Die Neue Frauenbewegung: ein historischer Überblick und eine Analyse ihrer Erfolge


Hausarbeit, 2003
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Neuen Frauenbewegung in Deutschland
2.1 Die Entstehung der neuen Frauenbewegung
2.2 Die ‚Kinderfrage’
2.3 Die §218 Kampagne
2.4 Die Selbsterfahrungsgruppen-Bildung
2.5 Die Projektbewegung
2.6 Zunehmende Institutionalisierung

3. Wo ist die Frauenbewegung heute und was hat sie erreicht?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit ist die historische Entwicklung der Neuen Frauenbewegung seit den 60er Jahren, sowie der Versuch, eine Bilanz zu ziehen über ihre Erfolge und erreichten Veränderungen hinsichtlich der sozialen und rechtlichen Lage der Frau und dem Geschlechterverhältnis.

In Deutschland lassen sich historisch zwei Frauenbewegungen feststellen. Die erste reichte von ca. 1840 bis 1933. In dieser Zeit gab es zwei wesentliche Strömungen: die proletarische und die bürgerliche Frauenbewegung[1]. Nach dem 2. Weltkrieg wurden verschiedene Frauenverbände neu gegründet, die teilweise schon vor dem 2. Weltkrieg innerhalb der ersten Frauenbewegung bestanden, bevor sich Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre die neue Frauenbewegung entwickelte.

Innerhalb der beiden Frauenbewegungen ging es immer um den Kampf gegen die Unterdrückung, Benachteilung und Diskriminierung der Frauen durch gesellschaftliche Strukturen, soziale, politische und rechtliche Bedingungen, und für eine Gleichberechtigung der Geschlechter in politischen, sozialen, rechtlichen, kulturellen und ökonomischen Bereichen. Das zentrale Thema war die soziale Stellung der Frauen und ihre Rechte im Vergleich zu Männern.

Ziel dieser Arbeit ist es, in einem ersten Schritt die Geschichte der Frauenbewegung nach dem 2. Weltkrieg bis zur Gegenwart nachzuzeichnen. In einem zweiten Schritt wird dargestellt, was sie erreicht hat, d.h. welche Erfolge und Veränderungen die Frauenbewegung erzielen konnte. Im folgenden Kapitel (2) wird daher die Entstehung und der Verlauf bzw. die Entwicklung der neuen Frauenbewegung analysiert, d.h. die wesentlichen Phasen und Problemstellungen werden thematisiert. Die Frage, was die Frauenbewegung für die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau auf sozialer, politischer und kultureller Ebene erreicht hat, wird in Kapitel 3 untersucht. Das letzte Kapitel beinhaltet eine kurze Zusammenfassung und ein Resümee.

2. Die Geschichte der Neuen Frauenbewegung in Deutschland

Dieses Kapitel ist gegliedert nach den verschiedenen Phasen bzw. Aktivitäten und Problemstellungen, die im Verlauf der neuen Frauenbewegung auftraten. Nicht immer sind die einzelnen Phasen chronologisch und inhaltlich so stark voneinander zu trennen, wie sie hier dargestellt sind, d.h. es lassen sich zum einen zeitlich als auch bezüglich der inhaltlichen Themen Überschneidungsbereiche feststellen, zum anderen verlief die Entwicklung der Neuen Frauenbewegung in den großen deutschen Städten unterschiedlich ab (Schenk, 1980). Für eine bessere Verständlichkeit werden sie hier dennoch in einzelnen Abschnitten dargestellt. So geht es im ersten Abschnitt um die sozialen und politischen Entwicklungen die mit zur Entstehung der Frauenbewegung beigetragen haben. Im zweiten Abschnitt (2.2) wird die sogenannte ‚Kinderfrage’ beschrieben, d.h. eines der ersten wichtigen Themen und Problemstellungen mit denen sich die Frauenbewegung beschäftigte: die Zuständigkeit der Frauen für die Reproduktionsarbeit und die Kindererziehung. Abschnitt 2.3 stellt die Aktionen im Rahmen der §218 Kampagne dar, d.h. die Aktivitäten und Hintergründe des Kampfes der Frauenbewegung für die Abschaffung des Abtreibungsverbotes. Die Phase der ‚Selbst­erfahrungs­gruppenbildung’ wird in Abschnitt 2.4, die Zeit der Projekt­bewegungen in Abschnitt 2.5. dargestellt. Ende der 70er Jahre begann die Institutionalisierung von Frauenfragen und -themen, die in den 80er Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Diese wird im Abschnitt 2.6. erläutert.

2.1 Die Entstehung der neuen Frauenbewegung

Die Entstehung der neuen deutschen Frauenbewegung wird hier in zwei Schritten nachgezeichnet. Nachdem die erste Frauenbewegung 1933 durch das Nazi-Regime ausgeschaltet wurde, kam es in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg zu einer Vielzahl von (Wieder)Gründungen von Frauenverbänden. Die Anfänge der Neuen Frauenbewegung lassen sich Ende der 60er Jahre zur Zeit der Studentenbewegung datieren.

Die erste deutsche Frauenbewegung, die – wie in der Einleitung schon erwähnt wurde – etwa um 1840 entstand, fand durch das Naziregime ein jähes Ende. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg jedoch wurden viele Frauenverbände, die sich teilweise zu größeren (Dach)Verbänden zusammenschlossen, wieder ins Leben gerufen. So kam es z.B. im Jahre 1947 zur Gründung des ‚Demokratischen Frauenbund Deutschland’, in dem sich eine große Anzahl von Frauenverbände vereinigten. Zwei Jahre später wurde der Deutsche Frauenrat (DFR) als Dachverband verschiedener Frauenverbände gegründet. Der DFR war politisch aktiv und thematisierte die unmittelbare Situation der Frauen sowie Arbeits- und Berufsfragen (Nave-Herz, 1997). Im selben Jahr trat das Grundgesetz in Kraft und somit Artikel 3, Abs. 2 und 3, welcher die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern rechtlich verankert. 1950 kam es zur Gründung des Frauenreferats im Bundesministerium des Innern, mit dem Ziel, die Notstände von Frauen durch Krieg zu überwinden und Gleichberechtigung zu verwirklichen (Karsten, 1950, S. 94, 108). 1951 wurde der ‚Infodienst für Frauenfragen e.V.’ gegründet. Er wurde 1969 umbenannt in ‚Deutscher Frauenrat – Bundesvereinigung der Frauenverbände und Frauengruppe gemischter Verbände e.V.’ und forderte u.a. die Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frauen in Politik, Recht und Wirtschaft, gleiche (Aus)Bildungschancen für Mädchen und Jungen und die Entlastung berufstätiger Mütter (Deutscher Frauenrat, 1980).

Die Neue Frauenbewegung entstand im Zusammenhang mit der antiautoritären Studentenbewegung 1967/68. Sie verfolgte andere Ziele und Strategien als die traditionellen Verbände und ist im Kontext der wirtschaftlichen und politischen Situation der damaligen Zeit zu verstehen:

Die politische Situation in West-Deutschland wurde seit 1966 durch die große Koalition CDU/CSU und SPD geprägt. Vor diesem Hintergrund entstand die APO, die Außerparlamentarische Opposition und kurze Zeit später die Studentenbewegung. Die zu dieser Zeit geführten Diskussionen thematisierten innen- und außenpolitische Probleme sowie die Diskrepanzen zwischen der Realität und dem Anspruch der Gesell­schaftsordnung. Außerdem wurden bisher bestehende Normen und Werte hinterfragt und eine antiautoritäre Erziehung sowie liberale Einstellungen zur Sexualität gefordert.

Im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) kam es 1968 jedoch zu Spannungen zwischen den Studenten und Studentinnen. Die Frauen machten die Erfahrung, dass ihre männlichen Kommilitonen nach außen hin zwar die Unterdrückungsmechanismen der Gesellschaft sowie die autoritären Strukturen, Verhaltensmuster und Erziehungsmuster kritisierten, im privaten Bereich ihren Kommilitoninnen und Freundinnen gegenüber jedoch ihr diskriminierendes und autoritäres Verhalten nicht in Frage stellten: Die Frauen hatten eine Anhängselrolle, waren die Hilfskräfte im Hintergrund und sollten selber nicht politisch aktiv mitarbeiten (Nave-Herz, 1997). Aufgrund dessen bildeten die Frauen ihre eigenen Gruppen, so dass 1968 in West-Berlin der ‚Aktionsrat zur Befreiung der Frauen’ und in vielen anderen Städten, wie z.B. in Frankfurt am Main der ‚Frankfurter Weiberrat’, gegründet wurde (Doormann, 1979). So kam es in der Bundesrepublik in den Jahren 1968 und 1969 zu einer großen Anzahl von neu gegründeten Frauengruppen: die Anfänge der Neuen Frauenbewegung waren damit geboren.

