Wikileaks. Gefährlich oder Gefährdet? Die Darstellung von Wikileaks in ausgewählten deutschen Medien

Eine Frame-Analyse


Diplomarbeit, 2011

159 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1. Teil - Theorie
2. Wikileaks und die Medien
2.1 Wikileaks im Spiegel der Medien
2.2 Die Geschichte von Wikileaks
2.2.1 Das „Collateral Murder“ Video - Der erste große Scoop
2.2.2 Wikileaks und die Frage nach dem Journalismus
2.2.3 Kriegstagebücher aus Afghanistan
2.2.4 Wikileaks vor der Zerreißprobe
2.2.5 Die Irak-Protokolle
2.2.6 Die Botschafts-Depeschen
2.2.7 Überblick: Relevante Veröffentlichungen für die Untersuchung
2.3 Wikileaks zwischen Anspruch und Wirklichkeit
2.4 Transparenz und Demokratie im Kontext von Wikileaks
2.5 Fazit
3. Agenda-Setting oder Framing?
4. Framing Theorie
4.1 Eine notwendige Vorbemerkung
4.2 Frame oder Rahmen?
4.3 Hinführung zum Frame-Begriff.
4.4 Die Wurzeln des Frame-Begriffes
4.4.1 „Steps to an ecology of mind“ - Gregory Bateson
4.4.2 Von der Soziologie in die Kommunikationswissenschaft - Erving Goffman
5. Framing in der Kommunikationswissenschaft
5.1 Framing als Prozess
5.2 Die Frame-Elemente
5.3 Framing im Journalismus
5.4 Frames und ihre Wirkung
5.5 Mein Frame, Dein Frame - Strategisches Framing im öffentlichen Diskurs
5.5.1 Die Informationsdarstellung im Framing-Prozess
5.5.2 „Primäre“ Rahmen im Kontext der Kommunikationswissenschaft
5.6 Abgrenzung zum Agenda Setting
5.7 Wikileaks im Kontext der Framing-Theorie
5.8 Fazit und Definition von Frames für die Untersuchung

2. Teil - Methode
6. Methode und Untersuchungsgegenstand
6.1 Vorgehensweise
6.2 Hypothesen zum Framing
6.3 Hypothesen zu besonderen Merkmalen bei der Berichterstattung über Wikileaks
6.4 Die Inhaltsanalyse
6.4.1 Untersuchungsmaterial und Untersuchungszeitraum
6.4.2 Wie können Frames identifiziert werden?
6.4.3 Welche Frames können identifiziert werden?
6.5 Das Codebuch
6.5.1 Die Kodiereinheit
6.5.2 Variablen zur Frame-Identifikation
6.5.3 Identifizierende und formale Variablen, die auf Artikelebene kodiert werden
6.5.4 Inhaltliche Variablen auf Artikelebene
6.5.5 Variablen zum Frame-Träger
6.5.6 Inhaltliche Variablen
7. Voruntersuchung und Pre-Test zur Ermittlung einzelner Ausprägungen
7.1 Auswertung zur Ermittlung der inhaltlichen Ausprägungen
7.2 Auswertung des Pre-Tests
7.3 Die Kodierung

3. Teil - Analyse und Auswertung
8. Analyse und Auswertung der erhobenen Daten
8.1. Vorläufige Ergebnisse
8.2 Grundlage der Frame-Identifikation
8.3 Geeignete mathematische Verfahren zur Frame-Identifikation
8.4 Analyse latenter Klassen
8.4.1 Das Basismodell
8.4.2 Technische Angaben
8.4.3 Statistische Testverfahren
8.5 Gruppierung der Variablen
8.6 Alternatives Verfahren zur Variablen-Gruppierung
8.7 Variablenverdichtung der akteursbezogenen Variablen
8.7.1 Auswertung der Variablenverdichtung
8.8 Variablenverdichtung der situationsbezogenen Variablen
8.8.1 Auswertung der Variablenverdichtung
8.9 Die Frame-Identifikation
8.9.1 Auswertung der Frame-Identifikation
8.9.2 Fazit der Frame-Identifikation
8.10 Alternatives Verfahren zur Variablenverdichtung
8.10.1 Verdichtung der Variablen des Frame-Elements „Problemdefinition“
8.10.2 Verdichtung der Variablen des Frame-Elements „Ursachenzuschreibung“
8.10.3 Verdichtung der Variablen des Frame Elements „Handlungsempfehlung“
8.11 Alternative Frame-Identifikation
8.11.1 Auswertung der alternativen Frame-Identifikation
8.11.2 Fazit der alternativen Variablenverdichtung
8.11.3 Unterschied zwischen einem Frame und einem Argumentationsmuster
9. Auswertung der identifizierten Frames zur Berichterstattung über Wikileaks
9.1 Allgemeine Merkmale und Ergebnisse zur Berichterstattung über Wikileaks
9.2 Die Frame-Entwicklung im Kontext der relevanten Ereignisse
9.2.1 Das „Collateral Murder“ Video (05.04.10)
9.2.2 Die Kriegstagebücher aus Afghanistan (25.7.10)
9.2.3 Die Kriegsprotokolle aus dem Irak (22.10.10)
9.2.4 Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen (28.11.10)
9.3 Die Darstellung in den einzelnen Medien
9.3.1 Süddeutsche Zeitung(SZ)
9.3.2 Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
9.3.3 DerSpiegel (DS)
9.3.4 Die Welt (DW)
9.3.5 Die Zeit (DZ)
9.4 Auswertung der Untersuchungsfragen
9.5 Auswertung der einzelnen Hypothesen
9.6 Auswertung der Framing-Studie
9.7 Auswertung: Wikileaks gefährlich oder gefährdet?
9.7.1 Die Ergebnisse im Kontext anderer Studien zu Wikileaks
10. Fazit
11. Abbildungsverzeichnis
12. Tabellenverzeichnis
13. Literaturverzeichnis
13.1 Internet-Quellen
14. Anhang
Codebuch
Ergebnisse der Voruntersuchung zur Ermittlung der inhaltlichen Ausprägungen
Ergebnisse des Pre-Tests
Beispiele für die Kodierung einzelner Ausprägungen
Beispielkodierung
Nicht kodierte Treffer

