegenüber den Nationalsozialisten neu. So zogen die Bischöfe ihre Unvereinbarkeitsbeschlüsse zurück und viele hofften auf einen Neuaufbau eines christlich-nationalen Deutschlands.

Reichskonkordat

Im Juli 1933 schloss die Kurie das Reichskonkordat ab, was Hitler als diplomatischen Erfolg verbuchte, denn so erhielt sein Regime Rückendeckung und konnte sich international besser repräsentieren. Zugleich behielten die katholischen Bischöfe aber einen Einfluss auf die Gesellschaft. Von der Gleichschaltungspolitik waren jedoch auch die Katholiken betroffen: Die Zentrumspartei wurde wie christliche Gewerkschaften aufgelöst. Während einige katholische Theologen die NS-Ideologie begrüßten und in die NSDAP eintraten (Karl Eschweiler, Hans Barion), gab es aber auch Widerstand gegen das NS-Regime. In öffentlichen Predigten wurde der Politik widersprochen und sogar eine zweitweise Aussetzung des T4-Programms („Euthanasie“ im Dritten Reich) erreicht (Bischof Clemens August Graf von Galen). Papst Pius setzte seine Hoffnung auf Diplomatie. Sein Handlungsspielraum und der der katholischen Kirche wurde dadurch jedoch stark beschränkt. Es ist heute unklar, ob er durch sein Agieren „größeren Schaden“, wie er befürchtet haben soll, verhinderte, oder ob er den NS-Verbrechen nicht durch das Ausbleiben einer erklärten Opposition gar Vorschub leistete.

Da die Haltung der Katholiken in Deutschland einheitlich und nur von wenigen Konflikten belastet war, die Kirche sich dem Nationalsozialismus weder anschloss noch sich klar von diesem distanzierte (oder gar bekämpfte), sondern als Weltkirche versuchte, ihre eigenen Mitglieder und Strukturen zu schützen, wird der Begriff des Kirchenkampfes für die römisch-katholische Kirche im Dritten Reich nicht verwendet.

Konkordatsverstöße

Doch schnell mussten die deutschen Bischöfe feststellen, dass das NS-Regime das Konkordat fortwährend brach: Zensur der kirchlichen Presse, Bedrängung der Bekenntnisschulen und verstärkte Reibereien zwischen der katholischen Caritas und der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt um die Kinder- und Jugendfürsorge. Nachdem die Kirche vergebens versuchte, diplomatisch zu vermitteln, entschloss sich der Papst, die Nationalsozialisten offenkundig anzuklagen und kritisierte die NS-Weltanschauung in seiner Enzyklika Mit brennender Sorge diese.

[...]


[1] Zitiert nach Wikipedia „Kirchenkampf“

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Details

Titel
Kirche und Nationalsozialismus
Untertitel
Die politische Haltung der katholischen und evangelischen Kirche gegenüber dem NS-Regime
Note
14
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V345192
ISBN (eBook)
9783668348875
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kirche, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Joshua Beck (Autor), 2016, Kirche und Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345192

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