Strategie mit Stil? - Die Rhetorik der SMS


Magisterarbeit, 2004
114 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Die Welt der Nullen und Einsen

2. Theoretischer Teil
2.1. Technischer Teil
2.1.1. Die Entwicklung des Mobilfunks in Deutschland
2.1.2. Der Short Message Service (SMS)
2.2. Sprachphilosophisch-theoretischer Teil
2.2.1. Medien sind Kultur: Es muss auch ohne Funktionalisierung gehen
2.2.2. SMS und Rhetorik – eine Analogie
2.2.3. Auf der Suche nach dem Spezifischen der SMS-Sprachpraxis
2.2.4. Wie lässt sich Sprache so fassen, dass Veränderungen möglich sind?
2.2.5. Ludwig Wittgenstein: Wer spricht, spielt das Sprachspiel
2.2.6. Donald Davidson: Verstehen ist immer Interpretation

3. Empirischer Teil
3.1. Vorgehensweise
3.2. Analytischer Teil
3.2.1. Andersartigkeiten
3.2.2. Die Analyse der SMS

4. Konklusion
4.1.1. Eine Rhetorik der SMS im Sinne eines präskriptiven Systems

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Literatur
5.2.1. Forschungsliteratur
5.2.2. Elektronisch vorliegende Literatur
5.2.3. Zeitungen

6. Anhänge
6.1. Anhang 1: SMS-Liste
6.2. Anhang 2: Email
6.3. Anhang 3: Die Andersartigkeiten der SMS-Sprachpraktiken gegliedert aufgelistet
6.3.1. Auf Zeichenebene
6.3.2. Auf Wortebene
6.3.3. Auf Strukturebene
6.3.4. Auf Sprachebene
6.3.5. Sonstiges
6.4. Anhang 4: Das Schema der Mediolekte von Patrick Schmidli
6.5. Anhang 5: Gruß- und Schlussformeln
6.6. Anhang 6: Persönliche Erklärung

1. Einleitung

1.1. Die Welt der Nullen und Einsen

Der kanadische Medienforscher Marshall McLuhan rief mit seinem Buch „Die Gutenberg-Galaxis“ das Ende des Buchzeitalters aus. Er prägte damals eine Metapher, die - im Gegensatz zu seiner Aussage, das Zeitalter des Drucks sei vorbei - noch heute Bestand hat: die von der Welt als einem „globalen Dorf“[1]. Seit McLuhan sein Aufsehen erregendes Werk geschrieben hat, ist die Entlokalisierung der technisch bewerkstelligten Kommunikation beträchtlich gewachsen. Doch von einem „globalen Dorf“ ist die Welt immer noch recht weit entfernt: Vielleicht ist es ein gigantisches Missverständnis gewesen, vor der Folie einer möglichen grenzenlosen Kommunikation darauf zu schließen, dass damit auch tatsächliche Kommunikationsbedürfnisse befriedigt werden. Vielleicht ist aber der Prozess der Bedarfsweckung noch gar nicht abgeschlossen und / oder die Möglichkeiten des Medieneinsatzes vor allem im Bereich der Mobilkommunikation stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Der gegenwärtige Zustand erlaubt nicht, sich für eine Sichtweise zu entscheiden. Das, was McLuhan als Voraussetzung für das „globale Dorf“ proklamiert, die elektronische Interdependenz, erhielt mit dem Aufkommen der mobilen Telefonie tatsächlich einen Schub, dessen Kraft bis heute - so sei hier prophezeit - noch gar nicht ermessen werden kann: Die globale Vernetzung und die Überwindung von Zeit und Raum gehen in ihr einen perfekten Bund mit großem Wachstumspotenzial ein. Zugleich ist die Welt jedoch am ehesten in wirtschaftlicher Hinsicht zusammengerückt. Von einem globalen Dorf kann keine Rede sein, höchstens von einem globalen Markt. Wahrscheinlich wurde angesichts der neuen Medienmöglichkeiten die Bedeutung der Face-to-Face-Kommunikation unterschätzt. Jedenfalls zeigen sich in den SMS, die Gegenstand dieser Untersuchung sind, wenige Merkmale einer Kommunikation im globalen Dorf. Allenfalls mehrsprachige SMS können ein Anzeichen dafür sein, dass das globale Dorf Realität wird. Genauso gut kann mehrsprachige Kommunikation früher andere Wege gefunden haben. Auch vor dem Hintergrund der wachsenden räumlich-situativen Unabhängigkeit der Datenkommunikation und damit verbunden einer zunehmenden Bedeutungslosigkeit des Aufenthaltsortes eines Kommunizierenden scheint die Metapher „globales Dorf“ – ohnehin schon ein Oxymoron – gegenwärtig wenig angemessen.

McLuhan konnte die anhaltende Entlokalisierung des Datenflusses so nicht voraussehen. Heute können niedrige Datenmengen, wie sie bei Telefongesprächen und einfachen Datentransfers anfallen, ortsunabhängig übermittelt werden. Im Idealfall könnte man bei einem weltumspannenden einheitlichen Netzstandard – der jedoch noch nicht existiert - von jedem Ort der Erde mit einem Mobiltelefon mit anderen kommunizieren. Der am weitesten verbreitete Netzstandard GSM ist in 197 Ländern präsent. Für die Zukunft sind mobile Datenübermittlungen in einer Größe von 2 Megabit pro Sekunde geplant - damit lassen sich beispielsweise simultan fünf hochwertige Videokonferenzen realisieren.

Geht man daher von einer Determiniertheit der Veränderungen im Kommunikationswesen aus[2], gelangt man zu der Vermutung, dass in nicht allzu ferner Zukunft jeder von jedem Ort der Welt via Funk oder Mobilfunk Zugriff auf seine Daten oder die anderer haben wird. Statt einer Festplatte wird jeder Nutzer[3] wohl irgendwo einen Datenspeicher haben und mittels unterschiedlicher Geräte – digitaler Kameras, mobiler Telefone und Computer etc. – von überall darauf zugreifen können; ständig online zu sein wird zur Norm werden. Mediale Kommunikation und das Internet als Geflecht von Datenkabeln, das die Weiterleitung unterschiedlicher medialer Kommunikationscontainer ermöglicht, wird eine völlig neue Bedeutung bekommen. Darauf deuten zumindest die gegenwärtige Entstehung von lokalen kabellosen Netzwerken (W-LAN) und die anstehende Einführung des UMTS-Standards hin.

Eine Einschränkung ist hier angebracht: Das zunehmende Vernetzen der Welt findet derzeit nur dort statt, wo genügend Geld dafür vorhanden ist. Das „globale Dorf“ ist so entgegen der Intention der Schöpfer des Internets zu einer Siedlung für die geworden, die sich ein Haus dort leisten können.[4] Allerdings ist die These, dass die zunehmende Vernetzung der Welt nicht zu einem Zusammenwachsen der Menschen führt, als gegenwartsbezogen zu sehen. Denn bis eine technische Neuerung ihre Hauptnutzung gefunden hat, vergeht einige Zeit.[5]

Das weit größere Verdienst von McLuhan ist in der Begründung eines neuen Paradigmas zu sehen, demzufolge Medien nicht nur Kommunikationsträger sind, sondern auch Auswirkungen auf ihre Nutzer haben. Das meint McLuhan mit dem Satz „Das Medium ist die Botschaft“. McLuhan belegt dies anhand eines Ganges durch die Mediengeschichte. Die Frage, inwiefern diese Auswirkungen Sprache im Sinne einer Summe aller Sprachpraktiken verändern, steht auch bei dieser Untersuchung im Hintergrund.

Diese allmählich ausgeprägte Hauptnutzung von technischen Neuerungen, also auch von Mediengeräten, kann sich später noch ändern. Es dauert also, bis sich die Botschaft eines Mediums[6] dauerhaft manifestiert. Insofern ist McLuhans statische Sicht der Botschaft eines Mediums falsch. Denn diese Botschaft ist keine dem Medium eigene Auswirkung auf den Menschen, sie ist dynamisch und entsteht erst im sozialen Kontext. Zudem differiert sie innerhalb verschiedener sozialer Kontexte in einem gewissen Maß. Anschaulich wird dies am Beispiel des Internets, das nur in einigen Teilen der Erde an seiner vermutlichen Hauptnutzung angekommen ist, in anderen Teilen dagegen sehr dünnmaschig ist und damit anders, nicht als Massenkommunikationsnetz, genutzt wird.

Ein schöner Beleg für McLuhans „Botschaft“ ist, dass der Ausdruck „globales Dorf“ einhergehend mit der Durchsetzung des Internets in der heutigen Form in vielen Teilen der Erde Gemeingut geworden ist.

Ganz neu ist McLuhans Vorstellung von der Botschaft eines Mediums nicht. Sie findet sich ansatzweise schon in einem Briefwechsel aus dem Jahr 1882 zwischen Friedrich Nietzsche und Heinrich Köselitz, wie Friedrich Kittler schreibt. Mit dem Satz „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“[7] habe Nietzsche in einem Brief an Köselitz McLuhan vorgegriffen. Allerdings hat Kittler etwas übersehen: Das Verdienst des Mc-Luhan-Vorgriffes gebührt nämlich Köselitz, der zuvor auf einer Postkarte an Nietzsche schrieb:

„Für ihre gütig übersandte Schriftprobe danke ich Ihnen vielmals herzlich. Sowohl von der Deutlichkeit der Lettern, noch mehr aber von der Kernigkeit der Sprüche war ich sehr überrascht. Woher haben Sie auf einmal diesen altdeutschen Ton und den selben Geschmack in der Bilderrede? [...] Nun möchte ich gerne sehen, wie mit dem Schreibapparat manipuliert wird; ich denke mir, dass es viel Übung kostet, bis die Zeilen laufen. Vielleicht gewöhnen Sie Sich mit diesem Instrument gar eine neue Ausdrucksweise an; - mir wenigstens könnte es so ergehen; ich leugne nicht, dass meine „Gedanken“ in der Musik und Sprache oft von der Qualität der Feder und des Papiers abhängen [...].“[8]

Nietzsche entgegnete:

„Sie haben Recht – unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“[9]

Es ist reizvoll, sich die Folgen des technischen Fortschritts, wie McLuhan es damals tat, auszumalen – doch es ist auch hypothetisch. Die Veränderung des Menschen durch das Medium wie sie McLuhan proklamiert lassen sich dagegen mittels empirischer Untersuchungen durchaus beobachten. Die Medienforschung ist relativ rege, spaltet sich aber in viele Richtungen auf: Die Linguistikforschung setzt sich beispielsweise mit der Einwirkung neuer Kommunikationsmöglichkeiten wie SMS und Email auf die Sprache auseinander, die Psychologie widmet sich derzeit verstärkt dem Einfluss von Computern und deren Vernetzung auf das Lernverhalten und wie sich computerbasiert lernen lässt, Kulturwissenschaftler suchen nach gesellschaftlichen Veränderungen, die auf den Gebrauch von modernen Kommunikationshilfsmitteln zurückgehen. All diese Teiluntersuchungen haben aber noch nicht zu einer gemeinsamen Technikfolgenabschätzung zusammengefunden.

Den Veränderungen durch neue Kommunikationsmöglichkeiten kann man nicht nur als Wissenschaftler nachspüren. Handybesitzer kennen die Auswirkungen aus eigener Erfahrung. Sei es, dass man erst den angemessenen Umgang mit der allzeitigen Erreichbarkeit finden muss, oder dass man bemerkt, wie sie sich auf alltägliche Verhaltensweisen auswirkt. Beispiele gibt es viele: Das Abwägen, ob man das Telefon mit sich trägt oder es aufgrund eventueller Störungen zu Hause lässt. Der Gedanke, Anrufe zu verpassen, wenn man es nicht bei sich hat. Eine andere Form von Einfluss tritt beim Schreiben von SMS auf. Jeder Handybesitzer kann sie feststellen, wenn er Inhalte in die Form kurzer Texte bringt, um sie per SMS zu übermitteln. In dieser Arbeit sollen nicht die Veränderungen untersucht werden, die das Medium SMS bei den einzelnen Nutzern hervorruft. Das wäre im gegebenen Arbeitsrahmen nicht zu bewerkstelligen.

Es soll stattdessen untersucht werden, ob sich an den Sprachpraktiken, die unter den von der Beschaffenheit der SMS vorgegebenen Bedingungen entstehen, spezifische Andersartigkeiten feststellen und diese gegebenenfalls kategorisieren lassen. Aus diesen Ergebnissen soll der Ansatz zu einer Rhetorik der SMS destilliert werden.

Diese Darstellung folgt dabei Dierk Spreen, der im „technisch-medialen Apriori“, also in der Ansicht, dass „technische Vermittlungsverhältnisse gesellschaftlichen, kulturellen und epistemologischen Strukturen vorausgesetzt sind“[10], eine zentrale Rolle für medientheoretische Untersuchungen sieht.[11] Denn nur unter diesen Voraussetzungen kann es so etwas wie eine Rhetorik der SMS überhaupt geben.

Die Untersuchung dieser Veränderungen benötigt freilich einen sprachtheoretischen Unterbau, und angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen und Theorien von und über Sprache und Sprechen wird schnell klar, dass man sich auf einem gefährlich glatten sprachphilosophischen Feld bewegt. Um allzu schlimmen Stürzen vorzubeugen, soll nach einer kurzen technischen Definition der SMS und der Schilderung ihrer Entwicklung hier eine sprachtheoretische und medienphilosophische Betrachtung stehen, die die Art und Weise, wie Sprache in SMS verwendet wird, im Feld der Sprachtheorie positioniert.

Eines vorneweg: SMS müsste korrekterweise mit Kurz-Nachrichten-Dienst übersetzt werden. Man müsste also, wenn man die Textbotschaft meint, von „SM“ sprechen. Hier soll aber dennoch die gebräuchliche Abkürzung „SMS“ verwendet werden.

Diese Arbeit wäre nicht möglich gewesen ohne die 500 SMS, die mir eine Vielzahl von Personen abgetippt und zur Verfügung gestellt haben. Dafür - und dass sie auch sehr persönliche SMS nicht ausgesiebt haben - danke ich ihnen.

2. Theoretischer Teil

2.1. Technischer Teil

2.1.1. Die Entwicklung des Mobilfunks in Deutschland

Der Mobilfunk hatte bereits eine überraschend lange Geschichte hinter sich, bevor er sich in Deutschland in der Masse durchsetzte. Schon 1918 unternahm die Deutsche Reichsbahn bei Berlin Versuche mit Funktelefongesprächen aus fahrenden Zügen. 1926 konnten die Fahrgäste auf der Strecke Hamburg - Berlin dann tatsächlich Funkgespräche führen.

1946 wurde das weltweit erste Mobilfunk-Netz in Amerika betrieben, Anfang der 50er Jahre entstanden dann auch in Deutschland lokale Netze. Das erste bundesweite Netz, das so genannte A-Netz, wurde 1958 von der Bundespost eingeführt. Es funktionierte rein analog und mit Handvermittlung und war von dem heutigen Telefon-Netz-Verständnis weit entfernt: Wechselte man von einem Funkbereich in den anderen, musste das Gespräch abgebrochen werden. Vor allem die hohen Gesprächsgebühren und die klobige Technik sorgten dafür, dass das Netz nicht mehr als 10 000 Teilnehmer zu seinen Höchstzeiten fand. 1977 wurde der Betrieb eingestellt.

Von 1972 bis 1994 konnte man über das wesentlich fortschrittlichere B-Netz telefonieren. Zwischen 16 000 und 27 000 Netz-Teilnehmer telefonierten mit Selbstwahl, sogar „Roaming“, der Betrieb des Gerätes im Ausland, war in einigen Nachbarländern Deutschlands möglich.

1981 wurde in Schweden vom dortigen Netzbetreiber „Televerket“ das erste kommerzielle zelluläre Netzwerk in Betrieb genommen. Das neuartige Funktionsprinzip sollte sich bald durchsetzen. Andere skandinavische Staaten folgten wenige Zeit später.[12]

Das erste zellulär aufgebaute Netz in Deutschland war das C-Netz der Deutschen Bundespost, das 1985 geschaltet wurde. Mit den Vorteilen, die es brachte, beispielsweise eine für das ganze Bundesgebiet einheitliche Rufnummer, zeigte es die alte, zentralistische Funktionsweise früherer Netze schnell als überholt. Bis heute hat sich der zelluläre Aufbau von Netzen bewährt.

