"Harry Potter" als sozialpädagogisches Erziehungsinstrument gegen Rassismus bei Jugendlichen


Bachelorarbeit, 2014

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Begriffsdefinition von “Jugendlichen” im Sinne meiner Arbeit
1.1 Was ist Rassismus?

2. Rassismus: Historische Wurzeln des europäischen und insbesondere des deutschen Rassismus
2.1 Die Entstehung der Germanen historisch beleuchtet
2.2 Deutschlands Kreuzzüge im Mittelalter
2.3 Dreißigjähriger Krieg. Deutschland im 17. Jahrhundert.

3. Ursachen für rassistische Gesinnung bei Jugendlichen
3.1 Anti-rassistische Erziehung von Jugendlichen

4. Fantasiebücher als sozialpädagogisches Instrument
4.1 Rassismus in J.K. Rowlings “Harry Potter”

5. Was Jugendliche aus den „Harry Potter“ Büchern in Bezug auf Rassismus lernen können

Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

English Abstract

"You are blinded," said Dumbledore, his voice rising, and with glowing eyes, the aura of power around him almost palpable. "Blinded by your ambition, Cornelius! As usual you place too much importance on the so-called purity of blood! You fail to recognize that it matters not what someone is born, but what they grow up to be! Your Dementor just destroyed the last child of one of our eldest pure-blood families – and look what he’s willingly done with his life! […]”[1]

The term "racism" seems to be pervasive in media and everyday life nowadays. In public as well as in social pedagogic circles.

The term origins from older days, though, and was again and again newly shaped and defined.

Repeatedly new followers of this way of thinking and acting are found, among them young people under 18.

My Bachelor papers is about these people. I address the usage of the subject of racism of teenagers and weave that subject together with another subject which has won popularity in the late 90's: the "Harry Potter" books of the author Joanne K. Rowling.

Especially since this subject of how media leads to violance of teenagers keeps reappearing, it is is very important to me to offer a counterexample.Media, in this case books, can lead to the opposite of violance. They can lead away from such violance, n this case racism. They can give positive thought-provoking impulses and book characters can inspire and function as mirrors for the teenagers.

The teenager can find himself in the characters and can take an example from the experiences of the fictive character and learn from it.

Youngsters often act from the example of other people but can fictive characters be an example as well? And even become a social pedagogic tool? Could social pedagogics and teachers use the "Harry Potter" books actively to give teenagers examples of the consequences of racistic acting and how racistic thinking can come to existence?

Where does racistic thinking and acting come from anyway?

I would like to explore these questions deeper in my Bachelor papers and get to the bottom of things.

To do so I will first turn to the term racism more closely and then examine its historic roots to especially single out the term "race" a little more.

Furthermore I will tend to the origins of racistic acting of teenagers and examine the question whether people are born as racists or whether it is a learnt behaviour.

In the last chapter of my Bachelor papers I will turn to fantasy books generally and then specifically to Joanne k. Rowling and I will single out a few characters as examples for racists and victims of racism.

The reason as to why I chose these books are a personal reference and can be copied to other works, as well, as hinted in the chapter about fantasy books.

Deutsches Abstract

“Sie sind mit Blindheit geschlagen”, sagte Dumbledore mit erhobener Stimme und glühenden Augen, und die Aura der Macht, die ihn umgab, war nun fast greifbar. “Geblendet durch Ihren Ergeiz, Cornelius! Wie immer legen Sie zu viel Wert auf die sogenannte Reinheit des Blutes! Sie sehen einfach nicht, dass es nicht darauf ankommt, als was jemand geboren ist, sondern darauf, was aus ihm wird! Ihr Dementor hat soeben den letzten Spross einer unserer ältesten reinblütigen Familien zerstört – und sehen Sie doch, was er willentlich aus seinem Leben gemacht hat! [...]”[2]

Der Begriff “Rassismus” scheint heutzutage allgegenwärtig in Medien und Alltag zu sein. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in sozialpädagogischen Kreisen.

