Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie?

Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-Demokratie


Polemic Paper, 2016
947 Pages

Excerpt

Vorne weg

Die Textfassung der vorliegenden Untersuchung zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus, die im folgenden aufgedeckt werden sollen.

Es ist nicht ungewöhnlich, daß Sie auf umfangreiche Satzgefüge stoßen werden die mit Einschüben versehen sind, wodurch eine Text-Struktur entsteht, die den jeweiligen Inhalt des Satzgefüges gut erschließen hilft. Unterstützt wird diese Struktur durch die Verwendung vieler Fußnoten, die Sie nicht lesen müssen, aber lesen sollten, da sie oft weiterfüh- rende Erläuterungen enthalten, so daß festzustellen ist, daß das Ihnen vorliegende Buch nicht nur aus mehreren Teilbän- den und einem Index-Band, sondern auch aus einem Haupt- text und einem Fußnotentext besteht, wodurch dieses Werk den Charakter eines Buches im Buche bekommt, es demzu- folge mit: „Das Fußnotenbuch“ untertitelt werden könnte.

Die Verwendung der alten Sprachregeln findet nicht dar- in ihren Grund, sich aus einem nostalgischen Reflex heraus davon nicht lösen zu können, sondern darin, daß ich es nicht akzeptiere, daß vorhandene grammatische Regeln nicht von Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern, sondern von Kulturbürokraten verändert werden, wobei von diesen noch vorgegeben wird, die Zielsetzung sei eine „Vereinfachung“ solcher Regeln. Eine sprachliche Vereinfachung als Zielset- zung zu haben, ist aus meiner Sicht aber nur dann erlaubt, wenn der Wortsinn nicht zerstört wird.

(__Als Beispiel sei das Verb „kennenlernen“ gegeben, das man irgendwann mal zwar auch nicht zusammengeschrieben verwendet, dann aber nach reiflicher Überlegung einst klar erkannt hatte, daß das Kennenlernen ei- nes Menschen lerntechnisch nicht möglich ist, sondern es sich dabei um einen Annähe- rungsprozeß handelt, der u.U. ein ganzes Le- ben währen kann, also nichts mit „lernen“, sondern alles mit einer besonderen Art und Weise des Begreifens, des Verstehens und des Akzeptierens zu tun hat. Es ist nämlich kein Ausweis von Fortschritt, daß diese hier exemplarisch angemerkte Erkenntnis wieder rückgängig gemacht worden ist, indem man durch eine bürokratisch verursachte Recht- schreibreform verfügt hatte, daß nicht mehr „kennenlernen“, sondern „kennen“ „lernen“ zu schreiben sei, da das „leichter“ zu lernen wäreǤ Wer dann in einem zweiten „Reform- schritt“ noch verfügte, daß sowohl die Schreibung „kennenlernen“ als auch „ken- nen“ „lernen“ richtig wäre, kann nur als Ver- schlimmbesserer bezeichnet werden.__)

Eine weitere Besonderheit dieser Ihnen vorliegenden Untersuchung aus der Reihe Edition !scheuklappenfrei!, liegt in der Verwendung der Abkürzung „uǤfǤZǤ“Ǥ Diese Abkürzung steht aus dem Grunde für „unsere fragliche Zeitrechnung“, da weder durch die gewohnte Verwendung der Phrasen „un- sere Zeitrechnung“ noch „nach Christi Geburt“ ein tatsächlich korrekter zeitlicher Fixpunkt benannt wäre, sondern einst allein durch den Zusammenbruch des Römischen Reiches* zeitliche Unklarheiten und Lücken entstanden sind, die Be- zeichnungen wie „unsere Zeitrechnung“ oder „nach Christi Geburt“ zu einer Glaubensangelegenheit werden lassen und dem Versuch entsprechen, „Sicherheit“ und „Klarheit“ zu suggerieren, wenn es lediglich Vermutungen geben kann.

Im Rahmen dieser Vorbemerkungen möchte ich noch darauf hinweisen, daß es sich nicht um einen Druckfehler handelt, lesen Sie im Text das Wort „Wahlkrampf“Ǥ Die Be- gründung für dessen Verwendung erschließt sich Ihnen im Laufe der Lektüre gewiß.

* * *

Zum Abschluß dieser Vorbemerkungen möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf zwei bemerkenswerte Menschen lenken.

Hier ist einmal zu nennen Prof. Dr. Heiner Flassbeck, dessen Bücher sowie Artikel und Vorträge mir erlaubt haben, ein tatsächlich gesichertes Verständnis von dem zu bekom- men, was jeder andere per se zu verstehen scheint: Wirt- schaft. Allerdings gehe ich nicht davon aus, daß Heiner Flassbeck mit meinen Schlußfolgerungen immer einverstan- den sein wird. Aber geht es darum?

Meine Empfehlung an den Leser dieser vorliegenden Untersuchung ist jedenfalls die, sich über Wirt- schaftsfragen auf der Internet-Seite des von Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt herausgegebenen Wirtschaftsmagazins Makroskop — Kritische Analysen zu Politik und Wirtschaft aus einer gesamtwirtschaftli- chen Perspektive zu informieren, dessen Internet- Adresse folgende ist: makroskop.eu.

