Gehörlose Flüchtlinge in Deutschland


Hausarbeit, 2016
9 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Situation
2.1 Situation in Hamburg

3 Angebote für gehörlose Flüchtlinge

4 Meine Erfahrungen mit gehörlosen Flüchtlingen

5 Fazit und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Laut dem United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR)[1] waren Ende 2015 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Unter ihnen sind 21,3 Millionen Flüchtlinge, 3,2 Millionen Menschen, die auf das Ergebnis des Asylantrags warten und 40,8 Millionen Binnenvertriebene[2], die aufgrund unterschiedlicher Gründe gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen.[3] Unter den Flüchtlingen, die nach Deutschland eingereist sind, sind auch zahlreiche Gehörlose zu finden.

Bei Behördengängen oder in der Kommunikation mit anderen Personen können sich hörende Flüchtlinge oft ihrer Englischsprachkenntnisse bedienen, während sich gehörlose Flüchtlinge mittels Gestik und Mimik ausdrücken müssen. Oft verwenden sie dazu die International Sign, diejedoch nicht weltweit einheitlich ist und weder von Hörenden - der Großteil von ihnen kann keine Gebärdensprache - noch von jedem Gehörlosen verstanden wird. Sie sind also einer doppelten Sprachbarriere ausgesetzt, da sie neben der fehlenden Deutschkenntnis ebenfalls nicht die Deutsche Gebärdensprache beherrschen.

Aufgrund dieser Tatsache ist bei mir folgende Fragestellung aufgekommen, die ich im Rahmen dieser Hausarbeit beantworten werde:

Gehörlose Flüchtlinge - eine doppelte Sprachbarriere: Wie sieht die aktuelle Situation gehörloser Flüchtlinge aus und welche Angebote gibt es für die Überwindung der doppelten Sprachbarriere?

Allgemein gibt es über Flüchtlinge zahlreiche Informationen und Medienberichte. Aber die Quellen- und Literaturlage zu dem Bereich der gehörlosen Flüchtlinge ist aufgrund der Aktualität und der Spezifikation auf den Aspekt der Gehörlosigkeit sehr mager. Als Grundlage für die Hausarbeit dienen mir daher lediglich die Sendung „Sehen statt Hören“, ein Bericht aus der Deutschen Gehörlosenzeitung und einige Internetseiten, die sich mit den Angeboten für gehörlose Flüchtlinge befassen.

2 Allgemeine Situation

Recherchen von „Sehen statt Hören“ zufolge befinden sich derzeit 176 gehörlose Flüchtlinge in Deutschland (Stand: 22.04.2016). In der Abbildung kann man erkennen, dass sich die meisten von ihnen in Nordrhein­Westfalen und Schleswig-Holstein aufhalten.

Von vielen Bundesländern, wie beispielsweise Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine Angaben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Dunkelziffer von nicht erfassten gehörlosen Flüchtlingen, die beispielsweise auf dem Land untergebracht worden sind, sehr hoch. Aus den Beiträgen von „Sehen statt Hören“ vom 23. und 30. April 2016 geht hervor, dass sich viele Gehörlose, die nach ihrer Ankunft in Flüchtlingsunterkünften untergebracht werden, zunächst einsam und ausgegrenzt fühlen. Sie sind häufig der einzige Gehörlose oder Hörgeschädigte, sodass sie sich nicht mit ihren Mitbewohnern verständigen können. Die Erfahrungen, die sie nach ihrer Ankunft in Deutschland machen sind individuell unterschiedlich. Einige beschreiben, dass sie von Sozialarbeitern, die teilweise die Deutsche Gebärdensprache beherrschen bei Anträgen unterstützt werden. Andere hingegen sind auf sich allein gestellt und müssen sich selbst organisieren und herausfinden, wo es Anlaufstellen für sie gibt. Bei Behördengängen müssen sich die gehörlosen Flüchtlinge selbst um einen Dolmetscher kümmern, wobei es im Ermessensspielraum der zuständigen Behörde liegt, ob dieser gebraucht und bezahlt wird oder nicht. Dies liegt daran, dass es mit Ausnahme der Asylanhörung keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Dolmetscher bei beispielsweise Amts- oder Arztbesuchen gibt.4

2.1 Situation in Hamburg

In Hamburg befinden sich 32 gehörlose Flüchtlinge, welches vergleichsweise zu anderen Bundesländern eine hohe Zahl ist. Im März 2015 wurde Asha Rajashekhar vom Gehörlosenverband Hamburg e.V. zur Beauftragten für taube Migranten und Flüchtlinge ernannt. Seitdem kümmert sie sich um die Kontaktherstellung zu gehörlosen Flüchtlingen, indem sie alle Wohnheime und Aufnahmeeinrichtungen angeschrieben hat. Diese sollen sich bei ihr melden, wenn ein Gehörloser in ihre Unterkunft gebracht wird. Ziel von Asha und dem Gehörlosenverband Hamburg ist es, die gehörlosen Flüchtlinge [4] bei Anträgen, wie beispielsweise für den Schwerbehindertenausweis oder für das Asylverfahren zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt die Unterbringung dar. Oft befinden sich gehörlose Flüchtlinge in unterschiedlichen Unterkünften, die oft in Randgebieten von Hamburg liegen. Um der sozialen und kommunikativen Isolation zu entkommen, wird versucht, alle Gehörlosen in ein Flüchtlingswohnheim in der Nähe vom Hamburger Gehörlosen-Clubheim in Hamburg-Altona unterzubringen. Jeder Neuankömmling bekommt einen Flüchtlingshelfer zugeteilt, der sich wöchentlich mit ihm trifft, um ihm beim Erlernen der Deutschen Gebärdensprache zu unterstützen und ihm die deutsche Kultur näher zu bringen.[5]

Mein Eindruck von dem Flüchtlingsplan des Gehörlosenverbandes Hamburg ist durchweg positiv. Während dem Flüchtlingstreffen im Stadtpark im Juli 2016 hatte ich die Gelegenheit, mich mit einigen gehörlosen Flüchtlingen zu unterhalten. Sie waren größtenteils froh, in Deutschland zu sein und sich mit anderen Gehörlosen austauschen zu können. Jedoch kam auch zum Ausdruck, dass sie sich eine gemeinsame Unterbringung wünschen, um barrierefrei kommunizieren und neue soziale Kontakte knüpfen zu können.

3 Angebote für gehörlose Flüchtlinge

Gehörlose Flüchtlinge sind einer doppelten Sprachbarriere ausgesetzt, da sie sich weder in ihrer Muttersprache, also ihrer spezifischen Gebärdensprache, noch in der Lautsprache verständigen können. Sie benötigen also eine spezielle Förderung, bei der sie Deutsch als Schriftsprache und die Deutsche Gebärdensprache lernen können. In Deutschland hat jeder anerkannte Flüchtling ein Recht auf einen Integrationskurs, welcher aus 900 Stunden besteht. Die Ziele liegen neben der Vermittlung der Deutschen Gebärdensprache und der Verbesserung der Deutschkompetenz in der Überwindung von kulturellen Unterschieden und in der Integration in die Gesellschaft. Am Ende steht ein Integrationstest, der sowohl schriftlich, als auch gebärdensprachlich abgelegt wird. Zuvor gibt es auch die Möglichkeit an einem Vorkurs teilzunehmen, der in 320 Stunden die Grundkenntnisse, wie beispielsweise lesen und schreiben vermittelt. Bis vor kurzem wurde dieser durch die Agentur für Arbeit finanziert, welche jedoch die Finanzierung wieder gestrichen hat. Die Sprachschule Heesch ist der bekannteste Anbieter für die Integrationskurse in Hamburg. Geleitet werden die Kurse von gehörlosen Dozenten, damit durch ihre Gebärdensprachkompetenz Sprachbarrieren vermieden werden.

[...]


[1] Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UN), Schwerpunkt der UNHCR-Aktivitäten liegt im Bereich des Rechtsschutzes für Asylsuchende und anerkannte Flüchtlinge.

[2] Personen, die aus ihrem Zuhause vertrieben werden und bei der Flucht ihre Heimatregion verlassen, aber in ihrem Heimatstaat bleiben.

[3] UNHCR: Flucht und Vertreibung 2015 drastisch gestiegen, 20.06.2016.

[4] Sehen statt hören: Gehörlos, ungehört, isoliert, Sendung vom 23.04.2016 Sehen statt hören: Gehörlose Flüchtlinge in Deutschland. Sendung vom 30.04.2016 Tschuschner, Christine: Hörbehinderte auf der Flucht, S. 24-34.

[5] Sehen statt hören: Gehörlose Flüchtlinge in Deutschland, Sendung vom 30.04.2016.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Gehörlose Flüchtlinge in Deutschland
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Gebärdensprachen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V356281
ISBN (eBook)
9783668419490
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gehörlose, flüchtlinge, deutschland
Arbeit zitieren
Jana Löffler (Autor), 2016, Gehörlose Flüchtlinge in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356281

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