Zwischenrufe in satirisch-politischen Variationen

Reale Betrachtungen dadaistisch-surrealer Phänomene in der Lobbykratie


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2016
329 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anstatt einer Einführung Ein An_Ruf

Erster Zwischenruf Leiden die Menschen an Demokratie-Verdrossenheit, wenn sie in einer Lobbykratie «leben»?

Zweiter Zwischenruf In der Ferne der Bildung oder Die Schwarze Null

Dritter Zwischenruf Merkeleskes Land

Vierter Zwischenruf Satirische Reflexion über eine als Satire daherkom- mende, andere verdummende Dämlichkeit

Fünfter Zwischenruf LEIT-Kultur - _nicht_ „Leitkultur“

Vorbemerkung zu den folgenden Zwischenrufen 6 und 7

Sechster Zwischenruf Ist es eine Frage, ob Herr Tsipras sich zum Knecht der Macht macht?

Siebter Zwischenruf Herr Tsipras und die «Schutzbefohlenen»

Achter Zwischenruf 34 Cent oder Ohne einen Deuxit hat die EU keine Überlebenschance mehr

Neunter Zwischenruf Die Reanimation der ersparten Kultur

Zehnter Zwischenruf Die Welt in der Realität

Elfter Zwischenruf Frau Merkels Großzügigkeit oder Die Irrationalität deutscher Politik

Zwölfter Zwischenruf „Sind die nun gewählt oder nicht?“

Dreizehnter Zwischenruf Wo taucht unsere Regierung?

Vierzehnter Zwischenruf Unabhängig von der Frage, ob jemand überhaupt Macht ausüben sollte: Wie überzeugend kann ein Vasall die Rolle einer Führungsmacht spielen?

Fünfzehnter Zwischenruf Das Weihmacht-Spiel

Sechzehnter Zwischenruf Die Bedeutung der Null für das politische Tun und für das gesellschaftliche Leben

Siebzehnter Zwischenruf Die politische Null und ihre nerischen Folgen

Achtzehnter Zwischenruf Die zwiefache Staatsraison neoliberaler Staaten alten Typs

Neunzehnter Zwischenruf Randständige Anmerkung zu Wahlkrämpfen und Müdigkeit

Zwanzigster Zwischenruf Die „politische Klasse“ Deutschlands im besonderen und die der EU im allgemeinen

Einundzwanzigster Zwischenruf Kapitalismuskritik? Kritik am Kapital? Kritik am Is- mus? Oder alles ein religionspolitisches Problem? Seite 196

Zweiundzwanzigster Zwischenruf Die gesellschaftliche Bedeutung kleiner Schulklassen

Dreiundzwanzigster Zwischenruf Statement zum offenbar unaufhaltsamen Niedergang eines sich aufgeklärt wähnenden Bürgertums

Vierundzwanzigster Zwischenruf Der Kapitalmarkt und das «überschüssige Kapital» Seite 232

Fünfundzwanzigster Zwischenruf

Die Europäische Währungsunion oder In Trauer ver- eint

Sechsundzwanzigster Zwischenruf Wer von Marktwirtschaft redet, sollte kurzgefaßt folgendes bedenken …

Siebenundzwanzigster Zwischenruf Fragmentarische Reflexion über ein politisches Di- lemma

Achtundzwanzigster Zwischenruf Wie das fürchterliche Wort „Flüchtlingspolitik“ erst seine eigentliche Bedeutung bekommt.

Anstatt eines Abgesangs Ein Ab_Ruf

Vorne weg

Für den Ihnen hier vorliegenden fünften Band der Edition !_scheuklappenfrei_! gelten die Besonderheiten dieser Edition.

* * *

Die Textfassung des vorliegenden Buches der Zwischenrufe zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus, die im folgenden aufgedeckt werden.

Es ist nicht ungewöhnlich, daß Sie auf umfangreiche, mit optisch abgesetzten Text-Einschüben versehene Satzgefüge stoßen werden, wodurch eine Text-Struktur entsteht, die den jeweiligen Inhalt eines Satzgefüges gut erschließen hilft. Un- terstützt wird diese Struktur durch die Verwendung vieler Fußnoten, die Sie nicht lesen müssen, aber lesen sollten, da sie oft weiterführende Erläuterungen enthalten.

* * *en, die Sie nicht lesen müssen, aber lesen sollten, da sie oft weiterführende Erläuterungen enthalten.

* * *

Leider gilt es als „modern“, möglichst oft kurze Sätze zu bil- den. Zwar kann es sein, daß ein kurzer Satz einem Text Dyna- mik und / oder Stringenz verleiht, kommt es aber zur Anein- anderreihung von kurzen Sätzen, werden Begriffswiederho- lungen notwendig, so daß dem Leser deutlich bleibe, daß bspw. im sechsten kurzen Satz weiterhin die Rede von einem Objekt ist, das im ersten Satz nicht nur erwähnt, sondern im sechsten Satz noch die entscheidende Rolle spielt. Da aus mei- ner Sicht eine quasi ausschließliche Verwendung solcher Sätze die Fragmentierung des Denkens befördert, erscheint mir das insbesondere dann als wenig geeignet, soll eine ge- wisse thematische Komplexität verschriftet werden, denn dazu bedarf es der Erläuterung in einem langen Gedanken- gang, der, soweit möglich, in einen einzigen oder in möglichst wenige Sätze gehört.

Wichtig ist dann zum einen, daß ein langer Satz anders strukturiert wird als ein kurzer, damit die Aussage des Satzes durchgängig klar bleibt.

In solchen Fällen steht nicht das Verb einer Satzaussage _unmittelbar_ vor dem Komma, sondern jenes Objekt, um das es in der _unmittelbaren_ Satzfolge geht.

Einfaches Beispiel:

„Die Regierung will umsetzen die Politik der Austerität, die nach sich zieht Konsequenzen, die von der Masse der Bevölkerung auszuba- den sein werden […Ȑ“

Zum anderen unterstützen abgesetzte Texteinschübe einen Gedankengang, da sie seinen Hauptteil von seinen Nebentei- len _optisch_ abgrenzen, so daß die Einflechtung eines den Zusammenhang fördernden Nebenstrangs möglich wird,

_ohne_

die Gedankenentwicklung im Satzhauptteil zu verwirren, was der Fall wäre, wenn eine solche gedankengangliche Einflech- tung unmittelbar in den Hauptstrang eingefügt würde.

Eine nochmals verbesserte Satzstrukturierung ist zu er- zielen, wird ein solcher, optisch abgesetzter und zeilenver- kürzter Einschub eines Gedankengangs in Klammern gesetzt.

* * *

Die Verwendung der alten Sprachregeln findet _nicht_ darin ihren Grund, sich aus einem nostalgischen Reflex heraus da- von nicht lösen zu können, sondern darin, daß ich es nicht ak- zeptiere, daß vorhandene grammatische Regeln nicht von Schriftstellern und Sprachwissenschaftlern, sondern von Kul- turbürokraten verändert werden, wobei von diesen noch vor- gegeben wird, die Zielsetzung sei eine „Vereinfachung“ solǦ cher Regeln. Eine sprachliche Vereinfachung als Zielsetzung zu haben, ist aus meiner Sicht aber nur dann erlaubt, wenn der Wortsinn nicht zerstört wird.

(__Als Beispiel sei das Verb „kennenlernen“ gegeben, das man irgendwann einmal zwar auch nicht zusammengeschrieben verwendet, dann aber nach reiflicher Überlegung einst

klar erkannt hatte, daß das Kennenlernen ei- nes Menschen lerntechnisch nicht möglich ist, sondern es sich dabei um einen Annäherungs- prozeß handelt, der u.U. ein ganzes Leben währen kann, also nichts mit „lernen“, sonǦ dern alles mit einer besonderen Art und Weise des Begreifens, des Verstehens und des Ak- zeptierens zu tun hat. Es ist nämlich kein Aus- weis von Fortschritt, daß diese hier exempla- risch angemerkte Erkenntnis wieder rückgän- gig gemacht worden ist, indem man durch eine bürokratisch verursachte Rechtschreibre- form verfügt hatte, daß nicht mehr „kenǦ nenlernen“, sondern „kennen“ „lernen“ zu schreiben sei, da das „leichter“ zu lernen wäre. Wer dann in einem zweiten „Reformschritt“ noch verfügte, daß sowohl die Schreibung „kennenlernen“ als auch „kennen“ „lernen“ richtig wäre, kann nur als Verschlimmbesserer bezeichnet werden.__)

* * *

Eine weitere Besonderheit der in der Edition !_scheuklappen- frei_! erscheinenden Bände liegt in der Verwendung der Ab- kürzung „u.f.Z.“. Diese Abkürzung steht aus dem Grunde für „unsere fragliche Zeitrechnung“, da weder durch die geǦ wohnte Verwendung der Phrasen: „unsere Zeitrechnung“ noch: „nach Christi Geburt“ ein tatsächlich korrekter zeitlicher

Fixpunkt benannt wäre, sondern einst allein durch den Zusam- menbruch des Römischen Reiches* zeitliche Unklarheiten und Lücken entstanden sind, die Bezeichnungen wie „unsere ZeitǦ rechnung“ oder „nach Christi Geburt“ zu einer GlaubensangeǦ legenheit werden lassen und dem Versuch entsprechen, „SiǦ cherheit“ und „Klarheit“ zu suggerieren, wenn es lediglich Ver- mutungen geben kann.

* * *

Im Rahmen dieser Vorbemerkungen möchte ich noch darauf hinweisen, daß es sich nicht um einen Druckfehler handelt, le- sen Sie im Text das Wort „Wahlkrampf“. Die Begründung für dessen Verwendung erschließt sich Ihnen im Laufe der Lek- türe gewiß.

* * *

Zum Abschluß dieser Vorbemerkungen möchte ich Ihre Auf- merksamkeit noch auf zwei bemerkenswerte Menschen len- ken.

* Im Westen vor allem ab ca. 375 u.f.Z. Wobei dies mit einer Durchmi- schung von ansässigen Stämmen mit Nomadengruppen aus Zentralasien einherging. — Dies übrigens ein Prozeß, von dem wir nichts Gesichertes wis- sen. Im Osten ging das Oströmische Reich erst Mitte des 7. Jahrhunderts ins Byzantinische Reich über, wofür wahrscheinlich auch dort vor allem die Ur- sache in kriegerischen Auseinandersetzungen liegt, die früher oder später jedes Großreich unregierbar werden lassen.

Hier ist einmal zu nennen Prof. Dr. Heiner Flassbeck, des- sen Bücher sowie Artikel und Vorträge mir erlaubt haben, ein tatsächlich gesichertes Verständnis von dem zu bekommen, was jeder andere per se zu verstehen scheint: Wirtschaft. Al- lerdings gehe ich nicht davon aus, daß Heiner Flassbeck mit meinen Schlußfolgerungen immer einverstanden sein wird. Aber geht es darum?

Meine Empfehlung an den Leser ist jedenfalls die, sich über Wirtschaftsfragen auf der Internet-Seite des von Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt herausgegebenen Wirtschafts- magazins Makroskop — Kritische Analysen zu Politik und Wirt- schaft aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive zu informie- ren, dessen Internet-Adresse folgende ist: makroskop.eu.

Der andere Mensch ist meine Frau Kirsten Grunau. Sie ist es, mit der ich mein Leben teile, mit der ich meine Studienreisen unternehme, mit der ich meine schriftstellerische Arbeit be- spreche, die meine zu veröffentlichenden Schriften korrektur- liest, mit der ich die Perspektiven für die in der Edition !_scheu- klappenfrei_! erst noch erscheinenden Bücher bespreche und die mir, last but not least, als hervorragende Anglistin erlaubt, meine in die deutsche Sprache gefaßten Gedanken in ein an- gemessenes Englisch zu übersetzen, wovon Leser im englisch- sprachigen Raum profitieren werden — so sich dafür ein Inve- stor findet, der eine scheuklappenfreie Betrachtung gesell- schaftlicher Prozesse bevorzugt.

Joachim Endemann

Mülheim an der Ruhr November 2016

Anstatt einer Einführung Ein An_Ruf

Unaufrichtig gestellte Fragen wie: Müssen wir weniger Flücht- linge aufnehmen? oder: Müssen wir mehr Flüchtlinge aufneh- men? — fordern was? Nun, sie fordern eine schlüssige Ant- wort, die da lautet:

Wir brauchen eine andere Politik, denn ohne die praktizierte falsche, ergäben sich die Gründe fürs Stellen dieser Fragen nicht.

Wie der Titel dieses Buches schon verrät, wird das Surreale, oder wenn Sie so wollen: das Dadaistische dieser Gründe in den folgenden Zwischenrufen beleuchtet von verschiedenen Perspektiven aus. — Was die Ursache dieser Gründe selbst an- belangt, sei verwiesen auf die vierbändige Ausgabe von: Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie? Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-De- mokratie, die im Juni 2016 in der Edition !_scheuklappenfrei_! erschienen ist und auf die im Ihnen hier vorliegenden Buch der

Zwischenrufe immer dann verwiesen wird, ist der Zusammen- hang gegeben. Denn dort findet sich alles Wesentliche ausge- drückt, dem nichts hinzuzufügen ist, soll es sich nicht um eine Wiederholung handeln: alles aktuell politisch sich Ereignende findet nämlich seine Ursache in dem, das dort umfassende Er- läuterung erfahren hat. Diese Ihnen nun vorliegende Schrift taucht dieses dort Erläuterte der neoliberalen Doktrin in ein angemessenes Licht, so daß deutlich werde, wie _real_ das surreale Treiben von Figuren ist, die sich zur ǷElite“ zählen. ǷElite“? Gewiß — es ist jene der Lobbykratie.

Nun, jeder aufrichtige Dadasoph bzw. Surrealist muß sich persönlich angegriffen fühlen bei dem, was diese lobbykrati- sche Elite (__auch_!__) aus diesen Bewegungen gemacht hat. So bspw. aus Dada einen ǷDadaismus“. Eine Begriffsbildung, die lediglich in der Verbindung mit der neoliberalen Ideologie sinnhaltig sein kann: als Ausdruck der ihren Ideologen selbst unbewußt bleibenden Basis ihrer Theorie. Aus diesem Grund könnte man das lobbykratische Zeitalter als ǷZeitalter des DaǦ daismus‘“ bezeichnen — vorausgesetzt, man versteht darun- ter nichts, das der Dada-Bewegung _ursprünglich_ eigen war.1

(__Allein aus diesem Grund kann eine solcherweise strukturierte Gesell- schaft nicht einmal mehr ansatzweise etwas mit Demokratie zu tun ha- ben.__)

Erstmals offensichtlich geworden im ersten Teil des großen Krieges des zwanzigsten Jahrhunderts, wurden diese gesellschaftlichen und zugleich selbstzerstörerischen Prozesse dann in seinem zweiten Teil zur Perfektion gebracht. Deswegen ist es richtig, bezeichnet man die mit _diesen_ Prozes- sen einhergehende, unbewußte Inter_Aktion von Gesellschaft und Indivi- duum als Dada; wobei diese besondere Inter_Aktion ihren ersten Ausdruck in einer künstlerischen Bewegung fand, die als Dada-Bewegung deshalb zu bezeichnen ist, da es die mit feinen Antennen ausgestatteten Dadaisten wa- ren, die erstmals kollektiv das mit diesem quasi global sich auswirkenden gesellschaftlichen Zerstörungsprozeß einhergehende, sozusagen eruptiv kollektiv auftretende, unbewußt bleibende Unbehagen zum Ausdruck brachten.

Nun, da dieses Dada sich in der Folge nicht nur von den Dadaisten ab- schilferte und mählich zum kollektiven, unbewußt steuernden Prinzip der bürgerlichen, sich faschisierenden Gesellschaft wurde, sondern wegen des nicht nur Anhaltens dieser selbstzerstörerischen Prozesse, sowie wegen ih- res wieder Zunehmens seit dem Ende des Kalten Krieges, und _überdies_ of- fenbar wesentlich _unbewußt_ bestimmend das Theoretisieren

(__die Ideologie des Neoliberalis- mus‘ ist davon immerhin der Politik und Kultur dominierende Ausdruck [vgl. a.a.O., Teil 1]__)

, das Schreiben der Mitarbeiter der Medien_Konzerne sowie das Politisieren von Polit_Figuren (__vgl. den neunzehnten Zwischenruf: ǷRandständige AnǦ merkung zu Wahlkrämpfen und Müdigkeit“__), ist es berechtigt, das Fort- dauern Dadas (__also _ohne_ seine ursprüngliche Bewegung__) als Ƿgegen_wärtiges Zeitalter des Dadaismus‘“ zu bezeichnen.

Das heißt die Verwendung des an sich widersinnigen Begriffs ǷDadaǦ ismus“ kann als adäquate, wenn auch bewußt_los bleibende Bezeichnung des Ƿgegen_wärtigen lobbykratischen Zeitalters“ gelten, so er synonym steht für die, behauptet richtig theoretisiert daherkommende, hoheprie- sterliche Ideologie der marktkonformen Gesellschaft. Das heißt:

Dadaismus δ Dada, _hingegen_ Dadaismus = Neoliberalismus.

Also findet die bewußte Modell_Vorgabe der marktkonformen Gesellschaft mit ihrem Modell vom marktkonformen Menschen, dem Homo oeconomicus novus, die ihr selbst un_bewußt bleibende Entsprechung im Dadaismus, denn dieser Begriff suggeriert etwas theoretisiert zu haben, das nicht theo- retisierbar ist, nämlich die spontane, vom Un_bewußten herrührende in_di- viduelle Reaktion auf politisch initiierte gesellschaftliche Prozesse hin, was direkten Einfluß ausübt auf das Reden, das Tun und das Theoretisieren der Verantwortlichen dieses (__lobbykratischen__) Zeitalters (__des Dadais- mus‘__).

Erster Zwischenruf Leiden die Menschen an Demokratie-Verdrossenheit, wenn sie in einer Lobbykratie «leben»?

Die ǷDemokratie” ist ins Gerede geraten. — Sie scheint demnach anrüchig geworden zu sein. — Oder riecht sie etwa schon? Einige Verursacher der heutigen Verhältnisse

_g e b e n_

sich jedenfalls Ƿbesorgt”. Man weiß deshalb nie, ob diese ǷBeǦ sorgnis” als Drohung zu verstehen ist . . .

* * *

Es wird von ǷDemokratie” geredet, auch davon, daß viele Menschen in Europa nichts Ƿmehr” mit ǷDemokratie” anfanǦ gen könnten, ja, daß sie die ablehnten. Wovon gehen dabei die Verursacher der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse aus? Nun, Ƿbegründet” wird _diese_ Form von ǷVerdrossenǦ heit” immer mit der aktuell dominanten Herrschaftsform in

Europa. Entweder aber sind die Fragen bei (__später dann ver- öffentlichten__) Umfragen, die diesen ǷDemokratie_Verdruß“ feststellen, falsch gestellt — z.B. von fragwürdigen For- schungsinstituten der neoliberal organisierten Wirtschaft, de- ren Vertreter immer dann von ǷFreiheit” etwas verstehen, wenn es sich um jene partikularer Interessen handelt.

(__Woran mag es also liegen, daß diese neoliberalen Vertreter

_s o l c h e_

Freiheit politisch stets zu befriedigen verste- hen?2 Etwa daran, daß wir in einer ǷDemokraǦ tie“ lebten? Oder nicht eher daran, daß wir tatsächlich in einer ǷLobbykratie“ leben?3 __)

O d e r

die vermeintlich demokratie_verdrossenen Menschen gehen zwar schon von dem aus, was sie als ǷDemokratie“ vorgesetzt bekommen, und assoziieren das mit ǷDemokratie“, da sie we- der einen wirklichen Begriff davon haben, was ǷDemokratie“ zu heißen _hat_ noch wie sich das in der Praxis an_fühlen würde

— also im Gegensatz zur aktuellen Herr- schaftsform

, die zwar als ǷDemokratie” verkauft wird, aber ausschließlich den Namen Lobbykratie verdient.

Wenn es aber so ist

(__und genauso ist es!__)

, daß etwas Falsches (__Lobbykratie__) für etwas Richtiges (__Demokratie__) genommen wird, dann forderten all jene, die angeblich nichts mehr mit ǷDemokratie“ anzufangen wüßǦ ten, daß etwas nicht Existierendes abzuschaffen sei.4 Auf diese Weise könnte dann jenes, also

_n a c h d e m_

die Vertreter des herrschenden Systems, die solcher angeblicher ǷDemokratie_Verdruß” Ƿbesorgt” machte, ihm das ǷDeǦ mokratie-Mäntelchen“ abgenommen hätten, was

(__also dieses Mäntelchen__)

die Demokratie-Verdrossenen dazu gebracht hatte, ǷDemokratie“ nicht mehr zu wollen, könnte also

_b e q u e m_

in den Vordergrund treten die un_bekleidete Lobbykratie.

Ob damit den Demokratie-

Verdrossenen geholfen wäre?

Nun, gewiß ist jedenfalls, daß hierdurch allen Lobbykraten geholfen wäre:

Sie bräuchten dann gar nicht mehr so zu tun, _a l s o b_

sie etwas mit Demokratie zu tun hätten. Zu- dem bekäme das Durch_Regieren so erst ech- ten Speed.5

Nun, zwar mag das konsequent erscheinen, tatsächlich aber ist es das genau nicht. Hingegen konsequent ist mein Vorschlag einer politischen Fu- sion, sind doch, u.a., sowohl die CDU/CSU als auch die SPD ledigliche Flü- gelpaare der INeLiP. (__Vgl. zur INeLiP: a.a.O., Seite 36; Seiten 169-172, Fußnote 135, sowie Seite 630.__)

Auf Grund dieser politischen Faktenlage (__u.a. in Europa__) sei an dieser Stelle ein kleines, sozusagen definitionsgemäßes Beispiel für tatsächliche Demokratie gegeben:

Demokratie existiert dann, wenn _beispielsweise_ die Bevölkerung indirekt oder direkt den Vorstand eines Un- ternehmens wählen (__und entwählen__) kann, das

_w e g e n_

seiner Größe die Richtung der Gesellschaft regional wie global bestimmen

_kön n t e_.

Es ist kaum vorstellbar, daß die Masse der europäischen Menschen eine solche gesellschaftliche Einflußmöglichkeit abgeschafft sehen wollte, wenn diese Masse von sich behauptet, sie sei Ƿdemokratie_verdrossen“.

Was wird daraus ersichtlich? Nun, daß die Menschen zwar behaupten Ƿdemokratie_verdrossen“ zu sein

(__weil sie diese Verdrossenheit auf das herrschende System beziehen, das ih- nen von Lobbykraten als „Demokratie” verkauft wird__)

, tatsächlich aber mit dem _bestehenden_ System nicht einverstanden sind. Das heißt aber:

Seite | 10

_D a_

dieses System lobbykratisch ist, sind die Menschen ǷlobbykraǦ tie_verdrossen“.

Demokratisch gesinnte Politiker

(__in der real existierenden Lobbykratie__)

zögen daraus übrigens sofort die richtigen Schlüsse.

Das Problem für die derartig verdrossenen Menschen besteht nun leider darin, daß sie es meist nicht mit solchen Politikern, sondern immer dann mit lobbykratischen zu tun haben, wenn es um wirkliche Entscheidungsprozesse geht — und diese Prozesse ereignen sich nicht in den Parlamenten.

Von solchen lobbykratischen Politikern gibt es offenbar sogar eine ganze Reihe, deren ausschließliche Aufgabe darin zu bestehen scheint, die Menschen zu täuschen.

Lediglich _ein Beispiel solcher Täuschung_ erleiden die Grie- chen seit Januar 2015 mit der Wahl der aus sogenannten Ƿlin- ken“ Splitterungen bürgerlicher Parteien hervorgegangenen SYRIZA.6

die «Schutzbefohlenenǽ“, wird insbesondere darauf eingegangen. (__Vgl. auch am a.a.O., Kapitel 19: ǷZeit der Illusionisten“ und ǷAnstatt eines Nach- worts: Griechenland in der Chancenlosigkeit oder Das bürgerliche ‘Projekt Europa’ ist tot”.__)

Aus dieser politischen Faktenlage müssen nun die Menschen

(__also nicht nur in Griechenland, son-

dern überhaupt — z.B. in Europa__)

die richtigen Schlüsse ziehen. Einer dieser Schlüsse könnte folgender sein:

Da es offenbar nicht ausreichend ist, daß an einer gesellschaftlichen Institution «demokratisch» oder auf einer Parteifahne «links» steht, müssen ab jetzt zumindest die Vertreter solcher Parteien

(__die solche Adjektive für _sich_ attributiv beanspruchen__)

_p l a u s i b l e_

erklären können, wie sie dieses lobbykratische System

(__das _objektiv_ gesehen anti_demo-

kratische Entscheidungen nicht nur ermöglicht, sondern geradezu zum Existieren be_nötigt!__)

durch ein tatsächlich demokratisches ersetzen woll- ten.

Könnten sie das nicht erklären oder lehnten sie es gar ab, darauf überhaupt zu antworten, weil sie behaupten, dieses System sei relativ demokratisch und es müsse lediglich

(__im marktkonformen Sinne?__)

Ƿoptimiert” werden7

(__also wie üblich — nachdem sie dann gewählt worden wä- ren?__)

, sollte man solche Politiker und deren Parteien nicht mehr wählen — denn der behauptete ǷDemokratie-Verdruß” hängt u.a. mit solchen Figuren _direkt_ zusammen. Allerdings wird man gut daran tun, _jenen_ politischen Figuren _grundsätz- lich_ nicht zu trauen, die von Zeit zu Zeit heftigst links blinken, was bspw. in Sprüchen zum Ausdruck kommt wie: ǷWir schafǦ fen den Neoliberalismus ab“, so oder so ähnlich formuliert bspw. von einem Herrn Gabriel irgendwann im Mai des Jahres 2016, also lange nachdem er und seine Freunde die soge- nannte Agenda 2010 mit dem sozialen Knebelungsmittel ǷHARTZ IV“ eingeführt und verteidigt hatten und verteidigen. Bei der Partei ǷDie Linke“ ist diese Tendenz vergleichbar aus- geprägt8. Und was die Grünen anbelangt, möchte ich mich an dieser Stelle erst gar nicht äußern.9

Zweiter Zwischenruf In der Ferne der Bildung oder Die Schwarze Null

Bildungsferne

In der Ferne der Bil_dung Bil_dung in der Fern_e Ferne Bildung

Bildung in_so_fern Fern ge_bil_det

Fern-ge_steuerte Bil_dung Bild_fern_ung

Bild_leit_ung

Umlei_tung in den Bild_Dung

Bildungs_Dung _besser_ fern stin_kend_e Fehl_bil_dung

* * *

Fern von ǷBildungskanon“ bedeutet nicht un_gebildet, son- dern bildungskanon_los zu sein - oder ab_seits von (ver_?)lei- tender Bildung.

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Hat es nicht um Eigen_Bildung, Eigen_Aus_Bildung des In_di- viduums,

damit sich aus_bilde seine Eigen_Beurteilungsfähigkeit sozialer wie politischer Gegebenheiten

, hat es demnach _n i c h t_ um die Schaffung der dazu notwendigen Bedingungen zu gehen

— meint man ernsthaft Eigen_Verantwortung , also nicht, wie es verstanden werden _s o l l_

, trägt jemand neoliberaldoktrinär ǷEigenverantwortung“ _vor_?

Nun, eine solche Aus_Bildung ist aus meiner Sicht mit eine der vornehmen Aufgaben von Bildungspolitik. Denn in einer Wirtschaftsgesellschaft braucht man weitgefächert eigen_gefächert Gebildete, die in der Lage sind, sich einzustellen auf sich verändernde Anforderungen und

_d a n n_

erst sich zu spezialisieren und

_d e n n o c h_

stets fähig zu bleiben zur

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_G e s a m t s i c h t_

— also zum _Denken_ in Zusammenhängen.

Demnach ist _Bildung_ eine besondere Art und Weise der gesellschaftsbezogenen

Ent_Wick_e_lung

der Talente eines Individuums, bzw. _d e r a r t i g_ ist Bildung als politischer Auftrag zu verstehen. Gesellschaftsbezogen bleibende Aus_Bildung des im In_dividuum Ein_Gewickelten hat folglich Gegenstand von Bildungspolitik zu sein, hingegen nicht die

Ein_Wick_e_lung

des machtelitären Bildungskanons in es — um den sich _i n h a l t l i c h_

die entsprechende Machtelite und ihre Satelliten selbst einen Dreck scheren.

(__Dies ein Kanon also, der _inhaltlich_ in der neoliberalen Gesellschaft alles andere als ge- lebt wird.__)

Abgesehen davon, daß der Begriff Ƿbildungsferne Schichten“ etwas seltsam ist für eine Gesellschaft, die von sich behauptet eine demokratische zu sein, beruht er doch selbst auf seltsa- mer Annahme von Bildung, deren Inhalt keinen Niederschlag im gesellschaftlichen Leben findet. Eine ǷBildung“ zumal, der in dieser real existierenden lobbykratischen Gesellschaft selbst die _Begründung_ fehlt. — Oder kann man die Masse der Menschen hier als bildungs_nah bezeichnen, bekommen sie ihren Bildungs_Dung wesentlich massenmedial vorge- setzt?

Andererseits böte ein solcher Begriffsgebrauch (__Ƿbildungsferne Schichten“__) die Möglichkeit, sich Gedanken darüber zu machen, in was Bildung zu bestehen habe:

_Bildung_ ist in der Tat Aus_Bildung der auf die Gesellschaft bezogen blei- benden in_dividuellen Qualitäten ei- nes Menschen.

Spricht man jedoch von ǷBildungsferne“, so will man _was_ zum Ausdruck bringen? Etwa eine Charakterbildung, die fern einer speziellen oder eine, die fern einer allgemeinen Bil- dungsmatrize wäre?

Die Frage ist folgende:

Bildung bezogen auf was?

Oder:

Gebildetsein bezogen auf was?

_ Bildung bezogen auf „Technisches“?

_ Bildung bezogen auf „Kulturkanon“?

_ Bildung bezogen auf den einzelnen Menschen und die Gesellschaft?

_ Bildung als Kenntnis von dem, was als _S p e i s e_

braucht das _W e s e n_ des Menschen?

ǷBildungsferne“ demnach, bezogen auf eine bestimmte KulǦ tur, bspw. die Gepflogenheiten nicht zu kennen, die einen Small-Talk betreffen, oder ein _bißchen_ über solchen Talk hinausgehend, also daß einem nicht ein paar auswendig ge- lernte ǷBildungsbröckchen“ abzusondern möglich wäre - fal- len Namen?

_H i n g e g e n_

jemand etwas Eigentliches zwar könnte: Nämlich, bspw.,

ohne Nennung

, kantisch oder gar marxsch zu argumentieren in einem Gespräch — was dann schon den aufpodestierten Bildungskanon drohte in Schwankung zu versetzen, denn ǷBildungskanon“ heißt aller Erfahrung nach:

nicht gelebt, sondern eingeflochten „zitiert“

— zur Abgrenzung.

_D e n n_

, würde Ƿargumentiert“, im heutigen ǷLeben“ ging‘s doch nicht um stets nur _s o_ verstandenen ǷBildungskanon“, abǦ gesondert von jemandem in Sonntagsreden, sondern _darum_, daß _Ƿw i r“_ eine _ǷS c h w a r z e N u l l“_ zu feiern hätten

— also etwa _Ƿu n s“_?

_ ǷA l l e s g u t ?!“ _

_ ǷB e i I h n e n a u c h ?!“ _

In _diesem_ Sinne lediglich könnte aus meiner Sicht ǷBildungsǦ ferne“ zu verstehen sein, denn _f e r n_ von charakterlicher Aus_Bildung sind zumindest _s e h r_ viele der Verantwortlichen in dieser lobbykratischen Gesellschaft — und

_d a s_

ist es, was bis _tief_ in die Gesellschaft hinein Kreise zieht.

* * *

Nun gut, und gewiß, um meine Sicht geht’s dabei nicht:

Bildungsferne soll suggerieren, daß da jemand nicht kennt den Bildungskanon einer bestimmten Kultur, die von sich behauptet, Wert auf individuelle Freiheit zu le- gen. — In einer marktkonformen Gesellschaft?

Wie fern vom

Da_Sein

der Menschen doch daherquatschen die Bildungskanonisten der lobbykratischen ǷFassadenkultur“!

Dritter Zwischenruf Merkeleskes Land

Wer ist eigentlich verantwortlich für die praktizierte deutsche Politik? Wir wissen es nicht — müßte die Antwort lauten. Nun, zwar ist es so, daß ein Bundeskanzler, bzw. eine Bundeskanzlerin, dafür verantwortlich zeichnet

— d.h. offiziell zumindest.

Beispielsweise kommt aber eine Frau Merkel tatsächlich den von irgendwelchen, in unbekannt bleibenden Hinterzimmern tagenden Kungelrunden ausgekungelten politischen Vorga- ben gern und insbesondere dann nach, so sie die von den Lob- byisten der Exportindustrie, wozu auch die Rüstungsindustrie gehört, sowie von jenen des Dienstleistungssektors zuge- steckt bekommt — vorausgesetzt, daß der Teil des sogenann- ten privaten Finanzmarktes sei, wo es ja meist _Ƿverbrieft“_ zugeht. _„Weiß“_ sie doch, daß man lediglich den Lobbyisten machtvoller wirtschaftlicher Einzelinteressen nachzugeben habe. Also zumindest sinngemäß nicht anders als ein Herr Schröder es bereits in der Übergangszeit vom zwanzigsten auf das einundzwanzigste Jahrhundert u.f.Z. meinte zu wissen und deshalb glaubte, es reiche, abzusondern einen Spruch wie: Ƿich werde niemals etwas gegen die Wirtschaft tun“, als er dabei war, in Ermangelung eigener Überlegungsmöglich- keiten, eine von der Bertelsmann Stiftung zur Verfügung ge- stellte, mit dem Label ǷAgenda 2010“ versehene, aktualisierte Blaupause des sogenannten Lambsdorff-Papiers in praktische Politik umzusetzen, und ansonsten ausreichend sei der Glaube an die mysteriöse unsichtbare Hand des Marktes.10 So- wie der

(__dann reflexhaft folgerichtige__)

Glaube an die ǷAusterität“ — ein Begriff, den Frau Merkel vor einiger Zeit für sich entdeckt hat, d.h. sie findet allein schon schön das Wort.11

Marktwirtschaft normalerweise _primär_ genau jene sein müßten, die sich in einer Gesamtwirtschaft zu verschulden hätten, nämlich die Unternehmer (__zum Zwecke der Investition in ihren eigenen Betrieb, siehe hierzu a.a.O., Kapitel 19__). Eines der schädlichen Ergebnisse

(__ohne allerdings ihre Ursache zu benennen__)

einer solchen Austeritätspolitik wird dann zwar heuchlerisch beklagt, wenn alle überrascht tun, werden Inhalte von Dossiers öffentlich, die Kunde geben von extrem weit jenseits jeder ǷAusterität“ liegenden Verhaltensweisen soǦ genannter Leistungsträger, wie es im April des Jahres 2016 mit den soge- nannten Panama Papers der Fall war — und manche Heuchler sich sogar richtig wütend gaben, so geradezu exemplarisch ein Herr Schäuble, dessen Heuchelei auf diese Weise besonders offensichtlich wurde. Denn sicher ist, daß dieser Herr davon schon seit dem Jahre 2007 weiß (__vgl. a.a.O., Seiten XXV f., Fußnote 13__). Und geradezu gefährlich wird es, verlangen solche Heuchler, daß ǷAusterität“ nun für die Masse der Europäer zu gelten habe.

* * *

Austerität ist Ausdruck einer gefährlichen Politik, denn es wird etwas, das auf der persönlichen Ebene als ok gelten kann, auf eine Ebene übertragen, wo eine ǷSparpolitik“ genau gegenteilig wirkt: das ist die Ebene der GesamtǦ wirtschaft.

Denn weder können alle sich gleichzeitig verschulden noch können alle gleichzeitig sparen. Mehr noch:

Will jemand sparen, so muß sich ein anderer verschulden (__vgl. bspw. a.a.O., achtes und neuntes Kapitel__).

_Verlangen_ aber (__insbesondere in einer Währungsunion__) die Verant- wortlichen _eines_ Nationalstaates (__gepuffert über eine institutionalisierte Kommission__) von den Verantwortlichen anderer Nationalstaaten (__die, zusammen mit diesem, Mitglieder in einer gemeinsamen Währungsunion sind__), sie müßten sparen (__wenn jener Nationalstaat von seinem zwang- haften Sparen selbst nicht lassen will__), ist das Ausdruck eines so tiefgrei- fenden Mißverständnisses wie einer kaum zu toppenden Heuchelei.

* * *

Der Begriff ǷAusterität“ kommt übrigens aus dem Französischen und wird dort einmal adjektivisch (__austère__) verwendet, will man bspw. das Verhalten oder den Charakter eines Menschen bezeichnen:

- Ƿ(sitten)streng“ lebend

(__das meist allerdings lediglich von anderen fordernd — selbst braucht ein „Sittenstrenger“ das nicht _sooo_ genau zu nehmen, denn er ist ja schon streng „sittenstreng“ — mitunter ist von solchen Heuchlern in der Zeitung zu lesen__)

- Ƿstrenge Disziplin“ übend

(__auch das allerdings meist lediglich von ande- ren fordernd — selbst braucht man auch das nicht _sooo_ genau zu nehmen, denn wer ande- ren „strenge Disziplin“ auferlegt, beweist ja alǦ lein dadurch, daß er sich selbst „strenger DisziǦ plin“ unterwirft — mitunter ist auch von solchen Heuchlern in der Zeitung zu lesen__)

, oder es wird verwendet

- im Sinne von Ƿstrengen Sitten“

(__die für die Propagandisten solcher „Sitten“ i.d.R. selbst keine Gültigkeit haben__)

- oder im Sinne von Ƿstrenger Erziehung“.

(__In der nicht unbedingt eine gute Lehrme- thode zum Ausdruck kommen muß, sondern gar nicht selten eine gewisse Art von Sadismus__)

_Oder_ das Adjektiv austère dient der Bezeichnung eines Ƿun_nachgiebigen Verhaltens“ — schwierig bis unmöglich in einer Gemeinschaft zu leben mit einer, ein solches Verhalten _gewohnheitsmäßig_ zeigenden Figur, die sich selbst an ihre Forderungen nicht hält. Genau dies ist das von der deutschen politischen Kommando-Truppe praktizierte Verhalten:

De politique austère de manière âpre- ment exigeante, was soviel wie Spar- politik in _barsch_ forderndem Ton be- deutet.

Ob auf diese Weise zu erwarten ist, daß Ressentiments ohne Nahrung blei- ben?

Aber auch in der bildenden Kunst, wie bspw. in der Architektur, oder in der darstellenden Kunst, wie bspw. im Bereich des Theaters, spricht man mitunter von einem style austère, bei dem es sich demnach um einen ǷnüchǦ ternen“, einen Ƿschmucklosen“ oder um einen Ƿstrengen“ Stil handelt.

Vergleichbares gilt folglich fürs Nomen austérité (f.), das insbesondere in _dem_ Sinne verwendet wird, wie Frau Merkel es schön findet: La politique d’austérité. Eine solche ǷSparpolitik“ ist aber für jede Währungsunion tödǦ lich, sie führt zu gesellschaftlichem Siechtum, nicht zu Prosperität. — Und wer den heute jungen Leuten erzählt, daß eine gesamtwirtschaftliche Spar- politik gut für _ihre_ Zukunft sei, der lügt ihnen auf _arglistige_ Weise etwas in die Tasche, für das sie keine Verwendung haben werden.

(__Jenes, das die Ƿnachwachsenden Generationen“ tatsächlich beǦ nötigen, ist nicht über eine gesamtwirtschaftliche ǷSparpolitik“ zu leisten, sondern über eine Politik, wie sie a.a.O. erläutert wird: siehe hierzu die Seiten 597-602, inklusive der Fußnote 473.__)

Übrigens, wie so oft, findet der Begriff ǷAusterität“ seinen tatsächlichen UrǦ sprung im Griechischen, zu uns gekommen über das Lateinische, wo er als Adjektiv auftaucht und austerus heißt, wobei es noch über einen etwas er- weiterten Bedeutungshorizont verfügt, wozu auch Ƿdüster“ oder Ƿfinster“ gehören, wird austerus oft in der Wendung von Ƿstreng riechend“ oder ǷbitǦ ter (__im Geschmack__)“ verwendet: _Hier_ , also bezüglich des Bitteren, findet sich wohl der eigentliche Grund für die symptomatische Behauptung einer Frau Merkel, ǷAusterität“ sei schön: denn in einer gewissen Vorstellung von Christentum, gilt das Bittere im Leben geradezu als _das_ Muß: das ǷLeiden“, der ǷVerzicht“ als wichtige Eigenschaft des menschlichen Lebens behauptet.

(__Und setzt man dies als gesellschaftliche Norm, bildet das _kollektiv_ entsprechende Cha- raktere aus.__)

Diese _Ƿwichtige Eigenschaft des Lebens“_ gewinnt aber insbesondere dann ihre Bedeutung, hat man das _Lebendige_ getötet: bspw. in sich selbst — mag man auch biologisch noch _lebend_ sein.

Nun, das Lateinische austerus geht auf das Griechische austeros zu- rück, das soviel wie Ƿherb, Ƿsauer“, Ƿstreng“, Ƿhart“ oder auch Ƿunfreundlich“ bedeuten kann. Folglich ist die ursprüngliche Verwendung des Nomens au- stería (f.) keine andere: ǷHerbheit“, ǷErnst“, ǷStrenge“, ǷUnfreundlichkeit“.

Nicht ohne Interesse ist nun, daß austeros auf hauros zurückgeht, das soviel wie Ƿtrocken“ bedeutet.

So daß man sagen könnte, daß das Problem an der ǷAuǦ sterität“ darin besteht, daß ihr die _Feuchte des Lebendi- gen_ fehlt.

Wie jemand so etwas _Ƿschön“_ finden kann, erschließt sich mir nicht. Seite | 27

Nun, verwendet Frau Merkel den Begriff Austerität, handelt es sich vermutlich um ihren eigenen Reflex auf ihre eigene Be- merkung hin:

ǷWir haben über unsere Verhältnisse gelebt“12

, was auch verstanden werden kann als Ausdruck eines Den- kens, dessen Gedanken den Charakter von Reflexen haben. Offenbar eignet sich Austerität bestens als Label für soge- nannte Strukturreformen in ganz Europa, die von den Mach- teliten der anderen neoliberalen Nationalstaaten Europas gut- geheißen werden

— solange jedenfalls

, bis dort je die Bevölkerung anfängt zu merken, daß sie kol- lektiv verschaukelt wird. Dann werden diese Eliten nämlich, zur Ablenkung der sich bedrohlich gegen sie richtenden Wut (__wie’s also so üblich ist in machtelitären Kreisen13 __) auf die Verursacher des nun Kauderwelsch14 sprechenden Europas weisen — na denn …

* * *

Nun, dies war lediglich ein kleiner Ausflug, veranlaßt durch die eingangs dieses Zwischenrufs gestellte Frage:

Wer ist eigentlich verantwortlich für die praktizierte deutsche Politik?

und die zu keiner Klärung beitragende Antwort darauf:

Wir wissen es nicht, müßte die Antwort lauten.15

So läßt sich bspw. fragen, wie groß der Anteil dieser Politik an den Fluchtursachen in Ländern oder gar in ganzen Teilen von Kontinenten war (__und ist__), als die jahrzehntelange Frontex-Praxis kurzzeitig nicht mehr un_beobachtet vollzo- gen werden konnte — nachdem es im Mittelmeer zu

_u nüb e r s e h b a r e m_

Massensterben von Menschen auf der Flucht gekommen geworden durch das _Hineinpressen_ des an sich vielfältigen deutschen Individuellen in den preußischen _Einheitsstaat_. (__Vgl. hierzu insbesondere a.a.O., Seiten 490-493, Fußnote 414.__)

Mitte des Jahres 201516 ? Menschen, die primär nämlich aus vom ǷWesten“17 bewußt destabilisierten Ländern kommen.

Oder die sozusagen nation_modelling_mäßig18 aus der Taufe gehoben worden waren — und zwar aus niederen Beweggrün- den.

Wie groß mag also der Anteil solcher Politik daran sein, daß Menschen massenhaft flüchten müssen?

Wie bspw. aus dem Kosovo?

Von dem schon bei seiner Anerkennung als Staat im Jahre 200819 bekannt war, daß es sich um einen Ma- fiastaat handeln würde: anerkannt übrigens von einer Regierung, die genauso von Frau Merkel geführt wor- den ist, wie es bei Drucklegung dieses Buches unver- ändert galt (__hie und da personell gewechselt__) und sie gewiß auch weiterhin Ƿihre“ Partner finden wird.

Oder bspw. aus Syrien?

Primär verursacht durch die ǷElitestaaten“ der Welt

(__wozu sich Deutschland unbedingt zählt__)

, sind dort große Teile der Bevölkerung heute vor al- lem mit dem Überleben auf der Flucht beschäftigt.

Oder aus dem politisch kaputten Nordafrika? Aus Mali?

Aus Usbekistan?

Aus der Ostukraine?

Nun, _diese_ Frage können wir relativ beantworten:

Die Menschen aus der Ostukraine sind vor al- lem nach Rußland geflohen — kaum jedenfalls in die Ukraine des Marionettenregimes des ǷWestens“ in Kiew.20

Oder wie groß ist daran der Anteil jener,

die Griechenland verlassen, da sie dort ohne Perspektive sind — kaputtgemacht wie dieses Land nun ist vom ǷKauderwelsch sprechenden Europa“?

Und wer ist eigentlich verantwortlich für die Situation in

_d i e s e m_

Land, wo der soziale Druck seit Jahren steigt — wegen seit schon fast Jahrzehnten unzureichender Lohnsteigerungen für die Masse der Menschen, maroder Infrastruktur, Kappung so- zialer Leistungen, der Unmöglichkeit, eine Altersvorsorge zu betreiben, die den Namen auch verdient? (__Siehe als an- schauliches Beispiel hierzu: ǷHeute ist Deutschland wieder ein erfolgreiches und starkes Land“21.__)

Nun, ver_antwortlich

für die praktizierte deutsche Politik können die bürgerlichen Parteien und ihre Vertreter sowie die von ihnen genutzten Institutionen wie bspw. Verfassungsschutz, andere Geheimdienste, Polizei, jedenfalls nicht sein, sondern nur

un_verantwortlich

, denn _d i e s e_ sind es, die diese in_akzeptable Politik betreiben bzw. umsetzen.

_L e d i g l i c h e i n E r g e b n i s_

in_akzeptabler Politik sind dann aber solche Widerlichkeiten, wie geschehen im August des Jahre 2015 in der sächsischen Kleinstadt Heidenau. Allerdings sollte man die nicht abtun als schockierende Zufälligkeiten. Nein, da steckt weit mehr da- hinter. Man muß sogar von behördlicher Absicht ausgehen, denn, abgesehen von der Un_Verantwortlichkeit, ein marodes Gebäude mit völlig unzureichender sanitärer Einrichtung als Unterkunft für Flüchtlinge zu wählen und der Fragwürdigkeit der Wahl einer Gemeinde mit stark vertretener NPD im Rat, war die Polizei kaum aus Fahrlässigkeit nur so schwach vertre- ten22, denn eine Verquickung zwischen rechtsextremen Kräf- ten und (__wahrscheinlich nicht nur__) der sächsischen Politik und ihren Institutionen, würde man wohl feststellen müssen — wollte man das nur recherchieren.

Wer von den schreibenden Mitarbeitern der Medien_Konzerne wollte das aber schon leisten

(__und sogar angemessen veröffentlichen__)23

— wenn hinter dieser ǷPolitik“ die Absicht steckt, vom BankǦ rott des bürgerlichen Systems abzulenken? Da unterstützt man lieber die offizielle Politik24 oder / und gibt der offiziellen Politik Ratschläge, deren Inhalt sie sowieso praktizieren will

— also vermeintliche Ratschläge.

* * *

Nun, was in diesem Zwischenruf lediglich zum Ausdruck zu bringen war, ist der schlichte Hinweis darauf, daß es mich nicht überzeugt, wenn eine Frau Merkel

(__als Hauptverantwortliche der prak- tizierten deutschen Politik, ob in Deutschland oder in Europa, und über- all dort, wo die deutsche Politik ihre Fin- gerchen mit drin haben will__)

, sich empört zeigt über soziale und politische Auswirkungen neoliberaler Politik in jenen Gegenden, aus denen so viele Menschen fliehen.25

Ist aber, und andererseits, in einer Situation der sich im- mer mehr chaotisierenden nationalstaatlichen Strukturen

(__als eine weitere Konsequenz aus der

praktizierten neoliberalen Doktrin__)

, folgt man der von Herrn Gauck in seiner Eigenschaft als Bundespräsident anläßlich der Münchener Sicherheitskonferenz im Jahre 2014 abgesonderten Aussage

(__als Ausdruck der von entsprechen- den Kreisen geforderten, nun forciert zu betreibenden politischen Linie__)

, nicht von deutscher Seite jetzt _endlich_ Ƿmehr Verantwortung“ zu übernehmen?26 Muß der deutsche militärische Arm des Neoliberalismus‘27 jetzt nicht aktiv werden am Ort der Entstehung von Flüchtlingsbewegungen — ausgestattet mit einem robusten Mandat selbstverständlich

(__damit ein Menschenrechtskrieg auch „richtig“ geführt werden kann__)

, und, genauso selbstverständlich, nicht allein, sondern mit den militärischen Armen anderer Länder in einer ǷKoalition der Willigen“ o.ä.?

Um es auf den Punkt zu bringen:

Macht es mal halblang, Ihr klei- nen wie großen Heuchler!28 29

Vierter Zwischenruf

Satirische Reflexion über eine als Satire

daherkommende, andere verdummende Dämlichkeit

Heiner Flassbeck stellt in einem seiner auf Makroskop.eu erschienen Artikel die folgende rhetorische Frage:

ZITAT

[...] Wie weit muß ein Sender (und ein Land) von der Bereitschaft entfernt sein, sich offen mit einem entscheiden- den Punkt seiner Wirtschaftspolitik auseinanderzusetzen, wenn einfache logische Zusammenhänge, die kein vernünftiger Mensch auf der ganzen Welt bestreiten würde [...], satirisch behandelt werden? Ist das die letzte Form, sich vor der Logik drücken und auf Beifall vom Publikum hoffen zu können?30

Nein, das sieht lediglich nach Satire aus, ist aber _a n d e r e_

verdummende Dämlichkeit.

(__Die man GEZ-mäßig auch noch bezahlen muß!__)

Nun sagt man zwar, daß der Mensch dächte, Gott aber lenke. Insofern es also gar nicht erheblich wäre, ob jemand tatsäch- lich dächte, sondern es schon reiche, wenn er das meinte.

Was also, wenn jemand

_ als potentiell vernunftbegabtes W E S E N _ _d e n k t_

er habe gedacht, als er tatsächlich etwas lediglich gemeint hatte?

[...]


1 Unglücklicherweise nennen Leute, von denen andere wiederum ab- schreiben, die Dada-Bewegung auch ǷDadaismus“. Das aber ist ein WiderǦ spruch in sich. Denn Dada ist vor allen Dingen die un_bewußte Reaktion des menschlichen Wesens auf die durch die bürgerliche Gesellschaft verursach- ten und mit dieser Gesellschaftsformation einhergehenden zerstörerischen sozialen Prozesse — als Ausdruck und Ergebnis der Reduzierung des menschlichen Wesens auf die Bedürfnisse eines ǷMarktes“, der nichts in eine Gesellschaft organisch Eingebettetes ist, sondern der nach einem künstlich gesetzten Prinzip funktioniert, und dessen Hohepriester von den Menschen fordern, gleicherweise funktionierend, sich Ƿmarktkonform“ zu verhalten. (__Vgl. a.a.O., Seiten 12-14, Fußnote 12.__)

2 Immerhin sind es die gesellschaftlichen Machtgruppen (__zusammengefaßt als ǷMachtelite“ eines Staates__), die die politische Richtung vorgeben — wenn sie sich auch nie zufrieden geben können mit _ihrem_ Grad an ǷFreiheit“, sprich: mit ihren Sonder_Rechten.

3 Vgl. auch a.a.O., Seiten 97 ff.

4 Die tatsächlich existierende, mit dem Label ǷDemokratie” versehene Lobbykratie, versuchen übrigens moralisch wie politisch fragwürdige Figuren mit _dem_ Trick den Menschen zu verkaufen, diese Herrschaft sei nun einmal eine Ƿmarktkonforme Demokratie”. (__Von solchen Tricksereien rührt — zumindest unbewußt — auch der eigentliche Verdruß bei den Menschen her, denn richtig müßte es ja heißen: Ƿdemokratiekonforme Marktwirtschaft”. — Zudem wäre eine andere Bezeichnung als diese in einer tatsächlichen Demokratie gar nicht denkbar.__)

5 Vermutlich sind in diesem marktkonformen Sinne Vorschläge zu verstehen, wie jener einer politischen Figur der SPD, die im Juli des Jahres 2015 u.f.Z. symptomatisch meinte, zukünftig auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten zu sollen. (__Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/torsten-albig-spd- braucht-keinen-kanzlerkandidaten-a-1045090-druck.html. _ Dieser Internet-Pfad ist am 21. Juni ’16 geprüft worden.__)

6 SYRIZA bedeutet soviel wie ǷKoalition der radikalen Linken“ und ist eine klassische Mogelpackung sogenannter linker Tamtam-Parteien, bzw. bürgerlicher Ƿlinker“ Parteien. (__Zu Ƿlinken Tamtam-Parteien“ siehe: a.a.O., Seite 634__). In den Zwischenrufen sechs: ǷIst es eine Frage, ob Herr Tsipras sich zum Knecht der Macht macht?“ und sieben: ǷHerr Tsipras und

7 Eine Redewendung ist dann bspw. die, daß jemand auf Kritik an der Verfaßtheit neoliberaler Gesellschaften antwortet, wir hätten eine ǷrepräǦ sentative Demokratie“. Nun weiß ich aber, was eine Ƿrepräsentative DemoǦ kratie“ be_nötigt, offenbar im Gegensatz zu einem solchen Jemand. Denn eine Ƿrepräsentative Demokratie“ funktioniert lediglich dann, wenn _alle_ politischen Entscheidungsprozesse transparent sind, nicht aber, wenn die Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen und diese zudem von Lobbyisten bestimmt werden.

8 Näher erläutert a.a.O., Seiten 36 f., sowie dort exemplarisch auf den Seiten 630-633.

9. . . statt dessen sei bspw. verwiesen auf Kapitel 14: ǷDie Politik bürgerlicher Nichtversteher“, in: a.a.O., Seiten 276 ff.

10 Vgl. zur Ƿunsichtbaren Hand“: a.a.O., Seiten 607 f., Fußnote 476, und Seiten 609 f., Fußnote 478.

11 Daß für Frau Merkel der Begriff ǷAusterität“ einen so Ƿschönen“ Klang hat, könnte u.a. etwas mit ihrem Aufwachsen in einem protestantischen Haushalt zu tun haben: persönliche ǷSparsamkeit“, persönliche ǷKargheit“ und persönlicher ǷVerzicht“, sowohl materiell als auch gefühlsǦ mäßig, spielen in protestantistischen Haushalten nicht nur eine große Rolle, sondern gelten auch als Bedingung für Erfolg, der dann als Ausdruck glaubensmäßig richtigen Verhaltens gewertet wird. Nun ist nichts dagegen zu sagen, wenn sich jemand _persönlich_ ka- steien und _persönlich_ in Askese leben will, denn das betrifft lediglich ihn selbst. Ein solches Streben wird ab dem Moment aber fragwürdig, verlangt man das von anderen auch. Mehr als nur fragwürdig wird es allerdings, ver- langt man das von der Masse der Bevölkerung, während es für jene nicht gilt, denen Sonder_Rechte zugeschanzt worden waren (__und werden__) — wozu bspw. eine schädliche ǷJahrhundertsteuerreform“ eines Herrn Eichels gehört, die erst das Zocken _solcher_ Leute ermöglicht hatte, die in einer

12 Vgl. a.a.O., Seiten 251-253, Fußnote 208, denn dort wird angemes- sen erläutert, was von einem solchen Reflex_Denken tatsächlich zu halten ist — und insofern kein gutes Licht wirft auf all jene, die das Merkeleske daran nicht erkennen.

13 Vgl. a.a.O., Seiten 320-341, dort die Erläuterungen zu dem, das richtig umschrieben ist mit der Bemerkung: ǷBevor die Machteliten die Macht teilen, hetzen sie eher die Völker aufeinander“.

14 Zwar Deutsche, sind es vor allem jene sich charakterlich durch ihr Gebundensein an die wilhelministische Tradition Ƿauszeichnenden“ Politi- ker, die ein solches Kauderwelsch bezeichnen als: ǷEuropa spricht Deutsch“. Übrigens aus dem Grund Ƿzwar Deutsche“, da die Annahme eine nicht nur deutsche kollektive Illusion ist, diese Tradition sei per se Ausdruck für ǷDeutschsein“. Denn diese ǷMentalität des Wilhelminismus‘ ist erst möglich

15 Beziehungsweise in dieser Antwort liegt insofern etwas Klärendes, da auf diese Weise auf die ganze Fragwürdigkeit der von der deutschen Kommando-Truppe praktizierten Politik lediglich _angespielt_ wird.__)

16 Das UNHCR nannte am 22. September die Zahl der im Jahre 2016 bis zu diesem Datum im Mittelmeer umgekommenen Menschen auf der Flucht: 3.358. Im ganzen Jahr 2015 waren es: 3.771. (__Vgl. den achtundzwanzigsten Zwischenruf: ǷWie das fürchterliche Wort ‘Flüchtlingspolitik’ erst seine eigentliche Bedeutung bekommt“.

17 Das heißt genau immer dann auch von der deutschen Politik praktiziert, wenn man mitmachen Ƿdurfte“. — Nun, nachdem man schon weit offener von Krieg sprechen kann,

werden sie als Menschenrechtskriege bezeichnet, die mit dem Angriffskrieg gegen Serbien im Jahre 1999 u.f.Z. eröffnet worden sind (__vgl. a.a.O., Ka- pitel 14: Die Politik bürgerlicher Nichtversteher__), so daß die Bevölkerung
, zudem unzureichend informiert und zusätzlich abgelenkt
, über einen semantischen Trick, etwas mit Krieg verbinden kann, das nach ǷEinsatz für MenschenǦ rechte“ aussieht
, kann das deutsche Führungspersonal schon Ƿfreier“ über den BeǦ griff ǷKrieg“ verfügen:
Denn es ist noch so viel zu tun, damit der ǷneolibeǦ rale Friede“ über die _ganze_ Welt komme.

18 Dieser Prozeß wird oft irreführend als nation_building bezeichnet, geht es bei diesem Prozeß doch genau _nicht_ um einen wie auch immer zu verstehenden ǷVolksbildungsprozeß“ (__als sei der mal eben so auszulö- sen__), sondern es geht um das ǷModellieren“ von sozialen Gebilden, die im Sinne der neoliberalen Doktrin funktionieren und die globale nationalstaat- liche Kleingartenanlage Ƿergänzen“ sollen — als neoliberale Protektorate. (__Vgl. a.a.O., Kapitel 13: ǷDie Welt als ‘Hinterhof’ der Machteliten oder Der Nationalstaat als grundsätzliches Problem für Frieden — dokumentiert am Beispiel der ‘Sicherheitspolitik’ der USA seit dem Ende des Kalten Krieges“; vgl. in diesem Zusammenhang insbesondere dort die Seite 256.__)

19 Vgl. den neunten Zwischenruf: ǷDie Reanimation der ersparten Kultur“.

20 Vgl. a.a.O., Kapitel 14: ǷDie Politik bürgerlicher Nichtversteher“, Seiten 277 f., dort insbesondere den in der Fußnote 239 in betonte Paren- these gesetzten Text, in dem u.a. auf zwei Untersuchungsergebnisse hinge- wiesen wird, die den heutigen desolaten Zustand der ukrainischen Gesell- schaft belegen. Ein Zustand, der deutlich schlechter ist als jener _vor_ dem, auch von der deutschen Seite geförderten und gewollten Putsch in Kiew be- standen habende.

21 Diesen Artikel von Stefan Dudey finden Sie im Archiv des Online- Wirtschaftsmagazins Makroskop unter folgender Internet-Adresse: https://makroskop.eu/2013/09/heute-ist-deutschland-wieder-ein-er- folgreiches-und-starkes-land/#_ftn1. Dieser Pfad ist am 28. Juni ’16 geprüft worden. Falls Sie die _aktuelle_ Entwicklung recherchieren wollten, sollten Sie also nicht überrascht sein, stellten Sie eine sich fortsetzende Verschlech- terung fest.

22 Knapp 140 Polizisten gegen 1.000 anerkannte Rechtsextreme — die zahllosen verkappten Sympathisanten im ganzen Land sind hingegen nicht so leicht zu zählen.

23. . . denn die Karriere wäre dann wohl geknickt . . .

24. . . und pocht (__etwas merkelesk__) zugleich auf Unabhängigkeit der ǷVierten Gewalt“, sollte das kritisiert werden . . .

25 Nun, andererseits, und glaubt man den offiziellen Verlautbarungen, soll die ǷFreiheit” schon erfolgreich verteidigt worden sein am Hindukusch.

26 Ist es nicht seltsam, daß stets dann von chaotisierten Weltgegenden und von ǷVerantwortung übernehmen“ gesprochen wird, wenn die Verursa- cher von sozialer Chaotisierung, die daraus resultierenden Konflikte militä- risch Ƿbefrieden“ wollen? (__Vgl. auch a.a.O., Kapitel 18: Eine kurze Beschäf- tigung mit der Frage nach der neoliberalen Strategie des „Westens“ und der Funktion seiner Medien bei der Vermittlung dieser Strategie, Seiten 457-460, Fußnote 390.__)

27. . . als „Bundeswehr“ läßt sich ein solches Gebilde jedenfalls nicht mehr bezeichnen — ich kann das beurteilen: da war ich nämlich selbst mal drin.

28 Vgl. a.a.O., Kapitel 14-17.

29 Dieser Text ist am 27. August ’15 auf der deutschsprachigen BlogSite des EndemannVerlags: NetzKolumnist.com erschienen, als direkte Reaktion auf die als ǷWillkommenskultur“ verpackte und gewiß von vielen in der Bevölkerung so gemeint gewesene ǷFlüchtlingspolitik“, die aber of- fenbar genau anders herum zu interpretieren ist. (__Vgl. Zwischenruf 28.__)

30 Quelle: Heiner Flassbeck: Ben Bernanke und der Deutschlandfunk - klares Denken versus verwirrte Satire; dessen folgender Pfad zum Archiv des wirtschaftspolitischen Internet-Magazins Makroskop - Kritische Analysen zu Politik und Wirtschaft führt und am 1. Juli ’16 geprüft worden ist: https://makroskop.eu/2015/07/ben-bernanke-und-der-deutschland- funk-klares-denken-versus-verwirrte-satire/. Mit freundlicher Genehmi- gung.

Ende der Leseprobe aus 329 Seiten

Details

Titel
Zwischenrufe in satirisch-politischen Variationen
Untertitel
Reale Betrachtungen dadaistisch-surrealer Phänomene in der Lobbykratie
Autor
Jahr
2016
Seiten
329
Katalognummer
V352276
ISBN (eBook)
9783668389281
Dateigröße
3260 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Neu verlegt unter: „Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters“ mit der ISBN 978-3-9819719-0-3
Schlagworte
zwischenrufe, variationen, reale, betrachtungen, phänomene, lobbykratie
Arbeit zitieren
Joachim Endemann (Autor), 2016, Zwischenrufe in satirisch-politischen Variationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352276

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