Der Begriff der Freiheit in Jean-Paul Sartres Werk "Der Existentialismus ist ein Humanismus"

Thesen des französischen Existentialismus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Geschichtliche Einbettung des Existentialismus
2.2. Thesen des Werkes „Der Existentialismus ist ein Humanismus“
Die Existenz geht der Essenz voraus
Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein und trägt Verantwortung für das, was er ist?
Der Mensch ist Angst.
Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf
Der Mensch ist freiB

3. Schluss

4. Quellen

1. Einleitung

Die Existenzphilosophie oder der Existentialismus wird mit wenigen Philosophen mehr in Verbindung gebracht als mit Jean-Paul Sartre. Wenige andere Denker haben die Philosophie der Freizügigkeit, der Unkonventionalität und der Überzeugung der individuellen Freiheit1 mehr geprägt und für sich vereinnahmt als der französische Philosoph. Eine Philosophie, welche wie der Name bereits zeigt, die Existenz in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellt. Der Existentialismus findet seinen Anfang in der Reaktion auf den Deutschen Idealismus und dessen Streben nach Ganzheit, System und einer vernunftbasierenden Erklärung für menschliches Handeln. Die Systematisierung aller Einzelgegenstände und die Deindividualisierung des Menschen, welche in den von Kant geprägten philosophischen Denkrichtungen des beginnenden 20.

Jahrhundert vorherrschen, werden zu Angriffspunkten für die Existenzphilosophie. Die Antithese, dass der Mensch seine eigene Essenz individuell begründen kann, wird zur Grundlage der existentialistischen Denkrichtung. Der Begründer des französischen Existentialismus war Jean-Paul Sartre, der bis heute als Hauptvertreter gilt. Seine Philosophie ist geprägt durch Nietzsche, Heidegger und Kierkegaard, was im weiteren Verlauf der Arbeit kurz beleuchtet wird. Die philosophische Strömung lässt sich in ein atheistisches und theistisches Lager aufteilen, deren Grundhaltung dennoch die gleiche ist.

[...]Verwickelt werden die Dinge dadurch, da ß es zwei Arten von Existentialisten gibt: die ersten, welche Christen sind, unter die ich Jaspers und Gabriel Marcel (dieser katholischer Konfession) einreihen w ü rde; und auf der andern Seite die atheistischen Existentialisten, zu denen Heidegger und auch die franz ö sischen Existentialisten und ich selber zu stellen sind. Gemeinsam haben sie die Ü berzeugung, da ß die Existenz der Essenz vorangehe, oder, wenn Sie wollen, da ß man von der Ichheit ausgehen mu ß . Was soll man genauer darunter verstehen?2

Die Hauptthese des Existentialismus lautet, dass die Existenz der Essenz vorausgeht.3 Das bedeutet, dass dem Menschen kein Urwesen zugrunde liegt, welches ihn mit grundsätzlichen Moralvorstellungen oder anderen Eigenschaften ausstatten und so bereits vor seinem eigentlichen Dasein determinieren könnte. Der Existentialismus vertritt die Auffassung, dass der Mensch sich selbst durch seine Handlungen erfindet und definiert. Für ihn ist das menschliche Leben wie eine weiße Leinwand, auf der sich der Mensch im Laufe seines Lebens austoben darf, um sich selbst zu kreieren, zu definieren und darzustellen. Die folgende wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit dem Zweig des französischen Existentialismus, der von Sartre dargelegt und verteidigt wird und seinen Hauptthesen in seinem Werk „Der Existentialismus ist ein Humanismus“. Sartre vertritt die Meinung, dass anders als bei allen anderen Dingen, der Mensch kein Wesen hat, welches bereits vor seiner Existenz feststeht. Der Mensch ist frei in seinen Handlungen und kann somit das eigene Bild selbst entwerfen. In dieser Theorie ist der Begriff der Freiheit besonders tragend. Die Freiheit der Menschen lässt ihnen zum einen alle Möglichkeiten zur Entfaltung offen und zieht sie zum anderen in eine stete Verantwortung. In der folgenden Arbeit wird ebenjener Begriff der Freiheit in einem Textausschnitt Sartres‘ Werk, „Der Existentialismus ist ein Humanismus“ eingehend betrachtet. Wie die Freiheit im Existentialismus zu verstehen ist, welche anderen Aspekte mit ihr einhergehen und was sie für den Menschen bedeutet, wird diese Arbeit versuchen zu erläutern. Dafür wird insbesondere ein Textausschnitt des benannten Werkes analysiert und die darin enthaltenden Argumente offengelegt.

2. Hauptteil

2.1. Geschichtliche Einbettung des Existentialismus

Zum näheren Verständnis der existenzphilosophischen Denkweise wird ein kurzer Abriss über seine zeitgeschichtliche Einbettung hilfreich sein. Um eine Philosophie und ihren Grundgedanken völlig zu verstehen, ist es oft nötig, die jeweilige Hintergrundsituation der Denker und ihre Einflüsse zu kennen. Im Falle des Existentialismus handelt es sich hierbei um die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Einflüsse ziehen sich von der Abgrenzung zum Deutschen Idealismus über Hegels Theorien hin zu Nietzsches Nihilismus. Schließlich fast Heidegger die Frage nach der Existenz neu auf, in seiner phänomenologischen Ontologie und seinem Werk Sein und Zeit.4 Sören Kierkegaard wird zum Ursprung des existenzphilosophischen Denkens und übt später großen Einfluss auf Sartre aus. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und die Zeit nach dem 2. Weltkrieg ist eine Zeit des Neudenkens und des Kritisierens alter Maßstäbe. Neben der angespannten politischen Situation ist der Machtverfall der Kirche mit ihren Werten und Normen eine Einleitung in ein neues Zeitalter. Die Philosophen sehen sich vor der Herausforderung der Beantwortung neu aufgeworfener Fragen und dem Zweifeln alteingesessener Denkmuster. Revolution im Denken ist die Folge. Die Suche nach dem Sinn wird vom Jenseits ins Diesseits befördert und der Existentialismus findet schnell eine große Zuhörerschaft. Ohne genauer auf die geschichtlichen Ereignisse eingehen zu wollen, lässt sich festhalten, dass die Bedingungen für eine radikale Denkrichtung wie die des Existentialismus, erst geschaffen werden, weil die Welt und die Gesellschaft einen Umschwung erfährt. Die Kirche verliert ihren Einfluss und die neu aufkommende Intellektualität nach dem 2. Weltkrieg ist eine Grundvoraussetzung für das Umwerfen bekannter Ideen und Glaubenshaltungen. Sartres Text, „Der Existentialismus ist ein Humanismus“, stammt aus dem Jahr 1945/46 und ist Werk eines Mannes, der in der Welt nach den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts einen Sinn und Ort für den Menschen sucht.5

2.2. Thesen des Werkes „Der Existentialismus ist ein Humanismus“

Im Folgenden werden verschiedene Thesen aus dem Textabschnitt des Werkes „Der Existentialismus ist ein Humanismus“ im Hinblick auf ihre Bedeutung innerhalb des Existentialismus und ihre Verwandtschaft zum Begriff der Freiheit, welcher eine bedeutungstragende Rolle innerhalb dieser philosophischen Denkströmung einnimmt, herausgearbeitet. Es handelt sich um Grundideen des französischen Existentialismus, welche Sartre hier in seiner Arbeit vertieft und verteidigt. Es wird versucht, die Thesen schlüssig zu begründen und sowohl ihre Verbundenheit miteinander als auch ihre Bedeutung im Zusammenhang mit der Freiheit des Menschen zu ergründen. Die erste These, welche es zu hinterfragen gilt, ist die Grundlegendste. In ihr begründet sich die Denkweise der Existentialisten und sie ist auch das Fundament der Geisteshaltung.

Die Existenz geht der Essenz voraus

Die These

„ [ … ] wenn Gott nicht existiert, so gibt es zumindest ein Wesen, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, und dieses Wesen ist der Mensch oder, wie Heidegger sagt, das Dasein. “ 6

leitet die Überlegungen zum Existentialismus ein. Sie bedeutet, dass der Mensch zuerst da ist, bevor er definiert werden kann. Sartre greift hier auf das Beispiel eines Brieföffners zurück, um die Worte Existenz und Essenz näher zu erläutern. Da ein Brieföffner erst geschaffen wird, nachdem der Zweck feststeht (der Zweck des Öffnens von Briefen), geht ihm seine Essenz der Existenz voraus. Das Wesen eines solchen Gegenstandes ist im Vorhinein determiniert und man kann sich nicht vorstellen, dass jemand einen Brieföffner herstellen würde, ohne seinen Zweck vor der Produktion zu kennen. Anders verhält es sich nach Sartre bei dem Menschen. Sein Nutzen, sein Zweck, sein Wesen ist nicht determiniert und festgelegt. Der Mensch weist keine Grundeigenschaften auf, welche ihn definieren, sondern er muss sich selbst definieren. Hier wird bereits der Begriff der Freiheit aufgegriffen. Wenn es keinen Gott gibt, wovon Sartre, beeinflusst durch Nietzsche und als erklärter Atheist ausgeht, so ist der Mensch frei. Er kommt auf die Welt und ist frei zu wählen, wer er wird. Auf den Brieföffner bezogen, war zuvor Gott dem Menschen das, was der Mensch dem Brieföffner ist.

[...]


1 Online-Duden, 29.10.2013, http://www.duden.de/rechtschreibung/Existenzialismus Jean-Paul

2 Sartre, Der Existentialismus ist ein Humanismus, rororo, Hamburg 1994, S. 496

3 Philosophie der Moral, Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Hrsg. Robin Celikates und Stefan Gosepath, 3. Auflage 2012, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, Seite 331

4 Einfuhrung in die Philosophie der Existenz, Franz Josef Brecht, Heidelberger Skripten Maria Schmitdt Carstens, 1948

5 Lexikon Existentialismus und Existenzphilosophie, Hrsg. Thurnherr, Urs, Darmstadt: WBG 2007

6 Philosophie der Moral, Texte von der Antike bis zur Gegenwart, Hrsg. Robin Celikates und Stefan

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Details

Titel
Der Begriff der Freiheit in Jean-Paul Sartres Werk "Der Existentialismus ist ein Humanismus"
Untertitel
Thesen des französischen Existentialismus
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Praktische Philosophie & die Interpretation klassischer Werke
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V349938
ISBN (eBook)
9783668369238
ISBN (Buch)
9783668369245
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosphie, Ethik, Existenzialismus, Existentialismus, Sarte, Freiheit, Humanismus, Simone de Beauvoir
Arbeit zitieren
Anna-Lena Charbonnier (Autor), 2013, Der Begriff der Freiheit in Jean-Paul Sartres Werk "Der Existentialismus ist ein Humanismus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349938

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