Rollenübernahme von Polizeischülerinnen. „Ich hab Polizei hinten auf’m Rücken stehen und damit wird von mir alles erwartet“

Forschungsarbeit mit der Grounded Theory Methodology


Forschungsarbeit, 2016

62 Seiten, Note: 1,3


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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Reflexion des Vorwissens
11.1. Persönliches Vorwissen
11.2. Fachliches Vorwissen & allgemeiner Forschungsstand

III. Methode
III.1. Die Grounded Theory Methodology
III.2. Reflexion des methodischen Vorgehens

IV. Ergebnisse
IV. 1. Die Rollenübernahme als Prozess
IV. 3. Erfahrung als Handlungsstrategie
IV. 4. Selbstbewusstsein als Handlungsstrategie
IV.5. Intervenierende Faktoren
IV.5.1. Praxis in der Ausbildung
IV.5.2. Ausgeprägtes Rechtsverständnis
IV.5.3. Die Uniform
IV. 6. Rollenkontext
IV. 6. 1. Spezifisches Wissen
IV.6.3. Das Verhältnis zur Zivilbevölkerung
IV.6.4. Recht als Handlungsrahmen

V. Resümee

VI. Quellenverzeichnis

VII. Anhang

I. Einleitung

Die Polizei - eine Institution die jeder kennt. Gehören Polizist*innen schließlich zum ,normalen‘ Bild unsrer Alltagswahmehmung. Ob sie im Streifenwagen vorrüberfahren oder zu zweit den Weihnachtsmarkt abschreiten - sie verkörpern einen Teil der gesellschaftlichen Lebenswelt. Doch was wissen wir wirklich über die ,Bürger*innen in Uniformi Fest steht, die Rolle, welche junge Menschen jedes Ausbildungssemester wieder übernehmen wollen, um Staat und/oder Gesellschaft zu dienen, ist keine leichte. Doch wie empfinden eigentlich angehende Polizist*innen selbst den Prozess vom*n Jeans tragenden*r Zivilist*in hinein in die Uniform? Welche Anforderungen werden an sie gestellt und welche Handlungsstrategien entwickeln sie um diesen gerecht zu werden? Oder grundsätzlicher gefragt: Wie findet die Rollenübernahme1 bei angehenden Polizist*innen statt? Dies wird die Forschungsfrage sein, welcher in der folgenden empirischen Arbeit nachgegangen werden soll. In den folgenden Kapiteln soll dafür der aktuelle Forschungsstand vorgestellt werden, um anschließend die Grounded Theory Methode vorzustellen und in ihrem Stil Ergebnisse, also Kategorien, zu erarbeiten. Daraus sollen Handlungsstrategien und -muster der Rollenübernahme kenntlich gemacht werden, die im Resümee dieser Arbeit abschließend ausgewertet werden sollen. Da die Rolle des*r Polizist*in in einem Rollenspezifischen Kontext steht, soll auch dieser im Ergebnisteil erörtert und festgestellt werden.

Um den wissenschaftlichen Ansprüchen einer qualitativen Forschung gerecht zu werden, wird jedoch zunächst damit begonnen das eigene Vorwissen zu reflektieren.

II. Reflexion des Vorwissens

II.1. Persönliches Vorwissen

Da die qualitative Forschungsperspektive, sowie die spätere Auswertung stets eine subjektive Komponente enthält - welcher durch Vorwissen und einen persönlichen Fokus geprägt wird - soll in diesem Abschnitt der Raum sein das Vorwissen und die Perspektive der Forschenden zu reflektieren.

Direkten Kontakt zu Polizist*innen hatten wir, bis zum Zeitpunkt des ersten Interviews, nur äußerst peripher im erweiterten Bekanntenkreis, hauptsächlich beschränkt sich unser Bild von Polizei aber auf einen fremden Beruf, sowie auf alltagsnahe, mediale Berichterstattung. Das Ergebnis ist eine Perspektive auf Polizeiarbeit die sich an einer Konfliktlinie von „Polizei, dein Freund und Helfer“, über die Debatte einer Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten, bis hin zum Phänomen der Polizeigewalt und der polizeilichen Willkür zieht. Unser Vorwissen baut dabei hauptsächlich auf den journalistischen Diskurs auf, welcher grade zum Thema Polizeigewalt nicht auszusetzen scheint. (Vgl. Der Spiegel 1994; Wuchenauer 2015) Ergänzend zum medialen Diskurs ist die allgemeine Perspektive durch negative Erfahrungen mit Polizeikontakt im Bekanntenkreis entstanden, woraus sich eine kritische Perspektive auf die Funktionsweise der Polizei bildete. Unser Bewusstsein für die Vielschichtigkeit des Themenkomplexes wurde außerdem durch den deutschen Dokumentarfilm „Staatsdiener“ (Wilke 2015) geprägt, in welchem eine unkommentierte Begleitung angehende Polizist*Innen dargestellt wird und dem Betrachter so Motivationen für den Beruf, Denkweisen und Herausforderungen der jungen Menschen näher gebracht werden. Aus diesem Einfluss heraus wurden wir inspiriert, junge Polizist*innen als Forschungsgegenstand auszuwählen und unseren Fokus auf deren Berufsalltag zu legen.

II.2. Fachliches Vorwissen & allgemeiner Forschungsstand

Hinzu kommt ein theoretisches Grundlagenwissen der Soziologie, welches sich im Laufe der Forschungsarbeit erweiterte. Als Basis geht es unter anderem auch auf das Theoriegefüge von Foucault zur Wirkung von Macht und Gewalt zurück. In diesem Kontext werden Institutionalisierte Macht und Gewalt auf die Gesellschaft übertragen (vgl. Foucault 1987) Auf der Mikroebene der Theorie würde dies bedeuten, dass Polizist*innen jene Subjekte darstellen, welche die Staatsmacht - oder Staatsgewalt - repräsentieren. Aus unserer Perspektive heraus wurde damit Fragen nach der Selbstwahrnehmung zentral: Sind sich Polizist*innen über ihre Funktion innerhalb des staatstheoretischen Kontext bewusst? Wie reflektieren sie diese Rolle? Oder kommt es überhaupt zur Reflexion?

Um sich dem Themenfeld weiter anzunähern und den theoretischen Wissensstand anzureichern recherchierten wir relativ breit gefächert, größtenteils im Bereich der Sozialwissenschaften, teilweise aber auch in den juristischen Teilbereichen. Dabei stellte sich heraus, dass Polizei in verschiedene Themenbereich ein breit beforschtes Thema repräsentiert, welches von strukturellen Analysen über Privatisierung und Militarisierung (vgl. Brusten 1992), bis zu Polizei- und Einsatzphilosophie reicht (vgl. Winter 1998). In Bezug auf den von uns gewählten Forschungsrahmen kommt diesen strukturellen Themen allerdings höchstens eine periphere Relevanz zu. Stattdessen rechneten wir die meiste Relevanz dem Forschungsbereich der Empirischen Polizeiforschung zu, welcher seit der Jahrtausendwende gegenstandsbezogene Forschung rund um die Institution der Polizei mit der Hilfe verschiedenen empirischen Methoden, im Rahmen eines interdisziplinären Arbeitskreises beforscht. Die Forschungsgruppe beschäftigte sich so unter anderem mit dem Begriff „Cop Culture“, also der Polizeikultur, welcher verschiedene polizeiliche Handlungsmuster zu einem

spezifischen Kulturbegriff zusammenfasst (vgl. Liebl/Ohlemacher 2000). Die Rollenübernahme bei angehenden Polizist*innen könnte ebenfalls in dieses Forschungsfeld gefasst werden, doch publizierte Forschungsarbeiten konnten zu diesem Aspekt nicht gefunden werden. Dies und der überschaubare Literaturbestand im Bereich der Polizeiforschung, in Verbindung mit Empirie, welcher uns zur Verfügung stand legt den Schluss nahe, dass Forschung mit dem Gegenstand ,Polizei ‘ - trotz der stetigen Aktualität - ein unterrepräsentiertes Forschungsfeld darstellt.

Um im Folgenden die Methode zu erläutern welche angewandt wurde um die empirischen Daten zu gewinnen und zielgerichtet auszuwerten, muss vorher noch auf die Rollentheorie eingegangen werden, welche der Vorstellung einer Rollenübernahme voraus geht. Die Theorie ist im erkenntnistheoretischen Theoriefeld zu verorten und wurde wesentlich von Mead geprägt, welcher die Rollenübernahme als einen entscheidenden Schlüssel zur Entwicklung von Identitätsbewusstsein sieht. Für Identität gilt dabei „daß sie für sich selbst ein Objekt ist, und dieses Merkmal unterscheidet sie von anderen Objekten“. (Mead:1968, 178) Das bedeutet, dass gesellschaftlich einzelne Rollen nebeneinander existieren, welche abgeschlossene Bezugssysteme darstellen. Gleichzeitig stehen diese Bezugssysteme in Beziehung zueinander, kann eine erfolgreiche Rollenübernahme doch nur stattfinden, wenn das Subjekt in einer Rolle auch die Rollen um sich herum einschätzen und übernehmen kann. Dies wird am Beispiel professioneller Fußballspieler deutlich, welche die Rollen ihrer Mitspieler genauso gut wie ihre eigene kennen müssen um erfolgreich spielen zu können. Bei der Identität kann es sich „sowohl um ein Subjekt als auch um ein Objekt" (ebd., 178) handeln, entscheidend ist aber, dass das Individuum sich in einer abstrakten Haltung betrachten kann. Diese Fähigkeit nennt Mead Selbstbewusstsein. Dabei sieht der Betrachter sich aber nicht objektiv im Sinne von ,gegenständlich‘, „sondern nur indirekt - aus der besonderen Sicht anderer Mitglieder der gleichen gesellschaftlichen Gruppe oder aus der verallgemeinerten Sicht der gesellschaftlichen Gruppe als Ganzer, zu der er gehört“ (ebd., 180).2

III. Methode

III.1. Die Grounded Theory Methodology

Die im Rahmen des Seminars angewendete Grounded Theory Methodology (GTM) ist ein Konzept der qualitativen Analyse von Daten aller Art, die sich vor Allem durch zwei Eigenschaften auszeichnet. Die erste ist die Forderung, eine Theorie induktiv aus dem Datenmaterial zu bilden, mit dem sie unbedingt übereinstimmen und dem sie gerecht werden muss. Das zweite substantielle Charakteristikum ist ihre Forschungsabsicht, welche sich im Vergleich mit quantitativen Methoden offenbart: Während diese lediglich zahlenmäßige Entwicklungen oder das gemeinsame Auftreten zweier Phänomene feststellen kann, will die Grounded Theory den Sinn hinter den Daten erklären.

Diesen zu ermitteln ist höchst problematisch, da die Daten zumeist, so wie auch in diesem Fall, aus den Aussagen von Personen bestehen. Der Sinn der Daten ist also ihr persönlicher Sinnhorizont, ihr emotionaler Ausdruck von Werteorientierungen und Denkmustern, die in Reaktion auf die Interviewsituation erst intersubjektiv als Daten entstehen. Solchen Sinn in eine allgemeine Theorie zu fassen macht Verkürzungen, Filterungen und Deutungen durch die Forscherinnen nötig, die sehr bewusst und in ständiger, methodischer Selbstüberprüfung durchgeführt werden müssen. Da die Analyse über eine bloße Beschreibung des Einzelfalls hinausgehen muss, drohen Fehlinterpretationen im Abstraktionsprozess.

Deshalb ist es wichtig, sich des Erkenntnismodells, das die Methode erst begründet, bewusst zu werden. Strauss und Corbin folgen der pragmatistischen Grundannahme, dass Wissen (sowohl das der zum Forschungsfall gemachten Personen, als auch das der Forscher*innen) stets in Reaktion auf die Umwelt entsteht und nie als objektiv wahr angenommen werden darf (vgl. Strübing: 2004, 38). Auch theoretisches Wissen von einem Gegenstand ist also lediglich das Ergebnis der Interpretationsleistung einer Person in Einbezug ihrer übrigen Eindrücke. Zwar ermutigt die GTM zum Vertrauen in eigene Vorerfahrungen, ohne die das Verständnis von sozialem Handeln ja auch nicht möglich wäre, dennoch verbietet sie ideologische Interpretation außerhalb des Datentextes.

Ziel ist, nach Handlungsstrategien, Interaktionslogiken oder Prozessen zu forschen, die soziale Phänomene verständlich machen können. Uns ging es dabei um das Verhältnis zwischen der Person, ihrer der einen Seite, und dem Umstand, Polizistin zu sein auf der anderen Seite. Die zwischen diesen zwei Fakten ablaufenden Prozesse waren uns gänzlich unbekannt, etwa wie die Polizeischülerinnen sich zu ihrem Beruf verhielten, wie sie sich in ihm betrachteten, wie er wieder auf sie zurückwirkte.

Dabei reicht es natürlich nicht, die Handlungsmuster und Sinnhorizonte der Einzelperson zu verstehen. Um mit der Theorie Allgemeingültigkeit zu erreichen muss sie mehr leisten. Dies erfordert einen Abstraktionsprozess, in dem hauptsächlich zwei Gebote gelten: Erstens das der Offenheit des Forschungsprozesses, zweitens das Gebot der Strenge der Textarbeit. Mit Offenheit des Forschungsprozesses ist gemeint, dass eine skeptische Grundhaltung zu den eigenen Konzepten angenommen werden muss. Diese dürfen nie als abgeschlossen, sondern stets als Annäherung an eine passende Betrachtung der komplexen Wirklichkeit behandelt werden. Dabei ist methodischer Neuanfang unabdingbar: Immer wieder muss von alten Konzepten abgesehen und zurück in den Text geblickt werden. Dies hängt stark mit dem zweiten Gebot zusammen: Die Textarbeit ist das eigentliche Kernstück der GTM (vgl. Strauss:1994). Hier unterscheidet sie sich radikal von quantitativen Verfahren, beginnend schon beim Ziel ihrer Analyse: Während die quantitative Analyse von Daten lediglich zur Verifizierung von Hypothesen herangezogen wird, soll bei der GTM erst gar keine Hypothese aufgestellt werden: Die Theorie, deren Begriffe aus den Daten gebildet werden, kann die Wirklichkeit besser beschreiben (vgl. Corbin/Strauss:1990). Die gilt natürlich nur unter der Bedingung, dass deren Konzepte dicht und mit dem Phänomen übereinstimmend sind.

Diesen Maßstäben mit unserer Forschungsarbeit zu genügen war im Rahmen des Seminars nicht möglich. Zwar achteten wir stark auf Offenheit und bemühten uns, den Sinn der Interviews rein aus der Textarbeit zu erschließen, jedoch folgten wir kaum der vorgeschlagenen Methode des offenen, axialen und selektiven Kodierens, weshalb die Konzepte nicht annähernd als gesättigt oder wirklich erklärend betrachtet werden können und immer noch lediglich Versuche darstellen. Sie sind zentrale Aspekte, doch weder ihre Zusammenhänge noch eine Schlüsselkategorie zu ermittelnd ist uns in der Kürze der Zeit geglückt. Die geringe Fallzahl spielte hierbei natürlich auch eine Rolle.

III.2. Reflexion des methodischen Vorgehens

Auf Grund unserer offenen Fragestellung und weil wir befürchteten, unsere Vorstellungen könnten die Interviewsituation sonst möglicherweise dominieren, entschlossen wir uns für eine freie Interviewstrategie. Der Leitfaden sollte in erster Linie Fragen enthalten, die Erzählungen generieren, als allzu spezifische. Während ein Grund hierfür zunächst auch der gewesen sein mag, dass wir zur Zeit der Arbeit am Leitfaden noch keine Interviewpartnerinnen gefunden hatten, stellte sich später heraus, dass wir uns auch nach unserer Recherche über die etwaigen Elemente und Züge der Polizeiausbildung keine Vorstellungen von der Lebenswelt junger Polizeianwärter*innen machen konnten.

Wir passten den Leitfaden also nur daran an, dass wir unsere Auswahl auf Polizeischülerinnen einschränkten und orientierten uns sonst an üblichen Lebensbausteinen. So bildeten wir die Überkategorien von Fragen: Alltag in der Ausbildung, Vorstellung vom Polizeiberuf, Freizeit, Einsätze/praktische Erfahrungen und Zukunftsvorstellungen. Von den Fragen der ersten Kategorie erhofften wir uns einen leichten Einstieg in das Thema, der uns einen Überblick über mögliche weitere Gesprächspunkte liefern sollten. Weiterhin bezogen sie sich auf Bereiche wie Berufswahl, Evaluation der Bedingungen von Polizeiarbeit und Verhältnis zu Mitschülerinnen und Ausbilder*innen. Dabei erwarteten wir, dass sich die für uns interessanten Aspekte erst aus Nachfragen im Gesprächsverlauf ergeben würden.

Unser ursprüngliches Vorhaben, mit erfahrenen Polizist*innen zu sprechen, stellte sich als ungeeignet in Bezug auf unsere Fragestellung und unsere Strategie der Interviewpartnerinnensuche heraus. Da wir Kontakte über Bekannte suchten, fanden wir überwiegend Polizeiangehörige in unserem Alter- und damit Polizeischülerinnen. Dabei war es für uns anfangs kaum einzuschätzen, als wie schwierig sich der Feldzugang herausstellen würde. Wir hatten zwar vor, auf Widersprüchlichkeiten hin zu forschen, doch dies teilten wir unseren Kontakten wenn überhaupt ansatzweise mit. Nachdem unser erster Interviewpartner aus Sorgen um die Nachvollziehbarkeit seiner Identität und die Brisanz dessen, was er erzählen könnte, absagte, beschlossen wir, von nun an ausschließlich selbst bei möglichen Personen anzufragen. Über dritte waren Informationen falsch angekommen. Schließlich waren die ersten zwei Personen, zu denen die Kontaktaufnahme erfolgreich war, zwei weibliche Polizeischülerinnen aus unserem Bekanntenkreis, wodurch unser Forschungsfeld letztlich durch den Zufall eingeschränkt wurde. Da beide in der gleichen Lebenssituation und aus ähnlichen Familienhintergründen sind, erwarteten wir, tatsächliche Erkenntnisse zu gewinnen, die sich auf die Erfahrung in der Polizeiausbildung zurückführen ließen. Glücklicherweise hätten die Ausbildungssituationen unterschiedlicher nicht sein können: Svenja, im dritten Jahr der Ausbildung bei der Bundespolizei, war unter der Woche in einer Kaserne untergebracht, während Beatrice im zweiten Ausbildungsjahr bei der Berliner Kriminalpolizei war, wo die Ausbildung einem Studium mit Praktikumsanteilen gleicht.

Das erste Interview wurde mit Svenja im Haus ihrer Eltern in Franken geführt. Wir hatten uns vorgenommen, professionell und geübt zu wirken, Ruhe in das Interview zu bringen und Fragen zu stellen, die sie nicht unter Druck setzten, ihre Rolle zu verteidigen. All das stellte sich schon bei der Begrüßung als schwieriger heraus, bei der Svenja sich, wie im restlichen Verlauf, in der Verantwortung zu fühlen schien. Sie war diejenige, die zum Interview überleitete und hatte anscheinend Vorstellungen davon, wie das Interview ablaufen sollte. Die ganze Zeit über gab sie sich professionell und als Vertreterin ihres Berufsstandes. Das erschwerte es, persönliche Einschätzungen und Erfahrungen von ihr zu provozieren, denn ihre Redefreudigkeit äußerte sich nur in Allgemeinaussagen und, wie es mir scheint, kollektiv gestützten Erklärungen. Wir waren nicht darauf vorbereitet gewesen, dass so ein Gespräch von beiden Seiten gelenkt würde- Da Svenja im Interview offensichtlich eigene Interessen verfolgte (wenn diese auch nur in einer Verteidigungshaltung bestehen haben sollten) wurde das erdachte Konzept überworfen und wir hatten das Gefühl, dass sie dies bemerkte und wodurch sie sich immer wieder die Kontrolle über das Gespräch nahm. Dass sie keinerlei Zweifel oder Unsicherheiten im Verlauf des Gesprächs durchschimmern ließ war frustrierend­Es erschien uns als trete als Vertreterin des Polizeistandes auf und vertrete einzig so etwas wie die offizielle Lehrmeinung, und das in offensichtlich widersprüchlicher Weise. Dies war wohl unbewusst der Grund provozierende Fragen zu stellen, die die Distanz zwischen uns aber noch vergrößerte und ihre Verteidigungshaltung verstärkte.

Das Interview war also anders verlaufen, als wir es uns vorgestellt hatten. Konsequenzen daraus waren vor allem das Ansprechen der Interviewpartnerin in ihrer Rolle. Doch auch beim zweiten Interview, das dann wie ein freundlich gesinntes Experteninterview wirkte, gelang dies nicht. Wir hätten in beiden Interviews vermutlich mehr persönliche Erfahrung und weniger Wiederholung von Fremden gewonnen, hätten wir die beiden jungen Frauen als Freundinnen von Freund*innen angesprochen. So aber hatten wir Transkripte voller Vorurteile, Allgemeinwissen, Redewendungen und haltlosen Einschätzungen, deren Bearbeitung uns unmöglich vorkam.

Die Interviewerfahrung mit Beatrice war positiver. Es gelang sehr viel besser, offene Fragen zu stellen und auf die Aussagen der Interviewpartnerin einzugehen. Doch immer noch war es eine große Herausforderung, für uns interessante Aussagen herauszufiltern, und während dem Zuhören nachhakende Fragen zu formulieren und diese zu behalten. Auch gelang es nicht, mit den Fragen an ihrem Verständnis der Dinge zu bleiben: Wie das erste Interview verlief auch das zweite sehr nah am Leitfaden, um überhaupt für unser Vorhaben verwertbare Texte zu erhalten. Dadurch hatten die Interviews nicht den unvoreingenommenen Stil im strengen Sinne der Grounded Theory Methodology. Dennoch waren sie stark von den unterschiedlichen Persönlichkeiten, Interessen und Redebedürfnissen der beiden Interviewten geprägt (auch durch viel Raum für Selbstdarstellung). Da Ziel unseres Forschungshabens weder eine psychoanalytische Auswertung von Polizeischüler*innen, noch eine Klärung der Fakten über die Lage der Polizei ist, erlaubten wir den Texten, unser Forschungsinteresse erst genau festzulegen: Da wir in beiden Texten teilweise die gleichen Begriffe und Argumentationsschemata, immer aber die gleichen Themen fanden, war unser Ziel nun die Aspekte der Übernahme der Polizeirolle bei diesen jungen Menschen.

IV. Ergebnisse

Zentral ist dabei unser Rollenverständnis, dass sich im Prozess der Kategorienbildung entwickelte: Der Polizeiberuf ist eine gesellschaftliche Rolle, die von spezifischen Akteuren erlernt, verkörpert und ausgeübt wird und sich mit anderen Rollen Kontext oder Beziehung setzt. Das Erlernen der Rolle findet im Prozess der Polizeiausbildung statt, welche dem Modell einer ,Blackbox3 ‘ gleicht. Die Aneignung von rollenspezifischen Verhaltensweisen, sowie von spezifischem Wissen etwa von Rollenbildern wird dabei als Rollenübernahme bezeichnet. Dabei versucht das Polizist*in werdende Subjekt den Erwartungen, Vorstellungen und Anforderungen der Rolle gerecht zu werden und sie in einem wechselseitigen Prozess mit seiner bisherigen Identität in Einklang zu bringen.

Die qualitativen Interviews erlaubten einen Blick in diese Blackbox. Im Folgenden werden die Kernaspekte der Rollenübernahme anhand signifikanter Interviewpassagen erörtert.

IV. 1. Die Rollenübernahme als Prozess

Angehende Polizist*innen stehen zu Beginn ihrer Ausbildung einer Reihe von Erwartungen und Anforderungen gegenüber, die sie - da sie selbst noch Zivilpersonen sind - eher noch nicht inkorporiert haben und nur schwer erfüllen können. Diese Differenz zwischen Rollenanforderung und persönlichem Kenntnisstand, bzw. der persönlichen Identität kann defizitär empfunden werden. Wie in den folgenden Zitaten aber ersichtlich wird, verringert sich dieses empfundene Defizit im Prozess der Rollenübername.

„[...] ähm das krasse ist bei mir halt, ja, ich bin ja direkt nach dem Abi da hin, und ich hab andere - meine ganzen Klassenkameraden sind alle im Schnitt 25 Jahre alt oder sogar 30 ähm und die haben halt mega viel Erfahrung und Selbstbewusstsein, ne? Und du kommst da als 19-jährige dann noch an und vor dir steht 'n Trainer und will dich irgendwie mit 'nem Messer bedrohen, sozusagen (lachend) (unv.) Weil am Anfang war ich echt schon überfordert und dachte so: Na, ist dis das richtige für mich, aber man, man, man wächst da hinein und ich glaub' auch, dass ich mich so entwickelt habe jetzt, also (..) mittlerweile ist das alles in Ordnung“

(Beatrice 60-65 Herv. d.V.)

„[...] weil auf der Straße; man nimmt zwar nen Polizisten wahr (.) aber man weiß ja eigentlich nicht genau was jetzt dahinter steckt - also es war eher schon die ganze Zeit ziemlich spannend das dann einfach zu erleben und das dann auch hinzunehmen und umzusetzen.“ (Svenja 428-431 Herv. d.V)

Wie bereits in den Interviewpassagen angedeutet wird - „das dann auch hinzunehmen und umzusetzen“ - ist die Rollenübernahme ein Prozess, bei welchem die Differenz zwischen Identität und Rolle kompensiert werden soll. Dabei liegt der Fokus auf den Rollenanforderungen und den ihr inhärenten Erwartungen, an welche die Identität angeglichen wird:

„[...] gar nicht mal so doll, dass man da sich so selbst ähm, ja- seine eigenen Charaktersachen zeigen kann, also ich denke eher, dass du halt professionell immer sein musst-(..) und hart(..) [...]“ (Beatrice 583-585 Herv.d.V)

IV. 2. Rollenanforderungen und ihre Bedeutung

Mit dem Ausstrahlen von Professionalität ist in der vorangehenden Interviewpassage eine Dimension genannt worden, welche als extrinsische Anforderung auf die angehenden Polizist*innen wirkt. Extrinsisch insofern, als dass diese dem konstruierten Rollenbild des*r Polizist*in von außen zugesprochen und so auf die Rolle von Polizist*innen projiziert wird - damit repräsentiert sie eine Rollenerwartung.

Hinzu kommen die Dimensionen von Erfahrung, Selbstbewusstsein und ausgeprägtem Rechtsverständnis, welche als intrinsische Rollenanforderungen klassifizierbar4 sind, da sie von den angehenden Polizist*innen an sich selbst gestellt werden, wie in folgender

Schilderung eines*r ,guten*r5 ‘ Polizisten nachzuvollziehen ist:

„Also selbstbewusst (..)Ahm (.) 'musst auch rechtlich und so- also gut drauf sein. Kannst nicht einfach willkürlich da irgendwie jemanden festnehmen und nachher ist es gar nicht gerechtfertigt oder so. Also du musst da schon das haben. Und ich glaub' als Polizist Erfahrung, also das ist, glaub ich, macht auch einen guten Polizisten aus: Das der schon viele Situationen erlebt hat. (..) Ja. Also denke ich, dass wenn wir rauskommen, sind wir vielleicht keine so guten Polizisten, wir werden auch eh erstmal in zweiter Reihe stehen, aber- ja, ebend durch Erfahrung (..) wird man gut und brauch halt seine Zeit“ (Beatrice 452-457 Herv.d.V.)

