Identifikation mit der Generation Golf. Ein Phänomen der Popliteratur


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Definition des Generationenbegriffs
2.1.1 Definition nach Ulrike Jureit
2.1.2 Definition nach Karl Mannheim
2.2 Popkultur- Popliteratur
2.3 Florian Illies: Generation Golf

3 Analytischer Teil
3.1 Thematische Merkmale
3.1.1 Lifestyle und Verwendung von Markennamen
3.2 Sprache und Erzählweise

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Illies ist ein Erinnerungsjunkie und Geschichtsverdreher“ schreibt die Welt am Sonntag über den Autor des Buches Generation Golf – Eine Inspektion. Florian Illies ist ein deutscher Feuilleton Redakteur der F.A.Z und hat sich nach langer Zeit überwunden ein Buch über seine Generation zu schreiben. Von dem VW Golf inspiriert, bringt er das automobile Lebensgefühl zur Definition einer Generation, seiner Generation Golf. Illies meint damit die Jahrgänge zwischen 1965 und 1975. Mein Zugang zu dem Buch war, dass auch meine Eltern dieser Generation angehören und ich sie in vielen Geschichten von Illies wiedererkenne. Was es für mich zu einem interessanten Thema gemacht hat, über was sich die Generation identifiziert aber auch inwiefern diese Identifikation ein Phänomen der Popliteratur ist. Um das Analysieren der Darstellung des Generation Golf eingliedern zu können, stehen folgende Fragen als Gedankenfaden im Raum: Welchen Stil besitzt die von Florian Illies gewählte Sprache und Erzählperspektive? Wie schafft es ein Autor, dass sich Leser mit einem Buch identifizieren ? Und schließlich stellt sich mit die zentrale Frage: Wie kommen Identifikation und Popliteratur zueinander? Welche popliterarischen Merkmale benutzt Illies ?

Die Forschung über Generationen ist seit ein paar Jahren im Aufkommen. Generationen gab es schon immer, ob es familiären Generationen sind, oder so welche wie wir sie im Kurs behandelt haben. Anführend in der Forschung und auch als Grundlage für meine Hausarbeit waren Karl Mannheim und Ulrike Jureit, die das Phänomen der Generationen ein wenig aufschlüsseln und wenigstens versuchen eine verständliche Definition zu geben. Meine Arbeit teilt sich in einen theoretischen - und einen Analytischen Teil. Im Theoretischen Teil wird ein Einblick in die Generationen gegeben von Ulrike Jureit und Karl Mannheim, dann wird erklärt wie Popliteratur entstanden sind und welche Merkmale es gibt, und zum Schluss des theoretischen Teils wird in das Buch von Florian Illies eingeführt. Im analytische Teil werden die thematischen Merkmale und die Sprache bzw. Erzählweise des Buches Generation Golf analysiert.

2 Theoretischer Teil

2.1 Definition des Generationenbegriffs

Der Begriff Generation wird als Gesamtheit der Menschen ungefähr gleicher Altersstufe mit ähnlicher sozialer Orientierung und Lebensauffassung definiert (Duden, 2017). Dabei liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf dem gemeinsamen Kultur- und Lebensgefühl, bzw. dessen Verständnis, welches diese bestimmte Gruppe von Menschen miteinander teilt. Generation betitelt aber auch die einzelnen Glieder einer Geschlechterfolge, also Großeltern, Eltern, Kinder etc.. Personen, die sich besonders mit der Generationenforschung beschäftigen, sind Ulrike Jureit und Karl Mannheim.

2.1.1 Definition nach Ulrike Jureit

Ulrike Jureit definiert den Begriff „Generation“ als einen zeitlichen Ordnungsbegriff, in dem sich Menschen ähnlichen Alters und mit gleichwertiger Sozialisationsbedingungen wiederfinden und somit ein kollektives Identitätspotential entsteht. Die dadurch entstehende Verbundenheit der Angehörigen dieser Gruppe beruht auf der modernen Vorstellung von Verzeitlichung (vgl. Jureit, 2006, S.7).

Aber nicht allein der Zusammenhang zwischen Generation und Zeit gehört in die Definition von Generation, sondern auch Generation als Selbstthematisierungsformel und Generation als analytische Kategorie. Selbstthematisierungsformel meint, dass ein Individuum sich selbst reflektiert und sich so einer Gruppe nach seinen persönlichen Eigenschaften zuordnet. Mit der analytischen Kategorie meint Jureit, die Unabhängigkeit des Selbstverständnisses (vgl. Jureit, 2006, S.9).

Jureit setzt den Generationenbegriff mit anderen Begriffen der historischen Forschung in Bezug: Identität, Kollektivität, Handlung, Erfahrung und Verarbeitung. Der Punkt Identität bekommt in der Generationenforschung einen ganz besonderen zugesprochen, denn der Begriff Generation ist nichts anderes als ein Identitätsbegriff. Die Individuen identifizieren sich durch ihren Selbstwert mit anderen Individuen und entwickeln ein kollektives Gemeinschaftsgefühl. Das leitet auch gleich zu dem nächsten Begriff weiter, der Kollektivität. Menschen streben immer danach sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und ihre Erfahrungen und Interessen zu teilen. Mit Handlung meint Sie die Aufforderung der Personen, die sich dieser Generation zugehörig fühlen, zu gemeinsamen Handlungen. Erfahrung bedeutet nach Jureit Erlebnisse und Erfahrungen, die das kollektive Gemeinschaftsgefühl stärken. Der letzte Begriff ist die Verarbeitung und beschreibt einen Zusatz zu Erfahrungen, da die Verarbeitung davon ausgeht, dass sowohl alltägliche aber auch biographische Erlebnisse eine Generation ausmachen (vgl. Jureit, 2006, S.11.14).

2.1.2 Definition nach Karl Mannheim

Soziologisch gesehen wurde der Begriff anführend von Karl Mannheim geprägt, der davon ausgeht, dass eine Gruppe von Menschen gleichen Alters nicht gleich eine Generation bilden, sondern vielmehr dass eine Generation zu einer Generation geprägt werden muss. Diese Gruppe von Menschen muss im selben historisch-sozialen Raum leben. Karl Mannheim setzt sich in seinem Artikel „Das Problem der Generationen“ mit der Dreiteilung des Generationenbegriffs auseinander. Er unterscheidet in diesem Beitrag unter anderem die Begriffe: Generationslagerung, Generationszusammenhang und Generationseinheit. Das sind seine Schlüsselbegriffe für die Beschreibung von Generationen.

In einer Generationslagerung befinden sich die Menschen, die ähnliche Erlebnis-, Erlebnisverarbeitungs- und Partizipationschancen haben (Mannheim, S.1). Durch die Zugehörigkeit zu einer Generation, zu ein und demselben ‘Geburtenjahrgange’ ist man im historischen Strome des gesellschaftlichen Geschehens verwandt gelagert. (Mannheim 1964, S. 527) Menschen, einer Generationslagerung könnten ähnliche Erfahrungen gemacht haben und zählen deshalb zu einer Generation.

Menschen, die sich in einem Generationszusammenhang befinden, haben konkrete gemeinsame Erfahrungen gemacht, d.h. dass sie sich in einem ähnlichen Alter befinden müssen, um so auch einen ähnlichen Hintergrund zu den Erfahrungen haben und diese auch ähnlich auffassen. Mannheim spricht von Generationseinheit, wenn die Menschen, die sich in einem Generationszusammenhang befinden, spezifische soziale oder politische Sichtweisen teilen und als Folge ein einheitliches Reagieren erfolgt (vgl. Mannheim, S.11).

2.2 Popkultur- Popliteratur

Was ist eigentlich Popliteratur? Die Kritiker streiten sich, ob die Popliteratur als Hoffnungsträger oder als Krisenphänomen gedeutet wird (vgl. Frank, 2003, S.5). Popliteratur kommt aus der angloamerikanischen Beat- und Popkultur, entstand und der Einfluss des Films als popkulturelles Medium veränderte auch den Stil der Literatur (vgl. Frank, 2003, S.8). Die Popliteraten ähneln durch ihre Selbstinszenierung, Medienpräsenz und Vermarktung eher Popstars. Der sinnierende Schriftsteller ist, wie Barthes in seinem „Tod des Autors“ schon sagte, uninteressant geworden (vgl. Frank, 2003, S.5).

Dirk Frank und Thomas Ernst stellten Erkennungsmerkmale der Popliteratur folgendermaßen auf: Sie sei geprägt von Strategien der Inszenierung und Selbstvermarktung, auch seitens der Autoren (Frank, 2003, S.5). Den Popliteraten ist formal ein einfacher Prosa- oder Lyrikschreibstil mit Umgangs- bzw. Szenesprache zuzuordnen, in dem inhaltlich ein zustimmendes Verhältnis zu der aufkommenden Medienpopularität behandelt wird (vgl. Frank, 2003, S.6).

Die leichte Lesbarkeit wird durch eine einfach und authentische Sprache geschaffen, in der die Prosa von narrativen und berichtenden Formen, in Form von erzählenden Passagen und Kommentaren geprägt ist (vgl. Frank, 2003, S.7/8).

Die Popliteratur wendet sich der Oberfläche zu, ohne dabei selber oberflächlich sein zu wollen (Frank, 2003, S.7). Der Schreibstil der Popliteratur zeichnet sich aus durch die Wirkung der Effekte, worauf mehr wert gelegt wird, als auf die ästhetischen Eigenschaften. Zudem werden Medien, wie Fernsehen aber auch Zeitschriften aufgegriffen, die wiederum mit Musik und Werbung spielen (vgl. Ernst, 2005, S.9).

Inhaltlich befasst sich die Popliteratur häufig mit Alltagsthemen, realistische Geschichten, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind, so auch in dem behandelten Werk von Florian Illies (vgl. Ernst, 2005, S.9). Charakteristisch , was auch für dieses besprochene Werk auffällig ist, ist die Verlagerung der Identität. Thomas Frank schreibt, dass nicht mehr die Eltern, sondern die Stile der Altersgenossen die Kontrastfolie für die eigene Abgrenzungen bilden (Frank, 2003, S. 11).

2.3 Florian Illies: Generation Golf

Das Buch Generation Golf. Eine Inspektion von Florian Illies (geboren 1971, F.A.Z Feuilleton Redakteur) erschien im Jahr 2000 und zählt zu den Bestsellern der deutschen Popliteratur. Wie der Titel schon besagt, bezieht sich diese Autobiographie auf die Jahrgänge zwischen 1965 und 1975, welche Florian Illies als Generation Golf betitelt. Die Kapitel sind nach Werbeslogans von Volkswagen unterteilt. Hauptsächlich geht es darum, dass die Generation als oberflächlich, den Wohlstand genießend, egoistisch und nur nach Konsum strebend, beschrieben wird. Florian Illies schreibt im Genre der Popkultur und erzählt über die verschiedenen Lebensabschnitte, die Kleidungsstile, bis hin zu Wohnen und Fernsehen.

Generation Golf erzählt über die selektive Bestandsaufnahme von Deutschland in den 80er und 90er Jahren aus der Sicht eines Heranwachsenden bzw. jungen Erwachsenen. Das Buch handelt nicht ausschließlich von dem persönlichen Leben von Florian Illies, sondern von der kollektiven Erinnerung an die Vergangenheit und die gemeinsamen prägenden Erinnerungen. Generation Golf weist ein hohes Maß an Ich- Bezüglichkeit auf. Der Autor verkörpert das 'Ich' nicht nur in dem Buch, sondern auch in seinen Interviews. Man meint Florian Illies plötzlich zu kennen, weil man sich mehr und mehr mit den Erlebnissen identifizieren kann und dem Jungen Florian Illies, der mit seinen zwölf Jahren auf dem Sofa sitzt, mit einem Schwarzbrot mit Nutella in der Hand und Wetten, dass...? guckt (vgl. Illies, 2000, S.9). Diese Identifikation ist der Schlüssel der Popliteratur und ich versuche auf den nächsten Seiten anhand von Generation Golf die Merkmale der Popliteratur zu analysieren.

3 Analytischer Teil

3.1 Thematische Merkmale

Zum Ende des 20. Jahrhunderts trat eine neue Welle in der Literatur hervor. Viele junge Autoren schrieben Bücher, die mit zum Teil selbst erlebten Geschichten ausgefüllt waren, wie auch bei Florian Illies Generation Golf. Die Autoren hatten viele Abnehmer, die sich in dem relativ gleichen Alter befinden, wie der Auto selbst und diese Erlebnisse selbst oder durch die Eltern miterlebt haben. Die Lebensunmittelbarkeit, die von den Autoren ausgestrahlt wurde, kam auch bei den unterschiedlichsten Kritikern gut an: „Endlich schreibe mal jemand darüber, was uns interessiert. Übers Jungsein, diesen privilegierten Zustand des Nicht-mehr-und-noch-nicht. Sie haben es erreicht, dass wir uns endlich mal wieder unterhalten, verstanden und manchmal sogar vertreten fühlen.“ (Gansel, 2003, S.234)

Die Popliteratur zeichnet sich auf der Ebene der Thematisierung durch eine spezielle lebensweltliche Orientierung aus (Ewers, 2002, S.214). So auch Florian Illies Generation Golf, der eindeutig als Adoleszenzroman betitelt wird. Das Buch greift Probleme und Geschichten auf, vor allem aus der Sicht von Jugendlichen, die sich im Übergang zum Erwachsenenalter bewegen. Auch Florian Illies erzählt von seinen mal positiv, mal negativen Erlebnissen mit dem Erwachsenwerden. Er spricht davon, dass die Generation alles anders machen wollte, als die Vorgängergeneration, kommt aber zu dem Ergebnis: „Ich wollte alles anders machen als mein alter Herr. Und nun fahren wir das gleiche Auto.“(Illies, 2000, S.59) obwohl Herbert Grönemeyer der Generation mehr oder weniger verspricht, dass die Generation Golf die Macht ergreift (vgl. Illies, 2000, S.59).

Ein weiteres Merkmal für die Popliteratur ist die sinnliche Opulenz, die sprachliche Betonung der Sexualität und Erotik (vgl. Jung, 2008) In Generation Golf ist dem Thema Sex sogar ein Kapitel gewidmet: „Früher war alles schlechter. Zumindest, was den Verbrauch angeht“ - Politik.Sex.Geschichte. Illies schreibt über die Love Parade und sagt, dass jene viel über das Verhältnis der Generation zum Thema Sex sagt. Für ihn war Sex die Naturdroge (Illies, 2000, S.167) und er stellte sich Sex mit einer 68erin immer so vor wie die erste Kinoszene mit freier Liebe, die er je gesehen hat. (Illies, 2000, S.167) Mit der einsetzenden Geschlechtsreifung entwickelten sich auch bei der Generation Golf sexuelle Gefühle und Sehnsüchte.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Identifikation mit der Generation Golf. Ein Phänomen der Popliteratur
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V364710
ISBN (eBook)
9783668444942
ISBN (Buch)
9783668444959
Dateigröße
777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identifikation, generation, golf, phänomen, popliteratur
Arbeit zitieren
Pauline Langbecker (Autor), 2017, Identifikation mit der Generation Golf. Ein Phänomen der Popliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364710

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