Der Hausvertrag von Pavia 1329


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung des hausinternen Konflikts bis 1329
2.1 Der familiäre Hintergrund des Bruderstreits
2.2 Die Entwicklung des Konflikts bis zum Tod Rudolfs im Jahr 1319
2.3 Die Fortführung der Auseinandersetzung mit Rudolfs Nachfahren

3. Der Hausvertrag von Pavia 1329
3.1 Formale Merkmale der Urkunde
3.2 Die einzelnen Bestimmungen des Hausvertrages
3.2.1 Die Landesteilung von Bayern und der Pfalz
3.2.2 Die Festlegung auf eine alternierende Kurstimme
3.2.3 Die Erbfolgeregelung und die Sicherung der gemeinsamen Dynastie

4. Politische Funktion und historische Bedeutung des Hausvertrages
4.1 Die landes- und reichsrechtliche Funktion des Vertrages
4.2 Die historische Bedeutung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit thematisiert den am 4. August 1329 geschlossenen Hausvertrag von Pavia, der die vorhergehenden Konflikte der beiden Linien im Hause Wittelsbach dauerhaft beenden sollte. Der seit dem Jahr 1314 regierende deutsche Kaiser Ludwig IV., genannt „Ludwig der Bayer“ beabsichtigte mit dem Vertragswerk das angespannte Verhältnis zu den Nachfahren seines Bruders Rudolf zu verbessern, und deshalb sowohl den Gesamtbesitz des Hauses Oberbayern-Pfalz intern aufzuteilen, als auch den bis dahin ungeklärten Anspruch auf die Ausübung des pfälzischen Kurrechts zu klären. Um die im Vertag implizierte Intention Ludwigs, eine andauernde Regelung mit der rudolfinischen Linie zu erreichen, nachvollziehen zu können, muss der Vertrag im Zusammenhang mit der gesamten politischen Situation Ludwigs im Jahr 1329 gesehen werden, da sich der Kaiser zu diesem Zeitpunkt mit einer Vielzahl politischer Probleme konfrontiert sah.

