'Flügge werden' in der heutigen Zeit. Zu Ablösungsverläufen von Jugendlichen in Familien


Masterarbeit, 2016

103 Seiten, Note: 2,0

Klara Engel (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis.

Tabellenverzeichnis.

1. Einleitung.

2. Familienformen.
2.1 Definition von Familie.

3. Familie im Transformationsprozess.
3.1 Äußere Einflussfaktoren auf Familie.
3.2 Innerfamiliäre Transformationsprozesse.
3.3 Familienentwicklungsaufgaben.

4. Adoleszenz, Jugend und Pubertät
4.1 Jugend und Pubertät
4.2 Adoleszenz.
4.3 Individuation.
4.4 Ablösung.

5. Systemischer Ansatz auf Ablösungsverläufe nach Helm Stierlin.
5.1 Ablösungsverläufe.
5.2 Adoleszenz nach Stierlin.
5.3 Eltern und die Ablösung.
5.4 Zentrifugale und zentripetale Kräfte.
5.5 Beziehungsmodi
5.6 Der Bindungsmodus.
5.7 Der Delegiertenmodus.
5.8 Ausstoßungsmodus.

6. Soziologische Perspektive auf Ablösungsverläufe nach Vera King.
6.1 Soziologische Perspektive auf Adoleszenz.
6.2 Generationenverhältnisse, Generativität und Adoleszenz.
6.3 Geschlechterverhältnisse und Adoleszenz.
6.4 Familienbeziehungen und Adoleszenz.

7. Kontrastierung der Theorien.

8. Soziologische Relevanz des Themas.

9. Methodik.
9.1 Grounded Theory.
9.2 Schritte der Grounded Theory.

10. Interviewführung.
10.1 Narrative Interviews.
10.2 Aufbau des narrativen Interviews und Bezugnahme zu geführten Interviews.
10.3 Die Situation des Interviewers.

11. Fallauswahl

12. Fallstudie 1: Karin und Franziska Vogel
12.1 Auswertung.
12.2 Familie Vogel
12.3 Kontaktaufnahme.
12.4 Zu den Interviewsituationen.
12.5 Das Interesse für Karin Vogel
12.6 Eingangssequenz.
12.7 Abwesenheit der Tochter
12.8 Rollentausch.
12.9 Karins Ablösungsverlauf.
12.10 Franziska.
12.11 Zwischenergebnis: Theoriebildung.

13. Fallstudie 2: Birgit und Laura Schmidt
13.1 Auswertung.
13.2 Familie Schmidt
13.3 Kontaktaufnahme.
13.4 Zu den Interviewsituationen.
13.5 Das Interesse für Birgit Schmidt
13.6 Eingangssituation des zweiten Interviews.
13.7 Erstes Erlebnis mit Autonomie.
13.8 Delegationsversuch.
13.9 Lauras Ablösungsverlauf.
13.10 Familiärer Ausblick.
13.11 Nach dem zweiten Interview..
13.12 Zwischenergebnis: Theoriebildung.

14. Kontrastierung der Fälle.

15. Theoriebildung.

16. Zwischen Theorie und Praxis.
16.1 Vergleich der Einzelfälle mit theoretischen Ansätzen.
16.2 Birgit Schmidt
16.3 Laura Schmidt
16.4 Franziska Vogel
16.5 Karin Vogel

17. Fazit

18. Literaturverzeichnis.

20. Anhang.
20.1 Transkriptionszeichen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zusammenfassung der äußeren Einflussfaktoren auf Familie (Beispiele) (eigene Darstellung)

Abbildung 2 : Familiäres Beziehungsverhältnis der Familie Vogel (eigene Darstellung)

Abbildung 3 :Karins Ordnungsstruktur/Ordnungsprinzip (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Franziskas und Karins Entwicklungsverlauf. Wichtige Ereignisse. (eigene Darstellung)

Abbildung 5: Familienrat Familie Schmidt (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Positionierung der Kinder im familiären Transformationsprozess nach ihrer Wichtigkeit und Bedeutung (eigene Darstellung)

Abbildung 7: Birgits Selbstdelegation (eigene Darstellung)

Abbildung 8: Lauras und Birgits Entwicklungsverlauf. Wichtige Ereignisse. (eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenfassung unterschiedlicher soziologischer Perspektiven auf Familie (eigene Darstellung)

Tabelle 2: Stadienspezifische Familienentwicklungsaufgaben.

Tabelle 3: Beziehungsmodi (transitiv und reziprok)

Tabelle 4: Kontrastierung der Fälle (eigene Darstellung)

1. Einleitung

„Durch das Thema Studium und Studentenleben, erzählte sie Jonas und mir von der Schwester einer Freundin. Diese studierte auf Lehramt und lebte während des Studiums bei ihren Eltern. Für ihr Referendariat zog sie für ein Jahr in eine andere Stadt und fand anschließend eine Stelle als Lehrerin in ihrer Heimatstadt und zog zurück zu ihren Eltern. Birgit fügte hinzu, dass die Schwester ihrer Freundin noch im Alter von 36 Jahren bei ihren Eltern lebt, jeden Tag um 21 Uhr ins Bett geht und wenig soziale Kontakte hat. Zusätzlich trifft sie sich unter der Woche nicht mit Freunden und wenn überhaupt nur am Wochenende. Dies führte dazu, dass sie Depressionen bekommen hat und eine Therapie beginnen musste, bei welcher auch die Eltern miteinbezogen wurden. Birgit sagte, dass es eine schreckliche Vorstellung für sie sei, in diesem Alter noch unselbstständig zu sein und bei den Eltern zu leben. Daraufhin meinte Jonas, dass ihm das nicht passieren würde und Birgit antwortete lachend, dass sie ihn rausschmeißen würde, wenn er dann noch zu Hause leben würde.“ [Birgit = Mutter der Familie Schmidt, Jonas = Sohn von Birgit Schmidt[1] ] (Beobachtungsprotokoll Nr.2 Familie Schmidt: 1)

In dieser Erzählung (siehe Beobachtungsprotokoll Nr. 2 Familie Schmidt) berichtet Mutter Birgit von einer erwachsenen Frau, die es nicht geschafft hat ‚flügge‘ und selbstständig zu werden. Stattdessen lebt sie isoliert bei ihren Eltern und hat wenig soziale Kontakte. Diese Lebensform führt dazu, dass sie krank wird und Depressionen bekommt. Dass die Mutter der Familie Schmidt über dieses Beispiel aus dem näheren Bekanntenkreis berichtet, lässt erahnen, dass Autonomieentwicklungen und Ablösungen von Kindern und Eltern für diese Mutter von Bedeutung sind. Dadurch geht hervor, dass die Ausprägung der Eltern-Kind-Beziehung sowie ihre Bindungsgrade nachhaltige Auswirkungen auf ein Kind haben. Mit diesem Thema beschäftigt sich die vorliegende Forschungsarbeit.

Der Titel ‚ Flügge werden‘ in der heutigen Zeit. Zu Ablösungsverläufen von Jugendlichen in Familien beschreibt das Forschungsinteresse dieser Arbeit. Die Bezeichnung ‚flügge werden‘ kommt ursprünglich aus der Tierwelt und bedeutet, dass sich zum Beispiel junge Vögel so weit entwickelt haben, dass sie ihr Nest verlassen können und bereit für ihre ersten Flüge sind.[2] Übertragen auf Kinder verdeutlicht der Ausdruck ‚flügge werden‘ den Prozess der Ablösung, in dem Kinder zunehmend selbstständiger und unabhängiger von den Eltern werden. Flügge[3] ist der Status der Selbständigkeit und des Erwachsenseins, den Kinder nach diesem Prozess erreicht haben. Dabei kristallisiert sich heraus, dass dieser Entwicklungsprozess Auswirkungen auf das Familiengebilde hat. Zudem weist das Wort Ablösung darauf hin, dass Nähe und Distanz innerhalb der Familie stetig ausgehandelt werden. Wenn Kinder ‚flügge werden‘, lösen sie sich zunehmend von ihren Eltern. Auf diesem Ablösungsverlauf von Jugendlichen in Familien liegt der Fokus dieser Abschlussarbeit, welche auf einer empirischen Studie basiert. Hierbei wird den Fragen nachgegangen, wie der Verlauf der Ablösung aussehen kann sowie welche Bedeutung und welche Auswirkungen Ablösungsverläufe auf Kinder, Eltern und die Familie in ihrer Gesamtheit haben. Wie sieht der familiäre Transformationsprozess aus und welche Aushandlungen der Familienrollen sind bei Ablösungsverläufen vorzufinden? Wie gehen Elternteile mit veränderten Beziehungen und Bindungen zu ihren Kindern während dieser Zeit um? Welche Rolle spielen Eltern während der Ablösung? Bei diesen Fragen ist zu erwähnen, dass sich diese Arbeit aufgrund der Fallauswahl vor allem auf Mutter-Tochter-Beziehungen bezieht.

Zur Verdeutlichung des Untersuchungsschwerpunktes werden zunächst Beschreibungen und Definitionen wichtiger Begriffe aufgezeigt. Um ein Verständnis zum Thema Ablösung zu erhalten, werden die Begriffe Familie, familiärer Transformationsprozess, Adoleszenz, Jugend, Pubertät sowie Individuation und Ablösung genauer erläutert. Dabei ist das Ziel, die Breite der Einflussfaktoren in Bezug auf Familie und Ablösung aufzuzeigen. Anschließend folgt der theoretische Abschnitt dieser Arbeit, der sich an den Auffassungen von Helm Stierlin und Vera King orientiert. Hierbei handelt es sich um einen systemischen und einen soziologischen Ansatz, die jeweils Ablösungsverläufe thematisieren. Nach der Darstellung dieser Ansätze werden sie einander gegenübergestellt. Zusätzlich wird auf die Relevanz des Themas für die Soziologie eingegangen. Wie bereits erwähnt, ist diese Arbeit eine Forschungsarbeit, bei welcher Datenmaterial in Form von Interviews und Beobachtungsprotokollen ausgewertet wurde. Die Auswertung erfolgt mithilfe der Grounded Theory Methode, weswegen ihre Bedeutung und Auswertungsschritte im weiteren Verlauf dieser Arbeit dargestellt werden. Daraufhin folgt die Erläuterung des narrativen Interviews. Diese Interviewform wurde als Erhebungsinstrument zur Veranschaulichung des Themas gewählt. Aufbauend auf diese Ausführung wird auf den empirischen Abschnitt dieser Arbeit eingegangen. An dieser Stelle werden zwei Fallbeispiele vorgestellt. Auf Grundlage von durchgeführten Interviews mit Müttern, werden die Fälle veranschaulicht. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf den Müttern und auf der subjektiven Darstellung ihrer Töchter in Bezug auf Ablösung. Innerhalb des empirischen Kapitels wird zudem auf Kontaktaufnahmen, besondere Auffälligkeiten und Beobachtungen eingegangen. Durch die Grounded Theory wird zu jedem Fall eine Theorie als Zwischenergebnis konstruiert, um abschließend eine Haupttheorie zu bilden. Die Einzelfälle aus den Fallbeispielen, welche jeweils nur eine Person fokussieren, werden im nächsten Kapitel mit den Theorien von Helm Stierlin und Vera King verglichen. Zum Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst. In diesem Fazit wird noch einmal auf die Bedeutung von Ablösungsverläufen eingegangen und die Rolle der Soziologie in diesem Themenfeld erörtert.

2. Familienformen

„Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich“ (Tolstoj 2014: 7). Bereits im 19. Jahrhundert weist der russische Schriftsteller Lev Tolstoj in seinem Werk Anna Karenina durch seinen Eingangssatz auf innerstrukturelle Unterschiede zwischen Familien hin. Dennoch unterscheiden sich subjektive und objektive Wahrnehmungen von glücklichen und unglücklichen Familien. Hierbei gibt es objektive und subjektive Empfindungen auf jeweils eigene und auch auf andere Familien. Diese Mehrdimensionalität von subjektiven Gefühlen und objektiven Perspektiven auf das Konstrukt Familie wird in dieser Abschlussarbeit dargestellt. Im Folgenden wird zunächst auf die soziologische Debatte über Familie eingegangen, die eine wissenschaftliche Perspektive auf Familien ermöglicht.

2.1 Definition von Familie

Aufgrund unterschiedlicher Wissenschaften, struktureller Wandlungsprozesse, etc., wird Familie unterschiedlich aufgefasst, weswegen es diskrepante Debatten über Familie gibt. So wird zum Beispiel die Existenz der Familienform in Frage gestellt. Hierbei wird argumentiert, dass Familie wegen einhergehenden Transformationsprozessen keine gesellschaftlich bestehende Form ist (vgl. Burkart, Günter 2008: 13). Durch die Pluralität von individuellen Lebensformen gibt es vielfältige Möglichkeiten des Zusammenlebens. Gegensätzliche Ansätze gehen davon aus, dass Familie aufgrund ihrer gesellschaftlichen Funktion eine stabile und kontinuierliche Form sei (vgl. ebd.: 14). Der Begriff Familie stammt ursprünglich aus dem Lateinischen. Eine soziologische Definition von Familie stellt Folgendes heraus:

„Familie (von lat. Familia = Gesinde), bedeutsamste und verbreitetste Form der sozialen Gruppe; das Zusammenleben von mindestens zwei Generationen in einer (Primär-)Gruppe charakterisiert F. als eine soziale Lebenswelt besonderer Art. F. strukturiert grundlegend Lebenslauf und Biographie des Menschen; sie ist Teil seiner Statusbiographie. […] Die Universalität der F. ist nicht an eine konkrete Lebensform gebunden, sondern schließt die Pluralität von Lebenswelten bewusst ein; dies gilt sowohl im Hinblick auf ihre soziale Struktur als auch für ihr Binnenselbstverständnis“ (Hillmann, Hartfiel 2007: 215 f.).

Konstitutiv bei dieser Definition von Familie ist das Zusammenleben von mindestens zwei Generationen, wobei unterschiedliche und vielfältige interfamiliale und intergenerationale Lebenswelten möglich sind. Diese beiden Generationen stehen als Eltern-Kind-Beziehung zueinander (vgl. Peuckert 2012: 163). Dennoch lässt sich der Ursprung des Wortes familia nicht auf das Wort Gesinde herunterbrechen, wie es Hillmann und Hartfiel in ihrer Definition verdeutlichen. Die historische Grundbedeutung von familia bezieht sich auf die „'Haus(gemeinschaft)' - und zwar im Sinne der Gesamtheit der in einem Haus lebenden Personen, einschließlich des Gesindes bzw. Haussklaven" (Burkart, Günter 2008: 119). Bei dieser Auffassung bleiben Generationsverhältnisse sowie Verwandtschaftsbeziehungen außer Acht.

Eine weitere konträre Definition von Familie lässt sich bei Hill und Kopp (2013) finden. Diese schließen eine Pluralität der Lebenswelten von Familienmitgliedern aus und vertreten die Meinung, dass Familie „eine auf die Dauer angelegte Verbindung von Mann und Frau – mit gemeinsamer Haushaltführung und – mindestens einem eigenen (oder adoptieren) Kind“ (Hill, Kopp 2013: 10) ist. Hill und Kopp lassen in ihrer Definition die Pluralität von Familienformen, wie zum Beispiel Familien mit alleinerziehenden Elternteilen oder homosexuelle Ehen mit Kindern, nicht zu (vgl. Mühlfeld, Viethen 2009: 18). Dabei gibt es seit den 1970er Jahren einen Trend hin zu vielfältigen Rollenbesetzungen innerhalb von Familien (vgl. Nave-Herz 2014: 15).

Eine erweiterte Perspektive auf Familie bietet Nave-Herz, indem sie konstitutive Merkmale von Familie aufstellt. Zum einen gebe es biologisch-soziale Merkmale, da Familie eine Reproduktions- und Sozialisationsfunktion besitze. Zusätzlich haben Familienmitglieder ein Kooperations- und Solidaritätsverhältnis sowie spezifische Rollen in diesem Verhältnis. Zum anderen gibt es Generationsdifferenzierung (vgl. Nave-Herz 2015: 15). Zudem betont sie, dass auch „[…] alleinerziehende Mütter und Väter sowie nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern auch Familiensysteme“ (ebd.: 16) seien. Während Nave-Herz von Familie als System ausgeht, bezieht Hofer (2002) sein Verständnis von Familie auf soziale Beziehungen.

„Familie ist eine Gruppe von Menschen, die durch nahe und dauerhafte Beziehungen miteinander verbunden sind, die sich auf eine nachfolgende Generation hin orientiert und die einen erzieherischen und sozialisatorischen Kontext für die Entwicklung der Mitglieder bereitstellt“ (Hofer 2002: 6).

„Die Beziehungen in der Familie werden als Einheit, bestehend aus dyadischen (Zweier-), triadischen (Dreier-) etc. Subsystemen, gesehen“ (ebd.: 12).

Durch Hofers Definition wird deutlich, dass Familie Funktionen innehat, die sich auf die Entwicklung und Erziehung von Kindern beziehen. Eine Funktion ist Geselligkeit, was Geborgenheit und Akzeptanz beinhaltet. Eine weitere Funktion ist Beratung, welche die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern begreift (vgl. ebd.: 11).

Eine allgemeinere Betrachtungsweise auf Familie lässt sich bei Hurrelmann finden. Familie wird als Kernfamilie, die sich aus Vater, Mutter und Kind beziehungsweise Kindern zusammensetzt, dargestellt (vgl. Hurrelmann 2006: 139). Neben ihrer Sozialisationsfunktion, haben Familienmitglieder eine intime und persönliche Beziehung zueinander und bilden eine solidarische Gruppe (vgl. ebd.: 130). Hauptfaktor bei der Betrachtung von Familie als Sozialisationsinstanz ist die emotionale Intensität zwischen den Familienmitgliedern. Demnach sind Eltern-Kind-Beziehungen vertrauensvoll und Eltern nehmen eine Vorbildfunktion in Bezug auf Lebensformen ein (vgl. Hurrelmann, Quenzel 2012: 145).

Dieser definitorische Abschnitt verdeutlicht die vielfältigen Perspektiven auf Familie. Ein Grund für diese Pluralität lässt sich an gesellschaftlichen Transformationsprozessen und wandelnden Einflussfaktoren festmachen. Jedoch ist zu erwähnen, dass die Divergenz zwischen den Definitionen ihren Ursprung in den unterschiedlichen Teildisziplinen hat. Jede Disziplin bevorzugt einen anderen Schwerpunkt bei der Betrachtung von Familie. Interessant bleibt vor allem der Unterschied zwischen den soziologischen Definitionen von Familie und der gelebten familiären Lebensform. Tabelle 1 fasst die aufgeführten Definitionen von Familie zusammen.

