Eignen sich Anti-Aggressivitäts-Trainings im Umgang mit Jugendkriminalität? Methoden der konfrontativen Pädagogik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Jugendbegriffs

3. Definition und Formen
3.1 Definition abweichendes Verhalten
3.2 Formen abweichenden Verhaltens

4. Jugendkriminalität als Form abweichenden Verhaltens
4.1 Definition der Jugendkriminalität
4.2 Ursachen der Jugendkriminalität
4.3 Entwicklung der Jugendkriminalität

5. Die Konfrontative Pädagogik als Lösungsansatz
5.1 Die Konfrontative Pädagogik
5.2 Das Anti-Aggressivitäts-Training
5.3 Das Anti-Aggressivitäts-Training als Lösungsansatz gegen die Jugendkriminalität

6. Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Umgang mit abweichendem Verhalten (Devianzpädagogik)“ befasst sich die vorliegende Ausarbeitung mit der Jugendkriminalität als Form von abweichendem Verhalten von Jugendlichen in Verbindung mit dem Lösungsansatz der Konfrontativen Pädagogik am Beispiel des Anti-Aggressivitäts-Trainings. Hierfür wird der Begriff der Jugend, sowohl aus rechtlicher als auch aus wissenschaftlicher Sicht definiert und anschließend der Begriff des abweichenden Verhaltens unter den Devianzarten/ -feldern von Dollinger und Raithel dargestellt und dessen Erscheinungsformen geschildert.

Des Weiteren wird aufgrund der Fülle an Formen von abweichendem Verhalten die spezielle Form der Jugendkriminalität definiert und dessen Ursachen näher beleuchtet. Für die Darstellung der Entwicklung der Jugendkriminalität wird die Polizeikriminalstatistik hinzugezogen und durch zwei Aspekten kurz verdeutlicht.

Anschließend wird die Konfrontative Pädagogik als Oberbegriff für spezielle Handlungsstrategien erläutert und die konfrontative Methode des Anti-Aggressivitäts-Trainings als Beispiel beschrieben. Darauffolgend wird die Frage nach einem Lösungsansatzes in Form des Anti-Aggressivitäts-Trainings gegen die Jugendkriminalität diskutiert. Wobei hier Befürworter und Kritiker gegenübergestellt werden mit dem Ziel der Prüfung für die Eignung des Anti-Aggressivitäts-Trainings als Lösungsansatzes.

2. Definition des Jugendbegriffs

Nach deutschem Recht ist ein Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Im Jugendgerichtsgesetz (JGG) ist dies beispielsweise in §1 Absatz 2 näher geregelt: „Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist.“ (Ulrich Stascheit 2015, S. 2176). Daneben ist im Sinne des achten Buches des Sozialgesetzbuches nach § 7 ein „Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist, junger Volljähriger, wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist.“ (Ulrich Stascheit 2015, S. 1281).

Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel weisen in ihrem Buch „Lebensphase Jugend - Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung“ darauf hin, dass Jugend nicht alleinüber körperliche Entwicklung definiert wird, sondern, dass es eine durch verschiedene Faktoren bestimmte Phase im Lebenslauf des Menschen ist. So beeinflussen kulturelle, wirtschaftliche, soziale und ökologische Faktoren das Individuum, wodurch die Länge und Ausgestaltung der „Lebensphase Jugend“ individuell betrachtet werden sollte (vgl. Hurrelmann/ Quenzel 2012, S. 11).

Durch diese unterschiedlichen Begriffsdefinitionen aus rechtlicher und wissenschaftlicher Sicht ist es schwierig eine einheitliche Definitionüber den Begriff der „Jugend“ zu erhalten. So wird der Begriff „Jugend“ als Zeitspanne in der Biografie angesehen steht aber auch unter anderem für eine rechtliche Abgrenzung zum Heranwachsenden, bzw. jungen Volljährigen.

3. Definition und Formen

In folgenden Kapiteln wird abweichendes Verhalten definiert und einige Formen des abweichenden Verhaltens erläutert.

3.1 Definition abweichendes Verhalten

Abweichendes Verhalten wird als Verhalten von Individuen oder Gruppen angesehen, welches nicht konform mit den als erwünscht, bzw. richtig angesehenen Werten und Normen der Gesellschaft ist. Die Verbindlichkeit einer Norm liegt an dem Grad der Sanktionierung, so hat eine stark institutionalisierte Norm, eine formelle Norm, wie das Gesetz, eine höhere Verbindlichkeit (vgl. Plewig 2008, S. 222-231).

Jedoch beschreibt der „Flexibilitätsnormalismus“ von Link verschiedene Formen der Normalität, die sich unter anderem durch unscharfe normative Grenzziehungen auszeichnen (vgl. Link 1999, S. 75ff.). Dies führt dazu, dass Normabweichungen einen großen Spielraum besitzen und unter der Einschätzung jedes Einzelnen und dessen Situation eine Abweichung vorliegt oder nicht. Dieser unpräzise Bereich lässt sich durch die „konventionelle Devianz“ beschreiben, die an der Grenze zwischen Konformität und Devianz steht (vgl. Dollinger/ Raithel 2006, S. 12f.). Hierbei handelt es sich vorwiegend um nichtkriminelle Aktivitäten, die ein großes Potential an Normalität besitzen. So sind es bunte Haare oder ein außergewöhnlicher Kleidungsstil, die ein Kopfschütteln oder einen strengen Blick nach sich ziehen. Daneben gibt es die „provozierende Devianz“ (vgl. ebd.) bei der es sich um Formen der Devianz handelt, die im Alltagsleben unerwünscht sind, wie mangelnde Höflichkeit. Diese Verhaltensweisen erhalten im Vergleich zur „konventionellen Devianz“ eine geringe Chance auf den Status der Normalität. Es liegt jedoch noch eine weitere Art der Devianz vor, deren Form von Abweichung als „problematisch“ angesehen wird (vgl. ebd.). Bei der „problematischen Devianz“ liegen Verhaltensweisen vor, die besonders unerwünscht sind und nicht toleriert werden. Hierfür gibt es spezielle Maßnahmen, um eine Sanktionierung durchzuführen, beispielsweise gegen Drogenkonsum. Einen besonderen Teil in ihr erhält die Kriminalität, wobei es Arten der Kriminalität gibt, die eine höhere Problemhaftigkeit haben als andere.

Die Reihenfolge erfolgt durch die Sanktionsmaßnahmen der Normverletzungen, so steigt das Ausmaß der formellen negativen Sanktionen im Hinblick auf die Aufzählung der Devianzen. Eine Unterteilung der Abweichungsformen wird schwierig, da esüberschneidungen, die durch dieüberlagerungen der Kreise dargestellt werden, gibt. Die gezogene Grenze zwischen den Bereichen der „Devianz“ und der „Normalität“ lässt deutlich werden, dass sie variabel im Hinblick auf die Grenzziehung ist (vgl. ebd.).

Abbildung 1: Devianzarten und -felder (Dollinger/ Raithel 2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Formen abweichenden Verhaltens

Die Formen von abweichendem Verhalten unterliegen einer großen Bandbreite, da die Grenzziehung von Abweichungsformen variabel ist (vgl. 3.1). Sie können in allen Altersschichten erfolgen und treten somit auch oder besonders in der Jugendzeit auf, da sie die Wandlungsprozesse eines Menschen beinhaltet (Leuscher/Scheithauer 2011, S. 5). Zu deviantem Verhalten gehört unter anderem auch die Kriminalität mit ihren Erscheinungsformen, beispielsweise Mord, Diebstahl, Vergewaltigung und einiges mehr. Delinquentes Verhalten welches gegen geltendes Recht verstößt, wie zum Beispiel Kriminalität oder Drogenkonsum, erleichtern die Bestimmung und Darstellung der Sanktionen. Für andere Formen abweichenden Verhaltens treten oft informelle Sanktionen der Gesellschaft ein.

Im Anschluss soll die Jugendkriminalität als besondere Form abweichenden Verhaltens näher erläutert und beschrieben werden.

4. Jugendkriminalität als Form abweichenden Verhaltens

Die Jugendkriminalität ist eine spezielle Form von abweichendem Verhalten in dessen Rahmen gesellschaftlichen Regeln und Erwartungen widersprochen wird. In den folgenden Kapiteln wird Jugendkriminalität definiert, dessen Ursachen herausgestellt und die Entwicklung der Jugendkriminalität verschriftlicht.

4.1 Definition der Jugendkriminalität

Unter den Begriff der Jugendkriminalität fallen strafbare Verhalten Strafmündiger, die zur Zeit der Tat 14, aber noch keine 18 Jahre alt sind (vgl. Ulrich Stascheit 2015, S. 2176). Auch auf Personen bis 21 Jahren kann das Jugendstrafrecht angewandt werden, wenn die Voraussetzungen des § 105 Absatz 1 JGG vorliegen (vgl. Ulrich Stascheit 2015, S. 2202).

Der kriminologisch-soziologische Begriff der Jugendkriminalität ist in der Anlehnung an den angelsächsischen Begriff „juvenile delinquency“, der Jugenddelinquenz, nicht nur ein Verstoß gegen materielles Strafrecht, sondern erfasst auch sonstige abweichende Verhaltensweisen, die als dissoziale Verhaltensweisen deklariert werden können, auf (vgl. Dussich 1989, S. 70f.). So verdeutlicht das Zitat: „Was heute und hier ein Verbrechen ist, ist es vielleicht morgen und dort nicht mehr und umgekehrt“ (Metzger 1951 in Steuber 1988, S. 48), dass die Delinquenz vom geltenden Recht oder von gültigen Normen abhängig ist. So erfolgt eine Einstufung eines Verhaltens als delinquent situations- und perspektivenabhängig.

4.2 Ursachen der Jugendkriminalität

Die Ursachen für Jugendkriminalität sind in heutiger Gesellschaft sehr weitläufig. So müssen Jugendliche Wege zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben finden, unter der Berücksichtigung von beispielsweise biologischen Voraussetzungen, Sozialisationsbedingungen und persönlichen Möglichkeiten, unter immer höher werdenden Entscheidungsfreiheiten und Entwicklungsspielräumen. Fortfolgend sollen einige Ursachen zur Straffälligkeit von Jugendlichen in komprimierter Form aufgeführt werden.

Eine Ursache ist die Familienvariabilität, wobei Jugendliche aus sozial gestörtem familiärem Umfeld, sowie aus Familien mit ungünstigen Wohnbedingungen bei kriminellen Verhaltensweisenüberrepräsentiert sind (vgl. Hurrelmann 1994, S. 202). So können hier beispielsweise Kriminalität der Eltern oder eine zerbrochene Ehe, unvorteilhafte materielle Bedingungen oder Arbeitslosigkeit vorliegen.

Außerdem können Leistungsdefizite in Form von schlechter Schulleistung oder Schulabbruch als Ursache von Jugendkriminalität fungieren. Aufgrund von ungenügender Schulleistung verspottete Schüler geben sich nach außen hin stark und verschaffen sich durch auffälliges Verhalten ersehnte Beachtung, wenn auch nur in Form von negativer Anerkennung (vgl. Zeltner 1996, S. 55f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Eignen sich Anti-Aggressivitäts-Trainings im Umgang mit Jugendkriminalität? Methoden der konfrontativen Pädagogik
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V352822
ISBN (eBook)
9783668390041
ISBN (Buch)
9783668390058
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eignen, anti-aggressivitäts-trainings, umgang, jugendkriminalität, methoden, pädagogik
Arbeit zitieren
Juliane Broeker (Autor), 2016, Eignen sich Anti-Aggressivitäts-Trainings im Umgang mit Jugendkriminalität? Methoden der konfrontativen Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352822

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