Habermas' Theorie des Kommunikativen Handelns - eine feministische Kritik


Hausarbeit, 2003
38 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die ‚Theorie des Kommunikativen Handelns’
2.1 Jürgen Habermas
2.2 Die Struktur der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’

3. Die Theorie des Kommunikativen Handelns
3.1 Der Paradigmenwechsel
3.2 Kommunikatives Handeln
3.3 System und Lebenswelt: Habermas‘ zweistufiges Modell der Gesellschaft
3.4 Das Paradox der Rationalisierung und die Kolonialisierung der Lebenswelt

4. Feministische Kritik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang: Veröffentlichte Schriften von Jürgen Habermas

1. Einleitung

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ des Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas (*1929) sowie eine feministische Betrachtungsweise dieses Werkes. Zunächst wird die ‚Theorie des Kommunikativen Handelns’ in ihren Grundzügen dargestellt, anschließend werden einige dieser Aspekte aus einer feministischen Perspektive kritisch untersucht.

Jürgen Habermas, einer der bedeutendsten modernen, deutschen Philosophen und Soziologen, gehört zur zweiten Generation der Frankfurter Schule. Er greift verschiedene Aspekte der Kritischen Theorie an vielen Stellen seines gesamten Werkes auf, um sie zu diskutieren, ihre Schwächen auszuzeigen, ihre Defizite zu überwinden und diese Aspekte weiter zu entwickeln. Wie den Vertretern der klassischen Kritischen Theorie geht es auch Habermas um eine kritische Theorie der Gesellschaft. Mit seiner ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ entwarf er eine umfassende Gesellschaftstheorie auf kommunikationstheoretischen Grundlagen, in der er sich sowohl ausführlich mit dem Begriff der Rationalität befasst, als auch einen dualistischen Gesellschaftsbegriff entwirft und zudem eine Zeitdiagnose der Gesellschaft erstellt.

Auch heute noch, über 20 Jahre nach dem Erscheinen, hat das Werk nicht an Aktualität verloren, so dass auch heute noch eine rege Auseinandersetzung mit der Theorie des kommunikativen Handelns stattfindet. Aber nicht nur die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ erzielt in den wissenschaftlichen Diskursen große Aufmerksamkeit. Habermas gesamte Schriften sind „zu einem Brennpunkt der internationalen Theoriediskussion in den Sozialwissenschaften“ geworden (Honneth und Joas, 1986, S. 7).

Während in den Sozialwissenschaften eine breite Rezeption der Kritischen Theorie vorzufinden ist, setzte innerhalb der feministischen Diskussion und wissenschaftlichen Disziplinen eine Auseinandersetzung mit Texten der Kritischen Theorie überhaupt erst zu Beginn der 80er Jahre ein, eine breite Rezeption der Kritischen Theorie innerhalb der feministischen Theoriediskussion blieb jedoch leider aus (Knapp, 1996). In Deutschland fokussieren die Diskussion vor allem auf Schriften der alten Frankfurter Schule, d.h. hauptsächlich auf Texte von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. In den USA spielen diese kaum eine Rolle, obwohl Übersetzungen fast aller Texte vorliegen. Amerikanische Feministinnen nehmen vorwiegend auf Theorien und Schriften von Jürgen Habermas Bezug.

In der vorliegenden Arbeit soll nun zum einen die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ in ihren wesentlichen Aspekten einführend dargestellt werden und zum anderen feministische Kritik hinsichtlich einiger Punkte der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ erläutert und diskutiert werden. Die nächsten beiden Kapitel befassen sich daher mit der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’: Kapitel 2 gibt zunächst einen kurzen Überblick über das Leben von Jürgen Habermas (2.1), anschließend eine kurze Darstellung der Struktur der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ (2.2). Eine detaillierte Darstellung der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ schließt sich in Kapitel 3 an. Hier wird zu Beginn der von Habermas eingeforderte Paradigmenwechsel vom bewusstseinsphilosophischen zum kommuni­kationstheoretischen Ansatz erläutert (3.1.), wobei hierbei ersichtlich wird, an welchem Punkt Habermas an die Kritische Theorie anknüpft, sich aber auch gleichzeitig von ihr abwendet. Im zweiten Abschnitt (3.2) wird das Konzept des kommunikativen Handelns erläutert. Habermas’ dualistischer Gesellschaftsbegriff wird in Abschnitt 3.3 dargestellt, und im letzten Abschnitt (3.4) wird das ‚Paradox des Rationalisierungsprozesses’ und die ‚Kolonialisierung der Lebenswelt’ erklärt.

Ausgehend von der Darstellung und Erläuterungen der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ wird in Kapitel 4 feministische Kritik bezüglich einiger Aspekte der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ geäußert. Das letzte Kapitel dieser Arbeit (Kapitel 5) enthält eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Kapitel sowie ein Resümee.

2. Einführung in die ‚Theorie des Kommunikativen Handelns’

Das Ziel dieses Kapitels ist es, im ersten Abschnitt (2.1) einen kurzen Überblick über das Leben des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas zu geben. Im zweiten Abschnitt (2.2) wird sein bedeutendstes Werk, die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ einleitend dargestellt wobei der Leser in das Anliegen und den Aufbau der Theorie des kommunikativen Handelns eingeführt wird.