Dieser Arbeit liegt keine genaue Definition von Familie zu Grunde, weil die Subjektivität von gelebter Familie individuell ist. Demnach bezieht sich diese Arbeit auf das subjektive Verständnis von Familie, was an den Fallbeispielen im empirischen Abschnitt deutlich wird. Dennoch unterliegen Familienformen bestimmten Einflussfaktoren, die eine stetige Transformation innerhalb von Familien auslösen. Vor diesem Hintergrund wird im Folgenden zum einen auf äußere Bezugspunkte und zum anderen auf innerstrukturelle Wandlungsformen eingegangen.

Tabelle 1: Zusammenfassung unterschiedlicher soziologischer Perspektiven auf Familie (eigene Darstellung )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Familie im Transformationsprozess

In den folgenden Ausführungen werden äußere Einflussfaktoren dargestellt, die einen inneren familiären Transformationsprozess auslösen. Wie bereits aufgezeigt, haben sich Familienformen gewandelt. Allerdings ist zu erwähnen, dass familiäre Transformationsprozesse nicht nur von äußeren sondern auch von inneren Faktoren beeinflusst werden. Diese inneren Faktoren sind zum Beispiel von individuellen Lebensphasen abhängig, was am Beispiel der Familienentwicklungsaufgaben verdeutlicht wird. Zuvor werden äußere und innere Einflussfaktoren dargestellt.

3.1 Äußere Einflussfaktoren auf Familie

Ein Beispiel dafür, dass Familienformen sich wandeln, lässt sich historisch im 19. Jahrhundert festmachen. Durch Industrialisierung und Demokratisierung kam es zur Abgrenzung von Familientraditionen zwischen Bauerntum und Adel. Hinzu kommt die Trennung zwischen Familienleben und Erwerbsarbeit, wodurch sich die bürgerliche Familie als Ideal entwickelte (vgl. Mühlfeld, Viethen 2009: 28 f.). Die Berufstätigkeit von Eltern ist ein äußerer Einflussfaktor auf Familie, welcher Familie „immer mehr fremdbestimmt“ (Lempp: 1986:78). Familien sind äußeren Einflussfaktoren ausgesetzt und können nur bedingt entgegenwirken (vgl. ebd.: 78).

Ein weiterer gesellschaftlicher Wandel kristallisiert sich durch unklare und mehrdimensionale Familienstrukturen heraus, die es seit den 1960er und 1970er Jahren gibt.

Zuvor war die Familie „im Alltag […] das anerkannte und allgemein angestrebte Lebensmodell; der vorherrschenden sozialwissenschaftlichen Theorie galt sie als notwendig für das Funktionieren von Staat und Gesellschaft“ (Beck-Gernsheim 2010: 17).

Durch die Besetzung definierter sozialer Rollen in Familien, kann Familie hierbei als soziale Institution betrachtet werden (vgl. Seiffge-Krenke, Norbert 2012: 20). Ein Wandel von Familie wurde zum Beispiel durch Frauen- und Studentenbewegungen ausgelöst. Es etablierten sich unterschiedliche Familienformen, wodurch eine klare Definition von Familie erschwert wird, da die Grenzen der Familie unscharf geworden sind (vgl. Beck-Gernsheim 2010: 18). Weitere definitorische Probleme wurden zum Beispiel durch technologische Fortschritte, wie künstliche Befruchtung ausgelöst (vgl. ebd.: 21). Dieser Entwicklungsfortschritt gibt Aufschluss darüber, dass sich der Begriff der Familie aufgrund von fachübergreifenden Wandlungen, die sich gegenseitig beeinflussen, im Transformationsprozess befindet. Wandlungsvorgänge des gesellschaftlichen Systems, beispielsweise mit den Einflussfaktoren Urbanisierung, ökonomischer und demographischer Wandel, etc., bewirken Veränderungen des familiären Zusammenlebens. Dieser Einfluss auf Familie wirkt sich in seiner Gewichtung und zeitlichen Versetzung auf unterschiedliche soziale Milieus aus. Dies macht deutlich, dass hierbei nicht von einem einheitlichen parallel verlaufenden Wandel ausgegangen werden kann (vgl. Mühlfeld, Viethen 2009: 17 ff.).

Ein weiterer Punkt der hierzu angeführt werden muss, ist die die Frauenbewegung, durch welche eine veränderte Rolle der Frau hervorging. Der Wandel von der Hausfrau zur weiblichen Erwerbstätigen, welcher sich stark in den 1960er und 1970er Jahren vollzog, ist eine gesellschaftliche strukturelle Veränderung, die das Leitbild der bürgerlichen Familie schwächte. Eine Folge dessen ist nicht nur die weibliche Fokussierung auf Erwerbstätigkeit, sondern auch das Hinauszögern von Familiengründung und der Rückgang von Geburtenraten (vgl. ebd.: 73). Erwerbstätigkeit als außerfamiliärer Faktor veranschaulicht, dass innerfamiliäre Strukturen und Fokussierungen sich verändert haben. Infolgedessen hat sich auch die innere Bedeutung von Familie für Familienmitglieder transformiert. Der Zusammenhalt von Familie wird vor allem durch das Nachgehen von Individualisierungsprozessen nachhaltig geprägt und hat Auswirkungen auf die familiären Geschlechter- und Generationenverhältnisse (vgl. Beck-Gernsheim 2010: 26). Somit ist die Dynamik und Funktionalität von Familie keine statische, wie sie es vor den 1960er Jahren war. Dennoch ist zu erwähnen, dass das traditionelle Familienbild sich nicht gänzlich aufgelöst hat, sondern sein hoher Status infolge neuer Lebens- und Familienformen eine Abschwächung erfahren hat. Während Scheidungen im 19. Jahrhundert beispielsweise ein Tabuthema waren, haben sie sich gegenwärtig zu einem nicht mehr empörenden Thema entwickelt (vgl. ebd.: 45 ff.). Abbildung 1 fasst die aufgeführten beispielhaften Einflussfaktoren zusammen. Wie die innerfamiliären Transformationsprozesse, die durch äußere und innere Faktoren bedingt sind, aussehen, wird im folgenden Abschnitt erläutert.

Abbildung 1: Zusammenfassung der äußeren Einflussfaktoren auf Familie (Beispiele) (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Innerfamiliäre Transformationsprozesse

Trotz dieses wissenschaftlichen Wandels zur Unschärfe des Familienbegriffes, kam es auch zu Transformationen in Familienbeziehungen. Der Wandel von Familienbeziehungen findet sich sowohl auf emotionaler als auch auf intimer Ebene wieder (vgl. King 2013: 135). Dies verdeutlicht, dass Familie sich sowohl aus der Außen- als auch der Innenperspektive heraus keinen klar strukturierten Definitionen bedienen kann. Der Wandel innerfamiliärer Strukturen lässt sich zum Beispiel in transformierenden Einstellungen und Erwartungen gegenüber Familienmitgliedern feststellen (vgl. Mühlfeld, Viethen 2009: 74). In Bezug auf Generationenverhältnisse kam es zu einer begrifflichen Veränderung von Elternschaft.

„Als Folge der institutionalisierten sozialen Problemlösungsverfahren durch verantwortete Elternschaft normierte sich für den sozialen Integrationsprozess die Kindheitsphase durch Einrichtung von Kindergärten und Schulen und die Jugendphase durch die Pflicht einer beruflichen Qualifizierung und Moratoriumsphase. Dies strukturierte die Generationenbeziehungen mental, sozial und moralisch neu“ (ebd.: 76).

An dieser Stelle wird deutlich, dass äußere Faktoren die Familienstruktur beeinflussen. Familie kann hierbei als sozialer Prozess angesehen werden, da Entwicklungsphasen und Übergänge einen familiären prozesshaften Charakter einleiten (vgl. Seiffge-Krenke, Norbert 2012: 22). Jedoch ist die Innenperspektive von Familie in keiner Familie gleich, was bereits das Eingangszitat von Lev Tolstoj veranschaulicht. Familie erlebt sich, im Vergleich zu anderen Familien, in ihrem eigenen Mikrokosmos unterschiedlich. In diesem Mikrokosmos bekommt Familie durch selbstbestimmte Merkmale eine eigene Originalität zugeschrieben. Die Verknüpfung dieser Merkmale wirkt auf die alltägliche Konstruktion der familialen Wirklichkeit, welche den familialen Handlungsraum bestimmt. Familie wird hierbei zu einem Ort der Einzigartigkeit für die jeweiligen Familienmitglieder und zu einem abgrenzbaren Sozialsystem (vgl. Allert 1997: 1). An dieser Stelle kann „Familie als symbolisches Konstrukt“ (Seiffgen-Krenke, Norbert 2012: 22) betrachtet werden.

„Familie erscheint aus dieser Sicht als Symbol für das, was wir darunter verstehen und kann nicht von außen definiert werden. Das ist die am wenigsten konkrete und subjektivste Auffassung“ (ebd.: 22).

Durch Individualisierungsprozesse entsteht dann die Pluralität von Lebensformen (vgl. Mühlfeld, Viethen 2009: 57). Welche Dynamik und Funktionalität Familie aus ihrer Innenperspektive heraus hat, hängt vom Beziehungsverhältnis der Familienmitglieder ab. Es wird sichtbar, dass Familie wegen unterschiedlicher Lebenswelten von seinen jeweiligen Mitgliedern unterschiedlich wahrgenommen und gelebt wird. Modifizierte Handlungen und Handlungen, die modifiziert werden, bestimmen diese Lebenswelt (vgl. Schütz 2003: 33). Dies bedeutet, dass Familienmitglieder sich durch ihr Handeln gegenseitig beeinflussen und dadurch neue Handlungsformen entstehen. Die innere Struktur des familialen Sozialsystems unterliegt somit Transformationsprozessen, die durch Individualisierungs- und Autonomiebestrebungen mitgestaltet werden.