Neben dem hausinternen Konflikt, der auch nach dem Tod Rudolfs im Jahr 1319 zunächst nicht beendet werden konnte, stellte vor allem der von Papst Johannes XXII. verweigerte Approbationsanspruch für Ludwig ein für die Amtausübung belastendes Element dar. Ursache hierfür war die nicht einheitliche Königswahl im Jahr 1314, bei der sich Ludwig mit knappem Vorsprung gegen seinen Konkurrenten und vormaligen Jugendfreund Friedrich „dem Schönen“ aus dem Hause Habsburg durchsetzten konnte. Den aus dieser Doppelwahl[1] resultierenden Konflikt der beiden Kandidaten konnte Ludwig 1322 bei der Entscheidungsschlacht bei Mühldorf für sich entscheiden, was jedoch den Papst, trotz der nun geklärten Verhältnisse nicht zu einer Approbation Ludwigs veranlasste. Die Ursachen hiefür sind neben der vorausgegangen zwiespältigen Wahl auch in den politischen Absichten des Papstes begründet, da Johannes XXII. die Reichsrechte in Italien für sich beanspruchte und auch daher den Sieg von Mühldorf nicht anerkennen wollte. Diese für Ludwig unbefriedigende Situation zog eine juristische Kontroverse in den Jahren 1323/1324 nach sich, in der sich beide Seiten die Rechtmäßigkeit ihrer Handlungen absprachen und u.a. der Kirchenbann von päpstlicher Seite über Ludwig verhängt wurde, was den Kaiser zu einem Italienzug im Jahr 1327 bewegte, um damit seinen Anspruch auf die Kaiserwürde endgültig zu manifestieren.[2] Dies gelang trotz eigenmächtiger Absetzung Johannes XXII. und Ernennung eines neuen Papstes sowie vorhergehender Kaiserkrönung am 18. April 1328 nicht in beabsichtigter Weise und führte zum endgültigen und unumkehrbaren Bruch zwischen Kaiser und Papst.[3] Der Hausvertrag von Pavia fällt also in diesen politisch brisanten Zeitraum gegen Ende des Italienzugs und muss daher auch aus diesem Hintergrund betrachtet und bewertet werden. Methodisch wird die Analyse mit einem Kapitel beginnen, das einen Rückblick auf den hausinternen Konflikt zwischen den Brüdern Ludwig und Rudolf beinhaltet, da die dadurch aufgezeigten Erkenntnisse unabdingbar für das Verständnis der einzelnen Vertragspunkte sind, die im anschließenden Teil der Arbeit erläutert werden sollen, um danach die politische Funktion und die historische Bedeutung des Vertrages zu betrachten. Die zentrale Intention dieser Arbeit ist es demzufolge sowohl die Vorgeschichte sowie die einzelnen Bestimmungen des Vertragswerks eingehend zu erläutern, als auch die Frage nach der historischen Gewichtung des Vertrages zu beantworten und somit zu klären, inwiefern es Ludwig mit dem Vertag gelang einen Konfliktherd in seinem politischen Umfeld zu beseitigen und somit eine hausinterne Basis sowohl für seine Herrschaft als auch für eine Nachfolge der Kaiserwürde im Hause Wittelsbach zu erstellen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden deshalb in einer Schlussbetrachtung zusammengetragen, womit die Arbeit abgeschlossen werden soll. In der jüngeren Forschung sind zum Thema Ludwig der Bayern einige Publikationen erschienen, wie z.B. von Heinz Thomas[4] 1993 „Ludwig der Bayer, Kaiser und Ketzer“, von Peter Schmid[5] 1997 „Ludwig der Bayer, Herrscher im Widerstreit“, sowie ein Sammelband von Nehlsen Hermann und Hermann Hans-Georg[6] im Jahr 2002. Zur Quellenlage über Ludwig verschafft der Aufsatz „Quellen zu Ludwig dem Bayern“ von Michael Menzel[7] einen umfangreichen und erläuternden Überblick. Oftmals jedoch beschäftigen sich diese Werke nur im geringen Maße explizit mit dem Hausvertrag und legen daher ihren Schwerpunkt der Betrachtung auf einen anderen Aspekt der Geschichte Ludwigs. Hervorzuheben für diese Arbeit ist jedoch Hans Rall[8], der sich eingehend mit dem Vertag von Pavia in seinem 1987 erschienen Werk „Wittelsbacher Hausverträge des späten Mittelalters“ beschäftigt. Einheitlich wird in der behandelten Literatur die differenzierte Bewertung des politischen Wirken Ludwigs IV. betont, was den Kaiser seit jeher zu einer heftig umstrittenen Person werden ließ. Auch zu diesem Punkt soll in der vorliegenden Arbeit, die sich neben der Sekundärliteratur auch mit Quellen auseinandersetzen wird, durch die Betrachtung des hausinternen Vertrags Stellung genommen werden.

2. Die Entwicklung des hausinternen Konflikts bis 1329

2.1 Der familiäre Hintergrund des Bruderstreits

Weniger das eventuell angespannte persönliche Verhältnis zwischen Ludwig (1282/1314-1347) und seinem acht Jahre älteren Bruder Rudolf (1274-1319) war verantwortlich für deren zeitlebens geführten Konflikt, sondern vielmehr deren Einbeziehung in die politischen Streitigkeiten der eigenen Familie. Hintergrund dieser Auseinandersetzungen waren die unterschiedlichen Herkünfte und dadurch bedingten machtpolitischen Absichten der beiden Elternteile, da ihre Mutter Mechthild, die Tochter König Rudolfs von Habsburg (1218/1273-1291) und Schwester König Albrechts I. (1255/1298-1308) aus dem Habsburger Geschlecht stammte, und ihr Vater Ludwig II. (1292/1253-1294) von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein, dem in Bayern vorherrschenden Hause Wittelsbach angehörte. Zwar konnte man sich eine „eine vornehmere Herkunft [...] kaum vorstellen“[9], jedoch verantwortete diese politisch problematische Familien- und Verwandtschaftskonstellation die Entstehung zweier Gruppierungen innerhalb Ludwigs Familie nach dem Tod König Rudolfs im Jahr 1291. Ludwig II. stellte sich im nachfolgenden Streit um den Königsthron gegen den Bruder seiner Frau, Albrecht von Habsburg, und votierte stattdessen für Adolf von Nassau und vermählte zudem dessen Tochter Mechthild mit seinem Sohn Rudolf, der somit in diese Gruppe der Familie involviert wurde. Mechthild war ihrerseits wenig erfreut über die Stellungnahme ihres Mannes und ihres ältesten Sohnes Rudolf gegen ihren Bruder, und wurde somit zum Kopf der zweiten, habsburgerfreundlich orientierten Gruppierung innerhalb der Familie. Nach dem Tod Ludwigs II. 1294 trat Rudolf die alleinige Nachfolge seines Vaters an, da Ludwig mit zwölf Jahren noch zu jung war, um seine Herrschaft auszuüben. Ihm stand jedoch nach damaligem Rechtsgrundsatz ein gleicher Teil der Herrschaft zu, was jedoch von Rudolf nicht berücksichtigt wurde, da er sich als ältester Sohn die alleinige Herrschaft zusprach und sich damit über Ludwigs Rechte hinwegsetzte. Ludwig, der zu diesem Zeitpunkt noch unmündig war, wurde somit in diesen Konflikt zwischen Mutter und Sohn integriert, und durch seine von Mutter Mechthild veranlassten Unterbringung und Erziehung am Habsburger Hof in Wien, wo er u.a. mit seinem späteren Mitstreiter um den Kaiserthron Friedrich dem Schönen aufwuchs, an die Seite seiner Mutter und somit seines Onkels König Albrechts I. gestellt. Ludwig wurde dadurch ohne sein direktes Zutun in die habsburgerfreundliche Politik seiner Mutter einbezogen und unterstützte im weiteren Verlauf die Politik seines Onkels Albrecht gegen seinen Bruder Rudolf und dessen Schwiegervater Adolf von Nassau.[10]

[...]


[1] Der Begriff „Doppelwahl“ resultiert aus dem Umstand, dass sich Friedrich der Schöne bereits vor der angesprochenen Wahl zum König wählen ließ und somit zwei Wahlen stattfanden.

[2] Vgl. Schmid Peter, Ludwig der Bayer. Herrscher im Widerstreit, Abensberg 1997, S. 7-13.

[3] Vgl. Becker Hans Jürgen, Das Kaisertum Ludwig des Bayern, in: Nehlsen Hermann/Hermann Hans-Georg (Hg.), Kaiser Ludwig der Bayer, Konflikte, Weichenstellungen und Wahrnehmung seiner Herrschaft, Paderborn 2002, S. 119-138, hier S. 123.

[4] Thomas Heinz, Ludwig der Bayer (1282-1347). Kaiser und Ketzer, Regensburg 1993.

[5] Schmid Peter, Ludwig der Bayer. Herrscher im Widerstreit, Abensberg 1997.

[6] Nehlsen Hermann/Hermann Hans-Georg (Hg.), Kaiser Ludwig der Bayer, Konflikte, Weichenstellungen und Wahrnehmung seiner Herrschaft, Paderborn 2002.

[7] Menzel Michael, Quellen zu Ludwig dem Bayern, in: ZBLG 60,1 (1997), S. 71-82.

[8] Rall Hans (Hg.), Wittelsbacher Hausverträge des späten Mittelalters. Die Haus- und staatsrechtlichen Urkunden der Wittelsbacher von 1310, 1329, 1392/93, 1410 und 1472 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte, Bd. 71), München 1987.

[9] Schmid, Ludwig der Bayer, S. 7.

[10] Vgl. Schmid, Ludwig der Bayer, S. 7.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Hausvertrag von Pavia 1329
Hochschule
Universität Regensburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2+
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V35599
ISBN (eBook)
9783638354622
ISBN (Buch)
9783638790017
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit thematisiert den am 4. August 1329 geschlossenen Hausvertrag von Pavia, der die vorhergehenden Konflikte der beiden Linien im Hause Wittelsbach dauerhaft beenden sollte. Der deutsche Kaiser, Ludwig IV, beabsichtigte mit diesem Vertragswerk das angespannte Verhätnis zu den Nachfahren seines Bruders Rudolf zu verbessern. Zusätzlich behandelt die Arbeit die politische Funktion und historische Bedeutung des Hausvertrages.
Schlagworte
Hausvertrag, Pavia, Proseminar, Bayerische Geschichte, Ludwig der Bayer, Wittelsbacher
Arbeit zitieren
Thomas Daffner (Autor), 2004, Der Hausvertrag von Pavia 1329, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35599

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Hausvertrag von Pavia 1329



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden