Haben Tiere Rechte? Untersuchung unter Bezugnahme auf Peter Singer (1997) und Lawrence C. Becker (2008)


Seminararbeit, 2016

12 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Haben Tiere Rechte?
3.1 Singers Tierethik
3.2 Beckers Tierethik

4. Gemeinsamkeiten und Differenzen der Ansichten

5. Diskussion der Ergebnisse und kritische Stellungnahme

6. Schluss

Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit untersucht, anhand der Meinungen zweier Philosophen, ob „ Tiere Rechte haben “. Die Leserinnen und Leser dieser Seminararbeit sollen sich danach möglichst ein eigenes Bild schaffen können und sich der vorgestellten Problematik bewusstwerden.

Die beiden Autoren Peter Singer und Lawrence C. Becker sind sich der Kontroversität des Themas bewusst und vertreten, wie man im Verlauf der Arbeit sehen wird, zwei unterschiedliche Standpunkte. Singer setzt sich für mehr Tierrechte ein und verlangt von uns Menschen die „Gleichheit der Rücksichtnahme“ gegenüber Tieren. Auf der anderen Seite erklärt Becker anhand der Tugendethik, dass der Mensch auf Grund gewisser Eigenschaften immer der eigenen Spezies den Vorrang geben wird.

Tiere werden seit eher vom Menschen als „ Gebrauchsobjekte “ gesehen und für medizinische Zwecke verwendet oder wegen des dadurch resultierenden billigen Fleischs in Massenställen gehalten. Auf Grund der Krankheiten, welche sich in der Massentierhaltung rasant ausbreiten können schaden wir damit nicht nur den Tieren, sondern auch uns selbst und unserer Umwelt. Deshalb ist es einleuchtend, dass hier nach einer Lösung für einen besseren Umgang mit Tieren gesucht wird.

1. Einleitung

„ Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig. “ - Arthur Schopenhauer.

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich Philosophen, aber auch ein grosser Teil der restlichen Menschheit mit der Tierethik. In der heutigen Gesellschaft ist es nahezu normal Tiere in Massenställen zu halten, für wissenschaftliche Zwecke zu benutzen, Medikamente zu testen, ihr Fell als Accessoire zu tragen oder ihr Fleisch zu essen. In manchen Teilen der Welt werden Tiere als reine Gebrauchsgegenstände gesehen und es werden ihnen kaum Rechte zugesprochen. Fast überall in Europa hat der Tierschutz jedoch Verfassungsstatus. Viele Konzerne lagern das dann aber soweit aus, dass sie Tiere unter schlimmsten Bedingungen halten oder andere Schandtaten begehen. Weiters werden die meisten dieser Tiere niemals ins Freie kommen, da das schweizerische Tierschutzgesetz dies nicht vorschreibt. (vgl. Daester & Meissen, 2013, Weder Stroh noch Weide).

Durch den immer stärker werdenden Gesundheitstrend wird der Menschheit bewusst, dass hier ein Umdenken herbeigeführt werden muss. Nicht nur unser menschliches Umfeld, sondern vor allem die Fauna ist auf diese Neuordnung angewiesen.

In dieser Seminararbeit wird aus philosophischer Sicht erforscht, ob Tiere Rechte haben. Das geschieht anhand einer Untersuchung und eines Vergleichs zweier Philosophen und deren Texte. Zum einen Peter Singer mit seinem Text „ Alle Tiere sind gleich “ (1997) und andererseits Lawrence C. Beckers (2008) Artikel „ Vorrang menschlicher Interessen “. Beide haben sich intensiv mit der Tierethik und mit der Frage nach Tierrechten beschäftigt. Zu Beginn dieser Seminararbeit werden einige Bergriffe definiert, die massgeblich zum Verständnis der Texte beitragen. Danach werden die Inhalte einzeln dargestellt und zusammengefasst. Darauffolgend werden die beiden Texte auf Gemeinsamkeiten und Differenzen untersucht. Vor der Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse werden noch die Ansichten kritisch diskutiert und die Meinung des Autors dargestellt und argumentativ aufgefasst.

Diese Arbeit soll den Leserinnen und Lesern die Augen öffnen und die Problematik näherbringen. Diese sollen sich ein Bild davon machen können, ob Tieren in der heutigen Zeit mehr Rechte zugesprochen gehören oder nicht.

2. Definitionen

Speziesismus

Der Begriff „Speziesimus“ (engl. „Speciesism“) wurde vom britischen Philosophen Richard Ryder erstmals in den 1970er Jahren erwähnt und wurde von da an in den Sprachgebrauch aufgenommen. Singer beschreibt einen Speziesisten folgendermassen: „ Genauso setzt der Speziesist die Interessen seiner eigenen Speziesüber die fundamentalsten Interessen der Mitglieder anderer Spezies. “ (1997, S. 21). Becker hingegen definiert den Begriff so: „ Wenn man etwa die Ansicht vertritt, dass jegliches signifikante menschliche Interesse jedes beliebige nichtmenschliche Interesse oder jegliche Summe nichtmenschlicher Interessenüberwiegt, vertritt man das, was ich als „ entschiedene “ Version des Speziesismus bezeichnen werde. “ (2008, S. 145). Zusammenfassend kann man den Ausdruck als Diskriminierung oder Unterdrückung eines Einzelwesens auf Grund ihrer oder seiner Spezies definieren.

Reziprozität

Reziprozität bedeutet generell, dass man auf ein menschliches Handeln angemessen reagiert. „ Das man auf Gutes mit ebenso Gutem antwortet, ist - zumindest bei vielenüblichen sozialen Austauschverhältnissen - ein vorgeschriebenes wie auch vorhersagbares Menschliches Verhalten. “

(Becker, 2008, S. 137). Die Reziprozität ist ein wichtiger Bestandteil einer jeden Freundschaft oder Gesellschaft und ein Grundprinzip unseres Handelns.

Empathische Identifikation

Die empathische Identifikation ist die Fähigkeit, eine Situation oder eine Stimmung einer anderen Person „empathisch“ zu verstehen. Man kann sich sozusagen in jemand anderen hineinversetzen. Becker meint, dass diese Fähigkeit auch einen sehr wichtigen wirtschaftlichen Aspekt hat, da wir sonst den Nutzen für eine andere Person nicht einschätzen könnten. (vgl. 2008, S. 138).

3. Haben Tiere Rechte?

3.1 Singers Tierethik

„ Ich möchte mich dafür einsetzten, dass wir diese geistige Kehrtwende bezüglich unserer Einstellung und Handlungsweise gegenüber einer sehr grossen Gruppe von Wesen vornehmen: Mitgliedern einer anderen Spezies als der unsrigen, oder, wie wir sie gewöhnlich, aber irreführend nennen, Tiere. “ (Singer, 1997, S. 14).

Peter Singer ist ein australischer Philosoph und Ethiker der Gegenwart. Seine Ansätze beruhen oft auf den Theorien und Thesen von Jeremy Bentham und er ist somit ein Vertreter des klassischen Utilitarismus. (Streeck, 2015, „Ein Embryo hat kein Recht auf Leben“). Diese Form der teleologischen Ethik sieht vor, dass der grösstmögliche Nutzen für eine grösstmögliche Menge an Menschen generiert werden sollte. In Singers Text „Alle Tiere sind gleich“ wird von der Menschheit gefordert, dass das Prinzip der Gleichheit nicht nur unter uns, als Homo Sapiens, sondern speziesübergreifend angewandt wird. Er spricht auch oft von einer „ Verbreiterung unseres moralischen Horizonts “. (Singer, 1997, S.13 ff). Singer sieht schon ein, dass der Mensch sich in vieler Hinsicht deutlich von anderen Lebewesen abgrenzt, deshalb verlangt er auch nicht die gleichen Rechte für Tiere, wie für Menschen. „ Da ein Schwein nicht wählen kann, ist es sinnlos,über sein Wahlrecht zu sprechen. “ (Singer, 1997, S. 15). Aus diesem Grund wird von ihm der Begriff der Gleichheit auf „Gleichheit der Rücksichtnahme“ ausgedehnt. Er meint, dass Tiere genauso leidensfähig sind wie wir Menschen und ihr Leiden somit genauso viel zählen sollte, wie unseres. (vgl. Singer, 1997, S. 19).

Singer kritisiert ebenfalls sehr stark, dass wir, wo die meisten laut ihm Speziesisten sind, Tiere ausschliesslich zu unserem eigenen Nutzen, egal ob beim Essen oder in der Wissenschaft, verwenden. (vgl. Singer, 1997, S. 21-24). Würde man aus seiner Sicht die derzeitigen Menschenrechte mit denen der Tiere vereinen, müsste man folgendes in Betracht ziehen: „ Säuglinge und sogar geistig behinderte Mitglieder der Spezies homo sapiens wären eingeschlossen, aber jene anderen Wesen gleicher oder höherer Fähigkeit, die für uns zu Mahlzeiten und in Laboratorien so nützlich sind, wären ausgeschlossen. “ (Singer, 1997, S. 25). Diese Aussage legitimiert er damit, dass ein ausgewachsenes Tier mehr Bewusstsein und Leidensfähigkeit hat als ein menschliches Neugeborenes oder ein geistig behinderter Mensch. Jedoch meint Singer, es wäre einfacher unsere Einstellung gegenüber Tieren und ändern und nicht auf dieser Option zu beharren. Dies würde nämlich bedeuten, dass wir schmerzvolle Versuche an zurückgebliebenen Leuten vollziehen und sie essen dürften. „ Für die meisten Philosophen sind diese Konsequenzen so unannehmbar, wie die Ansicht, wir sollten aufhören, nichtmenschliche Wesen auf diese Weise zu behandeln. “ (Singer, 1997, S. 29).

3.2 Beckers Tierethik

Meine Absicht hier besteht darin, Gründe zur Verteidigung der These vorzutragen, dass - für Menschen - menschliche Interessen den moralischen Vorrang vor vergleichbaren tierlichen Interessen haben. “

(Becker, 2008, S. 132).

Lawrence C. Becker ist ein amerikanischer Philosoph des 20. und 21. Jahrhunderts, der sich überwiegend mit der Tugendethik beschäftigt. Seine oben zitierte Startthese versucht Becker in erster Linie mit der Tugend zu begründen. Er meint, dass der Mensch bestimmte Eigenschaften hat, welche im Allgemeinen die Tugendhaftigkeit ausmachen. Eine davon ist, dass wir unsere Vorlieben und Interessen nach der „sozialen Distanz“ ordnen. (vgl. Becker, 2008, S. 132). Das bedeutet, dass wir den Leuten, mit denen wir mehr sozialen Kontakt haben, den Vorzug gegenüber jemandem, dem wir nicht so nahestehen, geben. Folglich ist es laut Becker normal, die menschlichen Interessen, denen einer anderen Spezies vorzuziehen. (vgl. Becker, 2008, S. 132). Die soziale Distanz ist sehr stark von der Interaktion und der Gebundenheit der Partner abhängig. Da man mit einer anderen Spezies, sprich Tieren, nicht besonders gut interagieren kann und sie niemals so abhängig sind wie ein Kleinkind beispielsweise von seiner Mutter, ist die soziale Distanz deutlich höher. (vgl. Becker, 2008, S. 142ff). Der Autor beseitigt jedoch direkt eine Unklarheit: „ Mein Argument ist keine Verteidigung der Tierquälerei, die man in der Massentierhaltung und in vielen wissenschaftlichen Versuchen vorfindet. “

(Becker, 2008, S. 133).

Eine Frage die sich Becker stellt, ist, wie weit man die Interessen von Menschen, denen von Tieren vorziehen soll. (vgl. 2008, S. 143). Er unterscheidet dabei zwischen verschieden Kategorien, oder Stufen des Speziesismus. Als extremste Variante bezeichnet er den „absoluten Speziesismus“. Dabei wird jedes mögliche menschliche Interesse vor das eines Tieres gesetzt. „ Ein absoluter Speziesist würde zum Beispiel die Ansicht vertreten, dass es moralisch sei, wenn ein Mensch Millionen von Tieren das schlimmste Leiden zufügt, das man sich vorstellen kann, um eine Laune zu befriedigen. “ (Becker, 2008, S. 144). Bei der nächsten, etwas abgeschwächten Form, dem „entschiedenen Speziesismus“, ist es zwar immer noch gerechtfertigt eine Vielzahl an Tieren zu quälen, jedoch muss es aus einem „signifikanten“ menschlichen Interesse heraus geschehen. Dabei ist es nicht leicht den Begriff „signifikant“ zu definieren. (vgl. Becker, 2008, S. 145). Bei der letzten Variante, dem „schwachen Speziesismus“ wird angenommen, dass bei gleichwertigem Interesse zwischen Mensch und Tier, das menschliche Interesse Vorrang hat.

Becker empfiehlt schliesslich, dass jemand mit tugendhaften Charaktereigenschaften eine Variante des gemäßigten bis starken Speziesismus wählen sollte. (vgl. 2008, S.148).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Haben Tiere Rechte? Untersuchung unter Bezugnahme auf Peter Singer (1997) und Lawrence C. Becker (2008)
Hochschule
Universität St. Gallen
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V359114
ISBN (eBook)
9783668442528
ISBN (Buch)
9783668442535
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tiere, rechte, peter, singer, lawrence, becker
Arbeit zitieren
Géza Königsegg-Aulendorf (Autor), 2016, Haben Tiere Rechte? Untersuchung unter Bezugnahme auf Peter Singer (1997) und Lawrence C. Becker (2008), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359114

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