An diesem Punkt wurde die Innenperspektive der Familie unter einem Abstraktionsgrad erläutert. Familie wird demnach individuell unterschiedlich wahrgenommen und kann aufgrund seiner Komplexität keiner Definition unterworfen werden. Dennoch müssen die Innen- und Außenperspektive von Familie miteinander verknüpft werden, um die Funktionalität und Dynamik von Familie zu verstehen.

„Familie hat hier eine Doppelgestalt: Familie ist durch die jeweiligen gesellschaftlichen Strukturen geprägt, sie wird jedoch auch individuell gestaltet“ (Seiffge-Krenke, Schneier: 2012: 15).

Aus diesem Grund folgt im kommenden Abschnitt die Erläuterung von Familienentwicklungsaufgaben, die als äußere sowie innerstrukturelle Bedingungen Einfluss auf Familien haben und bei der Betrachtung von Familie elementar sind.

3.3 Familienentwicklungsaufgaben

Bei einer generationellen Betrachtung von Familie, bestehend aus Eltern-Kind-Beziehungen, lassen sich Stadien, die aufgrund von äußeren Einflüssen Familien durchlaufen, erkennen. Diese Stadien werden als Familienentwicklungsaufgaben bezeichnet (vgl. Hofer 2002: 22). Es muss erwähnt werden, dass diese Familienentwicklungsaufgaben nicht normativistisch sind, aber für Eltern-Kind-Familien als zutreffend betrachtet werden können. Zu diesen Aufgaben gehört die Familienbildung, bei welcher es um das Kriegen von einem Kind oder mehreren Kindern und die Kinderentwicklung geht. Nach der Geburt eines Kindes ist die Beziehung zwischen Mutter und Säugling sehr intim. Die Mutter-Kind-Beziehung wird als Dyade verstanden. Damit das Kind an Autonomie und Handlungsfähigkeit gewinnt, muss die Dyade aufgelöst werden, wodurch sich im sozialisatorischen Kontext eine Triade bildet (vgl. Allert, et al., 1994: 15).

„Die Triade ist dadurch gekennzeichnet, daß jedes Mitglied zu den anderen Beziehung[en] unterhalten muß: Wünsche der Ausschließlichkeit und absoluten Verfügbarkeit der Mutter werden so in der Regel enttäuscht und eine nicht notwendig bewußte Eifersucht wird theoretisch betrachtet zum strukturierenden Prinzip der sozialisatorischen Interaktion der Triade“ (ebd.: 15).

Die Mutter-Kind-Bindung ist genauso wichtig wie die Vater-Kind-Bindung (vgl. Seiffge-Krenke, Norbert 2012: 144 f.). Eine weitere Unterscheidung in Bezug auf den Strukturwandel von Familie, vor dem Hintergrund von Familienentwicklungsaufgaben, findet sich bei Familien mit vorjugendlichen Schulkindern und Familien mit Jugendlichen wieder. Bei Familien mit Schulkindern ist es zum Beispiel wichtig, dass die schulische Entwicklung gefördert wird. Der familiäre Strukturwandel vollzieht sich in der weiteren Entwicklung des Kindes. So ist beispielsweise eine Entwicklungsaufgabe bei Familien mit erwachsenen Kindern, dass Familiengrenzen für neue Familienmitglieder geöffnet werden sollen. Dies findet sich auch bei Familien mit Kindern im mittleren Alter wieder. Bei Letzteren steht vor allem die Großeltern-Kind-Beziehung im Mittelpunkt der Entwicklungsaufgaben (vgl. Hofer 2002: 22). Tabelle 2 veranschaulicht zusammengefasst die hier kurz vorgestellten Familienentwicklungsaufgaben nach Hofer. Stadienspezifische Familienentwicklungsaufgaben werden dabei dem jeweiligen Stadium der Familienkarriere bzw. der Familienphase bedingt durch das Alter eines oder mehrerer Kinder zugeordnet.

Diese Entwicklungsaufgaben der Familie weisen darauf hin, dass Familie nicht statisch ist, sondern sich aufgrund unterschiedlicher Altersstufen der Kinder und Eltern in einem ständigen Transformationsprozess befindet. Familienmitglieder und -strukturen einer Familie unterscheiden sich von der Zeit, in welcher Kinder im Kindergarten sind und von der Zeit, in welcher Kinder in die Pubertät kommen (Hofer, Pikowsky 2002: 241). Kindergarten und Schule sind äußere gesellschaftliche Faktoren, die auf Familie einwirken. Auch das Lebensalter von Familienmitgliedern wirkt sich auf die Familiendynamik aus. So ändert sich zum Beispiel die Beziehung bei Familien mit Jugendlichen von einer asymmetrischen zu einer symmetrischen Beziehung, weil das Machtverhältnis zwischen Eltern und Kind neu ausgehandelt wird (Hofer, 2002: 22). Diese Aushandlung und Transformation gehen vor allem damit einher, dass Jugendliche nach mehr Freiräumen und Autonomie streben (vgl. Hofer, Pikowsky 2002: 245). Demnach hat Familie die Entwicklungsaufgabe ihre Verbundenheit und die Beziehung zueinander zu garantieren (vgl. Hofer 2002: 22). Jedoch kann es hierbei zu einer Diskrepanz zwischen familialem Kollektivismus und Individualismus kommen.

„Der familiale Kollektivismus stellt das Interesse der Familie über das Interesse des Einzelnen und fordert eine unbedingte familiale Solidarität“ (Peuckert 2012: 609).

Individualismus bedeutet in Bezug hierauf eine Ablösung gegenüber dem gemeinschaftlichen Familiensystem und die Hervorhebung eigener Interessen Einzelner (vgl. ebd.: 659). Eine detaillierte Beschreibung dessen folgt in dem Kapitel Individuation und Ablösung. Charakteristische Schlagwörter von Individualismus sind Einzigartigkeit, Autonomie und Selbstbezug (vgl. Burkart, Günter 2008: 243), die einen Kontrast zu Familie, Kollektivismus und Gemeinschaftlichkeit bilden. Konfrontationen mit dieser Diskrepanz erfahren Familien oftmals mit jugendlichen Kindern. Allerdings ist zu erwähnen, dass nicht nur jugendliche Kinder nach Individualisierung streben, sondern auch Eltern im familiären Transformationsprozess Auslöser für solche Diskrepanzen sein können (vgl. Gerner 2011: 67 f.). Trotzdem kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen zentrifugalen Kräften bzw. Abstoßungskräften seitens der Jugendlichen und zentripetalen Kräften bzw. Anziehungskräften seitens der Eltern. Dabei entsteht die Herausforderung für die Eltern, die zentrifugalen Kräfte zuzulassen und dem Jugendlichen seine benötigten Freiräume zu geben (Gerhard 2005: 25). Hierauf wird im Kapitel Zentrifugale und zentripetale Kräfte genauer eingegangen. Ein Resultat dessen ist jedoch, dass Familie in solchen Phasen neu ausgehandelt werden muss und sich die Beziehungen zwischen einzelnen Familienmitgliedern sowie die Familie als Einheit transformieren (vgl. Gerner 2011: 67 f.). Allgemein befinden sich Eltern und Jugendliche in differenzierten Lebenswelten, wodurch es zu einer Beschränkung des familialen Handlungsraumes und der gemeinsamen Kommunikation kommt (Mühlfeld, Viethen 2009: 80f.). Wie bereits angedeutet, verweist das Stadium Familie mit Jugendlichen auf einen strukturellen Wandel von Familie, da Familie sich an neue Gegebenheiten anpassen muss (Gerhard 2005: 24). In diesem thematischen Feld ist die Adoleszenz von Jugendlichen ein ausschlaggebender Punkt im Transformationsprozess von Familie sowie bei Autonomiebestrebungen. Deswegen werden im folgenden Kapitel die Begriffe Jugend und Pubertät und vor allem der Begriff der Adoleszenz genauer dargestellt.

Tabelle 2 : Stadienspezifische Familienentwicklungsaufgaben [4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Adoleszenz, Jugend und Pubertät

Bevor die Beschreibung des Begriffes Adoleszenz erfolgt, wird zunächst auf die Begriffe Jugend und Pubertät eingegangen, um darauf aufbauend ein Verständnis von Adoleszenz zu bekommen.

4.1 Jugend und Pubertät

Die Begriffe Jugend und Pubertät sind eng miteinander verbunden. Der Begriff Jugend etablierte sich gesellschaftlich erst durch die Schulpflicht als Zeitabschnitt im menschlichen Lebenslauf. Durch die Phase Schulzeit werden Jugendliche aus ihrem familiären Umfeld herausgerissen, wodurch ihnen ein Raum für die eigene Entwicklung gegeben wird (vgl. Hurrelmann, Quenzel 2012: 19 ff.). Ein wichtiger Einschnitt in dieser Phase ist die Pubertät, die durch das Einsetzen der Geschlechtsreife beginnt. Auf körperlicher und psychischer Ebene endet in dieser Zeit die Kindheit und ein neuer Lebensabschnitt fängt an (vgl. ebd.: 27). In diesem Entwicklungsstadium werden kindliche Wahrnehmungen und Identifikationsmerkmale in Frage gestellt und es folgt die Herausbildung einer neuen Identität (vgl. Erikson 1973: 106).

