Schönheit und Schönheitsmythen in der Moderne. Waltraud Poschs "Körper machen Leute"


Referat (Ausarbeitung), 2016

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.Einleitung und Vorstellung des Buches

II.Wandel der Schönheitsideale

III.Versuche der Definition von Schönheit

IV.Schönheit als eine Eigenschaft der Frauen

V. Wandel von einem Phänomen der privilegierten Gesellschaft zu einem Massenphänomen

VI. Wandel zur Machbarkeit und Kontrollierbarkeit von Schönheitsidealen in der Moderne

VII.Teilung von Körper und Geist durch zugespitzte Ideale

VIII.Der weibliche Körper als Quelle der Wirtschaft

IX.Persönliche Kritik und Anmerkung

Bibliografie

I. Einleitung und Vorstellung des Buches

Das Thema dieser Referatsverschriftlichung behandelt die Schönheit in der Moderne anhand des Buches von Waltraud Posch1 “ Körper machen Leute. Der Kult um die Schönheit ”.2 In ihrem Buch wird der Frage nachgegangen, was Schönheit ist, warum besonders Frauen Schönheit wichtig ist und weshalb sie dafür leiden. Sie fragt, woher die Schönheitsmythen kommen und wer von dem Schönheitswahn profitiert.3 Ich unter- suche im Folgenden einige ihrer im Buch entwickelten Thesen um mir anschließend ein kritisches Urteil zu bilden. Darüber hinaus werde ich weitere Quellen heranziehen um das Thema zu vervollständigen.

II. Wandel der Schönheitsideale

Alles beginnt mit der Frühen Steinzeit und der Venus von Willendorf. Hier war das weibliche Schönheitsideal üppig - es stand für Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit.4 In der Antike5 änderte sich das grundlegend - ein Körper war schön, wenn seine Proportionen ausgewogen waren. Männer sollten gebräunt und muskulös sein - als Zeichen für ein aktives und sportliches Leben im Freien. Frauen sollten blass sein und feste Rundungen haben - als Zeichen ihrer Fruchtbarkeit, Gesundheit und Anmut. Dabei war nicht nur der harmonische Aufbau des Körpers wichtig, sondern auch die Harmonie zwischen Körper und Geist. Es herrschte ein Körperkult, der besonders in der römischen Antike ausgelebt wurde. Frauen und Männer gingen regelmäßig in Thermen, salbten und ent- haarten ihren Körper. Frauen verwendeten damals schon Schminke um ihre Schönheit zu betonen.6 Im vom christlichen Glauben geprägten Mittelalter wurden die Frauen knabenhaft, mit goldenen Haaren und heller Haut dargestellt. Sie sollten ihre Weiblich- keit nicht betonen und sich nicht schminken, denn das wurde als Teufelswerk angese- hen. Ebenfalls entwickelte sich die Mode der „hohen Stirn“ wofür sie sich ihre Stirnhaa- re auszupften.7 Walther von der Vogelweide beschrieb in seinem Gedicht „ Lob der Frauen “ 8 das Idealbild der Frauen als rein, tugendhaft und anmutig.9 Von der Renais- sance bis zum Barock wurden die Frauen zunehmend üppiger dargestellt - mächtige Körper waren ein Zeichen für Macht und Dekadenz des höfischen Lebens.10 Bekannt sind die damaligen Rubensfiguren des Malers Peter Paul Rubens.11 Die Frauen began- nen ihren Körper mit einem Mieder zu formen.12 Wie auch im Mittelalter wurde die Körperhygiene vernachlässigt aber inzwischen mit Schminke und Puder übertüncht.13 Im Rokoko wurde das weiter vorangetrieben und die Taille mit einem Korsett kontinu- ierlich enger geschnürt - die Frauen sollten anmutig und graziös aussehen. Mit dem Klassizismus kam das Ideal der Natürlichkeit wieder in Mode14 - statt Schminke stand die Körperpflege im Vordergrund15 - und sowohl die Perücke als auch das Korsett wur- den verbannt.16 In der Romantik wurden die Figuren wieder molliger und mit einem Korsett so schmal wie noch nie geschnürt. Um die gewünschte Blässe und hilflose Zart- heit noch zu betonen, machten Frauen die Nächte durch und tranken Essig. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Frauen zur Selbstständigkeit gezwungen, weil viele Männer im Krieg gestorben waren. So waren sie zum ersten Mal auf sich allein gestellt und ver- ließen ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter weitestgehend indem sie selbst arbeiten gingen. Aus praktischen Gründen wurde das Korsett endgültig verbannt und stattdessen betonte man mit lockeren Hängekleidern und Männerhosen den flachen Körper. Beson- ders schön galten diejenigen, welche kurze Haare trugen, ihre Augen und vollen Mün- der betonten, wie beispielsweise Coco Chanel. Zum ersten Mal war gebräunte Haut ge- wollt und ein Zeichen für Wohlstand. Den schmalen Körper musste man jetzt - ohne Korsett - durch Diäthalten erlangen, was laut Posch ab da zur neuen Zwangsjacke der Frauen wurde.17 Im Nationalsozialismus sollten Frauen und Männer die Ästhetik des Körpers aus der Antike verkörpern. Die Frauen wurden wieder in ihre alten Rollen zu- rückgedrängt. In der Nachkriegszeit bis zu den 60ern des 20. Jhs. wurde der Körper wieder rundlicher, bedingt durch den Wirtschaftsaufschwung und als Zeichen für den aufkommenden Wohlstand. Marilyn Monroe war eine Ikone, die das Schönheitsideal der damaligen Zeit verkörperte. Ende der 60er wurde dieses Ideal abrupt durch das Mo- del Twiggy zerstört und Schönheit zum ersten Mal ein Thema der Öffentlichkeit. Sie verkörperte das Schlankheitsideal für damalige Begriffe schon in extremer Form - sie war hager und knochig. Nachfolgend wurden die Frauen, respektive das Idealbild der Frau, immer schmaler. In den 70ern galten lange und volle Haare für schön - als Sym- bol für sexuelle Freiheit und Frieden. In den 80ern setzten sich das Diätalter und der Fitnessboom durch. Frauen galten als schön und modern, wenn sie viel Rouge, Augen Make-up und Lipgloss trugen, was spätestens jetzt nicht mehr als billig oder anrüchig wahrgenommen wurde. Die äußere Form des Körpers wurde zunehmend wichtiger für das Schönheitsideal. In den 90ern entwickelte sich zum Fitnesstrend die Gegenbewe- gung - der “Heroin-Chic”. Muskeln waren wieder out, stattdessen wurden die Frauen abermals blasser und noch dünner - der Kindskörper setzte sich durch. In Folge haben sich viele verschiedene Bewegungen entwickelt. Posch schlussfolgert, dass in der Mode allein heute nicht mehr viel falsch gemacht werden kann - ganz im Gegensatz dazu, wenn es um den Körper geht.18

III. Versuche der Definition von Schönheit

Mit diesem Einblick in die Schönheitsideale der westlichen Kultur, wird der Begriff der Schönheit nach Posch verständlich. Sie stellt fest, dass Schönheit wandlungsfähig und somit nur widersprüchlich zu definieren ist.19 Schönheit wird bestimmt von den Le- bensbedingungen einer Zeit, den darin gelebten Moralvorstellungen einer Kultur, die von politischen Bewegungen geprägt werden.20 Oft spielt die Religion eine Rolle, in der sie rituell gelebt, angebetet und als mystische Kraft repräsentiert wird. Ideale werden in unterschiedlichen Kulturen verschieden aufgefasst. Das zeigt sich an dem Bild der zier- lichen Frau. Während sie beispielsweise in amerikanischen Slums als unattraktiv gilt und ihr Äußeres mit Armut, Drogenabhängigkeit und Krankheit in Verbindung gebracht wird - so gilt sie in der westlichen Welt als schön und mit ihrem Äußeren verbindet man Modernität, Gesundheit und Glück.21 Weiterhin ist auffällig, dass in der westlichen Welt, Reiche oft dünner sind als Menschen der unteren Schichten. Dort wo Essen genug vorhanden ist, kann man es sich leisten zu hungern und wo Essen zum Überlebens- kampf gehört, hat man weniger Möglichkeiten, sich ausgewogen zu ernähren.22 Fakt für Posch ist, dass Schönheit für alle wichtig und erstrebenswert ist, obwohl wir diese zu- gleich als banal und oberflächlich bezeichnen. Sie repräsentiert Überdurchschnittlich- keit und Exklusivität, was abhängig von der Kultur aber nicht von allen erreicht werden kann. Demzufolge ist Schönheit undemokratisch, denn sie trennt die weniger Schönen von den Schönen. Einerseits soll Schönheit von Innen kommen, andererseits wird das Äußere mit einbezogen und kann dabei die inneren Werte betonen oder verstecken. Wichtig ist weniger wie man aussieht, als wie dieses Aussehen dann in der Gesellschaft gewertet wird.23

[...]


1 Waltraud Posch ist Soziologin und forscht zum Thema Körpersoziologie und Schönheitsidealen.

2 Posch, Waltraud: Körper machen Leute. Der Kult um die Schönheit. Frankfurt/Main, 1999.

3 Vgl. Posch 1999, S. 11.

4 Vgl. ebd., S. 37.

5 Ab hier ergänze ich den Verlauf der Geschichte durch weitere Quellen, da Posch von der Steinzeit direkt in den Barock springt.

6 Vgl. Rousso, Fabienne: Die Schönheit und ihre Geschichte, aus dem Französischen von Lallemand, Annette. In: Chahine, Nathalie et al. (Hrsg.): Schönheit. Eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. München, 2000, S. 25-78, S. 31-33; vgl. Wissen.de: Schönheitsideale. Ihr Wandel im Laufe der Jahrhun- derte. Online im Internet: http://www.wissen.de/schoenheitsideale/page/0/1 (Letzter Zugriff: 31.03.2016).

7 Vgl. Rousso 2000, S. 38-43.

8 Vogelweide, Walther von der: Lob der Frauen, aus dem Mittelhochdeutschen von Obermann, Bruno: Gedichte Walthers von der Vogelweide. Stuttgart/Berlin, 1886.

9 Vgl. Vogelweide 1886, S. 64-65.

10 Vgl. Posch 1999, S. 37.

11 Vgl. Rousso 2000, S. 52.

12 Vgl. Posch 1999, S. 37.

13 Vgl. Rousso 2000, S. 47-48.

14 Vgl. Posch 1999, S. 37-38.

15 Vgl. Rousso 2000, S. 64.

16 Vgl. Posch 1999, S. 38.

17 Vgl. ebd., S. 38-39.

18 Vgl. ebd., S. 34 und S. 40-48.

19 Vgl. Posch, Waltraud: Zwischen Schönheit und Schönheitswahn. Die Problematik von Schönheitsideal und Körpernormen. In: Antoni-Komar, Irene (Hrsg.): Mode und Ästhetik. Moderne Körperlichkeit. Körper als Orte ästhetischer Erfahrung. Bd. 1, Stuttgart/Bremen, 2001, S. 70-105, S. 70.

20 Vgl. Posch 1999, S. 34 und S. 95.

21 Vgl. ebd., S. 13-14.

22 Vgl. ebd., S. 177.

23 Vgl. ebd., S. 13-15 und S. 23; vgl. Posch, Waltraud: Projekt Körper. Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt. Frankfurt/Main, 2009, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Schönheit und Schönheitsmythen in der Moderne. Waltraud Poschs "Körper machen Leute"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Kulturwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V358086
ISBN (eBook)
9783668430068
ISBN (Buch)
9783668430075
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moderne, Schönheidsideale, Waltraud Posch, Dandy, Charles Baudelaire
Arbeit zitieren
Maritza Grass (Autor), 2016, Schönheit und Schönheitsmythen in der Moderne. Waltraud Poschs "Körper machen Leute", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358086

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schönheit und Schönheitsmythen in der Moderne. Waltraud Poschs "Körper machen Leute"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden