Was ist Wahrheit? Alfred Tarskis semantische Theorie der Wahrheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
a. Grundlagen
i. Korrespondenztheorie als Grundlage
ii. Andere Wahrheitstheorien zur Abgrenzung
iii. Begrifflichkeiten der semantischen Theorie der Wahrheit
iv. Formale und inhaltliche Bedingungen
b. Semantische Konvention
c. Erläuterung der Theorie
i. Tarskis Intention der Wahrheit
ii. Die W-Konvention
iii. Formale Darstellung der Theorie

3. Schluss und Zusammenfassung

4. Quellen

1. Einleitung

Die Philosophie sucht seit jeher Antworten auf die grundsätzlichsten Fragen. Die Frage nach der Wahrheit, ihrer Bedeutung und ihrer Definition ist dabei eine der am schwierigsten zu beantwortenden. Dies liegt nicht zuletzt an der breitgefächerten Bedeutungsvielfalt der Begriffe „wahr“ und „Wahrheit“.

Es ist eine typische Wesensart der Philosophie, ihr Forschungsgebiet nicht nur zu erweitern und neu aufkommende Probleme zu erörtern, sondern ihre eigenen Grundlagen ständig neu zu prüfen. Der Begriff der Wahrheit ist hierbei fundamental. Etwas als „wahr“ oder „falsch“ zu bezeichnen ist eine kategorische Einordnung und eine entstehende Gesetzmäßigkeit, auf deren Grundlage oftmals entschieden, Überlegungen weitergeführt oder beendet, Standpunkte gebildet oder sogar rechtmäßige Urteile vollstreckt werden. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Wahrheitsbegriff bereits seit der Antike versucht wird zu ergründen. Was also ist Wahrheit?

Die Zahl der bestehenden Wahrheitstheorien ist groß und in ihrer Deutung und Erklärung des Begriffes sehr unterschiedlich. Innerhalb der neueren Philosophiegeschichte hat sich jedoch eine Theorie innerhalb der Wahrheitsdiskussion manifestiert und nicht nur in einem philosophischen Kontext Anwendung gefunden. Die semantische Theorie der Wahrheit des polnischen Philosophen Alfred Tarski (1901-1983) hat „[w]ie kaum eine andere Wahrheitstheorie in der neueren Philosophie breite Resonanz gefunden und sich problemlos, nahezu von selbst, in die Wissenschaftstheorie wie in die Metamathematik […] eingefügt. Den tarskschen Wahrheitsbegriff benutzen heute alle modernen Wahrheitstheorien.“1

Aus dieser Popularität heraus habe ich mich dazu entschieden, in der folgenden Arbeit die semantische Theorie der Wahrheit2 näher zu untersuchen. Hierbei werde ich zunächst eine Grundlage schaffen durch die Erläuterung der Korrespondenztheorie von Aristoteles. Diese frühe Theorie der Wahrheit diente Alfred Tarski als Wegbereiter. Es folgen die formalen Grundsätze der Theorie und Tarskis Begrifflichkeiten. Von diesem Ausgangspunkt wird dann die schematische Darstellung der STW erläutert. Für eine ausführliche Betrachtung werden als Abschluss Kritiken an der Theorie zusammengefasst dargestellt.

2. Hauptteil

a. Grundlagen

i. Korrespondenztheorie als Grundlage

Es ist etwas wahr, wenn es mit der Welt in Einklang steht. Diese Theorie hat bereits Aristoteles geprägt.3 Schematisch lässt sich diese Überlegung wie folgt darstellen:

1. Ein Satz ist dann wahr, wenn es sich so verhält, wie der Satz sagt.
2. „x“ ist wahr, genau dann, wenn p.
3. Gras ist grün, genau dann, wenn Gras grün ist.

Diese Theorie legt den Wert der Wahrheit darin fest, dass die subjektive Aussage mit dem Objekt korrespondiert, also übereinstimmt. Dementsprechend ist eine subjektive Aussage genau dann wahr, wenn sich das Objekt, auf welches sich die Aussage bezieht, eben genauso verhält. Es findet eine Übereinstimmung von „Ding“ und „Intellekt“ statt.

Zu sagen n ä mlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht-Seiende sei nicht, ist wahr.4

Es handelt sich bei dieser Theorie um die Korrespondenztheorie. Die Korrespondenztheorie findet die Wahrheit in ihrem Verhältnis von Sprache und Welt. Sie setzt Paradigmen voraus innerhalb von Begrifflichkeiten und Erkenntnissen, d.h. sie erfordert die kollektive Annahme von Beispielen, Mustern und Regeln innerhalb der Sprache und der Weltsicht. Kritisiert wird diese Theorie aufgrund ihrer Schwierigkeit, abstrakte Sachverhalte so zu generalisieren, dass sie sich in die Theorie einfügen lassen. So lässt sich zum Beispiel ein Satz wie „er ist mutig“, schwierig als wahr beweisen, da die Begrifflichkeit des Mutes über keine einfache, direkt ersichtliche Grundlage verfügt. Abstrakte Wörter wie Mut, Kraft oder Liebe werden subjektiv wahrgenommen, sodass man keine generelle Theorie in Form der Korrespondenztheorie zur ihrer Wahrheitsprüfung heranziehen kann. Irgendetwas fehlt innerhalb dieser Theorie, um eben jene Ungleichmäßigkeit außer Kraft zu setzen und eine allgemeingültige Wirkung zu erzielen. Hieran knüpft Tarski nun an und definiert die semantische Theorie der Wahrheit.