1987 brachte Siemens das erste tragbare Telefon auf den Markt – es war so groß wie ein Kofferradio – bald darauf folgten Handys. Kleinere Akkus machten es möglich. Weil die Sendeleistung aufgrund des zellulären Netzaufbaus abnahm, mussten sie weniger Leistung bringen. Das C-Netz bot auch Daten- und Faxverbindungen. 1993 hatte das Netz 803 000 Teilnehmer. Zum Jahresende 2000 wurde es abgeschaltet.

Das 1981 in Betrieb genommene schwedische Netz funktionierte nach dem NMT-Standard, der in der Folge auch von anderen europäischen Netzbetreibern eingesetzt wurde. Allerdings entwickelten französische, italienische und deutsche Netzbetreiber ihre eigene Technologie, so dass zu Beginn der Neunziger sechs verschiedene Standards und insgesamt elf Varianten auf dem europäischen Telekommunikationsmarkt präsent waren, alle miteinander inkompatibel.[13]

Im Jahr 1982 ist der Ausgangspunkt für die Entwicklung des erfolgreichsten Mobilfunkstandards der Welt zu sehen, genannt GSM[14]. Vertreter von Telekommunikationsgesellschaften aus 26 europäischen Ländern trafen in der „Conférence des Administrations Européennes des Postes et Télécommunications (CEPT)“ zusammen. Eine deutsch-französische Studie über Probleme der Mobilkommunikationsbranche wurde diskutiert.[15] Die meisten Mitglieder der Konferenz waren staatliche Monopolgesellschaften, die folglich jeweils ihre nationalen Belange im Blick hatten. Ein Ergebnis dieser Zusammenkünfte war die Einsicht, dass der Aufbau eines einheitlichen Mobilfunknetzes eine europaweite Zusammenarbeit nötig machte. Eine „Groupe Spécial Mobile“ wurde gegründet, die Spezifikationen für ein europaweites und einheitliches Mobilkommunikationsnetz festlegen sollte. Dieses sollte dann die Abkürzung dieser Gruppe, GSM, im Namen tragen.

Nachdem Deutschland, Frankreich und Italien 1985 einen Vertrag über die Entwicklung von GSM unterzeichneten und sich die Kommission der Europäischen Gemeinschaft entschloss, sich in einer Sitzung mit dem Bedarf für Mobilfunkkommunikation zu beschäftigen, kam die neue Technik entscheidend voran: die Europäische Gemeinschaft erließ eine Empfehlung und eine Direktive, in der die Mitgliedsstaaten das politische Fundament für die GSM-Entwicklung legten. Am 7. September 1987 unterzeichneten Netzbetreiber aus 13 Ländern in Kopenhagen eine Grundsatzerklärung (MoU), die von 15 Unterzeichnern anerkannt wurde: Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Spanien, Niederlande, Belgien, Portugal, Irland und drei Netzbetreibern.

1991 nahm das erste Pilotnetz seinen Betrieb auf, ein Jahr später wurde der Standard offiziell eingeführt. Bereits 1993 gab es 36 GSM-Netze in 22 Ländern, weitere sechs Jahre später waren es gar schon 239 GSM-Netze in 108 Ländern. In Europa war damit die Zeit der vielen unterschiedlichen Netze vorbei. Zugleich sanken die Preise, da sich die Entwicklungskosten nun auf einen größeren Nutzerkreis verteilen lassen konnten.[16] Jetzt, an der Schwelle zur Einführung des nächsten Standards, UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) genannt, nutzen 863 Millionen Teilnehmer weltweit die 584 GSM-Netze.[17] Mehr als jeder zehnte Mensch auf der Welt benützt also GSM-Standard-basierte Geräte. Für Ende 2003/Beginn 2004 erwartet die GSM Association den Ein-Milliardsten Kunden. Wegen des großen Erfolgs der GSM-Netze wird GSM heute auch mit „Global System for Mobile Communications“ apostrophiert.[18]

Mit diesem Standard kehrte digitale Technik in das Mobilfunknetz ein, die, neben verbesserter Sprachqualität, viele neue „Features“ ermöglichte, unter anderem das Verschicken und Empfangen von SMS über Nationalgrenzen hinweg. Das GSM-Netz ist ebenfalls zellulär aufgebaut. Er ermöglicht aufgrund einer besseren Ausnutzung der verfügbaren Frequenz-Bandbreite höhere, streng genommen sogar unbegrenzte Teilnehmerzahlen.[19]

In Deutschland wurde der neue Standard vom D-Netz getragen. 1992 starteten Mannesmann Mobilfunk und die Deutsche Telekom gleichzeitig ihre Netze – zum ersten Mal gab es in Deutschland Konkurrenz im Telekommunikationsmarkt. Seit 1994 arbeitet das E1-Netz von E-Plus, 1998 kam das E2-Netz von Viag Interkom hinzu.

Wie sich die Branche weiterentwickeln wird, ist schwierig zu beurteilen. Zum einen zeigt der Rückblick, dass der tatsächliche Bedarf kaum abzuschätzen ist. So schätzte man noch Anfang der 80er-Jahre, die Mobilkommunikation werde maximal 100 000 Nutzer finden. Auch ein Verschicken von SMS in solchen Massen wie heute erwartete niemand. Zudem ist der Telekommunikationsmarkt in Deutschland noch nicht zur Ruhe gekommen. Allerdings ist davon auszugehen, dass kaum weitere Anbieter in den Kreis der Mobilfunk-Netzbetreiber (Deutsche Telekom Mobil, Vodafone (früher Mannesmann Mobilfunk), E-Plus, 02 (früher Viag Interkom) und Quam) kommen werden. Im Gegenteil: Quam hat zwar eine der teuren UMTS-Lizenzen ersteigert, will aber nach gegenwärtigem Stand kein Netz aufbauen und zieht sich damit faktisch aus dem Markt zurück.

Eine Tendenz zeichnet sich ab: die Übertragung von Daten wird immer mehr auf mobile Geräte zugeschnitten. GSM-Netze erlauben eine Übertragung von bis zu 384 Kilobit an Daten pro Sekunde. Das ist in etwa so viel, wie für eine hochwertige Videokonferenz benötigt wird.[20] Bedenkt man, welche Datenmenge beispielsweise ein 90-minütiger Film auf die Digital-Waage bringt, scheint das recht wenig. Die in Kürze anstehende Einführung des neuen Mobilfunk-Standards UMTS wird höhere Übertragungsraten und damit neue Anwendungen ermöglichen: Als UMTS-Standard sind 2 Megabit pro Sekunde definiert. Dieser soll jedoch nur in Gebäuden erreicht werden. Für mobile Kommunikation ist der Wert geringer und liegt zwischen 144 und 384 Kilobit.[21]

2.1.2. Der Short Message Service (SMS)

SMS sind mittlerweile zu einem Alltagsphänomen und – entgegen früherer Prognosen der Netzbetreiber – zu einem einträglichen Geschäft geworden. Der durchschnittliche Handybenutzer versendete im Jahr 2000 35 SMS pro Monat. SMS machten im Jahr 2001 12 Prozent des Netzumsatzes der Netzbetreiber aus.[22] Stolz verzeichnete die GSM-Organisation im Mai 2002 weltweit 24 Billionen versandte SMS täglich auf ihrer Homepage.[23] Im Jahr 2000 wurden in Deutschland im März nur fünf Milliarden Kurznachrichten gesandt. Im Dezember 2002 waren es schon 30 Milliarden verschickte SMS.[24] Im europäischen Vergleich schrieben die 55 Millionen Handybesitzer in Deutschland im Jahr 2001 am meisten SMS.[25] Eine Untersuchung der Gesellschaft für Erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung ergab, dass 70 Prozent von mehr als 1000 Befragten den SMS-Service als liebste Beschäftigung angegeben haben. 88 Prozent der Handynutzer unter 40 Jahren bezeichnete die SMS-Funktion als die wichtigste.[26] Die Geschichte der SMS ist also eine Geschichte der sensationellen Zuwächse. Diese Zahlensteigerung hält aufgrund weltweiten Zuwachses noch immer an. In Europa zeichnet sich dagegen eine Stagnation der Zahl der übermit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

telten SMS auf hohem Niveau ab. Eine Grafik verdeutlicht den rasanten Nutzerzwachs, den die SMS binnen zwei Jahren verzeichnen konnte:

Quelle: http://www.gsmworld.com/technology/sms/images/smsgraph2.gif

Doch was ist eine SMS eigentlich?

Eine Textbotschaft, die maximal 160 Zeichen umfasst. Manche Geräte erlauben auch bis zu 485 Zeichen, gängig sind aber 160 Zeichen (sofern es sich um lateinische Schriftzeichen handelt, bei arabischen und chinesischen Zeichen etwa ist nur für 70 Schriftzeichen Platz). Die Texte werden im Regelfall über die Tastatur des Telefons eingegeben, allerdings gibt es auch die Möglichkeit, SMS über das Internet zu verschicken. Dieser Dienst wird aber von immer weniger Firmen angeboten.

Bei Handys älterer Generation ist die Eingabe über die Tastatur relativ mühsam. Da Handys mit der Ausnahme einiger weniger Modelle[27] über weniger als 26 Tasten verfügen, konnte bei der Codierung der 26 Buchstaben des Alphabets nicht jedem Buchstaben eine einzelne Taste zugeordnet werden. Man musste deswegen eine Taste bis zu drei Mal drücken, um den gewünschten Buchstaben zu erhalten. Als Erleichterung entwickelte die amerikanische Firma „Tegic“ im Jahr 1995 die so genannte T9-Software (T ext on 9 keys).[28] Vereinfacht formuliert wandelt sie die Buchstabenfolgen der Wörter in Zahlencodes um – „Buch“ beispielsweise wird zu 2824. Die doppelte zwei findet sich, weil das „B“ und das „C“ beide mit einem Druck auf die Taste „2“ eingegeben werden, analog dazu das „U“ mit Druck auf die Taste „8“ und das „H“ mit Druck auf die Taste „4“.[29] Aus einem nach der Häufigkeit der Verwendung gestaffelten Katalog sucht die Software nun das Wort aus, das durch diesen Code gemeint sein könnte. Vermutlich wird die Software zuerst „auch“ anbieten, weil das „A“ ebenfalls durch einen Druck auf die Taste „2“ codiert ist. Mittels einer Wahltaste kann man dann die anderen Vorschläge durchblättern und dürfte dann recht schnell auf „Buch“ stoßen und das Wort auswählen. „Digit Wireless“, ebenfalls eine amerikanische Firma, plant eine neuartige Tastatur auf den europäischen Markt zu bringen, die auf gleicher Größe sowohl Buchstaben- als auch Zahlentasten unterbringt.[30]

Aus medientheoretischer Sicht betrachtet weist die SMS Besonderheiten auf. Zum einen waren SMS bisher Bestandteil in einem System, das anfangs rein auf Sprachlichkeit beruhte und nicht auf alphanumerischer Nachrichtenübertragung.[31] Die SMS hat also eine Spezialstellung inne: Sie gehört zum Telefon, einem akustisch funktionierenden Medium, beruht aber auf Schrift. Vielleicht verdeutlicht sie damit, dass herkömmliche Medien am Ende der Nutzbarkeitspalette angelangt sind und deutet Erweiterungen in Richtung eines audiovisuellen Mediums an, einen Paradigmenwechsel in Gestalt einer Entwicklung weg vom Medium der Schrift hin zu einer telemedialen Oralität und Visualität. Diese Entwicklung manifestiert sich gerade in der anstehenden Einführung des UMTS-Standards und in neuen Handys, mit denen man Bilder und sogar kurze Filme zusammen mit Text versenden kann. Dieser Nachfolger des Short Message Service nennt sich Multimedia Message Service (MMS) oder auch Expanded Media Service (EMS), je nach Netzanbieter. Die meisten der dazu nötigen Geräte können die zu versendenden Bilder selbst oder mit einer Zubehör-Kamera aufnehmen.

Wahrscheinlich ist die SMS die jüngste Mediengattung, die auf Schrift beruht. Gut möglich, dass ihr keine weiteren textbasierten Mediengattungen mehr folgen.

Das ehemals kostenlose Nebenprodukt SMS wurde in seiner Anwendbarkeit von den Netzbetreibern völlig falsch eingeschätzt. 1992 wurde in Großbritannien die erste Test-SMS gesendet.[32] Noch in Jacek Bialas Buch aus dem Jahr 1995 heißt es:

„SMS wird für die Kommunikation zwischen dem Dienstezentrum (SC: SMS Center) und MF-Teilnehmern [Mobilfunk-Teilnehmern] bzw. ihren Endgeräten, so z.B. für allgemeinzugängliche Informationen mit engem lokalen Bezug wie Verkehrssituation, Warnungen, Parkmöglichkeiten, Wetterlage u.s.w., eingesetzt.“[33]

Heute ist diese Nutzung des Short Message Service kaum verbreitet. Es gibt die Möglichkeit, so genannte Cell-Broadcast-Dienste in Anspruch zu nehmen, sie wird aber zum einen nur wenig genutzt und zum anderen auch nur von wenigen Mobilfunk-Anbietern zur Verfügung gestellt, da sie kostenlos ist. Im Untersuchungskorpus finden sich auch wenig Beispiele für die so genannten Point-to-Multi-Messages, die von einem Sender an mehrere Empfänger geschickt werden. Netzbetreiber nutzen diese Möglichkeit, um Werbehinweise in eigener Sache zu geben (Beispiel: SMS 277). Und auch Firmen versuchen, damit Kunden zu werben - mit, aber auch ohne deren Einverständnis (SMS 491).

Weit überwiegend ist aber die private, individuelle Nutzung des Mediums, der so genannte Point-to-Point-Service. Er macht mit Abstand den größten Teil des gesamten SMS-Aufkommens aus.

2.2. Sprachphilosophisch-theoretischer Teil

2.2.1. Medien sind Kultur: Es muss auch ohne Funktionalisierung gehen

Die Wissenschaft tat sich mit Neuerungen, die sich noch nicht mit der ganzen Fülle ihrer Auswirkungen gezeigt haben, schon immer schwer. Das ist bei SMS nicht anders: Auf der einen Seite lassen sie sich schon – die Anwendung eines modern geprägten Kulturbegriffes vorausgesetzt – als Bestandteil der Gegenwartskultur[34] bezeichnen. Ihre starke Nutzung spricht dafür. Andererseits hat sich ihre Botschaft im McLuhanschen Sinne noch nicht komplett ausgeprägt. Sie stehen so paradigmatisch für ein Muster in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Medien, die entweder nur einen Pol der Diskussion im Blick hat oder zwischen beiden unruhig hin- und hergeht. Die eine wissenschaftliche Partei arbeitet in ihren Werken Medien als Heilsbringer heraus, die andere Seite dagegen als Vorbereiter des kulturellen Niedergangs. Beide Positionen können auch für SMS zur Anwendung kommen, wenn es um ihre Auswirkungen auf „die Sprache“ geht.

Auch wenn die Positionen radikaler Medienkritik mit denen der genauso radikalen Medienaffirmation einen Bund eingehen, wie dies geschieht, wenn die gegenwärtige Medienpraxis gegen das Ideal einer vollkommenen, störungsfreien Kommunikation abgesetzt wird, wird ähnlich stark polarisiert und ein irrational anmutender Umgang mit Medientheorie deutlich. Auf der einen Seite steht dann die als menschenverachtend, repressiv und verdummend beschriebene Medientätigkeit, auf der anderen Seite die reine Kommunikation, eine Quadratur des Kreises, die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen aufhebt, alle miteinander verbindet und Missverständnisse durch reine Kommunikation unmöglich macht.[35] Die Diskussion ist von einer Übereinstimmung geprägt: der nämlich, dass Medien die sozialen Realitäten grundlegend verändern können. Optimistische wie pessimistische Wissenschaftler argumentieren auf diesem gemeinsamen Fundament. Gerade deshalb ist die Diskussion Neuer Medien häufig emotionsgeladen.

Diese Arbeit geht ebenfalls von dem Verständnis aus, dass Medien einen Einfluss auf ihre Nutzer haben, die Gesellschaft in Form des einzelnen Individuums aber auch Einfluss auf Medien ausübt. Als Beleg sei darauf verwiesen, dass es immer eine Weile dauert, bis ein Medium seine endgültige Form der Nutzung ausgeprägt hat - und diese Form der Nutzung nicht allein vom Medium bestimmt wird, sondern in der Gesellschaft im laufenden Gebrauchs-Prozess entwickelt wird.

Eine Möglichkeit, wie man bei der Medien-Diskussion sachlich bleiben kann, zeigt Helmut Henne. Seine Relation zwischen Jugend- und Standardsprache[36] lässt sich auf das Verhältnis zwischen SMS-Sprachpraktiken und Standardsprache übertragen. Henne schreibt, Jugendsprache und Standardsprache seien nicht zwei alternative, sondern aufeinander bezogene Konzepte. Zum einen als „Jugendsprache in der Standardsprache, die ihre neuen und modischen Stücke und Versatzstücke dem Jungbrunnen ‘Jugendsprache’ entnimmt“, mit der Funktion, „Stil zu erproben: ‘Jugendstil’ zu setzen gegen den Sachstil der Standardsprache“ (Dadurch erklärt sich, warum die proklamierte SMS-Sprache für Werbezwecke eingesetzt wurde: Man erhoffte sich, dass die Jugendlichkeit, für die SMS damals standen, auf das Beworbene abfärbte). Zum anderen „Jugendsprache statt Standardsprache“, als Abgrenzung gegen die gesamtgesellschaftliche Sprachnormenkultur und zur Schaffung eines Zusammengehörigkeitsgefühls.

Die Rhetorik setzt ein nötiges Gegengewicht zur Medien-Überbewertung. Sie billigt Medien nur eine geringe Kraft zu, die nämlich des kommunikativen Widerstandes, den der Orator beim Kommunizieren berücksichtigen und so gut es geht überwinden muss. Die Rhetorik gibt den Orator als zentrale Instanz nicht auf – das könnte sie auch gar nicht. Ganz im Gegenteil: In Anspielung auf Marshall McLuhan schreibt Joachim Knape: „Der Orator ist die Botschaft.“[37] Anstatt Medien zu viel Kraft einzuräumen, geht die Rhetorik von der Ansicht aus, dass der Gestalter und Nutzer des Mediums über jedes Medium gebietet. Sie sieht die Rezipienten in erster Linie als einen Faktor aus produktions-theoretischer Sicht. Dies hat die Folge, dass die Rhetorik apokalyptischen Sichtweisen nie erlegen ist, sondern stets eine Theorie der individuellen Stärkung und damit eine Gegenbewegung zu apokalyptischen Ergebenheitsvorstellungen bildete. Andere Disziplinen stimmten dagegen laut ins kulturpessimistische Konzert verschiedener Stimmen ein.

Die Ursache der Definition von Medien als Gefahr für Kultur und Sprache mag auch – neben dem diesen Disziplinen eigenen Menschenbild, das dem der Rhetorik diametral entgegengesetzt ist – in mangelnder Anpassungsfähigkeit der Forschung an gesellschaftliche, technische und soziale Veränderungen liegen, die der Einsatz und das Aufkommen neuer Medien mit sich bringt.[38] Die Medienforschung hat sich noch nicht von alten und veralteten Ansätzen emanzipiert, die von einem schwachen Mediennutzer in einer Massengesellschaft ausgehen. Das zeigen viele Medientheorien, die heute noch eine bedeutende Rolle spielen.[39] Allerdings ist der Rhetorik anzumahnen, dass sie sich stärker mit neuen Kommunikationserscheinungen beschäftigen sollte – auch wenn das traditionelle rhetorische Lehrgebäude hier zuweilen hindernd wirken kann.

Beim Gebrauch von Medien kommt es zu bewussten und unbewussten Widerständen. Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind die starken Einflüsse auf die Textur, die das Medium SMS zusätzlich zu den äußeren Widerständen in sich trägt. Die Rhetorik ignoriert im Allgemeinen diese Widerstände nicht, misst ihnen aber eine vergleichsweise geringe Bedeutung bei, wenn es darum geht, die Stellung des Orators zu bestimmen. Dies kann im Fall der rhetorischen Diskussion von SMS zu Konflikten führen, denn – so sei hier behauptet – das Widerstandspotenzial der SMS ist höher als das jeglichen anderen Kommunikationsmediums. Und das bleibt nicht ohne Folgen für die rhetorische Betrachtung. Diese Widerstände allerdings zu einer dekonstruktivistischen Sichtweise aufzubauschen ist aus rhetorischer Sicht unsinnig und zumindest für die Diskussion von Problemstellungen im Zusammenhang mit Medien wenig hilfreich.

Gespiegelt auf das Medium im Kern dieser Untersuchung, die SMS, bedeutet dies, dass der Gebrauch von Kurznachrichten die Nutzer weder verdummt noch gottgleich die Sprache der Menschen verändert. Sie ist auch keine Heideggersche „Sprachmaschine“. Peter Schlobinski konnte bisher keine großen Auswirkungen auf andere Kommunikationsformen feststellen.[40] Es liegt in der Hand der Nutzer, inwiefern sie dem Drang, den das Medium aufbaut, die verwendete Sprache an die Gegebenheiten des Mediums anzupassen, nachgeben. Dass sie dies tun werden, ist wahrscheinlich, aber dies wird nur zu einem gewissen Grad und vor allem nur in der situativen Bedingung der SMS geschehen.[41] Vor diesem Hintergrund ist das Führen einer sachlichen Diskussion, die nicht unausgesprochen um die Konservierung von Sprache kreist und diese verficht, einfacher.

Letztlich handelt es sich bei den SMS-Sprachpraktiken um eine Gruppe von Sprachphänomenen, die neben vielen anderen steht. Wie sich diese gegenseitig beeinflussen und ob sie sich überhaupt so stark beeinflussen, dass von einer Qualitätsminderung der Sprache ausgegangen werden kann, ist angesichts der Sichtweise von Sprache als einer in verschiedene Sprachpraktiken zerlegten Gesamtpraxis fraglich. So wie man vermuten kann, dass die SMS-Sprachpraktiken sich negativ auf Sprachpraktiken in anderen Kontexten auswirken, kann man auch mutmaßen, dass die Einschränkungen durch das Medium SMS eine kreative Verwendung von Sprache fördern.

Wenn Hartmut Böhm und Klaus Scherpe Recht haben, zieht sich die enge Verbindung zwischen Medien und Kultur schon von Anbeginn der Medialität des Menschen durch die Zeit:

„Im historischen Rückblick differenzieren die Medien sich aus primär oralen Überlieferungszusammenhängen nacheinander aus und bilden in neuzeitlichen Gesellschaften, die durch ein Nebeneinander mehrerer Medien geprägt sind, einen zunehmend komplexeren, subsystematisch gegliederten, von technischen Innovationen voran getriebenen Prozess, den nicht zu berücksichtigen jede Analyse kultureller Semiosis heute zu einem fast skurrilen Idealismus werden ließe.“[42]

Auch Erhard Oeser und Franz Seitelberger sehen eine enge Verbundenheit zwischen Sprache und Kognitionsleistungen des Menschen – schon seit Aufkommen des homo sapiens sapiens.[43] Die kulturelle Weiterentwicklung ging ihnen zufolge einher mit einer Weiterentwicklung der Kommunikationsmedien, angefangen bei der präliteralen Sprache, über die der Mensch in oralen Kulturen seit etwa 40 000 Jahren verfügt, über die Fortführung zu systematischen Sprachen, die medientechnisch greifbar wurden, bis zur Medienpalette der Gegenwart mit ihren mannigfaltigen Ausprägungen. Die Verbindung von Kultur und Sprachvermögen in einem rudimentären Sinne ist für die beiden so eng zu fassen, dass sie im Erwerb der Sprache die „Geburtsstunde des Menschen“[44] sehen. Es ist verständlich, dass nach 5000 Jahren Existenz schriftlich fixierter Sprache mit all ihren Vorteilen bei der Diskussion von Medien die gegebenenfalls anstehende Loslösung der Schrift von ihrer bedeutenden Rolle, die sie gegenwärtig noch innehat, skeptisch gesehen wird. Auch dies erklärt die apokalyptischen Züge, die die Diskussion Neuer Medien oft annimmt.[45]

Auch Vilém Flusser beschäftigt sich mit der kulturprägenden Kraft der Medien, hat sich dabei aber in seinem Denken schon von der Gutenberg-Galaxis losgelöst und sich mit der Visualität der Zukunft auseinandergesetzt. Sein hier skizziertes „hergebrachtes, ‘historizistisches’ Kulturmodell“[46] beschreibt, wie der Prozess der kulturellen Weiterentwicklung verstanden werden kann und ist durchaus auch aus der Warte des Text-Betrachters interessant und verwertbar:

„Das hergebrachte, ‘historizistische’ Kulturmodell ist ein lineares Modell, das sich auf eine spezifische Anthropologie stützt. Der ‘Mensch’ ist darin ein Lebewesen, das sich von den übrigen durch die Tatsache unterscheidet, dass es nicht nur ererbte, sondern auch erworbene Informationen weitergibt und speichert. Das Weitergeben solcher Informationen heißt ‘menschliche Kommunikation’, der Speicher für diese Informationen ‘Kultur’ und der Prozess des Weitergebens und Speicherns ‘Geschichte’.“[47]

Dieses Modell nutzt er als Ausgangspunkt, um sein post-historisches Kulturmodell zu entwickeln, ausgehend von dem Befund der Neurophysiologie, dass eine klare Unterscheidung zwischen ererbtem und erworbenem Wissen nicht mehr möglich ist.

Flusser vermeidet in dieser Passage offensichtlich, von Medien zu sprechen. Dennoch lässt sich daraus ohne viel Mühe folgern, dass der Speicher, die „Kultur“ also, Medien braucht, er ist in gewisser Weise Medien. Kultur und Medien bilden damit eine besonders beschaffene Einheit. Michael Giesecke sieht in Kultur „ein Supersystem [...], das menschliche, soziale, technische und vielleicht noch weitere Systeme miteinander verknüpft.“[48] Kultur ist nicht mehr loslösbar von den Medien, die sie in sich birgt und die sie benötigt. Kultur und Medien stehen dann auch in einem gegenseitigen Abhängigkeits- und Spannungsverhältnis. Hierarchisch bedingte Kultur-Veränderungen durch Medien sind also allein per constructionem unmöglich. Das bedeutet auch eine Abkehr von McLuhans Vorstellung, kultureller Wandel entstehe über Medien.[49] Denn Medien und Kultur lassen sich nicht isoliert voneinander sehen, wie auch Flussers unten beschriebenes Kulturmodell zeigt.

Das bedeutet, dass veränderte Sprachpraktiken, die sich bei der Nutzung Neuer Medien feststellen lassen, sich nicht losgelöst als Bedrohung für die bestehende Sprache darstellen lassen, sondern in ihrem historisch-kulturellen Kontext zu bewerten und per se zunächst wertfrei als eine kulturelle Weiterentwicklung anzusehen sind.

Flussers Weiterführung dieses linearen Kulturmodells zu einem post-historischen besteht im Wesentlichen darin, die Komponente „Zeit“ und damit „Verfall“ in das vorgegebene Kulturmodell zu integrieren, in Form einer Vergänglichkeit der Gegenstände, die als Informationsträger dienen, und zugleich eine lineare Entwicklung zu verneinen. Der Mensch ist in Flussers neuem Kulturmodell ein Wesen, das „gegen den Informationszerfall, gegen das Vergessen, gegen den Tod engagiert“[50] ist.

Dem steht ein Widerspruch entgegen. Denn in Zusammenhang mit dem Aufkommen der Neuen Medien lässt sich eine neue Zeitlichkeit von Schrift feststellen. Der Mensch, in den Bahnen des Flussserschen Kulturmodelles gedacht, engagiert sich nicht nur gegen den Informationszerfall, sondern er ist genauso auch Bestimmer, was an Informationen zerstört und was konserviert werden soll. Im Kontext neuer Schriftverarbeitungsmöglichkeiten entwickelt sich Schrift mehr und mehr in Richtung eines zeitlichen Ereignisses, das oft nicht mehr mit der Intention stattfindet, lange Zeit zu bestehen. Chat-Texte haben meist gerade so lange Bestand, wie sie auf den Schirmen der Nutzer stehen. Auch SMS waren ursprünglich Texte mit einer kurzen Speicherdauer, denn erst neuere Handys mit großer Speicherkapazität erlauben, viele SMS über einen langen Zeitraum zu konservieren. Geht man jedoch von einer Durchschnittsfrequenz von 35 SMS pro Monat aus, so reicht der Speicher auch leistungsfähiger Geräte nur für etwa dreieinhalb Monate. Allerdings gibt es die Möglichkeit, SMS per Datenkabel oder Infrarot-Schnittstelle in den PC zu übertragen.

Flusser misst dem materiellen Träger der Information einen hohen Wert bei. Vor allem in der vordigitalen Ära war der materielle Träger auch tatsächlich die eigentliche Information oder zumindest unabkömmlich zur Informationsverarbeitung, - speicherung und Weitergabe. Mit der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung von Daten ging aber auch eine zunehmende Entmaterialisierung von Information einher. Konrad Lischka sieht die Menschen immer noch in der Gutenberg-Galaxis, weil digitale Inhalte noch nicht den gleichen Stellenwert haben wie wenn sie auf einem materiellen Träger vorliegen. In einem Artikel über ein derzeit hoch gelobtes DVD-Vertriebskonzept, bei dem Kunden im Internet Filme ausleihen können, sie aber nicht über die Datenautobahn geliefert bekommen, sondern auf einer DVD per Post, stellt er fest:

„Kulturelle Inhalte werden weiterhin mit materiellen Trägern gleichgesetzt. Kein Song ohne CD, kein Roman ohne Buchseiten: Wir leben immer noch in der Gutenberg-Galaxis.“[51]

Natürlich, kann man einwenden, ist die Grenze zwischen Gutenberg-Galaxis und einem neuen „Zeitalter“ nicht scharf zu ziehen. Man mag darin nur Gewohnheiten sehen, die noch aus der Zeit der Gutenberg-Galaxis herrühren und jetzt in ein Zeitalter der neuen Medialität hinüberragen, das gerade am Technikhorizont heraufdämmert. Aber im Grundzug ist Lischka zuzustimmen: Der materielle Träger ist immer noch bestimmend, nicht sein Inhalt. Die alte Mündlichkeit-Schriftlichkeit-Debatte erscheint in einem neuen Gewand wieder.

Eine Kultur ändert sich also weniger schnell als ihre Medien. Es braucht eine ganze Weile, bis sich die Botschaft eines Mediums im McLuhanschen Sinne verbreitet hat. Das bedeutet auch, dass sich die Auswirkungen von SMS möglicherweise erst noch zeigen werden. Jochen Hörisch schreibt:

„Dass frisch erfundene Medientechniken eine Zeit lang brauchen, um darauf hin durchschaut zu werden, wozu sie eigentlich taugen und welche Risiken und Nebenwirkungen sie freisetzen, ist eine elastische Konstante der Medientechnologiegeschichte.“[52]

Die „Botschaft“ steht in Zusammenhang mit der Nutzung eines Mediums. Das zeigt die Geschichte: Gutenberg wollte mit seiner neuen Technik schöne Abschriften garantieren – eine Demokratisierung der Buchkultur hatte er nicht im Sinn. Edison sah in seinem Phonographen einen Briefschreiber und glaubte, man könne das Gerät hauptsächlich zum Aufnehmen von Diktaten einsetzen.[53] SMS werden derzeit - zumindest legt der Untersuchungskorpus dies nahe - fast nur für private, zwischenmenschliche Kontakte genutzt. Aber vielleicht dauert die Suche nach dem wahren Einsatzort und der endgültigen Form der SMS noch an.

2.2.2. SMS und Rhetorik – eine Analogie

Die Forschung über SMS steckt noch in den Kinderschuhen. Nur wenige Arbeiten liegen bisher vor. Peter Schlobinski zählt lediglich zwei wissenschaftliche Untersuchungen auf.[54] Beide sind noch als linguistische Pilotstudien zu bezeichnen. Die Studie von Jannis Androutsopoulos und Gurly Schmidt analysierte einen Textkorpus von 934 Texten, die komplette SMS-Kommunikation eines Freundeskreises von fünf Personen über einen Zeitraum von acht Wochen.[55] Die Forschungsgruppe um Peter Schlobinski sammelte bei einem Sportverein, in einer Schule und unter Studierenden insgesamt 760 SMS-Nachrichten und unterzog diese einer sprachlichen Analyse. Mit einem Fragebogen wurden zusätzlich Aspekte des Kommunikationsverhaltens untersucht. An der Universität Erfurt wird eine Studie erarbeitet, die mit Befragungen das SMS-Verhalten Jugendlicher untersucht.[56]

Der Mangel an wissenschaftlicher Rezeption ist umso überraschender, wenn man die oben herausgearbeitete Bedeutung der SMS im Alltag bedenkt.

Eine Verbindung zwischen der antiken Sprechwissenschaft Rhetorik und dem mehr als 2500 Jahre jüngeren Medium SMS herzustellen, erscheint zunächst - angesichts der starken Restriktion, die von der SMS ausgeht - unsinnig. Und so überrascht es wenig, dass es noch keine Rhetorik-theoretische Betrachtung der SMS gibt. Doch bei näherer Betrachtung wendet sich das Blatt: Es gibt mehrere Gründe, SMS aus der Perspektive der Rhetorik zu erschließen. Das rhetorische Ordnungssystem als universales Ordnungssystem bietet sich zur Kategorisierung bei der Analyse der SMS-Sprachphänomene an. Zudem stellt Peter Schlobinski fest:

„die Standardsprachen als ursprünglich notwenige Standarddruck- bzw. Standarddruckschriftsprachen werden neu und verändert gebraucht in schriftbasierten, aber konzeptuell oralen Kommunikationssystemen. Schriftsprache kommt unter den Druck ‚emulierter‘ Mündlichkeit.“

Diese emulierte Mündlichkeit ist aus Sicht der Rhetorik hoch interessant. Außerdem wird die SMS - ihre eigentliche Stärke[57] - häufig dialogisch gebraucht.[58] Des Weiteren bietet sich die SMS aufgrund ihrer strukturellen Bedingtheit und ihrer stark situativen Bindung als Paradebeispiel für eine rhetorische Untersuchung an.

Anhand mehrerer Aspekte wird eine Ähnlichkeit zwischen der Textur einer SMS und der Rhetorik als Praxis deutlich. Letztlich kann die SMS gar zum Prüfstein einer modernen Rhetorik werden, die sich als allgemeine Texturwissenschaft versteht: Simpel formuliert reduziert sich die Fragestellung darauf, wieviel Platz die Rhetorik braucht. Stimmt man Chaïm Perelmann zu, so muss die Rhetorik auch in SMS Platz finden, denn sie hat keinen Anspruch unpersönlicher Gültigkeit und will Personen beeinflussen.[59]

Die auffälligste Strukturanalogie ist, dass das Feld der Kommunikation bei beiden endlich definiert ist. Bei keinem Medium wird dies deutlicher wie bei der SMS mit ihrer starken Zeichenbegrenzung. Was nach einer Binsenweisheit klingt, ist schon seit der Entstehung der Rhetorik in der Antike eine zentrale Grundvoraussetzung für die empirisch geprägte Wissenschaft. Denn die Rhetorik braucht abgegrenzte Kommunikationseinheiten, um ihre Lehre entwickeln und empirisch überprüfen zu können. Es verwundert daher nicht, dass die erste formale Rhetorik im Gerichtswesen mit seinen genau geregelten Redezeiten[60] ihren Ursprung hat: Korax und sein Schüler Theisias traten in Sizilien als Redner bei der Regelung von Schwierigkeiten mit Besitzverhältnissen auf, die nach dem Sturz der Tyrannen entstanden waren, und boten Kurse für Bürger in Gerichtsstreiten an. Der systematische Zugang, für den Korax als erster bekannt wurde, fand Anklang und wurde von anderen professionellen Lehrern weiterverbreitet.[61] Seine Wurzeln liegen in den Erkenntnissen aus diesen Prozessen. Es ist unstrittig, dass dieses systematische Regelwerk Korax’ als die Ur-Rhetorik gelten kann. Die Verbindung zwischen dem Reden vor Gericht und der Rhetorik als Disziplin zog sich weiter durch die nun beginnende frühe Geschichte der Sprechwissenschaft[62]: Der Überlieferung nach vermittelte Korax sein Redekunst-System Gorgias in Athen. Dieser schrieb zwei Musterreden für seine Schüler: Beide sind als Verteidigungsreden zu verstehen.[63]

Da die Rhetorik von Anbeginn an auf der empirisch erfahrenen Rückkopplung beruhte und den Erfolgsfall von Kommunikation zum Leitbild hat[64], bot es sich besonders an, sie mit dem einfach feststellbaren Erfolg vor Gericht weiterzuentwickeln. Zwar gab es in der Antike, vor allem im Reden-freudigen Griechenland, zuvor auch schon andere gesellschaftliche Kommunikationsformen. Schon Homer berichtete von Beratungen der führenden Männer, von Gerichts-, Heeres- und Volksversammlungen[65] und Richard Leo Enos findet darin bereits erste strategische Ansätze zum Gebrauch von Sprache.[66] Aber erst im Rahmen des griechischen Justizwesens konnte das rhetorische System anhand von Misserfolgen und Erfolgen so gut justiert werden. Allerdings bedurfte es noch weiterer gesellschaftlicher Entwicklungen, vor allem die der attischen Demokratie, um eine reflektierte geübte Beredsamkeit tief zu verankern.

[...]


[1] Marshall McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters. Düsseldorf, Wien 1968. S. 47

[2] Im Gegensatz zu: Greg Hearn, Tom Mandeville und David Anthony: The Communication Superhighway. Social and economic Change in the digital Age. St. Leonards, Australien 1998. S. 135.

[3] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit stets nur die männliche Form benutzt, sie soll aber geschlechtsneutral verstanden werden.

[4] Paul Baran konzipierte den Vorgänger des Internets, das Arpanet, 1969 bewusst als dezentrales Netzwerk mit redundanten Datenleitungen. Auch Tim Berners-Ice, der das World Wide Web zur heutigen Form weiterentwickelte, erhielt das dezentrale Funktionsprinzip des Netzwerks. Berners-Ice ging es auch darum, ein demokratisches Netz zu schaffen. Vgl.: http://www.2von5.de/vier/netzaktivismus/node2.html

[5] Vgl.: Jochen Hörisch: Das Medium ist die Botschaft: Zurück zur Interaktion. In: Margot Berghaus (Hg.): Interaktive Medien – interdisziplinär vernetzt. Opladen u. Wiesbaden 1999. S. 11-30. S. 15.

[6] Dietrich Kerlen engt die von Harry Pross 1972 vorgelegte Unterscheidung in Primär-, Sekundär- und Tertiärmedien weiter ein. Auf seine Definition sei hier verwiesen. Vgl.: Dietrich Kerlen: Einführung in die Medienkunde. Stuttgart 2003. S. 13ff..

[7] Friedrich Kittler: Grammophon Film Typewriter. Berlin 1986. S. 293.

[8] Friedrich Nietzsche: Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe. Hrsg. v. Giorgio Colli u. Mazzino Montinari. Dritte Abteilung. Zweiter Band. Berlin u. New York 1981. S. 229.

[9] Nietzsche: Briefwechsel. Erster Band. S. 172.

[10] Dierk Spreen: Tausch, Technik, Krieg: die Geburt der Gesellschaft im technisch-medialen Apriori. Berlin 1998. S. 7.

[11] Vgl. auch Spreen: Tausch, Technik, Krieg. S. 84.

[12] Rudi Bekkers: Mobile Telecommunication Standards. GSM, UMTS, TETRA, and ERMES. Boston u. London 2001. S. 266f..

[13] Bekkers: Telecommunication Standards. S. 267.

[14] Eine Darstellung der Geschichte von GSM en detail gibt Bekkers. Vgl.: Bekkers: Telecommunication Standards. S. 272ff.

[15] http://www.alcatel.de/telecom/mobilfunk/gsm_p4

[16] Bekkers: Telecommunication Standards. S. 267.

[17] Zahl vom 5. März 2003. Quelle: http://www.gsmworld.com/news/statistics/substats.shtml.

[18] Eberhard Herter u. Wolfgang Lörcher: Nachrichtentechnik. Übertragung – Vermittlung – Verarbeitung. 8., völlig neu bearb. Aufl.. München u. Wien 2000. S. 465f..

[19] Vgl.: Herter u. Lörcher: Nachrichtentechnik. S. 461f..

[20] http://www.umts-report.com/index.php4?seite=umts

[21] http://www.gsmworld.com/technology/glossary.shtml. siehe UMTS.

[22] Peter Schlobinski, Nadine Fortmann u.a.: Simsen. Eine Pilotstudie zu sprachlichen und kommunikativen Aspekten in der SMS-Kommunikation. Online: http://www.websprache.net/networx/networx-22.pdf. S. 4.

[23] Zahl vom 5. März 2003. Quelle: http://www.gsmworld.com/news/statistics/index.shtml

[24] Heiko Hamann u. Christoph Meyer: Der überraschende Siegeszug der Kurznachricht. In: Net Business 45 (2001).

[25] Thomas Michel: Bibalur und *knuddelknutsch*. Die SMS-Sprache kennt keine Grenzen; 70 Millionen SMS pro Tag. Online: http://www.teltarif.de/arch/2001/kw38/s6172.html.

[26] Vgl. Rolf Drefs: SMS-Nachrichten sind der Hit. Online: http://www.teltarif.de/arch/kw05/s4223.html.

[27] Nokia bietet mehrere Modelle mit Kompletttastatur an.

[28] http://www.tegic.com/history.html

[29] In den meisten Fällen sind die Buchstaben über diese Zuordnung von Buchstaben zu diesen Zahlentasten codiert. In seltenen Fällen beginnt die Codierung bereits mit der Taste 1.

[30] Einen Prototyp zeigt die Firma auf http://www.digitwireless.com.

[31] Jacek Biala: Mobilfunk und Intelligente Netze. Grundlagen und Realisierung mobiler Kommunikation. 2., neu bearb. Aufl.. Braunschweig u. Wiesbaden 1995. S. 145.

[32] Peter Schlobinski: Eröffnungsvortrag. Online: http://www.mediensprache.net/de/aktionen/2001/workshop/downloads/schlobinski/eroeffnungsvortrag.pdf.

[33] Biala: Mobilfunk. S. 146.

[34] Der Begriff „Gegenwartskultur“ ist wenig scharf umrissen. Darum an dieser Stelle auch der Hinweis, dass sich eine Kultur der Telemedialität in vielen Ausprägungen zeigen kann. Da für diese Arbeit aber nur die wichtig sind, die sich auf Sprache beziehen, finden andere Vorstellungen einer Kultur der Medien hier keinen Niederschlag.

[35] vgl. Manfred Schneider: Kommunikationsideale und ihr Recycling. In: Sigrid Weigel (Hg.): Flaschenpost und Postkarte. Korrespondenzen zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus. Köln 1995. S. 195-221.

[36] Helmut Henne: Jugend und ihre Sprache. Berlin u. New York 1986. S. 237ff..

[37] Joachim Knape: Was ist Rhetorik?. Stuttgart 2000. S. 93.

[38] Vgl. hierzu: Schlobinski: Eröffnungsvortrag.

[39] Zu nennen wäre hier der Stimulus-Response-Ansatz, der eine beinah mechanische Vorstellung der Medienwirkung entwickelte, die Transmission-Belt-Theory, die von einer Gesellschaft mit bloß noch formalen Bindungen ausgeht. In einer ähnlichen Tradition steht die Noelle-Neumannsche Schweigespirale und der von Maxwell McCombs und Donald Shaw entwickelte Agenda-Setting-Approach.

[40] Peter Schlobinski: CU (1) - Sprachliche und kommunikative Aspekte der SMS-Kommunikation. Online: http://www.univie.ac.at/dieuniversitaet/2002/science/10001072.htm

[41] Interessant ist in diesem Kontext das Ergebnis einer japanischen Untersuchung, die die SMS-Gepflogenheiten der Japaner erforschte. Dort können SMS bis zu 3500 Zeichen Umfang haben. Es stellte sich aber heraus, dass die SMS sich nicht wesentlich von denen der Europäer unterscheiden. Vgl.: Schlobinski: CU (1)

[42] Hartmut Böhm u. Klaus R. Scherpe (Hg.): Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Hamburg 1996. S. 16.

[43] Erhard Oeser u. Franz Seitelberger: Gehirn, Bewusstsein und Erkenntnis. Darmstadt 1988. S.114. Über den Zusammenhang von Sprache und Kognition und die Folgen daraus: Ludwig Jäger: Sprache als Medium. Über die Sprache als audio-visuelles Dispositiv des Medialen. In: Horst Wenzel, Wilfried Seipel und Gotthart Wunberg (Hg.): Audiovisualität vor und nach Gutenberg. Zur Kulturgeschichte der medialen Umbrüche. Wien 2001. (= Schriften des Kunsthistorischen Museums. Bd.6.). S. 19-42.

[44] Oeser u. Seitelberger: Gehirn. S. 98.

[45] „Neue Medien“ wird oft nicht klar umrissen gebraucht. Tilman Bechthold-Hengelhaupt definiert sie über die Digitalisierung, auf der sie basieren. Ders.: Alte Sprache und neue Medien. Göttingen 2001. S. 14ff.. Für Peter Schlobinski sind sie internet- und mobilfunkbasiert. Vgl.: Schlobinski. Eröffnungsvortrag. Zur Diskussion Neuer Medien: Elizabeth Neswald konstatiert die apokalyptische Sichtweise von Medien und arbeitet die religiös anmutende Überhöhung von Medien heraus: Dies.: Medien-Theologie. Das Werk Vilém Flussers. Köln, Weimar u. Wien 1998. S. 1ff.. Dazu auch Uwe Jochum: Kritik der Neuen Medien. Ein eschatologischer Essay. München 2003.

[46] Vilém Flusser: Die Revolution der Bilder. Der Flusser-Reader zu Kommunikation, Medien und Design. Mannheim 1995. S. 9.

[47] Flusser: Reader. S. 9.

[48] Giese>

[49] Dieter Baa>

[50] Flusser: Reader. S. 12.

[51] Konrad Lischka: Zurück aus der Zukunft. Mit modernster Technologie reist die Informationsgesellschaft in die Vergangenheit. In: Frankfurter Rundschau 3 (2003).

[52] Hörisch: Botschaft. S. 15.

[53] Hörisch: Botschaft. S. 15f..

[54] Schlobinski u.a.: Simsen.

[55] Jannis Androutsopoulos und Gurly Schmidt: SMS-Kommunikation: Ethnografische Gattungsanalyse am Beispiel einer Kleingruppe. Online: http://www.ids-mannheim.de/prag/sprachvariation/tp/tp7/SMS-Kommunikation.pdf.

[56] Joachim R. Höflich und Patrick Rössler: Mobile schriftliche Kommunikation ­– oder: E-Mail für das Handy. Die Bedeutung elektronischer Kurznachrichten (Short Message Service) am Beispiel jugendlicher Handynutzer. In: Medien u. Kommunikationswissenschaft 29 (2001). S. 437-461.

[57] Jannis Androutsopoulos: löbbe döch. Der wahre Charme der SMS-Kommunikationsform liegt im Sprachspiel. Online: http://www.archetype.de/papers/sms.html

[58] Schlobinski u.a.: Simsen. S. 28ff.

[59] Vgl.: Chaïm Perelman: Das Reich der Rhetorik. Rhetorik und Argumentation. München 1980.

[60] Vgl.: Thomas Paulsen: Die Parapresbeia-Reden des Demosthenes und des Aischines. Kommentar und Interpretation zu Demosthenes, or. XIX, und Aischines, or. II. Trier 1999. (= Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd.40). S. 60f..

[61] James A. Herrick: The History and Theory of Rhetoric. Boston, London u.a. 2001. S. 32f..

[62] Interessant ist auch, dass nicht nur das griechisch-römische Rechtssystem, sondern auch das angloamerikanische stark von der Rhetorik geprägt wurden. Darauf weist Barbara J. Shapiro hin: Dies.: Classical Rhetoric and the English Law of Evidenve. In: Victoria Kahn u. Lorna Hutson (Hg.): Rhetoric and Law in early modern Europe. New Haven/London 2001. S. 54-72.

[63] Josef Martin: Antike Rhetorik. Technik und Methode. München 1974. S. 1.

[64] Vgl.: Joachim Knape: Allgemeine Rhetorik. Stuttgart 2000. S. 15f..

[65] Manfred Fuhrmann: Die antike Rhetorik. München und Zürich 1984. S. 15.

[66] Richard Leo Enos: Greek Rhetoric before Aristotle. Waveland 1993. S. 4.

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten

Details

Titel
Strategie mit Stil? - Die Rhetorik der SMS
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
114
Katalognummer
V35583
ISBN (eBook)
9783638354523
Dateigröße
889 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strategie, Stil, Rhetorik
Arbeit zitieren
Sandro Mattioli (Autor), 2004, Strategie mit Stil? - Die Rhetorik der SMS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35583

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