IV.3. Erfahrung als Handlungsstrategie

Die Dimension der Erfahrung scheint für die Auszubildenden zentral zu sein, sie ist notwendig, um den Anforderungen des Berufs gerecht zu werden und wird damit zum wesentlichen Handwerkszeug des Berufs. Damit wird sie auch zu einer wesentlichen Kategorie der Rollenübernahme, denn wer Rollenanforderungen zufriedenstellend erfüllen kann, fühlt sich auch in der Rolle wohl.

Dies lässt sich daraus herleiten, dass nur durch Informationen über Rollenspezifika - also Inhalte der Rolle - eine Rolle ,erlernt‘ werden kann. Dies kann durch Wahrnehmung anderer Akteure geschehen, welche die gleiche Rolle repräsentieren, geschieht aber vor allem durch das selbstständige ,erleben‘ - also einem verkörpern - der Rolle. Im Folgenden sollen diese Überlegungen anhand von Interviewpassagen nachvollzogen werden. Die Bedeutung von Erfahrung für den Beruf wird von den Befragten wie folgt erläutert:

„[...] (.) Es kann sein, dass da einfach 'ne Familie, da ist n'n Einbruch gewesen, aber kann auch sein, dass du da rein kommst und- da war vielleicht 'n Einbruch und nachher ist da noch irgend'ne Drogenplantage und die sind da mit 'm Messer oder so, also (..) Ja. Du musst halt- ja- in solchen Situationen wissen, wie du am besten handelst. Du musst immer noch 'n kühlen Kopf bewahren, du darfst nicht einfach hektisch werden.“ (Beatrice 464-468 Herv.d.V.)

Situationsbezogen zu „wissen, wie du am besten handelst“ kann als Erfahrungsbezogenes Wissen übersetzt werden, womit Erfahrung nicht nur eine*n ,guten‘ Polizist*in auszumacht, sondern ihr Erlangen auch eine Handlungsstrategie symbolisiert, die angewandt wird um den Rollenanforderungen des Berufs gerecht zu werden.

Erfahrung wird den angehenden Polizist*innen auf verschiedene Arten vermittelt, so profitieren diese nicht nur durch die praktische Ausbildung an sich, sondern auch an den Erfahrungen dienstälterer Kollegen:

„Und ich denke auch am Anfang wird man erstmal den Kollegen- Man ist ja eigentlich immer nur- also zu zweit unterwegs, mindestens. Dass man da immer noch erstmal hinterherlaufen wird und zuschauen wird, wie er das macht und dazu lernt. (..) Ja, aber ich denke, am Anfang gehen einem ganz viele Fragen durch den Kopf, so von wegen: Darf ich das? Und: Was denkt der jetzt über mich oder so, aber ich glaub' das ist normal am Anfang, wenn man neu im Beruf ist.“ (Beatrice 380-384 Herv.d.V)

Um die Rolle von Praxis in der Ausbildung für den Erfahrungsgewinn zu erläutern, muss zuerst die schon mehrfach genannte Dimension des Selbstbewusstseins als weitere Kernkategorie der Rollenübernahme und -Erfüllung dechiffriert werden.

IV. 4. Selbstbewusstsein als Handlungsstrategie

Wie im Folgenden dargelegt werden soll, wirkt sich zunehmende Erfahrung in der Ausbildung positiv auf das Selbstbewusstsein der Polizist*innen aus, welches wiederum als positiver Effekt auf die Rollenübernahme wirkt.

„[...] wir hatten jetzt drei Monate Einsatztraining; und es echt drauf; und es müsste jetzt eigentlich echt klappen; also man kriegt dann auch ein anderes Selbstbewusstsein weil man halt einfach Technik im Kopf hat (.) die funktionieren sollte (.) obs dann klappt ist ne andere Frage, aber es müsste einfach funktionieren (.) und das macht ein schon selbstbewusster, ja“ (Svenja 79-83 Herv.d.V)

Die sogenannte „Technik“ kann hier als Erfahrung übersetzt werden, da sie situationsbezogenes, gelerntes Wissen darstellt. Damit lässt sich die Interviewpassage so verstehen, dass zunehmende Erfahrung das Selbstbewusstsein fördert, indem durch „[...] wenn man sieht das Leute son bisschen das Selbstbewusstsein [fehlt, J.J.] [.] und es gibt halt (.) ja vorallem einen bei’ns im Jahrgang, der is - der sich halt auf Diskussionen mit dem gegenüber einlässt (.) und quasi dann die andere Seite als besser empfindet [.] Also (.) irgend nem Bürger den ich jetzt kontrollier und dann sagen: Ja, sorry also - Ja, ihre Entscheidung war besser, tut mir leid. (..) Ja, ist halt blöd. [.] das was man macht, sollte man halt auch konsequent durchziehen (.) also klar man kann zwischendrin immer mal die Richtung ändern, aber primär das der Bürger vorgaben macht - das geht halt nicht - sondern ich zieh meinen Stiefel da durch, [.] aber halt nicht so - auf diese Diskussionsebene sich runter begeben [.] es geht primär darum - das man sein Gesicht wart (.) während der Situation und [.] auch ans Ziel zu kommen“ - (Svenja 286-322)

„Dieses Selbstbewusstsein, das man haben muss (.), dass du immer gefilmt wirst, heutzutage, wenn du irgendwas machst“ - (Beatrice 320-322 Herv. d.V)

Selbstbewusstsein wird an dieser Stelle als eine Anforderung formuliert, welche nötig sei um „ans Ziel zu kommen“. Sich nicht auf Diskussionen einzulassen und „konsequent“ vorzugehen sind Indizien für die Erwartung von Professionalität, welche durch Selbstbewusstes Auftreten scheinbar erfüllt werden kann. Damit wird Selbstbewusstsein eine weitere zentrale Eigenschaft zugesprochen, welche sie zu einer weiteren Handlungsstrategie zur Erfüllung der Rollenanforderungen macht.

IV.5. Intervenierende Faktoren

IV.5.1. Praxis in der Ausbildung

Im Kontext der Ausbildung wird Erfahrung - wie bereits erläutert - durch verschiedene praktische Elemente vermittelt, welche von den Befragten als für sie wichtigste Bestandteile der Ausbildung wahrgenommen werden, welche sogar noch erhöht werden könnten.

„[...] klar Theoretiker sind immer gut und ich muss mich auch im Recht auskennen; ähm, aber ich brauch halt keinem - außer ich hab’n blöden Juristen vor mir - die Paragraphen um die Ohrn haun; weil da schaltet der spätestens ab, sondern ja - ich muss halt so die Grundfertigkeiten einfach wissen und umsetzen können (.) und das würde ich persönlich erhöhen (.) einfach.“ (Svenja 345-349 Herv. d.V.)

Ähm (..) Ja, dann würde ich halt das Studium ändern: Das man mehr Praxis hat -Beatrice 480 Die Praxisanteile der Ausbildung erscheinen deswegen so wichtig, weil sie die fehlende Erfahrung - welche für die Erfüllung der Rolle ,Polizist*in‘ notwendig ist - zumindest ansatzweise kompensieren und sogar Erfahrung erzeugen können. Die Praxis vermittelt Situationen, welche bei der Ausübung des Berufs zu erwarten sind und geben den angehenden Polizist*innen damit das nötige Selbstbewusstsein um Herausforderungen der Rollenanforderungen zufriedenstellend übernehmen und erfüllen zu können.

„Ähm Praxis an sich macht mehr Spaß. (.) Äh da hat man halt, also da ist man immer schon 'n bisschen unter Druck, also man hat schon Herausforderungen, auch so Rollenspiele hab' ich am Anfang gehasst, deswegen, weißt du, da gucken halt alle, du wirst gefilmt, wie du reagierst und (..) jetzt mittlerweile mag ich es, aber am Anfang dachte ich immer: Ok in der Uni kann ich mich hinsetzen, zuhören und- das ist entspannt, aber an sich: Praxis ist schon besser, vor allem das ist auch für unsere Arbeit glaub' ich wichtiger, als dieses ganze Theorie-Zeug. Ja, also Praxis an sich ist schöner.“ (Beatrice 35-39 Herv. d.V)

Also gehen Selbstbewusstsein für den Berufsalltag und Erfahrung mit praktischen Übungen einher und können beide positiv auf die Rollenübernahme einwirken.

IV.5.2. Ausgeprägtes Rechtsverständnis

Obwohl dem ausgeprägten Rechtsverständnis für den polizeilichen Alltag eine hohe Signifikanz zugesprochen wird, wird diese gleichzeitig relativiert: „wenn du da auf der Straße bist, bringt's dir eigentlich wenig“ (Beatrice:458f). Trotzdem wird es als allgemeiner Handlungsrahmen der polizeilichen Arbeit anerkannt: „Kannst nicht einfach willkürlich da irgendwie jemanden festnehmen und nachher ist es gar nicht gerechtfertigt oder so. Also du musst da schon das haben.“ (Beatrice 452ff).

„[...] (.) ich glaub du- Als Polizist ist man jeden Tag- Du wirst gerufen und du sollst in die und die Straße fahren und du weißt einfach nicht, was dich erwartet. Es kann sein, dass da einfach 'ne Familie, da ist n'n Einbruch gewesen, aber kann auch sein, dass du da rein kommst und- da war vielleicht 'n Einbruch und nachher ist da noch irgend'ne Drogenplantage und die sind da mit 'm Messer oder so, also (..) Ja. Du musst halt- ja- in solchen Situationen wissen, wie du am besten handelst. Du musst immer noch 'n kühlen Kopf bewahren, du darfst nicht einfach hektisch werden.“ (Beatrice 463-468 Herv. d.V)

Daraus lässt sich schließen, dass das Recht - welches den Handlungsrahmen der polizeilichen Arbeit bildet und damit bei der Legitimation von Handlungen dienlich sein kann - eine indirekte Auswirkung auf die Rollenübernahme hat. Dadurch, dass die Auszubildenden durch theoretisches Lernen die Grenzen ihres Handlungsrahmens erfahren können, sind sie nicht auf direktes Erfahrungswissen dieser Grenzen angewiesen, sondern können bereits beim Berufsantritt klar klassifizieren was getan werden darf und was nicht.

„ja, also es sind halt einfach die Gesetze - wie vorhin schon (.) die ich einfach beachten muss - ob ich das jetzt menschlich total super finde, oder nicht [.] also des is der Handlungsrahmen - entweder es ist strafbar, oder nicht strafbar und das setz ich um.“ (Svenja 661-669 Her. d.V)

Dieses allgemeine Rechtsverständnis kann also fehlende Erfahrung kompensieren indem es (Selbst-)Vertrauen in jene Handlungen legt denen eine rechtliche Prüfung vorangeht.

IV.5.3. Die Uniform

Ein weiterer intervenierender Faktor ist die Uniform der Polizist*innen, diese kann sich positiv auf die Rollenübernahme auswirken, da Außenstehende die Auszubildenden ohne Irritation als Polizist*in erkennen und dementsprechend - auch mit Rollenerwartungen - behandeln.

„[...] man ist halt meistens zu dritt auf Streife; aber es fällt halt trotzdem nicht auf; also vor allem auch dem Bürger ist es egal; also der schaut jetzt nicht auf die Schultern, ob ich jetzt’n Stern hab, oder noch’n silbernen

Strich; dem ist das egal; sondern ich hab Polizei hinten auf’m Rücken stehen; und damit [.] ist einfach; wird von mir alles erwartet; ob ich das jetzt kann, oder nicht, sondern ich muss es halt einfach können.“

(Svenja 41-46 Her. d.V)

Das Auftreten ohne Uniform macht die Identifikation mit der Rolle wesentlich schwerer, da die Rolle von Außenstehenden angezweifelt werden kann und Auszubildende damit nicht gleich als Vertreter der Rolle Polizist*in angenommen werden. Dies kann zu Irritationen führen, wie im folgender Interviewpassage nachvollzogen werden kann:

„Ähm (..) Und, ja ich hätte auch gern' 'ne Uniform als Kripo, teilweise. Weil dich halt auch wirklich welche nicht erkennen und es gibt halt auch nicht so schlaue Leute hier in Berlin, die- Wo du sagst: Ja, Polizei, und dann sagen sie dir: Ne, du hast keine Uniform an und dann musst du da auch erstmal diskutieren und denen erläutern, was Polizei ist, also (.) Da hätt' ich dann doch gern' mal ne Uniform.“ (Beatrice 481-484 Herv. d.V)

Es lässt sich also festhalten, dass das Auftreten mit Uniform professionell wirkt und so zum rollenbezogenen Selbstbewusstsein beitragen kann. Das Tragen der Uniform ermöglicht also ein aktives Erleben innerhalb der Rolle und trägt so, wie bereits erläutert zum Erfahrungsgewinn bei. Das dieses Erleben auch mit Wertung von Außerhalb verbunden ist, soll im folgenden Abschnitt des Rollenkontexts noch erläutert werden.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass Erfahrung und Selbstbewusstsein zwei Kernkategorien bei der Rollenübernahme angehender Polizist*innen darstellen. Das Selbstbewusstsein fehlende Erfahrung in Zusammenspiel mit der Praxis in der Ausbildung kompensieren aber nicht ersetzen kann. Ein ausgeprägtes Rechtsverständnis gibt Selbstbewusstsein indem ein expliziter Handlungsrahmen als Orientierung vorgegeben wird und kann dadurch auch fehlende Erfahrung kompensieren. Praxis in der Ausbildung kann als zentraler intervenierender Faktor ermittelt werden, der Erfahrung erzeugt und selbstbewusstes Auftreten ermöglicht. Das Tragen der Uniform vermittelt Professionalität und fördert das selbstbewusste Auftreten in der Rolle, da die Irritationen ausbleiben. Die Erwartung der Professionalität wird durch selbstbewusstes Auftreten erfüllt.6

Da Polizist*innen keine abgeschlossenen Entitäten darstellen soll in den folgenden Abschnitten der Kontext geklärt werden, in welchem ihre Rolle steht.

IV.6. Rollenkontext

Die hier erarbeiteten Kategorien gehen aus den Rollenanforderungen des Berufs hervor und bilden Handlungsstrategien der Rollenübernahme. Dabei wird die Beziehung zwischen den Kategorien erläutert und Intervenierende Bedingungen beleuchtet. Die erarbeiteten Kategorien und ihre Implikationen stehen dabei im Kontext einer spezifischen Wahrnehmung der Umwelt, welche Widerruf auf die Polizist*innen zurück wirkt. Sie bilden die Evaluation von Situationen, die die Rollenübernahme und deren Ausgestaltung erfordern. Die bestimmenden Faktoren sollen im Folgenden erörtert werden. 7

IV. 6. 1. Spezifisches Wissen

Der Kontext indem die Rollenproblematik entsteht, basiert auf einer gruppenspezifischen Weltanschauung, die sich vor allem in einem einfachen Opfer/Täter- Denkschema zeigt. Die eigene Rolle wird in Bezug auf den Gegenüber in Hinblick auf dessen Einordnung in diese Schablone definiert. Da deren Kategorien „Opfer“ und „Täter“ so mit direkten Anweisungen für die Ausübung des Berufs verknüpft sind, kann man sie als berufsspezifisch verstehen, obwohl sie eher eine nützliche Vereinfachung als eine expertenmäßige Betrachtung der Realität darstellen. Diese Einteilung dient einerseits zur Erklärung des erforderlichen Verhaltens gegenüber einem Angehörigen einer der Gruppen, als auch zur Erklärung dessen Verhaltens der Polizistin gegenüber. Dies ist etwa an dieser Aussage Svenjas zu sehen:

„Man hat auch so des Positive und das Negative - also ich muss den Täter versuchen zu schnappen - und ich kann aber auch jemanden der grade bestohlen worden ist versuchen zu helfen; beziehungsweise da auch immer versuchen die Angst zu nehmen [...] bei den Straftätern ist man dann ja meistens ja nicht so (.) sympathiemäßig - unterwegs; aber dann (.) bei den Opfern (.) quasi schon.“ (Svenja 452-259 Her. d.V)

Dieses Weltbild dient auch als Erklärung des Sinns des Polizeiberufes als Wirken für die Gerechtigkeit:

„Und wir sind ja eigentlich auch dafür da um anderen zu helfen. Also, wenn jemand in Not ist, kommen wir halt, um denen zu helfen. Dem Täter, auf der anderen Seite, dem helfen wir halt dadurch an sich nicht, sondern bestrafen ihn, aber- Wir sind halt auch dazu da, um Gerechtigkeit irgendwie auszuüben, und das ist halt vielen Leuten immer nicht klar, sondern bei denen ist immer eher: Ah, Polizei: böse, die- weiß ich nicht- die sperren uns jetzt ein und so“ (Beatrice: 548-552 Her. d.V.)

Für die beispielhafte Zuordnung wird auf klischeehafte Vorstellungen und selektive Erfahrungen von Regionen und Bevölkerungsgruppen zurückgegriffen:

“jetzt in <Süddeutsche Kleinstadt> da war‘n se alle ganz entspannt - ich glaub das war auch, weil‘s da ganz viele Urlauber einfach unten am Bodensee warn (.) man hat auch fast gar nicht das Problem mit Randständigen - also überhaupt nicht; da war‘n ja ab und zu noch so Migrationsfälle die wir hatten (..) aber ansonsten war das schon eher so Polizei: Freund und Helfer und sie machen dir Platz und (.) ja wir hatten dann auch ,ne kollabierte Frau in der Fußgängerzone - also da sind se auch auf unser Auto zugelaufen - und wollten was von uns und wollten Hilfe (.) ähm - wo‘s in Würzburg schon erlebt hab - ähhh wenn man Hauptbahnhof rausgeht, sitzen da die ganzen Punks und alle Möglichen - naja die brüllen dir halt schon einfach blöde Kommentare hinterher wenn du nur in Bahnhof reingehst - also (.) ja, das kommt echt immer drauf an (.) wen man trifft (.) warum man ihn trifft - also ob er grade was verbrochen hat, oder ob er Hilfe möchte (...)“ (Svenja 515-525 Her. d.V)

IV.6.3. Das Verhältnis zur Zivilbevölkerung

Auf diese Weltanschauung wird auch im Umgang mit den Bürgerinnen zurückgegriffen: Von „Tätern“ ist Feindlichkeit erwartet, der mit paternalistischer Strenge begegnet werden muss, während es gegenüber „Opfern“ erlaubt ist, sich einfühlsamer zu zeigen. Von diesen

Annahmen ist auch abhängig, ob die Uniform als etwas Nützliches, oder etwas die Arbeit erschwerendes betrachtet wird. Trotz des bereits erörterten positiven Effektes auf die Rollenübernahme, hat die Uniform ambivalente Folgen für die Fremdwahrnehmung. Beatrice dazu: „Also ich will wirklich mit Uniform nicht hier durch Berlin laufen, also- oder, ja, Rigaer Straße oder so, da sind ja die ganzen Linken oder so, da möchte man dann auf jeden Fall nicht rumlaufen, da kriegt man dann glaub ich andauernd Steine an' Kopf geworfen.“ (496-504). Das Verhältnis wird vornehmlich als ein Kampf um die führende Rolle beschrieben. Das sehr zentrale Thema Respekt wird durch die Geschlechterkomponente verschärft:

„also es ist zwar oft; ja manchmal betrunkene Männer, die wollen einfach nich‘ mit einem reden (.) da hat‘s dann auch keinen Sinn zu sagen (.) Doch ich bin so emanzipiert, du musst jetzt mit mir reden, sondern ich sag einfach Deeskalation - dann macht der Kollege des, dann das ist auch okay [.] aber ansonsten hat man schon Respekt, vor allem also wenn‘s dann droht zu eskalier‘n - und als Frau dann mal’n Machtwort spricht und dann kurz lauter wird und sagt: also bis hier hin und nicht weiter, ansonsten ,ham wir alle drei ein Problem (.) dann funktioniert das auch, weil se denken <oh Gott, ne frau spricht jetzt mal wirklich ’n Machtwort> was manche dann nicht so kannten, vor allem eher so Randständige. (.) Und dann funktioniert das auch. (.) Also dann sind die wirklich ruhig und dann ist‘s okay. (.) Also das hat dann schon ne Ausstrahlung“ (Svenja 214-223 Her. d.V.)

Die Anforderungen an die Berufsrolle und der damit verbundene Druck, dieser gerecht zu werden sind nicht nur für die Rollenübernahme von zentraler Bedeutung- Sie werden auch direkt von der Situation gefordert und sind somit praktische Fähigkeiten. „es geht primär darum, das man sein Gesicht wahrt [.] während der Situation und weil ansonsten passiert‘s leicht, dass einem jemand auf der Nase herumtanzt und äh - dann wird’s sehr schwer die eigene Maßnahme durchzuziehen, beziehungsweise auch ans Ziel zu kommen, weil der dann einfach so - also ja - ich sag immer wie‘n kleines Kind - die checken einfach bis wohin sie gehen können und bis wohin nicht [..] und manche probier‘n das auch einfach maßlos aus und da ist das dann quasi - ja das man seinen Mann, oder seine Frau stehen muss [.] auch wenn‘s falsch sein sollte, aber in dem Moment macht man‘s einfach und das muss auch gemacht werden [.] und dann im nachhinein schaut man - [lachen] - ob‘s vielleicht in die Hose gegangen ist, oder nicht.“ (Svenja 314-321 Her. d.V)

Dabei ist der Maßstab für eine gute Handhabung einer Situation die, ob den rechtlichen Bestimmungen und dem gewünschten Bild der Polizei entsprochen worden ist. Weichheit und Beirrbarkeit sind hier ausgeschlossen.

IV.6.4. Recht als Handlungsrahmen

Auch das Recht spielt eine Doppelrolle einerseits für die erläuterte Bildung von Selbstbewusstsein und andererseits als Bedingung des Umweltverhältnisses. Das Wissen um das richtige oder erlaubte Verhalten wird zum Handlungsrahmen und wichtigste Entscheidungsgrundlage. Zwar ist das Bewusstsein der möglichen Problematik eines Konflikts zwischen persönlicher Moral und dem Gesetz kaum präsent: „ja jeder hat schon so den gleichen; auch so‘n gleichen Rechtsgedanken; also so vor allem am Anfang [.] man wusste jetzt nicht nach welchem Paragraphen des strafbar ist, oder warum [.] aber man hatte das halt so im Bauchgefühl.“ (Svenja 122ff), dennoch wird zur berufsspezifischen Verantwortung auch die Fähigkeit geschätzt, in Situationen im Zweifelsfall anhand von ehrenhaften Moralvorstellungen nach der eigenen Überzeugung zu entscheiden:

„Wenn jetzt hier 'n Kind schreit oder so, dann ist das jetzt zum Beispiel ja auch so: Man darf keine Wohnung betreten, wenn du keine- vom Richter oder so, keine Befugnis dazu hast- aber wenn jetzt da irgendwas passiert und du denkst dir- dein Bauchgefühl sagt dir: Da geht irgendwas Komisches drin vor, dann (..) Ja, will man wahrscheinlich doch irgendwie, auch wenn man’s nicht darf- in die Wohnung gehen“ (Beatrice 690-694 Her. d.V.)

Dieses Verhältnis zum Recht scheint aber eher unbewusst zu sein. Zentral ist das, was den formalen Anforderungen entspricht:

“ ja, also es sind halt einfach die Gesetze - wie vorhin schon [.] die ich einfach beachten muss - ob ich das jetzt menschlich total super finde, oder nicht [..] es ist so [.] (...) Wenn ihr das blöd findet - dann sagt es jemand anderen aber nicht mir - also ich setz die einfach um - das ist halt einfach so - also die Sachen gibt’s - ob ich das jetzt selbst blöd finde oder nicht interessiert nicht [.] sondern ich mach‘s einfach [.] also des is der Handlungsrahmen - entweder es ist strafbar, oder nicht strafbar und das setz‘ ich um..“ (Svenja 648-656 Her. d.V.)

Das Verständnis der eigenen Rolle entspricht also eher dem eines Instruments des Rechts: Die Verantwortung für dessen gerechte Anwendung wird in diesem Kontext den Richtern zugesprochen.

V. Resümee

Rückblickend lässt sich festhalten, dass die Rollenübernahme von Polizeischülerinnen in ei­nem komplexen Netz divergenter Anforderungen geschieht. Erstens können persönliche (mo­ralische) Einstellungen und charakterliche Eigenschaften nicht unterdrückt werden, da das Bewusstsein der eigenen Verantwortung für die Festigung des Selbstbewusstseins und die Identitätsbildung unabdinglich ist. Eine vereinfachende, berufsspezifische Beurteilung der Umwelt festigt die Identifikation mit der Berufsrolle und erleichtert den Umgang mit ihr: Kla­re Regeln, die einerseits vom Berufsethos (also kollegial und informell aber deshalb nicht weniger präsent) andererseits vom geschriebenen Gesetz stammen, verschleiern die Verant­wortung: Die Hauptanforderung des Berufes wird als exaktes Befolgen dieser Regeln be­schrieben, was wiederum eine starke Identifikation mit dem Beruf voraussetzt. Diese wird durch Mittel wie die Uniform, das Kollegium und das durch Erfahrung oder Rollenspiele vermittelte Bewusstsein, Expertin zu sein, erreicht.

Diese Kategorien vermögen nur einen ungefähren Überblick über das Phänomen der Rollen­übernahme als Polizeischülerin zu geben. Während das Hauptanliegen der Auszubildenden, die Aneignung von Erfahrung und Selbstbewusstsein, in dieser Arbeit tiefgehend erforscht werden konnte, kann sie die vollständige Erklärung der diesen Aspekt bedingenden Faktoren nicht leisten. Deren Bedeutungsverhältnisse und Beziehungen ließen sich nur in persönliche­ren Interviews mit einer größeren Vielfalt an Polizeischüler*innen erforschen. Hier wurde dies durch die Art der Gesprächsführung erschwert. Problematisch war zudem die Fragestra­tegie, mit der es uns schwer viel, Antworten zu erhalten, die sich von einer rein werbenden Beschreibung der Ausbildung entfernten. Trotzdem konnte eine Rollenübernahme im Sinne Meads ermittelt und konzeptualisiert werden. Dabei wurden als Handlungsstrategien das Stre­ben nach Selbstbewusstsein und Erfahrung als wesentliche identitätsstiftende Faktoren ermit­telt. Vermutlich wäre hier ein Vergleich mit den Reflexionen der Ausbildung von erfahrenen Polizist*innen sehr interessant. Ein weiterer Aspekt auf den durch den eingeschränkten Feld­zugang und mangelnde Ressourcen nicht eingegangen werden konnte bildet die Kategorie des Geschlechts, welche in den Interviews Indizien auf eine Konfliktlinie in der Rollenübernahme aufwies. Auch konnte die ursprüngliche Forschungsmotivation, die Reflexion der Rolle der Polizist*innen als Repräsentanten der Staatsmacht oder Staatsgewalt nicht beantwortet wer­den, dies könnte in einer späteren Forschungsarbeit nachgeholt werden.

VI. Quellenverzeichnis

Brusten, Manfred (Hg.) (1992): Kriminologisches Journal. Polizei-Politik. Streitfragen, Kritische Analysen und Zukunftsperspektiven. Arbeitskreis Junger KriminologInnen. Weinheim: Juventa (4. Beiheft).

Corbin/Strauss (1990): Grounded Theory. Grundlagen der qualitativen Sozialforschung, Weinheim: Beltz

Der Spiegel (1994): Schwarze Horden. Prügelszenen, Ausländerhaß und rechtsradikales Gedankengut: Die zunehmende Gewaltbereitschaft von Polizisten ängstigt Politiker. Polizei. In: Der Spiegel 38/1994, 19.09.1994 (38), S. 107-109. Online verfügbar unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13692551.html, zuletzt geprüft am 24.11.2016.

Foucault, Michel (1987): Warum ich die Macht untersuche. Die Frage des Subjekts. Botschaften der Macht. Diskurs und Medien. Der Foucault-Reader.

Liebl, Karlhans; Ohlemacher, Thomas (Hg.) (2000): Empirische Polizeiforschung. Interdisziplinäre Perspektiven in einem sich entwickelnden Forschungsfeld. Herbholzheim: Centaurus.

Mead, George H.: Geist, Identität und Gesellschaft. Frankfurt/Main, 1968.

Strauss, Anselm L. (1994): Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung. München: Fink

Strübing, Jörg (2004): Grounded Theory. Zur sozialtheoretischen und epistemologischen Fundierung des Verfahrens der empirisch begründeten Theoriebildung, Wiesbaden: Springer VS

Wilke, Marie (2015): Staatsdiener. Weitere Beteiligte: Matthias Miegel und Dirk Engelhard. Marie Wilke (Regie). DVD Video. München: Zorro Medien GmbH. Online verfügbar unter https://www.goodmovies.de/content_detail.php?cid=14301&caid=81&genre=&b=, zuletzt geprüft am 24.11.2016.

Winter, Martin (1998): Politikum Polizei. Macht und Funktion der Polizei in der Bundesrepublik Deutschland. Münster: Lit (Politische Soziologie, 10).

Wuchenauer, Niklas (2015): Bloß nicht die Polizei anzeigen! Seltsamer Vorgang: Weil sie Ermittlungen gegen Beamte forderten, fanden sich drei Weimarer auf der Anklagebank wieder. Vorwurf der Polizeigewalt in Weimar. In: Taz 2015, 03.04.2015. Online verfügbar unter http://www.taz.de/!5014006/, zuletzt geprüft am 24.11.2015.

VII. Anhang

Schaubilder

Schaubild 1 - Blackbox der Polizeiausbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild 2 - Handlungsstrategien, Anforderungen, intervenierende Bedingungen und ihre Beziehungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erfahrung

Selbstbewusstsein

Intervenierende Bedingungen

Uniform Praxis i.d. Ausbildung Ausgeprägtes Rechtsverständnis

Memos, Leitfäden und Notizen

Leitfaden zur Transkription:

1. Pausen werden durch Auslassungspunkte in Klammern bzw [..] markiert. Die Menge der Punkte definiert die länge der Pause, wobei ein Punkt ca. einer halben - ei­ner Sekunde entspricht.
2. Nicht ersichtliche Gesten und Betonungen werden in Klammern hinter der Äußerung ergänzt. Z.b.: Mhm (bejahend)
3. Jeder Sprecherbeitrag erhält eigene Absätze. Zwischen den Sprechern gibt es eine freie, leere Zeile. Auch kurze Einwürfe werden in einem separaten Absatz transkri­biert.
4. Emotionale nonverbale Äußerungen der befragten Person und des Interviewers, die die Aussage unterstützen oder verdeutlichen (etwa wie lachen oder seufzen), werden beim Einsatz in Klammern notiert.
5. Unverständliche Wörter werden mit (unv.) gekennzeichnet. Längere unverständliche Passagen sollen möglichst mit der Ursache versehen werden (unv., Handystörge- räusch) oder (unv., Mikrofon rauscht). Vermutet man einen Wortlaut, ist sich aber nicht sicher, wird das Wort bzw. der Satzteil mit einem Fragezeichen in Klammern ge­setzt. Zum Beispiel: (Xylophon?).
6. Wort- und Satzabbrüche werden mit - markiert: „Ich habe mir Sor- Gedanken ge­macht“. Wortdoppelungen werden immer notiert.
7. Bei Gesprächsüberlappungen werden Interventionen mit ( ) Klammern integriert. Der intervenierende Sprecher wird in den Fließtext des vorhergehenden Sprechers einge­fügt.

Interview B: Svjena, 20, 6. Ausbildungssemester Bundespolizei Einleitung

Interviewerin: Du warst gestern bei der Arbeit [fragend]

Svenja: Genau, also oben an der Hochschule. Das letzte mal im Praktikum war ich [..] Ende Mai

i: und wie sah dein tag gestern so aus [fragend]

s: gestern [fragend]

i: mhm [bejahend] s: gestern hatt[e] ich Urlaub, also den Tag davor; den Donnerstag [..] okay, dass war auch ein besonderer Tag, da war ich an nem Projekt beteiligt am Hamburger Flughafen; wo jetzt äh [.] neue [.] ja, Streifenbeamte von uns geschult werden in Hinsicht auf Leute die eben bevorzugt sich dem IS anhängen wollen; dass die halt am Flughafen äh an den Gates, beziehungsweise an der Gepäckaufgabe eben schon erkannt werden [.] und ich war da eben als Darstellerin unterwegs, [verstehendes lachen i] dass wir vorher ne Einweisung gekriegt haben und halt so tun sollten, als würden wir jetzt gleich [.] ähm ja irgendwo Richtung Syrien fliegen und Türkei [verschmitzt]. [..] Aber am Tag davor war ich noch im normalen Unterricht [.] ähm, ja früh angefangen mit einer Sporteinheit [.] und dann bis halb sechs [.]; ja wir hatten alles; also wir hatten bevorrechtigte Personen [.] also Leute auf die wir besonders Acht geben müssen, wenn wir mit denen in Kontakt kommen, also sei es Diplomatenpässe [.] und Leute die eben kein Visum brauchen; da ging's meistens darum. [..] Dann hatten wir [.] ja, betäubungsmittelrecht; das haben wir jetzt neu angefangen [.] ähm und dann noch internationales Polizeirecht; ja.

I: Lief das die ganzen Ausbildungsjahre so, dass du immer [.] n' bisschen schulischen Teil hattest und n' bisschen praktischen teil [fragend]

S: Ja genau, also dass ist wie, ist ähnlich aufgebaut wie'n duales Studium [.] ähh; es sind meistens die längsten; also es gibt drei Hauptstudienabschnitte [.] die sind nicht länger als vier Monate; und entweder sindwa davoor zwei Monate im Außenfortbildungszentrum; davon hat die Bundespolizei fünf [.] ähm und da werden wir quasi auf die Praktikas vorbereitet; und dann geht's [.] in das jeweiligen Praktikum halt hinein.

I: Und was machst du so lieber [fragend] machst du lieber das in der schule, oder das Praktische?

s: Praktikum [lachend]

I: Ja?

S: Ja, dass ist ähm; man wird dann halt nicht wie noch'n auszubildender behandelt; sondern ist dann halt einfach'n Kollege nebenbei; man ist halt meistens zu dritt auf Streife; aber es fällt halt trotzdem nicht auf; also vor allem auch dem Bürger ist es egal; also der schaut jetzt nicht auf die Schultern, ob ich jetzt'n Stern hab, oder noch'n silbernen Strich; dem ist das egal; sondern ich hab Polizei hinten

auf'm Rücken stehen; und damit [.] ist einfach; wird von mir alles erwartet; ob ich das jetzt kann, oder nicht, sondern ich muss es halt einfach können. [durchatmen]

I: Wie [.] empfindest du das? [schniefer S] Also fühlst du dich quasi der Situation dann gewachsen, wenn du als Polizist wahrgenommen wirst; von// [dem Sch-

S: glaub schon ja]; Also man hat ja immer noch [.] ein [.]; also man hat sogar'n Bärnführer im Praktikum [.]; Also quasi wenn ich was blödes machen würde [.] hätte er die Verantwortung [.] und man ist halt nie alleine, also man ist mindestens immer eine Streife; also zu zweit unterwegs; und [.] ja, also man kann sich da auch immer absprechen, also das fällt auch dem gegenüber nicht groß auf [..] ähm; jetzt in >Süddeutsche Kleinstadt< wo ich das letzte Mal war, da wars halt oft dass wir nachts in den Bussen die Pässe kontrolliert ham; und das macht man halt in >Nordeutsche Großstadt< üb­wenig praktisch; man bekommt das mal gezeigt, am Beamer; und so und so sollte das ausschaun [.] die Fälschungsmerkmale auch gesagt; aber das da-dann wirklich umsetzen zu können ist schwierig[.] [mhm bejahend I] und da fällt das den Bürgern nicht auf; wenn du im dunklen Zug; ooder im Bus mal kurz nachfragst ob das sein könnte oder nicht [.] und im Endeffekt haben wir dann eh unsere Dokumentenmultis, die des [..]ich glaube drei Monate in Fortbildungslehrgang hatten und die entscheiden dass dann halt im Endeffekt; also das kann auch nicht jeder.

I: Ja [.] alsoo [...] Inwiefern würdest du sagen, dass es wichtig ist; quasi [.]'n bestimmtes Bild von sich zu projizieren; als Polizist; also das du als Polizist in gewisser Weise auftrittst und dein Gegenüber davon überzeugst dass du[.] die [.] gewissen Berechtigungen und sowas hast. [fragend]

S: Also das funktioniert eigentlich immer recht gut; ähm es ist einfacher in Uniform als in Zivil [.] ähhm; es war am Anfang ziemlich ungewohnt weil wir auch ja jetzt privat [.] immer einschreiten müssen; wir müssen immer unseren Dienstausweis dabei haben; also wir müssen immer kenntlich machen [..] hier hab ich zum Beispiel daheim in >Stadt in Bayern< den Vorteil; ich dürft mit dem ähm Bus fahrn; kostenlos wenn ich meinen Dienstausweis zeig; dass heißt der Busfahrer weiß automatisch; es ist'n Polizist mit dabei [..] ja und das wird halt ei- von e'im immer verlangt; dass man eingreift; -also ob das jetzt; - also man hat das auch so drin; also man möchte das dann auch machen wenn irgendwas ist; man denkt sich zwar: hm, als Frau[fragend] [.] schaff ich das[fragend] Aber es war [..] als ich angefangen hab; so die ersten drei Monate danach [.] warn wir; -warn immer fünf Mädels in'ner Lehrgruppe [.] da sind'wa Nachts mal nach Hause gelaufen von'ner Disco und da ham wir auch grade so; ach[unverständlich] und jetzt fünf junge Mädels hin [.] mit achtzehn; wir ham uns echt sicher gefühlt; weil wir dachten; wir können das; wir hatten jetzt drei Monate Einsatztraining; und es echt drauf; und es müsste jetzt eigentlich echt klappen; also man kriegt dann auch ein anderes Selbstbewusstsein weil man halt einfach Technik im Kopf hat [.] die funktionieren sollte [.] obs dann klappt ist ne andere Frage, aber es müsste einfach funktionieren.(.) und das macht ein schon selbstbewusster, ja.

I: Also man beginnt wirklich darein zu Vertrauen was man für Kenntnisse sammelt [S: Ja] in der Ausbildung; Okay.

S: Und versucht die dann halt umzusetzen wenn's dann mal kommt [lachend] [...] ja.

I: Ähmm [..] ist das so dass du öfter was mit deinen [.] ähm mit deinen Mitauszubildenden machst; mit deinen Kolleginnen; in der Freizeit auch [fragend]

S: Jetzt in >Norddeutsche Großstädte; -Jetzt vermehrt [.] also wir sind [.] fünf Mädels wir warn von Anfang an zusammen; mittlerweile sind wir zwar in anderen Lehrgruppen [.] ähm aber treffen uns eigentlich immer noch; mit ein bin ich jetzt auch das zweite mal zusammen aufm Zimmer [.. ]ähmm und du hast auch gar nicht so die Möglichkeit [schmunzeln] also [..] die Kaserne; - es ist wie ne Kaserne oben; also da komm auch wirklich keine anderen Leute rein [.] und es ist halt dann alles immer unternander; also man hat- wir sind insgesamt ..80; mit den hat man nicht immer was zu tun [..] ähmm; aber es ist - also das Umfeld bleibt eigentlich gleich; also es gibt eine Disco in eNorddeutsche Großstadt> [.] da kennst du einfach die Hälfte; weil die in einfach von deinem Studienjahrgang sind [lachend] [I:Ja] Also man kommt da nicht soo [.] nicht so raus; man ist schon eher immer unter Kollegen; ja.

I: Würdest du sagen, dass die Leute die mit dir studieren ähnlich ticken wie du, oder sind das ganz andere Typen?

S: Also es gibt ganz viele Arten; es gibt so richtig; wo ich sag, so die - die Kampfmädels [.] mit kurzen Haaren, wo du denen wirklich ansiehst die gehen später mal in den Verband und die machen alle platt. [.] Da dann auch die Jungs von; also wir ham welche die dann halt so zum GSG9 wollen; also wirklich Schränke sind [I: Mhm (bejahend)] Ähm, ja und dann halt die kleinen zierlichen mit langen blonden Haaren bis zum Hintern und so [.] Also das ist - es ist irgendwie bunt gemischt wirklich dabei. Also Leute die direkt sagen sie gehen in den HD; wo du dann auch weißt ja [..] also die möchtest du auch nicht auf der Straße haben; da denkst du Gott die würden untergehen; also dann lieber irgendwo im gehobenen Dienst wo sie was machen können [.] Ähm, ja es ist eigentlich alles vertreten; also wirklich alles. Das- s Ja [.] Und man mag nicht alle, aber man mag viele (lachend)[I: Schmunzeln]

I: Also es ist dann schon manchmal so, dass die Motivationen ähnlich sind? Polizist // [zu werden

S: Das] schon ja, das schon; also die meisten, die wollns dann; also man siehts dann bei den Situatonstrainings die Anderen können son bisschen besser mit Menschen umgehen, oder lassen sich nicht so leicht auf die falsche Schiene bringen, weil die Trainer das natürlich gerne versuchen. [.]

Ähm, aber; ja jeder hat schon so den gleichen; auch son gleichen Rechtsgedanken; also so vor allem am Anfang [.] man wusste jetzt nicht nach welchem Paragraphen des strafbar ist, oder warum [.] aber man hatte das halt so im Bauchgefühl; also das ist jetzt nicht richtig was du machst; und du musst mir jetzt auch deinen Ausweis geben - also damals konnte dann keiner sagen, also du musst mir deinen Ausweis geben, das ist deine Pflicht [..] aber jetzt den Paragraphen hät ich damals keinen sagen können; also das war dann halt schon - man wusste des irgendwie [.] passt des; aber ich kanns grad nicht begründen; also so das [.] ja, so das kleine Spitzengefühl, das hatten schon alle mit dabei.

U] ja.

I: Glaubst du das ist was spezifisches, oder eher was, was alle Bürger sowieso haben [fragend] die in Deutschland aufgewachsen sind?

S: [.] Ich glaube schon nen bisschen spezifischer. Vor allem das entwickelt sich dann innerhalb den drei Jahrn, wenn du halt alles so miterlebst; aber so - ich denk so den Grundgedanken, den hat jeder schon'n bisschen; also so - ich hab jetzt keinen erlebt, der in die komplett falsche Richtung gelaufen ist [.] ähm bei irgendwelchen Trainings und [.] irgendwas komplett falsch gehandhabt hat, oder auch irgendwie rechtswidrig gehandelt hat; klar, dass du mal ab und zu so in die falsche Richtung gegangen bist, weil dus nicht wusstest [.] aber jetzt wirklich so [.] ja Richtung gefährliche Körperverletzung im Amt, oder so - oder wirklich komplett rechtswidrige Ingewahrsamnahmen; das hat wirklich keiner fabriziert; also da hats doch dann irgendwann mal klick gemacht so: Mhm, doch nicht [fragend] [lachen] [..] Das hat schon jeder hinbekommen, ja.

I: Ist das für dich persönlich so, dass du dich mit dem Recht das du ausübst identifizierst, oder gibt es da manchmal Punkte, bei denen du denkst; da sollte man irgendwie anders handeln; da sollte man sich irgendwie mehr zuwenden n' bisschen [.] ähm was weiß ich //

S: Das hab ich jetzt im letzten Praktikum erlebt in >süddeutsche Kleinstadt<; das warn vor allem Drogen [I: Hm] Da durfte ich - also mein <Verwandter> ist bei der Schleierfahndung, bei der Landespolizei; mit dem durfte ich dann auch mal unterwegs sein [.] ähm, ich hab auch mit meiner Cousine geredet, die ist zwei Jahre jünger wie ich [.] ähm, das scheint mittlerweile so normal zu sein mal'n Joint zu rauchen, oder mal'n Stück [.] Crack, oder was die alles dabei hatten [..] Wo wir halt einfach sagen müssen: ja, da sind auch zwei Gramm strafbar [.] und da merkt man dann schon, dass viele Jugendliche das [.] einfach nicht verstehen; die dann schon eher sagen: Fangt doch mal lieber den Großhändler; der des [.] ja, keine Ahnung; Kiloweise daheim hat, ähm [.] Wo sie dann halt auch gesagt hat; meine Cousine; dass das normal ist; also das wär aufm Schulhof normal, das wär ja vor der Tür normal, so als würden wir jetzt rausgehen und ne Zigarette rauchen; wär das heutzutage normal, ähm [.] ja, dass man sich halt'n Joint dreht; wo man dann halt schon denkt: Naja, es ist Strafbar, aber vielleicht ist es auch einfach der Wandel der Zeit; Also man muss zwar umsetzen, also man hat dann mitgekriegt, die Gerichte sind da nicht so hart; erst wenns wirklich dann vermehrt vorkommt; aber die Leute werden halt dann leider auch vermehrt angetroffen [.] Das ist dann halt immer so die Frage; ob das dann auch wirklich Zeitgerecht ist. []

I: Ähm, jetzt hab ich grade den Faden verloren [lachend] Ja meinst du deine Einstellung dazu wie nah du dich an diesen Regeln hältst wird sich irgendwie ändern, oder merkst du das im Austausch mit älteren Kollegen, oder so dass sich das Verhältnis zum Recht irgendwie verändert?

S: Nö, das nicht; Also wir halten uns alle schon immer dran; also das bleibt und das ist auch okay so [.] ähm, man denkt sich halt manchmal nur seinen Teil dabei; also wir hatten dann auch'n Schleusungsfall ähhh - wo sie halt über Blablacar Leute illegal nach Deutschland gebracht hat [.. I:Mhm] Also Blablacar nutzt jeder mitlerweile - nutzen ja ganz, ganz viele Leute [.] und sie wusste das einfach nicht und sie musste halt auch dann dafür belangt werden [..] Und das ist dann halt immer der - der - der Grad der Wanderung den man macht; weil sie hat dann wirklich Leid getan; sie hat das wirklich nicht gewusst, sie konnte uns [.] perfekt nachweisen im Internet [.] dass das alles organisiert worden ist [..]Aber sie musste halt trotzdem dafür belangt werden; und das ist halt einfach - das tut mir leid, aber ich muss mich daran halten. [.] Also menschlich kann ich das immer anders finden, aber halt im Dienst muss ich das einfach so umsetzen [.] Da ist das dann halt so, sie kann mir im Nachhinein echt leid tun, aber [..] ich kann jetzt für sie in dem Moment nichts machen [I: Da stellt sich für dich keine Frage (Fragend)] Nee, es ist dann halt einfach - also wir sagen das dann auch offen, dass das jetzt einfach so ist [.] und des ist halt die Gesetzeslage [.] wenn uns jemand wir- also wenn wir dann - also bei ihr haben wir dann auch gesagt; also [.] wir kenn den Staatsanwalt, das wird schon [.] positiv für sie entschieden werden. Es wird trotzdem zu ner Verhandlung kommen; weil es immer zu ner Verhandlung kommt bei ner Schleusung, aber sie braucht da jetzt da keine riiesen Angst davor zu haben dass sie jetzt ins Gefängnis muss. [.] Also, ja man versucht es dann doch schon auf die menschliche Art, aber [.] die dienstlichen Sachen, also wie die Anzeige schreiben und so; also das [.] muss halt dann gemacht werden; und im Endeffekt entscheidet eh der Richter; also da hab ich nicht viel zu sagen - aber ja - das menschliche spielt schon immer mit.

I: Wie schwer ist das [//Unterbrechung von Drittperson - soll ich die Tür zu machen? - wird bejat]

Äh, wie schwer ist das so [.] diesen Spagat - wenn man das so ausdrücken kann - zu machen manchmal, zwischen ähm, als Polizist Autorität ausstrahlen - ich weiß nicht ob du das so sagen würdest [S: Ja]- und äh gleichzeitig und quasi als Mensch irgendwie Mitgefühl ausstrahlen [ist da ne Schwierigkeit? (fragend)

S: Also es ist] - ist schon schwer, es kommt immer an wer vor einem steht, also ich war auch im Einsatz Massenmigration in Freilassing [.] ähm ja, die ganzen Frauen mit den Babys die teilweise zehn, elf Tage alt warn [.] das hat ein schon eima berührt, aber selbst wenn ich jetzt sag die eine Frau fänd ich jetzt total sympathisch; ich wu - ich wusste ich kann denen nicht helfen. Also ich musste da meine Durchsuchungen machen und alles Mögliche; und sie dann quasi in der Bearbeitungsstraße weiterschicken [.] ähhm aber sie ham dann schon teilweise gemerkt - also das war [.] - warn komplett vermummt; also wir - also man hat eigentlich nichts von uns erkannt außer die Haarfarbe [.] ähm, aber es hat dann trotzdem mit Blickkontakten und wie man miteinander gestikuliert hat; weeil Sprache war ja auch nicht möglich [.] ähm, dann konnte man schon immer son Sympathielevel aufbauen, bei manchen hat man von Anfang an gemerkt die wollen nicht; die warn auch dagegen; ähm [.] und bei anderen dann halt nicht, also das funktioniert dann schon, dass so das zwischenmenschliche dann auch agiert, obwohl die gesehen ham dass wir waffe und alles tragen [. I:Mhm (bejahend)] Also es hat dann schon immer, meistens geklappt. [...]

I: Merkst du das Leute dir als Polizistin anders begegnen und wie begegnen sie dir anders als Privatperson?

S: Es ist schon äh respektvoller, also man merkt auch äh - mit der zeit die Blicke; also nur wenn man jetzt in Uniform an irgendwem vorbei läuft; ,Polizei' zieht irgendwie immer die Blicke auf sich [.] ähm und man wird dann als - als Frau mehr wahrgenommen; also es ist zwar oft; ja manchmal betrunkene Männer, die wollen einfach nich mit einem reden [.] da hats dann auch keinen Sinn zu sagen [.] Doch ich bin so emanzipiert, du musst jetzt mit mir reden, sondern ei sag einfach Deeskalation - dann macht der Kollege des, dann das ist auch okay [.] aber ansonsten hat man schon Respekt, vor allem also wenns dann droht zu eskaliern - und als Frau dann mal'n Machtwort spricht und dann kurz lauter wird und sagt: also bis hier hin und nicht weiter, ansonsten ham wir alle drei ein Problem [.] dann funktioniert das auch, weil se denken „oh Gott, ne frau spricht jetzt mal wirklich'n Machtwort" was manche dann nicht so kannten, vor allem eher so randständige [.] und dann funktioniert das auch [.] also dann sind die wirklich ruhig und dann ists okay [.] also das hat dann schon ne Ausstrahlung [.] ja.

I: Hast dus auch schon mal erlebt, dass dich irgendwas wirklich emotional mitgenommen hat, wie dir die Leute begegnet sind, weil du als Polizist aufgetreten bist?

S: Also die erste Bahnleiche [I:Oh Gott] [lacht ..] Ähhh, das war ähm [..] Jaa und ne Messerstecherei hatte ich noch, also sie war im gleichen Alter wie ich und wurde quasi von ihrem Freund niedergestochen [..] ähm und er war halt - ja er war betrunken - aber er war halt auch einfach dreist; also er hat das nicht eingesehen, er hat uns die ganze Zeit beleidigt, er hat gemeint sie soll sich nicht so anstellen; also sie hat grad so überlebt [..] da wars schon wirklich kurz davor, dass man - man hatte so den Drang jetzt - [..] Ja, wie jetzt mal - den kurz echt zurecht zu weisen - weil man dachte, dass kann jetzt echt nicht sein; also der war sich null schuldbewusst und man muss ja quasi immer noch höflich gegenüber ihm bleiben was dann [.] echt schwer war; also im Auto haben wir uns erstmal richtig über ihn aufgeregt, aber das kannste halt vor ihm nicht machen [.] also [.] ja, man darf halt irgendwie nicht ausrasten obwohl das - [lachen] obwohl mans echt gerne getan hätte [lachen] ja.

I: Ähm [ ]

S: Alles gut.

I: Warte ich wollte grade noch ne Frage stellen [...] aber wir können ja erstmal zu was anderem kommen, vielleicht fällts m-; achso doch, genau mit dem Zeitmanagement; Wenn du sagst man muss - äh quasi - immer höflich bleiben, immer alles sorgfältig machen, merkst du das - das du das manchmal nicht kannst, weil du dann halt irgendwo anders hin musst, weil irgendne andere Aufgabe einfach wichtig wird [fragend]

S: Also es- m- man kann das eigentlich relativ gut trennen; und man kann auch einfach über Funk sagen: „Stop" [.] also man hat das ganz oft, dass man über Funk zugequakt wird, weil der Gruppenleiter was wissen will - einem Informationen weitergibt; man aber grade im persönlichen Gespräch ist; vorallem'n Problem wenn man als zweier Streife auf zwei gegenüber trifft [.] die sich nicht verstehen, dann muss man sich separieren [.] und dann wird's halt irgendwann konfus, weil der Kollege sagt dir was, über Funk kommt was, aber dem gegenüber, dem willste ja auch höflich bleiben und dem [.] in die Augen gucken und mit ihm reden [.] und da ist das dann schon gut, das man; ja wenn man da Prioritäten setzen kann; se einfach sagt: Okay, ich kläre die Lage jetzt vor Ort und wenn ich dann Zeit hab, dann funk ich; dann kanner mir auch alles über Funk erzählen [..]eja, das funktioniert eigentlich schon immer ganz gut; also dann hörn die auch auf einen zu nerven, also selbst wenn jetzt zwei Einsätze sind, dann sag ich einfach: I - Ich bin jetzt hier noch feste [.] es geht nicht, ihr müsst das erstmal ohne mich schaffen und wenn ich dann zehn Minuten später komme, dann komme ich zehn Minuten später. [.] Also das ist während den Einsätzen nicht so schlimm, es ist eher Dienstbeginn [lachen] also da sollt man schon pünktlich sein; aber [.] ja, wenn das jetzt während den Einsätz- ja wenn irgendwas länger dauert, dann dauerts einfach länger; also da ists dann auch das zu sagen: ja Sicherheit geht vor, dass man da nicht schludrig wird mit irgendwas und am Ende noch was passiert [.] ähm, sondern dass man sich auch wirklich die Zeit nehmen kann; also jetzt nicht mit belanglosen Dingen, also wenn einem jetzt einer ständig nur zulabert und irgendwas möchte, dann kann man sagen: stop, also ich muss da jetzt in zug; [.] ähm aber wenns ansonsten [.] wirklich - ja meine Lage grad ist, dann bleib ich erstmal hier und dann kommt später das andere.

I: Meinst du das fällt anderen Leuten auch so leicht wie dir - die Kontrolle zu behalten und einschätzen zu können was wichtig ist; was nicht, oder hast du selber überhaupt das Gefühl, dass dir das leichtfällt.

S: Ja schon, also ich muss sagen, ich hab ziemlich früh so die - ich nenns mal Dreistigkeit bessesn auch wirklich jetzt vorgesetzten zu sagen: also, geht grad nicht, also ich bin zwar Multitaskingfähig, aber ich kann nicht drei Leuten gleichzeitig zuzuhören, ähm und dann ist das eigentlich auch gut. Es gibt wirklich manche [.] ähm; die sich dann über Funk zulabern lassen und dann halt das gegenüber aus dem Gesichtfel- äh äh - ausm Auge verliern und dann halt so hektisch werden, weil du halt irgendwann nicht mehr weißt was du noch machen wolltest; du wolltest ihn grade irgendwas Fragen; hast du ihm seinen Ausweis schon zurück gegeben, oder hab ich ihn in grad die Hosentasche gesteckt; wenn du den halt mitnimmst ist blöd und [.] ja, also es gibt schon manche die dann hektisch werden und es gibt halt eher so die ruhigeren; da gibt's schon zwei Arten.

I: Gibt's Leute denen du nicht empfehlen würdest Polizistin zu werden [fragend] oder Polizist.

S: Ja, ich hab einen bei mir im Jahrgang [lachen] Ja, das ist halt ähm [.. seufzen] wenn man sieht das Leute son bisschen das Selbstbewusstsein - also ich sag okay, wenn ich ne blöde Entscheidung treff; dann muss ich einfach danach auch dahinter stehen und sagen: ja sorry, das war ich, dumm gelaufen; jetzt weiß ich beim nächsten mal mach ichs nicht [.] und es gibt halt [.] ja vorallem einen bei'ns im Jahrgang, der is - der sich halt auf Diskussionen mit dem gegenüber einlässt [.] und quasi dann die andere Seite als besser empfindet [.] und deswegen sag ich persönlich - also das kann - also dann sagst du als Polizist selber: Ich hab keine Ahnung [.] und das was ich mache ist nicht gut; aber das muss man halt quasi immer vertreten; also obs in dem Moment dann [.] auch blöd ist - muss ich dann einfach dahinter stehen und das dann durchziehen; und nich sag einfach: Och, tschuldigung ähm, wir machens jetzt doch anders; so wie sies wollten.

I: Also gegenüber - [fragend]

S: Also [.] irgend nem Bürger den ich jetzt kontrollier und dann sagen: Ja, sorry also - Ja, ihre Entscheidung war besser, tut mir Leid. [..] Ja, ist halt blöd.

I: Warum geht das nicht [fragend] [] naive Frage - [lachen]

S: [lachen] Naja, also das was man macht, sollte man halt auch konsequent durchziehen [.] also klar man kann zwischendrin immer mal die Richtung ändern, aber primär das der Bürger vorgaben macht - das geht halt nicht - sondern ich zieh meinen Stiefel da durch, wenns am Ende blöd war kann ich mich am Ende immer noch entschuldigen, aber ich bleib erstmal meiner Linie treu und dann [.] wenn ich entschieden hab, dann könn wir weiter machen [.] aber halt nicht so - auf diese Diskussionsebene sich runter begeben und dann sagen: hm, doch vielleicht besser, sondern das halt quasi machen wie man in dem Moment denkt, dass es richtig ist. [I: Mhm (verstehend)] Joa.

I: Geht's dabei dann um [.] quasi das Bild des Polizisten aufrecht zu erhalten; das'n recht - deren recht verkörpert und das eben dann auch durchsetzen muss da zu verkörpern.

S: Das auch, aber ich glaube es geht primär darum - das man sein Gesicht wart [.] während der Situation und weil ansonsten passierts leicht, dass einem jemand auf der Nase herum tanzt und äh - dann wird's sehr schwer die eigene Maßnahme durchzuziehen, beziehungsweise auch ans Ziel zu kommen, weil der dann einfach so - also ja - ich sag immer wien kleines kind - die checken einfach bis wohin sie gehen können und bis wohin nicht [..] und manche probiern das auch einfach maßlos aus und da ist das dann quasi - ja das man seinen Mann, oder seine Frau stehen muss [.] auch wenns falsch sein sollte, aber in dem Moment macht mans einfach und das muss auch gemacht werden [.] und dann im nachhinein schaut man - [lachen] - obs vielleicht in die Hose gegangen ist, oder nicht.

I: Mhm (verstehend) [] Ähm [ ] Ja, gibt's sowas was dir vielleicht gefehlt hat in der

Ausbildung, was du gerne ändern würdest [.] in Hinblick auf die Berufsausübung [fragend]

S: Ich würde die praktischen Teile erhöhen. [I: Mhm] Also beziehungsweise eher [.] auch die Situations- ahja wir sagen immer Situationstraining ist nervig in den Hauptstudienabschnitten [.] ähm [.] weil wir ham auch Aufsteiger dabei, das heißt Polizeimeister die im mittleren Dienst sind und den Aufstieg in den gehobenen machen [.] und die sind halt einfach schon seit zehn Jahren auf der Straße und wenn dann nen Polizeitrainer kommt und sagt du machst seit zehn Jahren deine arbeit nicht richtig [.] kommt halt auch nicht so gut. Ähm, es ist halt einfach die Prüfungen, die wir in den Situationstraining machen [.] sind fast nie Abschlussprüfungen; also wir ham Abschlussprüfungen, die müssen wir bestehen, damit du in den nächsten Abschnitt weiter gehen kannst [.] und das sind die meistens nicht; und das find ich halt ziemlich schade, weil [.] du kannst - also man geht halt da mit der Einstellung rein: Naja es ist nicht so schlimm wenn ich null Punkte hab; und bei den anderen: Okay, ich brauche jetzt mindestens fünf und ich muss mich auf jeden Fall anstrengen; Ähm [.] Ja und das ist halt schwierig; Also es fehlt bestimmt auch das Personal, weil wir halt viele in einer

Lehrgruppe sind, meistens [.] und du wirst halt mit der Zeit einfach gelangweilt, weil immer nur

zwei Leute spielen können [.] und du dann jedes mal die Situation siehst, die wieder besprochen werden muss und das kann schon sein dass das pro Team ne Stunde dauert [.] Jaa, klar vom zusehen lernt man auch was und denkt: okay, shit - den Fehler mach ich nicht [.] aber ist halt doch immer besser wenn mans selber üben kann. Und das würd ich halt'n bisschen erhöhen, also auch die theoretischen Anteile davon [.] das man halt auch wirklich dem Praktikum dann gewappnet ist. [.]

Das man da einfach sicherer ist und das auch was zählt; weil klar Theoretiker sind immer gut und ich muss mich auch im Recht auskennen; ähm, aber ich brauch halt keinem - außer ich hab'n blöden Juristen vor mir - die Paragraphen um die Ohrn haun; weil da schaltet der spätestens ab, sondern ja - ich muss halt so die Grundfertigkeiten einfach wissen und umsetzen können [.] und das würde ich persönlich erhöhen [.] einfach.

I: Gibt's denn in der Ausbildung Dialog [.] richtig, also so werden da quasi kritisch nachgefragt - Sachen in Frage gestellt, oder ist das eher ne Einseitige - ähm naja - Lehre [fragend] [.] quasi -

S: Also die Situationstrainings schon, also das zum theoretischen Unterricht nicht, also wenn wir [.] Betäubungsmittelrecht machen, dann ist das - ja schon mehr oder weniger - welche Tatsbestandsmerkmale finden sie [.]äh - aber bei den Situationstrainings ists schon so, weil die Trainer sind unser Gegenüber und es gibt immer zwei Bewerter und uns als Gruppe als Bewerter und; ja, dann geht's schon hin und her; und dann wird auch viel diskutiert - also ja ich hätte jetzt trotzdem Pfeffer eingesetzt und ich hätte den EK eingesetzt; also da geht's dann schon um wichtige Dinge; wo die dann halt noch manchmal mitm Recht kommen; klar, du darfst jetzt nur des einsetzen [.] Aber wo mir jeder ausm Bauch sagt - hätt ich jetzt aber des gemacht - und des - des dauert dann manchmal auch länger, weil wir halt einfach das diskutieren anfangen, weil [.] manches von uns nicht eingesehen wird oder [.] ja - wir da halt nochmal nachfragen wolln.

I: Mhm, aber [.] würdest du sagen, dass sonst grundsätzlich erwartet wird, dass - also von den ähm [.] von den Leuten die studiern [lachen] - dass sie erstmal so akzeptieren, was ihnen gesagt wird [fragend]

S: Ja [betont], am Anfang schon, weil du hast einfach null Ahnung [betont] [I: Mhm] Also du hast keine Ahnung wie taktisch Polizei funktioniert [.]Ähm [..] Wobei wir am Anfang ins kalte Wasser geschmissen wurden, also das warn so einfache Situationen und du solltest einfach mal machen [I Mhm] Und im Nachhinein kam dann, wie musst du dich hinstellen, wo sind deine Hände, wie gestikulierst du, Mimik und alles, dass kam dann erst später, aber man nimmt das schon an; also es war auch verwirrend; wir hatten in den ersten drei Monaten andere - also wir hatten immer andere Trainer in den Ausbildungsabschnitten [.] und klar, jeder machts halt einfach anders. Mittlerweile sag ich okay, ich hab mein Schema; Ich mach das einfach so, es ist sicher, es passt. [.] Das tut keinem Weh [.] man kanns aber auch fünfmal anders machen [.] und das war am Anfang halt verwirrend, weil der eine sagt deine Hände müssen da sein, der Andere dann ne Stunde später wieder hier [.] und man ist dann seit drei Monaten dabei und sagt sich: Was denn nu? Irgendwas muss ich mir jetzt merken, irgendwas muss ich in mein Schema übernehmen [.] Ähm, ja das war am Anfang halt extrem verwirrend [.] aber dann macht man irgendwann sein eigenes Ding, wo man sieht so und so isses richtig und man übernimmt dann sozusagen das beste was für einen passt.

I: Ist das so, dass ähm [..] Leute die irgendwie'n bisschen langsamer sind extra gefördert werden, oder ist [.] die Selbstverantwortung da hoch?

S: Ähm, in den Situationstrainings [.]ja, kommt drauf an wie eigenständig man ist, also man kann halt sagen: Hey, ich möchte - die neue Situation möchte ich spielen [.]ähm beziehungsweise, jeder muss mal dran kommen; im Schießen ist das so [.] wenn man nicht so gut ist, wird man individual nochmal gefördert, also da gibt's dann sone Schieß-AG [.] ähm - ja beziehungsweise vor den Abschlussprüfungen dann auch mal Situationstraining halt auch unter uns einfach nachgestellt werden, oder dass man Sachen nochmal durchgeht, Abends zu zweit auf die Matte geht um irgendwelche Griffe zu machen [..] des dann schon; also man muss eigentlich eigenintiativ was machen, nur da wos schwierig wird, zum Beispiel schießen - oder wo man auch Ausbilder braucht, da wird's dann auch angeboten, beziehungsweise - man kann auch immer die Trainer fragen, die sind alle ganz nett und wenn man sagt: hey hättet ihr mal morgen ne Stunde Abends Zeit [.] ich hab das echt nicht geschnackelt, dann ham die da auch kein Problem einem das nochmal zu zeigen und die sind da auch eigentlich alle echt dahinter, also wenn man dann eigeninitiativ auf die zugeht,· dann sind die auch echt bereit einem da zu helfen.

I: Wie ist das Verhältnis sonst so zu den Ausbildern [fragend]

S: [..] Es kommt immer ganz drauf an wen man so trifft [.] Also wir haben eine Ausbilderin [.] - ja mit der kommt nicht so wirklich jeder klar - also sie ist vom Sternchen her gesehen hat sie teilweise den gleichen Dienstrang wie manche aus meiner Lehrgruppe [.] verhält sich aber nicht so [.] Also das ist dann dieses ,von oben herab' was viele halt nicht leiden können, weil wir immer noch Kollegen sind und von einem Stand; sie kann uns Dinge klar sagen, sie kann auch Kritik äußern - es kommt halt immer auf den Ton an [.] Und [.] - ja; die Dozenten die wir in der Hochschule haben; ja die sind alle ganz entspannt eigentlich [.] jaa - ist eigentlich wie - wie in der Schule manchmal - man sitzt halt einfach da und lässt sich berieseln [.] ähm - manche hams auch von Anfang an zu gegeben: sie störts wenn wir in Uniform dasitzen, sie finden das übertrieben, manche störts halt gar nicht; also's sind dann so persönliche Sachen; Ähm [.] geduzt wird sich eigentlich nur unter den Einsatztrainern - also die anderen sind alle persie [.] und ja die Einsa- ja ich hab auch immer gesagt, dass wenn wir das selbst - also ich finds verständlich [.] weil du mit den Trainern auch auf der Matte bist - also du rollst übernander her und sonst irgendwas und wenn du dich da noch siezen würdest [.] ist halt schon komisch wenn der grad auf dir drauf liegt [.] also da find ichs dann okay, wenn man sich duzt - und die sind auch alle ganz entspannt; aber jetzt mit nem Regierungsdirektor - oder sonst irgendwas - muss ich jetzt nicht per sie sein, das ist dann auch vollkommen in Ordnung.

I: Wie [.] war das ne große Überraschung für dich auf die - als du angefangen hast - wie Polizeiarbeit funktioniert [fragend] oder wars ungefähr so wie du erwartet hast?

Es war eigentlich spannend [.] also man sieht das [.] viel im Fernsehen [.] es ist echt schwer manchmal k.. und so zu schauen weil du denkst: oh Gott die machen das so falsch; also so dürftest dus in der Realität nicht machen - wobei man vorher schon so das Bild hatte; also so bei Tatort, da funktioniert das so - und jetzt [.] müssen wir das eigentlich auch so machen - weil so hab ich das im Fernsehn gesehen; also es war eher immer die ganze Zeit spannend [.] das dann auch wirklich zu sehen wies wirklich funktioniert [.] Als weil auf der Straße; man nimmt zwar nen Polizisten wahr [.] aber man weiß ja eigentlich nicht genau was jetzt dahinter steckt - also es war eher schon die ganze Zeit ziemlich spannend das dann einfach zu erleben und das dann auch hinzunehmen und umzusetzen.

I: Hattest du Kontakt zur Polizei vorher?

S: Also mein Onkel ist bei der Polizei [.] Joa, das war eigentlich der einzige.

I: Stimmt, das hast du eigentlich schon gesagt [lachen S: Ja.] und der hat dir was erzählt - [fragend]

S: Ja, also wir ham uns vorher viel drüber unterhalten [.] weil ich gesagt hab: okay, ich will zur Polizei [.] es stand aber nicht fest Landes-, oder Bundespolizei; also ich hab mich bei vier Ländern beworben - und bei der Bundespolizei [.] ähm, wo ich mich dann erst später damit auseinandergesetzt habe - was das Aufgabentechnisch unterschiedlich ist - was machen sie gleich [.] ähm, ja und mein Onkel hat dann viel erzählt [Lacher] ja, wobei er wohl auch ein bisschen übertrieben hat - was er macht, vor allem weil er spezifisch Schleierfahnder ist, also er ist an der Grenze in Zivil und alles hochnimmt [.]ähm - das war dann halt schon mega spannend [.] ja - wobei man weiß, an sonem Flughafen da ists halt net so spannend [.] also so ein paar Eindrücke gesammelt hat man schon, ja.

I: Das heißt du wusstest, dass du Polizistin werden willst, bevor du genau wusstest was du machen willst?

S: Ja, das schon - also ich fands halt immer ziemlich spannend [.] und - es hat für mich halt immer die Komponente zwischen Schreibtischtäter und ich tu was und renn draußen rum [.] und das ist halt sone gute Kombination; ich bin nicht nur im Büro, aber ich kann halt auch einfach draußen mit Menschen sei- mich mit Menschen unterhalten [.] man hat auch so des positive und das negative - also ich muss den Täter versuchen zu schnappen - und ich kann aber auch jemanden der grade bestohlen worden ist versuchen zu helfen; beziehungsweise da auch immer versuchen die Angst zu nehmen - das ist jetzt nicht völlig dramatisch - ist für einen persönlich immer schlimm wenn Sachen weg kommen [.] aber da dann halt auch das zwischenmenschliche Gespräch einfach - das man sagt: okay, wir machen das jetzt alles, wir nehm das für sie auf, ist jetzt nicht dramatisch, es ist aufwendig [..] ähm - aber es ist jetzt nicht schlimm, also da ist ma da dabei - bei den Straftätern ist man dann ja meistens ja nicht so [.] sympathiemäßig - unterwegs; aber dann [.] bei den Opfern [.] quasi schon.

I: Also du hast den einen Aspekt zu helfen und den einen Aspekt - naja - indirekt auch zu helfen; war das - würdest du sagen: das war meine Motivation Polizistin zu werden?

S: Joa [.] schon. [..] Ja //

I: Und warum dann nicht äh - Krankenschwester, oder so

S: [lachen] Äh, Krankenschwester hab ich'n Praktikum gemacht [.] das ist sehr [..] jaa- [..] ich glaube da fehlt mir son bisschen die Abwechslung; klar es könn [.] die ganzen Krankheiten unterschiedlich verlaufen, die Verletzungsmuster, alles [.] mhh [.] aber ich glaub - so der Reiz der Gefahr [..] Also ich glaub so im Krankenhaus kriegts man jetzt nicht so oft'n Adrenalinstoß wie wir draußen [.]ähm vor allem halt das spannende [.] mit Blaulicht durch die Gegend zu fahren [.] so die Verkehrsteilnehmer alle weg zu scheuchen [grinsend] das man Platz hat - und [.] halt nicht wissen was kommt; weil die Lage die durchgegeben wird [.] passt eigentlich selten mit dem überein was man vor Ort auffindet [.] und des ist halt glaube ich so der - der Reiz - ja ders auch ausgemacht hat.

I: Ist das auch was du in Zukunft machen willst?

S: Ja, also ich will jetzt warscheinlich zur MKÜ nach <Stadt in der Pfalz> gehen, also zur mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit [.] ähm [.] die sind halt im ganz normalen Tagdienst unterwegs - als Unterstützung vom - vom Regeldienst [.] ähm, aber eben auch spezifisch auf Einsätze [.] ähm Observationen und da eben auch ein breites Spektrum - wo man eben nie so genau weiß was kommt am Wochenende, weil das eben auch immer so spontan entschieden wird - wo, was gebraucht wird [.] ja [.] und dann dann mal gucken - was da alles so geht.

I: Und wenn du so perspektivisch in die Zukunft denkst - funktioniert dann dieses nicht wissen was morgen kommt gut mit deinen Vorstellungen von Familie haben, oder was weiß ich [fragend]

S: [lachen] Also im Moment - im Moment noch schon, also mein Freund ist auch Polizist [.] ähm und der geht jetzt nach <süddeutsche Kleinstadt> [.] von daher passt <Stadt in der Pfalz> ganz gut, weil das sind dann zwei Stunden von der Distanz her - das schafft man dann halt schon; also mit <Norddeutsche Gr- also er ist im Moment noch in <Süddeutsche Großstadt>, ich in <Norddeutsche Großstadt> und wohnt eigentlich auch in <Stadt in Bayern>, da ist das halt immer dieses hin und her gefahre [.] ja - wobei ich von Anfang an gesagt habe: Okay, jetzt nach dem Freund [..] so böse es klingt - richte ich es erstmal nicht aus [.] weil wer weiß was kommt [.] ähm - aber später schon - also in der MKÜ - man hat quasi nen fünf Wochen plan und alle fünf Wochen zwei Wochenenden frei; und man kann das eigentlich echt gut planen [.] wobei ich jetzt sag - das ist immer dieses adhoc [.] und ja - man muss viel auf einmal können - und bekommt bestimmt auch ganz viele Eindrücke; so dass ich jetzt sag: Vielleicht für die nächsten fünf bis sieben Jahre [..] und dann halt in den Einzeldienst [.] wo du dann halt wirklich acht- oder zwölf-Stundenschichten hast - ähm - und dann halt frei; je nachdem - also das's dann schon kompatibel [.] also jetzt ortsgebunden Familie bin ich nicht [.] weil ich sag: okay, ich bin jetzt in <Norddeutsche Großstadt>, das sind 560 Kilometer, wenn was ist [.] äh - bin ich immer noch an einem Tag daheim [I: Mhm] Also da - dafür hat man son bisschen die Distanz verlorn - also weiter weg als 560 Kilometer geht fast gar nicht mehr und da sagt man halt okay - das ist - wenn was ist bin ich da [.] aber ansonsten schau ich halt wo's mich hin verschlägt und bau mir da was neues auf.

I: Mhm [ ] ähm [ ] ah Mist, ich hatte eben schon wieder was [S lacht: Kommt wieder] Ja -

[ ] ja - dann vielleicht erstmal ne andere Frage [lachen]

Ähm, denkst du ganz allgemein, dass ähm - der Polizei genug Wertschätzung gegen - ähm beigebracht wird - entgegengebracht wird [fragend]

S: Das kommt - echt immer drauf an auf wen man trifft [.] es kommt [.] verdammt auf die Region an wo man sich befindet [.] und es kommt der momentane [.] Grund warum man da ist - drauf an also [.]jetzt in <Süddeutsche Kleinstadt> da warn se alle ganz entspannt - ich glaub das war auch, weils da ganz viele Urlauber einfach unten am Bodensee warn [.] man hat auch fast gar nicht das Problem mit

Randständigen - also überhaupt nicht; da warn ja ab und zu noch so Migrationsfälle die wir hatten [..] aber ansonsten war das schon eher so Polizei: Freund und Helfer und sie machen dir Platz und [.] ja wir hatten dann auch ne kollabierte Frau in der Fußgängerzone - also da sind se auch auf unser Auto zugelaufen - und wollten was von uns und wollten Hilfe [.] ähm - wo's in Würzburg schon erlebt hab - ähhh wenn man Hauptbahnhof rausgeht, sitzen da die ganzen Punks und alle Möglichen - nja die brüllen dir halt schon einfach blöde Kommentare hinterher wenn du nur in Bahnhof reingehst - also [.] ja, dass kommt echt immer drauf an [.] wen man trifft [.] warum man ihn trifft - also ob er grade was verbrochen hat, oder ob er Hilfe möchte - ähm und der Alkoholspiegel - der macht auch viel aus - oder Drogen, je nachdem.

I: Nimmst du das dann einfach - wahr und grenzt dich davon ab und - äh oder redest du mit Leuten drüber [lachen] - ja das ist jetzt ne blöde Frage, natürlich redest du jetzt nicht sofort mit jemandem der jetzt irgendwie Bullenschwein oder so was - ruft, aber ist das irgendwie ne Perspektive die du [.] in Ansätzen verstehen kannst wenn Leute irgendwie grundsätzlich Polizei ablehnen - oder sowas [fragend]

S: [.] Ja, ich denke es kommt immer drauf an, also [.] man - klar ich sag nicht, dass alle Polizisten Heilige sind [.] es gibt Polizisten die Drogen schmuggeln, es gibt Polizisten die sich schlägern [.] also da gibt's denke ich auch schwarze Schafe - wie überall [.] ich denk das darf man halt nicht einfach verallgemeinern, also klar - man sieht das auf den Demonstrationen immer - aber ich sag mal da ist einfach davor immer echt viel passiert [.] und ich find man muss auch einfach denken - wir sind immer noch Menschen - also ich wurde auch schon aufs massivste beleidigt - bei Demonstrationen - und da ists verdammt schwer ruhig zu bleiben. [.] Also weil du dich dann - irgendwann fällts dir schwer das nicht persönlich zu nehmen, weil der dir in die Augen schaut, der keinen Meter vor dir steht und genau des grad zu dir sagt und das hundert Prozent auch so meint [.] und da dann auch noch ruhig zu bleiben - wos inner normalen Situation unter zwei Menschen, oder Fußballfans, oder wem - wär das schon total eskaliert und gäb ne Schlägerei [.] ja und du musst das halt quasi schlucken und dastehen und nett lächeln - also da ists dann halt schon manchmal echt schwer - wenn man sich denkt: hey, bisl Respekt wär net schlecht - also ich schütz immer noch hier dein Spiel [.] oder deine Demo - du willst was von mir, weil ich die Rechten nicht vor den Linken schützen würde, dann würds mega den Crash geben - und danach würden sich alle beschweren: „Wo war die Polizei?" [I: Mhm] Und wenn du halt einen Rechten zurück hälst, weil der durchbrechen will - dann heißts wieder Polizeigewalt [.] wo man also mittlerweile - man liest die Nachrichten - man verfolgt das auch [.] und wenns dann negative Fälle gibt - dann denkt man sich auch - oder man bespricht das unternander - was da schiefgelaufen ist [.] ähm - man sagt da: Klar, dumm gelaufen - also da verschweigt keiner was vor uns [.] ähm - aber es ist schon so, dass das wirklich alles Einzelfälle sind die wie ich finde halt dann hochgepuscht werden.

I: Ähm, was - die hochgepuscht werden - hm [...] Wie wird das denn intern behandelt, kannst du da noch mehr zu erzählen?

S: Also wir reden immer drüber [.] oder jetzt auch [.] äh im Unterricht - in Einsatzlehre [.] wenn da irgendwas ist - also man liest im Moment Hannover - wenn man da Bundespolizei Hannover eingibt liest man viel [lacher] ja, das wird uns dann halt gezeigt [.] und äh wir reden da drüber äh - was läuft blöd, was läuft nicht so gut, wie ist das überhaupt rausgekommen, wer hat da irgendwas gemeldet und dann [.] ähm reden wir auch darüber wenn wir da in der Situation wären [..] Also, dass man da auch wirklich den Mumm hat - ja man meldets jetzt erst an den Gruppenleiter, weils der erste Vorgesetzte ist, aber wenn der das nicht wahrnimmt - weils heißt: Das ist schon immer so und [.] das ist nicht schlimm [.] das man dann auch wirklich den Mut hat eine Stufe höher zu gehen [.] auch wenn das für einen persönlich heißt, dass man dann in der Dienstgruppe nichtmehr akzeptiert wird und eventuell weg muss [.] aber über solche Sachen wird dann halt geredet - also das dass dann schon von einem verlangt wird das man da dann halt auch dahinter steht - um eben sowas aufzudecken - also da nicht irgendwie sagen: Oh, das ist'n Kollege, der macht grad was falsch; sondern dass man sagt: Nee, das geht nicht! Bei nem normalen Bürger würd ich jetzt auch sagen:

Hey, bis hierhin und nicht weiter und das ist strafbar - also mach ich das bei meinem Kollegen auch - auch wenn der jetzt zur gleichen - Nische gehört wie ich.

I: Ja, das ist ja ein gängiger Vorgang, dass - sowas wie Polizeigewalt immer nur intern geregelt wird und nicht außerhalb - also selten - vor Gericht - al //

S: Meistens werden die Verfahren eingestellt, weils halt dann eben nicht so war [.] Das gibt - also bei uns gibt's ja mittlerweile auch - BESI-Trupps - also Trupps die mit Kamera rumlaufen und dann zeigen die halt die Sequenzen die davor abgelaufen sind - wo man halt auf YouTube dann nur ab da sieht, wos dann losgeht und das davor halt nicht - und deswegen werden die Verfahren dann eigentlich meistens eingestellt [.] aber es wird halt schon gesagt: Hey Leute - auch wenn ihr [.] ähm - wir hattens auch letztens beim Einsatztraining - also - ja wenn einer auf dir draufsitzt und auf dich einprügelt [.] und du's irgendwie schaffst da raus zu kommen - dann hast du [.] einfach den Drang da zuzuschlagen [..] Weil das ist menschlich - weil du denkst: Hey, der wollt mich grad vermöbeln, der Dreckssack, jetzt geb ichs ihm zurück [.] aber genau da muss mans halt irgendwie schaffen - in diesem Wahn - zu sagen: Ey, stopp ich bin Polizist ich darf das nicht - auch wenn ich jetzt menschlich das gerne machen würde weil der mich geärgert hat - aber ich darfs einfach nicht [.] und da sagense auch das ist falsch - wenn du zuschlägst dann ist es falsch [..] und des ist auch so - halt wo wir drüber reden sagen - das musst du einfach lernen [.] das ist ein Lernprozess wo du einfach sagst: Stopp bis hierhin und nicht weiter - er darf das vielleicht [.] das ist scheiße - aber ich darfs nich [.] und nur weil ers darf - darf ichs auch nicht machen [.] also - wie du mir so ich dir.

I: Meinst du die meisten Fehlverhalten die passiern liegen eben daran, dass Polizisten - menschliche Schwäche [S: Ja] eben manchmal doch haben?

S: Ja [.] Ich glaub das ist einfach [..] dann das Fass voll ist - ob davor irgendwas privat war, ob er vorhin'n Kollege blöd angemacht hat, ob man nichts zu essen bekommn hat - ähm ja und dann kommt halt noch einer der einen so zehn Minuten einfach nur drangsaliert [.] und dann - ist halt einfach glaube ich das Fass voll - dann war das einfach zu viel an einem Tag - und dann platzt man glaub ich einfach [..] und ja - das ist halt das was man nicht darf - aber auf der einen Seite halt menschlich verständlich - weil man kommt halt aus der Situation auch nicht raus - also ich kann jetzt nicht mal kurz mich rum drehen und sagen: Macht ihr mal - sondern ich muss da halt einfach stehen bleiben [.] und kann nicht gehen.

I: Und man steht als Polizist, also - würdest du sagen [lachen] man steht als Polizist - ähm viel mehr unter anderem Stress [S: Ja] gegenüber als - als Zivilperson?

S: Ja schon - weil man hat halt nicht die Möglichkeit - ich darf nicht zuschlagen und ich kann nicht weg rennen [.] und das sind halt eigentlich so die zwei Instinkte wo'n Mensch halt hat - also entweder ich setz mich der Situation aus [.] oder ich geh aus der Situation raus [lachen] und du musst eigentlich in der Situation bleiben - darfst aber nicht handeln - außer es kommt irgendwas - über Funk - von wegen zieht den Raus, oder macht sonst irgendwas [.] dann darf ich ihn zwar rausziehen, aber immer noch human - also ich darf immer noch nicht meiner inneren Wut freien Lauf lassen, sondenr ich muss das halt immer noch separieren und quasi aushalten.

I: Würdest du [.] sagen - dass sowas wie - also auf Gewalt mit Gegengewalt reagieren - dass das gefördert werden kann durch Gewalttraining [fragend]

S: Ja ich denk schon - also [.] das ist halt oft in den Trainings das wir dann auch - dich anbrüllen, so zeug machen [.] ähm - dass du das da lernst und des - sie sagen auch immer explizit: es geht nur um Verteidigung [.] das ich mal jemanden eine einschenke ist klar [.] weil das einfach aus der Situation raus ist - aber ich darf ihn nie vermöbeln [.] also ich darf ihm eine - ins Gesicht schlagen - dass er'n Meter Abstand zu mir hat und ich aus der Situation raus komm [.] und ich die anders lösen kann - mit Fesselung oder sonst irgendwie [.] aber ich darf mich da jetzt nicht aufne Schlägerei einlasen [.] also das sagen se auch wirklich konsequent - das ist nur um die Situation zu beenden [.] und nicht da jetzt ne Schlägerei, oder sonst irgendwas anzufangen, aber [.] am meisten lernt man das glaube ich echt draußen - also man muss da sich echt - ja ne Schutzhaut zulegen an der das halt einfach abprallt - und gut ist.

I: Also man muss sich quasi eingestehen, das'n bisschen Gewalt - realistisch gesehen [.] nötig ist [fragend]

S: Ja [.] also manche Situationen zu klären schon [I: Okay] Also das sag ich auch dann [..] muss ich - muss man sich immer - also schubs ich den jetzt lieber einfach mal weg, oder setz ich gleich mein Pfeffer ein - also die Möglichkeit hab ich ja [.] ähm - wo ich halt sag, dann schubs ich ihn halt weg [.] also klar wird das nicht gern gesehen wenn du jemanden direkt weg schubst - aber bevor ich ihm jetzt ne Ladung Pfeffer ins Gesicht haue [.] schon - also klar sagt immer das Wort des Polizisten - ist Macht, aber [..] irgendwann muss man halt auch Taten sprechen lassen - also muss man sich durchsetzen [I:Mhm] und des ist quasi nur ein mal und dann wird's auch wieder ruhiger - also dann mit fesseln, oder irgendwie fixieren - und dann ruhig weiter machen [.] aber dieser kurze Moment wo man sich quasi durchsetzt, der ist manchmal halt nur mit Gewalt zu lösen; beziehungsweise wenn mich halt einer angreift [.] dann hab ich natürlich [.] ja dann ist es mir verwehrt mich auch zu wehren [I:Mhm] Halt eben nur so weit, dass ich die Situation anders unter Kontrolle bringen kann

I: Mhm, interessant [s kichert] Ähm [ ] du musst ja als Polizistin n'Eid leisten [..] was bedeutet

das für dich?

S: [...] Ich hab ihn vorne an der Fahne sogar geleistet [Lacher] Ich war eine der Auserwählten, obwohl ich da nicht hin wollte [lachen] Ähhm [.] ja, also es sind halt einfach die Gesetze - wie vorhin schon [.] die ich einfach beachten muss - ob ich das jetzt menschlich total super finde, oder nicht [..] es ist so [.] Also man kommt auch oft in die Diskussion, dass die Leute sagen: Das Gesetz ist scheiße - und das find ich doof und [.] total rechtswidrig - und das braucht keiner [..] [I:Mhm] Aber dann sag ich: Ja - das is - das sind meine Sachen - und daran muss ich mich einfach halten [..] Wenn ihr das blöd findet

- dann sagt es jemand anderen aber nicht mir - also ich setz die einfach um - das ist halt einfach so - also die Sachen gibt's - ob ich das jetzt selbst blöd finde oder nicht interessiert nicht [.] sondern ich machs einfach [.] also des is der Handlungsrahmen - entweder es ist strafbar, oder nicht strafbar und das setz ich um.

I: Und ähm [...] mit dem Eid nochmal. Das ist für dich ne reine Gesetzesgrundlage? Oder denkst du

- hat das irgend nen positiven oder negativen Wert für dich?

S: Ja ist halt schon, dass man immer wieder daran denkt, dass man sich auch daran halten muss - also man hat das gesagt - und man [.] hat darauf geschworen - und - deswegen setzt man diese

Gesetze auch um und steht dahinter [.] und steht im Endeffekt auch eben hinter - hint - hinter Deutschland - also des ist bei uns halt so und deswegen setz ich das auch vor ausländischen Bürgern oder so durch [.] also das man - ja vor allem halt das Grundgesetz wart [.] und eben da auch wieder die Menschlichkeit [.] klar ich schenk einem - schlag einem ins Gesicht [.] aber das ist nur um mich selber zu schützen - und ansonsten beachte ich sofort wieder seine Menschenwürde.

I: Ich guck mal obs noch eine - //[S: Ach is cool] [lachen] Ähm [...] also worauf schwörst du genau?

S: Auf das Grundgesetz.

I: Auf das Grundgesetz, das heißt [..] ähm [] gehört - ist es - also - ist für dich Deutsch sein damit verbunden - das Grundgesetz äh - quasi zu akzeptieren, so wie es ist und anzuerkennen?

S: Ja, ob das jetzt was mit deutsch zu tun hat - oder nicht, auf jeden Fall jeder der in Deutschland lebt hat sich an die Grundgesetze zu halten - hat auch das Recht [.] äh diese Gesetze in Anspruch zu nehmen [..] aber ja - muss sich halt eben auch darunter beugen [.] wenn ihm was nicht passt - dann ist - mag das sein, aber [Lacher] ist es halt nicht so ne.

I: Gut - ähm [...] gibt's irgendwas politisches was du am Polizeiberuf ändern würdest [.] wie er ausgeübt wird [fragend]

S: Ausstattung - also wir bekomm jetzt glücklicherweise n zweites Magazin [...] ähh ja eventuell auch noch unsere Schutzweste - ich hab das noch nicht so ganz verstanden muss ich zugeben, aber ich glaub sie hält nicht wirklich'n Schuss ab - sie dämpft ihn [.] ähm, sie ist auch nicht Stichfest - äh ja halt eigentlich eher so Ausstattungsdinge; so Dinge wie Personal brauch ich glaube ich nicht ansprechen, weil des hätte jeder gern mehr - ich glaub jede Behörde hätte mehr, jeder [.] ja der sichs irgendwie leisten könnte inner Firma hätte gern mehr Personal [.] ähm - ja halt so Ausstattungsdinge, Sicherheit - weils ja doch immer mehr Angriffe gibt - weil hat einfach der Respekt sinkt [.] und da halt einfach wirklich seine Leute konsequent schützen zu können [..] also gegen ne Kalaschnikow brauch ich mit 15 Schuss nicht komm'n [..] und es wird halt dann von einem erwartet das man gegen den Mann was macht - aber [.] ja - 15 Schuss könn ganz schnell draußen sein - und ich hab einfach nichts erreicht [lachen] und des ist halt - wo ich jetzt sagen würde man müsste sich auf die neuen Situationen - die jetzt einfach [.] kommen oder schon [.] gegeben hat - das man halt auf die auch adäquat reagieren kann.

I: Was meinst du mit neuen Situationen?

S: Ja Terroranschläge - also es kann ja jeden von uns treffen - es ist gut, dass es Spezialeinheiten gibt [.] aber leider der erste vor Ort ist immer noch der Streifenbeamte [..] und der muss dann halt erstmal schauen wie er mit der Situation klarkommt [.] und das die irgendwie löst - oder ja - versucht zu lösen [.] und da halt - das man halt vor allem - ja den Einzeldienst besser ausstattet.

I: Denkst du man ist da als Polizist, oder als Polizeieinheit irgendwie allein gelassen und nicht irgendwie genug unterstützt von der Gesellschaft?

S: Ja, es wird halt einfach von einem erwartet - also alle können weg rennen und ich muss hin [.] also ist ja genauso bei Amokläufen [.] ähm - man lernt - also es wird von einem erwartet, dass man reingeht - wobei man persönlich glücklicherweise noch sagen kann: Nein das mach ich nicht, weil ich jetzt - von mir aus n'zehnmonate altes Kind daheim hab - ich sag ich geh da nicht rein - weil ich kann

ja wirklich jeder Zeit auf ihn treffen [.] aber wenn dann halt die ganzen Schüler rauslaufen - eventuell auch schon Eltern da sind - dann macht das'n verdammt schlechtes Bild wenn du als Polizist neben deinem Streifenwagen stehst [.. lachen] Also das ist dann halt irgendwie so - es wird von einem erwartet, aber menschlich - nein will ich jetzt eigentlich grad nicht - und dann muss man halt handeln - oder je nachdem die Situation halt aussitzen. [lachen]

I: Ähm du hast grad ja gesagt dass der Respekt sinkt [s: mhm ] ist das was, dass deiner eigenen Erfahrung entspricht - oder woran machst du das fest?

S: Es kommt - also es kommt echt immer drauf an auf wen man trifft - also ähm [.] die meisten [.] respektieren's doch schon - es ist eher so die Jugend [.] also klar, ich bin jetzt auch erst 21 - ich glaub das kommt dann halt auch immer n'bisschen blöd wenn mancher Älter ist und man dem jetzt was vorschreiben will [.] ähm - ja, aber es ist eher so die Hemmschwelle [.] jemandem Gewalt gegenüber zu erbringen [.] also ich glaub das ist auch einfach - gesellschaftlich schon unternander - also es gibt ja immer diese Leute die sagen: Warum guckst du so doof? [I: Mhm] Und dann bereit sind jemanden zu schlagen - also von daher würd ich nicht immer sagen, dass es gegenüber der Polizei ist - sondern, dass diese Leute einfach generell oft gewaltgeprägt sind [.] und das halt so machen - also ich glaub das ist jetzt nicht schlimm - also die interessierts dann halt nicht [.] also die würden mich wahrscheinlich genauso schlagen wenn ich da in Zivil steh - als wenn ich in Uniform steh - von daher ist's denen wahrscheinlich egal [.] und dann sagt halt wer der Respekt gegenüber der Polizei sinkt [.] und wahrscheinlich denkt - henkt - Mensch der hat ne Uniform an - wann machts bei dir im Kopf mal: Klick [..] aber ich glaub das liegt dann halt einfach daran, dass derjenige der so handelt - dem ist das egal [.] also dem ist halt einfach - nichts hängen geblieben oder so [lachen]

I: Ähm - warum allgemein - also warum allgemein wird Polizisten manchmal weniger Respekt entgegen gebracht - was meinst du - ist das so, dass die Uniform irgendwie entpersonalisiert?

S: Wahrscheinlich schon - also viele sehen einfach nicht die Menschen dahinter - oder haben eventuell mal - schlechte Erfahrungen damit gemacht [.] seis - keine Ahnung falsche Verdächtigung oder so - also quasi dass - jemand [.] ja - schlechte Erfahrung mit der Polizei gemacht hat und das irgendwie für einen stressig war [.] also das man nichts positives mit der Polizei verbindet [.] und das man deswegen dann einfach denkt: Ja schön und gut - aber ich hab jetzt nichts getan, also kannst du mir auch nichts [.] und das es da halt teilweise auch einfach nervig empfunden wird - ich denke das ist auch immer so, dass Leute immer unter Stress stehen - immer unter Zeitdruck [.] und dann ist es ja eigentlich schon ne Schande wenn du'n Geschäftsmann rausziehst - also das wird dann schon - ja also „was fällt ihnen ein [.] also ich bin jetzt auf dem Weg zu nem Geschäftstermin - die fünf Minuten hab ich jetzt nicht" und des ist glaub ich egal ob man jetzt Polizist ist - oder nicht, sondern da zählt jetzt die Zeit und man muss pünktlich sein und Geld verdienen [.] und da stör ich jetzt einfach [.] also ich stör jetzt quasi den Lebensrhythmus [.] ja - und das wollen sie halt nicht [.] das wär wahrscheinlich beim Zoll genauso und [.] ja bei ner Baustelle würden sie sich wahrscheinlich genauso aufregen, also ich glaub das ist dann - einfach nur die Situation dass ich grad störe - egal wer das ist.

I: Mhm [...] hm - hast du [.] ein Bild - von Polizei gehabt, bevor du die Ausbildung angefangen hast?

S: Ja schon, halt eher das Freund und Helfer - was man so kennt [.] ähm - aber natürlich auch so das negative - was man'n bisschen verdrängt [.]aber halt eher so den spannenden Beruf - das das toll ist und Spaß macht - und einen doch die meisten Menschen dafür dankbar sind was man - dafür dankbar sind was man macht [.] und eigentlich schon akzeptieren - also so viel negatives hab ich jetzt in den drei Jahren auch nicht erlebt [seufzen] und selbst - ja es warn einfach einige Vollidioten, denk

ich mir: ja es gibt auch noch genug andere Menschen [lachen]

I: Okay, hast du noch irgendwas worüber du gerne reden willst - was du wichtig findest [.] was dir

eingefallen ist zwischendurch, wo ich nicht nachgehakt hab, oder so?

S: Nee [.] alles gut [lachen]

I: Okay, dann wärn das alle Fragen von mir ...

Interview B: Beatrice, 21, 4. Ausbildungssemester KriPo Berlin

Interviewerin: Du (..) machst unter der Woche dein Studium auf der Polizeischule. #00:00:12-0#

Beatrice:Genau.

Interviewerin: Ähm(..) Warst du gestern dort? #00:00:18-5# Beatrice: Ja! (lachend) #00:00:18-5#

Interviewerin: Wie war denn dein Tag da ungefähr so? Was hast du so gemacht?

Beatrice: Ähm(.) Ich hatte von acht bis sechzehn Uhr Uni(..) Ähm(..) Und ich hatte zwei Module, ich hatte zuerst vier Stunden lang Einsatzlehre, also es ist so, wir haben ne Klasse von dreißig Leuten, ne feste und ähm da hatten wir erstmal Einsatzlehre, das sieht immer eher so aus also wie, ja, in 'na großen Uni, also der Dozent erzählt vorne und äh wir schreiben mit. Und ähm n bisschen interaktiver ist es auch als in 'na normalen Uni aber (.) man muss sich nicht melden. Ähm (.) und danach hatte ich ähm Kriminaltechnik. Ähm ja da lernen wir sowas wie wie man Spuren sichert am besten und wie man die dann verpackt und (unv.) waren dann acht Stunden insgesamt und ja dann konnt' ich nach Hause. (lachend) #00:01:06-0#

Interviewerin: War das 'n typischer Tag?

Beatrice: Ja! Das ist n typischer Tag.

Interviewerin: Ähm. Ich weiß jetzt nicht genau, ob das immer überall gleich aufgebaut ist- Hast du auch praktische Module?

Beatrice: Genau, ja, also, das läuft so ab: Immer (.) In der ganz normalen, ähm, im Semester hab' ich eigentlich nur Uni und immer wenn ihr alle so Semesterferien habt , hab ich halt Praxisphasen, da hab ich dann halt 'n Praktikum, mal hier auf'm Abschnitt oder ich hab' so 'ne Sachen wie ähm ja so ähm Rollenspiele und sowas alles, das hab' ich dann an 'nem anderen Standort und dann muss man so Einsatztrining, sozusagen, machen (..) Also, in der Uni hab' ich eher Jura, ganz viel, so Theorie. Und in den Semesterferien, wenn ihr die habt, hab ich halt Praxis pur, ja.

Interviewerin: Machst du (.) ähm eher Praxis lieber oder Theorie?

Beatrice: Ähm Praxis an sich macht mehr Spaß. (.) Äh da hat man halt, also da ist man immer schon 'n bisschen unter Druck, also man hat schon Herausforderungen, auch so Rollenspiele hab' ich am Anfang gehasst, deswegen, weißt du, da gucken halt alle, du wirst gefilmt, wie du reagierst und (..) jetzt mittlerweile mag ich es, aber am Anfang dachte ich immer: Ok in der Uni kann ich mich hinsetzen, zuhören und- das ist entspannt, aber an sich: Praxis ist schon besser, vor allem das ist auch für unsere Arbeit glaub' ich wichtiger, als dieses ganze Theorie-Zeug. Ja, also Praxis an sich ist schöner. #00:02:27-7#

Interviewerin: Was meinst du damit genau, man steht da 'n bisschen unter Druck?

Beatrice: Ähm naja, Rollenspiele an sich, also, ähm, es ist oft so, also wir hatten so Rollenspiele wenn du ähm in' Park gehst und jemanden nach seinem Ausweis fragst, weil er dir irgendwie auffällig erscheint, stehst du da, dem gegenüber, und plötzlich holt er 'n Messer raus, oder so und neben dir sitzen alle anderen Polizeischüler und äh Lehrer und so und die gucken halt, wie du reagierst. Das ist halt alles auch 'n bisschen Psychologie, wie äh du wirst gefilmt und da ist man dann schon so 'n bisschen aufgeregt. Ja das sind so Situationen, die mag man nicht gerne, aber die müssen halt sein (lacht). Ja. #00:03:04-4#

Interviewerin: Also es geht da um, wenn ich das richtig verstanden hab' so um die Rückmeldung von den

Beatrice: //Genau// Interviewerin: Kollegen und

Beatrice: Genau, nachher bespricht man dann: Wie hast du reagiert, was könntest du besser machen und (.) ja sowas ist dann halt. mhm

Interviewerin: Würdest du sagen, dass, also - Ist das 'ne große Herausforderung?

Beatrice: Ähm- Mittlerweile nicht mehr, weil am Anfang, also nach der Schule (.) ähm das krasse ist bei mir halt, ja, ich bin

ja direkt nach dem Abi da hin, und ich hab andere- meine ganzen Klassenkameraden sind alle im Schnitt 25 Jahre alt oder

sogar 30 ähm und die haben halt mega viel Erfahrung und Selbstbewusstsein, ne? Und du kommst da als 19-jährige dann noch

an und vor dir steht 'n Trainer und will dich irgendwie mit 'nem Messer bedrohen, sozusagen (lachend) (unv.) Weil am Anfang

war ich echt schon überfordert und dachte so: Na, ist dis das richtige für mich, aber man, man, man wächst da hinein und ich

glaub' auch, dass ich mich so entwickelt habe jetzt, also (..) mittlerweile ist das alles in Ordnung. #00:04:00-7#

Interviewerin: Ja. Ähm. Das interessiert mich. Kannst du dazu mehr sagen, wie das für dich war, ähm, direkt auf die

Polizeischule zu wechseln und ähm, inwiefern war'n irgendwie die Anforderungen da anders als in der Schule?

Beatrice: Ähm. Die Anforderung ist da anders, dass du ähm also erstmal Studium: Du musst sehr viel für dich selber

machen, also in der Schule hatten wir ja immer noch die Lehrer, die da gesagt haben, die dich da mal persönlich angesprochen

haben, ähm und dann, ja, also im Nachhinein denke ich mir, ich hätte lieber ein Auslandsjahr oder sowas gemacht gehabt,

damit man einfach also, ja, dass man mal reifer ist und mehr Selbstbewusstein hat (.) ähm (.) ja. Ich glaube an sich ist es

besser, wenn man bei der Polizei anfängt, schonmal vorher was gemacht zu haben. Ja. Also ins kalte Wasser wird man eher

geworfen ich ähm war mir auch nicht sicher, ob ich, ob Polizei das richtige ist und hab (.) ja, sehr viel auf meine Eltern gehört

gehabt, die meinten: ja, geh mal zur Polizei und hatte auch wirklich, wenn ich ehrlich bin im ersten Jahr so'n paar Zweifel. (.)

Aber, ja, man braucht halt echt seine Zeit um da Selbstbewusstsein zu erlangen, weil ah Polizei ist wirklich ein Beruf, weißt du,

du bist (.) immer, bist von der Öffentlichkeit beobachtet, du wirst heutzutage mit'm Handy gefilmt, wenn du auf der Straße bist

und mit jemandem redest (.). Ja, ist schon (.) (unv.) hat muss schon (.) gut (.) weiß ich nicht (gemurmelt) Ja, wie sagt man das

denn- Gut, repräsentieren? (.) ja. #00:05:28-0#

Interviewerin: Wie empfindest du so die Einstellung von der Bevölkerung der Polizei gegenüber?

Beatrice: Ja hier in Berlin - schlecht . Also, ähm, ja, irgendwie, also kaum jemand hat noch Respekt ähm eigentlich vor der

Polizei äh (.) vielleicht in Zehlendorf oder so ham' die das noch aber (.) ja mittlerweile in Mitte oder in Neukölln oder so da hat

wirklich (.) da ist es schon glaub ich nicht leicht Polizist zu sein. Früher war das glaub ich wirklich so: Oah Polizist, Polizei hier,

alles toll und wir trau'n uns nichts mehr, aber heutzutage (..) ja, vorallem das Recht auch in Deutschland ist halt irgendwie das

(.) Du nimmst jemanden fest und plötzlich steht er dann am nächsten Tag wieder auf der Straße, weil man ihm jetzt nichts

anhaben konnte, weißt du, das ist auch so 'ne Sache, da (..) verschwindet (.) irgendwie so dieser Polizeistand (.) so nach unten.

#00:06:23-6#

Interviewerin: Der Polizeistand: (.) Hat der- also, dieses Berufsbild Polizei, ähm, war das was, was deiner Eltern dir quasi

mitgegeben haben und gesagt haben, es ist quasi 'n angesehener Beruf, du solltest den machen?

Beatrice: mhm, ne Das war eigentlich eher dieses verbeamtet sein. Dass du 'n sicheren Job hast, ähm, du kannst nie

gefeuert werden, du hast (.) immer 'n Einkommen. (.) Das verbeamtet sein war bei denen glaub' ich so (.) also das haben die

mir halt immer gesagt, so, ja, du bist dann verbeamtet und du, dir kann nichts passieren und so weiter, das war glaub' ich so

deren Hauptargument (.) ja. Aber das sagen mir also jetzt viele (..) Wir werden halt auch oft gefragt, ja, warum seid ihr bei der

Polizei und die Klasse sagt halt, voll viele sagen, ja: Sicherheit. Du hast 'n sicheren Job, das ist halt in der freien Wirtschaft (..)

naja hast du's halt eben nicht so. #00:07:11-2#

Interviewerin: Aber trotzdem sind ja, also , bei der Polizei sein, es gibt ja auch andere sichere Jobs, mehr oder weniger,

das ist trotzdem noch irgendwie 'n

Beatrice: spannender Beruf

Interviewerin: //spannend?

Beatrice: Also//, genau, und du hast Abwechslung. Es gibt, die Polizei, du hast so viele verschiedene Sachen, wo du

arbeiten kannst: Du kannst, wenn du willst, im Büro arbeiten, Sachbearbeitung machen, du kannst aber auch auf der Straße

sein, du kannst (.) in Schulen arbeiten, mit Kindern, präventiv (.) tätig werden, also du kannst da echt (.) dich frei entfalten, also

für jeden ist da was dabei, deswegen, dass war dann auch für mich- Das hab' ich jetzt aber erst im Nachhinein so festgestellt,

wo ich dachte, ja, eigentlich, auch wenn ich jetzt in einem Bereich vielleicht noch nicht so glücklich bin, kann ich mir 'was

anderes suchen, worin man mehr aufgeht. #00:07:50-1#

Interviewerin: Weißt du schon, wohin du ungefähr gehen willst?

Beatrice: Ne. Also ich hab' ähm (.) im (.) fünften Semester hab' ich 'n Praxissemester 'n halbes Jahr lang und da guck ich

mir mehrere Bereiche an und ich ich hoffe, dass ich da dann (...) ja was herausfinde. Aber an sich, jetzt grade interessiere ich

mich sehr für ähm (.) Sexualdelikte und mit den Opfern zu arbeiten (..) dis ist so oder Mordkomission, aber da will jeder

irgendwie hin, da brauch' man erstmal 'n bisschen Berufserfahrung (.) aber ja irgendiwie so in die Richtung erstmal. Und später,

wenn ich älter bin, denk' ich, dann kann ich auch gerne im Büro arbeiten, wenn man Gleitzeit hat, also morgens hingehen und

abends nach Hause. (.) Ja. #00:08:27-3#

Interviewerin: Was findest du spannend an der Arbeit mit den Sexual // deliktesopfern?

Beatrice: Ähm// So, die Hintergründe (.)ähm(..) Das ist auch oft werden ja immer die Frauen auch als Opfer dargestellt, aber

häufig ist es halt so, dass , ist oft bei Prostituierten halt so, dass die das dann sagen: Ja, der hat mich vergewaltigt. Und (.) die

lügen halt auch oft, weißt du, damit die irgendwie, ja, frag mich nicht warum! Ähm (.) Ja, das find' ich ja sehr interessant, und

auch (..) da gibt's halt auch so diesen Part mit Kindern und ich arbeite gerne mit Kindern zusammen und (...) Ich glaub' das ist

auch 'ne Herausforderung (.) wenn Kinder jetzt irgendwie vergewaltigt werden, glaub ich, da muss man (..) also schon mit

denen gut reden können un (..) Einfühlungsvermögen zeigen (.) Ja. Also das finde ich eigentlich recht interessant. Muss man

mal schauen, ob man damit klar kommt, man kann's jetzt so, wenn man theoretisch darüber redet wahrscheinlich nicht sagen,

aber (...) ja, wenn ich mal 'n Praktikum da mache (.) hoffe ich, dass ich da mehr sagen kann. #00:09:25-3#

Interviewerin: Was sind so die ander'n Sachen, die du im Praktikum machst?

Beatrice: Ähm

Interviewerin: Oder (lachend) sind das überhaupt die Sachen?

Beatrice: Ja, also (.) das mit den Sexualdelikten ist im Landeskriminalamt (..) Und dann bin ich noch ganz normal (..) ja auf

in'er Direktion 4, also Tempelhof, und so, Zehlendorf, die Ecke, da bin ich dann erstmal, ja, stationiert, sozusagen und da hab'

ich Schichtdienst und immer wenn 'n Anruf kommt, bin ich zuerst vor Ort. Also egal ob's 'n Einbruch ist, also bei Einbrüchen bin

ich da, ob's sogar vielleicht 'n Mord ist (.) ob's, ja, was gibt's n noch so- Ja meistens is's immer Einbrüche hier, da kommen wir

dann halt an und sind erstens mal die ersten vor Ort, nehmen alles auf, fragen kurz Zeugen und sichern 'n paar Spuren (..) Und

ja gehen wir wieder zurück, schreiben unser'n Bericht (.) und das war's dann, das ist so- das nennt sich K1, Kriminalkomissariat

eins(..) ähm ja, das mach' ich sechs Monate lang, das man halt immer die erste vor O- die erste Person beim Ort ist(..)ähm Ja

dann mach' ich sechs Wochen lang Sachbearbeitung ,das man dann, da ermittelt man schon wieder 'n bisschen mehr aber

is'dann dis halt dann (unv.) halt beim ersten Praktikum sozusagen war, dann machen die ander'n das, das sie den Fall

übernehmen und dann tiefer reingehen und noch mehr Zeugen oder sich nochmal alles anschau'n, die Spuren auswerten (.)

das macht man dann im, ja, im zweiten Praktikum und im dritten dann dieses(.) im Landeskriminalamt. Da bin ich aber jetzt ähm

(.) gelandet beim Staatsschutz, das heißt Islamismus, so, dass ich da Abhörmaßnahmen begleite (.) ja von wegen wie die

Sicherheit in Deutschland oder Berlin halt dann sozusagen ist. Da bin ich dann noch sechs Wochen. Ja. #00:11:08-1#

Interviewerin: Und das ist, was jetzt kommt? (.) Und was hast du bisher so an praktischen Sachen gemacht?

Beatrice: Mhm (bejahend) Leider nicht so viel. Ähm, das ist n bisschen doof in Berlin. Ähm, ich war bisher (.) drei Tage bei

diesem Komissariat eins, wo ich dann(.) nur tagsüber mal mitgefahren bin zum Einbruch (.) Ähm Ja war sogar einmal ganz

spannend, da war ich ähm (.) ja bei 'nem berühmten Rapper hier in Berlin (lacht) bei dem wurde eingebrochen und, ja das war

auch ganz interessant und nachher hat sich herausgestellt, das war irgendwie Versicherungsbetrug. Der Einbruch der war nur

fingiert und das war ganz spannend. Weil, da war ich halt drei Tage lang(.) und dann war ich bei der Schutzpolizei. Ich bin ja bei

der Kriminalpolizei und da war ich noch- da war ich sieben Tage lang auf 'nem Abschnitt ehm, ja, ich glaub hier (deutet mit der

Hand) Götzstraße oder so. Und da waren, ja Verkehrsunfälle, also das ist halt so gar nicht mein Ding, also wirklich, hier der

T-Damm immer schön Verkehrsunfall wieder gehabt(..) War 'n bisschen langweiliger. Und sonst- Ja. Also ich war wirklich

sieben Tage bei der Schutzpolizei und drei Tage (..) bei der Kriminalpolizei bisher. #00:12:21-0#

Interviewerin: Und, wie hast du das so empfunden? Du warst da ja bestimmt mit zwei anderen Kollegen unterwegs

Beatrice: //Mhm (bejahend)

Interviewerin: oder sowas//. Wie war der Umgang mit denen?

Beatrice: Ähm: Unterschiedlich, weil man immer mit ander'n Kollegen unterwegs war. Also bei der Kriminalpolizei die drei

Tage, das hat mir nicht so gut gefallen, weil (..) ja die haben (.) Ich hab' mich da 'n bisschen fehl am Platz gefühlt, weil: Das

waren schon ältere, und die sind ja meistens so: Argh, da ist mal wieder jemand, dem wir alles zeigen müssen, hm, hm ,hm.

Das war bei der ähm Schutzpolizei dann schon besser, da hatt' ich ja einmal zwei junge, die waren eigentlich auch grade erst

mit 'm Studium fertig, und die waren noch total motiviert und das hat dann Spaß gemacht gehabt, aber, man muss halt Glück

haben, irgendwie mit der Person, die man da hat, also (.) Da gibt's leider bei der Polizei auch einige, wirklich, die nur noch die

Zeit absitzen bis sie da endlich in Pension gehen (..) Ja. #00:13:12-1#

Interviewerin: Was ist dann die Konsequenz daraus, dass die nur noch die Zeit absitzen? (.) Und da auch nicht mehr so motiviert sind?

Beatrice: Also ein bisschen, also so in der Polizei, das ist schon so ne kleine (.) ja, da wird auch viel gelästert, dann, von wegen: Ach der, der macht ja eh nichts mehr. Du musst halt auch immer Zahlen 'n bisschen bringen, von wegen: Wenn du gar nichts mehr- So unmotiviert hier durch die Straßen fährst und alles übersiehst- kommt auch nicht gut an und ist halt auch bei unser'n Schü- also bei unser'n Schülern. Viele haben immer gesagt, nach dem Praktikum: Ja, die 'ham sich gelangweilt (.) weil nichts zu tun war, weil keiner jetzt gesagt hat: Komm, ich zeig dir mal dis und dis (..) Ja das ist halt dann bei den- meistens bei den älteren so. Die sind so unmotiviert (..) Ja, aber man kann sie halt auch nicht rausschmeißen, ne? (lacht) Man ist halt verbeamtet und (.) ja. #00:13:57-5#

Interviewerin: Ist das üblich, dass die Leute mit dem Alter irgendwie unmotivierter werden?

Beatrice: Hm. (..) Als. an sich- was ich jetzt erlebt hab', würd' ich sagen: Ja. (.) Aber (.) Ja, ist halt eher so bei der Schutzpolizei gewesen, ich weiß nicht, wie das jetzt nachher ist, wenn du da bei der Kriminalpolizei bist (..) Und ich hab' auch schon oft gehört, dass äh viele Leute andauernd ihren Bereich, wo sie arbeiten wechseln. Ich glaube, wenn man das macht, ist man wahrscheinlich dann, ja- Haste immer mal wieder was neues, 'ne neue Herausforderung. Es gibt halt immer- Ich glaub' es gibt in jedem welche die halt kein' Bock mehr haben, aber irgendwie jetzt- ich hab'- also ich hab' de anscheinend immer abbekommen. Ich hoffe, es wird halt anders sein. Ja (...) Ich glaub' (..) man kann das nicht so pauschal sagen, dass die bei der Polizei dann alle kein' Bock mehr dann nachher haben (lachend). Aber ist halt schon- Wenn man sich überlegt- 'n anstrengender Beruf. Also so, vorallem als Schutzpolizei, so, du (.) musst auch viel körperlich leisten, du hast immer deine Uniform und (..) das ist schon anstrengend, also das ist auch körperlich irgendwann (..) irgendwann will man dann auch nur noch im Büro arbeiten und dejenigen, die 's eben nicht machen wollen, nicht im Büro arbeiten, da- die werden halt irgendwann träge, glaub ich. #00:15:06-7#

Interviewerin: Was, denkst du kann seelisch oder psychisch anstrengend werden?

Beatrice:Oh ganz viel, als(.) So Sachen, wo Kinder eben misshandelt werden oder so, das ist glaub ich schon so 'ne Sache, die ist, wenn man die mit nach Hause nimmt, auch die Bilder, die man dann immer im Kopf hat oder (..) ja. Ermordete Leichen oder so, ja wir ham' ja auch in der Uni das Fach Rechtsmedizin (..) da sieht man auch immer schon Bilder, also (...) ja. Wir lernen auch schonmal mit.. mit so 'nem komischen Humor 'ranzugehe,. Also wenn man jetzt auch so 'ne S-Bahn-Leiche hat, oder so, da- die sehen halt echt manchmal nicht schön aus, weißt du da (.) und dann ja - gab's da auch zum Beispiel 'n Bild, wo so der Kopf- sah aus wie so 'ne Maske, weil die Haut ab war und (lacht) ja da sagen wir auch immer schon: Ja, kannst du dir die Maske aufzieh'n oder so, also man muss dann schon mit 'nem komischen Humor rangehen, damit man- damit man das nicht äh, ja, zu viel mitnimmt (..) Abe. (.) bei der Polizei gibt's ja auch extra so Psychologen und so, zu denen man gehen kann. Ähm (.) ja. Muss halt jeder für sich selbst wissen: Wenn man nich' mit so was klarkommt, dann geht man eben (..) zur Ki- äh zu den Kindern in die Schulen und ist da präventiv tätig also man muss da schon (.) glaub ich hart im nehmen sein. (..) Ja. #00:16:19-6#

Interviewerin: Ähm (..) Wie ist das, du hast damit wahrscheinlich noch keine Erfahrungen gemacht, aberwenn man manchmal angegriffen wird, als Polizist, auf der Straße, hast du sowas schonmal erlebt?

Beatrice: Äh, ne. Noch nicht. Aber bei mir hatten sie's jetzt schon oft angesprochen, auch bei Bewerbungsgesprächen und so, weil ich halt blond bin und groß, das es schwer wird, wahrscheinlich, so, also, vorallem in Uniform, dann, ja, Respekt sich zu verschaffen. (..) Ja, ich bin mal gesopannt, also (.) bisher war ich immer nur die dritte Person, so, im Bunde, und die ander'n beiden sind immer vorgegangen und ham' alles geregelt. (...) Aber ich hab' jetzt bisher noch nie was mitbekommen, wo jemand irgendwas meinte (.) von wege.: Uh, Polizei und (.) naja, noch nicht. #00:17:05-9#

Interviewerin: Ok, gut. ..) Ähm (..) Ja. Hattest du vor der Ausbildung schon Kontakt zur Polizei?

Beatrice: mh- Nein. Eigentlich wirklich gar nicht. (lacht) In meiner Familie hat' ich gar keinen, ähm, auch kein Praktikum da gemacht gehabt. (..) Ja, nur durch Hörensagen, so- von mei'm Papa is' 'n Kumpel bei der Polizei und mit dem hab' ich immer mal gequatscht gehabt, aber- ne, sonst noch gar nicht. #00:17:36-1#

Interviewerin: Was war da so deine Vorstellung oder dein Bild von dem Beruf?

Beatrice:Ähm (.., Ja, so'n bisschen Tatort-mäßig, so, diese Film., da hatte ich so 'n bisschen das Bild, so. Man ermittelt total toll und (.) äh, ja. Also, wenn ich ehrlich bin, war dis so mein Bild da, ich hab echt mich vorher nie so damit befasst gehabt (..), aber weiß jetzt, dass das auch so 'n bisschen mehr Papierkram ist, was da auf einen zukommt . (..) Ja. (..) mhm. #00:18:06-1#

Interviewerin: Ähm (...) Würdest du sagen, dass der Beruf in irgendeiner Weise zu dir passt, zu deinem Charakter oder so?

Beatrice: Ähm, ja, also, vorallem weil, wie ich ja schon meinte, das so abwechslungsreich ist, glaub ich, dass da wirklich für jeden was dabei ist. Man muss vielleicht auch erstmal suchen, wo man da rein passt (..), aber man hat ja die Zeit, sich verschiedene Sachen anzuschauen und man wird ja auch gefördert, je nachdem: Du gehst zu deinem Vorgesetzten und sagst, du würdest dir gerne mal die Kriminaltechnik anschauen, dann hast du bestimmt auch die Möglichkeit, da mal reinzuschnuppern und dann vielleicht dahin zu gehen. Also (..) ja, ich weiß noch nicht was genau zu mir passt, aber ich denke, ich werde das auf jeden Fall finden. #00:18:46-8#

Interviewerin: Also würdest du sagen, dass es für jeden was ist?

Beatrice: Ja. An sich- ja. mhm (bejahend)

Interviewerin: Keine Ausnahme?

Beatrice: Ne, fällt mir jetzt nicht ein, weil: wirklich, du kannst auch (.) Du kannst am Schreibtisch sitzen, du kannst auch im technischen Bereich, so Forschung so 'n bisschen in der Kriminaltechnik da arbeiten (..) Ja, du kannst auch mit Zahlen arbeiten, also eigentlich- oder als Psychologe oder Soziologe, du kannst da überall (.) ja, was finden. #00:19:13-2#

Interviewerin: Und wenn du an die Ausbildung denkst?

Beatrice: Achso, na gut. J. die ist schon- Da muss man schon 'n bisschen äh (.) ehrgeizig sein. Also es gibt ja den mittleren Dienst und den gehobenen Dienst (..) Ja, mittlerer Dienst ist schon an sich härter, das ist so 'n bisschen, ja- 'n

bisschen militärisch, das kann man so sagen: Die müssen da immer morgens antreten und dann nachmittags abtreten, um wieder nach Hause zu gehen (..). Ja und an unserer Uni, also- (..) Ich würd' sagen, also ich find's zwar anstrengend, aber (.) man kommt da immer durch. Bei Klausuren oder so- du(..) meistens weißt du schon, was vorher drankommt, weil du - irgendwie ist was durchgesickert und dann brauchst du zum Glück immer nicht alles lernen, sondern 'n kleinen Teil (..) ähm. Ja, aber man muss schon, halt- Abi ist ja auch Voraussetzung (.) Man muss schon ehrgeizig sein, um da durchzukommen. #00:20:03-4#

Interviewerin: Was für Untersützung hat man da?

Beatrice: Ähm. Ja die Dozenten. (.) Ja die kannst du immer eigentlich auch ansprechen. Vorallem, man hat halt auch 'ne Klasse von dreissig Leuten, also wirklich. In 'na Unibist du ja auch viel anonymer und da wirst du schon auch mal mit 'm Namen drangenommen und viele kennen auch deinen Namen und du hast Unterstützung von dienen, ja, Kommilitonen. Also- In so einer Klassengemeinschaft versucht man immer, alle durchzuboxen (.) ja. Vorallem man hat halt bei uns- Wenn du einmal durchfällst bei einer Klausur, hast du nur noch ein einziges Mal die Chance, die nochmal zu schreiben, und wenn's dann nicht ist, dann bist du raus. (., Und daher bei uns- Sind zwar jetzt erst zwei Leute raus, aber- Man hat sich wirklich- Die Klassengemeinschaft ist so gut, also da hat man eben allen Materialien gegeben, man hat deren Probeklausuren nochmal kontrolliert und denen Tipps gegeben. (.) Deswegen ist man da eigentlich ganz gut- wird man da ganz gut gefördert von denen. #00:20:57-0#

Interviewerin: Ist das Verhältnis da eher so professionell- kameradschaftlich oder freundschaftlich, richtig?

Beatrice: Äh, unter den, unter den Mitschülern?

Interviewerin: Ja!

Beatrice: Freundschaftlich. Ja. Also eigentlich muss man sich das echt vorstellen wie 'inna Schule. (lacht) Ja. #00:21:11-2#

Interviewerin: Also gibt es auch Leute, mit denen du sehr gut klarkommst // und die dir wahrscheinlich // auch ähnlich sind?

Beatrice: //Genau// Richtig. Also man hat da schon so sein kleines Grüppchen, aber es ist jetzt nicht- Alle sind halt auch erwachsene, da gibt's keinen Zickenkrieg oder so ähm.- (..) Ja, man hat so seine Leute, und welche, mit denen man vielleicht weniger redet, aber, an sich- keiner- keiner ist irgendwie sauer oder schottet sich ab. (.) Ja. #00:21:37-1#

Interviewerin: Ähm (.) Hast du Mitschüler oder Kommilitonen, ähm die irgendwie sehr daran zweifeln, was sie machen?

Die irgendwelche Bedenken haben oder so?

Beatrice: Ähm- Ne. Also- Das Ding ist, es sind ja wirklich viele älter. (..) Und die haben meistens alle schon was anderes gemacht vorhe. und ähm, ja- für die ist das jetzt so- die ha'm halt dann mitgekriegt: Ok. Ich will zur Polizei und viele habens auch schon öfter mal probiert gehabt und es nicht geschafft und es jetzt geschafft. Also die meisten sind sich alle da wirklich jetzt so sicher, weil sie vorher schon was anderes gemacht haben. Andere waren zum Beispiel- Einer ist 3., der war vorher bei der [0-9]+ Bundeswehr und dem war auch schon klar: Polizei ist dann das Richtige(...). Also- Ne, aber ich kann's mir bei 'n paar sogar vorstellen, aber so richtig geredet hab' ich mit denen noch nicht. (..) Ja (..) Ähm (.) Das Ding ist halt, aso das- Ich hab halt auch viel gezweifelt gehabt, weil man einfach noch so jung ist. Also im Nachhinein denke ich mir auch halt (.) warum stellt die Polizei so junge Leute ein, (.) weil (..) ich finde, das ist 'n Beruf, wo man schon 'n bisschen Erfahrungen haben sollte. (.) Man wächst zwar dann auch mit seinen Aufgaben, sozusagen, aber (..) Ja, also dann- da kann ich mir immer schon vorstellen, dass 'n paar Leute daran zweifeln. Also hab' ich halt auch, aber ich hab mittlerweile mich so daran angefreundet und auch Mut gefasst, dass man da rein wächst (.) Wird vielleicht 'n bisschen dauern, länger als bei ander'n Leuten, aber an sich (..) Gibt immer welche, die zweifeln. Aber es haben auch schon viele aufgehört, also- das hab' ich- im ersten Semester ha'm- nach drei Wochen h.'m welche aufgehört- (..) Ja. Insgesamt glaub ich sind wir sechzig Kripos im Jahgang gewesen, jetzt sind wir noch irgendiwe um die fünfzig. (.) Ja, ha'm schon welche aufgehört gehabt, ob freiwillig oder unfreiwillig, wegen den Klausuren (..) #00:23:29-2#

Interviewerin: Wieso hast du genau gezweifelt, also was fandest du schwierig?

Beatrice: Weil ich ebend so jung bin. Also: Dieses Selbstbewusstsein, das man haben muss (.), dass du immer gefilmt wirst, heutzutage, wenn du irgendwas machst und- ja das ist so- also das war wirklich so der Hauptgrund. Ja. Vorallem, wenn man halt gemekrt hat, dass man echt also die jüngste in der Klasse ist und viele meinten auch schon: Was, du hast dich jetzt schon entschieden, zur Polizei zu gehen? Und man meint so: Ja, irgendwie, meine Eltern haben halt viel da mit reingeredet gehabt, aber das hört man auch von vielen jungen Leuten- (.) Mh, ja- Aber mittlerweile hat sich das wirklich gefestigt. #00:24:10-6#

Interviewerin : Was findest du belastend dadran, mit diesem gefilmt werden und-

Beatrice: Ähm naja, dass du immer- dass du immer beobachtet wirst, also du darfst nichts falsch machen. Sobald du irgendwas falsch machst, da bist du gleich- weiß ich nicht- kennt dich jeder, du bist auf YouTube oder so und (.) ja- also, dass man halt als Polizei, sobald man halt die Uniform anhat, oder auch nur, jetzt- Wir haben halt als Krpo ist ja nur ne Weste oder irgendwas oder so- so 'n Armring um (..), dass man halt da schon keine Fehler machen darf, eigentlich. Ist 'n Beruf wo du, wenn du 'n Fehler machst, gleich erstmal (.) weiß ich nicht- äh ja, vielleicht nicht befördert wirst, 'n paar Jahre, weil da irgend'n Verfahren läuft und du musst auch andauernd vor Gericht sein und dich irgendwie rechtfertigen, weil dich dann jemand angezeigt hat, weil du ihn vielleicht zu fest angefasst hast. (.) Ja (..) Ist glaub' ich- also- ja. Ist schon (.) 'n Beruf, wo man wirklich, ja- hart im nehmen sein muss. Und sich irgendwie durchkämpft auch, teilweise. #00:25:09-0#

Interviewerin: ,nd wo man- ähm (..) viel Verantwortung trägt?

Beatrice: Ja, ja, das auf jeden Fall, vorallem halt, wenn man auch 'ne Waffe trägt, ne? Man hat 'ne Waffe bei sich (.) Ist auch schon- Die zu zückn, oder so- sobald du das machst, muss du auch erstmal irgendwie 'n Verfahren hast du am Laufen, egal ob's gerechtfertigt war- die- also- Auch wenn man nicht schießt, aber, schon, dass man da jemanden, wenn dir jemand mit 'nem Messer vorsteht, du- der könnt' dich sofort irgendwie töten, also das ist schon- (..) Ja, Herausforderung. #00:25:40-5#

Interviewerin : Wie findest du- Also wie bewertest du das, dass Polizisten quasi immer so- unter so 'nem

Rechtfertigungsdruck stehen, oder so was, für ihr Verhalten?

Beatrice: Hach, an sich kann ich 's 'n bisschen verstehen, weil: Polizei steht halt weiter oben, so an sich, weil sie 'ne Waffe haben, und ha'm halt so das Recht, aber wenn man selber jetzt bei der Polizei ist, ist das halt, (.., Wenn da jetzt wirklich jemand mit 'nem Messer vor dir steht, musst du erstmal im Kopf alles rechtliche druchgehen:Darfst du jetzt eine Waffe ziehen, oder s. und du hast ja dann in dem Moment wahrscheinlich 'n hohen Adrenalinpegel und so und (..) Ja- In den USA zum Beispiel, da ist ja die- da wird ja andauernd geschossen, sozusagen und hier, in Deutschland, das Recht- Ja, du musst es halt echt im Kopf vorher durchgehen: Wenn du jetzt die Waffe rausholst, dann hast du 'n Verfahren, du wirst erstmal zwei Jahre nicht befördert, ähm ja. Du wirst gefilmt, und dann heißt es nachher: Ah, die Polizei erschießt wieder hier jeden- Nur weil der ja 'n Messer in der Hand hatte. Vielleicht wollte der ja gar nicht auf dich losgehen- es ist (.) a (..) es ist schon (.) Ja, an sich kann ich 's wirklich, also als Außenstehender, verstehen, man muss- äh- In Deutschland ist es gut, dass man so die ganzen rechtlichen Sachen hat, da wird's eher- sonst wirds ja so Willkür sozusagen eher, aber (.) ja, also es ist schon nicht schön, als Polizist selbst sozusagen, ja. #00:27:01-5#

Interviewerin: Ähm- Würdest du sagen, dass die Ausbildung einen gut darauf vorbereitet?

Beatrice: Äh- Nein. (.) Vielleicht der mittlere Dienst, wo du wirklich jeden Tag sowas - so 'ne Rollenspiele hast. (..) Das Studium an sich halt nicht, also dieses ganze so theoretische Zeug- ne. (.) Es ist doof eigentlich, ja, diese ganzen Sachen, die ich in der Praktikumszeit dann habe, das ist glaub' ich schon gut, aber kommt halt leider zu kurz, ist halt immer nur ein bis zwei Monate im Jahr. (.) Ja da würde ich mir schon viel mehr Praxis wünschen. Und man hört auch oft, dass die Leute, die vom Studium danach dann anfangen zu arbeiten, dass die meistens noch kaum was können, heisßt es immer, dass die dann erst auf der Arbeit lernen, sozusagen. (..) ja. #00:27:50-6#

Interviewerin: Ähm- Wem würdest du sagen ist man als Polizistin verpflichtet?

