Der Aufstieg des Front National seit 2011. Zusammenfassung, Kategorisierung und Evaluation von Erklärungsansätzen


Hausarbeit, 2016
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

II. Der Front National
1. Der Front National - ein Kurzüberblick
2. Der Aufstieg des Front National seit 2011 - ein Blick in die Empirie

III. Kategorisierung der Erklärungsansätze zum Aufstieg der FN seit 2011
1. Erste Kategorie: Endogene Erklärungsansätze
2. Zweite Kategorie: Exogene Erklärungsansätze innerhalb Frankreichs
a. Legitimation des Front National und seiner Inhalte durch andere französische Parteien
b. Versagen der etablierten Parteienlandschaft
c. Europawahlen in Frankreich als „Second-Order-Wahlen“
3. Dritte Kategorie: Exogene Erklärungsansätze außerhalb Frankreichs

IV. Zusammenfassung

V. Weiterführende Fragestellungen zukünftiger Forschung

VI. Literaturverzeichnis

I. Vorwort

Bereits viele Artikel haben sich mit der Erklärung des Aufstiegs des Front National (FN) insbesondere seit 2011 beschäftigt. Die vorhandene Literatur zur Erklärung des Aufstiegs des FN weist jedoch eine entscheidende Schwäche auf: Sämtliche Erklärungsansätze beschränken sich auf bestimmte Aspekte des Aufstiegs. Keine der mir bekannten Arbeiten hat versucht den Aufstieg qualitativ-vergleichend zu erklären und eine Konkordanz aus den vorhandenen Erklärungsansätzen zu schaffen. Stattdessen wird sich häufig ausschließlich auf den eigenen Erklärungsansatz fokussiert ohne zu erkennen, dass sich die eigene Argumentation stark mit schon vorhandener Literatur überschneidet. Diese Lücke will diese Arbeit schließen und versuchen den Aufstieg des FN umfassend zu erklären. Diese Arbeit möchte also eine Konkordanz verschiedenartiger Erklärungen schaffen und argumentiert, dass es zu kurz greift, sich in der Erklärung des Aufstiegs des FN nach 2011 auf nur einen Erklärungsansatz zu stützen. Komplexe Phänomene bedürfen einer differenzierten und vielschichtigen Erklärung. Diese soll hier geboten werden. Dabei sollen sich verschiedene Ansätze befruchten und ein Gesamtbild ergeben, das das Phänomen des Aufstiegs des FN mehrdimensional betrachtet.

Die rbeit untersucht also im Folgenden konkret die Forschungsfrage: „Wie ist der ufstieg des FN ab 2011 zu erklären?“ Die Beantwortung dieser Fragestellung ist beispielsweise von höchster Relevanz um zu verstehen, wie es dazu kam, dass der FN 2014 „erdrutschartig“ zur stärksten politischen Kraft Frankreichs bei den Europawahlen wurde. Zudem ergibt sich aus der Betrachtung von Erklärungsfaktoren ein umfassendes Bild des FN, das einem ermöglicht den FN zu verstehen. Aus dieser Betrachtung ergeben sich interessante Fragestellungen wie die Implikationen des Aufstiegs des FN für die politische Landschaft in Frankreich.

Es handelt sich um eine qualitative Arbeit, die eine doppelte Dreiteilung vornimmt.

Analytisch wird (1) vorhandene Literatur zum Aufstieg des FN gesichtet, evaluiert und zusammengefasst. (2) werden Erklärungen zum Aufstieg von Parteien allgemein herangezogen und diese auf den FN angewendet. Dabei werden (3) diese Erklärungsmuster in drei Kategorien eingeordnet. Diese sind: (a) „Endogene Erklärungsansätze“, also Erklärungen, die den Aufstieg des FN aus ihr selbst heraus erklären. (b) „Exogene Erklärungsansätze innerhalb Frankreichs“ . Diese sehen die entscheidenden Erklärungsvariablen des Aufstiegs nicht innerhalb des FN selbst, sondern im politischen System Frankreichs und (c) „Exogene Erklärungsansätze außerhalb Frankreichs“. Diese letzte vom Autor aufgemachte Kategorie umfasst Erklärungen, die komplett vom FN selbst und dem französischen System abstrahieren und stattdessen in Entwicklungen überregionaler Politik die wahren Ursachen des Aufstiegs sehen. Diese doppelte Dreiteilung wurde bisher noch nie vorgenommen und soll helfen das Phänomen „ ufstieg des FN seit 2011“ in seiner Gänze zu erfassen.

II. Der Front National

1. Der Front National - ein Kurzüberblick

Der Front National ist eine am 5. Oktober 1972 gegründete Partei in Frankreich. Die Partei wurde als Zusammenschluss verschiedener nationalkonservativer politischer Strömungen gegründet. Mitbegründer war der langjährige Vorsitzende Jean-Marie Le Pen, der seit 1960 in mehr als 20 Fällen, unter anderem wegen Morddrohungen, rassistischer Erklärungen und Körperverletzung, rechtskräftig verurteilt wurde.

1998 spaltete sich etwa die halbe Parteiführung des Front National ab, da sie Le Pens Führungsstil als schädlich für die Erfolge der Partei ansah. Seit Mitte Januar 2011 ist Marine Le Pen, die Tochter von Parteimitbegründer Jean-Marie Le Pen, Parteivorsitzende. Sie wurde in einer Mitgliederbefragung mit ca. 68% der Stimmen gewählt. Im April 2015 eskalierten dann die schon länger bestehenden Spannungen zwischen Marine Le Pen und ihrem Vater. Der hatte in den vorangegangenen Jahren mehrfach für Negativschlagzeilen gesorgt, vor allem mit seiner wiederholten Bemerkung, dass der Holocaust ein „Detail der Geschichte“ sei. Am 4. Mai 2015 schließlich suspendierte das „bureau exécutif“ des FN unter Vorsitz von Marine Le Pen seine Mitgliedschaft und im August 2015 Jahres wurde Jean-Marie dann endgültig aus der Partei ausgeschlossen. Marine Le Pen steht seitdem für viele für eine Öffnung der Partei hin zu Demokratie und eine Abkehr von Rassismus und Antisemitismus.

2. Der Aufstieg des Front National seit 2011 - ein Blick in die Empirie

Der angenommene Aufstieg des FN seit 2011 soll nun empirisch belegt werden. Bei den Kantonalwahlen 2011 wurden zwei Generalräte aus dem FN gewählt. Für die französische Präsidentschaftswahl 2012 nominierte der FN die Parteivorsitzende Marine Le Pen als Kandidatin. Sie kam auf 17,9 Prozent der Stimmen. Nach den darauffolgenden Parlamentswahlen ist der FN in der französischen Nationalversammlung mit zwei Abgeordneten vertreten. Nach den Kommunalwahlen 2014 kann die Partei mindestens zehn Bürgermeister stellen. Bei der Europawahl 2014 war der FN mit 24,86 % der Wählerstimmen erstmals die französische Partei mit den meisten Wählerstimmen und zog mit 24 Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Bei den Regionalwahlen in Frankreich 2015 erhielt der Front National im ersten Wahlgang am 6. Dezember 2015 27,73 Prozent der Wählerstimmen und wurde in sechs der zukünftigen 13 Regionen die stärkste Partei. Im zweiten Wahlgang unterlag der Front National den Kandidaten der Republikaner und der Sozialisten und stellt somit in keiner der 13 französischen Regionen die Regierung. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht abschließend eindrucksvoll, warum es sich lohnt sich mit dem FN seit 2011 zu beschäftigen: Im Vergleich der Wahlergebnisse seit 1973 lässt sich klar ein Aufstieg des FN seit 2011 ausmachen, den es nun zu erklären gilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

III. Kategorisierung der Erklärungsansätze zum Aufstieg des FN seit 2011

Im Folgenden werden nun explizite Erklärungsansätze des Aufstiegs des FN seit 2011 sowie vom Autor auf dieses Phänomen übertragene Erklärungsansätze in die drei Kategorien (a) „Endogene Erklärungsansätze“, (b) Exogene Erklärungsansätze innerhalb Frankreich“ und (c) „Exogene Erklärungsansätze außerhalb Frankreichs“ eingeordnet mit dem Ziel, die Debatte um den Aufstieg zusammenzufassen, zu strukturieren und am Ende ein umfassendes Gefüge aus Erklärungen anzubieten, das der Realität so nah wie möglich kommt.

1. Erste Kategorie: Endogene Erklärungsansätze

Die erste Kategorie von Erklärungsansätzen sind die „endogenen Erklärungsansätze“. Diese sehen die Gründe für den Aufstieg im Front National selbst. Sie sehen den Aufstieg als Verdienst der Parteivorsitzenden Marine Le-Pen, erkennen eine modernisierte Rhetorik der Partei seit 2011 und eine Abkehr von allzu radikalen Standpunkten. Insgesamt machen sie eine besonders ausgeklügelte Strategie der Partei für ihre wahlpolitischen Erfolge seit 2011 verantwortlich.