ii. Andere Wahrheitstheorien zur Abgrenzung

In den verschiedenen Darstellungen der Wahrheitstheorien ist es üblich die Korrespondenztheorie (siehe oben), die Kohärenztheorie, die pragmatisch-empirische Wahrheitstheorie und die Redundanztheorie voneinander abzuheben. Die semantische Theorie wird teilweise als eigene, teilweise als Unterarm der Korrespondenztheorie verstanden. Eine kurze Charakterisierung der jeweiligen Theorien veranschaulicht deren Abgrenzung zur semantischen Theorie Alfred Tarskis. Die Korrespondenztheorie verortet die Wahrheit wie bereits zuvor erwähnt in der Schnittstelle und Übereinstimmung von sprachlichen und außersprachlichen Entitäten. Die Kohärenztheorie definiert Wahrheit in der Übereinstimmung von Aussagen untereinander. Hierbei gibt es keine außersprachlichen Bezüge mehr, sondern ein Satz ist dann wahr, wenn er sich widerspruchsfrei in ein Netz bestehender, wahrer Aussagen einfügen lässt. Die pragmatisch-empirische Wahrheitstheorie verknüpft Wahrheit mit Nützlichkeit. Für Pragmatiker sind Sätze dann wahr, wenn sie nützlich sind. Als letztes wird nun die Redundanztheorie erwähnt. Die Vertreter dieser Theorie halten die Frage nach der Wahrheit für überflüssig. Ein Satz ist für sie gleichwertig, ob er nun mit „es ist wahr, dass“ beginnt oder ohne dieses Prädikat.

iii. Begrifflichkeiten der semantischen Theorie der Wahrheit

Um den Aufbau der Tarskschen Wahrheitstheorie zu verstehen, ist es sinnvoll, Grundlagen seiner Arbeiten zu erläutern. Hierbei ist insbesondere seine Ausarbeitung einer „wissenschaftlichen Semantik“ wichtig. Tarski sieht eine wichtige Aufgabe innerhalb der Ausarbeitung des Wahrheitsbegriffes darin, eine semantisch Grundlage zu schaffen, innerhalb der „Begriffe präzise zu charakterisieren und eine logisch einwandfreie und sachlich zutreffende Verwendungsweise dieser Begriffe aufzustellen“5 sind. Das Wort Semantik wird von Tarski in einer enger gefassten Funktion angewendet, als seine allgemeine Begriffsbestimmung verstanden wird. Diese definiert Semantik zumeist mit Bedeutung oder Inhalt eines Wortes, Satzes oder Textes.6

„ [ … ] unter Semantik werden wir die Gesamtheit der Betrachtungen verstehen, die sich auf diejenigen Begriffe beziehen, in denen [ … ] gewisse Zusammenh ä nge zwischen den Ausdr ü cken einer Sprache und den durch sie angegebenen Gegenst ä nden und Sachverhalten ihren Ausdruck finden. “ 7

[...]


1 Karen Gloy: Wahrheitstheorien. Eine Einführung., UTB, Tübingen 2004, S. 146. 3

2 Im weiteren Text abgekürzt mit STW

3 Aristoteles; Metaphysik, Metaphysica <dt.>; v384-v322 ; Ursula Wolf [Hrsg.], Reinbek bei Hamburg, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag ; 1994

4 ebd.

5 Lorenz Bruno Puntel, Wahrheitstheorien in der neueren Philosophie - Eine kritisch-systematische Darstellung, 3. Auflage, WBG Darmstadt, 1993, S. 42

6 Duden Online, http://www.duden.de/rechtschreibung/Semantik (12.06.2014)

7 Actes du Congrès international de philosophie scientifique, Sorbonne, Paris 1935, Langue et pseudo-problèmes, Alfred Tarski

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Details

Titel
Was ist Wahrheit? Alfred Tarskis semantische Theorie der Wahrheit
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Einführung in die Theoretische Philosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V349941
ISBN (eBook)
9783668369115
ISBN (Buch)
9783668369122
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretische Philosophie, Tarski, Alfred Tarski, Basismodul, Philosophie, Wahrheitstheorie, Logik, semantische Theorie
Arbeit zitieren
Anna-Lena Charbonnier (Autor), 2014, Was ist Wahrheit? Alfred Tarskis semantische Theorie der Wahrheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349941

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