Westpol - Ein Fernsehmagazin "unter der Lupe"


Seminararbeit, 1999

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALT

Vorwort

1. Das politische Fernsehmagazin
1.1 Historische Entwicklung
1.2 Allgemeine Charakteristika

2. Untersuchungen an Westpol
2.1 Sendetermine
2.2 Einschaltquoten / Marktanteile
2.3 Zielgruppe
2.4 Die Moderatoren
2.5 Themenspektrum
2.6 Magazingestaltung

3. Zusammenfassung

4. Funktion und Stellenwert des Politmagazins in der heutigen

Gesellschaft

Literatur

Vorwort

Das Genre des politischen Fernsehmagazins ist nicht erst eine spezifische Erscheinungsform unserer modernen Fernsehlandschaft, auch wenn dies durch den aktuellen Boom mit über einem Dutzend Politmagazinen auf den bundesdeutschen Fernsehsendern zunächst so erscheint.

Bereits in den 1950er Jahren gingen erste Sendungen dieses Formats über deutsche Fernsehsender und schon Anfang der 1960er Jahre erfolgten regelmäßige Ausstrahlungen. Seitdem konnte aber keineswegs von einem einheitlichen und kontinuierlichen Entwicklungsverlauf des politischen Fernsehmagazins die Rede sein, da es sich stets äußeren Umständen wie technischen Innovationen, Publikumsbedürfnissen und ähnlichem anpaßte oder aber auf Grund negativer Sanktionen von seinem eigentlichen Charakter einbüßte.

So kommt es, daß sich abhängig von der Entstehungszeit zahlreiche Subgenres und Individualstile herauskristallisiert haben.

Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, das politische Fernsehmagazin in seiner derzeitigen Gestalt an dem ausgewählten Beispiel WESTPOL darzustellen, nachdem zwecks Einordnung eine grobe Skizzierung der historischen Entwicklung des Genres vorgenommen und allgemeine Charakteristika aufgezeigt worden sind.

Da zu dem Magazin WESTPOL keine spezifische Sekundärliteratur zu finden war, stützen sich die Untersuchungsergebnisse dabei primär auf eigene Analyse der aufgezeichneten Sendungen vom 25. April, 2. Mai sowie 9. Mai dieses Jahres. Ergänzend kamen Informationen aus den entsprechenden Internetseiten (http://www.wdr.de/tv/westpol) und vom WDR zugesandten Broschüren hinzu. Dieser Hauptteil mündet in einer kurzen Zusammenfassung der Analyseergebnisse im Hinblick auf die Erwartungshaltung, die bezüglich der in der Sekundärliteratur erwähnten Charakteristika von Politmagazinen bestand. Dabei sollen neben Entsprechungen vor allem Besonderheiten von WESTPOL noch einmal explizit herausgestellt werden, durch die sich das Magazin von anderen abgrenzt.

Den Abschluß bildet ein allgemeiner Blick auf das Politmagazin und seine Funktion in der heutigen Gesellschaft. Obwohl es sich beim politischen Fernsehmagazin um eine Sendeform für seriöse Berichterstattung handelt, steht die stärkere Subjektivität und Meinungs betontere Form im Kontrast zu Nachrichten außer Frage.

Inwieweit dies legitim ist und im Sinne des Auftrages der öffentlich-rechtlichen Sender für Meinungsbildung genutzt werden kann, klingt in diesem abschließenden Teil zwar an, kann und soll aber nicht im Rahmen dieser Arbeit weitreichender behandelt werden.

1. Das politische Fernsehmagazin

1.1 Historische Entwicklung

Die Wurzeln des politischen Fernsehmagazins bzw. des Fernsehmagazins im Allgemeinen sind in dem amerikanischen Kommerzfernsehen zu suchen, wo das Format als Rahmen für Warenwerbung diente. Daraus resultierend wies es von Beginn an spezifische Charakteristika auf, die sich mit Attributen wie populär, unterhaltsam, billig und kurzzeitig beschreiben lassen.1 Diese Merkmale, besonders das der additiven Struktur durch das Auseinanderreißen der Beiträge, sind dem Magazinformat bis heute weitgehend erhalten geblieben, obwohl es in den 1950er Jahren durch die großen öffentlich-rechtlichen Sendestationen Europas wie der BBC und dem NDR für seriöse Berichterstattung adaptiert wurde und ganz von der Funktion des Werberahmens abkam.2 Folglich stellte man in Deutschland nach Übernahme dieser Präsentationsform auch nicht deren Unterhaltungscharakter in den Vordergrund, sondern betrachtete ihn lediglich als Grundlage für die eigentlich beabsichtigte Informierung des Publikums.

Der lockere Charakter des Magazinformats kam kam dabei insofern gelegen, als daß das deutsche Volk nach dem vorangegangenen Krieg Bedarf nach Informationen aus aller Welt hatte, und mental wieder aufgebaut werden mußte. Keine andere Präsentationsform hätte dieses so gut zu erfüllen vermocht wie das politische Fernsehmagazin.

Somit war die Resonanz von Beginn an auch relativ groß, so daß mit PANORAMA und REPORT ab Anfang der 1960er Jahre bereits regelmäßige Ausstrahlungen von Magazinen, zumeist in wöchentlichem Rhythmus, erfolgten.

Nachdem durch das Politmagazin WELTSPIEGEL auch eine Auslandsberichterstattung eingeführt wurde, entschloß man sich im Jahre 1963 zu der Gründung eines eigenen Nachrichtenpools für Magazinbeiträge, der unter dem Namen INTERMAG bis heute seinen Sitz in Brüssel hat.3

Die Entwicklung innerhalb des Genres Fernsehmagazin nahm in der BRD im Folgenden aber sehr unterschiedlichen Verlauf. Lediglich grobe Phaseneinteilungen sowie Entwicklungstendenzen lassen sich skizzieren, da die Bedeutungszuschreibungen teilweise erheblich variieren. So läßt sich für die 1960er Jahre klar das politische Magazin als dominierend ausmachen, das nach seiner Etablierung in Form von regelmäßiger Ausstrahlung jedoch bereits in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts durch politische Entschärfung weitgehend an Präsenz verlor. Die zunehmende Mäßigung der Politmagazine lag vor allem in dem verstärkten Angebot solcher Sendungen sowie dem Parteienproporz innerhalb der Sendeanstalten begründet, aber auch die Bemächtigung anderer Sujets führte nach und nach zur politischen Entschärfung der Politmagazine,1 die mit einem ständigen Quotenverlust gleichzusetzen war.

Anstattdessen erfreuten sich die aufkommenden Kultur- und Unterhaltungsmagazine wachsender Beliebtheit bei den Fernsehzuschauern, so daß sie in den 1970er Jahren die bis dahin dominierenden Politmagazine in ihrer Vormachtstellung zu verdrängen vermochten. Letztere verloren spätestens Mitte der 1970er Jahre gänzlich an Publikumsinteresse, da sie durch die stärkere Einbindung von Unterhaltungselementen statt Bildung zunehmend an Profil verloren und die Einschaltquoten durch Expansion des Angebots enorm sanken.

Obwohl die politischen Fernsehmagazine nach Aufkommen der aktuellen Tagesnachrichtenma- gazine wie dem HEUTE-JOURNAL oder aber den TAGESTHEMEN ab 1978 konzeptuelle Veränderungen vornahmen, indem sie durch gründlichere Recherchen und Minifeatures zu überzeugen versuchten, konnten sie diese Entwicklungstendenz nicht stoppen. Ganz im Gegenteil bewirkte die weitere Aufschlüsselung des Magazins in Subgenres wie dem Lifestyle-, Ratgeber-, Reise-, Auto-, Frauen-, Männer- oder Seniorenmagazin in den 1980er Jahren einen noch stärkeren Quotenrückgang. Erschwerend kam schließlich noch die Markterweiterung durch Privatanbieter hinzu.2

Erst seit 1984 können die Politmagazine und täglich ausgestrahlten Sendungen in Magazinform wie z. B. die TAGESSCHAU von einem Wiederaufleben sprechen. Durch zunehmende Vermischung von Information und Unterhaltung (Infotainment) seit Ende der 1980er Jahre sowie die bei den kommerziellen Privatsendern mit Vorliebe behandelten Sex- und Sensationsthemen seit Beginn dieses Jahrzehnts3 konnte wieder ein stetig wachsender Programmanteil für Fernsehmagazine verbucht werden.

Allein in den Jahren 1991 / 92 standen 57 Magazine 68 Serienangeboten im deutschen Fernsehen gegenüber, wodurch das Format zweifellos zu einem Mainstream-Genre gezählt werden kann.4 Zu diesem Erfolg trägt das Subgenre des politischen Fernsehmagazins sicherlich einen Großteil bei, denn derzeit gibt es weit mehr als ein Dutzend solcher Sendungen auf bundesdeutschen Kanälen. Doch wie konnte es nach so vielen Jahren rückläufiger Tendenz durch Genrevielfalt, politischer Entschärfung und ähnlichem zu einem erneuten Boom des Politmagazins kommen? Der Erfolg, sichtbar an dem quantitativen Zuwachs politischer Magazine, liegt meiner Meinung nach vor allem in dem verstärkten Eingehen auf Rezipientenbedürfnisse begründet. Durch zunehmendes Infotainment sowie eine Abkehr von dem analytisch-distanzierten Moderationsstil zu Gunsten eines moralisch-appellierenden Stils mit ironischen Elementen5 vermag man dem modernen, unterhaltungsorientierten Publikum zu entsprechen.

1.2 Allgemeine Charakteristika

Diese erkennbare Tendenz, in jeder Hinsicht auf das Publikum eingehen zu wollen, um es an das entsprechende Magazin zu binden, findet sich in nahezu allen Charakteristika, die das Genre ausmachen.

Bereits die Kernzeiten, zu denen der überwiegende Teil politischer und sonstiger Fernsehmagazine ausgestrahlt wird, ist exakt darauf abgestimmt, hohe Einschaltquoten bei der gewünschten Zielgruppe zu erreichen. So finden sich die Politmagazine, die sich zumeist an ein älteres, berufstä- tiges Publikum wenden, werktags grundsätzlich nach 21.00 Uhr im Programm wieder, während sie am Wochenende schon häufig auf die Mittagszeit bzw. das Vorabendprogramm (um 19.00 Uhr) ausweichen. Spezielle Fernsehmagazine für Kinder wie z. B. LOGO oder aber der KINDERWELTSPIEGEL befinden sich auf entsprechend früheren Sendezeiten. Dabei ist herauszustellen, daß jedes Magazin seinen festen Sendeplatz hat, was auf Grund des Zappingverhaltens der modernen Fernsehrezipien- ten zunächst verwunderlich erscheint. Doch das Fernsehmagazin, welches mit seiner Themenviel- falt einen großen Zuschauerkreis anzusprechen vermag, versteht diesem Trend einerseits entgegen- zukommen, andererseits aber auch entgegenzuwirken.

Durch die additive Struktur sowie die Kürze der Beiträge, die dem Magazinformat durch seine Herkunft vom amerikanischen Kommerzfernsehen eigen sind, wird ein Umschalten jederzeit mög- lich gemacht, denn die einzelnen Themen haben in der Regel keinen Bezug zueinander und sind mit einer durchschnittlichen Länge von fünf bis zehn Minuten bewußt kurz gehalten.

Andererseits wirkt dem der unterhaltende Charakter, der diesem seriellen Format mit seiner offenen Form gegeben ist, entgegen. Mittels Wortnachrichten, Interviews, Studiogesprächen, Diskussionen, Kommentaren und auch Grafiken versucht man die Themen so anschaulich und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Desweiteren nimmt die Moderation einen immer wichtigeren Stellenwert ein, auch wenn der Schwerpunkt mit der Zeit mehr und mehr auf die Beiträge verlagert wurde. Der Moderator hat nämlich neben den offensichtlichen Aufgaben der Publikumsbegrüßung und -verabschiedung sowie der Verbindung thematisch disparater Sendebestandteile die Funktion, durch subjektive Meinungsäußerungen das Publikum zum Nachdenken zu animieren oder aber bei aufreibenden Themen durch sein gelassenes und seriöses Auftreten als Ruhepol zu fungieren. Auch der Wiedererkennungswert einer Sendung durch den Moderator und die personale Bindung mit dem Publikum ist nicht zu unterschätzen.1

Zweifelsfrei ist der Moderator in Magazin-Sendungen bis heute unverzichtbar. Er stellt den personalen Bezug zwischen Programm und Publikum dar: Durch ihn kommt eine Sendung ins Haus; er ist das erkennbare, wiederkehrende „Menschliche“ in einer Sendung voll unterschiedlicher Informationen, wechselnder Bilder und Beiträge.2

All diese auf Unterhaltung und Einbindung zielenden Merkmale des Fernsehmagazins dominieren in so starker Form, daß sie über den Bedeutungsverlust der Inhalte durch die Heterogenität und geringe Ausführlichkeit der Themen hinwegzuspielen vermögen.1 Auch die Glaubwürdigkeit, die auf Grund des eher subjektiven Charakters von Politmagazinen in Frage gestellt werden muß, liegt allein in der dokumentarischen Präsentationsform und dem seriösen Auftreten der Moderatoren begründet. Inhalte spielen bei der Zuschauerbeurteilung eine eher untergeordnete Rolle.

Aus dieser Präoritätenverteilung läßt sich folgern, daß politische Fernsehmagazine in erster Linie auf Unterhaltungswert zielen, da die Zuschauer sie stärker nach Art der Darbietung statt Inhalten bewerten.2 Daß die Programmacher mit diesem Konzept des Infotainments richtig liegen, beweist das stetig wachsende Zuschauerinteresse an an solcherlei Sendungen.

Diesen Zuspruch versuchen die Sendeanstalten durch jeweils spezifische Herangehensweise an das Genre zu erhalten bzw. noch stärker auszubauen. So überzeugen die Magazine der öffentlichrechtlichen Sender in erster Linie durch Seriösität und gründliche Recherche, die Privatsender kontrastierend dazu durch brisantere Themen, verstärkten Unterhaltungscharakter sowie experimentellere Beiträge. Die Fernsehmagazine in den dritten Programmen der ARD zeichnen sich vor allem durch Regionalisierungskonzepte und auch Infotainment aus.

Neben diesen übergreifenden Merkmalen, die Sender betreffend, versucht man durch Besonderhei- ten für viele Politmagazine ein jeweils spezifisches Profil zu erarbeiten, welches den Wiederer- kennungswert erhöht und eine stärkere Bindung an das Magazin verursacht. Diese Abhebung von anderen Magazinen des gleichen Typs kann durch die unterschiedlichsten Dinge erfolgen, sei es, daß man mit Musikuntermalung arbeitet, eine bestimmte Dramaturgie ver- folgt oder aber besondere Kameratechnik und Sendebestandteile etc. verwendet. So zeichnen sich das AUSLANDSJOURNAL und der WELTSPIEGEL zum Beispiel durch die Auslandsberichterstattung in Form von Korrespondentenberichten aus, während sich BERICHT AUS BERLIN eher auf unsere Regie- rung betreffende Themen spezialisiert hat.

Häufig besteht das Profil eines Magazins auch in der politischen Ausrichtung, durch die es sich von anderen abgrenzt, oder aber bleibt neutral, indem es nahezu ganz auf Befragungen von Politikern verzichtet und die Beiträge an Einzelfällen eher emotional darstellt, wie es bei KONTRASTE der Fall ist. Dieses Magazin hebt sich zudem noch durch seinen weiblichen Moderator hervor, da Frauen in dieser Funktion noch sehr selten sind.4

[...]


1 Vgl. Schumacher: Magazine im Fernsehen, S. 331.

2 Ebd. S. 330.

3 Ebd. S. 333.

1 Vgl. Schumacher: Magazine im Fernsehen, S. 334.

2 Ebd. S. 335.

3 Ebd. S. 329 f..

4 Ebd. S. 330.

5 Vgl. Schumacher: Moderation im Magazin, S. 204.

1 Vgl. Schumacher: Moderation im Magazin, S. 194.

2 Gerhard Schult und Axel Buchholz (Hg.): Fernsehjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 2. Aufl. München 1984, S. 347; zit. n.: Schumacher: Moderation im Magazin, S. 196.

1 Vgl. Schumacher: Magazine im Fernsehen, S. 332.

2 Vgl. Wördemann: Konkurrent und Sündenbock, S. 101.

4 Anm.: Der geringe Anteil an Frauen ist lediglich auf politische Fernsehmagazine zu beziehen, wobei die Tendenz bereits zugenommen hat. Seit 1997 hat nämlich z. B. auch das Magazin PANORAMA eine Mode- ratorin. In anderen Subgenres wie dem Frauenmagazin oder aber speziellen Magazinen für Kinder ist das Ver-hältnis genau umgekehrt.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Westpol - Ein Fernsehmagazin "unter der Lupe"
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Politische Fernsehmagazine in der BRD
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
17
Katalognummer
V35824
ISBN (eBook)
9783638356329
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westpol, Fernsehmagazin, Lupe, Politische, Fernsehmagazine
Arbeit zitieren
Wencke Wallbaum - v. Kloeden (Autor), 1999, Westpol - Ein Fernsehmagazin "unter der Lupe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35824

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