Hurrelmann und Quenzel (2012) beschreiben wichtige Entwicklungsaufgaben der Jugendphase. Hierzu zählt die Entwicklung von intellektuellen und sozialen Kompetenzen diversen Anforderungen gegenüber, was als Prozess des Qualifizierens verstanden wird. Des Weiteren gibt es die Aufgabe, die als Binden bezeichnet wird. Neben der Ablösung von den Eltern stehen bei dieser Aufgabe die Entwicklung einer Geschlechtsidentität sowie die Herausbildung einer Bindungsfähigkeit, um eine Familie zu gründen, im Mittelpunkt. Weitere Entwicklungsaufgaben sind das Konsumieren und Partizipieren. An dieser Stelle haben Jugendliche die Aufgabe, sich eine gesellschaftliche Rolle als Konsument und Bürger anzueignen (vgl. Hurrelmann, Quenzel 2012: 28). Während dieses Entwicklungsprozesses steht der Ausbau einer eigenen Identität im Vordergrund, was eine zentrale Angelegenheit der Jugendphase ist. (vgl. Gerhard 2005: 29). Auch wenn individuelle und psychische Entwicklungen in dieser Phase eine bedeutende Rolle spielen, unterliegt der Begriff Jugend gesellschaftlichen normativen Vorstellungen, da er im alltäglichen sprachlichen Gebrauch genutzt wird. Obendrein ist Jugend eine begrenzte Phase und unterwirft sich konkreten gesellschaftlichen Anforderungen (vgl. King 2002: 23). King beschreibt, dass der Begriff der Jugend an Bedeutung verloren hat, weswegen sie den Begriff der Adoleszenz betont (vgl. ebd.: 27 ff.), worauf noch genauer eingegangen wird. Daran anknüpfend ist der Verlauf der Jugend individuell, was wiederum gegen eine Begrenzung der Jugendphase spricht. Dennoch dienen Altersbegrenzungen als gesellschaftliche Richtwerte zur Orientierung (vgl. Gerhard 2005: 17). Um einen tieferen Einblick in die Entwicklung von Jugendlichen zu erhalten, muss an dieser Stelle der Begriff Adoleszenz eingebracht werden.

"Der Begriff der Adoleszenz hingegen hat zwei Bedeutungen: Zum einen ist mit diesem Wort die körperliche Spät- und Postpubertät gemeint, zum anderen aber die psychologische Bewältigung der körperlichen und sexuellen Reifung, d.h. der Begriff Adoleszenz stellt die Anpassung bei der Persönlichkeit des Kindes an die Pubertät dar und ist damit Ausdruck der Wechselwirkung im psychosozialen Interaktionsfeld, ist somit ein soziokulturelles Phänomen" (Klosinski 2004: 20).

Es wird deutlich, dass die Begriffe Jugend, Pubertät und Adoleszenz eine verbindende Funktion haben, aber dennoch differenziert betrachtet werden müssen. Der Verlauf der Pubertät findet bei Mädchen zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr und bei Jungen zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr statt. Daran anknüpfend folgt die Adoleszenz, die geteilt in frühe, mittlere und späte Adoleszenz, sich bei Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren und bei Jungen im Alter von 16 bis 21 Jahren vollzieht. Daraus folgt das frühe Erwachsenenalter, welches bei Mädchen mit 19 Jahren und bei Jungen ab 21 Jahren beginnt. An dieser Stelle ist zu betonen, dass es sich hierbei um Richtwerte handelt, die bei beiden Geschlechtern im Alter von 25 Jahren enden (vgl. Kasten 1999: 15). Dieser Verlauf ist jedoch individuell unterschiedlich. Was die Adoleszenz ausmacht, wird im kommenden Abschnitt genauer beschrieben.

4.2 Adoleszenz

Eine soziologische Definition von Adoleszenz besagt Folgendes:

„Adoleszenz (von lat. adolscentia = Jugend), im Anschluss an die Pubertät die Phase der vollen Ausbildung genitaler Sexualität […] mit der vollverantwortlichen Übernahme von Erwachsenen-Rollen, mit der Einfügung in das gesellschaftl. Wettbewerbssystem und dadurch mit sozialen Zwängen zur endgültigen Selbstdefinition der sozialen Position, der sozialen Ansprüche und Lebenserwartungen zusammenfällt“ (Hillmann, Hartfiel 2007: 7).

Demnach ist Adoleszenz eine wichtige Lebensphase, in welcher Jugendliche ihre Identität und ihr Selbstkonzept bilden. Klosinski (2004) beschreibt Grundbedürfnisse, die es in der Adoleszenz zu befriedigen gilt. Hierzu zählt zum einen das psychologische Bedürfnis, welches sich vor allem auf körperliche und sexuelle Anerkennung bezieht. Zum anderen gibt es ein Sicherheitsbedürfnis, welches Adoleszente in Peer-Groups und in ihrem außerfamiliären Umfeld suchen (vgl. Klosinski 2004: 29). Daran anknüpfend kommt es durch ein Unabhängigkeitsbedürfnis zur Auseinandersetzung mit sowie zur Ablösung von den Eltern. Diese Bedürfnisse spiegeln sich in Zugehörigkeitsbedürfnissen bzw. Liebesbedürfnissen wieder. Bei dem Bedürfnis nach Leistung werden neue kognitive Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel das Beeindrucken des anderen Geschlechts, angewendet. Zudem gibt es das Bedürfnis nach der eigenen Selbstverwirklichung. An dieser Stelle wird ein Selbstkonzept entwickelt, welches sich in einem beständigen Wandlungsprozess befindet (vgl. ebd.: 30).

"Die integrative Aufgabe der Adoleszenz - nämlich: Integration der reifen Sexualität, Selbstfindung, Hineinwachsen in einen sinnvollen Arbeits- und Betätigungsbereich u.a. - wird nur dann möglich werden, wenn erstens die vorpubertären Stufen der sexuellen und psychosozialen Entwicklung normal durchlaufen wurden und zweitens wenn die Erwachsenen Autoritäten und Ideale anbieten und dies in überzeugender Weise. Es wird sich deshalb eine Identitätskrise des Erwachsenen auf die Identitätskrise des Adoleszenten besonders negativ auswirken" (ebd.: 51).

Durch dieses Zitat von Klosinski wird deutlich, dass Adoleszenz nicht nur ein Jugendphänomen ist und die Jugendlichen betrifft, sondern auch Eltern von Adoleszenten vor Herausforderungen stellt. Wie bereits im vorausgegangenen Kapitel aufgezeigt, kann Adoleszenz in Abschnitte eingeteilt werden. Die Präadoleszenz bezeichnet den Übergang vom Kind in die Pubertät und beinhaltet die ersten Schritte der Persönlichkeitsentwicklung in Bezug auf Triebe sowie die ersten Abwendungsversuche von den Eltern (Zauner 1981: 87). Die eingesetzten Triebschübe in der Präadoleszenz bekommen in der Frühadoleszenz ihre Qualität. Hinzu kommt die Intensivierung der Ablösung von den Eltern. Die mittlere Adoleszenz hat in diesem Entwicklungsprozess eine bedeutende Rolle, da körperliche und psychische Veränderungen den Adoleszenten nachhaltig prägen. Die Postadoleszenz stellt die letzte Entwicklungsphase dar und verfolgt das Ziel, dass der Adoleszente eine Persönlichkeitsstruktur entwickelt, bei welcher äußere und innere Strukturen im Einklang stehen (vgl. ebd.: 89 ff.).

Für Erikson (1973) ist die Adoleszenz der letzte Abschnitt der Kindheit und endet dann, wenn neue Identifikationsformen über den Kindheitsidentifikationen stehen (vgl. Erikson 1973: 137). Zusätzlich bezeichnet er die Adoleszenz als „psychosoziales Moratorium“ (ebd.: 137). Durch das Austesten und Ausleben von inneren und äußeren Grenzen sowie von Bedürfnissen des Adoleszenten entwickelt sich seine Identität. Zusätzlich positioniert er sich dadurch in der Gesellschaftsordnung (vgl. ebd.: 137). Das Durchprobieren von Möglichkeiten und das Austesten von Grenzen sind in dieser Hinsicht für eine erfolgreiche adoleszente Entwicklung wichtig. Trotzdem stellt dies Eltern vor Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Durch die adoleszente Lebensphase ändert sich die Eltern-Kind-Beziehung (vgl. Gerhard 2005: 29). In diesem Stadium fokussieren Adoleszente ihr Selbst, was sich an Individuationsprozessen widerspiegelt.

4.3 Individuation

Der aufgezeigte Wandlungsprozess von inneren Familienstrukturen und die im vorangegangenen Abschnitt beschriebene Adoleszenz legen dar, dass durch Individuation ein Ablösungsprozess der Jugendlichen von den Eltern stattfindet.

„Individuation bedeutet die „[…] kreative und selbstproduktive Stellung des Individuums gegenüber den gesellschaftl. Gruppen und deren Werten und Normen. I[ndividuation] meint nicht […] verstärkte Isolierung und Absonderung von der sozialen Umwelt“ (Hillmann, Hartfiel 2007: 365).

Individuation hat seinen Ursprung in der Objektbeziehungspsychologie und beschreibt zwei Individuationsschritte. Die erste Individuation findet in den ersten Lebensjahren eines Kindes statt, da es durch die Entwicklung von Unterscheidungswahrnehmungen sich von der mütterlichen Symbiose trennen kann. Das Kind löst die Einheit der Mutter-Kind-Beziehung. Eine zweite Individuation findet während der Adoleszenz statt, indem sich Jugendliche von ihren Eltern lösen (vgl. Gerhard 2005: 27). Adoleszenz und Individuation sind daher in Verbindung miteinander zu setzen, da adoleszente Entwicklungsprozesse durch Individuation geprägt sind.