2.1 Jürgen Habermas

Jürgen Habermas wurde als Pastorensohn am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren. Nach seinem Abitur studierte er Philosophie, Geschichte, Deutsche Literatur, Psychologie und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn. Er beendete 1954 sein Studium mit einer Dissertation über ‚Das Absolute und die Geschichte. Von der Zwiespältigkeit in Schellings Denken’. In den Jahren 1956 - 1959 war Habermas Forschungsassistent am Frankfurter Institut für Sozialforschung, kam dort mit der Kritischen Theorie in Berührung und galt als Schüler von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer.

Durch ein Stipendiat der Deutschen Forschungsgesellschaft arbeite er von 1959 bis 1961 an seiner Habilitationsschrift ‚Strukturwandel und Öffentlichkeit’ in Marburg. 1961 erhielt er einen Ruf für Philosophie von der Universität Heidelberg, ging jedoch 1964 wieder zurück nach Frankfurt wo er bis 1971 als Professor für Philosophie und Soziologie lehrte. In diesem Jahr wurde er Direktor am ‚Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlichen Welt’ in Starnberg. 1983 trat er von diesem Amt zurück und nahm erneut an der Universität Frankfurt eine Professur für Philosophie und Soziologie an, an der er schon seit 1975 eine Honorartätigkeit neben seinem Amt als Direktor des Max-Planck-Instituts innehatte. Bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte er an der Universität Frankfurt, und ist seitdem auswärtiges Mitglied des Max-Planck-Instituts für psychologische Forschung in München.

Seit den 70er Jahren erhielt er mehrere hohe Auszeichnungen, so z.B. den Hegel Preis der Stadt Stuttgart (1974), den Sigmund Freud Preis für wissenschaftliche Prosa der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung im Jahr 1976, und 1980 den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt. 1985 erhielt er sowohl den Geschwister-Scholl-Preis der Stadt München, als auch die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen, 1986 den Förderpreis für deutsche Wissenschaftler der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und den Sonning-Preis 1987 in Kopenhagen. 1995 wurde er mit dem Karl-Jaspers-Preis der Stadt und Universität Heidelberg ausgezeichnet.

In den letzten 15 Jahren wurde Habermas von den verschiedensten Universitäten zum Ehrendoktor ernannt, so z.B. von der Universität Jerusalem, Buenos Aires, Hamburg (1989), von der Reichsuniversität Utrecht (1990), der Universität Athen (1993), der Universität Tel Aviv (1995), und von der Universität Paris (St. Denis-Vincennes) (1997). Auch international wurde Habermas bekannt durch verschiedene Gastprofessuren und einen Ruf an die Harvard Universität (vgl. Gripp, 1984; Horster, 1999; Reijen, 1984; Treibel, 1993a, 1993b).

Jürgen Habermas gilt als der bedeutendste ‚Nachfahre’ der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, eine Forschungstradition, die in den 30er Jahren von Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Erich Fromm, Herbert Marcuse und einigen weiteren Sozialwissenschaftlern und Philosophen im Rahmen des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main gegründet wurde. Der Einfluss der Kritischen Theorie auf Habermas’ Werk ist an vielen Stellen ersichtlich, allerdings distanziert er sich an vielen Punkten implizit wie explizit von Positionen und Thesen der Kritischen Theorie, so dass er nicht mit den Vertretern der klassischen Kritischen Theorie in eine Reihe gestellt werden darf (vgl. Dubiel, 1992; Horster, 1999; Reese-Schäfer, 1991).

Habermas hat im Laufe der letzten 50 Jahre etliche Bücher, Essays und Aufsätze veröffentlicht. Zu seinen bedeutsamsten Werken zählen u.a. die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’, ‚Theorie und Praxis’, ‚Technik und Wissenschaft als Ideologie’, und ‚Kleine politische Schriften’. Eine Liste seiner Veröffentlichungen befindet sich im Anhang.

2.2 Die Struktur der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’

Ziel dieses Abschnittes ist es, thematisch in das doppelbändige Werk ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ einzuführen und die Struktur bzw. den Aufbau des Buches darzustellen. Für das Verständnis dieser doch sehr komplexen und vielschichtigen Theorie ist dies sehr hilfreich, vor allem da die ursprünglich von Habermas eingefügten vielen Zwischenüberschriften vom Verlag vor der Veröffentlichung herausgenommen wurden (Reese-Schäfer, 1991).

Habermas hatte das Projekt der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ in den Jahren vor der eigentlichen Veröffentlichung schon angekündigt und auch erste Ansätze in früheren Arbeiten skizziert (Honneth und Joas, 1986). Das zweibändige „Monstrum“, wie Habermas seine ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ einmal selbst bezeichnet hat (1985a, S. 178) umfasst über 1100 Seiten und wurde mit weiteren 600 Seiten durch die ‚Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns’ (1984) ergänzt.

Habermas hat in einem Gespräch über die ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ vier Motive für den Entwurf dieses Werkes genannt (1981): Das erste Motiv besteht im Entwurf einer Theorie der Rationalität. Das zweite besteht darin, eine Theorie des kommunikativen Handelns zu entwickeln, da „ein solcher Anfang beim verständigungsorientierten Handeln nützlich ist für gesellschaftstheoretische Zwecke“ (ebd., S. 135). Beim dritten Motiv geht es ihm „um die Dialektik der gesellschaftlichen Rationalisierung“ (ebd.) und darum zu zeigen, „dass man in kommunikations­theoretischen Begriffen eine Theorie der Moderne entwickeln kann, die die notwendige analytische Trennschärfe hat für sozialpathologische Phänomene“. Als viertes Motiv nennt er die Entwicklung eines „Gesellschaftsbegriffs (..) der System-und Handlungstheorie zusammenführt“ (ebd.).

Das erste Motiv, der Entwurf einer Theorie der Rationalität kann als das übergeordnete Motiv gesehen werden, während die anderen drei (die Theorie des kommunikativen Handelns, die Theorie der Moderne und der Gesellschaftsbegriff) eher Teilelemente darstellen, die jedoch notwendig sind, um überhaupt eine Theorie der Rationalität entwerfen und begründen zu können (Gripp, 1984).

Im Vorwort der Theorie des kommunikativen Handelns beschreibt Habermas das Thema seines großen Werkes wie folgt:

„Den Grundbegriff des kommunikativen Handelns entwickle ich in der ersten Zwischenbetrachtung. Er erschließt den Zugang zu drei Themenkomplexen, die miteinander verschränkt sind, es geht zunächst um den Begriff der kommunikativen Rationalität, der hinreichend skeptisch entwickelt wird (...); sodann um ein zweistufiges Konzept der Gesellschaft, welches die Paradigmen Lebenswelt und System auf eine nicht nur rhetorische Weise verknüpft; und schließlich um eine Theorie der Moderne, die den Typus der heute immer sichtbarer hervortretenden Sozialpathologien mit der Annahme erklärt, dass die kommunikativ strukturierten Lebensbereiche den Imperativen verselbständigter, formal organisierter Handlungssysteme unte­rworfen werden. Die Theorie des kommunikativen Handelns soll also eine Konzeptualisierung des gesellschaftlichen Lebenszusammenhangs, die auf die Paradoxien der Moderne zugeschnitten ist, ermöglichen.“ (TKH, I, S. 8)

Mit der ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ hat Habermas also auf der einen Seite eine Kommunikationstheorie, die sich mit Interaktion und Kommunikation von Individuen befasst, auf der anderen Seite eine Gesellschaftstheorie, die makro- und mikrotheoretische Ansätze miteinander verbindet, entworfen. Habermas konzipiert also eine Gesellschaftstheorie als eine Theorie der Rationalität auf kommunikations­theoretischen Grundlagen, da er der Ansicht ist, dass eine moderne Gesellschaftstheorie den Rationalisierungsprozess, der für die Moderne kennzeichnend ist, analysieren muss. Der Rationalisierungsprozess hat für Habermas eine so große Bedeutung, da er auf der einen Seite die Evolution zur Moderne ermöglichte, andererseits aber auch negative Konsequenzen mit sich bringt und somit insgesamt durch ein Paradox gekennzeichnet ist.

Habermas entwickelt seine Themen durch die Kombination von zwei Vorgehensweisen: auf der einen Seite durch theoretische Konstruktionen, auf der anderen Seite durch historische Rekonstruktionen von Ideen der klassischen Gesellschaftstheoretiker. Daher besteht seine ‚Theorie des kommunikativen Handelns’ aus zwei verschiedenen Textformen (Reese-Schäfer, 1991; Honneth und Jonas, 1986): Es gibt Kapitel, in denen er seine eigenen theoretischen Thesen und Argumente entwickelt, hierzu zählen die Einleitung, die Schlussbetrachtung und die beiden Zwischenbetrachtungen. In anderen Kapiteln setzt er sich mit einigen soziologischen Klassikern auseinander (wie Mead, Adorno, Durkheim, Weber, Marx, Horkheimer, Parsons), kritisiert ihre Schwächen hinsichtlich einer kritischen Gesellschaftstheorie, und analysiert, welche Beiträge sie zu einer Theorie des kommunikativen Handelns leisten können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Habermas' Theorie des Kommunikativen Handelns - eine feministische Kritik
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Kritische Theorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
38
Katalognummer
V35653
ISBN (eBook)
9783638354981
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die 'Theorie des kommunikativen Handelns' des Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas (*1929) sowie eine feministische Betrachtungsweise dieses Werkes. Zunächst wird die 'Theorie des Kommunikativen Handelns' in ihren Grundzügen dargestellt, anschließend werden einige dieser Aspekte aus einer feministischen Perspektive kritisch untersucht.
Schlagworte
Habermas, Theorie, Kommunikativen, Handelns, Kritik, Kritische
Arbeit zitieren
Judith Katenbrink (Autor), 2003, Habermas' Theorie des Kommunikativen Handelns - eine feministische Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35653

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