Der andere Mensch ist meine Frau Kirsten Grunau. Sie ist es, mit der ich mein Leben teile, mit der ich meine Stu- dienreisen unternehme, mit der ich meine schriftstellerische Arbeit bespreche, die meine zu veröffentlichenden Schriften korrekturliest, mit der ich die Perspektiven für die in der Edi- tion !scheuklappenfrei! erst noch erscheinenden Bücher ent- wickle und die mir, last but not least, als hervorragende Ang- listin erlaubt, meine in die deutsche Sprache gefaßten Ge- danken in ein angemessenes Englisch zu übersetzen, wovon in absehbarer Zeit die Leser im englischsprachigen Raum auch in Print-Ausgaben profitieren können.

Vorwort

Der Inhalt des vorliegenden Buches mit seinen Teilbänden geht zurück auf Überlegungen, die von mir in den letzten dreißig Jahren angestellt und zum Teil notiert worden sind. Auf Grund der Entwicklungen im Rahmen der offen zutage getretenen Finanzkrise im Jahre 2007, setzte eine Rekapitu- lation solcher Gedanken und des dazu Notierten ein, gefolgt von ihrer Inbeziehungsetzung mit den im Rahmen dieser „Krise“ sich ergebenden Ereignissen und den damit verbun- denen politischen Maßnahmen und Auswirkungen. — Dies mit Blick auf die Europäische Union (EU), d.h. insbesondere die Europäische Währungsunion (EWU). Zudem unter Einbe- ziehung der politischen Entwicklungen seit der primär vom „Westen“ verursachten Destabilisierung Nordafrikas (LibyǦ en), des Nahen Ostens (Syrien) und der auf Rußland zielen- den Destabilisierungsversuche durch offene Eingriffe in die Politik der Ukraine (beginnend in den 2000er Jahren und kei- neswegs mit dem Putsch im Jahre 2014 und der Installierung einer pro-westlichen Regierung dort endend). Die Ergebnisse dieser Politik sind nicht nur verheerend, sondern auch Aus- druck einer Ideologie, die mit der Bezeichnung „NeoliberaǦ lismus“ richtig umschrieben und von der insbesondere zu Beginn dieses Buches die Rede ist.

Eine erste schriftliche Zusammenfassung solcher Über- legungen erfolgte im Jahre 2009. Leitend war stets der Ge- danke, keine tagespolitischen Betrachtungen anzustellen, dient diese Schrift schließlich dem Zweck, aktuelle Beispiele politischer Tendenzen (die in zehn oder zwanzig Jahren zwar andere sein mögen) auf eine Weise auszuleuchten, daß deut- lich werden kann, welche Wirkmechanismen ihnen zugrunde liegen und in welcher Richtung sie sich ereignen, bzw. wel- chen Weg das Menschengeschlecht beschreitet . . .1

* * *

Zur Weitung des Horizonts und zur eigenen Abgrenzung von den heutigen „Kulturschaffenden“ des lobbykratischen ZeitǦ alters, werfe ich in dieser Einleitung nun einen streifenden Blick auf einige Geistesgrößen, mit denen ich mich verbun- den fühle und die ich gern zu ihren Lebzeiten erlebt und per- sönlich kennengelernt hätte. Dennoch möchte ich nicht zum Ausdruck bringen, daß diese Untersuchung eine Hommage an sie wäre, sondern lediglich, daß sie für ein Denken und Handeln stehen, das heute allein deshalb keinen „fühlbaren“ Einfluß mehr ausüben kann auf den gesellschaftlichen Ent- wicklungsprozeß, da ein solcher Prozeß gar nicht mehr statt- findet. Für diese Geistesgrößen war eine bedeutende Platt- form Vanity Fair.

Das von 1913 bis 1936 in seiner ursprünglichen Fassung erscheinende us-amerikanische Magazin Vanity Fair, entwik- kelte sich insbesondere unter seinem Herausgeber, dem Kunstsammler, Journalisten, Kunst- und Theaterkritiker und einem der Begründer des Museums of Modern Art2, Frank Crowninshield zu einer herausragenden bürgerlichen Gesell-

Begegnung mit Kunstwerken kommt, deren Ziel die Entwicklung eines solchen Bewußtseins ist und das zugleich dient der Darstellung der Ent- wicklung des menschlichen Geistes, gezeigt am Beispiel der am meisten unabhängig und lebendig geschaffenen zeitgenössischen Kunstwerke, und es waren

(__zu werten als Versuch der Konsequenzziehung aus der vom ersten Teil des imperialistischen Krieges resultierenden Selbst_Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft__)

diese Idee sowie die Begegnung mit der im Jahre 1919 vom Architekten Walter Gropius geschaffenen Kunstschule, um den Begriff „Akademie“ zu vermeiden, des Bauhauses, die sich verschrieben hatte dem Unterricht der sich überlappenden Gebiete von Kunst und Handwerk, so daß deutlich würde der Zusammenhang von Malerei, Photographie, Architektur und Design (von Gebrauchsgegenständen), die wiederum im November des Jahres 1929 Alfred H. Barr Gründungsdirektor des MoMAs werden ließen, der in diesem Monat den Lesern von Vanity Fair u.a. von den Motiven zur Realisierung dieses Museums berichtet.

schaftszeitschrift, die ins 20. Jahrhundert Raffinesse, gute Umgangsformen und Eleganz des Fin de Siècle herüberzuret- ten suchte und zugleich d e m Bedürfnis ein Medium gab, die Entwicklungen dessen, was man heute als Ausdruck der Moderne bezeichnen kann und die Begeisterung fürs JAZZ- Zeitalter in die us-amerikanische Gesellschaft zu tragen, wo- durch in der Folge auch die innovativen Tendenzen in der vom ersten Teil des Großen Krieges verursachten, zerrütte- ten Mentalität in Europa flammend befördert wurden, was diese Zeitschrift zur bürgerlichen Avantgarde des uner- schrocken Gezeigten von Schönheit und Neuem werden ließ. Eine Zeitschrift nämlich, für die, mit intellektuellem Anspruch und Experimentierfreudigkeit sowie politischer Aufgeschlos- senheit ausgestattete Geistesgrößen aktiv waren, die für unser kollektives Bewußtsein von jener Zeit die prägenden Eindrücke schufen. — Geistesgrößen, die in jeder Hinsicht fern von den heutigen, moralisch heruntergekommenen und geistig ausgelaugt scheinenden bürgerlichen Intellektuellen sind.

Als das Auge von Vanity Fair, prägten der von 1890 bis 1976 lebende Photograph, Maler, Filmemacher, Dadaist und Sur- realist

Man Ray

und der von 1879 bis 1973 lebende Photograph und Maler

Edward Steichen

das photographisch in unsere Zeit hineinra-

gende Bild der Zeit zwischen den beiden Tei- len des großen Krieges des zwanzigsten Jahrhunderts.

Aldous Huxley,

1894-1963, dessen Brave New World (1932) sozusagen das Wetterleuchten von George Orwells 1984 (1949) ist, schrieb u.a. im Mai 1925 für diese Zeitschrift: What, exactly, is modern? Ein Essay, in dem der Autor den Le- ser darum bittet, Wortbegriffe im Sinne ihrer Bedeutung zu verwenden und nicht leichtsin- nig - denn das möge zwar „modisch“ sein, dies aber sei keineswegs gleichbedeutend mit „modern“. Während Huxley darin davon schreibt, daß der unbedarfte Gebrauch von Begriffen zu vermeiden sei und er das gut an Beispielen aus der Musik, der bildenden Kunst und der Literatur darlegt, spricht er noch nicht von der anderen Möglichkeit, Be- griffe nicht angemessen zu verwenden: zur Erweckung eines bestimmten, geneigt ma- chenden Eindrucks bei der entsprechenden Zielgruppe. — Der erste Teil der vorliegenden Untersuchung dient der Klärung von oft in diesem Sinne verwendeter Begriffe wie bspw. „Neoliberalismus“ und „soziale MarktwirtǦ schaft“.

T.S. Eliot,

1888-1965, der in Vanity Fair einige seiner Ge- dichte im Juli 1923 veröffentlicht, spricht in sei- nem 1921 erschienenen, großen Einfluß auf die Kulturinteressierten ausübenden Essay The me- taphysical poets von einer dissociation of sensibi- lity. Eine Bezeichnung, die ihm dazu dient, zu verdeutlichen den Verlust der „Einheit aus GeǦ fühl und Denken“

(__also des „direkten [sozusagen in- nenhaften] Begreifens des Denkens”, das bei den „metaphysisch“ schrei- benden Dichtern, von denen exem- plarisch genannt sei John Donne, im England des 17. Jahrhunderts noch erhalten gewesen und für die das sinnlich Wahrgenommene sich im Denken deshalb ungebrochen ge- spiegelt habe__)

im Ausdruck der Schriftsteller des 18. und des

19. Jahrhunderts. Dieser Verlust der „Einheit aus Gefühl und Denken“ läßt sich tatsächlich aber als Ausdruck von Entfremdung im gesellschaftli- chen Leben verstehen, hervorgerufen durch die im 18. Jahrhundert einsetzende Reduktion des Menschen auf seine wirtschaftliche Verwertbar- keit und des damit einhergehenden, reduzierten

Wahrnehmens der zwischenmenschlichen wie gesellschaftlichen Phänomene — ausgedrückt im Begriff des Homo oeconomicus des Liberalis- mus‘ jener Zeit, wenn auch eines vergleichsweise moderaten Modell-Vorläufers des Homo oeco- nomicus novus des Neo_Liberalismus‘, in dem diese Reduktion derartig bestimmt ausformu- liert worden ist, daß es heutzutage keine sonder- liche Empörung mehr unter bürgerlichen Intel- lektuellen auslöst, wenn die Rede ist vom Ergeb- nis solcher Reduktion, das, da einer Lobbykratie gewichen, als „marktkonforme ‘Demokratie’“ zu bezeichnen schon längst nicht mehr die tatsäch- liche Beschaffenheit der bürgerlichen Gesell- schaft adäquat benennt, ist diese doch lediglich noch als marktkonforme Gesellschaft, d.h. auf die Bedürfnisse eines gesellschaftlichen Fremdkör- pers hin zugeschnittene, bzw. als reduzierte Ge- sellschaft zu bezeichnen.

Ferenc Molnár,

1878-1952, diesem Journalisten und Romancier wird man nicht gerecht, beschränkt man sich auf die sprachliche Schönheit und die romantisch daherkommende Handlung seiner, das Gemüt ansprechenden Kurzgeschichten, gelingt ihm

doch so bündig wie bewegend und mit beißen- dem Spott, die schöne Fassade zu durchstoßen, so daß der Blick frei wird auf die Abgehängten einer heuchlerischen Gesellschaft. Auch ihm war Vanity Fair ein Medium.

Gertrude Stein,

1874-1946, Ausnahmeerscheinung, und schon allein deshalb von dieser Zeitschrift ihren Lesern zur Kenntnis gebracht, die als Autorin zu be- zeichnen selbstverständlich möglich, aber nicht zureichend ist, auch wenn sie Autorin war, ist ihr Werk geprägt vom Hantieren mit Worten nach eigenen Regeln, und insofern in der Tradition de- rer stehend und sie auch beeinflussend, aber, wie diese, auf sehr feine Weise auf die Selbst_Zerstörung der bürgerlichen Zivilisation reagierend, die der erste Teil des großen impe- rialistischen Krieges mit sich brachte, und hier insbesondere die Dadaisten, die Kubisten und die Surrealisten zu nennen sind, so daß man sie zwar als eine schrift_stellende DadoKuboSurrea- listin bezeichnen könnte, vorausgesetzt, man ist geneigt, sie als diese Elemente in sich habend, aber eigenständig und selbst wieder prägend bis in unsere Zeit zu wirken wahrzunehmen, sie

demnach richtigerweise vor allem Gertrude Stein ist, wobei es vielleicht zu einfach wäre,

d i e s e

Einflußnahme gewollt über den von ihr varian- tenreich gesetzten Satz, der aus der wiederhol- ten Wiederholung des Wortes „Rose“ besteht, bei dessen Interpretation die Meinungen ausein- andergehen. Denn nehmen wir an, es handele sich bei „Rose“ um eine Pflanze, eine Rose, dann ist es wahrscheinlich, daß wir sie mit der Farbe Rot und mit dem Begriff für anmutiges Äußeres, also Schönheit, assoziieren: Rose ist Schönheit in Röte. — Oder „Rose“ ist der Name eines MenǦ schen: eines Mädchens, das bspw. wissen möch- te, ob die Erde wirklich rund ist, denn das wurde ihr in der Schule erzählt, was zu glauben ist, bis man sich auf den Weg begibt, diese Behauptung eigenständig zu überprüfen - indem man bspw., um den Weg abzukürzen, einen Baumstamm umwandert und gleichzeitig wiederholt sooft den eigenen Namen auf ihn schreibt, bis das En- de an seinen Anfang gekommen ist: „Rose ist eiǦ ne Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“

- rund und in sich geschlossen wie die Erde: und deshalb „Rose“. (Eine zulässige Interpretation der Steinschen Rose?)

Jean Cocteau,

1889-1963, als avantgardistischer Schriftsteller, Künstler und Filmemacher, gehörte Cocteau zu den häufig für Vanity Fair schreibenden Essay- isten, der dann u.a. Anekdotisches zu erzählen wußte über von ihm mit verursachten Ereignis- sen, die zumindest den allgemeinen künstleri- schen Prozeß beeinflußten, wenn nicht gar initi- ierten, wie das einaktige Ballett „Parade - Ballet réaliste“, für das Picasso die Kostüme entwarf, Eric Satie die Musik komponierte, Léonide Mas- sine die Choreographie und Cocteau das Dreh- buch schrieb und das vom als einflußreichstes choreographisches Ensemble des 20. Jahrhun- derts geltenden Ballets Russes des Impresarios Sergei Diaghileff im Théâtre du Chatelet zur Auf- führung gebracht wurde am 18. Mai des Jahres 1917, dessen Handlung sich um den Wettstreit dreier Zirkusgruppen dreht, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich und von den anderen ab- zulenken. — Eine gewöhnliche, dem normalen bürgerlichen Leben entnommene Handlung al- so, die aber wegen ihrer eigentümlichen Auffüh- rungsweise von Guillaume Apollinaire als eine „Art von Surrealismus“ bezeichnet wurde, was sozusagen eine Vorwegnahme dieses, einige Jahr später erst stil-benennenden Begriffs wur- de. Von diesem Theaterstück berichtete Cocteau im September 1917 den Lesern von Vanity Fair, wobei der diese Erstaufführung begleitende Skandal, also die Einbeziehung des real anwe- senden bürgerlichen Publikums, durchaus als Teil der inszenierten bürgerlichen Handlung in- terpretiert werden kann.

Übrigens wird eine lohnende Lektüre schon damals im Oktober 1922 der in Vanity Fair er- schienene Essay Cocteaus gewesen sein: The Public and the Artist - zumindest gilt das für heu- te:

Entfalte jene Qualitäten in dir, für die man dich allgemein ta- delt, denn in ihnen spiegelt sich von dem, das du selbst bist.

Theodore Dreiser,

1871-1945, mit der notwendigen Empfindsam- keit ausgestattet, schärfte sich Dreisers Blick für die sozialen Ursachen menschlichen Verhaltens, denen, wegen der anfänglichen Plastizität des Menschen3, zuzusprechen ist der wesentliche

Einfluß auf den im Uterus erfolgenden „VerweǦ bungsprozeß“ von umweltbedingten und geneǦ tischbedingten „Anlagen“ zu dem, was nachge- burtlich seine „charakterliche Ausprägung“ durch die soziale wie die natürliche Umwelt er- fährt. Diese Empfindsamkeit und seine Tätigkeit als Journalist, befähigen ihn später als Schrift- steller nicht nur mit scharfem Blick die Bedin- gungen zu beschreiben, die Menschen mickerig werden lassen, sind sie dem sozialen Druck sol- cher gesellschaftlichen Bedingungen deshalb ausgesetzt, da deren materielle Möglichkeiten beschränkt sind, sondern gleichfalls pointiert Kritik zu üben am ökonomischen System des Westens, wie sie beispielsweise zum Ausdruck kommt in Tragic America, einem Buch, das im Jahre 1931 in den USA vom Verleger Horace Liveright und in Großbritannien von Constable and Company Ltd. veröffentlicht worden und der Bericht über eine von Dreiser unternomme- ne lange Reise durch die Vereinigten Staaten z.Z. der Großen Depression ist, aus dem ein kur- zes Zitat hier nun aus dem Grunde folgt, da es

S i e

als Leser der vorliegenden Untersuchung auffor- dert, gedanklich zu wechseln zwischen Dreisers Rede und I h r e m Wissen von den heutzutage weltweit durchgesetzt werdenden Bedin-

gungen zur dauerhaften Etablierung eines Systems, das tatsächlich lobbykratisch ist und deshalb jede tatsächliche demokratische Entwicklung im Keim verhindern will:

[…]

Das zutiefst Beunruhigende am heutigen Amerika ist, daß es als ausgemacht gilt, daß dem talentierten und starken Menschen, obwohl egozentrisch, selbstsüchtig und voll- ständig unsozial, trotzdem keine Zügel ange- legt werden sollten, da er Teil eines mutmaß- lich ganz und gar sozialen Staates sei, der eingerichtet worden war, das Recht auf Chan- cengleichheit zu garantieren. Aber Chancen- gleichheit kann unmöglich ein Freibrief sein für den Durchtriebenen und Raffgierigen, der Nutzen aus dieser Chancengleichheit zieht bei der Etablierung von bestimmten, oder anders ausgedrückt, unbegrenzten persönlichen Sonderrechten, verbunden mit der damit ein- hergehenden Macht, wohingegen die restli- chen neunzig bis fünfundneunzig Prozent der Bürger dieses Landes vergleichsweise nur schlecht zurechtkommen.

[....]Von dem Ausgangspunkt ausgehend, wo ein geschicktes Individuum Millionen und sogar hunderte von Millionen Dollar auf eige- ne Rechnung zusammenraffen und reinvestie- ren konnte, sind wir an einen Punkt gelangt, wo es heutzutage nicht mehr auf sich allein gestellt ist, Banken, Geschäfte, Unternehmen und dergleichen zu gründen, sondern zu die- sem Zweck sich andere mit ihm verbinden, wodurch sie (und ohne annährend so viele Schwierigkeiten wie früher) jetzt selbst die Staatsführung dirigieren. Denn auf wen hört man innerhalb oder außerhalb der gesetzge- benden Versammlung, in den Bundesstaaten oder ihren Städten und Gemeinden [...]? Die- se, durch ihre kombinierten Instrumente - Politiker, Polizei, Gerichte, Anwälte, und wen sie sonst noch für sich arbeiten lassen und bestimmen mögen - sind nunmehr nicht nur in der Lage ihre gemeinsamen Millionen oder Milliarden zu bewahren, sondern ihnen auch weitere hinzuzufügen. Mehr noch, indem sie dies tun, legal oder illegal, und dabei stets mit Billigung der Regierung, und merken Sie es wohl, benutzen sie diese [Millionen] nicht nur dazu, jeden Wettbewerb zu zerstören, sondern zwingen auch die Regierung und das Volk, unter deren Auge und durch dessen Unwis- senheit sie zu einer solchen Kraft geworden sind, oder durch die Gleichgültigkeit beider, sie dabei zu unterstützen.

[....]4

Der schriftstellerische Blick Dreisers ist also jener des sogenannten Naturalismus, der als gesamt- europäische Stilrichtung um 1880 einsetzt und bei dem es sich sozusagen um den mit deutlich sozialkritischen Elementen angereicherten, ca. Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Realis- mus handelt, dessen Credo es ist, den Lebens- bedingungen der Menschen einen ungeschminkt künstlerischen wie literarischen Ausdruck zu ge- ben (eigentlich geben zu wollen), ohne, also im Gegensatz zum Naturalismus und auch im Ge- gensatz zur etwas später einsetzenden Bewe- gung des Jungen Deutschlands, die Ursachen der sozialen Probleme auf den Punkt zu bringen. Wobei jenes, das als Stilrichtung Realismus

(und seinen Ablegern wie Junges Deutschland und Naturalismus)

heißt, eher als Reaktion auf die verschiedenen Ausprägungen der europäische Romantik zu ver- stehen ist, als daß es sich dabei um die tatsäch- lich realistische Abbildung der Wirklichkeit han- deln könnte, erfährt diese Ab_Bildung doch kon- krete Brechung im von konkreten Einflußfakto- ren charakterlich geprägten Künstler oder Schriftsteller, wenn auch sein Bemühen um „ObǦ jektivität“ bei der Darstellung des menschlichen Seins anzuerkennen ist.