Der Begriff stammt jedoch aus viel älteren Tagen und wurde immer wieder neu geprägt und neu definiert.

Immer wieder finden sich neue Anhänger dieser Denk- und Handelsweise, darunter auch junge Menschen unter 18.

Um diese jungen Menschen dreht sich meine Bachelorarbeit. Ich wende mich darin der Behandlung des Themas Rassimus bei Jugendlichen zu und verknüpfe dieses Thema mit einem weiteren Thema, welches seit den späten 90er Jahren an Popularität gewonnen hat: die “Harry Potter”-Bücher der Schriftstellerin Joanne K. Rowling.

Gerade weil immer wieder das Gesprächsthema aufkommt, Medien würden zu Gewalt bei Jugendlichen führen, ist es mir wichtig, hier ein Gegenbeispiel zu geben. Medien, in diesem Fall das Buch als Medium, können das genaue Gegenteil von Gewalt bewirken, nämlich von der Gewalt, in diesem Fall Rassismus, wegführen. Sie können positive Denkanstöße vermitteln und Buchcharaktere können inspirieren und als Spiegel für den Jugendlichen dienen. Er kann sich selbst in den fiktiven Charakteren erkennen und sich ein Beispiel an dem Erlebten des fiktiven Charakters nehmen und so lernen.

Junge Menschen handeln oft nach dem Vorbild anderer Menschen, aber können auch fiktive Charaktere ein Vorbild sein? Und sogar als sozialpädagogisches Instrument dienen? Könnten Sozialpädagogen und Lehrer die “Harry Potter”-Bücher aktiv einsetzen, um Jugendlichen Vorbilder aufzuzeigen, welche Wirkung rassistisches Verhalten haben kann und wie rassistische Denkweisen entstehen können?

Woher kommt rassistisches Denken und Handeln überhaupt?

Diesen Fragen möchte ich in meiner Bachelorarbeit auf den Grund gehen.

Dabei werde ich zunächst auf den Begriff des Rassismus näher eingehen und dann historische Wurzeln untersuchen, um vor allem den Begriff der “Rasse” näher zu beleuchten.

Im weiteren werde ich mich den Ursachen für rassistisches Verhalten bei Jugendlichen widmen, um der Frage auf den Grund zu gehen, ob Menschen als Rassisten auf die Welt kommen oder ob Rassismus eine erlernte Verhaltensweise ist.

In den letzten Kapiteln meiner Bachelorarbeit widme ich mich Fantasiebüchern im allgemeinen und dann den Büchern von Joanne K. Rowling im Speziellen und werde einige Charaktere als Beispiele für Rassisten und für Opfer von Rassismus herausgreifen.

Die Wahl gerade dieser Buchreihe war eine persönliche Präferenz und läßt sich auch bei einigen anderen Werken nachvollziehen, wie das Kapitel über Fantasiebücher andeutet.

Einleitung

Wie passen Fantasie und die Welt Harry Potters in eine wissenschaftliche Abschlussarbeit zum Thema “Erziehung gegen Rassismus”? Genau das habe ich mich gefragt, als ich mir das Thema meiner hier vorliegenden Abschlussarbeit überlegt und erarbeitet habe.

Was zunächst wie zwei unterschiedliche Welten erscheint, zeigt beim näheren Erkunden erstaunliche Parallelen auf. In meiner vorliegenden Arbeit möchte ich den Leser an dieser Erkundungsreise teilnehmen lassen, um nicht nur meine eigenen Erkenntnisse nachvollziehen zu können, sondern auch etwas für sich selbst mit nach Hause nehmen zu können.

Dieses Werk dreht sich nicht um die Fantasiewelt, welche Joanne K. Rowling für ihre Leser geschaffen hat, sondern es soll aufzeigen, dass diese Fantasiewelt als Instrument bei der antirassistischen Erziehung von Jugendlichen als sozialpädagogisches Instrument dienen kann. Der Untersuchung meiner Fragestellung in dieser Arbeit liegt die Annahme zugrunde, dass rassistisches Verhalten nicht angeboren, sondern anerzogen, also erlernt ist, und ebenso aberzogen werden kann, bzw. durch J.K. Rowlings Werke “Harry Potter” als Instrument erzieherisch verhindert werden kann. Durch die Fantasiewelt der Bücher kann der Jugendliche lernen, mit dem Fremden umzugehen.

Die Aktualität des Themas hat den Ausschlag für meine Themenentscheidung gegeben, und vielleicht gibt meine Arbeit ja weitere Denkanstöße über die Erarbeitung der Kernfrage hinaus.

Die Kernfrage lautet: kann die Fantasiebuchreihe “Harry Potter” von J.K. Rowling als sozialpädagogisches Instrument bei der antirassistischen Erziehung von Jugendlichen sinnvoll und erfolgreich eingesetzt werden und somit Teil der sozialen Arbeit werden?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werden zunächst geschichtliche Aspekte von Rassismus in Europa und vor allem in Deutschland nachvollzogen.

Dann gehe ich in meiner Arbeit näher auf Ursachen für rassistisches Verhalten bei Jugendlichen ein und zeige Erziehungsmethoden auf, welche das Medium Buch einschließen.

Abschließend vergleiche ich diese Erkenntnisse mit der Buchreihe von J.K. Rowling, nehme Charakterstudien an ausgewählten Charakteren ihrer Werke vor und zeige auf, inwiefern diese Charaktere und die Handlungen der Bücher ein Instrument in der sozialen Arbeit werden können, wenn man antirassistisch erziehen will.

Diese Erziehung bezieht sich dann sowohl auf schulische Bereiche, als auch auf die erzieherischen Maßnahmen, welche Eltern vornehmen können.

Denn Erziehung ist keine Zauberei.

Gender Disclaimer: meine vorliegende Bachelorarbeit ist in der männlichen Anredeform gehalten, was jedoch in keiner Weise diskriminierend gegenüber weiblichen Lesern gemeint ist, sondern der unkomplizierteren Schreibweise dient.

Copyright: Die vorliegende Bachelorarbeit ist das geistige Eigentum der Verfasserin Margitta Lindenberg. Zitierte Quellen sind gekennzeichnet und abschließend zur Nachvollziehbarkeit aufgeführt.

1. Begriffsdefinition von “Jugendlichen” im Sinne meiner Arbeit

Bei der Erarbeitung meiner Kernfrage möchte ich in meinem ersten Kapitel zunächst auf die Zielgruppe des sozialpädagogischen Instruments eingehen, die Jugendlichen.

In allen historischen Epochen und Kulturen wurden Jugendliche in Lebensaltersstufen eingeteilt, die Klassifikationen waren jedoch nicht immer eindeutig. So sprach man im alten Griechenland beispielsweise von Knaben oder dem Jungmann. Im alten Rom waren Jugendliche Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren und bei den mittelalterlichen Lebensstufenunterteilungen fällt auf, dass man darüber hinaus auch Menschen zwischen 28 und 49 Jahren in eine zweite Jugendaltersstufe einteilte. In dieser vorliegenden Bachelorarbeit halte ich mich jedoch bei der Festlegung des Jugendalters an die neuzeitlichen Festlegungen, sprich Jugendlicher ist, wer zwischen 14 und 21 Jahren alt ist.[1]

Wenn ich also im Folgenden von Jugendlichen spreche, so ist diese Altersgruppe gemeint.

Lebensalterseinteilungen sind gebunden durch Kontext, Kulturunterschiede und auch zeitlich, sprich historisch.[2]

Nachdem ich also in diesem Kapitel festgelegt habe, in welchem Alter sich die Zielgruppe zu meiner Kernfrage bewegt, werde ich nun auf den Begriff Rassimus eingehen. Ebenso werde ich auf den Mythos der weißen Rasse eingehen und eine kleine historische Reise machen, um zu ergründen, wo Rassismus seine Wurzeln hat und was genau Rassismus bedeutet.

1.1 Was ist Rassismus?

In dieser Bachelorarbeit geht es, wie der Titel verrät, um Rassismus. Nun ist Definitionsuche dieses Begriffs nicht ganz einfach. Häufig werden Begriffe wie “Rassismus”, “Ausländerfeindlichkeit”, usw. verwendet, ohne sie näher zu definieren. Damit wird vorausgesetzt, dass eine allgemeingültige Vorstellung existiert, was man unter den jeweiligen Begriffen versteht. Und auch, dass es sich dabei um unterschiedliche Definitionen handelt.[3]

Rassismus ist eines von mehreren Konstituierungsmerkmalen von Rechtsextremismus. Andere Merkmale sind z.B. Ethnozentrismus und Antisemitismus, aber auch Sozialdarwinismus.[4]

Diese Merkmale greifen alle auf den Nationalsozialismus, also Adolf Hitlers Ideologie der Volksgemeinschaft, zurück.[5]

Aus diesem Grunde werde ich später in Kapitel 2 meiner Arbeit auch noch einmal speziell auf Adolf Hitlers Ideologie eingehen und auch geschichtlich herleiten, woher die Deutschen als Volk kommen.

Das größte Problem bei einer Definition des Rassismusbegriffs liegt in grundlegenden Auffassungsunterschieden über Inhalt und Umfang desselbigen. Beim Inhalt herrscht Unklarheit darüber, was Rassismus letztlich ist und aus welchen Elementen er konstruiert ist, wobei es hauptsächlich um die Bereiche der Rasse, der Rassenidee und der Rassenideologie geht. Beim Begriffsumfang herrscht Uneinigkeit im angelsächsischen Raum, in welchem zwei unterschiedliche Denkrichtungen entstanden sind. Einer beschreibt Rassismus als Ideologie, der andere begreift sie als Handlungsform.[1]

Unabhängig davon, was man genau als Rassismus definiert, hat man es bei Rassismus immer mit Extremen zu tun: überzogene Selbstbilder oder überzogene Fremdbilder, gewalttätige Auseinandersetzung bis zum Vernichtungswahn, radikale Unterdrückung, übersteigerter Hass usw., weshalb man Rassismus auch als Übertreibung beschreiben kann.[2]

Auch muss man historische Kontexte beachten und geografische Unterscheidungen, wie den angloamerikanischen Raum, der in dieser Bacherlorarbeit keine weitere Erwähnung findet und dem Rassismus Mittel- und Osteuropas, in welchem ein Jahrhundertealter Hass auf das Judentum eine große Rolle spielt.[3]

Rassismus ist weder natürlich noch universal, er ist ein Produkt menschlicher Kultur und menschlichen Denkens sowie menschlichen Handelns. Er ist auch ein historisches Phänomen. Daher ist Rassismus wandelbar und im Laufe der Geschichte tritt Rassismus immer wieder in veränderter Form auf.

Gemeinsamkeiten sind wiederkehrende Merkmale und historische Zusammenhänge.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich ein Verständnis von Rassismus als Ideologie heraus.[5]

In den 1960er Jahren entstand im angelsächsischen Raum eine neue Vorstellung von Rassismus, welche nicht mehr ausschließlich mit der Ideologie eines rein biologischen Inhalts verstanden wurde. Man bezog nun auch die Intention und Funktion von Rassismus, z.B. Gefährdung der Demokratie, in die Definition mit ein. Dadurch wurde der Begriff überdehnt und die nötige Trennschärfe ging verloren.[6]

Darum ist eine klare Definition von „Rassismus“ in Abgrenzung zu Begriffen wie z.B. Ausländerfeindlichkeit schwieriger geworden.

Besonders Gewaltakte gegen Ausländer nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden vorschnell auch als Rassismus bezeichnet.

Begriffe wie “Wohlstandsrassismus” entstanden, wenn man Fremdenfeindlichkeit beschrieb.

So wird oft Ausländerfeindlichkeit unter Rassismus subsumiert. Begründet wird dies damit, dass sich die Vorbehalte nicht gegen alle Ausländer, sondern nur bestimmte Gruppen, zum Beispiel Türken, aber nicht Amerikaner, richtet.[1]

Der moderne Rassismus des 21. Jahrhunderts bewegt sich auf unterschiedlichen Wirkungsebenen.

Man unterscheidet die rassistische Ideologie, also die Philosophie, Weltanschauung, Geschichtsverständnis.

Weiterhin das Rassenvorurteil in Form von ethnischen Klischees, Einstellungen und Rassendiskriminierungen, also beobachtbares, kollektives Verhalten der Gesellschaft.[2]

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger erklärte Fremdenhass mit dem Beispiel von Reisenden in einem Zugabteil: zwei Passagiere teilen sich ein Abteil und jeder Passagier, der neu hinzu steigt, wird als Eindringling in ihr Territorium gesehen, weshalb man dem neu Hinzusteigenden mit Abwehr begegnet.

Rational lässt sich diese Haltung nicht erklären. Das Verhalten gleicht vielmehr Eingeborenen, welche ihren Raum für sich beanspruchen.

Enzensberger berücksichtigt bei seiner Erklärung die kulturelle Prägung der Europäer. Hans Magnus Enzensberger beschreibt diese Theorie näher in seinem Werk “Die große Wanderung”, 6. Auflage, Frankfurt am Main, 1993.[3]

Rassismus ist nicht nur eine Weltanschauung, sondern auch ein Begriff für ein gesellschaftliches Macht- und Gewaltverhältnis. Er versucht Rangunterschiede zwischen Menschengruppen pseudowissenschaftlich zu rechtfertigen, wobei man auch von intellektuellem Rassismus spricht.[4]

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Harry Potter Bücher, in denen reinblütige Zauberer pseudowissenschaftlich zu rechtfertigen versuchen, weshalb nicht-reinblütige Zauberer weniger geeignet zur magischen Ausbildung sind und ihnen der Schulbesuch verweigert werden sollte. Sie fühlen sich den sogenannten Muggelgeborenen, also nicht reinblütigen Zauberern, überlegen, obwohl es dafür keinerlei wissenschaftliche Beweise gibt. Vielmehr noch gibt es gegenteilige Beweise, z.B. eine der Hauptfiguren der Bücher, Hermine Granger, welche eine Muggelgeborene Hexe ist, jedoch vielen der reinblütigen Zauberern und Hexen in den Büchern intelektuell weit überlegen ist.[1]

Bei der rassistischen Weltanschauung werden Gruppen, welche körperliche, bzw. kulturelle Merkmale teilen, in Großgruppen unterteilt, z.B. “Weiße”, “Schwarze” oder “Christen” und “Muslime”, und diesen Gruppen werden bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Charaktereigenschaften zugeschrieben. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht bei den Rechten, materiellen Ressourcen (Geld, Wohnunterkünfte, Kleidung, etc.) und Privilegien der Mitglieder der unterschiedlichen Gruppen. Sobald eine solche Zuweisung von “inneren Werten” nach äußeren Merkmalen stattfindet, spricht man vom Beginn zum Rassismus.[2]

Somit müssen Menschen also nicht unbedingt tatsächlich unterschiedlichen Rassen angehören, um unterschiedlich gewertet zu werden, da selbst Haarfarbe oder Gesichtsformen schon zu Unterteilungen führen können.[3]

Diesen Merkmalen des Rassismus bediente sich auch Joanne K. Rowling in ihren Werken über den Zauberer Harry Potter, weshalb ich diese Werke im letzten Kapitel meiner Bachelorarbeit als Beispiel anführen werde.

Doch zunächst möchte ich auf die Ursprünge des Rassismus eingehen.

2. Rassismus: Historische Wurzeln des europäischen und insbesondere des deutschen Rassismus

In meiner Bachelorarbeit habe ich das Thema Rassismus auf den europäischen Rassismus eingegrenzt. Besonders eingehen möchte ich auf deutsche Wurzeln, welche aber untrennbar mit ganz Europa verbunden sind.

Zunächst einmal möchte ich näher auf die historischen Hintergründe und die Definition von Rassismus eingehen.

2.1 Die Entstehung der Germanen historisch beleuchtet

Rassismus ist nicht angeboren, sondern entsteht durch Erziehung und Erfahrung. Rassismus definiert sich allgemein als diskriminierende Haltung oder Handlung gegenüber Menschen mit beispielsweise anderer Herkunft und Hautfarbe.[1]

Nach 1945 wurde derartiges Verhalten als unmenschlich verurteilt und von den Vereinten Nationen unter Strafe gestellt.[2]

Aber nicht alles, was als Rassismus bezeichnet wird, ist auch Rassismus. Man kann schnell bei der Nutzung des Wortes bagatellisieren oder übertreiben.[3]

Völkerwanderungen und damit die Eroberung und auch Vernichtung anderer Kulturen gab es schon immer. Ein Blick in die Geschichte Deutschlands und auch Europas soll dies im folgenden verdeutlichen.

Beginnen möchte ich im frühen Mittelalter des 5. Jahrhunderts. In dieser Zeit begannen germanische Stämme sich im Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs anzusiedeln. Weitere Völkergruppen, die damals wanderten und neu ansiedelten, waren die Slawen und Romanen. Jedoch wurde in den Schriften deutlich mehr über das Volk der Germanen, also unsere Vorfahren, geschrieben.[4]

Von 800 bis 1150 verzehnfachten sich die Ansiedlungen im Gebiet des Rheinlands. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch für andere Teile des heutigen Deutschlands und westeuropäische Gebiete nachweisen.[5]

Die Romanen erlitten große Verluste in ihren Völkerwanderungen, da sich Völker gegenseitig bekämpften. Die Germanen, welche als die Sieger aus diesen Schlachten hervorgingen, nahmen Teile der Kultur der Romanen in ihre eigene Kultur auf.[1]

Doch diese drei Völker waren nicht die einzigen, die später Europa formten. Eine genaue Beschreibung Europas fällt schwer, eine rein geographische Beschreibung genügt nicht. Man könnte das, was wir heute Europa nennen, auch nur als einen westlichen Vorsprung Asiens bezeichnen. Und somit konnten viele Völker über diesen weiten Kontinent wandern und die späteren europäischen Nationen formen.[2]

Der Einfachheit halber werde ich in meiner Bachelorarbeit nur die Wanderungen und Entwicklungen der Germanen verfolgen, unserer Vorfahren. Denn auf deren Kultur bezog man sich später im Dritten Reich. Hitler verglich menschliche Rassen mit Tierrassen, um aufzuzeigen, dass man sich nur mit seiner Art paaren sollte, also mit seinem Volk.[3]

Um den Grundgedanken von Rassismus, wie er im Dritten Reich und auch heute, vorkam und vorkommt, muss man Hitlers rassistische Ideologie nachvollziehen.

Hitler glaubte sogar, dass eine Vermischung von Völkern Unfruchtbarkeit hervorrufe, um auf natürliche Weise der Mischung von Völkern vorzubeugen.[4]

Diese eigene Rasse, von der da die Rede ist, sind die Germanen. Die moderne Wissenschaft versteht unter dem Begriff “Germanen” eine Rasse mit sprachlichen Gemeinsamkeiten, inklusive Akzenten und Lautverschiebungen. Der römische Historiker Tacitus deutet in seinem Werk “Germania” an, dass der Name Germanen anfangs nur auf einen kleinen Stamm, den Tungerern, angewandt wurde und dann später auch auf Stämme östlich des Rheins übertragen wurde.[5]

Die Germanen wurden nur innerhalb des Römischen Reiches Germanen genannt. Wie sie sich selbst nannten, ist nicht sicher überliefert. Möglicherweise fühlten sie sich nicht als ein Volk, was einerseits das frühe Absetzen gegen die keltische Welt (heutige Waliser) und auch gegenüber slawischen und finnischen Völkern zeigt. Dem gegenüber steht die überlieferte Vermutung von Tacitus über eine gemeinsame Abstammung von Mannus, welcher laut Tacitus der gottgleiche Stammesvater der Germanen war.[6]

Eine Gemeinsamkeit bei den germanischen Stämmen bilden die gemeinsam begangenen Kultfeste. Dazu gehören Gruppen aus der Nordseeregion, den Ingowäonen, Ermionen aus dem Binnenland, Istwäonen vom Rhein und Nerthusvölker aus dem Gebiet der Ostsee sowie andere Stämme.[1]

Also kann man bei den Germanen durchaus von gruppenübergreifenden Gemeinsamkeiten sprechen. Dennoch zeigt die Entstehungsgeschichte der Rasse, dass sie aus verschiedensten Elementen besteht. Daher sind die dem Germanentum zugeschriebenen spezifischen Kulturzüge nur teils germanisch.[2]

Tacitus und seine Aufzeichnungen dienen vor allem als Hauptquelle an Informationen für die Zeit des Germanischen Reichs um 100 n. Chr. Und schon damals zeigten sich Unterschiede zwischen dem westlichen Mittelgebirgsraum und dem Norden des heutigen Deutschlands.[3]

Der Norden wurde vom skandinavischen Raum beeinflusst, welcher seine altertümlichen Züge am reinsten bewahren konnte. Noch im 6. Jahrhundert wurde dieses Gebiet von einer Vielzahl kleinerer Völkergruppen besiedelt.[4]

Eine der Gruppe aus dem Norden, die Eruler, wurden laut Aufzeichnungen der Römer von den Dänen vertrieben, und durch solche Vertreibungen wurden immer wieder neue Verbände und Gruppen gebildet. Es kam also schon damals zu einer Rassenmischung zwischen Deutschen, Dänen, Schweden und anderen im skandinavischen Raum ansässigen Verbänden.[5]

Noch heute kann man aus den Landschaftsnamen Reste der Völkerschaften erkennen, wie beispielsweise Kimbern in Himmerland, Wandalen in Vendsyssel, Haruden in Hardsyssel und auch Teutonen in Tyland.[6]

Noch stärker wurden Germanen im Süden beeinflusst, wie Tacitus in seinen Aufzeichnungen beschrieb. Einzelne Stämme, welche einst zu den Sweben gerechnet worden waren, bildeten neuere und größere Einheiten. Archäologische Funde beweisen beispielsweise die Expansion der in Schleswig einst heimischen Angeln.[7]

Die südlicher beheimateten Sachsen unternahmen im Jahre 286 n. Chr. Raubzüge über See und fuhren bis zur nordgallischen Küste (heute Frankreich). Damit setzten sie Raubzüge der mit Rom liierten Chauken fort, deren Macht zu dieser Zeit ein Ende gefunden hatte.[8]

Kommen wir von den Wikingern des Nordens zu den Goten im Osten, welche sich mit den Steppenvölkern vermischten, welche so weit in den Osten reichten, dass selbst iranisch sprechende Stämme zu ihnen zählten.

Auch Im Laufe des 3. Jahrhunderts stießen weitere Völker aus dem Norden zu diesen Stämmen und vermischten sich mit ihnen, so dass diese gotischen Stämme Einflüsse aus germanischen, slawischen, baltischen und anderen Gebieten erhielten.[1]

Soweit also zur germanischen Rasse. Unsere Vorfahren stammten also nicht nur aus dem Gebiet, welches wir heute als Deutschland kennen, sondern einige der Stämme vermischten sich mit Reitervölkern des fernen Ostens oder mit Stämmen des hohen Nordens.

Dies widerlegt den rassistischen Glauben an eine sogenannte „reine deutsche Rasse“, welche keinerlei Einflüsse anderer Völker enthält.

Auf mein späteres Beispiel aus der Welt Harry Potters lässt sich dieses Wissen ebenfalls übertragen: die Geschichten spielen in Großbritannien, welches ebenfalls ein Volk mit teils keltischen und germanischen Wurzeln ist.

In den Büchern entwickelten sich aus diesem Volk einige Menschen mit magischem Blut, also Zauberer und Hexen. Dennoch gehören alle, reinblütige Zauberer, Muggelgeborene und nicht-magische Menschen demselben Volk an.

[...]


[1] Vgl. Joanne K. Rowling, “Harry Potter and the Goblet of fire”, Carlsen Verlag, Hamburg, 2000, p. 740

[1] Vgl. Joanne K. Rowling, 2000, S. 740

[1] Vgl. Wilfried Ferchhoff, “Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert. Lebensformen und Lebensstile”, VS Verlag, Wiesbaden, 2007, S. 85

[2] Vgl. Ferchhoff, 2007, S. 86

[3] Vgl. Peter Glanninger, “Mensch und Gesellschaft. Rassismus und Rechtsextremismus”, Band 16, Internationaler Verlag für Wissenschaften, Frankfurt am Main, 2009, S. 19

[4] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 17

[5] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 17

[1] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 19

[2] Vgl. Christian Geulen, “Geschichte des Rassismus”, C.H. Beck oHG Verlag, München, 2007, S. 7

[3] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 19

[4] Vgl. Christian Geulen, 2007, S. 7/8

[5] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 20

[6] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 21

[1] Vgl. Peter Glanninger, 2009, S. 24

[2] Vgl. Christoph Butterwegge, “Rechtsextremismus”, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, 2002, S. 27

[3] Vgl. Christoph Butterwegge, 2002, S. 15

[4] Vgl. Christoph Butterwegge, 2002, S. 15

[1] Vgl. Joanne K. Rowling, „Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Carlsen Verlag, Hamburg, 1999, S. 121

[2] Vgl. Christoph Butterwegge, 2002, S. 16

[3] Vgl. Christoph Butterwegge, 2002, S. 16

[1] Vgl. Detlev Claussen, “Was heisst Rassismus?”, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1994, Darmstadt, S. 1

[2] Vgl. Detlev Claussen, S.1

[3] Vgl. Detlev Claussen, S. 2

[4] Vgl. Rolf Sprandel, “Verfassung und Gesellschaft im Mittelalter”, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 1975, S. 30

[5] Vgl. Friedrich-Wilhelm Henning, “Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800”, Band 1, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 4. Auflage, 1985, S. 44

[1] Vgl. Rolf Sprandel, 1975, S. 30

[2] Vgl. Theordor Schieder, “Handbuch der europäischen Geschichte”, Band 1, Klett Cotta Verlag, Stuttgart, 1979, S. 1

[3] Vgl. Adolf Hitler, “Mein Kampf”, NSDAP Verlag, München, 1942, S. 311

[4] Vergl. Adolf Hitler, 1942, S. 311

[5] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 95

[6] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 95

[1] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 95

[2] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[3] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[4] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[5] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[6] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[7] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 96

[8] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 97

[1] Vgl. Theodor Schieder, 1979, S. 100

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
"Harry Potter" als sozialpädagogisches Erziehungsinstrument gegen Rassismus bei Jugendlichen
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
44
Katalognummer
V366631
ISBN (eBook)
9783668453814
ISBN (Buch)
9783668453821
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rassismus, Harry Potter, Sozialpädagogik, Sozialwissenschaften, Pädagogik, Erziehung, Jugendliche, Märchen, Erziehungswissenschaften, Soziale Arbeit, Medienpädagogik, Medien
Arbeit zitieren
Rosa Rosebud (Autor), 2014, "Harry Potter" als sozialpädagogisches Erziehungsinstrument gegen Rassismus bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366631

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