1. Einleitung

Wikileaks ist mit keinem geringeren Anspruch angetreten als die Welt zu verändern.1 Durch Information und Transparenz sollen die verkrusteten Strukturen von Korruption, Misswirtschaft und Machtmissbrauch aufgebrochen und die Öffentlichkeit wachgerüttelt werden. Dabei hat Wikileaks schon zahlreiche geheime Dokumente ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Von den detaillierten Kriegsprotokollen aus Afghanistan und dem Irak, über die Verstrickungen einzelner Banken in dubiose Geschäftspraktiken im Vorfeld der Wirtschaftskrise bis hin zu hunderttausenden von geheimen Botschaftsberichten, die geheime Absprachen und politische Hintergrundinformationen aus der ganzen Welt liefern. Doch hat das alles tatsächlich die Welt verändert? Sind die Menschen freier geworden durch den Einblick in kriminelle oder verwerfliche Machenschaften, die sie davor nicht kannten? Hat Wikileaks wirklich eine neue Ära im Umgang mit Informationen eingeläutet, oder ist die Veröffentlichung von geheimen Dokumente viel mehr eine leichtsinnige Gefährdung von Menschenleben?

Der Streit über diese und ähnliche Fragen begleitet die Organisation Wikileaks seitdem sie selbst und ihre Arbeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Doch die grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis von Transparenz, Information und Freiheit ist indes wesentlich älter. Vor über 200 Jahren spricht Edmund Burke vor dem Englischen Parlament, das gerade dabei ist, Journalisten künftig neue Einblicke zu gewähren und fügt den klassischen drei Staatsgewalten bereits eine neue hinzu: „[...] but in the Reporters' Gallery yonder, there sat a fourth estate more important far than they all “ (zít. nach Berry 2008: 44).

Diese vierte Gewalt, eine freie Presse, die nur informellen Charakter besitzt, ist seitdem aus modernen Demokratien kaum mehr wegzudenken. Dennoch bahnt sich in der praktischen Umsetzung der Kontrollfunktion, die als eine der wesentlichen Aufgaben der Presse verstanden werden kann, ein signifikanter Wandel an.

„Die öffentliche Aufgabe, die [Journalismus] nach höchster Rechtsprechung wahrnehmen soll, [ist] inzwischen mit der Lupe [zu] suchen. Im gesamten Journalismus wird zunehmend die Kritikerrolle zur Disposition gestellt“ (Weischenberg 2006: 18).

In diesem Kontext tritt Wikileaks an, einer zusehends in den Hintergrund rückenden Funktion wieder ins Zentrum des Journalismus und damit auch wieder ins Zentrum der Gesellschaft zu verhelfen.2 Doch sind die Mittel und die Radikalität, mit der Wikileaks agiert, tatsächlich gerechtfertigt? Ist die scheinbar willkürliche Veröffentlichung von geheimen Unterlagen tatsächlich im Interesse der Menschen oder bringt sie vielmehr zahlreiche Risiken mit sich? Ist das Journalismusverständnis von Wikileaks zeitgemäß und angemessen? Ist Wikileaks eine Chance oder eine Bedrohung für die Demokratie?

In der vorliegenden Untersuchung sollen die aufgeworfenen Fragen im Kontext der medialen Berichterstattung über Wikileaks untersucht werden. Es soll herausgearbeitet werden, wie die Medien und die Journalisten über Wikileaks berichten. Dabei gliedert sich die Arbeit in drei Bereiche. Zu Beginn soll die Geschichte von Wikileaks, im Kontext der Berichterstattung, kurz nachgezeichnet werden. Dabei werden auch die relevanten Ereignisse für die vorliegende Studie herausgearbeitet. Im Folgenden soll die Framing-Theorie, die sich für die Berichterstattung über das Thema Wikileaks anbietet, ausführlich diskutiert werden. Dabei sollen ganz bewusst auch die Ansätze und ersten Entwürfe der Theorie berücksichtigt werden.

In einem zweiten Teil werden die theoretischen Erkenntnisse für eine empirische Erhebung nutzbar gemacht. Es wird sich zeigen, dass die Voraussetzungen in der Framing-Forschung für diese Untersuchung geeignet sind.

Im dritten Teil werden die erhobenen Daten analysiert. Dabei soll eines der vorherrschenden Verfahren angewendet werden. Zusätzlich soll noch ein neues Verfahren getestet werden, das einen anderen Schwerpunkt setzt. Abschließend werden die Ergebnisse der empirischen Untersuchung ausgewertet und dabei im Kontext der Framing-Theorie diskutiert.

1. Teil - Theorie

2. Wikileaks und die Medien

Die Geschichte von Wikileaks ist sehr eng mit der Berichterstattung über die Veröffentlichungen und die Organisation von Wikileaks verbunden. In diesem Kapitel sollen deshalb sowohl die Organisation Wikileaks als auch die Berichterstattung über das Thema Wikileaks näher betrachtet werden. Zum Einen soll dazu das Selbstverständnis und die Arbeitsweise von Wikileaks aus medienwissenschaftlicher Perspektive erörtert und zum Anderen das Phänomen Wikileaks näher eingrenzt werden. Dies ist sowohl für die wissenschaftliche Betrachtung der Berichterstattung notwendig als auch für die theoretische Vorarbeit, damit mögliche Vergleichsstudien herangezogen werden können. Im Kapitel 2.2.2 Wikileaks und die Frage nach dem Journalismus soll das Selbstverständnis deutscher Journalisten mit dem Selbstverständnis von Wikileaks in Bezug gesetzt werden. Ein geschichtlicher Abriss soll zudem die Entwicklungen der Organisation und die relevanten Ereignisse für diese Studie sichtbar machen. Zum Abschluss sollen noch einige Besonderheiten der Berichterstattung rund um das Thema Wikileaks aufgegriffen werden. Eine Einordnung des Themenbereichs in das spezifische Forschungsfeld erfolgt erst nach einer ausführlichen Einführung in die wissenschaftliche Theorie dazu. Unter Wikileaks als Medienthema wird im folgenden jegliche Berichterstattung über die Organisation Wikileaks oder deren Veröffentlichungen und Mitarbeiter, sofern ein erkennbarer Bezug zur Organisation Wikileaks vorliegt, verstanden.

2.1 Wikileaks im Spiegel der Medien

„Was ist Wikileaks?“ - Die Antworten auf diese Frage fallen in den Medien sehr vielfältig aus. Manche meinen, dass „Wikileaks eher eine geniale Idee ist, als eine Organisation im herkömmlichem Sinn“3, andere bezeichnen Wikileaks als „Enthüllungsplattform“, „Internet-Portal“ oder als „eine Gruppe von Netzaktivisten“4, und wieder andere nehmen den Gründer in den Fokus und kommen zu dem Schluss: „Wikileaks ist Julian Assange. Julian Assange ist Wikileaks.“5 Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es auch noch diejenigen, die gar eine „Terrorist- Organization“6 hinter Wikileaks vermuten. Wikileaks selbst hat bei alldem natürlich noch ein ganz eigenes Bild von sich: „WikiLeaks is a non-profit media organization dedicated to bringing important news and information to the public.“7

Die vielfältigen, uneinheitlichen und sich teilweise sogar widersprechenden Bezeichnungen für Wikileaks deuten auf eine große Bandbreite von möglichen Interpretationen des Phänomens hin. In dieser Arbeit können die Ursachen dafür nicht umfassend geklärt werden, dennoch möchte ich einige zentrale Aspekte herausarbeiten.

2.2 Die Geschichte von Wikileaks

„ Wikileaks kann der mächtigste „Nachrichtendienst" aufErden -werden -- ein Nachrichtendienst des Volkes.“8 - www.wikileaks.org

Es ist nicht leicht gesicherte, Informationen über das Projekt Wikileaks zu erlangen. Neben der Selbstbeschreibung und den Zielen, die sich in den vergangenen Jahren öfter geändert haben, hat auch ein Bruch zwischen den führenden Vertretern der Organisation stattgefunden. Mit dem Austritt von wichtigen Mitarbeitern wie Daniel Domscheit-Berg und Herbert Snorrason, haben sich neue Einblicke, die natürlich vor dem Hintergrund persönlicher Motive und Befindlichkeiten kritisch abzuwägen sind, in die Struktur von Wikileaks ergeben.

Bei Wikileaks handelt es sich von Anfang an um eine sehr dynamische Organisation. Die Ziele lassen sich folgendermaßen beschreiben: Wikileaks bietet eine möglichst sichere Plattform für Menschen, die als geheim eingestufte Dokumente aufgrund ethisch oder moralisch fragwürdiger Inhalte an die Öffentlichkeit bringen möchten. Die Vorgehensweise von Wikileaks hat sich dabei in den letzten Jahren gewandelt, dies wird ausführlich in den folgenden Kapiteln erörtert. Für Außenstehende lassen sich weder die Mitgliederzahl noch die Mitarbeiterzahl oder die Strukturen der Organisation nachvollziehen. Zahlreiche Informationen, Berichte und Geschichten rund um Wikileaks sind alles andere als eindeutig. Ein klares Bild der Organisation, ihrer Gründung und ihrer Mitarbeiter zu zeichnen ist deshalb nur schwer möglich. Ein Grund dafür ist die Angst vor einer eventuellen Überwachung, die von Anfang an in der Organisation kursierte (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 61). Die Folge davon sind zahlreiche Techniken zur Verschlüsselung und zur Verschleierung, sodass es nur wenige interne Informationen gibt, die tatsächlich unabhängig verifiziert werden können. Dazu kommt noch das bereits angesprochene Zerwürfnis zwischen Daniel Domscheit-Berg und Julian Assange. Die Debatte um interne Abläufe bei Wikileaks ist bisher von persönlichen Schuldzuweisungen und damit verbundenen Widersprüchen geprägt, die bis zurück zur Gründung der Organisation reichen. Im Selbstverständnis hieß es dazu:

„ Wikileaks wurde von chinesischen Dissidenten, Mathematikern und Technologen junger Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet.“9

Mittlerweile ist dieser Abschnitt von der Homepage entfernt worden und ist ebenfalls Gegenstand von zahlreichen Spekulationen.10 Sicher lässt sich feststellen, dass am 4. Oktober 2006 von John Young11 auf Anfrage von Julian Assange die Domains „wikileaks.org“, „wikileaks.cn“ und „wikileaks.info“ (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 61; Göring/Nord 2011: 45) registriert wurden. Über die Zahl der Mitarbeiter hingegen herrschte von Anfang an Unklarheit. Die Schwankungen reichen von einem harten Kern aus fünf Mitarbeitern bis hin zu 22 Mitarbeitern (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 61). Die Zahl der Unterstützer, die gelegentlich für Wikileaks arbeiten, beziffert Julian Assange auf 800 bis 1000 (vgl. Rosenbach/Stark: 85). Inwieweit diese Angaben stimmen, kann nur schwer überprüft werden.

Der gebürtige Australier Julian Assange gilt als Kopf der Organisation und übernimmt die öffentliche Vertretung von Wikileaks. Seine Person spielt eine zentrale Rolle in der medialen Darstellung. Assange wird meist als geistiger Vater und Gründer von Wikileaks gehandelt. Neben Assange vertrat auch der deutsche Daniel Domscheit-Berg, bis zu seinem Austritt unter dem Pseudonym Daniel Schmitt, Wikileaks nach außen. Über die weiteren Mitarbeiter ist wenig bekannt, da sie nur selten oder gar nicht öffentlich in Erscheinung treten. Nach der Gründung von Wikileaks gelang es trotz einiger Veröffentlichungen nur schwer, große Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit zu erhalten. Mit dem „Collateral Murder“ Video änderte sich das schlagartig.

2.2.1 Das „Collateral Murder“ Video - Der erste große Scoop

„So, thepromise we make to our sources is that not 12 only will we defend them through every means we have available, technologically, legally, andpolitically, but we will try and get the maximumpossiblepolitical impact for the material they give to us“. 13 - Julian Assange

Mediale Beachtung erhält Wikileaks zum ersten Mal im Jahr 2007. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ 2 berichtete 2 über 2 Korruption 2 in 2 Zusammenhang 2 mit 2 dem 2 ehemaligen 2 Kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi und beruft sich dabei auf Dokumente von Wikileaks. Im Folgenden berichten auch die kenianischen Medien ausgiebig über den internen Bericht, der Korruption und Misswirtschaft in der ehemaligen kenianischen Regierung belegen soll. Für Wikileaks und für Julian Assange war die Veröffentlichung ein großer Erfolg (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 80).

Wikileaks veröffentlichte in den folgenden Jahren interne Dokumente des Schweizer Bankhauses Julius Bär, Internetsperrlisten verschiedener Länder und Dokumente über Scientology. Bevor Wikileaks allerdings international bekannt wird, sorgt es im Sommer 2009 in Island für großes Aufsehen. Von Wikileaks veröffentlichte Dokumenten der Kaupthing-Bank geben Einblicke in die Hintergründe der isländischen Finanzkrise. Island wird daraufhin zu einem wichtigen Stützpunkt für Wikileaks. Die aktuellen Publikationen sehen in Wikileaks einen wichtigen Akteur bei den Änderungen der Mediengesetze des Landes (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 114; L.Sifry 2011: 168f; Göring/Nord: 76f). Die Veröffentlichung des „Collateral Murder“ Videos am 5. April 2010 wird in Island vorbereitet und übertrifft die bisherigen Enthüllungen. „The 'Collateral Murder' Video drove worldwide attention to WikiLeaks and its founder. Soon, Assange was on a full-fledge media tour“ (L. Sifry 2011:25).

Das Video zeigt den Angriff eines US-Hubschraubers auf eine Menschengruppe im Irak. Bei dem Angriff wurden mindestens 12 Personen getötet, darunter zwei Mitarbeiter der Agentur Reuters. Die Nachrichtenagentur bemühte sich daraufhin vergeblich, an das Einsatzvideo zu gelangen. Für besondere Aufregung sorgten die zynischen Kommentare der amerikanischen Piloten14 (vgl. Rosenbach/Stark 2011:119; Göring/Nord 2011: 78).

Das „Collateral Murder“ Video ist für die Untersuchung ein wichtiges Ereignis. Es ist das erste Mal, dass eine Veröffentlichung von Wikileaks ein großes internationales Medienecho hervorruft. Das Video ist aber auch wichtig aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und den damit verbundenen Fragen nach derjournalistischen Arbeitsweise von Wikileaks.

2.2.2 Wikileaks und die Frage nach dem Journalismus

Die Veröffentlichung des „Collateral Murder“ Videos stellt eine Zäsur in der Arbeit von Wikileaks dar. Es handelt sich nicht mehr nur um das Originaldokument, sondern um eine aufwendig bearbeitete Version des Videos mit Untertiteln, Begleittexten und recherchierten Zusatzinformationen. Das Video wurde auch nicht allgemein zugänglich bearbeitet, sondern nur von ausgewählten Mitarbeitern. Dieses Vorgehen wurde nicht nur von Kritikern bemängelt, auch „manche WikiLeaks-Sympathisanten sind mit der geschnittenen Version des Materials und dem wertenden Titel des Videos nicht einverstanden, sie halten die Abkehr von der reinen Lehre, nur Originaldokumente zu veröffentlichen, für einen Fehler“ (Rosenbach/Stark 2011: 128).

In einem Interview am 12. April 2010 mit Stephen Colbert erklärte Julian Assange das nachträgliche Bearbeiten des Originaldokuments damit, dass Wikileaks neben der Sicherheit des Informanten auch verspreche „politisch das maximal Mögliche aus dem Material herauszuholen“ (zit. nach Rosenbach/Stark 2011: 128). Göring/Nord (2011) werten dieses Vorgehen als Abkehr vom Journalismus: „Assange macht in dieser Situation das, was Journalisten eigentlich vermeiden sollten: Er ergreift Partei, macht sich mit einer Sache gemein, und diese Sache ist nicht mehr die

Aufdeckung von Geheimnissen, der investigative Journalismus, sondern der Kampf gegen den Krieg, vielleicht auch nur der Kampf gegen die USA“ (Göring/Nord 2011: 84). Die Fragen, die hier aufgeworfen werden, sind die Fragen nach dem Verständnis von Journalismus und der Einordnung von Wikileaks. Ist Wikileaks eine journalistische Medienorganisation oder eine Nichtregierungsorganisation mit eigener politischer Agenda?

Es gestaltet sich schwierig, bei Wikileaks eine konkrete politische Agenda auszumachen, die über die Forderung nach Transparenz, das Anprangern von Missständen oder ethischen/moralischen Verfehlungen hinausreicht. Dem Vorwurf einer einseitigen Veröffentlichung geheimer Dokumente zulasten der USA, lässt sich auch mit der einseitigen Quellenlage begegnen. Die ersten Entwürfe von Wikileaks sprechen ebenfalls für diese Annahme.15 Die von Wikileaks formulierten Ziele sind zwar eindeutig, aber keineswegs an eine inhaltliche politische Agenda gekoppelt und sie stehen im Einklang mit dem Selbstverständnis zahlreicher journalistischer Institutionen:

„Publishing improves transparency, and this transparency creates a better society for all people. Better scrutiny leads to reduced corruption and stronger democracies in all society’s institutions, including government, corporations and other organisations. A healthy, vibrant and inquisitive journalistic media plays a vital role in achieving these goals. We are part of that media.“16

Es scheint so, als prallen zusätzlich zu den bereits bestehenden Schwierigkeiten in der Einordnung von Wikileaks auch noch theoretische und praktische Differenzen im Bezug auf das journalistische Rollenbild aufeinander.

„Ein zum Informationsjournalismus scheinbar gegensätzliches Rollenbild ist das des (gesellschafts)kritischen, politischen oder anwaltschaftlichen Journalismus. In der Journalismusforschung wird dieses Rollenverständnis als aktiv bezeichnet, während die neutrale Informationsvermittlung alspassive Rolle gilt “ (Weischenberg 2006: 106).

Die beiden Zuordnungen sind zwar recht grob, dafür zeigen sie aber die Gegensätze zwischen dem Anspruch der neutralen Informationsvermittlung und dem Anspruch einer aktiven Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse deutlich.

Betrachtet man Wikileaks und vor allem die Arbeitsweise am „Collateral Murder“ Video in diesem Kontext, so ergibt sich, dass erst durch die Bewertung und die Einordnung des Materials überhaupt von Journalismus gesprochen werden kann. Auch beim Rollenverständnis des neutralen Informationsvermittlers müssen die Informationen, wie auch immer, eingeordnet werden. Unabhängig davon, welches Journalismusverständnis angelegt wird, ist die Veröffentlichung von einem Dokument oder 250.000 Dokumenten ohne einen dargestellten Kontext und ohne einen dargestellten Erkenntnisgewinn von öffentlichem Interesse noch keine journalistische Handlung (vgl. Bunz 2011: 136). Danach ist die Herangehensweise von Wikileaks an die Veröffentlichung des „Collateral Murder“ Videos nicht etwa als Abkehr vom Journalismus, sondern eigentlich als Hinwendung zum Journalismus zu verstehen, auch wenn das selbstbewusste Vertreten des aktiven journalistischen Rollenverständnisses heutzutage befremdlich erscheinen mag. Damit soll allerdings keine Wertung über die Qualität der Berichterstattung von Wikileaks vorgenommen werden, die durchaus als einseitig und unausgewogen erachtet werden kann.

Die Studie von Weischenberg (2006) gibt einen allgemeinen Überblick über die Situation von Journalisten in Deutschland. Dabei geht sie auch auf das journalistische Selbstverständnis und Rollenbild ein:

„Gut die Hälfte der Journalisten (58%) hat die Absicht, in ihrem Beruf Missstände in der Gesellschaft zu kritisieren; [...] Weniger als drei von zehn Journalisten wollen sich für die Benachteiligten in der Bevölkerung einsetzen (29%); als Kontrolleur von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft („watchdog“) sieht sich nur knapp ein Viertel (24%). Weniger als ein Siebtel der befragten Journalisten (14%) aber erhebt den Anspruch, die politische Tagesordnung zu beeinflussen und Themen auf die politische Agenda zu setzen. Für all diese Rollenbeschreibungen lagen die Zustimmungswerte bei der ersten Untersuchung im Jahre 1993 zwischen fünf und zehn Prozentpunkten höher. [...] Hier hat offenbar ein signifikanter Wandel im Journalismus stattgefunden, der die gesellschaftlich aktive Rolle von Journalisten zunehmend in den Hintergrund rückt“ (Weischenberg2006: 106).

Dieser Befund lässt zumindest erahnen, warum das Presseecho, wie im ersten Abschnitt beschrieben, so unterschiedlich und vielseitig ausfallt. Eine Rolle spielt sicherlich das mehrheitliche Befremden der Journalisten über die Selbstverständlichkeit, mit der Wikileaks sein aktives Rollenverständnis vertritt. Verschärfend kommt noch die von Julian Assange häufig geäußerte und harsche Kritik am vorherrschenden Journalismus hinzu.17

Für die grundsätzliche Frage, nach der Einordnung von Wikileaks ergibt sich allerdings, dass zumindest die formulierten Ziele und Ansprüche von Wikileaks innerhalb eines aktiven journalistischen Rollenverständnisses stehen. In der Journalismusforschung werden immer wieder die beiden Rollenbilder und ihr Verhältnis zueinander diskutiert. Drentwett (2009) kommt dabei zu dem Schluss:

„Beide Berufsrollen leiten sich aus der Unterscheidung zwischen neutralem

Informationsjournalismus und kritisch kontrollierendem Meinungsjournalismus ab. Zwischen den

Polen ergibt sich eine Reihe von Berufsbildern, die zwar einer der beiden Richtungen zuzuordnen

sind, den Schwerpunkt aber immer an anderer Stelle setzen. Selten folgen Journalisten konsequent einem Rollenmuster oder fühlen sich ausschließlich einer der beiden Grundrichtungen verpflichtet.

Vielmehrfolgen sie von Fall zu Fall verschiedenen Rollen“ (Drentwett 2009: 71).

2.2.3 Kriegstagebücher aus Afghanistan

„Die Veröffentlichung der Wikileaks-Daten zum Afghanistankrieg ist ein Triumph des investigativen, an Fakten orientierten Datenjournalismus “, 18 - Simon Rogers, Guardian

Während die Verantwortlichen von Wikileaks die Veröffentlichung von zahlreichen geheimen Militärdokumenten vorbereiten, wird im Mai 2010 ein 22-jähriger US-Soldat namens Bradley Manning auf einem Militärstützpunkt im Irak verhaftet. Ihm wird vorgeworfen zahlreiche geheime Dokumente an Wikileaks übermittelt zu haben. Nach bisherigem Kenntnisstand gelingt es nicht etwa, die Verschlüsselung von Wikileaks zu knacken, sondern Bradley Manning offenbart sich in einem Internet-Chat dem ehemaligen amerikanischen Hacker, Adrian Lamo, der ihn den Behörden meldet (vgl. L.Sifry 2011: 30f; Rosenbach/Stark 2011: 148ff; Göring/Nord: 92ff).

Für Wikileaks ist die Nachricht ein Rückschlag, denn der Quellenschutz war eines der zentralen Anliegen der Organisation. Mit der Verhaftung von Bradley Manning ist das Ziel die Quelle zu schützen verfehlt worden, auch wenn Wikileaks stets betont, dass keinerlei Informationen über den Informanten zu Wikileaks gelangt seien (vgl. L.Sifry 2011: 94; Rosenbach/Stark 2011: 157). Inwieweit tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Bradley Manning, Wikileaks und Julian Assange nachgewiesen wird, hängt von den Ermittlungen der US-Behörden ab. Schon jetzt steht allerdings fest, dass sich zahlreiche Verschwörungstheorien darum ranken werden.

Für Wikileaks beginnt mit der Veröffentlichung von rund 80.000 geheimen Dokumenten aus dem Afghanistankrieg eine völlig neue Situation. Die Fülle der Dokumente ist für die kleine Organisation nicht zu bewältigen. Wohl auch deshalb arbeitet Wikileaks bei dieser Veröffentlichung mit dem „Spiegel“, dem „Guardian“ und der „New York Times“ zusammen. Die Abmachung der kooperierenden Partner mit Wikileaks lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

„ Wikileaks gewährt den Medien vorab Einblick in das Material und bestimmt über den Veröffentlichungstermin mit. Bei der inhaltlichen Auswertung sind alle Medienhäuser völlig unabhängig, auch die fertigen Geschichten werden weder mit Wikileaks noch unter den Kooperationspartnern vor dem Erscheinen ausgetauscht“ (Rosenbach/Stark 2011: 165).

Das mediale Echo der Veröffentlichung ist gewaltig. Der Anteil der Berichterstattung über den Afghanistankrieg in Amerika steigt in der Woche nach dem Erscheinen der Dokumente von 6% auf 18% der gesamten Berichterstattung.19

Für die Untersuchung ist das Ereignis relevant, da Wikileaks zum ersten Mal mit einigen etablierten Medien zusammenarbeitet. Eine wichtige Frage dabei wird sein, inwieweit und ob die Berichterstattung im Magazin „Der Spiegel“ von der Berichterstattung der „außenstehenden“ Medien unterschieden werden kann.

2.2.4 Wikileaks vor der Zerreißprobe

Die nächsten Schlagzeilen produziert Wikileaks nicht etwa durch weitere Veröffentlichungen, sondern durch ein Ermittlungsverfahren gegen Julian Assange und aufgrund interner Streitigkeiten. Am 20. August 2010 wird Haftbefehl gegen Assange wegen Vergewaltigung erlassen, am Tag darauf wird der Haftbefehl allerdings wieder zurückgezogen. Am 1. September nehmen die schwedischen Behörden die Ermittlungen wegen „sexueller Nötigung und sexueller Belästigung“ wieder auf. Am 18. November wird ein internationaler Haftbefehl gegen Julian Assange erlassen wegen Vergewaltigung. Die Hintergründe und Motive der schwedischen Justiz geben zahlreiche Rätsel auf (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 190ff; Göring/Nord 2011: 130ff). Inwieweit der Druck durch die Ermittlungen und die damit einhergehende Berichterstattung für die internen Konflikte von Wikileaks verantwortlich war, kann nur schwer eingeschätzt werden. Sicher ist, dass der deutsche Daniel Domscheit-Berg zusammen mit weiteren Mitarbeitern im September 2010 die Organisation im Streit verlässt (vgl. Rosenbach/Stark 2011:204; Göring/Nord 2011: 122f). Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass mittlerweile angebliche Chat-Protokolle der Auseinandersetzung an die Öffentlichkeit „durchgesickert“ sind.20 Inwieweit diese allerdings authentisch sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Es lässt sich ebenfalls nur schwer ermitteln, welche Bedeutung Domscheit-Berg für Wikileaks hatte. In manchen Berichten wird der Bruch als existenzielle Bedrohung für Wikileaks dargestellt, in anderen heißt es, dass der Ausstieg schnell wieder kompensiert werden konnte (vgl. Göring/Nord 2011: 122f; Rosenbach/Stark 2011: 207f).

2.2.5 Die Irak-Protokolle

Die Veröffentlichung der internen Aufzeichnungen des US-Militärs zum Irakkrieg beginnen am 22. Oktober 2010 um 21 Uhr. Insgesamt werden 391.832 Kriegsberichte veröffentlicht. Wikileaks arbeitet dabei wieder mit den etablierten Medien zusammen, diesmal auch mit dem Fernsehsender al-Dschasira. Die Reaktionen auf die Dokumente fallen unterschiedlich aus: Das Pentagon erklärt die Dokumente hätten keinen Neuigkeitswert.21 Malcolm Smart, Amnesty Internationals Direktor für den Mittleren Osten, kommt zu einem anderen Schluss.

“We have not yet had an opportunity to study the leaked files in detail but they add to our concern that the US authorities committed a serious breach ofi international law when they summarily handed over thousands of detainees to Iraqi security forces who, they knew, were continuing to torture and abuse detainees on a truly shocking scale.“22

Neben Amnesty fordern auch Human Rights Watch23 und die Uno-Menschenrechtskommissarin Navanethem Pillay24 in Folge der Veröffentlichungen eine internationale Untersuchung.

Für die Inhaltsanalyse ist die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente deshalb interessant, weil es die erste Veröffentlichung nach den internen Konflikten von Wikileaks ist. Vor allem in Deutschland lässt sich vermuten, dass mit dem Ausstieg von Daniel-Domscheit Berg und seiner Kritik an Wikileaks die Berichterstattung neue Merkmale aufweist.

2.2.6 Die Botschafts-Depeschen

„Hillary Clinton und ein paar Tausend Diplomaten rund um die Welt werden einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie eines morgens aufwachen und ein ganzes Archiv ihrer geheimen Außenpolitik öffentlich zugänglich ist.“25 - Bradley Manning

Rund einen Monat nach den Kriegsberichten aus dem Irak beginnen Wikileaks und die kooperierenden Medienpartner einen Datensatz von 251.287 geheimen Botschaftsdepeschen des US-Außenministeriums öffentlich zu machen. Die Berichte reichen zurück bis ins Jahr 1966 und enden am 28. Februar 2010. „Sie dokumentieren die Lagemeldungen der Botschaften in aller Welt in die Zentrale nach Washington sowie Anweisungen des State Department an die Außenposten“ (Rosenbach/Stark 2011: 225). Die Herangehensweise der Medien an die geheimen Dokumente ist unterschiedlich:

„So ist es Klatsch und Tratsch, womit die Zeitungen an diesem Tag aufmachen. Mit Kalkül, die schwierigen Themen sollen später nachgelegt werden. Dabei gehen die Zeitungen unterschiedlich vor. Der „Spiegel“ veröffentlicht jede Woche neue Geschichten und ergänzt diese in seinem Internetangebot, die „New York Times“ bringt zunächst neun Tage lang das Wichtigste aus den Depeschen. Am interessantesten ist die Art und Weise wie der „ Guardian“ mit dem Material umgeht: Die Leser werden aufgefordert, Fragen zu bestimmten Ereignissen der Weltgeschichte einzusenden. Die Redakteure durchsuchen daraufhin die Dokumente und schreiben einen Bericht über das, was sie gefunden haben. Das ist ein neuer Ansatz um Journalismus, der die Neugier der

Leser wachhält, der auch auf abseitige Ideen eingeht und dadurch lange frisch und spannend bleibt“ (Göring/Nord2011: 150).

Die Veröffentlichung der Botschaftsberichte erfolgt - wie beschrieben - nicht auf einen Schlag, sondern über einen längeren Zeitraum. Die Reaktionen darauf fallen äußerst unterschiedlich aus: Es gibt sowohl Stimmen, die die Veröffentlichung als belanglos und schädlich für die Diplomatie bezeichnen, da eine künftige Vertraulichkeit von diplomatischen Gesprächen nicht mehr gewährleistet ist.26 Es gibt aber auch die Ansicht, dass es sich bei den Botschaftsdepeschen um brisante Dokumente der Zeitgeschichte handelt, auf die die Öffentlichkeit ein Recht hat.27 Für die Inhaltsanalyse ist die Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen das letzte wichtige Ereignis. Die Fülle der Dokumente und der Einblick in die internationale Politik übersteigt die bisherigen Veröffentlichungen um ein Vielfaches. Besonders zu berücksichtigen ist die Dauer der schrittweisen Veröffentlichung und der damit verbundenen Berichterstattung. Es muss ein geeigneter Zeitraum festgelegt werden, damit die Berichterstattung tatsächlich in der empirischen Untersuchung abgedeckt ist.

[...]


1 http://twitter.com/#!/wikileaks/status/6581472060252160 (Zugriffam 16.11.111

2 „Better scrutiny leads to reduced corruption and stronger democracies in all society’s institutions, including government, corporations and other organisations. A healthy, vibrant and inquisitivejournalistic media plays a vital role in achieving these goals. We are part of that media.“ www.wikileaks.ch/about (Zugriff am 16.11.111

3 www.spiegel.de/spiegel/0.1518.708300-2.00.html (Zugriff am 12.09.11Ì

4 Vgl. Rosenbach/Stark(2011).

5 http://www.ndr.de/kultur/literatur/wikileaks169.html (Zugriff am 26.09.11)

6 http://www.foxnews.com/opinion/2010/11/30/ves-wikileaks-terrorist-organization-time-act/ (Zugriff am 10.08.11)

7 www.wikileaks.ch (Zugriff am 26.09.11)

8 www.wikilcaks.org vom 16.12.2007. Die Version der Internetseite wurde wiederhergestellt mit dem Internetdienst Internet Archive. http://web.archive.org/web/20071216220347/https://secure.wikileaks.org/wiki/Wikileaks:About/de

9 ebd.

10 Vgl. dazu http://www.sueddeutsche.de/digital/enthuellungsbuch-inside-wikileaks-der-grosse-bluff-1.1058338-2 (Zugriffam 12.10.2011)

11 John Young ist ein Internetaktivist aus den USA der mit seiner Website „www.cryptome.org“ ein ähnliches Ziel verfolgt wie Wikileaks.

12 Englisch für: Knüller, sensationelle Erstmeldung (http://www.dict.cc/englisch-deutsch/scoop.html (Zugriff am 29.09.11))

13 www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/260785/april-12-2010/exclusives---iulian-assange-unedited- interview (Zugriff am 29.09.11)

14 Das Video ist unter www.collateralmurder.com abrufbar. (Zugriff am01.09.11)

15 Die ursprüngliche Formulierung auf www.wikileaks.de lautete: „Unser primäres Interesse liegt auf den durch Unterdrückung geprägten Regimen wie China, Russland, dem zentralen Eurasien, dem Nahen Osten und dem Afrika südlich der Sahara. Aber wir sind auch Ansprechpartner für diejenigen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen.“

(http://web.archive.org/web/20071216220347/https://secure.wikileaks.org/wiki/Wikileaks:About/de)

(Zugriff am 5.10.11) Es handelt sich nicht um die aktuelle Version.

16 www.wikileaks.ch/About.html (Zugriff am 5.10.11)

17 Vgl. http://www.taz.de/160406/ - Interview mit Julian Assange vom 28.10.2010 (Zugriff am 14.10.2011) und

http://www.ted.com/talks/iulian assange why the world needs wikileaks.html - Interview mit Julian Assange von Juli 2010 (Zugriffam 14.10.2011)

18 Rogers, Simon2011: 118

19 Vgl. http://pewresearch.org/pubs/1685/wikileaks-afghanistan-media-coverage (Zugriffam 5.10.11)

20 Das angebliche Protokoll ist auf www.wired.com/threatlevel/2010/09/wikileaks-revolt/ (Zugriff am 5.10.11) veröffentlicht.

21 Vgl. http://www.defense.gov/news/newsarticle.aspx?id=61392 (Zugriff am 12.10.2011)

22 http://www.amnestv.org/en/news-and-updates/usa-must-investigate-detainee-abuse-claims-wikileaks-files-2010-1Q- 22 (Zugriff am 12.10.2011)

23 Vgl. http://www.hrw.org/news/2010/10/24/iraq-wikileaks-documents-describe-torture-detainees (Zugriff am 12.10.2011)

24 Vgl. http://www.ohchr.org/en/NewsEvents/Pages/DisplavNews.aspx?NewsID=10477&LangID=E (Zugriff am 12.10.2011)

25 Zit. nach Rosenbach/Stark 2011: 226

26 www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-diplomatie-gefaehrliches-geschwaetz-1.1029465 (Zugriff am 26.10.111

27 „Und natürlich hat die Welt ein Recht zu erfahren, was hochrangige Vertreter der Vereinigten Staaten von anderen Staatenlenkern halten.“ www.spiegel.de/spiegel/print/d-75476870.html (Zugriff am 26.10.111

Ende der Leseprobe aus 159 Seiten

Details

Titel
Wikileaks. Gefährlich oder Gefährdet? Die Darstellung von Wikileaks in ausgewählten deutschen Medien
Untertitel
Eine Frame-Analyse
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Lehrstuhl für Journalistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
159
Katalognummer
V356888
ISBN (eBook)
9783668432628
ISBN (Buch)
9783668432635
Dateigröße
3176 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inklusive 27 Seiten Anhang
Schlagworte
Wikileaks, Medien, Framing, Inhaltsanalyse, Kommunikationswissenschaft, Journalistik, Berichterstattung, Julian Assange
Arbeit zitieren
Simon Korbella (Autor), 2011, Wikileaks. Gefährlich oder Gefährdet? Die Darstellung von Wikileaks in ausgewählten deutschen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356888

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