Auffallend ist: Seit 2011 bekleidet Marine Le Pen das Amt der Parteivorsitzenden und seit genau dieser Zeit verbucht der FN immer stärker werdende Wahlergebnisse. Die naheliegendste Erklärung ist deshalb, die Wahlerfolge, insbesondere nach 2011, einfach dem Führungswechsel an der Parteispitze zuzuschreiben. Eben weil diese Erklärung so offensichtlich ist, wird sie auch von vielen Autoren herangezogen. Beispielhaft sollen nun kurz die Erklärungen von vier Autoren skizziert werden.

Almeida sucht in seinem Text von 2007 nach Erklärungsfaktoren für den Niedergang des FN unter Jean-Marie. Dabei macht er drei Faktoren des Scheiterns aus (vgl. Almeida 2007: 5-7), die ich kurz zusammenfassen werde.

1. Unter Jean-Marie besaß der FN keine konsistente, konsequente und überzeugende Programmatik
2. Durch extreme, antisemitische Ansichten wurde eine Modernisierung des Bildes des FN nach außen verhindert.
3. Das Bemühen um eine Neupositionierung innerhalb des politischen Raums mit dem Ziel einer Stimmenmaximierung löste unter Jean-Marie eine Welle von innerparteilichem Dissens aus.

Aus diesen drei Faktoren lässt sich der Umkehrschluss ziehen. Diese Arbeit behauptet, dass Marine Le Pen die drei Fehler des Scheiterns nach Almeida nicht begangen hat. Nach ihrem Amtsantritt zur Parteivorsitzenden hat sie eine in sich geschlossene Programmatik mit Kontur ausgearbeitet, mit der sie sich von anderen französischen Parteien abgrenzen kann. Almeida macht, wie andere Autoren auch, nach ihrem Amtsantritt 2011 die Strategie der „dédiabolisation“ des FN aus. Marine Le Pen versucht dabei, um das negative Bild des FN zu polieren, die Parteiprogrammatik von einem Teil ihrer radikalsten Elemente zu bereinigen. Zudem schafft Sie es durch eine strenge Hierarchie innerparteilichem Dissens vorzubeugen. Eine Übertragung der „Scheiter-Faktoren“, die Almeida ausmacht, zeigt also, dass Marine genau die Punkte besser gemacht hat, an denen ihr Vater gescheitert ist. Jean-Yves Camus sieht das ähnlich und sagt „Marine Le Pen begann unmittelbar nach ihrer Übernahme des Parteivorsitzes im Januar 2011 damit, den Front National (FN) zu „entdiabolisieren“ (Camus 2014: 9). Er spricht von einer Runderneuerung der Partei unter Marine. Als Beweis hierfür sieht Camus, dass die Partei sich als „weder links noch rechts“ präsentiert und stattdessen die programmatischen Schlüsselbegriffe unter Marine „Souveränität“, „Identität“ und „Sicherheit“ sind. Er hält aber fest: „Trotzdem ist das heutige Programm des FN in seinen Hauptpunkten identisch mit dem früheren Programm zu Zeiten von Jean-Marie Le Pen.“ (Camus 2014: 5) Auch Köhler, Seidendorf und Thieben lassen sich problemlos in die Kategorie endogener Erklärungsfaktoren einordnen. Sie sagen: „Mit dem Versuch einer Neupositionierung der rechtsextremen Partei hat Marine Le Pen es in kurzer Zeit vermocht, dem FN ein gemäßigtes Image zu verleihen.“ (Köhler/Seidendorf/Thieben 2011: 3) und sprechen ebenfalls von dem Konzept der „Entdämonisierung“ (Köhler/Seidendorf/Thieben 2011: 13). Sie bringen aber noch einen weiteren Aspekt ein, der sie von Almeida und Camus abgrenzt, nämlich Marines professionellen Umgang mit den Medien: „ Anders als ihr Vater sucht Marine Le Pen bewusst die Nähe zu Journalisten, sie gibt Interviews im Fernsehen und Radio und platziert fremdenfeindliche Thesen gezielt unter dem Deckmantel der Verteidigung republikanischer Werte“ (Köhler/Seidendorf/Thieben 2011: 12).

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg des Front National seit 2011. Zusammenfassung, Kategorisierung und Evaluation von Erklärungsansätzen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Contemporary Populism in North America and Europe
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V347040
ISBN (eBook)
9783668363632
ISBN (Buch)
9783668363649
Dateigröße
1297 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreich, Populismus, Le Pen, Erklärungsansätze, Front National
Arbeit zitieren
Fabian Winker (Autor), 2016, Der Aufstieg des Front National seit 2011. Zusammenfassung, Kategorisierung und Evaluation von Erklärungsansätzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347040

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