Neurolinguistische Theorien des Zweitspracherwerbs. Ein Überblick der Forschung zum Diskurs der Second Language Acquisition


Essay, 2014
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
a. Begriffsabgrenzungen und -Erläuterungen
b. Historische Entwicklung des Forschungsgebiets
c. Affektive Faktoren
d. Kernpunkte und Theorien
i. Das deklarative/prozedurale Model
ii. Das Paradis Model
iii. Das Konkurrenz Model
iv. Die Konvergenz-Hypothese
e. Nutzen der Forschung
f. Zukünftige Forschung

3. Schluss und Zusammenfassung

4. Quellen

1. Einleitung

Innerhalb dieses Essays beschäftige ich mich mit der Zweitspracherwerbsforschung. Dabei stütze ich mich auf die Arbeit „The neurocognition of second language“ von Kara Morgan-Short und Michael T. Ullman, erschienen im The Routledge Handbook of Second Language Acquisition. Zusätzlich nutze ich auch einschlägige deutsche Literatur. Angelehnt an die Textgrundlage werde ich mich zunächst mit der historischen Entwicklung dieses Forschungsgebietes auseinandersetzen und andere Faktoren beim Zweitspracherwerb kurz benennen um danach Kerntheorien zum Thema näher darzustellen. Dem vorangestellt beinhaltet die Arbeit Begriffserläuterungen zum besseren Verständnis. Da nicht alle Theorien zum Zweitspracherwerb genannt werden können, wird sich die Arbeit auf das DP-Model, das Model von Paradis, die Konkurrenz- Theorie und zuletzt die Konvergenz-Hypothese beziehen. Hierbei zeigen die ersten beiden Modelle Ähnlichkeiten auf und auch die letzten beiden. Zuletzt befasse ich mich mit dem Nutzen und Zweck der Zweitspracherwerbsforschung und den zukünftigen Forschungsmöglichkeiten.

2. Hauptteil

a. Begriffsabgrenzungen und -erläuterungen

Um zu verstehen, womit sich die Zeitspracherwerbsforschung befasst, macht es Sinn zunächst die Zweitsprache als Begrifflichkeit zu klären. Die Zweitsprache grenzt sich von der Erstsprache und der Fremdsprache1 ab. Während die Erstsprache (L1) jeweils die Sprache ist, die der Lerner oftmals als erstes lernt und in seiner Kindheit am meisten benutzt, unterscheiden sich Zweit- und Fremdsprache innerhalb des Kontextes, in dem sie erworben werden. Lernt der Lerner eine Sprache innerhalb eines formellen Unterrichts, so handelt es sich um eine Fremdsprache. Diese Sprache wird in seinem alltäglichen Leben nicht häufig gebraucht. Wandert der Lerner jedoch aus in ein fremdes Land und lernt dort die Sprache, welche somit auch alltäglich von seinem Umfeld verwendet wird, handelt es sich um eine Zweitsprache (L2).

Die Spracherwerbsforschung erforscht somit die Mechanismen beim Spracherwerb, welche auch intuitiv und unterbewusst geschehen - und nicht nur durch Auswendigerlernen oder Training wie das Erlernen von Vokabeln. Somit entsteht das Forschungsgebiet der Neurokognition beim Erlernen der Zweitsprache.

b. Historische Entwicklung des Forschungsgebiets

Die Zweitspracherwerbsforschung begründet sich auf verhaltensbasierten Vorgehen, findet jedoch seit einiger Zeit Interesse an einer gehirnbasierten Forschung, da diese genauere Informationen über die Mechanismen liefert.

Gehirnbasierte Forschung der Zweitsprache ist innerhalb der letzten Jahre stark angestiegen, aus verschiedenen Gründen, wie beispielsweise dem Fortschritt innerhalb des Neuroimaging und der Entwicklung diverser L2-Theorien.

Nutzt man einschlägige Suchmaschinen, so findet man innerhalb der Jahre 1981-90 nur eine einzige Publikation zur Zweitsprache, 21 Publikationen in den weiteren zehn Jahren und etwa 875 in den Jahren 2001-2010.

Das Forschungsgebiet der Neurokognition der Zweitsprache hat sich unabhängig aus dem Gebiet der neurowissenschaftlichen Kognition weiterentwickelt und ein eigenes Forschungsgebiet begründet, welches sich Fragen stellt wie die, ob kognitive Prozesse innerhalb der Zweitsprache unterschiedlich zu den Mechanismen sind, welche innerhalb der Erstsprache ablaufen.

Die Zweitspracherwerbsforschung steckt dennoch in ihren Kinderschuhen, da bisher diverse Forschungen zwar Ergebnisse darüber bringen, was für Prozesse beim Zweitspracherwerb entstehen, jedoch nicht, wieso.

c. Andere Faktoren beim Erlernen einer Zweitsprache

Neben neurokognitiven Mechanismen sind beim Erlernen einer Zweitsprache auch andere Faktoren von Bedeutung. Hierunter lassen sich beispielsweise persönliche Lernstile, Affekte wie Motivation, Angst oder Druck oder auch individuelle Persönlichkeitsstile subsumieren. Ob und wie ein Lerner eine Zweitsprache erlernen kann und wie schnell oder professionell dies von Statten geht, hängt also auch von solchen Faktoren ab. So kann ein auditiver Lerner anders grammatikalische Regeln verinnerlichen als ein visueller Lerner. Ebenso kann ein Mensch welcher eher extrovertiert ist, oftmals leichter eine Sprache erlernen. Dies hängt mit der Bereitschaft zum „Mut“ zusammen das Erlernte auszuprobieren. Die weitere Arbeit wird sich nun dennoch auf neurokognitive Abläufe konzentrieren. Dennoch ist es stets wichtig, das gesamte Profil eines Zweitspracherwerbenden zu betrachten.

d. Kernpunkte und Theorien

Um die unterschiedlichen Hypothesen auf dem Gebiet der Zweiterwerbsforschung darzubieten, werden nun vier Theorien aufgezeigt. Diese Theorien befassen sich alle sowohl mit der neuralen als auch mit der kognitiven Seite des Zweitsprachenerwerbs.

i. Das deklarative/prozedurale Model

Dieses Model, das DP2, vermutet wichtige Aspekte der Sprache innerhalb des deklarativen und prozeduralen Gedächtnisses. Während das deklarative Gedächtnis Wissen über Fakten und Ereignisse speichert und außerdem für das Beherbergen des mentalen Lexikons vorausgesetzt wird, speichert das prozedurale Gedächtnis Verhaltensmuster, Tätigkeiten und ist der Grammatik zugeordnet. Die Erinnerung an das, worüber man berichten und erzählen kann wird auch dem Begriff des expliziten Wissens oder Ged ä chtnisses zugeschrieben. Das prozedurale Gedächtnis dagegen gehört zum implizierten Ged ä chtnis, also dem, in welchem automatisierte Prozesse hinterlegt sind und auch Reize, welche implizite Informationen innehaben. Dieses Phänomen lässt sich unter anderem an Priming-Effekten erkennen. Das deklarative Gedächtnis wird im medialen temporalen Kortex lokalisiert, das prozedurale Gedächtnis in Frontalen Regionen/ Basalganglien. Das bedeutet, Sprache wird an zwei verschiedenen Orten im Gehirn erlernt, gespeichert und abgerufen.

[...]


1 Die Unterscheidung zwischen Fremd- und Zweitsprache wird international sehr unterschiedlich diskutiert und definiert. In diesem Essay werden diese Begriffe getrennt behandelt.

2 The declarative/procedural model (Ullman, 2004)

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Neurolinguistische Theorien des Zweitspracherwerbs. Ein Überblick der Forschung zum Diskurs der Second Language Acquisition
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Aufbaumodul Sprachfunktion / Linguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V349947
ISBN (eBook)
9783668369191
ISBN (Buch)
9783668369207
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neurolinguistik, Second Language Acquisition Research, Zweitspracherwerb, Sprachfunktion, Lingustik, Paradis Modell
Arbeit zitieren
Anna-Lena Charbonnier (Autor), 2014, Neurolinguistische Theorien des Zweitspracherwerbs. Ein Überblick der Forschung zum Diskurs der Second Language Acquisition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349947

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Neurolinguistische Theorien des Zweitspracherwerbs. Ein Überblick der Forschung zum Diskurs der Second Language Acquisition


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden