Die christliche Frauenmystik. Eine Untersuchung anhand der mystischen Werke Hildegards von Bingen und Mechthilds von Magdeburg


Hausarbeit, 2016
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Mystik?
2.1 Mystizismus

3. Frauenmystik
3.1 Frauen im Mittelalter
3.2 Spezifika der weiblichen Mystik

4. Hildegard von Bingen
4.1 Leben
4.2 Mystisches Werk

5. Mechthild von Magdeburg
5.1 Leben
5.2 Mystisches Werk

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die mittelalterliche Frauenmystik kann als einer der ersten Meilensteine der weiblichen Emanzipation angesehen werden. Als christliche Frauenbewegung brachte sie die ersten selbständigen Denkerinnen hervor und legte somit den Grundstein für die bis heute andauernden Unabhängigkeitsbestrebungen der Frau. Gerade die auch in der heutigen Gesellschaft noch so zentrale Herausforderung der Gleichberechtigung von Mann und Frau hat mich dazu bewogen, in dieser Arbeit eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen und anhand der Frauenmystik zu betrachten, wie die Anfänge der weiblichen Freiheitsbewegung in der christlichen Tradition ausgesehen haben.

Einleitend möchte ich die Grundlagen des Mystik-Begriffes darlegen, um das bestmögliche Verständnis der Frauenmystik als spezifische Strömung der Mystik zu ermöglichen. Anschließend gehe ich auf auf den Mystizismus ein, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand und somit recht aktuelle Gedanken zur Thematik liefern kann. Es schließt sich eine Betrachtung der Lebensumstände vieler mittelalterlicher Frauen an. Es soll deutlich werden, was die betreffenden Frauen dazu bewegt hat, sich ihres Rechtes auf Selbstbestimmung zu besinnen und es konsequenter einzufordern und umzusetzen. Nachdem somit begriffliche und historische Grundlagen und Hintergründe dargelegt wurden, wende ich mich der eigentlichen Thematik zu. Anhand des Lebens und Wirkens der beiden Mystikerinnen Hildegard von Bingen und Mechthild von Magdeburg möchte ich einen möglichst kohärenten Eindruck von der christlichen Frauenmystik schaffen.

2. Was ist Mystik?

Der Begriff „Mystik“ hat seinen Ursprung im griechischen Verb myein (= [die Augen] schließen); von ihm sind das Adjektiv mystikós (= mystisch, geheimnisvoll) sowie das Substantiv Mysterium (= Geheimnis) abgeleitet.

Im Laufe der Zeit haben sich viele unterschiedliche Auffassungen von Mystik herausgebildet. Das heutige Verständnis entspricht ungefähr der Auffassung, die schon der spätantike griechische Philosoph Proklos vertrat, nämlich der „mystischen Einigung mit dem Göttlichen“, wobei alles Materielle außer Acht gelassen werden muss[1].

Was allen mystischen Theorien gemein ist, ist der Bezug zum Dunklen, Geheimnisvollen und Verborgenen. Die Bedeutung des Wortes myein spielt „auf die mystische Grundhaltung der Einkehr und des Innewerdens an“[2], denn mystische Kulte waren in der Regel mit einem Schweigegelübde verbunden. Es erfolgt vielmehr die Betonung der religiösen Erfahrung, die eine zentrale Rolle innerhalb der Mystik einnimmt, schließlich setzt die Einigung mit dem Göttlichen die umfassende Erfahrung desselben voraus. Verschiedene Mystikerinnen und Mystiker beziehungsweise verschiedene mystische Strömungen haben unterschiedliche Ansätze dafür gefunden, wie diese göttliche Erfahrung vollzogen werden kann; diese Ansätze reichen vom Empfangen von Visionen bis hin zur Erfahrung des Göttlichen als Ergebnis einer geistlichen Lebensführung und der Askese.

Einig sind sich die Mystikerinnen und Mystiker also darin, dass das Göttliche und dessen Einheit mit der Welt nicht durch Sprache oder Schrift erfahren beziehungsweise erfahrbar gemacht werden kann. Schrift- und Sprachsysteme beruhen nämlich auf Differenzierungen – wir können Ausdrücke und Vokabeln nur verstehen, indem wir sie von anderen Vokabeln und Ausdrücken unterscheiden. Der Gedanke der Alleinheit innerhalb der Mystik und die für Schrift und Sprache so fundamentalen Differenzierungen lassen sich nicht miteinander vereinbaren; diese Ablehnung der Sprach- sowie Schriftlichkeit erklärt auch die eher klägliche Überlieferung der Mystik, die uns heute vorliegt. Da die konventionelle Sprache also nicht das Medium der Mystik sein kann, bedienen sich Mystiker, wie Ulrike Stölting herausstellt, oft bildlicher und poetischer Ausdrucksformen. Sofern sie über eine gewisse theologische Bildung verfügen, können sie alternativ auch auf die sogenannte negative Theologie zurückgreifen, wenn es darum geht, das Göttliche in Worte zu fassen[3].

Negative Theologie meint die Beschreibung Gottes mit Hilfe von Negationen. Sie kann als „Kritik an alle Vorstellungen von Gott, seinem Wesen und seiner Existenz im Sinne weltlicher, normaler Dinge oder Personen“[4] beschrieben werden, denn jegliche positiven Prädikate sind für die Verbalisierung des Göttlichen unbrauchbar. Sie würden es nämlich in seinen Eigenschaften festlegen; Gott jedoch kann und darf unmöglich auf diese Weise begrenzt und eingeschränkt werden. So kommt es, dass viele Mystikerinnen und Mystiker sich bei der Verbalisierung Gottes einer recht vorsichtigen Ausdrucksweise bedienen und Aussagen wie „Gott ist nicht ohnmächtig“ gegenüber Aussagen wie „Gott ist allmächtig“ klar präferieren. Sprache kann in diesem Zusammenhang also nur eine „Wegweiser-Funktion“, keinesfalls aber eine „Abbild-Funktion“ haben; damit zeigt die negative Theologie sprachlich auf, wie die Sprache selbst an ihre Grenzen stößt.

2.1 Mystizismus

Der Mystizismus ist „[d]ie philosophische Kritik der M[ystik]“[5]. Der Begriff entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts und trat erstmals in Immanuel Kants Schrift „Kritik der praktischen Vernunft“ auf, in welcher er ihn, folglich im Bezug auf die praktische Vernunft, als diejenige Denkhaltung, die „das, was nur zum Symbol diente, zum Schema macht; das ist wirkliche, und doch nicht sinnliche Anschauungen (eines unsichtbaren Reiches Gottes) der Anwendung der moralischen Begriffe unterlegt und ins Überschwängliche hinausschweift“[6]. Kants Ausführungen haben auch spätere aufklärerische Philosophen, darunter beispielsweise Karl Marx, Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche, inspiriert und dazu geführt, dass die Mystik sich wiederholt mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert sah.

Der zentrale Kritikpunkt dürfte hierbei „die mangelnde Objektivierbarkeit mystischer Erfahrungen, (…) deren rational nicht einholbare Inhalte und de[r] als gegenaufklärerisch verstanden[e] Impetus mystischer Bemühungen sowie (…) de[r] Vorwurf, die M[ystik] sei ein Dekadenzsymptom des philosophischen Denkens und Lebens überhaupt“[7] sein. Es sind also der unwirkliche Gegenstand (vor allem bei Ludwig Feuerbach) sowie das erkenntnislose und unvernünftige Wesen (Arthur Schopenhauer) der Mystik, die der Mystizismus aufgreift und kritisch, wenn nicht gar ablehnend, darstellt.

3. Frauenmystik

3.1 Frauen im Mittelalter

Die Frauenmystik entstand als christliche mystische Bewegung im zwölften Jahrhundert.

[...]


[1] Vgl. Heidrich, Peter: Mystik, mystisch [Art.], in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 6, Darmstadt 1984, S. 268.

[2] Weber, Gerhard: Europäische Mystik zur Einführung, Hamburg 1995, S. 68.

[3] Vgl. Stölting, Ulrike: Christliche Frauenmystik im Mittelalter. Historisch-theologische Analyse, Mainz 2005, S. 18.

[4] Rentsch, Thomas: Theologie, negative [Art.], in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 10, Darmstadt 1984, S. 1102.

[5] Lessing, H.-U.: Mystik, mystisch [Art.], in: Historisches Wörterbuch der Philosphie, Bd. 6, Darmstadt 1984, S. 273.

[6] Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft, S. 86.

[7] Lessing, H.-U.: Mystik, mystisch [Art.], S. 274.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die christliche Frauenmystik. Eine Untersuchung anhand der mystischen Werke Hildegards von Bingen und Mechthilds von Magdeburg
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V365526
ISBN (eBook)
9783668448797
ISBN (Buch)
9783668448803
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenmystik, eine, untersuchung, werke, hildegards, bingen, mechthilds, magdeburg
Arbeit zitieren
Marco Nieland (Autor), 2016, Die christliche Frauenmystik. Eine Untersuchung anhand der mystischen Werke Hildegards von Bingen und Mechthilds von Magdeburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365526

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