Die Entwicklung der Wahrnehmung und ihre Förderung mit Musik im Vorschulalter


Referat / Aufsatz (Schule), 2017
24 Seiten, Note: 2,33

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Kommunikation und Interaktion

2 Die Entwicklung der Wahrnehmung und ihre Förderung mit Musik im Vorschulalter
2.1 Theoretischer Teil: die Entwicklung der Wahrnehmung
2.1.1 Entwicklung der Wahrnehmungssinne
2.1.1.1 Olfaktorischer Sinn (Riechen)
2.1.1.2 Gustatorischer Sinn (Schmecken)
2.1.1.3 Kinästhetischer und vestibulärer Sinn (Bewegungsempfinden und Gleichgewicht)
2.1.1.4 Haptischer und taktiler Sinn (Tasten und Spüren)
2.1.1.5 Visueller Sinn (Sehen)
2.1.1.6 Auditiver Sinn (Hören)
2.1.2 Intermodale Wahrnehmung
2.2 Empirischer Teil: die Förderung der Wahrnehmung mit Musik im Vorschulalter
2.2.1 Förderung der Wahrnehmung mit Musik
2.2.2 Musikalische Fördereinrichtung: die musikalische Früherziehung
2.2.2.1 Fördermöglichkeit: Klangschale als Begrüßungsritual
2.2.2.2 Fördermöglichkeit: Sankt Martin Spiel-Gedicht
2.3 Fazit

3 Forderung nach Musikangeboten

Literaturverzeichnis

Anhang

Vorwort

In einer hektischen, schnellen Welt machen wir Menschen uns meist zu viel Stress. Pünktlich bei der Arbeit erscheinen. Den Flug oder den Zug noch erreichen. Ja selbst auf der Fahrt in den Urlaub, wenn gerade wieder einmal Stau auf der Autobahn herrscht und nichts vorwärts geht, machen wir uns Druck, um irgendwie, irgendwo, irgendein vermeintlich hochgradig wichtiges Ziel zu erreichen. Man solle den Stress vermeiden, heißt es immer von Seiten der Ärzte, da dieser physische und psychische Folgen haben kann.

Ein Rezept, um Druck zu vermeiden, ist Musik. Sie ist eines der wirkungsvollsten Elemente, um Glücksgefühle auszulösen. Sie trägt zur Entspannung bei und löst Stress wie von selbst. In der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ schreibt auch Goertz Wolfram am 26.08.2010 in seinem Artikel „Fühlt sich an wie Glück.“, dass Musik bei Menschen alles bewirken kann. Sie kann animieren, einschläfern, aufputschen, besänftigen und vieles mehr. Einer der wichtigsten und wertvollsten Aspekte der Musik für die Sozialpädagogik ist die Förderung.

Ein Teil meiner Seminararbeit besteht aus der Darstellung der Entwicklung der Wahrnehmung vom Zeitpunkt der Geburt an. Außerdem soll diese Arbeit zeigen, dass man mit Musik hervorragend einzelne Wahrnehmungssinne fördern und schärfen kann, um somit seine Umwelt spezifischer wahrzunehmen.

Abschließend möchte ich mich besonders bei Charlotte Krust bedanken, welche mir spannende Einblicke in die Welt der musikalischen Früherziehung ermöglichte.

02. März 2017 Dulisch Matthias

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Visuelle Klippe (In Anlehnung an: o.V.: Visuelle Klippe. Online verfügbar unter http://images.slideplayer.org/1/661885/slides/slide_15.jpg, zuletzt geprüft am 10.11.2016.).

Hinweis:

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im vorliegenden Text die männliche Personenbezeichnung bevorzugt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.

1 Kommunikation und Interaktion

Ohne Kommunikation und Interaktion wäre der Mensch kein Mensch.

Damit wir effektiv kommunizieren und interagieren können, ist die Wahrnehmung von großer Wichtigkeit, denn sie beinhaltet nicht nur einfache Sinnesorgane, wie beispielsweise das Ohr, sondern auch die Fertigkeit, Bewegungen unbewusst zu steuern und das Gleichgewicht zu halten. Also müsste es folglich heißen:

Ohne Wahrnehmung wäre der Mensch kein Mensch!

Störungen und Entwicklungsverzögerungen der Wahrnehmung sind natürlich nicht auszuschließen, wobei sich diese Defizite mit Musik hervorragend behandeln lassen.

Musik ist gut für das eigene Wohlbefinden und kann dem Menschen helfen, seine Probleme zu bewältigen. Musik wird in der Sozialpädagogik nicht nur zur Behandlung von Problemen eingesetzt, sondern auch zur Förderung von Fähigkeiten, wie zum Beispiel der Wahrnehmungsfähigkeit.

Musik scheint ein Allheilmittel für Körper und Seele zu sein.

2 Die Entwicklung der Wahrnehmung und ihre Förderung mit Musik im Vorschulalter

2.1 Theoretischer Teil: die Entwicklung der Wahrnehmung

Entwicklung geschieht im Laufe des Lebens und beinhaltet Veränderungen des Erlebens und Verhaltens. Diese Veränderungen hängen untereinander zusammen, geschehen in einer unumkehrbaren, logischen Reihenfolge und sind auf ein bestimmtes Ziel gerichtet.

2.1.1 Entwicklung der Wahrnehmungssinne

„Die Sinnesempfindung [...] ist der elementare Prozess der Reizaufnahme und [Reiz] -registrierung[...].

Die Wahrnehmung [...] ist demgegenüber der höhere Prozess der Organisation und Interpretation der Reizinformation [...]“ (Oerter, Rolf; Montada, Leo (Hg.) (2008): Entwicklungspsychologie. [Lehrbuch]. 6., vollst. überarb. Aufl. Weinheim: Beltz (Grundlagen Psychologie), S. 414). Dies bedeutet, dass nicht die alleinige Reizaufnahme Wahrnehmung ist, sondern erst die Verknüpfung und Interpretation dieser. Wie die meisten glauben mögen, ist das Hören eines Tones und das Sehen von schwarzen und weißen Tasten keine Wahrnehmung, sondern erst die Verbindung und Deutung dieser Dinge zum ganzen Klavier.

Die meisten Veränderungen geschehen im ersten Lebensjahr. Eine spätere Entwicklung der Wahrnehmung ist nur geringfügig erforscht, da diese stark mit Motorik und Kognition verbunden ist(vgl. Schwarzer, Gudrun; Jovanovic, Bianca (2015): Entwicklungspsychologie der Kindheit. 1. Auflage. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer (Kohlhammer Standards Psychologie), S. 11).

2.1.1.1 Olfaktorischer Sinn (Riechen)

Geruchsmoleküle werden über die Nase aufgenommen und gelangen an die Nasenschleimhäute. Dort werden sie über Riechzellen, mit Hilfe elektrischer Signale, an das Gehirn weitergeleitet(vgl. Hirler, Sabine (2001): Wahrnehmungsförderung durch Rhythmik und Musik. 4. Aufl. Freiburg im Breisgau: Herder., S. 20;Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 146).

Bereits nach der Geburt kann der Säugling zwischen verschiedenen Gerüchen unterscheiden, wobei sich dies in der ersten Woche noch weiter differenziert. So reagiert er auf äußerst unangenehme Düfte, wie zum Beispiel Buttersäure, bereits mit einem negativen Gesichtsausdruck(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415;Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 146).

Nach wenigen Tagen ist es dem Neugeborenen möglich, seine Mutter am Geruch zu erkennen und von anderen Personen unterscheiden. Der Säugling kann mit Hilfe des Geruchssinns zwischen einer stillenden und einer nicht stillenden Mutter unterscheiden. Bei der Unterscheidung des Vaters im Gegensatz zu anderen Männern gelingt dem Baby dies nicht(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415;Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 146).

2.1.1.2 Gustatorischer Sinn (Schmecken)

Im Speichel gelöste Geschmacksmoleküle reizen Geschmacksknospen, welche die jeweilige Information mit Hilfe spezieller elektrischer Signale weiterleiten(vgl. Hirler 2001, S. 20–21;Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 145–146).

Ein Großteil der Geschmackssinne ist schon bei der Geburt vorhanden. Dies wird anhand verschiedener Flascheninhalte und dem jeweiligen Gesichtsausdruck, sowie der Sauggeschwindigkeit des Babys festgestellt. Es findet allerdings eine leichte Geschmacksänderung in den ersten Lebensmonaten statt, wie beispielsweise die Akzeptanz von Salzigem(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415).

Spätere Geschmacksvorlieben werden schon sehr früh durch negative und positive Erfahrungen beeinflusst, jedoch lassen sich diese ebenso durch Lernprozesse noch ändern und neu ausrichten(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415;Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 145–146).

2.1.1.3 Kinästhetischer und vestibulärer Sinn (Bewegungsempfinden und Gleichgewicht)

Der kinästhetische Sinn sitzt in Form von Rezeptoren an Muskeln, Gelenken und Ähnlichem. Diese Rezeptoren geben Informationen durch elektrische Signale an das Gehirn weiter(vgl. Stöger, Thomas (2008): Kinder fördern mit Musik. Seminararbeit zum 3. Jugendreferenten-Seminar Nord 2007/2008. Online verfügbar unter http://www2.winds4you.at/files/Kinder_foerdern_mit_Musik.pdf, zuletzt geprüft am 10.11.2016., S. 6).

Der kinästhetische Sinn beschreibt das Bewegungsempfinden. Das heißt, er nimmt Reize aus dem Körperinneren, welche durch Bewegung, wie beispielsweise das Anspannen eines Muskels, entstehen, auf und schickt diese an das Gehirn weiter. Als Beispiel gilt das unbewusste Steuern von Körperbewegungen(vgl. Heinsen, Hilke: Fundamentale sensorische Sinne. Taktilsinn, Gleichgewichtssinn, Kinästhesiesinn. Online verfügbar unter http://www.grundmotorik.de/de/sanser.htm, zuletzt geprüft am 10.11.2016..;Stöger 2008, S. 6).

Der vestibuläre Sinn befindet sich in den Bogengängen des Innenohres, welche mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Kleinste Härchen leiten, erregt durch Flüssigkeitswellen, welche beispielsweise durch Laufen angestoßen werden, elektrische Impulse weiter(vgl. Hirler 2001, S. 23; Stöger 2008, S. 6).

Der vestibuläre Sinn ist zuständig für das Gleichgewicht. Mit ihm können wir aufrecht stehen und uns räumlich orientieren. Außerdem ist er sehr eng mit dem visuellen und dem taktilen Sinn verbunden(vgl. Stöger 2008, S. 6;Hirler 2001, S. 23).

Die Bewegungsempfindung und der Gleichgewichtssinn werden nach und nach im Laufe des Lebens erlernt und präzisiert(vgl. Heinsen).

2.1.1.4 Haptischer und taktiler Sinn (Tasten und Spüren)

Mit Hilfe spezieller Druckrezeptoren auf der Haut, werden Reize in Impulse umgewandelt und weitergegeben. Besonders empfindlich sind hierbei Hände, Füße und Mund.(vgl. Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 144; Hirler 2001, S. 22–23; Stöger 2008, S. 5–6).

Durch Spüren ist es möglich, die Art der Berührung zu erschließen und diese zu lokalisieren. Durch Tasten können verschiedene Materialien noch gezielter differenziert werden, als durch Hören oder Sehen(vgl. Hirler 2001, S. 22–23, 2001, S. 57).

Eine grundlegende Empfindlichkeit des Neugeborenen ist bereits vor der Geburt vorhanden. Nach der Geburt reagiert er nicht nur auf Berührungen, sondern auch gezielt auf die Lokalität der Berührung. Ein junger Säugling kann das Tasten sogar schon insofern nutzen, indem er verschiedene Objekte anhand lokaler Merkmale, wie beispielsweise Oberfläche und Material unterscheidet(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415; Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 144).

Für die Entwicklung des Neugeborenen ist das Spüren über die Haut besonders wichtig, damit baut er erste Verbindungen zu seiner Umwelt auf(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 415; Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 144; Stöger 2008, S. 5–6).

2.1.1.5 Visueller Sinn (Sehen)

Lichtstrahlen werden mit Hilfe der Stäbchen und Zäpfchen, welche sich im Inneren des Auges befinden, wahrgenommen und weitergeleitet(vgl. Hirler 2001, S. 18; Stöger 2008, S. 5).

Kurz nach der Geburt ist der visuelle Sinn, im Gegensatz zu den anderen Impressionen, am wenigsten gut ausgebildet. Allerdings hat der Neugeborene bereits spontane Blickbevorzugungen, indem er bestimmte Objekte länger betrachtet als andere. Die Sehschärfe ist nach der Entbindung noch sehr schwach, entwickelt sich allerdings rapide, so dass sie nach etwa sechs Monaten das Niveau eines Erwachsenen erreicht. Beim Kontrastsehen verhält es sich ebenso. Es ist direkt nach der Geburt nur sehr gering vorhanden, eingeschränkt durch die geringe Sehschärfe, ist aber zusammen mit dieser zur gleichen Zeit vollständig ausgebildet. Eine eingeschränkte Beweglichkeit der Augenlinse ist ebenfalls nach etwa sechs Monaten nicht mehr vorhanden. Die Augenzäpfchen sind nach etwa drei Monaten vollständig ausgebildet, was bedeutet, dass der Säugling ab diesem Zeitpunkt alle Farben exakt erkennen kann(vgl. Oerter und Montada 2008, S. 418–422; Schwarzer und Jovanovic 2015, S. 149–151).

Tiefenwahrnehmung lässt sich erst bei einem krabbelnden Baby, mit Hilfe des Versuchs der visuellen Klippe von Gibson und Walk, sicher erschließen. Dieser Versuch verdeutlicht, dass spätestens mit neun Monaten die Distanzwahrnehmung vorhanden ist. Allerdings geht man davon aus, dass es dem Säugling bereits zuvor möglich ist Tiefen wahrzunehmen. Diese Theorie ist jedoch noch nicht ausreichend belegt. Der Versuch der visuellen Klippe wird auf der Folgeseite erklärt. Beim so genannten Looming, dem schnellen Zubewegen eines Objektes auf den Säugling, werden schon mit neun Monaten Abwehrverhalten auf Seiten des Neugeborenen registriert. Das Erschließen der räumlichen Anordnung von Objekten und ihrer dreidimensionalen Struktur ist spätestens ab dem sechsten Lebensmonat möglich(vgl. Oerter/Montada 2008, S. 418–422; Schwarzer/Jovanovic 2015, S. 149–151).

Der Versuch der visuellen Klippe wird wie folgt dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Visuelle Klippe(In Anlehnung an: o.V.: Visuelle Klippe. Online verfügbar unter http://images.slideplayer.org/1/661885/slides/slide_15.jpg, zuletzt geprüft am 10.11.2016.).

Ein Baby, welches bereits krabbeln oder kriechen kann, wird auf einen Tisch gesetzt. Dieser Tisch ist zur Hälfte mit einem Karomuster bedeckt und zur anderen Hälfte mit einer klaren Glasplatte, unter welcher sich am Fußboden dasselbe Muster befindet. Der Säugling wird nun auf die Tischseite gelegt, worauf sich das Karomuster befindet. Die Mutter steht dem Baby am Rande des Tisches gegenüber, so dass es über die Glasplatte krabbeln muss, um zu ihr zu gelangen.

Neugeborene, welche noch keine Tiefen wahrnehmen können, bewegen sich ohne zu zögern, über die Glasplatte, auf die vertraute Person zu. Spätestens mit neun Monaten krabbelt das Baby nicht mehr darüber weg, da es die Tiefe (Klippe) wahrnimmt, welche es hinunterstürzen könnte. Oftmals rückt der Säugling sogar noch weiter von der Glasplatte ab (vgl. Oerter und Montada 2008, S. 420).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Wahrnehmung und ihre Förderung mit Musik im Vorschulalter
Hochschule
Staatliche Berufliche Oberschule Fachoberschule / Berufsoberschule Kaufbeuren
Note
2,33
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V356911
ISBN (eBook)
9783668441798
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, wahrnehmung, förderung, musik, vorschulalter
Arbeit zitieren
Matthias Dulisch (Autor), 2017, Die Entwicklung der Wahrnehmung und ihre Förderung mit Musik im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356911

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