Beatrice : Wie was? Interviewerin: Also wenn du als Polizistin unterwegs bist, und du musst 'ne Entscheidung treffen, was hast du da im Hintergrund? Im Hinterkopf. Ist das - also es könnte sowas sein wie Recht, oder Arbeitgeber, oder dein eigener, deine eigene Wertung, all sowas. Beatrice: Ahm. Das ist schwer zu sagen, weil ich ja noch nicht so eigene Entscheidungen treffen musste, als ich draussen war, aber ich denke (.) ich werde mir am Anfang immer noch so die Frage stellen: Darf ich das? So rechtlich? Ist das ok, wenn ich das jetzt mache? Ja und auch mit'm Arbeitgebe: Ja, man wird immer bewertet, weil es gibt ja einmal im Jahr auch 'ne Bewertung und man möchte da natürlich auch gut abschneiden. (.) Ähm, ja. Und ich denke auch am Anfang wird man erstmal den Kollegen- Man ist ja eigentlich immer nur- also zu zweit unterwegs, mindestes. Dass man da immer noch erstmal hinterherlaufen wird und zuschauen wird, wie er das macht und dazu lernt. (..) Ja, aber ich denke, am Anfang gehen einem ganz viele Fragen durch den Kopf, so von wegen: Darf ich das? Und: Was denkt der jetzt über mich oder so, aber ich glaub' das ist normal am Anfang, wenn man neu im Beruf it. #00:28:59-5#

Interviewerin: Ist dieser Beamtenstats für dich was pragmatisches oder hat das quasi 'n sinnhaften Wert?

Beatrice: Ahm- Für mich ist das einfach nur Sicherheit. Also, das ist mir an sich jetzt schon wichtig, das ich ähm, ja. Ich glaub auch, heutzutage ist es so diese Berufswelt alles sehr unsicher, es wechselt sich immer so vieles, und ich glaub, da ist es schon nicht schlecht, verbeamtet zu sein. Ja, aber an sich- Ich glaube auch wenn's das nicht äh geben würde, wäre ich auch bei der Polizei gelandet. Also das ist jetzt für mich auch kein Grund, dass ich da bei der Polizei bin. (.., Aber ist halt noch so'n Pluspunkt. #00:29:36-9#

Interviewerin: Man is' ja dann quasi beim Land oder beim Staat angestellt. Ist das anders, als irgendwie 'n privaten

Arbeitgeber zu haben?

Beatrice: Ja, wel, also ich hab mich auch ähm dazu verpflichtet, seit ich angefangen hab, fünf Jahre jetzt erstmal in Berlin zu bleiben. Das ist zum Beispiel auch so 'ne Sache, die könnte ich ja sonst- ja, sonst- Ich, ich bin halt auch 'n Mensch, ich würde eigentlich auch ständig raus aus Berlin, aber geht ja erstmal nicht. (lacht) Ahm, ja, also an sich: Es hat so seine Vor- und Nachteile. Also man kann halt einfach nicht so frei sein (..) und wenn man jetzt- wenn ich jetzt kündigen sollte muss ich halt auch Geld zurückzahlen oder(.) oder, ja, krieg Abzüge, wenn ich jetzt in 'n anderes Bundesland gehe. Das schränkt einen schon sehr ein, aber (.) an sich man muss weniger Steuern zahlen, das ist schonmal was (..) ja, ähm. Und man hat halt 'n festes Einkommen, was fest immer ja alle zwei Jahre oder so n bisschen höher geht, je nach Berufserfahrung #00:30:38-5#

Interviewerin: Wie ist das für dich, jetzt schon quasi zu wissen, was du dein Leben lang machen wirst, trotz dieser vielen

Möglichkeiten?

Beatrice: Ja also an sich finde ich das nicht schlimm, weil du halt so viele Möglichkeiten hast. (..) Ich weiß zwar, dass ich jetzt die ersten Jahre, wenn ich noch jung bin, ähm, viel auf der Straße unterwegs sein werde, und was erleben werde, da v- lern- da hast du halt dann deine Erfahrungen, die machst du halt dann auf der Straße, sozusage.. (..) Ja und dann werde ich mich mal überraschen lassen, wo man hingeführt wird (.) Wo die Stärken nachher bei einem festgestellt werde. (..) Ja. Aber so an sich- Ich glaub auch, wenn man jetzt, die ganzen Leute, die da, weiß ich nicht, Psychologie oder so studieren, die wissen ja auch schon, sozusagen, sie werden ihr Leben lang dort in die Richtung sein, also- (.)Ja(.) Also wie du auch schon meintest: Polizei ist so: Vielfalt (..) Man weiß nicht, was in der Zukunft wirklich sein wird, aber man weiß, dass man bei der Polizei bleibt. (lacht Das ist so das einzige. #00:31:43-8#

Interviewerin : Ähm, also du diese drei Tage mit der Kriminalpolizei unterwegs warst, hast du Uniform getragen, oder?

Beatrice: Ne.

Interviewerin: Ne?

Beatrice: Also bei Kriminalpolizei trägst du nie Uniform. Ich hatte nur mal 'ne Schutzweste um und dann wenn du so rumläufst, dann glaub ich erkennt man schon: Ach, ja Polizei, weilwer trägt sonst 'ne Schutzweste, so... Vorallem, das war im Sommer, also da kann man ja auch keine Jacke drüber ziehen und das ist ja viel zu warm . (.) Aber sonst bist du eigentlich nie- Also wirst nie erkannt. Du läufst rum wie 'n normaler Mensch, ja. #00:32:21-1# Interviewerin: Hast du jetzt in, also in den letzten zwei Jahren mal 'n bisschen mit älteren Polizisten geredet? Und irgendwas interessantes erfahren? Beatrice: Ne, leider- leider nicht. Also, ich hab mit- mit 'nem Freund von Papa ja immer geredet gehabt, ähm (.) und mh, ja, der ist halt auch Kripo (..) und ja der sagt halt manchmal, wenn man mit ihm redet, wo ich jetzt auch meinte, ich mach mein Praktikum da bei dem Staatsschutz, meinte er auch erstmal: Oh Gotto Gott und: langweilige Arbeit, also, man hört da schon manchmal, es gibt so paar Bereiche, wo Leute meinen: Ach, ja, da hast du tolle Arbeit und da hast du weniger tolle Arbeit später. (.) Aber an sich hab' ich noch nicht mit ältereh wenig geredet gehabt bisher. (..) Aber erhoff' ich mir in meinem Praktikum. #00:33:08-1#

Interviewerin : Ähm, was hältst du von den ganzen Auswahlverfahren, denkst du, das sorgt dafür, dass die richtigen Leute

zur Polizei kommen?

Beatrice:Ahm (..) Ja, gute Frage, ähm (..) Es ist nicht einfach, also ich hab halt- Es haben sich ja mehrere auch aus meinem Freundeskreis beworben gehabt, und viele wurden ja auch nicht angenommen(.), wo ich mir denke: Ok, die hätten vielleicht gut gepasst. Also, da merkt man ja schon, dass vielleicht auch die Falschen manchmal- also die äh- ne die Richtigen nicht weiterkommen. Ähm (..)Aber (..) Ne, die falschen bisher? Also alle in meinem Studiengang sind wirklich- Alle wollten das, haben sich auch schon öfter beworben und keiner ist doof oder so, wo man sagt: Äh was will der hier? (.) Ja, aber das Ding ist halt, das (.) in Berlin ja auch zu wenig Polizisten andauernd sind, wird ja immer berichtet. Ähm, ja. Und die stellen halt einfach nicht mehr Leute ein. Das ist halt auch so ne Frage(.) ja, warum nicht? Die wo- die Kriterien sind eigentlich schon in Berlin, glaub ich, geringer als in anderen Budesländern. #00:34:19-7#

Interviewerin: Was macht überhaupt 'n guten Polizisten aus?

Beatrice:Oh, das ist schwer.Also selbstbewusst (..Ahm (.) 'musst auch rechtlich und so- also gut drauf sein. Kannst nicht einfach willkürlich da irgendwie jemanden festnehmen und nachher ist es gar nicht gerechtfertigt oder so. Also du musst da schon das haben. Und ich glaub' als Polizist Erfahrung, also das ist, glaub ich, macht auch einen guten Polizisten aus: Das der schon viele Situationen erlebt hat. (..) Ja. Also denke ich, dass wenn wir rauskommen, sind wir vielleicht keine so guten Polizisten, wir werden auch eh erstmal in zweiter Reihe stehen, aber- ja, ebend durch Erfahrung (..) wird man gut und brauch halt seine Zeit und deswegen find' ich halt auch, so unser Studium is' an sich nicht so gut, weil du halt weniger Praktikum hast, du bist- du siehst weniger, du bist inn'a Uni und kriegst was erzählt zum Strafprozessrecht und so und (..) Ach ja, wenn du da auf der Straße bist, bringt's dir eigentlich wenig. Ja. #00:35:26-4#

Interviewerin: Was wären das genau für Erfahrungen, die man gut gebrauchen könnte?

Beatrice: Stressige Situationen, wie man mit Stress umgeht, weil: Stress macht blö., heißt es ja immer so schön und eben (.) ich glaub du- Als Polizist ist man jeden Tag- Du wirst gerufe, und du sollst in die und die Straße fahren und du weißt einfach nicht, was dich erwartet. Es kann sein, dass da einfach 'ne Familie, da ist n'n Einbruch gewesen, aber kann auch sein, dass du da rein kommst und- da war vielleicht 'n Einbruch und nachher ist da noch irgend'ne Drogenplantag. und die sind da mit 'm Messer oder so, also (..) Ja. Du musst halt- ja- in solchen Situationen wissen, wie du am besten handelst. Du musst immer noch 'n kühlen Kopf bewahren, du darfst nicht einfach hektisch werden.7 #00:36:13-7#

Interviewerin: Joa, gibt's irgendwas, was du in irgendeiner Form ändern würdest am Polizeiberuf? Und das könnte alles sein, auch Sachen, die man nicht ändern kan oder so.

Beatrice: mhm. Auf jeden Fall den (.) Verdienst (lacht). Also- unser Einkommen an sich ist- ok, hat man 'n gutes Einkommen, aber Berlin ist im Vergleich zu andern Ländern- kriegt deutlich weniger(..) und ähm du hast halt hier also wirklich (...) ähm. Ja in Berlin hast du wirklich mit Leuten zu tun, teilweise wirklich (.) ja mit 'nem Gegenüber, die dich überhaupt nicht respektieren, du wirst vielleicht auch mal angespuckt oder s., also es sind so Sachen wo man sich denkt, ja (..) da kriegst du halt irgendwie nicht mehr Geld oder so, das ist- ist 'n harter Job, ja, an sich Schichtdienst ist halt auch so 'ne Sache, ne, die muss halt sein, als Polizist, weil du halt rund um die Uhrda sein musst, aber (.) an sich glaub ich find' ich das nicht so tot. Macht halt auch dein' Körper kaputt, also so Schichtdienst, das ist (.) das kann man nicht lange machen, glaub ich, weil dein Körper, der Rythmus ist ja dann total gestört immerÄhm (..) Ja, dann würde ich halt das Studiuändern: Das man mehr Praxis hat.(... Ähm (..) Und, ja ich hätte auch gern' 'ne Uniform als Kripo, teilweise. Weil dich halt auch wirklich welche nicht erkennen und es gibt halt auch nicht so schlaue Leute hier in Berlin, die- Wo du sagst: Ja, Polizei, und dann sagen sie dir: Ne, du hast keine Uniform an und dann musst du da auch erstmal diskutieren und denen eräutern, was Polizei ist, also (.) Da hätt' ich dann doch gern' mal ne Uniform. #00:38:00-7#

Interviewerin: Aber gleichzeitig ist es durch die Uniform, dass Leute vielleicht

Beatrice: Ja, da wirst du schon, ja, anders angeguckt. Auch, wenn du mal 'ne Pause hast und in der Uniform draussen bist, ja- und wenn du was essen möchtest, dann, oder 'ne Zigarette rauchst, da guck- dann auch chon welche schütteln den Kopf. Also an sich bin ich froh, dass ich keine Uniform habe, (unv.), dass ich halt so rumlaufen kann(...) aber ja, in manchen Situationen, ja (.) muss man sich halt doch irgendwie kenntlich machen. (.., Immer eine im Kofferraum zu haben, oder so, oder wenigstens 'ne Jacke, oder so, also wir ha'm ja wirklich gar nicht., also (..) ja, noch nichtmal 'ne Mütze, oder (lacht) so. #00:38:41-7#

Interviewerin: Die Leute haben Respekt vor Uniformen? Oder wodurch kommt dieser Effekt?

Beatrice: Na dadurch wissen sie, dass du zur Polizei gehörst. Also Respekt- Also ich will wirklich mit Uniform nicht hier durch Berlin laufen, also- oder, ja, Regaer Straße oder so, da sind ja die ganzen Linken oder so, da möchte man dann auf jeden Fall nicht rumlaufen, da kriegt man dann glaub ich andauernd Steine an' Kopf geworfen. (..) Ähm ja, es ist irgendwi. (..) in Berlin einfach schierig also ich kann, ich kann nicht sagen (.), ob ich mit Uniform hier gerne rumlaufen würde. (...) Ja, aber oft, ist es dann halt auch so, dass du, wenn du als Kriminalpolizei dann, dann auftauchst, sind alle gleich so: Oh Gotto Gott, ist jemand gestroben?Weil sie denken halt immer, durch Tatort oder so, Kriminalpolizei kommt halt nur, wenn wirklich was ganz ganz schlimmes passiert ist und (..) muss man die auch erstmal beruhigen. (...) Aberwirklic,, also- In Berlin als Polizist zu arbeiten (.) im Nachhinein, ich würd' wirklich gern, glaub ich, woanders hingehen, aber ich glaub' im Süden Deutschlands (lachend) oder so in München und so, da ist dann doch noch 'n bisschen mehr Respek. #00:39:55-4#

Interviewerin: Was hältst du davon, was zum Beispiel, glaub' ich in Sachsen gemacht wird, mit der Einstellung von Hilfspolizisten?

Beatrice: Achso, ja. mh, an sich- Die ha'm ja glaub ich nur drei Monate, oder so, dass die da irgendwie ausgebildet werden(..) Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das (.) ja, wenn ich jetzt hier meine drei Jahre habe und auf die Straße gehe und mir erstmal alles noch abschauen muss(.) glaube ich an sich, dass diese dreimonatige Ausbildung nicht effektiv ist. (...) Ja, aber an sich- Man braucht halt mehr Polizisten. Also, das ist wirklich so: Wenn du da nur zu zweit mit 'm Streifenwagen ankommst und da steht dir wirklich 'ne Leute- 'ne Meute von zehn Leuten da gegenüber, da musst du auch erstmal wieder ins Auto steigen und Verstärkung holen, und bis die dann da ist- (..) Wär schon schön, wenn man mehr Kräfte hier in Berlin hätte. (.) ja. (..) Muss man mal schauen, wie diese Hilfspolizisten so ankommen, wie sie sich- ja, was sie so- ob sie viele Fehler machen, ob sie mehr Fehler machen als Andere. (..) #00:40:57-7#

Interviewerin: Ich glaub', die Ausbildung ist ziemlich praktisch- Beatrice: Ja, das glaub' ich auch, ja diese drei Monate, aber du hast halt dann rechtlich überhaupt- also (.) Ich kann mir schwer vorstellen in drei Monaten alles, was ich jetzt gelernt habe, irgendwie- ja, zu lernen. (lacht) Interviewerin: Ja, klar! Hattest es auch Vorzüge in Berlin die Ausbildung zu mache? Beatrice: Mh- (..) hm. Nö, also- Einstellungstest ist leichter. Du kommst da schneller rein. Ähm (.) Und sonst- vielleicht ist es nicht schlecht in Berlin auch erstmal zu arbeiten, dann lernst du da echt die harten Fälle kennen und kannst dann woanders hingehen und findest alles easy. (lacht) (..) ja- Aber sonst ist sonst ist es glaub' ich eigentlich in allen Bundesländern an sich leicht: Du hast eigentlich 'n ähnlichen Einstellungstest, vielleicht halt die Anforderungenanders, du hast vielleicht andere Sportprüfungen.(..) Und hast halt auch in jedem Bundesland andere- also es gibt ja das Polizeirecht- (.) und, ja, du hast halt auch in jedem Bundesland 'n anderes Polizeirecht. Musst du halt dann auch immer unterschiedlich, irgendwie, handhaben. (., ja. #00:42:02-5#

Interviewerin: Mh-Interessierst du dich für Gewerkschaftsarbeit? In der Polizei? Also polizeilich-

Beatrice: Ah- Also bisher noch überhaupt nicht. Ähm- (.) Freunde von mir sind, äh- oder Kollegen sind da halt bei- in der Gewerkschaft. Ich glaub auch, dass das eigentlich wichtig ist, sowas zu haben. Du hast halt dann jemanden, der immer hinter dir steht und so- also ich glaub, ich werd' da auch irgendwie eintreten, aber noch (.) ja, brauch ich sie nicht in der Uni und das ist auch immer irgendwie 'n bisschen mit Organisation verbunden, und man muss erstmal gucken, mit wem man sich da auseinandersetzt und- (..) ja. Irgendwie war ich halt bisher noch 'n bisschen zu Faul, da- mir mal zu Gedanken zu machen. (.) Ja, aber ich denke an sich- ähm (.) ja, ist- in jedem Beruf sollte es eigentlich irgendwie, oder in jedem Job irgendwie 'ne Gewerkschaft geben, die da hinter dir steht. (.) Ja. #00:42:50-3#

Interviewerin: Ähm- Wie findest du, allgemein, ist so das Bild, das die Deutschen von der Polizei haben? Ist das Gerecht? Gibt es da irgendwelche anderen Maßstäbe?

Beatrice: Mh, ja, also- Ist von- Von Land zu Land unterschiedlich- von Bundesland zu Bundesland. Oder von Bezirk zu Bezirk sogar. Ähm (...) Ob das ja gerecht ist, ähm- (..) Naja, ich glaub' teils-teils. Also es gibt immer wirklich welche, die (..) ja, also eigentlich: Polizisten sind ja auch nur Menschen, muss man ja immer sagen. (.) Und wir sind ja eigentlich auch dafür da m anderen zu helfen. Also, wenn jemand in Not ist kommen wir halt, um denen zu helfen. Dem Täter, auf der anderen Seite, dem helfen wir halt dadurch an sich nich, sondern bestrafen ihn, aber- Wir sind halt auch dazu da, um Gerechtigtkeit irgendwie auszuüben, und das ist halt vielen Leuten immer nicht klar, sondern bei denen ist immer eher: Ah, Polizei:böse, die- weiß ich nicht- die sperren uns jetzt ein und so, aber- (... Ähm. (..) Ja. (.) Gerecht... (...) Ja, also ichglaub' an sich man kann noch sagen - es gibt auch immer diese Rankings, von wegen: Welche Berufe so angesehen sind und Polizei geht zwar immer weiter runter, aber ist immer noch- immer noch da, im Ranking. (lacht) Ähm- Ja, also an sich glaub' ich (.) man muss sich jetzt nicht dafür schämen, bei der Polizei zu arbeiten. (..) Aber ich würd' mir manchmal schon, also jetzt,- vorallem jetzt halt wirklich in Berlin wünschen, dass man da halt noch 'n bisschen mehr Respekt ha, also das ist wirklich (..) geht wirklich, glaub ich, jedes Jahr weiter runter. #00:44:26-8#

Interviewerin: Kannst du dir vorstellen, woher das kommt?

Beatrice:mh- mh ja- weiß ich nicht- ich (..) äh, weiß nicht, die ganzen- es kommen halt immer mehr auch Flüchtlinge und ich weiß nicht- die ha'm wahrscheinlich 'n anderes Verhältnis, so in ihrem Land damals zur Polizei und bei denen ist Polizei halt eher so 'n (.) so 'ne willkürliche (.) Täigkeit, sozusage.. Wahrscheinlich müssen die erstmal das lernen und dann gibt' s halt immer diese ganze- die linke Szene, wird auch irgendwie immer größer, da kommen immer mehr Leute rein (..), die halt dann also wirklich auch mit Steinen werfen und das finde ich immer am krassesten! Wenn man Videos sieht, wirklich, wie da Polizisten stehen und mit Steinen beworfen werden, welche an' Kopf bekommen, sind ja wirklich so 'ne, so 'neKlopfer-

Interviewerin: Pflastersteine

Beatrice: ja- Also da (...) ja (.) Da wird man auch immer- Ich - Also wenn man diese Bilder sieht, da wird man schon auch sauer, aber man muss halt immer professionell bleibe, was nicht einfach ist. (.) Ja, und sonst, also, die linke Szene halt, ähm, ja, die Flüchtlinge, die, die halt 'n einfach noch nicht wissen, glaub ich, wie 's so 'n bisschen in Deutschland- die müssen halt da 'n bisschen gute Erfahrungen mit uns machen.Aber machen die auch eigentlich, also- LaGeSo, oder so, hat sich schon alles 'n bisschen da beruhigt. (., Ähm. (.) Ja, was könnte noch 'n Grund sein-Weiß nicht- die jungen Leute, die Kinder, die auch kaum noch vor Erwachsenen, heutzutage, auf 'm Schulhof auch weniger Respekt haben, is' halt irgendwie (. Ich glaub' dagegen kann man auch wenig mache, is' halt einfach- die Menschheit entwickelt sih und irgendwie (..) verändert sich auch dort dieses Ansehen. #00:46:11-8#

Interviewerin: Ähm (..) Wie sehr kann man noch quasi- seinen eigenen Charakter und seine Persönlichkeit, seine eigenen Werte ähm- mit sich rumtragen, wenn man Polizistin ist?

Beatrice: Interessante Frage. (...Hm, also an sich (..) gar nicht mal so doll, dass man da sich so selbst ähm, ja- seine eigenen Charaktersachen zeigen kann, also ich denke eher, dass du halt professionell immer sein muss- (..) und hart(..) du musst halt, ja- (..) Respekt (.) ja erwarten von den ander'n, du kannst da jetzt nicht einfach- weiß ich nicht-weiß ich nicht- wenn du da 'ne Leiche siehst anfangen zu heulen, oder so (lachend)(..) Ähm (..) Ja-Also ich denke halt, so seine Charaktersachen kann man (..) ähm so zeigen, dass du - als Frau heißt es ja immer, du hast mehr Enfühlungsvermöge, dass man- dass man dann selbst halt so Sachen macht wie (.) Vernehmungen mit Kindern oder mit Opfern (.) und- (.. J. dass man halt dann auch wirklich je nach Charakter sich so seine, seine Arbeit sucht, aber wenn man jetzt auf der Straße ist muss man schon ja- professionell sein, dass du- nach der Arbeit nach Hause kommst, bist wieder du selbst, aber so musst du professionell sein, du musst hart sein, du darfst ja- wenig Gefühle zeigen, was halt auch so verspottet [?]Wir hatten auch irgendwann mal 'n Bild rum, da hat ein Polizist ähm (..) bei 'ner Eilfahrt ähm 'n Kind umgefahren, das ist schon zwanzig Jahre her, oder so, und hat geheult und danach ging halt so 'n Bild rum von 'nem Polizisten in Uniform, der weint und dann wars auch so: Ja die Polizei heult und (.) da hat man auch gesagt- Also es gab zwar immer Sachen von wegen: Polizisten sind auch nur Menschen, aber andere Sachen sagen so: Ne- (...) Kann doch nicht sein, die müssen doch Stärke ausstrahln. #00:48:04-7#

Interviewerin: Müssen die das wirklich?

Beatrice: Nein. (lacht) Also- Ich denke das ist auch- das es klar ist, dass es klar ist, dass wir wirklich auch nur Menschen sind. (..) Aber- davon gehen halt viele aus, deswegen (..) prof- also man muss professionell sein, man kann auch weinen, wenn einen was belastet, oder s.. (...) Ist halt auch so das- ähm, ja(...) Viele finden das gut, wenn man da Gefühle zeigt, und andere finden das halt nicht gut, das ist- (..) naja man is' halt- Zum Beispiel als Arzt, ist es, glaub ich, so, dass man von allen Seiten angesehen wird und- alle- die helfen ja immer allen Leuten. Wir versuchen halt auch immer, Leuten zu helfen, aber (..) ja, wenn wir anderen Leuten helfen, ja- bestrafen wir halt dafür auch andere, oder kommen Tätern auf die Spur- (. deswegen ha'm wir immer hal, glaub ich so gute oder schlechte- ja, Seiten (..), die, je nachdem (..) ebend anders bewertet werden, von der Bevölkerun. #00:49:00-2#

Interviewerin:Wieviel- äh- Wolltest du noch was sagen?Wie viel Einfluss hat man selber darauf, wie man bewertet wird, von der Bevölkerung?

Beatrice: Mh (..) Wenig, glaub ich. Ja, also die ganzen vorur- also es gibt halt Vorurteile so von der Bevölkerung ein-her .(.) Ja, also (.) ich kann mir das immr- ich red' eigentlich eher grad so von der Schutzpolizei, die in Uniform rausgehen, also so als Kriminalpolizei glaub' ich (..) ja (.) Ich glaub' sogar das is' 'n bisschen angesehener als die Schutzpolizei. (..) Aber so Einfluss

jetzt ähm also glaub' ich, also ne- die Medien. Die Medien sind da wirklich so, so 'n Punkt. Die glaub' ich, die zeigen halt auch immer so wie nur die negativen Sachen von Polizisten, wenn jetzt 'n Polizist mal (.., ja, jemanden festnehmen sollte und wirklich zu doll, oder vielleicht aus Versehen den getreten hat oder so, dann wird 'dis gefilmt und is' in den Nachrichten zu sehen und dann geht erstmal ne Welle über Deutschland: (.) Polizisten sind gewalttätig. Oder so- (.) Ich glaub' deswegen ha'm wir selbst auch kaum Einfluss darauf. Man muss sich halt selber gut Verhalten (..) wenn man unterwegs ist (..) das ist selbstverständlich^.) mh. (.) ja und sonst halt die Medien (..) ja, machen alles. #00:50:21 -0#

Interviewerin: Die Medien- An was denkst du, wenn du sagst: Die Medien?

Beatrice: Naja so die ganzen Nachrichten: Die Schlagzeilen, das nur negative Schlagzeilen, wenn irgendwas is' (.) ja. Polizei ist gewalttätig, die Polizei hat . weiß ich nich' (.) hat auch äh alkoholsüchtige oder so, wenn da mal was rauskommt. (...) Und dass man halt wirklichimmer gefilmt wird, also diese Smartphone Sache, das geht halt so schnell, also wirklich: Wenn du einen Fehler machst (.) is' es gleich- äh- in den Nachrichten. (.) Das ist- deswegen verbreitet das sich immer so schnell, deswegen ist vielleicht auch 'n Grund dafür, dass der Ruf von der Polizei so- ja - gesunken ist. #00:51:04-9#

Interviewerin : Ähm. Deine Familie, hast du gesagt, wollte, dass du zur Polizei gehst.

Beatrice: Mhm (bejahend)

Interviewerin : Wie ist das so bei deinen Freund-Innen. Freundinnen und Freunde, was denken die so darüber?

Beatrice: Das ich bei der Polizei bin? So? An sich kommt's immer ganz gut an, also- viele fragen mich dann immer- Ja hast du schonmal 'ne Leiche gesehen,oder so. Also für die is' halt immer noch ja- Tatort so das Bild von der Kriminalpolizei. (lacht) Ja, an sich- Viele meinen immer so: O Gotto Gott, is' ja (.) 'n harter Job. Und andere sagen immer: Voll spannend! Und: Erzähl mal! (..) Ja, aber ich hab' noch nie von jetzt jemandem gehört, von wegen: O Gotto Gott, Polizei! Manche meinen zwar auch, also man hat ja auch Leute, so- die äh- kiffen oder so und dann- denke ich mir auch so: O Gotto Gott, ich kann mit dir nicht mehr befreundet sein, dann sag ich auch so: Ne. Geh einfach woanders hin und dann (.) passt das schon. (..) Ja. (..) Aber an sich- also, so von meinem Freundeskreis krieg' ich da nichts negatives ab-

Interviewerin: Keine respektlosen Kinder oder Linke

Beatrice: Ne, ne, ne. Zum Glück nicht! (lacht) Ja, aber ich kann mir halt vorstellen, wenn man jetzt so 'n andern Freundeskreis hätte, dann, ja- (.) Dann wär ich glaub' ich nicht mehr mit denen befreundet.Ja (..) #00:52:18-8#

Interviewerin: Ist man als Polizistin immer im Dienst oder ist das-

Beatrice: Ja, eigentlich schon, also auch wenn du jetzt nicht arbeitest und irgendwas siehst- (., was schlimmes (.) dann- (.., musst du auch- ja, musst du einschreiten. (.., Ähm, wenn 's jetzt erstmal so Bagatell Sachen sind oder so, auch, auch naja so mit Autos, wenn da irgendwas ist, wenn ich- mir da einer doof kommt, dann ist mir das auch egal, aber - eigentlich- man ist wirklich immer im Dienst. Ähm- Seit ich auch da bin, hab' ich 'n ander'n Blick irgendwie für so Sachen ähm (.) ja ich beobachte Leute viel mehr, wenn die mir irgendwie komisch vorkommen (..). Ja, deswegen glaub' ich das ist schwer abzuschalten. Aber ist halt auch so: Wenn jemand jetzt hier Kosmetikerin ist oder so, dann guckt man auch auf die Haut und sagt: Der hat Mischhaut, der hat trockene Haut- also. Guck ich jetzt auch immer so: Ne, der kommt mir irgendwie komisch vor (..) Ja muss man schon einschreiten, aber (.) Ja wir sind halt dazu verpflichtet auch einzuschreiten, aber ich denke, dass man auch manchmal dann- ja­kein' Bock hat , man hat halt dann Freizeit und dann guckt man dochmal weg.(..) Aber man ist schon- Also in vielen Situationen, wenn da jetzt wirklich (.) 'ne Schlägerei sich beginnt da irgendwie zu ja, zu bilden,- wie nennt man das- ja, anzufangen (lacht) dann ähm, ja werd' ich schon auch- wenn man Erfahrungen hat damit- gleich Polizei rufen, Verstärkung holen und selber versuchen dann erstmal da andere Leute zu mobilisieren und zusammen (..) zu helfen, ja. Hätt ich glaub' ich vorher nicht gemacht, also vor meinem Studium. (.) Ja, man wächst da schon irgendwie so hinein. #00:53:51-3#

Interviewerin: so 's ist für dich eher 'n positives Gefühl, immer // eingreifen zu müssen.//

Beatrice: //Ja- Jaa//Ja- man, man , man weiß, wie man eingreifen kann und ich hel'f gerne Menschen (..) Und deswegen- ja. (...) Aber obwohl es halt auch oft halt gefährlich ist- Also ich bin halt, wenn ich jetzt nicht im Dienst bin, hab' ich ja keine Waffe oder sowas bei mir (..) Da heißt es so- ja das Helfen ist eigentlich nur so Hilfe holen: Das man nicht alleine ist. (.) Mhm. Ja (...) Aber ich denke schon, dass ich- ähm (.) ja- Polizei auch bin, wenn ich nicht im Dienst bin. (..) Halt- auf 'ne andere Art und Weise: Das man einfach aufmerksamer ist und - ja- aber jetzt nicht, dass ich alle hier, die mir doof kommen, sage: Hier, du hast diese Ordnungswidrigkeit begangen, oder so- aber (..) Ja, man ist schon immer Polizei, das ist schon, irgendwie- ja- 'ne Lebenseinstellung, das man andern Leuten hilft, wenn ihnen Unrecht getan wird (..) ja. #00:54:47-7#

Interviewerin: Kannst du das immer gut nach- also kannst du das gut zusammenbringen: Unrecht und das geschriebene Gesetz? Passt das so, von deinem Empfinden her, immer zusammen?

Beatrice: Mh- (...) Ne. Eigentlich- also es gibt viele Sachen, (.) ja, ne- die halt bestraft werden, wo man denkt: Ne, is' jetzt hier- eigentlich müsste das nicht , das ist - es gibt vielleicht 'n Rechtfertigungsgrund oder so. (..) Aber an sich finde ich, dass das deutsche Recht schon also wirklich sehr gut ausgebaut ist und für alle Sachen irgendwie 'ne Lösung parat hat. (..) Also ich glaub', dass wir hier ganz glücklich sein können in Deutschland. (..). So dass ich an sich schon, ja, damit einverstanden bin, mit dem deutschen Recht, ja. Kann man schon sagen. #00:55:37-8#

Interviewerin: Und du bist ja dann auch quasi Teil von dem, was das Recht, ja, quasi durchsetzt

Beatrice: Genau. Interviewerin: Ähm, und dann ist es nicht schwierig, also, ich will jetzt nicht irgendwie dir 'ne Richtung schon vorgeben, aber du, ähm, hast dich darauf eingelassen, dass du Recht durchsetzt, wie 's geschrieben ist und Beatrice: Ja, ja- Aber ähm, was auch ganz interessant ist- 'n Dozent von mir hatte mal 'ne Studie gemacht -ja irgendwie 'ne Umfrage mit seinen Schülern und dann war auch irgendwann die Frage: Ja, wenn du etwas durchsetzen musst, was ähm- aber was du nicht machen darfst eigentlich- (.) Ähm ja da ha'm glaub' ich- Jeder siebte hat da gesagt, er würde es trotzdem machen, auch wenn er das gar nicht darf oder so- zum Beispiel irgendwie jemanden ja- festnehmen, obwohl's gar nicht gerechtfertigt ist- dann würde er's doch machen- also es gibt immer welche, die dann nicht auf dis Recht hören, (..) aber halt da- also die - da ist es jetzt nicht so, dass sie da denjenigen verprügeln, aber die wollen hat Gerechtigkeit und wenn- es gibt halt manchmal so Sachen, da- da dürfen jetzt Polizisten einfach nicht einschreiten, wo du denkst- ja, warum nicht, und es würden- andere würde dann da einschreiten, auch wenn sie 's nicht dürfen (..) aber an sich- ja wir sind dazu da, Gerechtigkeit ebend- ähm, ja, durchzusetzen (..) ja, also wir sind halt Judikative(..) ja. #00:57:07-4#

Interviewerin: Du würdest nicht eingreifen?

Beatrice: Ich kann 's - ich glaub' das ist situationsabhängig. Also wenn es wirklich 'ne Situation ist, weiß nicht- Wenn jetzt hier 'n Kind schreit oder so, dann ist das jetzt zum Beispiel ja auch so: Man darf keine Wohnung betreten, wenn du keine- vom Richter oder so, keine Befugnis dazu hast- aber wenn jetzt da irgendwas passiert und du denkst dir- dein Bauchgefühl sagt dir: Da geht irgendwas komisches drin vor, dann (..) Ja, will man wahrscheinlich doch irgendwie, auch wenn man's nicht darf- in die Wohnung gehen(..) Ja, so'ne Sachen sind dis halt. (.) Ja. Es ist schwer, (.) irgendwie da was allgemeines zu sagen. Ich glaube das ist echt so 'ne Entscheidung (..), ja- Mit Erfahrungen, wieder, verbunden. #00:57:53-0#

Interviewerin: Musst du als Kripo 'n Eid leisten?

Beatrice: Ja. Bin vereidigt, hab' ich- vor 'nem Jahr hatt' ich die Vereidigung. Ich kann dir aber auch schon gar nicht mehr sagen, was geau ich da sagen musste. Das war (lachend) auswendig gelernt irgendwie so 'n Text (..) Aber ja- Das ich halt ähm für Gerechtigkeit ebend sorge, dass ich ähm (..) ja für Deutschland eben , ja, dass ich das repräsentiere, sozusagen. (.) Ja (.) Irgendwie so was. #00:58:25-1#

Interviewerin: Was hat es für dich bedeutet, diesen Eid zu leisten?

Beatrice: Ähm, an sich, dieser Eid, nicht so viel, irgendwie wars bei mir so: Als ich unterschrieben habe und so, dass ich bei der Polizei anfange, das war eher so dieser Punkt, wo ich mir dachte: Ok, jetzt bin ich hier und (..) jetzt, ja (..) jetzt bin ich auch- also ich find halt auch als Polizei ist man irgendwie so 'n bisschen so- ja, man repräsentiert halt Deutschland und man is' 'n Vorbild auch (..) ja- auch für Kinder oder so, also oft ist es ja, wenn da jetzt in Unform draussen rumläufst, kleine Kinder sind immer schon so: Oah! Polizei! oder so, da musst du schon (..) ja, nett sein und (lacht) nicht über rot- äh mit- über rot? Ne. Bei rot über die Ampel gehen, so. Ähm (..) Ja, man hat sich schon dafür verpflichtet und man darf keine Straftaten begehen Interviewerin: Im Gegensatz zu ander'n Leuten Beatrice: Ja, genau. Also, das ist also wirklich so'n NoGo, da wirst du gleich raus und (lacht) (.) ja. Das war halt also wirklich bei der Unterschrift. Dieser Eid- das war eher so'n nochmal so 'n Gruppengefühl, weil wir ha- wir war'n (.) Wir war'n glaub' ich vierhundert Leute, oder so, die das alle Gleichzeitig gesagt haben, und das war ja auch eher so 'ne festliche so Situation, alle sind aufgestanden (.) und haben das alle synchron gesagt(..) das war eigentlich eher so 'n, so'n Gemeinschaftsding. Also wir Polizisten sind alle Kollegen, eigentlich- das ist wie Großfamilie. Und jeder hilft halt auch jedem dort. Also- Ja und das ar eigentlich eher so, das Schöne da dran, das man gemerkt hat, man- ja- ist ne große Gruppe und man ist nicht alleine. #00:59:57-4#

Interviewerin: Ist das auch mit, äh, in der Hierarchie höher gestellten so? Mit Vorgesetzten oder so?

Beatrice: Ähm, ja. Natürlich gibt's das auch. Aber ich find' halt immer du hast eigetntlich- also es gibt immer einen Vorgesetzten und dadrunter ist immer 'ne größere Gruppe, und die ist' halt- der Zusammenhalt ist da halt schon wirklich- weil du musst dich auf dein Team, sozusagen, verlassen können. Du musst mal mit dem Umherfahren, mal mit dem- und wenn du halt in 'na Situation bist , wo (..) ja, dein Kollege mit 'na Waffe bedrot wird oder so- du musst halt schon da wirklich 'n kühlen Kopf bewahren und ihn schützen, und man muss immer- gegenseitig aufpassen - ja. Ich glaub' das schweißt auch ganz schön zusammen, ja und dann gibt's auch immer 'n Vorgesetzten, ja, aber- so wie weit ich 's jetzt mitbekommen hab', ist der auch eigentlich immer so 'n bisschen freundschaftlich sogar noch. Es gibt zwar auch Bewertungsgespräche, aber davon hab' ich jetzt noch nichts mitbekommen, ähm, ja, aber so an sich, ähm, Polizisten unter sich- es wird zwar auch, es wird immer auch mal jemanden, ja, der vielleicht nicht so gut ankommt, über den gelästert wird, aber ich glaub das ist, ja, normal, in unserer Menschheit. (..) Und sonst. Gruppenzugehörigkeit ist wirklich so 'n Ding bei der Polizei, (.) was groß geschrieben wird. #01:01:12-8#

Interviewerin: Woran merkt man das?

Beatrice: Ähm, dass das alles sehr- wirklich freundschaftlich ist. Man ist bei uns sofort bei dem 'Du', also, so (..) Ich weiß gar nicht, ob man Vorgesetzte sietzt, hab' ich bisher noch nicht. (lacht) Aber so in der Gruppe, wenn ich da ankam hieß es gleich: Ja, hi,ich bin Peter, ich bin- Also das ist (..) Ja, also alle sind so auf einer Ebene und alle wirklich freundschaftlich und nett, ja. #01:01:42-7#

Interviewerin: Ok, gibt's noch irgendwas, worüber du gerne reden willst, oder so, was du wichtig findest?

Beatrice: Mh- (...) Ne, eigentlich nicht, also- an sich find' ich halt wirklich wichtig, dass man, dass man älter ist, wenn man bei der Polizei ist, das ist- so im Nachhinein denke ich mir eigentlich, so ja, also- Mich hat jetzt auch 'n Mädel gefragt, ob sie nach 'm Abi zur Polizei gehen sollte und da meint' ich: Ne geh erstmal, mach erstmal- ja - 'n Auslandsjahr oder so, das ist so 'n Ding also , also da denke ich mir auch, also das hätt' ich- am Anfang gings mir echt nicht gut (..) Ich musste echt selbstbewusster werden, ja. (..) Also ich - Als Polizist braucht man Erfahrungen, also das ist wirklich so diese- Sache, man muss kein Eins-Nuller Abi haben und so, sondern du brauchst irgendwie Erfahrungen, die sammelst du dann halt auch- Jetzt ich auch während dem Beruf, aber (...) ja. Und Berlin ist halt so, das ist auch 'n wichtiger Punkt, dass 's halt in Berlin so, ja- der Polizeiberuf wirklich nicht so angesehen ist (..) das man da, ja, aufpassen muss. #01:02:47-2#

S Arbeit im Feld. Eine praktische Erprobung der GTM Marie Boost, Kristin Neumann Projekt: Widersrüche in den Erfahrungen von PolizeianwärterInnen

Interview A vom 11.6.16, Dauer: 00:51:07, 3. Ausbildungsjahr im Sommer Ausbildung beendet

Postskript (11.6.16)

Bei A zuhause in der Küche. Eltern und Hund sehen nebenan fern. Im Interview kommt die Mutter rein um dem Hund (laut) Trockenfutter einzugießen. Ich fühle mich in die Zeit pseudo-wichtiger Schulprojekte zurückversetzt.

A. verhält sich sehr gastfreundlich und professionell, gibt mir Hausschuhe, bietet an mich vom Bus abzuholen- Sie sieht sich in der Verantwortung, verhält sich vielleicht gemäß ihrem Selbstverständinis als Polizistin?

Es ist etwas Distanz zwischen uns, sie verhält sich preofessioneller, als ich erwartet habe. Ich bin etwas unkonzentriert, vergesse tw. Fragen, die ich stellen wollte. Sie interpretiert das als Unsicherheit und übernimmt tw die Verantwortung. Sie ist sehr redefreudig.

Das Gespräch bleibt so. Egal ob bei laxen Einstiegs oder provozierenden Fragen am Ende- sie bleibt professionell und redebereit. S

Sie scheint schnell mitzubekommen, dass ich nicht viel von den Formalia, den Inhalten und den Abläufen der Ausbildung verstehe.

A tritt sehr professionell auf. Sie vermittelt den Eindruck, so etwas wie die offizielle Lehrmeinung darstellen zu wollen. Sie identifiziert sich seht als Polizistin, stellt den Beruf nicht in Frage und steht voll hinter dem, was sie lernt.

A denkt zweck-rational und rechtspositivistisch und hält das für die einzige realistische Meinung. Gewalt, Uniform und Eid sind für sie Mittel, die keinerlei Symbolkraft haben. Leider hake ich bei solchen Sachen nicht nach...

Sie tritt sehr selbstsicher und in ihrer Rolle als Polizistin auf und lässt sich nicht provozieren. Habe ich sie falsch (weil anscheinend nicht als Privatperson) angesprochen? Sie deutet in keinem Punkt an, etwas zu hinterfragen oder zu kritisieren. Dies könnte aber auch eine Strategie sein, zu vermeiden, sich rechtfertigen zu müssen- oder sich einzugestehen, dass dieser wie jeder Beruf auch Schattenseiten hat. Warum tut sie das nicht? Eigentlich denke ich, dass jeder, der seinen Job ernst nimmt, nicht mit allem voll zufrieden sein kann, wie auch. Liegt ihre Einseitigkeit daran, dass sie am Ende der Ausbildung und vor dem Berufsleben steht? Ist das junge Naivität zu glauben, dass ich es ihr abnehme, dass es nichts schlechtes gibt?

Ich habe den Eindruck, sie hätte das Gefühl gehabt, ihre Berufsklasse verteidigen zu müssen. Bin ich zu forsch vorgegangen? (Ich denke nicht, sie hat von anfang an so gewirkt). Ihr war wichtig, die Kontrolle zu behalten.

Am Ende (Mikro aus) erzähle ich nebenbei, dass es schwer war, Interviewpartner zu finden, weil die Befürchtungen hatten, dass ihre Vorgesetzten das auf sie zurückführen könnten. Sie sagt, sie verstünde nicht wieso, da sie ja keine internen Strategien verrät. Dass PolizistInnen über Unzufriedenheiten mit ihrer Arbeit sprechen könnten, von denen ihre Vorgesetzten ungern hören würden, fällt ihr nicht ein. Existiert für sie wirklich nur die/der selbsterfüllte PolizistIn?

Es gibt einige Widersprüche in ihren Erklärungen. Fehlverhalten komme von „Schwarzen Schafen“ sagt sie an einer Stelle, an einer anderen, dass Fehlverhalten nur zustande kommt, weil „wir auch nur Menschen sind“ o.ä. Das sind nicht ihre eigenen Worte, sondern Klischees und Gruppenrechtfertigungen..

Ist sie sich der Möglichkeit von (Selbst)Kritik im Polizeiberuf nicht bewusst oder tut sie so, um nicht schon wieder mit der erwarteten Kritik von Leuten, die nichts von ihrem Beruf verstehen, umgehen zu müssen?

S Arbeit im Feld. Eine praktische Erprobung der GTM Marie Boost, Kristin Neumann Projekt: Widersrüche in den Erfahrungen von PolizeianwärterInnen

Interview A vom 11.6.16, Dauer: 00:51:07, 3. Ausbildungsjahr im Sommer Ausbildung beendet

Allgemein denkt sie vor dem Sprechen kaum nach - die Antworten sind schon parat, vielleicht auch weil sie weniger Gefühle als Abläufe und Regeln beschreibt.. Interessant wäre es, ihre Antworten einem älteren (nicht mehr uneingeschränkt glücklichem Polizisten zu geben) und zu hören, was der darüber denkt (geht das?). Kann ich ein Interview für eine GT benutzen, dss nur eine Lehrmeinung ausdrückt, keine persönliche Strategie? Oder ist es persönliche Strategie, Lehrmeinungen nicht zu hinterfragen?

Es kommt in keinem Fall zur Ansprache von eventueller Kritik oder von Zweifeln As.

- Konsequenzen für das zweite Interview:

- Bemühung der Interview offener und ruhiger zu fürhren
- Neutrale Forschungs- und Interviewposition einbeziehen (war letzendlich nicht notwendig)

Transkribtionsnotizen Interview Beatrice

.06.2016

Eventuelle Überforderung mit der Aufgabe „Wir wollen dich als Expertin (?)/in deiner Rolle als Polizeischülerin interviewen

Beginnt ab 4. Minute „Krass“, „mega“ etc. zu benutzen. Weniger zwangvoll oder sogar mehr sie selbst?

Meine Erinnerung an das Gefühl nach dem Interview: Das Fragen stellen fällt mir schwer, weil ich instinktiv verstehe, was sie sagt - Nachfragen käme mir vor, als würde sie sich dadurch unverstanden oder sogar missverstanden fühlen.

Verwendung vieler Floskeln (Ins kalte Wasser geworfen, man wächst da rein) -> Vorurteile?

Viel „man“, „du“, kaum „ich“

„heutzutage klingt nach Wiedergabe fremder Erfahrungen -> das viel mir auch beim ersten Interview auf

:39 vergleicht Berlin mit dem Anderen- Das ist nicht ihre eigene Vergleichsbasis. Auch „Kaum jemand hat noch Respekt“

Mein Eindruck von Beatrice nach der Schulzeit: erwachsener, selbstbewusster- es scheint nicht direkt gestört zu haben, dass wir uns von früher kannten (der Abstand war groß genug) -> aber vielleicht wäre Interviewführung durch Jasper viel fruchtbarer gewesen.

:57 „Ob‘ s vielleicht sogar ein Mord ist“- > Ranking? Wertemaßstab für Ranking?

Eindruck zur Methode: Die Interviewsituation macht es für Leute sehr schwer, ihren eigentlichen Gedanken entsprechend zu reden. Vielleicht sind Suggestivfragen tatsächlich hilfreicher um Impulse zu geben

Eindruck, dass Beatrice die ganzen neuen Eindrücke der Ausbildungszeit noch nicht für sich verarbeitet hat, und sie deswegen erst mal so wiedergibt. Im Gegensatz zur ersten Interviewten macht sie dies verstehend, sich selbst einfindent, die erste eher rechtfertigend---

.06.2016

:24 Selbstreflexion beschränkt sich auf die Funktion (?)

.06.2016

Ich stelle die Frage nach Verantwortung . Die Antwort -> Waffe (Verknüpfung?)

Ich hätte die Fragen persönlicher stellen sollen

Off kommt: „Das ist ja bei jedem Beruf so“, aber genauso oft wird die herausgestellte Position von diesem Beruf impliziert. Wann was von beidem?

Zukunft liegt nicht in ihrer Hand

(Uniform) sie redet mehr von Dingen, die sie nicht selbst erlebt hat.

Angst vor mangelndem Respekt könnte wichtig sein

.06.2016

War es vielleicht so schwierig, das Gespräch in eine persönlichere Bahn zu lenken, weil die Befragten so jung sind?

„Dem Täter helfen wir ja nicht“ -> Ideologiefreiheit (sie könnte ja auch sagen: wir helfen dem Täter, indem wir ihn auf den Rechten weg bringen ... )

Sie redet über den Respekt (Haltung) der Bürger, obwohl die Frage auf deren Meinung abzielte

Spricht von Sachen selbstbewusst als Expertin -> denkt wahrscheinlich, dass Außenstehende keinerlei Zugang zu den Themen haben, und die Polizei evtl. außerhalb des normalen Bewusstseins handelt (???)

Für sie scheint klar zu sein, dass es einen Widerspruch zwischen Professionalität und eigenen Werten gibt

Man hört, wie sie gegen Ende des Interviews erschöpft wird -> und damit evtl. etwas persönlicher Ich alleine gebe den Gesprächsstil nicht vor; er bildet sich aus ihren und meinen Vorstellungen

.06.2016

Der Unterschied zwischen ihr als Polizistin und ihr in Zivil scheint in der Waffe zu bestehen

Polizistin sein= „Anderen Leuten helfen wenn ihnen Unrecht getan wird“ -> Was ist mit Zivilcourage? Besonderheit P. besteht wohl nicht in bes. Rechten, sondern d. Aufgabe

Wozu braucht Bea unbedingt Selbstbewusstein?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zukunft

In welchem Arbeitsbereich willst du in Zukunft arbeiten?

Wie stellst du dir dein Leben mit 40 vor?

Vorschlag für die Gliederung der Blö>Einstieg in die Ausbildung aka Vorstellungen vom Polizeidienst

Schulalltag

Freizeit

Bisherige Erfahrungen im praktischen Polizeidienst Was ist ein e gute r Polizist in Zukunftsvorstellungen Zeitungsausschnitt etc.

27.05.2016

Erstellung des Fragebogens:

- Alltag als einfacher & angenehmer Gesprächseinstieg
- Vorstellung von Polizei ist mit expliziten und implizite Erwartungen verbunden
- Freizeit als Überleitung zur Reflexion des Berufs(bilds)
- Einsätze dann zur tatsächlichen Reflexion der Berufspraxis und der Rolle als Polizist
- Der Zukunftsblock wurde gewählt um eine Zukunftsvision zu kreiren und nocheinmal das subjektive Bild des subjektiv "guten" Polizisten zu erfahren.
- Konfrontation / Stimulus:

Ziel ist es die Eigenwahrnehmung und das subjektive Bild des Berufs mit einer Fremdwahrnehmung des Berufs zu konfrontieren.

Die Art und Weise wie auf den Stimulus reagiert wird, könnte Indizien auf den Reflexionsgrad der Polizeianwärter*innen aufzeigen.

[...]


1 Der Begriff Rollenübernahme beruht auf Meads Rollentheorie und beschreibt den Prozess der Identitätsstiftenden Moment - genaueres kann in II.2. Fachliches Vorwissen & allgemei­ner Forschungsstand nachgelesen werden.

2 Diese Theorie ist nicht zum fachlichen Vorwissen zu zählen, da sie erst nach der Kategorienbildung, beim verschriftlichen der Ergebnisse entdeckt und zu Rate gezogen wurde.

3 Eine Blackbox meint hier einen abgeschlossenen, gesellschaftlich-institutionellen Apparat in dem sich etwas verändert, dass nicht unmittelbar nachvollzogen werden kann. Im Fall der Polizeiausbildung hat dies seine Gründe in dem Ausschluss der Öffentlichkeit, sowie Handlungsstrategien & -vorgaben die nicht explizites Ausbildungsziel sind, aber implizit vermittelt werden. (Siehe Schaubild 1)

4 Die Klassifizierung von »intrinsisch« und »extrinsisch« sind leider nicht absolut feststellbar und sollen daher tendenzielle Klassifizierungen zur allgemeinen Orientierung darstellen, deren Übergänge fließend sind und dabei durchaus auch Überschneidungen aufweisen können.

5,gut' gibt hier die subjektive Meinung der Interviewten wieder und soll keine objektive Klassifizierung darstellen

6 Modellhaft nachzuvollziehen in Abbildung 2

7 Modellhaft nachzuvollziehen in Abbildung 3

62 von 62 Seiten

Details

Titel
Rollenübernahme von Polizeischülerinnen. „Ich hab Polizei hinten auf’m Rücken stehen und damit wird von mir alles erwartet“
Untertitel
Forschungsarbeit mit der Grounded Theory Methodology
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
62
Katalognummer
V367328
ISBN (Buch)
9783668460683
Dateigröße
2571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polizei, Rollenübernahme, Uniform, Qualitative Sozialforschung, Polizeiforschung, interpretative sozialforschung, grounded theory, mead, Polizist, empirische forschung, empirische polizeiforschung, interview, macht, kontrolle, rollentheorie, gewalt, institutionalisiert
Arbeit zitieren
Jasper Janssen (Autor:in)Charlotte Herbertz (Autor:in), 2016, Rollenübernahme von Polizeischülerinnen. „Ich hab Polizei hinten auf’m Rücken stehen und damit wird von mir alles erwartet“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367328

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