Als Grundlage des „realistischen Blicks“5 können folgende Elemente des Entwicklungs- prozesses der bürgerlichen Gesellschaft angese- hen werden: die Infragestellung des religiösen Dogmas des Christentums, die Fortschritte in den Naturwissenschaften (bspw. Darwins Er- kenntnisse), Entfaltung der technischen Mög- lichkeiten, die ihren Niederschlag in der Ver- kehrsentwicklung und der Industrialisierung fin- den.6

Walter Lippmann,

1889-1974, von dem nicht so selten der Leser von Vanity Fair in Kenntnis von Zusammenhän- gen gesetzt wurde, die seinerzeit von noch nicht abschätzbarer Bedeutung für die allgemeine ge- sellschaftliche Entwicklung waren7. Unter ande- rem Journalist und Autor, war Lippmann nicht nur ein auf die us-amerikanische Politik einfluß- reich einwirkender politischer Kolumnist8, den besonders die Frage der Kommunikation in einer Massengesellschaft interessierte und der das Problem der Beschleunigung und der Konzentra- tion von gesellschaftlichen Prozessen und der damit parallellaufenden Konzentration von mei- nungsbildenden Medien erkannte. Prozesse, die bspw. dem Produzieren von Slogans Vorschub leisten, so daß der notwendigen Deutung sol- cher Prozesse weder Raum noch Zeit bleibt - zumal sie auf diese Weise bereits etikettiert sind.

Eric Satie,

1866-1925, exzentrisch, frivol, beeinflußt von der Rosenkreuzer-Bewegung, verbunden mit der Dada-Bewegung und dem Surrealismus (__als zwei wichtigen künstle- rischen Reaktionen auf den ersten Teil des großen Krie- ges des 20. Jahrhunderts__)

, verkörperte Satie das avantgardistische Ideal der Vereinigung aus Kunst und lebendigem Prozeß in einer oft verblüffenden aber in sich ruhenden Persönlichkeit.

Tristan Tzara,

1896-1963, Dadaist der ersten Dada-Stunde, d.h. noch vor dem 5. September des Jahres 1916 in der Künstlerkneipe Voltaire in der Spiegelgasse in Zürich, und Manifest-Geber dieser Bewegung, gab in einem Beitrag für die Leser von Vanity Fair seiner Begeisterung Ausdruck, als er berichtete, daß das Publikum, aus einer ihm offenbar unbe- wußt bleibenden, also dadaistischen Strebung heraus, einzig deshalb gekommen, in Reaktion auf die Dada-Darstellung in der Salle Gaveau in Paris, sich „extrem dadaistisch“ verhalten habe, indem es nicht wie sonst üblich, die Dada- Performisten lediglich mit Eiern, Centimes und Kappes bewarf, sondern sogar mit Beefsteaks. Was beredter Ausdruck echten Erfolgs der Auf- führung, da ja der wahre Dadaist selbst gegen Dada sei . . .

John Maynard Keynes,

1883-1946, berichtet dem Leser von Vanity Fair im Januar 1932 von Banks and the Collapse of Money Values - sozusagen ein zeitloses Lehr- stück über die Borniertheit sogenannter “ÖkoǦ nomen” und die Blindheit von „Bankern”. Der Leser von Vanity Fair erfuhr auf diese Weise schon von dem, was viele selbst heute noch nicht wissen: Einen „vernünftigen“ Banker „zeichnet aus“, eine drohende Gefahr nicht bei- zeiten zu erkennen, so daß er auf konventionel- le, von ihm und seinen Kollegen anerkannte, also orthodoxe Art und Weise ruiniert wird.9

Dorothy Parker,

1893-1967, Dichterin und Verfasserin von Kurz- geschichten, Theaterkritikerin, Satirikerin und sprühend vor ätzendem Witz. Konnte es da an- ders sein, daß sie zum Stamm der, von 1919 bis 1929 bestehenden Round Table Group im Al- gonquin Hotel in New York gehörte, wo sich die besten Schriftsteller, Journalisten und Künstler der Stadt an jedem Wochentag zum Mittages- sen trafen, auf höchstem Niveau etwas zu be- treiben, das nicht falsch als leidenschaftliches Li- teratur-Brainstorming zu bezeichnen ist, aus dem sich mit humorvollen Bemerkungen und Wort- spielereien gespickte Satzbildungen ergaben, die dann Eingang fanden in die Kolumnen so mancher Teilnehmer und auf diese Weise im ganzen Land in Diskussionen ihr Echo fanden und zur Reputation der Algonquiner beitrugen?

Aber Parker hatte genauso ein feines Ge- spür für die menschlichen Bedrückungen, das sich später bemerkbar machte, als sie sich per- sönlich wandelte und deshalb politisch engagier- te, so bspw. vom Spanischen Bürgerkrieg berich- tete und deutlich gegen die Faschisten und die reaktionären Kräfte Stellung bezog, was sie auf welche Listen auch immer brachte des ersten FBI-Chefs und selbst schwulen Schwulenhassers „J. Edgar“ und des Haupts des auf VerschwöǦ rungstheorien und Massenhysterie beruhenden McCarthyismus‘.

Als ein anderes Beispiel für ihr tiefes Ver- ständnis vom menschlichen Leid, kann The Coast of Illyria gelten, einem Theaterstück in drei Ak- ten, das 1949 auf die Bühne kam, dessen Hand- lung zwar auf der eigenartigen Geschichte von Charles Lamb und seiner Schwester Marie Ann

Lamb beruht, aber vor allem autobiographische Züge trägt, die ansonsten nur in den Gedichten Dorothy Parkers ihren Ausdruck finden. Dorothy Parker schrieb oft für die Leser von Vanity Fair.

Pelham Grenville Wodehouse,

1881-1975, Lyriker und Schreiber von Kurzge- schichten und humoristischen Erzählungen, war Wodehouse der Autor von über neunzig Büchern und an der Schaffung von etwa dreißig Theater- stücken und von über zwanzig Filmdrehbüchern beteiligt. Sein berühmtester Charakter ist gewiß Reginald Jeeves, der einem sogenannten Gent- leman als Butler dient, hingegen der eigentliche Gentleman ist: the accomplished „gentleman’s gentleman“.

In der Zeit um das Jahr 1913 entdeckte er für sich die Farce als Möglichkeit, seinen Charakte- ren die angemessene Ausdrucksmöglichkeit zu schaffen. Seine Stücke zeichnen sich seitdem durch eine hochkomplexe Handlung aus.10

Wodehouse läßt seine Charaktere stets in der Eröffnungszeit des 20. Jahrhunderts spielen, die geprägt ist von tiefgreifenden Widersprü- chen in Mentalität und Seelenlage einer sich auf den, von einer funktionslos gewordenen Gesell- schaftsschicht herrührenden, überkommenen Kulturelementen einrichtenden, selbst aber kul- turell wurzellosbleibenden bürgerlichen Gesell- schaft.11

Zwar führte der technische Fortschritt und die wissenschaft- lichen Entdeckungen bei einigen bürgerlichen Intellektuellen zu der Überzeugung, daß, da sich auf diese Weise für die menschliche Gesellschaft eine beispiellose Zukunft eröffne, auch die Institutionen und die Traditionen der alten Zeit einer Transformation bedürften, die dem Gedeihen und der Be- freiung des menschlichen Geistes angemessen seien. In Eng- land schien der Tod von Königin Elisabeth und die Einsetzung von Edward VII. dieses Meinen zu bestätigen, während bei den Intellektuellen in Deutschland eine ähnliche „Gefühlsla- ge“ überlagert wurde vom Tschingbum! Tschingtaratata! und Tschingderassabum! des wilhelministischen Deutschlands, in dem sich eine tiefgreifende Diskrepanz zwischen der sich davon anragen lassenden Masse der Intellektuellen und der Masse der einfachen Menschen abzeichnete, die deutlich in den Monaten vor dem Beginn des ersten Teils des großen imperialistischen Krieges hervortrat:

Die Kriegsbegeisterung war auf seiten der Masse

d i e s e r

Intellektuellen, nicht auf jener der normalen Bevölkerung.

(__Dies übrigens ein wichtiger Grund nicht nur für die weitere Entwicklung Deutschlands im zwan- zigsten Jahrhundert, sondern auch für das Fortbe- stehen dieser Diskrepanz zwischen den heutigen Vertretern der deutschen Intelligenz und den normalen Deutschen:

Die Art der aktuellen deutschen Politik, eigentlich erst möglich geworden durch die falsche Kon- struktion der EWU, die aber gerade wegen feh- lender eigener Substanz zum erneuten Scheitern verurteilt ist, wird in der Regel zwar hie und da kri- tisiert, aber tendenziell offenbar von den deut- schen Intellektuellen gutgeheißen, ansonsten müßten sie dagegen nämlich klar Stellung bezie- hen - hätten sie tatsächlich aus den Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts gelernt und formu- lierten sie Alternativen zum heute sich abzeich- nenden Neowilhelminismus: „Europa spricht deutsch“?12

Nun, dies aber tun sie nicht - sind wohl zu sehr beschäftigt mit dem Drehen von Pirouetten um das, was sie als „Nachdenken über die deutǦ sche ‘Rolle’ in Europa und der Welt“ bezeichnen würden? Und sie kritisieren auch nicht mit der ge- botenen Schärfe

— die dann Ausdruck von tatsächlicher Unabhängigkeit ihres Denkens wäre — das politische Führungspersonal Deutschlands, damit den normalen Menschen deren Ignoranz und deren gefährliches Tun deutlich würde. Das heißt die deutschen Intellektuellen tragen auf Grund ihres traditionell politischen Versagens, entscheidende Mitschuld an allem, was noch an politisch Schädlichem in Europa geschieht.13 __)

[...]


* Im Westen vor allem ab ca. 375 u.f.Z. Dies übrigens ein Prozeß, der wohl mit einer Durchmischung von ansässigen Stämmen mit Noma- dengruppen aus Zentralasien einherging, von dem wir aber nichts Gesi- chertes wissen. Im Osten ging das Oströmische Reich erst Mitte des 7. Jahrhunderts ins Byzantinische Reich über, wofür wahrscheinlich auch dort vor allem die Ursache in kriegerischen Auseinandersetzungen liegt, die früher oder später jedes Großreich unregierbar werden lassen.

1 Was es mit dem „Potential des Menschengeschlechts“ überhaupt auf sich hat , wird übrigens Thema einer später zu veröffentlichenden, weit aufgefächerten Untersuchung sein, in die aus einem anderen Kontext stammende, ebenfalls in den letzten dreißig Jahren angestellte Überle- gungen einfließen werden, und die sich in ihrem letzten Teil mit den Er- gebnissen der vorliegenden Arbeit verschränken wird, so daß es nicht falsch wäre, diese vorliegende Arbeit als eine Hinführung zu verstehen, die mit Hilfe aktueller Beispiele das Problem des Menschengeschlechts, näm- lich die Blockierung seines Potentials, in ein erstes Licht der Aufklärung setzt — immerhin ist das Ziel beider Untersuchungen die Aufdeckung und das Erkennen von wesentlichen Zusammenhängen. Das heißt die zweite Untersuchung erwächst aus den Ergebnissen der letzten Kapitel dieser ersten.

2 Die Idee MoMA geht zurück auf die Schaffung des Musée du Lu- xembourg in Paris als Ort der Versammlung der Werke zeitgenössischer Künstler im Jahre 1818, sozusagen als ein Ergebnis der Französischen Revolution. Für die Gründung des MoMAs Ende des Jahres 1929 selbst kam gewiß eine besondere Bedeutung zu dem damaligen Direktor des Hanno- verschen Landesmuseums, Alfred Dorner, der, nach eigener Aussage, das Museum als Ort verstand, wo fürs gesellschaftlich breite und mit einem künstlerisch unentwickelten Bewußtsein ausgestatteten Publikum es zur

3. . . siehe in Kapitel 25 die Seiten 612 ff.

4 Theodore Dreiser, Tragic America, first published by Constable and Company Ltd., London, 1932 (Copyright by Theodore Dreiser, 1931), Seiten 14 f. (Übersetzung von mir. Den Text der Original-Passage finden Sie im Anhang II [Teilband 3, Seiten 667-669].)

5. . . ob nun angereichert mit politischen Forderungen wie im Jungen Deutschland oder im Naturalismus oder in deren Grundlage, dem sogenannten Realismus . . .

6 Insbesondere sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß die 440 Werke Honoré Balzacs vorlaufenden bis prägenden Einfluß auf den Realismus und dessen Ableger ausgeübt haben, was insbe- sondere für seine, mehr als 90 Romane umfassende, 1830 begonnene Comédie humaine gilt.

7 Es sei auf den Essay Blazing Publicity aufmerksam gemacht, der im September 1927 abgedruckt wurde und in dem Lippmann sich mit der durch Medien gesteuerten Massengesellschaft beschäftigt und schon wußte, daß die Zukunft multimedial sein werde.

8 Vgl. auch die Fußnote 10 auf der Seite 8.

9 Vgl. zu Keynes auch die Fußnote 11 auf den Seiten 8 ff.

10 Vgl. Merriam Webster‘s Encyclopaedia of Literature, Springfield, Massachusetts, 1995.

11 Quelle zu den Essays, die in dem us-amerikanischen Gesell- schaftsmagazin Vanity Fair veröffentlicht worden sind: Vanity Fair: 100 Years - From the Jazz Age to our Age, hg. von Graydon Carter, Abrams, New York, 2013 und idem mit David Friend, Bohemians, Bootleggers, Flappers and Swells - The best of early Vanity Fair, Penguin Press, New York, 2014.

12 Vgl. zum „Wilhelminismus“ die Fußnote 38 auf den Seiten 45 f.

13 Es war im Rahmen der Panama Papers Affaire, daß im April 2016 ein englischer Journalist den britischen Finanzminister Osbourne solange mit der Frage konfrontierte, was er mit sogenannten Offshore-Geschäften zu tun habe, bis dieser das Fernsehinterview abbrach. Das wäre in Deutsch- land undenkbar! Und das zeigt die ganze Erbärmlichkeit des intellektuellen Niveaus in Deutschland. So aber kann ein Herr Schäuble so tun, als habe er bisher von dieser Affaire praktisch keine Kenntnis gehabt, als sei ansonsten alles „sauber“: während Panama auf Platz 13 der Länder liegt, in denen unsaubere Geldgeschäfte gemacht werden, liegt Deutschland auf Platz 8. (Vgl. den „Financial Secrecy Index 2015“ [„Schattenfinanzierungsindex 2015“]:

Excerpt out of 947 pages

Details

Title
Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie?
Subtitle
Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-Demokratie
Author
Year
2016
Pages
947
Catalog Number
V352109
ISBN (eBook)
9783668389229
File size
4740 KB
Language
German
Tags
Agenda 2010, Al-Nusra-Front, Amputation des Menschlichen, Angriffskrieg, Anti-Terror-Aktion, Appeasement-Politik, Arbeiterbewegung, Arbeitsgelegenheit, Export deutscher Arbeitslosigkeit, Austerität, Austeritätspolitik, Aufwertungsrückstauung, selbstbestimmter Austritt, Beggar-thy-Neighbour-Politik, Bertelsmann Stiftung, nationale Bewegungen, politisches Bewußtsein, blue bonds, red bonds, Zbigniew Brzezinski, Bürgerkrieg, Bush-Doktrin, Clearinghouse, Containment-Politik, Deflation, marktkonforme Demokratie, Destabilisierungspolitik, deutsche Hysterie, wilhelministisches Deutschland, soziale Dividende, neoliberale Doktrin, Theodore Dreiser, robuste Einsätze, Einzelinteressen, intrauterine Entwicklungsphase, vorindividuelle Entwicklungsphase, Europa spricht deutsch, EWU, Fehlkonstruktion der Europäischen Währungsunion (EWU), Exportüberschüsse, EZB, Faschismus, gesamtgesellschaftlicher Feldversuch, Michel Foucault, Finanzmarktregulierung, Flüchtlingsströme, Freihandelsabkommen, bedingte Freiheit, individuelle Freiheit, unbedingte Freiheit, Freiheitsblase, Freiheitsgrade, lange Frist, Modell, Geschichtsprozeß, Geschichtsschreibung, marktkonforme Gesellschaft, neoliberalen Gesellschaften, nationalstaatsterroristische Gewalt, Gewerkschaften, Giftgas, Goldene Lohnregel, Großbürgertum, Grundgesetz
Quote paper
Joachim Endemann (Author), 2016, Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352109

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