Des Weiteren sind Autonomie und Verbundenheit zwei Merkmale von Individuation. Autonomie beschreibt den Prozess der Selbstständigkeit mit dem Ziel einer Selbstdefinition. Autonomie lässt sich auf verschiedenen Ebenen wiederfinden. Das Verlangen nach Intimität des Jugendlichen zählt zur emotionalen Autonomie, während die Verhaltensautonomie die Fähigkeit zur Selbstständigkeit im Alltag aufzeigt. Die Entwicklung eigener Meinungen folgt durch kognitive Autonomie (vgl. ebd.: 30 f.). Autonomieprozesse und ihre Ausprägungen orientieren sich vor allem an Peer-Groups (vgl. Hofer, Pikowsky 2002: 248). Das soziale Umfeld nimmt Einfluss auf die Autonomieentwicklung Jugendlicher und auf den Transformationsprozess der Eltern-Kind-Beziehung. Jedoch muss Autonomie in Bezug auf Individuation mit Verbundenheit betrachtet werden. Die Qualität der Verbundenheit in der Eltern-Kind-Beziehung ändert sich von einer asymmetrischen hin zu einer symmetrischen. Verbundenheit äußert sich wiederum im Individuationsprozess bei Beziehungen zu Gleichaltrigen, wodurch ein Zugehörigkeitsgefühl zu außerfamiliären Gruppen entsteht (vgl. Gerhard 2005: 32). Verbundenheit und Autonomie stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Während Verbundenheit ein beständiger Zustand in der Individuation ist, übt Autonomie einen Unabhängigkeits- und Trennungsprozess im Individuum aus. Die Autonomie befreit von äußeren Einflussfaktoren, sodass sich das Individuum als selbstständige Person begreift (vgl. Hofer, Pikowsky 2002: 247).

Die hier beschriebene Individuationstheorie übersieht jedoch, dass Individuations- und Autonomieprozesse individuell unterschiedlich verlaufen. Äußere Einflüsse finden wenig Beachtung. Zusätzlich kann die Qualität der Verbundenheit sich an keinem allgemeingültigen Wert orientieren. Sie zeigt einen Ablauf auf, der keine individuellen Aspekte zulässt, sondern bezieht sich nur auf einen Weg der Individuation (vgl. ebd.: 250).

4.4 Ablösung

Die Individuationstheorie weist bereits darauf hin, dass durch Adoleszenz eine Ablösung der Jugendlichen von den Eltern stattfindet. Die Ablösung von den Eltern setzt zunächst eine Bindung zu den Eltern voraus (Loch 1987: 32). Diese Bindung verändert sich durch Adoleszenz und Individuation, indem Jugendliche nach Autonomie streben. Ablösungsprozesse lassen sich auf verschiedene Ebenen herunterbrechen. Es gibt zum einen die emotionale Ablösung, bei welcher das elterliche Liebesobjekt durch einen Partner oder eine Partnerin ersetzt wird. Zum anderen verfolgt die psychische Ablösung insbesondere die Trennung von den Eltern und die Orientierung an und das Zugehörigkeitsgefühl zu Gleichaltrigen (vgl. Hurrelmann, Quenzel 2012: 154). Die kulturelle Ablösung beinhaltet die Entwicklung eines Lebensstils, welcher konträr zu den elterlichen Lebenskonzepten steht. Wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit äußert sich in materieller Ablösung. Damit einher geht die räumliche Ablösung durch einen Wohnwechsel (vgl. ebd: 154). Auch wenn es bei Ablösungsverläufen zu einem Abkehrverhalten der Familie gegenüber kommt, spielt die eigene Familiengeschichte in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle. Jugendliche sind sozialisationsbedingt von der Familie geprägt und Teil einer familiären Identität (vgl. Willi 1987: 57).

„Oft muß er dazu aus der Familie ausbrechen, muß auf Wanderschaft gehen, […], um Abstand von den Eltern zu schaffen. Dieses Prüfen, Erfahren und Aneignen vollzieht der Jugendliche nicht nur für sich allein, sondern auch als Mitglied der Familie. In ihm wird das Ideengut seiner Eltern einer Prüfung unterzogen, […], es wird gewichtet und gewertet. Für die Eltern ist die Überprüfung des familiären Ideengutes durch den Jugendlichen oft eine verletzende Phase“ (ebd.: 57).

Dieses Zitat verdeutlicht, dass die Ablösung von den Eltern auch die Auseinandersetzung mit den Eltern und das Nachdenken über die Eltern beinhaltet. Hierzu lassen sich oftmals provozierende Verhaltensweisen von Jugendlichen ihren Eltern gegenüber beobachten. Wie die Eltern damit umgehen, gibt Auskunft darüber, wie sie zu ihrem Leben stehen. So kann zum Beispiel eine Reaktion auf das Verhalten den Wunsch nach einem anderen Leben aufzeigen (vgl. ebd.: 59). Aus diesem Grund heraus wird die Meinung vertreten, dass Eltern hierbei die Aufgabe haben, sich an die Wandlungsprozesse ihrer jugendlichen Kinder anzupassen und flexibel mit neuen Beziehungsformen umzugehen (vgl. Gerhard 2005: 49). Dennoch stehen Eltern durch die symmetrische Beziehungsentwicklung vor neuen Herausforderungen, die zu Konflikten in der Eltern-Kind-Beziehung führen können. Das Anerkennen von Autonomie stellt Familien vor die Aufgabe, ihre Struktur und ihr Familienverhältnis neu zu organisieren (vgl. ebd.: 22 ff.). An dieser Stelle wird das familiäre Machtverhältnis neu ausgehandelt, da der Jugendliche mehr Freiraum für sich einfordert (vgl. Hofer, Pikowsky 2002: 245). In Anbetracht dessen, dass unterschiedliche Wissenschaften Adoleszenz und Ablösungsverläufe als Untersuchungsobjekte aus ihrer Profession heraus betrachten, wird im theoretischen Abschnitt dieser Arbeit zunächst eine systemische Perspektive herangezogen um anschließend eine soziologische darzustellen.

5. Systemischer Ansatz auf Ablösungsverläufe nach Helm Stierlin

Als systemischer Familientherapeut stellt Helm Stierlin eine systemische Perspektive von Ablösungsverläufen dar, welche in den kommenden Abschnitten erläutert wird.

5.1 Ablösungsverläufe

Helm Stierlin nimmt in Bezug auf Ablösungsverläufe Jugendlicher eine systemische Perspektive ein. Demnach finden Ablösungsverläufe im Beziehungsprozess zwischen Elternteilen und dem Kind statt (vgl. Stierlin 1975: 15). Hierbei kommt es zu gegenseitigen Aushandlungen bezüglich der „Selbst-Entwicklung und Differenzierung im emotionalen, kognitiven und moralischen Bereich […]“ (ebd.: 15). Die Autonomie Jugendlicher ist davon geprägt, dass sie einem Prozess der Tolerierung und Internalisierung von Konflikten nachgehen und differenzierte Wahrnehmungsfunktionen entwickeln (vgl. Stierlin 1980: 22). Diese Autonomieentwicklung ist ein Konfrontationspunkt innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung, wodurch sich das Verhältnis wandelt. An diesem Punkt kristallisiert sich ein Zwiespalt bei Jugendlichen heraus, da diese versuchen eine Treuebeziehung ihren Eltern gegenüber zu pflegen und wiederum durch ihre Autonomiebestrebungen versuchen, sich in außerfamiliäre Welten einzubringen (vgl. ebd.: 23). Des Weiteren werden in Ablösungsverläufen innerfamiliäre Positionen und Pflichten neu ausgehandelt, sodass ein neues Beziehungsgleichgewicht und ein neues Familiengebilde entstehen (vgl. Simon, Stierlin 1984: 11). Wichtige Entwicklungsmerkmale von Jugendlichen sind für Stierlin „die Intensivierung der Triebwünsche, die Reifung der kognitiven Fähigkeiten, der Loyalitätsbindungen und die Existenz einer Ausreißerkultur“ (ebd.: 34). Durch diese Entwicklungsmerkmale kann es zur Transformation und Weiterentwicklung der Eltern kommen. Während Eltern ihre Kinder beeinflussen, bedingt auch die Jugendzeit den momentanen Lebensabschnitt der Eltern. Die Eltern-Kind-Beziehung ist zunächst asymmetrisch und entwickelt sich durch eine erfolgreiche Adoleszenz zu einem symmetrischen Verhältnis (vgl. Stierlin 1994: 96). Wie bereits in den vorausgegangenen Kapiteln erwähnt, ist die asymmetrische Beziehung durch das Machtverhältnis zwischen Eltern und Kindern geprägt. Zusätzlich folgt eine asymmetrische Entwicklung zwischen Eltern und Kindern in Bezug auf die erwähnten Entwicklungsmerkmale, worauf im Abschnitt Eltern und die Ablösung dieses Kapitels genauer eingegangen wird. Bevor Stierlins Betrachtung auf Ablösungsverläufe detaillierter beschrieben wird, wird zunächst seine Ansicht der adoleszenten Phase dargestellt.

5.2 Adoleszenz nach Stierlin

Die Adoleszenz ist für Stierlin die Phase in der Ablösungsversuche stattfinden. Während der Adoleszenz kommt es zu Entwicklungen des Intellekts sowie differenzierten und moralischen Wahrnehmungsfunktionen (vgl. Stierlin 1975: 22). Durch diesen Entwicklungsfortschritt können Jugendliche „komplexe reversible logische Operationen [ausführen] und mittels Reflexion und Phantasie alternative Handlungs- und Zielvorstellungen [durchspielen]“ (ebd.:23). Hierdurch kommt es zu Wahrnehmungen des Selbst in Kontrast zum Anderen. Aufgrund dessen findet eine Transformation der Eltern-Kind-Beziehung statt, die durch die adoleszente Phase des Jugendlichen ausgelöst wird. Jugendliche befinden sich in einem dialektischen Verhältnis zwischen der Aufgabe, ihren Eltern treu zu sein und dem Nachgehen der eigenen Autonomie mit dem Resultat der Distanzierung von den Eltern (vgl. ebd.: 23). Durch die Konfrontation in der adoleszenten Phase mit den Eltern entwickelt sich für Stierlin eine Ausreißerkultur. Diese ist von einer geographischen Distanzierung seitens Jugendlicher geprägt. Stierlins Auffassung der Ausreißerkultur, die das Weglaufen von Jugendlichen beinhaltet und als Resultat von erfolglosen Ablösungsverläufen angesehen wird, vernachlässigt die Betrachtung von erfolgreichen Ablösungsverläufen. Stierlin geht in seiner Ausführung von erfolglosen, anstatt von erfolgreichen Ablösungen aus. Wie aufgezeigt wurde, kommt es zur Konfrontation zwischen dem Adoleszenten und den Eltern. Innerhalb dieser Beziehungsform legt Stierlin in seiner Arbeit den Fokus auf den Einfluss der Eltern auf den Ablösungsverlauf (vgl. ebd.: 21). Aus diesem Grunde bezieht sich der folgende Abschnitt auf die Einflussfaktoren der Eltern.

5.3 Eltern und die Ablösung

Stierlin konzentriert sich auf die Rolle der Eltern im Ablösungsverlauf ihrer Kinder. Grund hierfür ist die Fokussierung auf die Jugendlichen in der vorhandenen Fachliteratur (vgl. ebd.: 34). Stierlin stellt fest, dass während der adoleszenten Phase des Kindes die Eltern über vierzig Jahre alt sind und sich gesellschaftlich positioniert haben. An dieser Stelle fallen elterliche Lebenskurven sowie die Kurve ihrer Triebwünsche, indes, die der Kinder steigt. Die Akzeptanz und Bewältigung der fallenden Kurve im Kontrast zur steigenden Kurve des Kindes, stellt Eltern vor Herausforderungen (vgl. ebd.: 36). Es kristallisieren sich zwei unterschiedliche Entwicklungsverläufe heraus, die, ausgehend von den Elternteilen, Konfliktpotential haben.

Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung kognitiver und moralischer Fähigkeiten des Adoleszenten. Wie bei den Triebwünschen steigt die Kurve des Adoleszenten und die der Elternteile sinkt. An diesem Punkt stellt Stierlin eine starke elterliche Verzweiflung bis hin zur Depression fest (vgl. ebd.: 39). In Bezug auf Loyalitätsbindungen suchen Elternteile nach Bestätigung. Hierbei stehen die Erfüllung von Verpflichtungen und die Verwirklichung von eigenen, in der Jugend entwickelten Wünschen, im Mittelpunkt. Es entsteht eine Identitätskrise zwischen der Akzeptanz der Loyalitätsbeziehungen und dem Wunsch, aufgrund der Nichterfüllung, ein neues Leben anzufangen (vgl. ebd.: 41 f.). Diese aufgeführten Punkte in Kombination mit der Identitätskrise führen dazu, dass auch Eltern eine Ausreißerkultur entwickeln. Neue Lebenschancen veranlassen Eltern dazu, dass sie so wie ihre Kinder vor ihrem alten Leben davonlaufen. Folge dessen ist, dass mehr Konflikte zwischen Elternteilen und ihrem Kind entstehen und auch „die notwendige Versöhnungsarbeit“ (ebd.: 43) während des Ablösungsverlaufes des Jugendlichen wegfällt. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass solche elterlichen Entwicklungstendenzen jugendlicher Entwicklung entgegenwirken können und dadurch ein erhöhtes Konfliktpotenzial in der Eltern-Kind-Beziehung entstehen kann (vgl. Stierlin 1980: 43). Eine ideale Ablösung führt zu Beziehungsunabhängigkeiten zwischen Eltern und Kind. Jedoch sind solche Ablösungsverläufe für Stierlin eine Seltenheit, weswegen er von „dramatischen Bewegungen“ (Stierlin 1975: 15) innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung spricht. Trotz einer elterlichen Ausreißerkultur analysiert Stierlin im Eltern-Kind-Verhältnis zentripetale und zentrifugale Kräfte, die den Ablösungsverlauf des Kindes beeinflussen.

5.4 Zentrifugale und zentripetale Kräfte

Je nach Entwicklungstendenzen der Jugendlichen und Eltern wandeln sich ihre Beziehungen zueinander. Hinzu kommt, dass diese Beziehungen und Ablösungen sich gegenseitig beeinflussen. Zum einen bedingt der Ablösungsprozess des Jugendlichen das familiäre Verhältnis und zum anderen bestimmt das familiäre Verhältnis jugendliche Ablösung und Autonomie. Stierlin setzt den Fokus auf Zweiteres, da er zunächst vom Verhältnis zwischen den Generationen ausgeht und anhand dessen den Ablösungsprozess analysiert. Um dies zu verdeutlichen, verwendet er die Begriffe zentripetale und zentrifugale Kräfte (vgl. Stierlin 1980: 11). Zentripetal bedeutet „[…] von der Peripherie zum Zentrum ziehend, zum Mittelpunkt hin gerichtet“ (Duden 2007: 1437, Stichwort Zentripetal). Gegenteilig bedeutet zentrifugal „[…] vom Zentrum zur Peripherie verlaufend“ (ebd.: 1437, Stichwort Zentrifugal). Stierlin verwendet diese Begriffe zur Veranschaulichung der Beziehungsmodi. Demnach richtet sich zentrifugal nach außen und verdeutlicht eine Beschleunigung der Ablösung und eine geringe Anziehungskraft der Eltern. Zentripetal ist nach innen gerichtet und verkörpert einen verzögerten Ablösungsprozess, welcher durch eine hohe Anziehungskraft der Eltern bedingt ist (vgl. Simon, Stierlin: 1984: 390).

„Überwiegen die zentripetalen Kräfte, dann schließen sich diese Eltern in erstickender Nähe aneinander an; überwiegen die zentrifugalen Kräfte, so können sie zwar freier atmen, sind jedoch in der Gefahr einer gegenseitigen Entfremdung und Entwurzelung. […] In allen Phasen des Ablösungsprozesses spiegeln diese Beziehungsmodi das Zusammenspiel und/oder die relative Dominanz der […] zentrifugalen und zentripetalen Kräfte“ (Stierlin 1980: 11).

Hier kristallisiert sich heraus, dass zentrifugale und zentripetale Kräfte die Familiendynamik, vor allem zum Zeitpunkt der Adoleszenz und jugendlicher Ablösung, bestimmen. Dazu entwickelte Stierlin Kategorien mit Merkmalen, die unterschiedliche Beziehungen, verursacht durch Ablösung, beschreiben.

5.5 Beziehungsmodi

Mithilfe der zentrifugalen und zentripetalen Kräfte entwickelte Stierlin das Konzept der Beziehungsmodi, bei welchen der Fokus auf der Beziehung zwischen den Generationen, also der Eltern-Kind-Beziehung, liegt. Die Beziehungsmodi haben einen transitiven und reziproken Charakter (vgl. ebd.: 48). Das transitive Merkmal bezieht sich auf „die aktive Ausformung eines Heranwachsenden […], der noch unreif und abhängig ist und daher im elterlichen Einfluß gefangen bleibt“ (ebd.: 48). Die Reziprozität verdeutlicht die wechselseitige Beeinflussung von Eltern und Jugendlichen (vgl. ebd: 48). Stierlin unterscheidet in seinem Konzept zwischen dem Bindungs-, Delegations- und Ausstoßungsmodus.

5.6 Der Bindungsmodus

Der Bindungsmodus wird von zentripetalen Kräften bestimmt, da eine innerfamiliäre Bindung die Familienstruktur ausmacht. Ein erfolgloser Ablösungsverlauf Jugendlicher, bedingt durch Desinteresse an Gleichaltrigen, steht in Verbindung mit einer starken Anziehungskraft der Eltern. Bei diesem Modus ist die Trennung und Ablösung zwischen Eltern und Jugendlichen verzögert (vgl. Stierlin 2001: 27). Zusätzlich betont Stierlin, dass sich die elterlichen Beziehungsstrategien gegen Jugendlichen und ihren Interessen richten (vgl. Stierlin 1980: 50 f.). Ein Resultat des Bindungsmodus ist, dass ein Ungleichgewicht zwischen Jugendlichen in Bezug zu Eltern und Peer-Groups entsteht. Die intensivierte Eltern-Kind-Beziehung vernachlässigt die Beziehungen Jugendlicher zu Gleichaltrigen (vgl. ebd.: 126).

Der Bindungsmodus wird auf drei unterschiedlichen Ebenen deutlich. Die erste Ebene ist die affektive Bindung beziehungsweise Es-Bindung. Jugendliche werden bei diesem Modus von ihren Eltern verwöhnt und bekommen oftmals die Liebe und Aufmerksamkeit, die sich die jeweiligen Elternteile in ihrer Kindheit und Jugend gewünscht haben und welche versagt blieben. Dadurch üben Eltern eine innerfamiliäre Anziehungskraft aus und binden ihre Kinder an sich. Resultat ist, dass Jugendliche infantile, einfordernde Charakterzüge entwickeln (vgl. ebd.: 50 ff.).

Eine weitere Ebene des Bindungsmodus ist die kognitive Bindung, auch Ich-Bindung genannt. Auf dieser Ebene wird die Entwicklung der differenzierten Selbstbestimmung sowie der Selbstwahrnehmung des Kindes durch ein Elternteil gehemmt. Dadurch sind Strategien der Konfliktbewältigung sowie der Ablösungsprozess kaum möglich (vgl. ebd.: 54).

„Sie bindet ihr Kind auf der kognitiven Ebene, wenn sie ihm ihre eigenen Definitionen seiner Empfindungen, Bedürfnisse oder Intentionen aufzwingt; auf diese Weise ersetzt sie das regulierende und wahrnehmungsfähige Ich des Kindes durch ihr eigenes. Sie gibt dem Kind eine falsche Definition von sich selbst“ (ebd.: 55).

Bei dieser Ebene ist der transitive Charakter auffallend, wodurch betroffene Kinder Schwierigkeiten bei der Entwicklung ihrer eigenen individuellen kognitiven Fähigkeiten haben. Für die Familienstruktur bedeutet dies, dass es einen Austausch zwischen den Rollen des Bindenden und Gebundenen gibt und hierdurch keine klar definierten Familienrollen auffindbar sind. Dies hat zur Folge, dass Konflikte nicht kommuniziert werden und der Ablösungsprozess Jugendlicher sich durch kognitive Unfähigkeiten verzögert. Diese Ebene wird von abwechselnden Rollen zwischen Bindenden und Gebundenen bestimmt, weshalb ein gegenseitiges Hörigkeitsverhältnis entsteht (vgl. ebd.: 58 f.).

Die dritte Ebene des Bindungsmodus ist die „Bindung durch Ausbeutung von Loyalitätsbereitschaft“ (ebd.: 50), die unter anderem als Über-Ich-Bindung bezeichnet wird. Jugendlichen wird eine Schwäche zugeschrieben und Eltern drängen sich in den Lebensmittelpunkt ihres Kindes. In Familien mit diesem Bindungsmodus gibt es eine archaische Loyalität, die sich nicht verschieben darf. Jugendlichen wird hierdurch das Gefühl vermittelt, die Familie nicht verlassen zu dürfen. Durch den Gedanken an eine Ablösung entwickeln Jugendliche, aufgrund der elterlichen loyalen Bindung, Schuldgefühle, weswegen sie Autonomiebestrebungen unterlassen (vgl. ebd.:63 ff.).

5.7 Der Delegiertenmodus

Beim Delegiertenmodus sind zentripetale sowie zentrifugale Kräfte vorzufinden (vgl. Stierlin 2001: 29). Stierlin bezieht die beiden Kräfte auf die Ambivalenz der Eltern, die sich mal nach innen und mal nach außen orientieren (vgl. Stierlin 1980: 65). Dieses Wechselspiel der Elternteile, welches sowohl eine bindende als auch abstoßende Kraft dem Kind gegenüber signalisiert, bedeutet für das Kind, dass es je nach Situation eine „ausgleichende Rolle“ (ebd.: 66) für das jeweilige Elternteil übernimmt. Nachdem das Kind von dem Elternteil mit einem Auftrag ausgesandt wurde, kann es sich auch wieder an das Elternteil binden, da es ein Loyalitätsband zwischen dem Delegierenden, dem Elternteil, und dem Delegierten, dem Kind, gibt (vgl. Stierlin 2001: 29). Jedoch kann diese Loyalität zu Konflikten führen. Der Delegierte versucht die Loyalität einem Elternteil gegenüber aufrechtzuerhalten, ist aber dadurch dem anderen Elternteil gegenüber nicht loyal. Ein weiterer Konflikt kann auftreten, wenn der Delegierte den Aufträgen nicht gerecht werden kann (vgl. Stierlin 1980: 68).

„Solche Konflikte zwischen verschiedenen Aufträgen werden durch einen Loyalitätskonflikt verschlimmert. Dies tritt ein, wenn ein Delegierter sich beiden Eltern verpflichtet fühlt, die ihm unvereinbare Aufträge erteilen“ (ebd.: 68).

Wie auch beim Bindungsmodus, hat der Delegiertenmodus verschiedene Auftragsausprägungen. Stierlin bezeichnet diese Ausprägungsformen als Hilfs-, Kampf- oder Erkundungsaufträge sowie komplexe Ich-stützende Aufträge (vgl. ebd.: 69). So dienen die Aufträge zum einen dem Trieb des Elternteils, sodass ihre Bedürfnisbefriedigung im Vordergrund steht. Dies trifft zum Beispiel dann zu, wenn der Delegierte den Auftrag hat, Erfahrungen zu machen, die der Delegierende in seiner Jugendzeit nicht gemacht hat (vgl. ebd.: 70). Eine weitere Dimension ist, dass der Delegierte im Dienste des elterlichen Ichs steht. Wenn der Jugendliche dem elterlichen Über-Ich dient, dann kann der Delegierte die Aufgabe haben, die Hoffnungen des Elternteils zu erfüllen. Zusätzlich kann er die Selbstwahrnehmung des Elternteils verkörpern, damit dieser sich im Kontrast dazu positiv positionieren kann, da der Delegierte negative Eigenschaften hat. Die Ursache für die Schlechtigkeit des Delegierten kann auch darin liegen, dass ein Elternteil hierdurch sein schlechtes Gewissen entlasten will (vgl. ebd.: 74 f.). Bei diesen Aufträgen, die im Delegationsmodus vorzufinden sind, kommt es zu einer begrenzten Autonomie- und Individuationsentwicklung, da vor allem das Loyalitätsband den Delegierten in seinem Entwicklungsprozess zurückwirft (vgl. ebd.: 71 f.). Schafft der Delegierte es, sich von den Delegierenden ansatzweise zu lösen, kann er eine objektive Perspektive auf seine Elternteile entwickeln und erkennt deren eigene Entwicklungsambivalenz. „Als Folge davon versteht er leichter, daß sie ihn als Delegierten ausnutzen“ (ebd.: 132). Dennoch kann hierbei das Loyalitätsband wiederum Ursache für einen verzögerten Ablösungsprozess sein, weil der Delegierte Schuldgefühle seinem Elternteil gegenüber bekommt und sich dadurch wieder an ihn bindet (vgl. ebd.: 132). Des Weiteren stellen Beziehungen von Delegierten zu Gleichaltrigen eine Bedrohung für Eltern dar, weil der Delegierte in Kontakt mit anderen Lebensmodellen tritt und dadurch die Ablösung von seinen Eltern beschleunigen kann (vgl. ebd.: 131).

5.8 Ausstoßungsmodus

Wenn die zentrifugalen Kräfte in einer Familie oder zwischen einem Elternteil und einem Kind dominieren, dann tritt der Ausstoßungsmodus ein. Bei diesem Modus wird das Kind als Hindernis und überflüssig wahrgenommen. Dies führt zur Vernachlässigung des Kindes. Dem Kind wird das Gefühl vermittelt, dass es für die Eltern bedeutungslos ist, indem die Eltern den zentrifugalen Kräften nachgehen und das Kind ausstoßen (vgl. ebd.: 81 f.). Zusätzlich gibt es bei diesem Modus kein oder lediglich ein schwaches Loyalitätsband (vgl. ebd.: 49). In diesem Fall hat das Kind nur die Möglichkeit seiner Autonomie nachzugehen. Dies führt dazu, dass seine Entwicklung aufgehalten wird, da es Unterscheidungsschwierigkeiten von Empfindungen sowie gehemmte Entwicklungen von Empathie gibt. Zusätzlich sind kognitive Fähigkeiten sowie die eigene Selbstwahrnehmung und das Verhalten anderen gegenüber nicht entsprechend ausgereift (vgl. 136 f.). Tabelle 3 fasst Stierlins Beziehungsmodi übersichtlich zusammen.

Im folgenden Kapitel wird konträr zu dieser systemischen Betrachtung an eine soziologische Perspektive von Vera King herangeführt. Daran anknüpfend werden beide Perspektiven gegenübergestellt.

Tabelle 3 : Beziehungsmodi (transitiv und reziprok) [5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Alle Namen und Hinweise, die auf eine Person zurückzuführen sind, wurden anonymisiert.

[2] http://www.duden.de/suchen/dudenonline/fl%C3%BCgge%20werden [Stand: 02.05.2016].

[3] http://http://www.duden.de/rechtschreibung/fluegge [Stand: 02.05.2016].

[4] Hofer, Manfred (2002): Familienbeziehungen in der Entwicklung. In: Hofer, Manfred; Wild, Elke; Noack, Peter (Hrsg.): Lehrbuch Familienbeziehungen. Eltern und Kinder in der Entwicklung. 2., vollständig überarb. und erw. Aufl. Göttingen: Hogrefe, S.22.

[5] Stierlin, Helm (1980): Eltern und Kinder. Das Drama von Trennung und Versöhnung im Jugendalter. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 49.

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
'Flügge werden' in der heutigen Zeit. Zu Ablösungsverläufen von Jugendlichen in Familien
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Abschluss
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
103
Katalognummer
V345504
ISBN (eBook)
9783668356061
ISBN (Buch)
9783668356078
Dateigröße
906 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Jugend, Pubertät, Adoleszenz, Ablösung, Transformation, Krise, Grounded Theory, Familienbeziehung
Arbeit zitieren
Klara Engel (Autor), 2016, 'Flügge werden' in der heutigen Zeit. Zu Ablösungsverläufen von Jugendlichen in Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345504

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