Mangelernährung auf einer geriatrischen Station. Implementierung eines Screenings in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

Einleitung

1. Definition der Mangelernährung
1.1 Begriffsbestimmung Alter
1.2 Die demografische Entwicklung
1.3 Risikofaktoren und Ursachen einer Mangelernährung
1.4 Folgen einer Mangelernährung
1.5 Kosten der Mangelernährung in Deutschland
1.6 Folgen der steigenden Kosten aus volkswirtschaftlicher Sicht

2. Vorstellung der geriatrischen Station
2.1 Auswahl der Patienten zur Überprüfung der Hypothese
2.2 Die Vorbereitung
2.3 Der Fragebogen
2.4 Durchführung der Überprüfung
2.5 Auswertung der Überprüfung
2.6 Datenerhebung

3. Implementierung des Screening auf Mangelernährung
3.1 Das Formular zum Screening
3.2 Abrechenbarkeit herstellen
3.3 Einbeziehung der erhobenen Daten aus der Überprüfung

4. Abschluss der Implementierung
4.1 Evaluation
4.2 Reflexion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis:

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Die Altersstruktur in Deutschland

Einleitung

Laut Herrn Arved Weimann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entstehen in Deutschland durch Mangelernährung „jährlich Kosten in Höhe von neun Milliarden Euro. Den größten Anteil mit rund fünf Milliarden Euro stemmen davon die Krankenhäuser. Laut einer Prognose der deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin steigen die Kosten durch Mangelernährung bis 2020 um erschreckende 25 Prozent auf elf Milliarden Euro. Ein zielgerichtetes Ernährungsmanagement ist deshalb gerade in geriatrischen Einrichtungen unerlässlich.“ (Weimann 2010 : 4)

Die hier beschriebene Hausarbeit befasst sich zum ersten mit der Implementierung eines Screening auf Mangelernährung auf einer geriatrischen Station in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung welches es ermöglicht, die Behandlung und Therapie der Patienten optimal zu gestalten und anzupassen, so wie das Risiko bei bereits eingetretenen Symptomen abschätzen kann. Hierzu wird unter Berücksichtigung der Abrechenbarkeit mit dem MDK ein Formular zum Screening auf Mangelernährung erstellt.

„Ca. 50 Prozent der geriatrischen Patienten, die in einem Krankenhaus aufgenommen werden, sind mangelernährt.“ (Pirlich et al. 2005 : 3). Zum zweiten soll dieses Zitat anhand einer Hypothesenüberprüfung bei 100 Patienten getestet werden. Hierzu wird ein Fragebogen erstellt, der die Patienten zu ihrer häuslichen Situation, der Einstellung zum Essen und ihrer physischen Situation befragt. Zusätzlich werden bei den 100 Patienten unter Aufsicht der leitenden Chefärztin der Klinik für Geriatrie die markanten Blutwerte einer Mangelernährung überwacht.

1. Definition der Mangelernährung

Nach wie vor existiert keine einheitliche Definition von Mangelernährung. Mangelernährung gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO ist beschrieben als ein „signifikantes Untergewicht, für Erwachsene messbar an einem Body-Mass-Index (=BMI) unter 18,5 kg/m²“ (Schutz 2004 : 450). Der Body-Mass-Index gibt die Bewertung des Körper-gewichts in Relation zur Körpergröße an.

Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Expertenstatements geht von einer komplexeren Vorstellung von Mangelernährung aus, für die es keinen universellen Parameter oder Grenzwert gibt (Stanga 2010 : 451). Von Soeter wurde in einem Fachbericht folgende Definition vorgeschlagen: „Mangelernährung ist ein subakuter oder chronischer Ernährungszustand, bei welchem eine Kombination unterschiedlichen Ausmaßes an Über- und Unterernährung und Entzündungsaktivität zu einer Veränderung der Körperzusammensetzung und einer Funktionseinbuße geführt haben“ (Schutz 2004 : 451).

1.1 Begriffsbestimmung Alter

Was ist das Alter und wie können wir es definieren? Auch auf diese Frage gibt es laut Robert Kastenbaum keine einfache Antwort. Wie schon bei der Definition der Mangelernährung gibt es auch bei der Begriffsbestimmung des Alters mehrere Definitionen. „Oft wechseln wir zwischen den Definitionen hin und her, ohne es zu merken.“ (Kastenbaum 1980 : 10)

Kastenbaum unterscheidet das Alter in das chronologische und das funktionale Alter. Das chronologische Alter wird ab Geburt gezählt und drückt das Alter gewöhnlich in einem kalendarischen Zeitverlauf aus. Dies ist ein zuverlässiger Maßstab, der die geistigen und körperlichen Veränderungen so wie die Entwicklung unserer Möglichkeiten und Grenzen ausdrückt. (Kastenbaum 1980 : 13)

Das funktionale Alter wird nochmal in das biologische, soziale und psychologische Alter unterteilt. „Das biologische Alter berücksichtigt allein die Veränderungen der biologischen Aspekte, wie zum Beispiel das Organsystem und den Knochenapparat. Das soziale Alter hängt von den gesellschaftlichen Bewertungen ab und beim psychologischen Alter werden Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit betrachtet. Ein Mensch kann auf diesen Ebenen verschieden alt sein.“ (Steinbach 2011 : 50).

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Begriff Alter in folgende Abschnitte definiert:

Zwischen 51 und 60 Jahren lautet die Bezeichnung alternde Menschen, der Abschnitt zwischen 61 und 75 wird als ältere Menschen betitelt, die Menschen zwischen 76 und 90 Jahren werden als alte Menschen bezeichnet und der Altersabschnitt von 91 bis 100 Jahren wird als sehr alte Menschen bezeichnet.

Die Unterteilungen und Definitionen der Weltgesundheitsorganisation sind in Deutschland anerkannt und werden somit bundesweit angewandt.

1.2 Die demografische Entwicklung

Laut Volkert rückt das Alter aufgrund der demografischen Entwicklung in den vergangenen und in den kommenden Jahrzehnten mehr und mehr in den Fokus des allgemeinen Interesses. Zunehmende Lebenserwartung, steigende Anzahl und steigender Anteil alter und sehr alter Menschen an der Gesamtbevölkerung bei gleichzeitiger Schrumpfung jüngerer Bevölkerungsgruppen lassen die Belange alter und sehr alter Menschen an Bedeutung gewinnen. (Volkert 2012 : 358)

Ursache für diese Entwicklung ist laut statistischem Bundesamt die stagnierende Zahl der Geburten. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland rund 682.000 Menschen geboren, während die Zahl der Sterbefälle sich auf ca. 894.000 belief.

Das statistische Bundesamt hat 2015 dazu Daten zur Altersstruktur in Deutschland veröffentlicht, die dies belegen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: (statistisches Bundesamt 2015; Datenerhebung 2012 – 2014)

1.3 Risikofaktoren und Ursachen einer Mangelernährung

Die Prävalenz ist signifikant mit sozialen Faktoren, dem zunehmenden Alter und medizinischen Faktoren. Die höchste Prävalenz für Mangelernährung findet sich bei onkologischen, geriatrischen und pneumologischen Patienten, auf die somit in der medizinischen Betreuung ein besonderes Augenmerk gelegt werden muss. (Löser 2001 : 39)

Die Ursachen für einen Gewichtsverlust sind komplex und häufig multifaktoriell. Im Rahmen akuter oder chronischer Erkrankungen spielt die Grunderkrankung selbst eine zentrale Rolle. Darüber hinaus gibt es aber auch eine Vielzahl potenzieller Ursachen, die nicht primär organische, sondern mehr soziale und gesellschaftliche Hintergründe haben wie soziale Isolation, Unfähigkeit adäquat Essen einzukaufen oder zuzubereiten, desolater Zahnstatus, schlecht sitzende Prothesen, Armut, chronischer Alkoholismus, Demenz und Depressionen. (Pirlich 2005 : 295)

1.4 Folgen einer Mangelernährung

Laut Heseker kann ein schlechter Ernährungsstatus die alterstypischen körperlichen Veränderungen beschleunigen. Neben allgemeiner Schwäche und einen beeinträchtigten Befinden werden eine erhöhte Infektionsgefahr, Anämie, verminderte kognitive Leistungsfähigkeit, schlechtere Wundheilung und ein erhöhtes Sturz- und Frakturrisiko beobachtet. Auch ein erhöhtes Dekubitusrisiko, eine langsamere Genesung nach Krankheiten und somit längere Krankenhausaufenthalte bis hin zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko sind auf einem schlechten Ernährungszustand zurückzuführen (Heseker 2007 : 19).

Problematisch ist, dass die unspezifischen Symptome der Mangelernährung, wie Müdigkeit, Unlust, Apathie, Schwäche und Gewichtsabnahme, häufig als Altersschwäche fehlinterpretiert werden. Die Mangelernährung wird daher vielfach nicht erkannt oder nicht ausreichend ernst genommen. Ziel muss es sein, der Mangelernährung vorzubeugen bzw. sie frühzeitig zu erkennen und zu beheben, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und um das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko zu senken (Steinbach 2011 : 178).

1.5 Kosten der Mangelernährung in Deutschland

„Ca. 50 Prozent der geriatrischen Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, sind mangelernährt“ (Pirlich et al. 2005 : 3).

Laut Herrn Arved Weinmann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entstehen in Deutschland durch Mangelernährung „jährlich Kosten in Höhe von neun Milliarden Euro. Den größten Anteil mit rund fünf Milliarden Euro stemmen davon die Krankenhäuser.“

Herr Weimann erklärt, dass „das höhere Alter, Krebserkrankungen und Multimorbidität die Hauptfaktoren für eine Mangelernährung sind. Sie führen zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und Genesungsverlauf sowie folglich zu höheren Kosten der Behandlung.“ (Weimann 2010 : 15). Laut einer Prognose der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin steigen die Kosten durch Mangelernährung bis 2020 um erschreckende 25 Prozent auf rund elf Milliarden Euro. Ein zielgerichtetes Ernährungsmanagement ist laut Hr. Weimann deshalb gerade in geriatrischen Einrichtungen unerlässlich.

1.6 Folgen der steigenden Kosten aus volkswirtschaftlicher Sicht

Die Mangelernährung vermindert nicht nur die Lebensqualität, sondern verursacht zudem erhebliche Kosten im Gesundheitswesen. Im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Belastung dürfen nicht nur die direkten Kosten, die durch Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation entstehen, betrachtet werden, sondern auch die indirekten Kosten, die sich durch Arbeitsausfall, Invalidität und vorzeitigen Tod ergeben. Bei den bösartigen Tumorerkrankungen überwiegen zum Beispiel diese indirekten Kosten erheblich. Die indirekten Kosten belasten vor allem die Kostenträger erheblich und haben somit auch auf das Sozialversicherungssystem hohen Einfluss. Bei Arbeitsausfall und Invalidität müssen die Kostenträger so wie die Rentenversicherung für die Kosten der Ausfallzeiten der Betroffenen aufkommen. Dies verursacht zusätzliche Kosten. Ist das Budget ausgeschöpft, müssen diese Mehrausgaben wieder durch Zusatzbeiträge von den Versicherten getragen werden. Bei vorliegender Invalidität müssen dies die Rentenversicherungsträger übernehmen, was dann auch wieder das Sozialversicherungssystem belastet und letztenendes auch vom Steuerzahler getragen werden muss. Die direkten Kosten belasten vor allem die Krankenhäuser bei den stationären Aufenthalten. Nicht nur die erhöhte Diagnostik und Behandlung verursachen hier mehr Kosten, sondern auch die verlängerte Liegedauer der Patienten (Leppin 2001 : 89ff).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mangelernährung auf einer geriatrischen Station. Implementierung eines Screenings in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V352057
ISBN (eBook)
9783668386976
ISBN (Buch)
9783668386983
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mangelernährung, station, implementierung, screenings, krankenhaus, grund-, regelversorgung
Arbeit zitieren
Christian Krupp (Autor), 2016, Mangelernährung auf einer geriatrischen Station. Implementierung eines Screenings in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352057

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