2.2 Die ‚Kinderfrage’

Die Lösung der sogenannten ‚Kinderfrage’ stand am Beginn der neuen Frauenbewegung, d.h. die Veränderung der alleinigen Verantwortung und Zuständigkeit der Frauen für die Reproduktionsarbeit und Kindererziehung war die erste wichtige Problematik, die in der Neuen Frauenbewegung thematisiert wurde. Die Frauen gründeten Kinderläden um die Kindererziehung aus der alleinigen Verantwortung der Mütter zu nehmen (Doormann, 1980). Allerdings erwiesen sich die Konzepte der Frauen als schwer realisierbar: statt mehr Zeit für politische Aktivitäten und das Studium zu haben, nahm der Aufbau der Kinderläden enorm viel Zeit in Anspruch. Die Kinderladenbewegung wurde weitergeführt, war jedoch in den folgenden Jahren (ab 1970) kein treibendes Moment mehr innerhalb der Frauenbewegung. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass sich viele Frauen in der Bundesrepublik nicht angesprochen fühlten von der geforderten Revolutionierung der Erziehung. Dennoch hat die Kinderladenbewegung eine Diskussion um Erziehung in Gang gebracht, die die traditionelle Frauenrolle mit ihrer Zuständigkeit für Kindererziehung und Reproduktionsaufgaben in Frage stellte.

2.3 Die §218 Kampagne

Der Kampf gegen den Paragraphen 218 (Verbot des Schwangerschaftsabbruchs) stellt ein weiteres sehr wichtiges Moment in der Frauenbewegung dar. Durch die ‚Selbst­bezichtigungs­aktion’ 1971 breiteten sich die Frauengruppen enorm aus. Nachdem einige Wochen zuvor in Frankreich eine Selbstbezichtigungsaktion stattgefunden hatte, bekannten sich nun in der Zeitschrift ‚Stern’ 374 - zum Teil prominente – Frauen zu einer Abtreibung und forderten die Streichung des §218. Auch Männer solidarisierten sich und bekannten „Ich war Komplize bei einer Abtreibung“ (Schwarzer, 1971, 1983, 2002)[2].

Durch diese öffentlichen Selbstbezichtigungsaktionen breiteten sich die Frauengruppen innerhalb der Bundesrepublik aus. Frauen aller Alters- und Berufsgruppen aus allen sozialen Schichten fühlten sich von dieser Thematik angesprochen und fanden sich zusammen. Durch die Aktivitäten gegen den §218 wurde die Frauenbewegung zu einer breiten, kollektiven Bewegung.

Die offizielle Taufe der Neuen Frauenbewegung als eine autonome, von Parteien und Organisationen unabhängige Frauenbewegung fand neun Monate nach der Selbstbezichtigungsaktion am 12.03.1972 während des ersten Bundesfrauenkongresses statt (Schwarzer, 2000).

[...]


[1] Es gab zu dieser Zeit natürlich noch weitere Strömungen. Diese beiden waren jedoch die am stärksten vertretenen (Nave-Herz, 1997)

[2] Für eine detaillierte Beschreibung der Aktionen und Initiativen in den Jahren 1971-1975 gegen des §218 sei hier auf Doormann (1987) verwiesen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Neue Frauenbewegung: ein historischer Überblick und eine Analyse ihrer Erfolge
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Soziologie der Geschlechterverhältnisse
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V35656
ISBN (eBook)
9783638355018
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gegenstand dieser Arbeit ist die historische Entwicklung der Neuen Frauenbewegung seit den 60er Jahren, sowie eine Bilanzierung der Erfolge und erreichten Veränderungen hinsichtlich der sozialen und rechtlichen Lage der Frau und des Geschlechterverhältnisses.
Schlagworte
Neue, Frauenbewegung, Analyse, Erfolge, Soziologie, Geschlechterverhältnisse
Arbeit zitieren
Judith Katenbrink (Autor), 2003, Die Neue Frauenbewegung: ein historischer Überblick und eine Analyse ihrer Erfolge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35656

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