Der Stellenwert von Scrum-Zertifizierungen

Empirische Untersuchung zur Bedeutung aus Sicht der Belegschaft


Bachelorarbeit, 2017

109 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Table of Contents

Anhangverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

Abstract

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und Struktur

2 Verbreitung und Nutzen von Scrum
2.1 Definition von Scrum
2.2 Das Agile Manifest
2.3 Das Scrum Prinzip
2.4 Verbreitung von Scrum

3 Rollen in Scrum
3.1 Scrum-Rollen im Überblick
3.2 Der Scrum Product Owner
3.3 Das Entwicklungsteam
3.4 Der Scrum Master

4 Aus- und Weiterbildung
4.1 Weiterbildung für die Belegschaft
4.2 Betriebliche Weiterbildung in Österreich
4.3 Weiterbildung und Scrum

5 Zertifizierung und Zertifizierungsmöglichkeiten für Scrum
5.1 Zertifizierung und Qualifizierung
5.2 Scrum Alliance
5.3 Scrum Alliance Zertifikate
5.4 Scrum.org
5.5 Scrum.org Zertifikate

6 Hintergrundinformationen zur empirischen Studie
6.1 Ziel der empirischen Untersuchung
6.2 Methode der Befragung
6.3 Aufbau der Befragung
6.4 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Befragung

7 Ergebnisse der Umfrage
7.1 Fragen zur Person und zum Unternehmen
7.2 Anzahl der Zertifikatinhaberinnen und Zertifikatinhaber
7.3 Scrum-Zertifizierungen bei Scrum Alliance und Scrum.org
7.4 Interesse an Scrum-Zertifizierungen
7.5 Die Bedeutsamkeit von positiv absolvierten Scrum-Zertifizierungen
7.6 Bereichsverbesserung durch Scrum-Zertifizierungen
7.7 Nutzen von Scrum-Zertifizierungen
7.8 Bedeutsamkeit von Scrum-Zertifizierungen bei der Jobsuche
7.9 Zukünftige Bedeutung am Arbeitsmarkt
7.10 Bekanntheit von Scrum bei nicht im Projektmanagement tätigen Personen

8 Beantwortung der Forschungsfragen
8.1 Welche Scrum-Zertifizierungen bei welchen Zertifizierungsstellen sind am weitesten verbreitet?
8.2 Welchen Nutzen können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Scrum-Zertifizierungen ziehen?
8.3 Wie wichtig sind Scrum-Zertifizierungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
8.4 Welche aktuelle und zukünftige Bedeutung haben Scrum-Zertifizierungen am Arbeitsmarkt?

9 Fazit

10 Literaturverzeichnis

11 Glossar-Literaturverzeichnis

12 Anhang A

13 Anhang B

Anhangverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1:Das Scrum Prinzip

Darstellung 2: Bedeutung von Agilen Methoden (hybrider Einsatz)

Darstellung 3: Bedeutung von Agilen Methoden (durchgängig agiler Einsatz)

Darstellung 4: Die Rolle des Scrum Masters

Darstellung 5: Die Rolle des Product Owners

Darstellung 6: Zertifizierungen für agile Methoden und Praktiken

Darstellung 7: Verbreitung agiler Methoden

Darstellung 8: Agile Zertifizierungen gemäß State of Scrum Report

Darstellung 9: Verbesserung durch Scrum-Zertifizierungen

Darstellung 10: Das Scrum Team

Darstellung 11: Verteilung von Projektmanagement-Aufgaben in Scrum

Darstellung 12: Berufliche Weiterbildung in der Presse

Darstellung 13: Gesamtkosten der Weiterbildungskurse in % der Personalausgaben nach Unternehmensgröße

Darstellung 14: Unternehmen mit Weiterbildungskursen nach Kursinhalten

Darstellung 15: Hemmnisse für die betriebliche Weiterbildung

Darstellung 16: Mitglieder weltweit Scrum Alliance

Darstellung 17: Scrum Alliance Zertifikate

Darstellung 18: Scrum.org Zertifizierungen

Darstellung 19: Fragebogenlogik

Darstellung 20: Rücklauf der Online-Umfrage

Darstellung 21: Alter der befragten Personen

Darstellung 22: Unternehmensbranchen

Darstellung 23: Rollen im Projekt (Mehrfachantworten möglich)

Darstellung 24: Herangehensweise im Projekt

Darstellung 25: Zertifikatträgerinnern und Zertifikatträger bei Scrum Alliance (Mehrfachantworten möglich)

Darstellung 26: Zertifikatträgerinnern und Zertifikatträger bei Scrum.org (Mehrfachantworten möglich)

Darstellung 27: Interesse an Scrum-Zertifizierungen von nicht zertifizierten Personen

Darstellung 28: Bedeutsamkeit von Scrum-Zertifizierungen

Darstellung 29: Bereichsverbesserungen durch Scrum-Zertifizierungen (Mehrfachantworten möglich)

Darstellung 30: Sonstige Antworten bezüglich Bereichsverbesserungen

Darstellung 31: Kategorien der Textantworten zum Nutzen von Scrum-Zertifizierungen

Darstellung 32: Zuteilung zu den gebildeten Kategorien

Darstellung 33: Bedeutsamkeit von Scrum-Zertifizierungen bei der Jobsuche

Darstellung 34: Zukünftige Bedeutung von Scrum-Zertifizierungen am Arbeitsmarkt

Darstellung 35: Entwicklung der Wichtigkeit in den letzten 5 Jahren

Darstellung 36: Verteilung der Zertifizierungen zwischen Scrum Alliance und Scrum.org

Darstellung 37: Zertifizierungen der Scrum Alliance

Darstellung 38: Zertifizierungen der Scrum.org

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Glossar

A

Action Item

„Ein Action Item ist eine Aufgabe die von einer Einzelperson oder einer kleinen Gruppe erledigt und abgeschlossen werden muss.“[1]

B

Benutzergeschichte

„Eine Benutzergeschichte (engl. User story) beschreibt eine Anforderung, aus der Sicht des Anwenders. Sie besteht aus einem Namen, aus einer kurzen textuellen Beschreibung der Anforderung und aus Akzeptanzkriterien. Nutzergeschichten finden sich oft als Einträge des Product-Backlog.“[2]

Burndown-Chart

„Das Burndown-Chart visualisiert die noch zu erledigende Arbeit im Verhältnis zur Zeit, die noch bleibt. Es symbolisiert, wie schnell Arbeitszeit „verbrannt“ wird und wie sich der geplante Abarbeitungsgrad zum tatsächlichen verhält. Das Burndown-Chart bietet außerdem einen Soll-Ist-Vergleich zwischen dem geplanten Abarbeitungsgrad und dem tatsächlichen. Daher werden in der Regel zwei Kurven im Diagramm dargestellt.“[3]

C

Continuous Integration

Siehe kontinuierliche Integration.

D

Daily Scrum

„Die Daily Scrum ist eine auf 15 Minuten beschränkte Besprechung, die an jedem Arbeitstag am selben Ort zur selben Zeit stattfindet. Jedes Teammitglied beantwortet die folgenden drei Fragen:

- Welche Aktivitäten habe ich seit der letzten Daily-Scrum-Besprechung abgeschlossen?
- Woran plane ich bis zur nächsten Daily Scrum zu arbeiten?
- Werde ich in irgendeiner Form an der Ausführung einer Aktivität behindert?“[4]

E

Extreme Programming

„Extreme Programming ist eine Projektmanagementmethode zur Softwareentwicklung, die sich auf den zu erstellenden Quellcode und den kürzesten Weg dorthin konzentriert. Typisch für Extreme Programming ist die enge Verflechtung von Entwicklung und Qualitätssicherung in sehr kurzen Zyklen (Programmierung in Paaren), das Arbeiten in kleinen, flexiblen Teams mit fest definierten Rollen und der beständige Kontakt zum Kunden (Kunde vor Ort).“[5]

Eigenschaftsgetriebene Entwicklung

„Methode der agilen Softwareentwicklung, die die Eigenschaften (Feature) eines Systems in den Mittelpunkt stellt. Im Feature Driven Development gibt es drei Hauptrollen, den Chefarchitekten, die Chefprogrammierer und die Entwickler. Der Entwicklungsprozess besteht aus fünf Teilprozessen:

1. Entwickle ein Gesamtmodel
2. Erstelle eine Feature-Liste
3. Plane je Feature
4. Entwirf je Feature
5. Konstruiere je Feature”[6]

F

Feature Driven Development

Siehe Funktionsgetriebene Entwicklung.

H

Hindernis

„Hindernisse (engl. impediment) sind Probleme jeglicher Art, die die Teammitglieder bei der effektiven Ausführung ihrer Arbeit behindern.“[7]

I

Impediment

Siehe Hindernis.

inkrementell

siehe Inkrementieren.

Inkrementieren

„Als Inkrementieren bezeichnet man das Erhöhen eines Wertes einer Variablen um einen festen Betrag (Inkrement). Besonders bei Schleifenkonstrukten in Programmiersprachen ist dieses wichtig. Hier wird die Laufvariable bei jeder Schleife inkrementiert.“[8]

Interessensvertreter

„Als Interessenvertreter (eng. stakeholder) werden Personen bezeichnet, die vom Projektergebnis betroffen sind, aber nicht am Projekt aktiv mitwirken, z.B. Anwender, Kunde, Vertrieb, Marketing.“[9]

Iteration

„Als Iteration bezeichnet man die wiederholte Durchführung eines Vorgangs. Die Anzahl der Durchführungen (Iterationen) steht entweder vorher fest oder richtet sich nach der Erfüllung eines Abbruchkriteriums. Ein Beispiel für eine festgelegte Anzahl von Iterationen ist die zum Umfang fast aller Programmiersprachen gehörende FOR-Schleife. Ein Abbruchkriterium eines iterativen Prozesses mit einer zuvor unbekannten Zahl von Schleifendurchläufen kann beispielsweise die ausreichend gute Annäherung an ein Rechenergebnis sein (Beispiel: Nullstellensuche einer Funktion). Gelegentlich wird beides kombiniert und die Iteration läuft solange, bis entweder ein bestimmtes Ergebnis erzielt wurde oder eine vorher festgelegte Zahl von Schleifendurchläufen abgearbeitet wurde. Im Unterschied zur Rekursion ruft eine iterative Funktion sich nicht selbst auf.“[10]

iterativ

Siehe Iteration.

K

Kanban

„Kanban (jap.: Karte, Signalkarte) ist eine Methode zur dezentralen, selbstorganisierenden Steuerung von Materialflüssen in Fertigungsprozessen. Sie ist Grundlage der Just-in-Time-Produktion.“[11]

Kontinuierliche Integration

„Kontinuierliche Integration (Continuous Integration) ist eine Praxis in der Softwareentwicklung. Dabei werden isolierte Änderungen sofort geprüft und anschließend zur Gesamtcodebasis einer Software hinzugefügt. Ziel der kontinuierlichen Integration ist es, ein unmittelbares Feedback bieten zu können, so dass ein versehentlich integrierter Fehler so schnell wie möglich identifiziert und korrigiert wird.“[12]

N

Nexus Framework

„Nexus ist ein Rahmenwerk zur Entwicklung und Erhaltung von skalierten Produkt- und Softwareentwicklungsinitiativen. Es verwendet Scrum als seinen Grundbaustein. Nexus (n): Entwicklungseinheit (in skaliertem professionellem Scrum) Nexus ist ein Rahmenwerk das aus Rollen, Events, Artefakten und Techniken besteht. Dieses hält und webt die Arbeit von drei bis neun Entwicklungsteams zusammen, die an einem gemeinsamen Product Backlog arbeiten, um ein integriertes Inkrement zu erstellen, welches ein gemeinsames Ziel erfüllt.“[13]

P

Pair-Programming

„Pair Programming oder Programmieren in Paaren ist eine zentrale Technik aus dem eXtreme Programming (XP). Beim Pair Programming sitzen zwei Entwickler gleichberechtigt an einem Rechner und arbeiten gemeinsam an einer Aufgabe.“[14]

PRINCE2

„PRINCE2 ist ein vollständiges Projektmanagement-System, bestehend aus Prozessdefinitionen, Rollenbeschreibungen, Vorlagen für Management-Produkte und Methoden.“[15]

Product-Backlog

„Das Product Backlog enthält alle bekannten Anforderungen und Arbeitsergebnisse, die zur Erreichung des Projektziels umgesetzt oder erbracht werden müssen. Seine Einträge sind priorisiert.“[16]

Produktinkrement

„Als Produktinkrement (engl. Product increment) wird lauffähige, getestete und dokumentierte Software bezeichnet, die Anforderungen aus dem Product Backlog umsetzt. Das Produktinkrement ist das Ergebnis eines Sprint.“[17]

Projekt

„Einmalige, parallele und sequentielle Vernetzung von Aktivitäten, wobei die Ausgangslage definiert, das angestrebte Ergebnis spezifiziert und die erforderlichen Maßnahmen jedoch zum Teil noch völlig offen sind, so dass wesentliche Unsicherheiten in der Zielerreichung bestehen.“[18]

R

Refactoring

„Mit Refactoring bezeichnet man die Überarbeitung der Struktur einer Software, ohne dass sich deren Verhalten nach außen ändert. Das Ziel von Refactoring ist es, den Programmcode überschaubarer und klarer zu strukturieren, um insbesondere die Aufwände für dessen Wartung und Pflege zu minimieren. Das Refactoring hat speziell beim Extreme Programming eine wesentliche Stellung.“[19]

S

Sprint

„Ein Sprint ist ein Arbeitszyklus, der Anforderungen aus dem Product Backlog in ein Produktinkrement umsetzt. Er dauert maximal 30 Tage.“[20]

Sprint Planning

Siehe Spint-Planungssitzung.

Sprint Planungssitzung

„Die Sprint-Planungssitzung (eng. Sprint planning meeting) legt das Ziel des Sprint fest und erstellt das Sprint-Backlog. Die Sprint Planungssitzung findet zu Beginn des Sprint statt.“[21]

Sprint Review

„Sprint Review ist eine Besprechung, die am Ende des Sprints stattfindet. Ziel der Sitzung ist es, die entstandenen Arbeitsergebnisse zu begutachten und den Projektfortschritt transparent zu machen. Der Product Owner überprüft dabei, ob das Team alle Anforderungen, zu denen es sich in der Sprint-Planungssitzung verpflichtet hat, erfolgreich umgesetzt hat.“[22]

Sprint-Backlog

„Das Sprint Backlog beinhaltet alle Aktivitäten, die zur Umsetzung der Anforderungen notwendig sind, zu denen sich das Team in der Sprint-Planungssitzung verpflichtet hat. Es legt fest, wie das Sprint-Ziel erreicht wird.“[23]

Sprint-Retrospektive

„Die Sprint-Retrospektive (engl. Sprint retrospective) ist eine Besprechung, die am Ende des Sprints im Anschluss an das Sprint-Review stattfindet. Ihre Zielsetzung ist, die Zusammenarbeit innerhalb des Teams und die Anwendung des Prozesses zu verbessern.“[24]

Stakeholder

Siehe Interessensvertreter.

T

Test Driven Development

Siehe testgetriebene Entwicklung.

Testgetriebene Entwicklung

„Bei der testgetriebenen Entwicklung (engl. Test-Driven Development, TDD) werden Tests dazu benutzt, um die Softwareentwicklung zu steuern. Der Ablauf dieser Programmierung ist zyklisch:

- Ein Test wird geschrieben, der zunächst fehlschlägt.
- Genau soviel Produktivcode wird implementiert, dass der Test erfolgreich durchläuft.
- Test und Produktivcode werden refaktorisiert.“[25]

U

User Story

Siehe Benutzergeschichte.

Abstract

Traditional project management methods like Waterfall Model or V-model are anchored in the leading project management institutions in Austria like pma (Project Management Austria) and PMI (Project Management Institute). The possibility for certifications like PMA Level D, C, B, and A as well as the PMP certification at PMI are well known. The agile philosophy and agile methods have revolutionized the software development industry in the last decade. Especially Scrum is one of the leading agile management framework in project management and therefore it is of interest to see the status and meaning of agile certifications for Scrum in Austria. This study focuses on the differentiation of the two main Scrum certification authorities Scrum Alliance and Scrum.org and the certification possibilities, which are offered there. In further detail the study looks at the benefit and the significance of Scrum certifications for employees. For that reason a questionnaire was created for the certification holders at Scrum Alliance and Scrum.org in Austria. The main outcome of the study is that certifications for Scrum are forming a good basis of the appreciation of Scrum. Furthermore, Scrum certifications ensure the same level of knowledge within a project team or an organization. This is important for applying Scrum in the manner as specified or especially when Scrum is going to be implemented into an organization. The holding of Scrum certifications can also improve chances at the employment market. In the same way, certifications are acting as evidence of knowledge or polish your curriculum vitae. The study shows in addition, that the significance of certifications for Scrum is getting increasingly important at the employment market.

1 Einleitung

Das Einleitungskapitel beschreibt die Ausgangssituation bezogen auf das Thema „Der Stellenwert von Scrum-Zertifizierungen“ sowie die wissenschaftliche Relevanz dieser Arbeit und erläutert des Weiteren die Zielsetzung in Form der Forschungsfragen beziehungsweise die grundsätzliche Struktur dieser Arbeit.

1.1 Ausgangssituation

Aus- und Weiterbildungen im Bereich des Projektmanagements sind vielfältig. Es gibt eine Vielzahl an Kursen, Schulungen und Weiterbildungen für Projektmanagerinnen und Projektmanager oder Personen die im Projektmanagement arbeiten oder sich für diesen Fachbereich interessieren.[26] Unternehmen investieren große Summen in die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese Investitionen setzen sich aus den Kurskosten, aber auch aus den abwesenden Stunden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Deshalb ist ein Aufwand sowohl unternehmensseitig was die Kosten anbelangt, als auch auf der Seite der Beschäftigten, was die Prüfungsvorbereitung betrifft, gegeben.[27]

Möglichkeiten für Zertifizierungen im traditionellen Projektmanagement gibt es schon seit geraumer Zeit. Methoden für das agile Projektmanagement zeigen einen positiven Trend. Neben Kanban, XP und Feature Driven Development ist Scrum eine der meistgenutzten agilen Methoden. Nicht nur in Bereichen der Softwareentwicklung finden agile Ansätze immer mehr Anklang, auch die Verbreitung agiler Methoden hat zugenommen. Häufig ist es der Fall, dass agile Methoden mit traditionellen Projektmanagementmethoden kombiniert werden. Agile Methoden sind somit allgegenwertig.[28]

Die Notwendigkeit und der Nutzen von Zertifizierungen im Projektmanagement resultieren aus mehreren Umständen. Projektmanagement im Allgemeinen wird sehr unterschiedlich verstanden, weshalb sich oft Widersprüche und Verständnisprobleme ergeben. Ebenso hat die Bedeutung von Projekten in Unternehmen stark zugenommen, weshalb auch die Notwendigkeit von ausgebildeten Projektmanagerinnen und Projektmanagern gegeben ist. Gerade in der Anwendung von Scrum gibt es verschiedene Rollen wie Scrum Master, Scrum Product Owner oder Scrum Developer, die im Vergleich zu Diplomtiteln nicht besonders geschützt sind. Für die Zertifikatträgerin oder den Zertifikatträger dient ein Zertifikat als Nachweis und neutrale Bestätigung einer Qualifikation. Des Weiteren kann ein Zertifikat auch als Titel angesehen werden und diverse Chancen im unternehmensinternen und öffentlichen Arbeitsmarkt bieten. Zertifikate schaffen mehr Selbstvertrauen in die Kenntnisse und Fähigkeiten, die am Arbeitsplatz von Nöten sind und können eventuell die eigene Karriere beschleunigen.[29]

1.2 Zielsetzung und Struktur

Der Titel der Bachelorarbeit lautet „Der Stellenwert von Scrum-Zertifizierungen – Empirische Untersuchung zur Bedeutung von Scrum-Zertifizierungen aus Sicht der Belegschaft“.

Folgend soll der Nutzen von Scrum-Zertifizierungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untersucht werden. Dementsprechend wurden nachstehende Forschungsfragen formuliert:

- Welchen Nutzen können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Scrum-Zertifizierungen ziehen?
- Welche Scrum-Zertifizierungen bei welchen Zertifizierungsstellen sind weitesten verbreitet?
- Wie wichtig sind Scrum-Zertifizierungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
- Welche aktuelle und zukünftige Bedeutung haben Scrum-Zertifizierungen am Arbeitsmarkt?

Die Arbeit beschränkt sich rein auf das Zertifizierungsanbot der Scrum Alliance sowie von Scrum.org.

Um die Forschungsfragen beantworten zu können, gliedert sich die Arbeit in nachfolgende Kapitel:

Kapitel 2: Dieses Kapitel betrachtet einleitend die Verbreitung und den Nutzen von Scrum an sich und erläutert im Wesentlichen, was Scrum ist und wie Scrum funktioniert. Besonders wird dabei auch auf die Verbreitung von Scrum und die damit verbundene Bedeutung von Scrum eingegangen.

Kapitel 3: In diesem Kapitel werden die fundamentalen Rollen von Scrum genauer betrachtet, da die Rollen des Scrum-Prinzips stark mit den Zertifizierungstiteln in Verbindung stehen. Ein grundsätzliches Verständnis der Aufgaben der jeweiligen Rollen in Scrum steht auch stark im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Einsatz von Scrum.

Kapitel 4: Dieses Kapitel geht allgemein auf die Wichtigkeit von Aus- und Weiterbildung in Unternehmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein. Es soll Pro und Contra sowie gegebenenfalls vorkommende Hemmnisse von Weiterbildung betrachten.

Kapitel 5: In diesem Kapitel werden die Begriffe Zertifizierung und Qualifizierung definiert. Ebenso werden die beiden Zertifizierungsinstitutionen Scrum Alliance und Scrum.org näher betrachtet sowie deren Zertifizierungsmöglichkeiten beleuchtet.

Kapitel 6 und Kapitel 7: Diese beiden Kapitel sind der empirischen Untersuchung gewidmet. Es wird der Hintergrund und der Aufbau der Untersuchung beschrieben und anschließend die Ergebnisse der Online-Umfrage dargestellt.

Kapitel 8: Dieses Kapitel widmet sich der Beantwortung der Forschungsfragen. Die Forschungsfragen werden mithilfe der Ergebnisse der Online-Umfrage beantwortet.

Kapitel 9: Das letzte Kapitel dieser Arbeit fasst die Erkenntnisse und Ergebnisse in einem Fazit zusammen.

2 Verbreitung und Nutzen von Scrum

In diesem Kapitel wird die Definition sowie das Prinzip von Scrum erläutert. Des Weiteren wird das Agile Manifest beschrieben und auf die Funktionsweise von Scrum eingegangen. Die Verbreitung von Scrum wird anhand der Studie Status Quo Agile sowie mittels dem State of Scrum Report analysiert.

2.1 Definition von Scrum

In der Literatur sowie in Unternehmen sind unterschiedlichste Bezeichnungen und Definitionen für Scrum verbreitet. Folgend sollen drei Definitionen darlegen wie unterschiedlich doch in vielen Bereichen ähnlich die Definition von Scrum sein kann.

Kenneth S. Rubin sagst beispielsweise: „Scrum ist ein agiler Ansatz zur Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen.“[30]

Nikolov beschreibt: „Scrum ist ein Prozessrahmenwerk mit der [sic!] komplexe Aufgabenstellungen umgesetzt werden können und dabei der Fokus auf schnelle Auslieferung und Anpassung an das Produkt legt [sic!]. […] Dabei steht das Erstellen eines lauffähigen Produktes im Vordergrund.“[31]

Pichler führt weiter aus: „Scrum [skrɅm] ist ein agiles Managementframework zur Entwicklung von Software, das aus wenigen klaren Regeln besteht. Diese beinhalten die Anwendung der drei Rollen Product Owner, Team und ScrumMaster, die Verwendung eines priorisierten Product Backlog sowie das Erstellen von Produktinkrementen innerhalb kurzer Arbeitszyklen, die Sprints genannt werden. Scrum lässt sich auf alle Arten der Softwareentwicklung anwenden: Software als eigenständiges Produkt und Software als Bestandteil eines Produkts, Software als unternehmensinterne Lösung oder Software, die im Auftrag eines Kunden entwickelt wird; Software, die neu entwickelt wird, und Software, die gewartet wird.“[32]

Scrum wird seit den Neunzigerjahren verwendet und beruht auf empirischer Prozesssteuerung. Empirie bedeutet, dass man Wissen aus bereits bestehender Erfahrung erlangen kann und Entscheidungen auf der Grundlage von bereits Bekannten getroffen werden. Scrum bedient sich eines interativen und inkrementellen Ansatzes um Prognosen zu optimieren und Risiken unter Kontrolle zu haben.[33]

2.2 Das Agile Manifest

„Der kleinste gemeinsame Nenner aller agilen Vorgehensmodelle- und damit auch [von, d. Verf.] Scrum, ist das Agile Manifest.“[34]

Das Agile Manifest wurde im Jahr 2001 von einer Gruppe von Spezialisten im Bereich der Informationstechnologie entwickelt.[35] Im Agilen Manifest wurden die grundlegenden Gedanken des agilen Projektmanagements formuliert. Das Agile Manifest besagt, dass Menschen und Ihre Kommunikation Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen haben. Es gilt, dass funktionierende Software zu priorisieren ist, anstatt sich auf eine umfassende Dokumentation zu fixieren. Des Weiteren steht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden im Vordergrund, im Gegensatz zu andauernder Vertragsdiskussionen. Ebenso ist eine schnelle Reaktion bei notwendigen Änderungen besser, als ein striktes Festhalten an einem Plan.[36]

2.3 Das Scrum Prinzip

Der Product Owner erstellt aus einer Produktvision eine Product-Backlog, indem alle Anforderungen aufgelistet und priorisiert sind und laufend erweitert werden. Der Product Owner involviert das gesamte Scrum Team, als auch Stakeholder in Entwicklung des Product-Backlogs. Das Verwalten des Product-Backlogs obliegt aber allein dem Product Owner.[37]

Vor jedem Sprint findet das Sprint-Planning statt. Im Sprint-Planning, an dem der Product Owner und das Entwicklungsteam teilnehmen, wird gemeinsam entschieden, welche Anforderungen im Zuge des nächsten Sprints abgearbeitet werden sollen. Diese Anforderungen werden anschließend in den Sprint-Backlog übertragen. Der Product Owner und das Entwicklungsteam einigen sich gemeinsam auf den Sprint-Backlog. Im Zuge der Erstellung des Sprint-Backlogs schätzt das Entwicklungsteam selbst ab, was und wieviel in einem Sprint erledigt werden kann.[38]

Ein Sprint hat eine immer gleiche Dauer, welche sich üblicherweise zwischen mindestens zwei bis maximal vier Wochen bewegt. Die Entwicklung findet in direkt aufeinander folgenden Sprints statt. Das Entwicklungsteam arbeitet während dieser Zeit eigenständig an der Abarbeitung des Sprint-Backlogs. Im Zuge des Sprints werden keine neuen Anforderungen, beziehungsweise abgeänderten Anforderungen an das Entwicklungsteam herangetragen. Gibt es neue Anforderungen oder werden bestehende Anforderungen geändert, können diese erst jeweils nach Ende des aktuellen Sprints, also im Sprint-Planning des nächsten geplanten Sprints in Angriff genommen werden. Während des Sprints findet täglich das sogenannte Daily Scrum Meeting statt.[39]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1:Das Scrum Prinzip[40]

Ist ein Sprint abgeschlossen, so wird das Sprint-Review durchgeführt. Das Entwicklungsteam hat die Aufgabe, dem Product Owner zu zeigen, was während des Sprints umgesetzt werden konnte. Gemeinsam wird das Ergebnis des Sprints begutachtet. Darum ist es von Bedeutung, dass die verschiedenen Anforderungen während des Sprint-Plannings so vereinfacht werden, dass nach jedem Sprint, im sogenannten Sprint Review, ein lauffähiges Inkrement präsentiert werden kann. Während des Sprint-Reviews ergeben sich womöglich neue Anforderungen, die der Product Owner dann wieder zum Product-Backlog hinzufügt.[41]

Nach dem Sprint-Review trifft sich das Scrum-Team und betrachtet in der Sprint-Retrospektive den eigenen Prozess. In der Sprint-Retrospektive werden einerseits positiv verlaufene Action-Items aufgezeigt und besprochen, wie diese beibehalten werden können, andererseits aber auch negative Action-Items besprochen und Verbesserungsvorschläge für den nächsten Sprint erarbeitet.[42] Das gesamte Prinzip in Scrum wird auch in der Darstellung 1 gezeigt.

2.4 Verbreitung von Scrum

Die Bedeutung von agilen Methoden ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Langfristige Planungen, wie sie im traditionellen Projektmanagement üblich sind, werden bedingt durch einen schnellen Wandel im Umfeld, sowie durch komplexere Projekte immer ungeeigneter. Dies ist mit ein Grund warum agilen Methoden immer mehr Bedeutung zugeschrieben wird.[43]

Klassische Projektmanagement-Methoden werden oft durch agile Projektmanagement Ansätze abgelöst. Häufig wird auch eine Kombination oder Vermischung aus traditionellem und agilen Projektmanagement angewandt, welcher als hybrider Ansatz verstanden wird.[44]

Aufgrund der Fokussierung auf Scrum in dieser Arbeit, werden speziell Erkenntnisse, die sich auf Scrum beziehen hervorgehoben. Dadurch kann aufgezeigt werden, wie verbreitet Scrum mittlerweile ist und wie wichtig somit die Aus- und Weiterbildung für ein zukunftsträchtiges Rahmenwerk wie Scrum sein kann.

2.4.1 Studie Status Quo Agile 2015

In der Studie Status Quo Agile wird alle zwei Jahre der aktuelle Stand hinsichtlich der Anwendung und Verbreitung von agilen Methoden aufgezeigt. Dies geschieht

im internationalen Vergleich über alle Branchen hinweg.[45] Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 30 Ländern nahmen an der Studie teil und ermöglichten so einen Einblick in die Erfolge und Anwendungsbereiche von agilen Methoden.[46]

Neben Scrum gibt es weitere agile Methoden wie beispielsweise Kanban, Extreme Programming, Feature Driven Development die in der Praxis Anwendung finden. Die Studie Status Quo Agile zeigt, dass Scrum mit 86% die meistgenutzte agile Methode ist.[47]

Findet in Unternehmen sowohl traditionelles als auch agiles Projektmanagement Anwendung, so hat Scrum mit über 50% eine zentrale Bedeutung für den Tätigkeitsbereich der befragten Personen. Die Darstellung 2 verdeutlicht die Bedeutung der unterschiedlichen agilen Methoden bei einem hybriden Einsatz, also einer gemischten Form aus traditionellen und agilen Projektmanagement.[48]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2: Bedeutung von Agilen Methoden (hybrider Einsatz)[49]

Wird in Unternehmen agiles Projektmanagement durchgängig angewendet, fällt die Verteilung von Scrum mit 86% deutlich höher aus. Die Darstellung 3 zeigt somit die sechs bedeutensten agilen Methoden bei einer reinen agilen Anwendung von Projektmanagement.[50]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3: Bedeutung von Agilen Methoden (durchgängig agiler Einsatz)[51]

Gerade in punkto agiler Techniken werden verstärkt Scrum spezifische Techniken angewendet. Insbesondere Artefakte und Techniken wie Daily Scrum, User Stories und Product-Backlog werden von über 80% der befragten Personen angewandt.[52]

Auch im Bereich der verschiedenen Rollen, wie die des Scrum Masters, Scrum Product Owners und Scrum Entwicklungsteams, welche Scrum zur erfolgreichen Umsetzung vorgibt, zeigt die Studie Status Quo Agile, dass über die Hälfte der Befragten angaben, dass eine charakteristische Scrum Master-Rolle vorhanden ist. (Siehe Darstellung 4)[53] Dies trifft auch auf den Product Owner zu. (Siehe Darstellung 5)[54]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 4: Die Rolle des Scrum Masters[55]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 5: Die Rolle des Product Owners[56]

Hinsichtlich der Methoden-Zertifizierungen und deren Verbreitung zeigt die Studie Status Quo Agile, dass 24% der Befragten eine Scrum Alliance-Zertifizierung und 11% eine Scrum.org Zertifizierung besitzen. Es ist darauf hinzuweisen, dass Mehrfachantworten möglich waren und die Frage keine Pflichtantwort vorgab.[57]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 6: Zertifizierungen für agile Methoden und Praktiken[58]

2.4.2 tate of Scrum Report

Die Scrum Alliance hat im Zuge einer Umfrage 4452 Personen über die Verwendung von Scrum befragt. Die befragten Personen repräsentieren 108 Länder aus 14 verschiedenen Industrien.[59]

Scrum wird von 95% der Befragten als agiler Ansatz im Unternehmen verwendet. 54% verwenden Scrum in Kombination mit anderen agilen Methoden, 42% verwenden ausschließlich Scrum im Projektmanagement. (Siehe Darstellung 7)[60]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 7: Verbreitung agiler Methoden[61]

Da die Scrum Alliance auch selbst eine Zertifizierungsstelle ist, wurde neben der Verbreitung agiler Methoden auch das Vorhandensein von agilen Zertifizierungen hinterfragt. Mehr als die Hälfte der Befragten besitzen ausschließlich eine Scrum-Zertifizierung. Lediglich 6% haben keine Scrum-Zertifizierung. Die Zertifizierungen zum Scrum Master der Scrum Alliance repräsentiert dreiviertel aller abgeschlossenen Scrum-Zertifizierungen.[62] Der Vergleich der verschiedenen Zertifizierungen für agile Methoden insbesondere für Scrum wird in der Darstellung 8 verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 8: Agile Zertifizierungen gemäß State of Scrum Report[63]

Betrachtet man die Anforderungen der Unternehmen hinsichtlich Zertifizierungen für die Belegschaft, werden nur in seltenen Fällen Zertifizierungen für agile Projektmanagementmethoden oder Frameworks gefordert. Jedoch zeigt sich eine ausdrückliche Empfehlung an die Belegschaft, Zertifizierungen zu absolvieren. Werden Empfehlungen von der Organisation an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesprochen, ist festzustellen, dass Scrum Alliance-Zertifizierungen, insbesondere Certified Scrum Master und Certified Scrum Product Owner, mit 71% dominieren. Mit einem Drittel werden agile PMI Zertifizierungen empfohlen. Andere empfohlene Zertifizierungen sind CMMI, ITIL und PRINCE2.[64]

In Bezug auf den Nutzen von Zertifizierungen für agile Techniken und Methoden gibt es verschiedene Meinungen. Die Umfrage der Scrum Alliance zeigt, dass 81% der Befragten angaben, dass Zertifizierungen das Verfahren und die Anwendung von Scrum verbessert haben.[65] Die Darstellung 9 repräsentiert das Ergebnis dahingehend, inwiefern sich durch Scrum-Zertifizierungen das Verfahren und die Anwendung von Scrum verbessert hat oder nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 9: Verbesserung durch Scrum-Zertifizierungen[66]

3 Rollen in Scrum

Hinter dem Scrum-Prinzip stecken drei grundsätzliche Rollen: Der Scrum Master, der Scrum Product Owner sowie das Scrum Entwicklungsteam. Jede Rolle hat spezielle Aufgaben bei der Umsetzung von Scrum. Da die verschiedenen Zertifizierungen der Scrum Alliance und von Scrum.org stark mit den verschiedenen Rollen von Scrum im Zusammenhang stehen, wird in diesem Kapitel auf die einzelnen Rollen und deren Aufgaben sowie Funktionen eingegangen.

3.1 Scrum-Rollen im Überblick

Grundvoraussetzung für die Umsetzung und das Funktionieren von Scrum ist, dass die drei Rollen des Scrum Masters, des Scrum Product Owners sowie des Scrum Entwicklungsteam adäquat besetzt sind. Wie auch das Agile Manifest bereits besagt, liegt der Fokus verstärkt auf Individuen und Interaktionen als auf Prozesse und Werkzeuge.[67] Die Darstellung 10 beschreibt die grundlegenden Aufgaben der jeweiligen Rolle eines Scrum-Teams.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 10: Das Scrum Team[68]

3.2 Der Scrum Product Owner

Der Product Owner ist für die Wertmaximierung zuständig sowie für die Verwaltung des Product-Backlogs verantwortlich. Das Product-Backlog Management umfasst das klare Formulieren der Product-Backlog-Einträge. Die Product-Backlog-Einträge müssen so sortiert werden, dass die Ziele optimal erreicht werden können. Ebenso muss das Product-Backlog für alle Teammitglieder sichtbar und transparent sein und zeigt, woran das Entwicklungsteam arbeitet. Des Weiteren hat der Product Owner die Verantwortung, Unklarheiten bezüglich der Product-Backlog-Einträge mit dem Entwicklungsteam zu klären.[69]

Der Product Owner kann diverse Aufgaben auch an das Team delegieren, bleibt jedoch stets rechenschaftspflichtig. Entscheidend ist jedoch, dass der Product Owner immer eine Einzelperson bleibt und nicht durch ein Komitee ersetzt oder vertreten wird. Ebenso muss die gesamte Organisation die Entscheidungen des Product Owners respektieren. Die Entscheidungen spiegeln sich im Inhalt und in der Reihenfolge des Product-Backlogs wieder. Das Entwicklungsteam darf nur nach den Angaben des Product Owners arbeiten.[70]

Der Product Owner steht stellvertretend für die Bedürfnisse der Stakeholder beziehungsweise der Kunden. Der Product Owner hat eine gewichtige Position innerhalb von Scrum und kann somit den Erfolg eines Projektes stark beeinflussen. Die Umsetzung des Projektes wird nicht länger an Projektleiterinnen und Projektleiter delegiert, sondern der Product Owner entscheidet wie das Projekt abgewickelt wird.[71]

Verantwortungen des Product Owners

Der Product Owner hat die Kundenwünsche und Anforderungen zu erfassen. Dies beinhaltet das Erstellen des Produktkonzeptes und des Product-Backlogs. Dem Product Backlog werden Anforderungen hinzugefügt und bereits existierende werden wieder entfernt. Um die Anforderungen auch richtig zu beschreiben und den Bedürfnissen des Kunden gerecht zu werden, sind Abstimmungen in wiederkehrenden Abständen mit den Stakeholdern notwendig.[72]

Neben dem Product-Backlog ist der Product Owner auch für die Zielerreichung verantwortlich. Der Product Owner alleine entscheidet darüber, wann ein Produkt bereit zur Übergabe an den Kunden ist, inwieweit die geforderten Funktionen des Produktes erfüllt sind oder ob die bereits angefallenen Kosten mit der Planung übereinstimmen. Der Product Owner ist in vielen Bereichen involviert und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem Team. Der Product Owner ist quasi das Bindeglied zwischen Kunden und dem Entwicklungsteam. Unter anderem gehören zu den Aufgaben des Product Owners die Erhöhung des Detailierungsgrades jener Anforderungen, die im nächsten Sprint umgesetzt werden, die Teilnahme an allen Besprechungen sowie die Überprüfung und Abnahme von Arbeitsergebnissen, die im Zuge eines Sprint erledigt werden konnten.[73]

3.3 Das Entwicklungsteam

Das Entwicklungsteam beinhaltet sogenannte Fachspezialisten, die immer nach Abschluss eines Sprints ein lauffähiges Produktinkrement übergeben. Dieses Produktinkrement sollte auch potentiell auslieferbar und funktionsfähig sein. Das Erstellen des Produktinkrements obliegt ausschließlich dem Entwicklungsteam. Die Unternehmensorganisation muss dem Entwicklungsteam das selbstständige Managen und Organisieren der Arbeit ermöglichen, das wiederum der Effizienz und Effektivität des gesamten Teams zugutekommt.[74]

Eigenschaften von Entwicklungsteams

Ein wesentlicher Punkt ist die Selbstorganisation des Teams. Es gibt keine Vorgaben oder Vorschriften, wie das Entwicklungsteam aus den Anforderungen des Product Backlogs potentiell auslieferbare Inkremente erzeugt. Auch der Scrum Master gibt diesbezüglich keine Vorgaben. Jedes Mitglied des Entwicklerteams wird als Entwickler gesehen, auch wenn es sich nicht um ein Softwareprojekt handelt. Innerhalb des Entwicklungsteams gibt es keine weitere Unterteilung in Hierarchiestufen oder Sub-Teams. Die Rechenschaftspflicht obliegt dem gesamten Team. Die Teamgröße bewegt sich zwischen mindestens drei und maximal neun Personen. Das Team ist somit klein genug, um flexibel zu sein und groß genug, um die geforderte Arbeit innerhalb eines Sprints erledigen zu können. Product Owner und Scrum Master sind nicht in der Gruppengröße inkludiert, sofern sie nicht Arbeiten aus dem Product-Backlog erledigen.[75]

[...]


[1] Vgl. Rouse (2014) online.

[2] Pichler (2016) S. 169.

[3] Pfleger (2015) online.

[4] Pichler (2016) S. 169.

[5] Projekt Magazin (o.J.a) online.

[6] Siepermann (o.J.) online.

[7] Pichler (2016) S. 169.

[8] Janssen (2004) online.

[9] Pichler (2016) S.169.

[10] Vogel (o.J.) online.

[11] Projekt Magazin (o.J.b) online.

[12] Rouse (o.J.) online.

[13] Schwaber (2015) online.

[14] it-agile GmbH (o.J.c) online.

[15] Projekt Magazin (o.J.b) online.

[16] Pichler (2016) S. 170.

[17] Pichler (2016) S. 170.

[18] Patzak/Rattay (2014) S. 19.

[19] ITWissen (o.J) online.

[20] Pichler (2016) S.170.

[21] Pichler (2016) S.171.

[22] Pichler (2016) S. 171.

[23] ebd.

[24] Pichler (2016) S. 171.

[25] it-agile GmbH (o.J.d) online.

[26] Vgl. Lomnitz (2011) online.

[27] Vgl. Tumuscheit (2010) S. 1.

[28] Vgl. Komus/Kuberg (2015a) S. 6f.

[29] Vgl. Rathmann (2005) S. 1f.

[30] Rubin (2014) S.33.

[31] Nikolov (2015) S.13.

[32] Pichler (2016) S.1.

[33] Vgl. Schwaber/Sutherland (2016) S. 3 f.

[34] Kriegisch (2016) online.

[35] Vgl. Beck u.a. (2001) online.

[36] Vgl. Beck u.a. (2001) online.

[37] Vgl. it-agile GmbH (2009) 0:19 – 0:36 Min.

[38] Vgl. it-agile GmbH (2009) 0:37 – 1:08 Min.

[39] Vgl. it-agile GmbH (2009) 1:09 – 2:10 Min.

[40] Eigene Erstellung nach it-agile GmbH (o.J.a) online.

[41] Vgl. it-agile GmbH (2009) 3:04 – 3:28 Min.

[42] Vgl. it-agile GmbH (2009) 3:30 – 3:47 Min.

[43] Vgl. Komus/Kuberg (2015a) S. 7.

[44] ebd.

[45] Vgl. Komus/Kuberg (2015a) S. 3.

[46] Vgl. Komus/Kuberg (2015a) S. 6.

[47] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 39.

[48] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 40.

[49] Eigene Erstellung nach Komus/Kuberg (2015b) S. 40.

[50] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 41.

[51] Eigene Erstellung nach Komus/Kuberg (2015b) S. 41.

[52] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 77.

[53] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 89.

[54] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 91.

[55] Eigene Erstellung nach Komus/Kuberg (2015b) S. 89.

[56] Eigene Erstellung nach Komus/Kuberg (2015b) S. 91.

[57] Vgl. Komus/Kuberg (2015b) S. 139.

[58] Eigene Erstellung nach Komus/Kuberg (2015b) S. 139.

[59] Vgl. Scrum Alliance (2015) S. 2.

[60] Vgl. Scrum Alliance (2015) S. 10.

[61] Eigene Erstellung nach Scrum Alliance (2015) S. 10.

[62] Vgl. Scrum Alliance (2015) S. 8.

[63] Eigene Erstellung nach Scrum Alliance (2015) S. 8.

[64] Vgl. Scrum Alliance (2015) S. 17.

[65] ebd.

[66] Eigene Erstellung nach Scrum Alliance (2015) S. 17.

[67] Vgl. Pichler (2016) S. 9.

[68] Eigene Erstellung nach Wirdemann (2011) S. 37.

[69] Vgl. Schwaber/Sutherland (2016) S. 5.

[70] Vgl. Schwaber/Sutherland (2016) S. 5f.

[71] Vgl. Pichler (2016) S. 9f.

[72] Vgl. Pichler (2016) S. 10.

[73] Vgl. Pichler (2016) S. 9 f.

[74] Vgl. Schwaber/Sutherland (2016) S. 6.

[75] Vgl. Schwaber/Sutherland (2016) S. 6.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Der Stellenwert von Scrum-Zertifizierungen
Untertitel
Empirische Untersuchung zur Bedeutung aus Sicht der Belegschaft
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2017
Seiten
109
Katalognummer
V353353
ISBN (eBook)
9783668399280
ISBN (Buch)
9783668399297
Dateigröße
1658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scrum, Projektmanagement, Ausbildung, Weiterbildung, Schulung, Zertifizierung
Arbeit zitieren
Andreas Lakmann (Autor:in), 2017, Der Stellenwert von Scrum-Zertifizierungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353353

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