Medienkompetenz in der dualen Ausbildung. Der elektronische Ausbildungsnachweis

Förderung der Medienkompetenz durch "BLok - Das Online-Berichtsheft"


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Ausbildungsnachweis
2.1 Gesetzliche Verankerung und Richtlinien
2.2 Funktion
2.3 Der elektronische Ausbildungsnachweis am Beispiel von BLok

3 Medienkompetenz
3.1 Begriffsklärung
3.2 Messung und Reduktion

4 Kompetenzzuwachs durch die Nutzung von BLok
4.1 Lernen im Prozess der Arbeit
4.2 Messung von Kompetenz und Computerkompetenz
4.3 Konzept zur Messung des Kompetenzzuwachses durch BLok

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Zeitalter der Digitalisierung gehören Computerkenntnisse auf dem Arbeitsmarkt in vielen Bereichen zu den selbstverständlichen Anforderungen, die Bewerberinnen und Bewerber erfüllen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Nach einer Studie der ibi research GmbH zur Digitalisierung der Gesellschaft nahm der Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt im vorhergehenden Jahr für 74 Prozent der Befragten sehr stark zu. (vgl. Wittmann, Stahl, Torunsky & Weinfurtner, 2014, S. 12) Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag konstatiert einen zunehmenden Einsatz digitaler Medien in der formellen Bildung und damit verbundenen steigenden Anforderungen an die Medienkompetenz Lehrender und Lernender, die es ermöglichen soll diese Medien adäquat zu nutzen. (vgl. Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, 2016, S. 9) Angesichts dieser Entwicklungen wirkt das in der dualen Ausbildung oft noch handschriftlich geführte Berichtsheft wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. In diesen Schreibheften oder auf Einzelblatt-Formularen dokumentieren die Auszubildenden ihre Tätigkeiten. In der Praxis stößt das Berichtsheft nicht unbedingt auf Zuspruch. So ist auf der Internet-Seite der Industrie- und Handelskammer Frankfurt zu lesen: „Viele Ausbilderinnen und Ausbilder klagen über die mangelhafte Führung der Ausbildungsnachweise. Die Auszubildenden betrachten es oft als überflüssige Pflichtübung und werden in dieser Auffassung häufig durch eine nachlässige Kontrolle bestärkt.“ (vgl. Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, 2016). Dass sich auch ein Berichtsheft dem Wandel der Zeit anpassen lässt, zeigt „BLok – Das Online-Berichtsheft zur Stärkung der Lernortkooperation“, welches im Rahmen der Bekanntmachung zur Förderung von Vorhaben zur Weiterentwicklung und zum Einsatz von Web 2.0 Technologien in der beruflichen Qualifizierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung entwickelt wurde. Dieser elektronische Ausbildungsnachweis kann von Auszubildenden, Betrieben und Kammern kooperativ genutzt werden (vgl. BPS Bildungsportal Sachsen GmbH, 2016). Darüber, ob die Nutzung von BLok auch im Bereich der Entwicklung und Verbesserung von Medienkompetenz positiv zu bewerten ist, liegen derzeit keine Studien vor. Wie eine dementsprechende Datenerfassung angelegt werden kann, wird anhand der Forschungsfrage „Wie kann festgestellt werden, ob der Einsatz von BLok die Medienkompetenz Auszubildender fördert?" nachvollzogen. Zu diesem Zweck werden in Kapitel 2 zunächst die Spezifika des Ausbildungsnachweises mit den dazugehörigen Vorgaben, Richtlinien und Funktionen erläutert. Im Anschluss daran wird der Internetdienst „BLok – Das Online-Berichtsheft“ vorgestellt und näher beschrieben. In Kapitel 3 geht es um Medienkompetenz, die Begriffsdefinition und Vorüberlegungen zur Datenerfassung. Kapitel 4 behandelt zum einen die theoretische Einbettung der grundsätzlichen Möglichkeit der Entwicklung von Medienkompetenz durch die Nutzung des Mediums. Zum anderen geht es um konkrete Tests der Messung von Medienkompetenz und um die Möglichkeiten, die sich zur Entwicklung eines Konzepts zur Datenerfassung im Zusammenhang mit BLok aus verschiedenen Perspektiven und auf Grundlage der in den anderen Kapiteln dargelegten Information ergeben. Den Abschluss bildet Kapitel 5 mit der Beantwortung der Forschungsfrage unter Rückgriff auf Erkenntnisse aus der in der Arbeit behandelten Theorie und Praxis sowie weiterführenden Erläuterungen.

2 Der Ausbildungsnachweis

2.1 Gesetzliche Verankerung und Richtlinien

Das Führen eines schriftlichen Ausbildungsnachweises (Berichtsheft) in der dualen Ausbildung kann je nach Ausbildungsberuf unterschiedlich geregelt sein. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) verweist bezüglich der Pflicht zum Führen des Ausbildungsnachweises in §5 Absatz 2 Ziffer 7 auf die jeweilige Ausbildungsordnung, die das Führen eines schriftlichen Ausbildungsnachweises vorsehen „kann“ (vgl. Berufsbildungsgesetz, 2005). Dementsprechend ist die Pflicht ein Berichtsheft zu führen theoretisch abhängig vom jeweiligen Ausbildungsberuf. So heißt es in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker und zur Kraftfahrzeugmechatronikerin vom 14. Juni 2013 in §5 Absatz 3: „Die Auszubildenden haben einen schriftlichen Ausbildungsnachweis zu führen. Ihnen ist Gelegenheit zu geben, den schriftlichen Ausbildungsnachweis während der Ausbildungszeit zu führen. Die Ausbildenden haben den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelmäßig durchzusehen.“ (Verordnung über die Berufsausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker und zur Kraftfahrzeugmechatronikerin, 2013). Gleichzeitig ist nach BBiG §43 Absatz 1 Ziffer 2 der schriftliche Ausbildungsnachweis jedoch Voraussetzung zur Zulassung zur Abschlussprüfung (vgl. Berufsbildungsgesetz, 2005). Die Industrie- und Handelskammern (IHK) der Bezirke stellen im Internet weitere Informationen zur Verfügung. So finden sich auf der Webseite der IHK Kassel-Marburg Links zu Berichtsheft-Formularen sowie zu den Richtlinien des Ausbildungsnachweises. Auch auf der Seite der IHK Frankfurt kann man entsprechende Vorlagen herunterladen, jeweils für technische, kaufmännische oder mit kaufmännischen verwandte sowie prozessbezogene Berufe. Informationen zu den Richtlinien zum Führen des Ausbildungsnachweises werden ebenfalls bereitgestellt. Eine einheitliche Regelung der Richtlinien der Berufsbildungsausschüsse der Kammern existiert jedoch nicht. Bei Ausbildungen, die unter der Aufsicht der IHK Koblenz durchgeführt werden, besteht die Pflicht zur Verwendung eines vorgegebenen Formulars, das über die Webseite der Kammer erhältlich ist (vgl. Industrie- und Handelskammer Koblenz). Der Berufsbildungsausschuss der IHK Kassel bemängelte bereits 2007, dass die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen IHK zum Führen des Ausbildungsnachweises nicht mit den Wünschen der Wirtschaft in Einklang zu bringen sind und entschied auf dieser Grundlage, dass die eigenen Richtlinien eine gewisse Flexibilität gewährleisten sollten. Letztendlich wird aber an der klassischen Papierform festgehalten. (vgl. Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg, 2016). Weitreichender ist die Flexibilität in der Handhabung der Vorgaben bei der IHK Dresden. Neben der durch den Betrieb zur Verfügung gestellten Papierform (beispielsweise standardisierte Berichtshefte, die im Handel erworben werden können) und zum Download bereitgestellten Formularen, die auf Wunsch online ausgefüllt werden können, wird explizit darauf hingewiesen, dass ein über „BLok - Das Online-Berichtsheft“ geführter, also ein elektronischer Ausbildungsnachweis, ebenfalls akzeptiert wird (vgl. Industrie- und Handelskammer Dresden).

2.2 Funktion

Am Ausbildungsnachweis kann der inhaltliche und zeitliche Ablauf der Ausbildung von allen an der Berufsausbildung Beteiligten nachvollzogen werden (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2012). Den Betrieben und den Berufsschulen wird damit die Möglichkeit gegeben ihre Arbeit mit dem jeweils anderen Lernort abzustimmen. Durch die Unterschrift der Auszubildenden und die Gegenzeichnung der Einträge durch die Betriebe ist außerdem die Nachweisbarkeit vermittelter Ausbildungsinhalte bzw. der Umsetzung des Ausbildungsplans gewährleistet. Im Falle von Rechtsstreitigkeiten liegt somit ein anerkannter Nachweis über die in der Ausbildung ausgeübten Tätigkeiten vor (vgl. Industrie- und Handelskammer Trier). Darüber hinaus soll der Ausbildungsnachweis den Auszubildenden als Reflexionsanregung bezüglich Ausbildungsinhalt und -verlauf dienen (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2012). Die Qualität der Reflexion findet bei schriftlichen Dokumentationen von Tätigkeiten auf verschiedenen Ebenen der reflexiven Praxis statt (vgl. Bräuer, 2016, S. 23–28). Da im Ausbildungsnachweis nach den Empfehlungen des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) der Inhalt der Ausbildung (stichwortartig) wiederzugeben ist (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2012), wird die Reflexion auf die Ebene der Dokumentation limitiert, wobei hier die Gefahr besteht, dass keine Einordnung der beschriebenen Tätigkeiten in den Gesamtzusammenhang erfolgt und kein Bezug auf die eigene Leistung oder Leistungsfähigkeit genommen wird (vgl. Bräuer, 2016, S. 24–25). Ohnehin ist in der Ausbildung letztendlich keine eigentliche Prüfung dahingehend vorgesehen, ob die Auszubildenden tatsächlich über die von ihnen beschriebenen Inhalte reflektieren und in welchem Maße dies geschieht. Die durch den Ausbildungsnachweis angestrebte Anregung zur Reflexion bleibt somit eine Absichtserklärung ohne Folgen. Von Bedeutung sind demnach die Funktion des schriftlichen Ausbildungsnachweises als rechtlicher Nachweis sowie der Beitrag zur Lernortkooperation, wobei offenbleibt inwieweit diese in der Praxis Anwendung findet.

2.3 Der elektronische Ausbildungsnachweis am Beispiel von BLok

Die Empfehlung des Hauptausschusses des BIBB für das Führen von Ausbildungsnachweisen sieht ein schriftliches oder elektronisches Berichtsheft vor (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2012). Letzteres findet eine Umsetzung in „BLok – Das Online-Berichtsheft“, der von der BPS Bildungsportal Sachsen GmbH betrieben wird. Es handelt sich hierbei um einen Internetdienst mit Zugriffsmöglichkeiten für alle an der Ausbildung beteiligten Akteurinnen und Akteure. Die Auszubildenden haben die Möglichkeit das Berichtsheft online zu führen. Für die üblichen geforderten Einträge zum Ausbildungsinhalt sind erweiterungsfähige Felder vorgesehen, wodurch Beschränkungen des verfügbaren Platzes zum Schreiben entfallen. Die Einträge können mit Qualifikationen verknüpft werden, die per Mausklick aus einer voreingegebenen Liste ausgewählt werden. Die Zuordnung des Lernortes (Betrieb, Berufsschule, Überbetrieblich) wird ebenso über ein Scroll-down-Menü angegeben wie die des Anwesenheitsstatus (Anwesend, Krank etc.). Zeitangaben werden automatisch aufaddiert. Jeder Eintrag kann mit zusätzlichen Dateien und mit Kommentaren versehen werden. Änderungen werden im Verlauf dokumentiert und sind bis zur Freigabe des Eintrags durch die Auszubildende oder den Auszubildenden möglich. Darüber hinaus ist ein Nachrichtensystem integriert, das der Kommunikation zwischen den Beteiligten dient. Sollte eine Stelle nicht partizipieren wollen, so ist es für Auszubildende dennoch möglich das Berichtsheft über BLok zu führen, da die Tages- oder Wochenübersicht nach Bearbeitung ausgedruckt werden kann. Voraussetzung dafür ist eine Übereinstimmung der jeweiligen Vorgaben der zuständigen Stelle mit dem Format des BLok-Formulars. Ein zusätzliches Feature ist ein Entwicklungsportfolio mit einer graphischen Darstellung der Qualifikationsentwicklung im betrieblichen und schulischen Bereich sowie für Schlüsselqualifikationen und einer Möglichkeit der Dokumentenablage für zusätzliches Material. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Funktionen wie die Überprüfung der Vollständigkeit und ein Hilfesystem mit Anleitungen und Videos. Das Berichtsheft ist über ein Nutzerprofil und persönliche Login-Daten nutzergebunden; die Einträge sind für andere an der Ausbildung beteiligte Personen erst nach Freigabe durch die Auszubildende oder den Auszubildenden sichtbar. Neben der augenfälligen Nützlichkeit automatischer Überprüfung sind auf der Internetseite von BLok weitere Vorteile gelistet, darunter Leserlichkeit und die Möglichkeit der Stichwortrecherche. BLok wurde im Zuge der Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BAMF) zur Förderung von Vorhaben zur Weiterentwicklung und zum Einsatz von Web 2.0 Technologien in der beruflichen Qualifizierung entwickelt. Im Vordergrund stehen drei Ziele: die Stärkung der Lernortkooperation durch die Implementierung von Kommunikationsräumen, die Qualitätssicherung und -entwicklung in der Berufsausbildung und die Förderung der Reflexionskompetenz von Auszubildenden durch die Integration des Entwicklungsportfolios (vgl. BPS Bildungsportal Sachsen GmbH, 2016). Neben den primären Zielen und Funktionen des elektronischen Ausbildungsnachweises könnten Auszubildende möglicherweise durch die Nutzung des Internetdienstes neue Kompetenzen erwerben oder bestehende ausbauen. Da es sich um ein digitales Medium handelt, ist in diesem Falle eine Betrachtung der Auswirkung der Nutzung von BLok auf die Medienkompetenz der Auszubildenden naheliegend.

3 Medienkompetenz

3.1 Begriffsklärung

Aufgeschlüsselt in seine zwei Komponenten bezeichnet der Begriff Medienkompetenz eine Kompetenz in Bezug auf Medien. Der Begriff der Kompetenz hat sich seit den 1980er Jahren sowohl national als auch international gegenüber der Orientierung an Qualifikationen, Kenntnissen und Fertigkeiten durchgesetzt, wenngleich ohne eindeutige Belegung. Dehnbostel fasst darunter auf die gesamte Lebenszeit des Menschen bezogene Fähigkeiten, Kenntnisse, Fertigkeiten, Wissen, Einstellungen und Werte, die an das Subjekt sowie an eigenverantwortliches Handeln gebunden sind (vgl. Dehnbostel, 2015, S. 15–16). Weinert bezieht den Begriff Kompetenz konkreter auf die Problemlösefähigkeit des Individuums basierend auf individuellen kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten und erweitert um die damit verbundenen psychologischen Komponenten Motivation, Volition und soziale Bereitschaft. Er unterscheidet fachliche, fachübergreifende und Handlungskompetenzen (vgl. Weinert, 2002, S. 27–28). Legt man diese Definitionen zugrunde, so ergibt sich als Konsequenz aus der Medienkompetenz ein erfolgreiches, eigenverantwortliches Handeln auf Basis eines kognitiven Bestandes in Bezug auf Medien. Baacke identifiziert vier Teilbereiche, die für einen souveränen Umgang mit den Möglichkeiten der Informationsverarbeitung entwickelt werden müssen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Während die ersten beiden Bereiche über die Dimension der Vermittlung erfasst werden, gehören die letzten beiden zur Dimension der Zielorientierung, welche im Handeln des Menschen liegt. Die Fähigkeit zur Medienkritik beinhaltet analytische, reflexive und ethische Momente, also das Erfassen von Problemstellungen, das Anwenden des Wissens auf sich selbst und das eigene Handeln und Sozialverantwortlichkeit. Medienkunde meint das Wissen über Medien und Mediensysteme sowohl auf informativer Ebene (beispielsweise zu wissen, was ein „Blog“ ist) als auch auf instrumentell-qualifikatorischer Ebene (in Fortführung des eben genannten Beispiels: zu wissen, wie man einen Blog führt). Mediennutzung kann rezeptiv bzw. anwendend und interaktiv bzw. anbietend stattfinden, also entweder im Sinne von einer reinen Programmnutzung oder aber in Interaktion mit anderen (wie beim Online-Shopping). Mediengestaltung beinhaltet ebenfalls zwei Komponenten, die der Innovation (Veränderung, Weiterentwicklung) und die der Kreativität (Ästhetik) (vgl. Baacke, 2007, S. 98–99). Betrachtet man die einzelnen Bereiche der Medienkompetenz näher und im Abgleich mit spezifischen Medien, so ist es leicht ersichtlich, dass unterschiedliche Medien zu ihrer kompetenten Nutzung unterschiedliche Anforderungen in den einzelnen Bereichen stellen. So braucht es vergleichsweise wenig technisch-instrumentelle Fähigkeiten ein Buch zu lesen, während die instrumentell-qualifikatorische Dimension als Teil der Medienkunde bei der erfolgreichen Bedienung einer komplexen Computer-Software eine deutlich stärkere Ausprägung erfordert. Eine klare Differenzierung von Bereichen und Ausprägungen der Medienkompetenz wird also dann notwendig, wenn es zur Anwendung des Konzepts auf konkrete Medien kommt, beispielsweise in Form einer Bewertung der Wirkung eines Mediums auf die Medienkompetenz.

3.2 Messung und Reduktion

Empirische Daten über die Nützlichkeit einer Maßnahme können über die Messung des Zustandes vor der Maßnahme und der Messung des Zustandes nach ihrem Einsatz gewonnen werden. Die Nützlichkeit ergibt sich aus der Frage nach der Absicht. Möchte man im vorliegenden Fall wissen, ob der elektronische Ausbildungsnachweis BLok einen Beitrag zur Medienkompetenz leistet, so ist die Nützlichkeit der Maßnahme (Nutzung von BLok durch Auszubildende) dann gegeben, wenn die Medienkompetenz der Auszubildenden nach der Nutzung stärker ausgeprägt ist als vor der Nutzung. Um Medienkompetenz zu messen, muss eine Operationalisierung des Begriffs vorgenommen werden. Schaumburg und Hacke rekurrieren mit der Annahme der kognitiven Fähigkeit als wichtige Voraussetzung aller Teilbereiche einer Kompetenz auf die Definition von Weinert. Geht man davon aus, dass es einen Aspekt gibt, der allen anderen zugrunde liegt, so kann dieser isoliert, in einen Leistungstest überführt und gemessen werden. Medienwissen ist solch eine kognitive Grundlage, allerdings ist Medienwissen allein nicht hinreichend für die Ausbildung von Medienkritik und Mediengestaltung, während sich Medienwissen und Mediennutzung gegenseitig bedingen. Diese Problematik zeigt, dass für jeden Kompetenzbereich die zugrundeliegenden Wissensbestände und Schemata identifiziert werden müssen. Darüber hinaus sollten neben deklarativen Wissensbeständen (wie dem Medienwissen) auch prozedurale Bestände erfasst werden (vgl. Schaumburg & Hacke, 2010, S. 153–155). Eine Leistungsmessung zur Feststellung der allgemeinen Medienkompetenz ist also äußerst komplex und umfangreich. Dazu kommt, dass solch eine Messung multiple Medien berücksichtigen müsste, um eine realistische Abbildung der Kompetenz zu erreichen. Testitems sollten demnach medienspezifisch formuliert werden (vgl. Schaumburg & Hacke, 2010, S. 157). Allerdings ist die Messung der allgemeinen Medienkompetenz bezogen auf alle Medien nicht immer Ziel der Untersuchung. Stattdessen bietet es sich je nach Erkenntnisinteresse an Einschränkungen vorzunehmen. Will man das Konstrukt nicht unzulässig vereinfachen, gleichzeitig aber die Leistungsmessung auf das Wesentliche reduzieren, so kann dies durch die Fokussierung auf spezifische Teilbereiche realisiert werden. So ist im vorliegenden Fall das Medium bereits identifiziert. Da es sich bei BLok um einen Internetdienst handelt, kann die Messung auf das Medium Computer konzentriert werden. Wenngleich vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Nutzung eines elektronischen Ausbildungsnachweises Auswirkungen auf die Nutzung anderer Medien wie Hörfunk oder Tageszeitung hat, so kann man zumindest argumentieren, dass das Interesse an der Entwicklung der Medienkompetenz von Auszubildenden im Umgang mit derartigen Medien für Betriebe, Berufsschulen und Kammern von untergeordnetem Interesse sein dürfte und es primär darum geht zu ermitteln, ob der Umgang mit BLok den Umgang mit dem Computer und mit anderen Programmen begünstigt. Darüber hinaus kann festgestellt werden, dass BLok aufgrund seiner Funktion inhaltlich reduziert ist. Gesellschaftliche Problematiken und ethisch-moralische Grundsätze sowie eine Notwendigkeit zum sozialverantwortlichen Handeln sind nicht Bestandteil dieser Domäne. Daher bietet es sich im Zuge der Reduktion des Leistungstests an auf die Messung des Teilbereichs der Medienkritik zu verzichten. Das Gleiche gilt für den Bereich der Mediengestaltung, da BLok hierfür keine Möglichkeiten bietet. Unter der Annahme, dass Teilkompetenzen, die durch die Nutzung von BLok nicht berührt werden, auch keine Verstärkung erfahren würden, verbleiben demnach zur Messung der Computerkompetenz die Erfassung der Fähigkeit zur Mediennutzung und zur Medienkunde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Medienkompetenz in der dualen Ausbildung. Der elektronische Ausbildungsnachweis
Untertitel
Förderung der Medienkompetenz durch "BLok - Das Online-Berichtsheft"
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Mediale Bildung und Medienkommunikation
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V352982
ISBN (eBook)
9783668394797
ISBN (Buch)
9783668394803
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Formale Defizite, die die Note beeinflussten, wurden korrigiert.
Schlagworte
duale Ausbildung, Berichtsheft, Ausbildungsnachweis, elektronischer Ausbildungsnachweis, BLok, Online-Berichtsheft, Medienkompetenz, Kompetenzmessung, Kompetenzentwicklung, Computerkompetenz, betriebliche Ausbildung
Arbeit zitieren
Esther Hartwig (Autor), 2016, Medienkompetenz in der dualen Ausbildung. Der elektronische Ausbildungsnachweis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/352982

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Medienkompetenz in der dualen Ausbildung. Der elektronische Ausbildungsnachweis



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden