Die Sanierungskreditvergabe im Prozeß der Unternehmenssanierung


Bachelorarbeit, 2015

60 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Unternehmenskrise
2.1 Krisenbegriff
2.2 Krisenverlauf
2.3 Krisenursachen
2.4 Krisensymptome

3 Das Insolvenzverfahren
3.1 Insolvenzeröffnungsgründe
3.2 Ablauf des Insolvenzverfahren

4 Die Sanierung von Unternehmen
4.1 Sanierung vs. Restrukturierung
4.2 Allgemeine Sanierungsvoraussetzungen
4.3 Sanierungskonzept IDW S6
4.4 Sanierungsmaßnahmen

5 Die Bank als Sanierungskreditgeber
5.1 Überbrückungskredit vs. Sanierungskredit
5.2 Entscheidungsproblem des Sanierungskreditgeber
5.3 Handlungsmöglichkeiten der Bank

6 Die Sanierungskreditvergabe
6.1 Umgang mit Problemkreditengagements
6.2 Rechtliche Aspekte
6.3 Entscheidungsparameter
6.3.1 Qualitative Entscheidungsparameter
6.3.2 Quantitative Entscheidungsparameter
6.3.3 Besicherung
6.3.4 Für die Bank erzielbare Erträge aus der Sanierungskreditvergabe
6.4 Kündigung von Sanierungskrediten

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typisierter Verlauf einer Unternehmenskrise

Abbildung 2: Ablauf des Insolvenzverfahrens

Abbildung 3: Kernbestandteile des IDW S6

Abbildung 4: Zeithorizont von Sanierungsmaßnahmen

Abbildung 5: Stufen der Kreditbetreuung

Abbildung 6: Quantitative Entscheidungsparameter

Abbildung 7: Die Ziele der Bank bei einem Krisenunternehmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Exogene und endogene Krisenursachen

Tabelle 2: Qualitative Entscheidungsparameter

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Obwohl die Zinsen für Bankkredite aktuell so niedrig sind wie noch nie zuvor, rechnen Exper- ten damit, dass es in den kommenden Jahren für Unternehmen, besonders für den Mittel- stand, zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme kommen wird (Posch, 2013; DWN, 2013). Gerade in der finanziellen Schieflage eines Unternehmens hat dies jedoch oft- mals weitreichende Folgen sowohl für das Unternehmen als auch für das direkte Unterneh- mensumfeld. Denn schafft es das Unternehmen nicht, den Liquiditätsengpass zu beseitigen, so bleibt in der Regel nur noch der Gang zum Insolvenzgericht. Die Folgen sind immens: Es kann zu weiteren Insolvenzen vor- und nachgelagerter Unternehmen kommen (siehe globale Wirt- schafts- und Finanzmarktkrise 2007/2008), hunderte Arbeitsplätze gehen verloren, Ver- schlechterung der sozialen Situation bestimmter Regionen, Steuerausfälle für Gemeinde, usw. Daher gilt es, möglichst schnell den Liquiditätsengpass des Krisenunternehmens zu beseitigen, damit das Unternehmen den notwendigen Betrieb aufrecht erhalten kann und seinen Zah- lungsverpflichtungen nachkommen kann.

Bei der Durchführung des Finanzierungsvorhaben in der Restrukturierung kommt den Bank- krediten als externe Finanzierungsquelle die wichtigste Bedeutung1 zu (Roland Berger Strategy Consultants, 2014, S. 24). Besonders in der Situation der (drohenden) Insolvenz nehmen Kreditinstitute eine besondere Rolle ein, denn es lassen sich kaum noch weitere In- vestoren finden (Ringelspacher, 2012, S. 64). Sie entscheiden dann mit ihrer Handlung oft- mals über den Ausgang des Krisenunternehmens. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es daher sein, die Praxis deutscher Kreditinstitute hinsichtlich der Sanierungskreditvergabe im Prozess der außergerichtlichen Unternehmenssanierung zu analysieren. Es gilt zu klären, unter wel- chen Voraussetzungen Banken sich bereit erklären, Sanierungskredite zu vergeben.

Zur Klärung der Ausgangssituation stehen der Arbeit die Grundlagen zur Unternehmenskrise voran, gefolgt von einer kurzen Darstellung des deutschen Insolvenzverfahrens. Das Insol- venzverfahren wird hier explizit betrachtet, damit zum einen eine Abgrenzung zwischen der Krise und der Insolvenz erfolgt, und zum anderen das Verhalten der Banken zur Vergabe von Neukrediten im Hinblick auf die Gefahr der Insolvenzverschleppung besser nachvollzogen werden kann. Im Anschluss wird kurz auf die allgemeinen Sanierungsvoraussetzungen (u. a. Sanierungswürdigkeit und -fähigkeit sowie die Erstellung des Sanierungskonzepts) und den Sanierungsmaßnahmen eingegangen, welche bei der Vergabe von Sanierungskrediten zwingend vorausgesetzt werden.

Den zentralen Teil dieser Bachelorarbeit macht die Analyse zur Vergabe von Sanierungskrediten aus. Hierzu werden das Entscheidungsproblem der Banken und die klassischen Handlungsoptionen mit dem Schwerpunkt auf die Gewährung neuer liquider Mittel untersucht. Ausgehend von der Analyse der rechtlichen Situation von Sanierungskrediten wird eine Übersicht über die in der Literatur genannten Einflussparameter gegeben, welche sich in vier Kategorien einteilen lassen: Qualitative und quantitative Entscheidungsparameter, Besicherung und für die Bank erzielbare Erträge aus der Sanierungskreditvergabe. Abschließend wird auf die Kündigung von Sanierungskreditverträgen eingegangen.

Als erste Kenntnis kann bereits jetzt schon festgehalten werden, dass die Sanierungskreditvergabe sehr vielen Einflüssen unterliegt und sich dadurch zu einem komplexen Entscheidungsproblem für die Bank entwickelt. Das Kreditinstitut wird daher einen Sanierungskredit nur unter Abwägung aller Interessen und Risiken vergeben. Bestehen rechtliche Risiken, so wird die Bank regelmäßig eine Sanierungskreditanfrage ablehnen.

2 Die Unternehmenskrise

Im folgenden Kapitel sollen zunächst die Grundlagen der Unternehmenskrise erörtert werden. Zu Beginn wird der Krisenbegriff geklärt. Anschließend der typische Verlauf einer Unternehmenskrise skizziert und darauf aufbauend die Krisenursachen aufgezeigt. Zum Schluss werden die Krisensymptome dargestellt.

2.1 Krisenbegriff

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff der Unternehmenskrise primär eine negative Unternehmensentwicklung assoziiert (Lüthy, 1987, S. 26). Vor allem im heutigen Medienzeitalter dient der Begriff als plakative Überschrift für kritische Berichterstattungen zu Unternehmungen (Radowski, 2006, S. 13). Um jedoch diesen weit gefassten Krisenbegriff eingrenzen zu können, muss für die im Rahmen der Bachelorarbeit übergeordnete Thematik eine genauere Definition her:

„Eine Unternehmenskrise im betriebswirtschaftlichen Sinne ist das Endstadium eines von dem Unternehmen ungewollten Prozesses, in dessen Verlauf sich die Erfolgspotenziale2, das Reinvermögen und/oder die Liquidität des Unternehmens so ungünstig entwickelt haben, dass die Existenz des Unternehmens akut bedroht ist“ (Hess, 2011, S. 5).

Rechtlich ist von einer Unternehmenskrise dann die Rede, wenn das Unternehmen nicht mehr kreditwürdig ist, also aufgrund von unzureichenden Vermögensverhältnissen von einem Drit- ten kein Darlehen (unter marktüblichen Konditionen) erhält (Schulz, Bert, und Lessing, 2012, S. 31).

2.2 Krisenverlauf

Während einer Krise durchläuft ein Unternehmen mehrere Phasen, bis es letztendlich durch Sanierungsmaßnahmen gerettet werden kann oder diese scheitern und nur noch der Gang zum Insolvenzgericht bleibt. Der Krisenverlauf eines Unternehmens lässt sich in drei typische Krisenabschnitte unterteilen: Strategiekrise, Erfolgskrise und die Liquiditätskrise. Die Insolvenz wird als das Endstadium der Krise betrachtet.

In der strategischen Krise gelingt es der Unternehmensleitung nicht mehr, durch geeignete Investitions- und Finanzentscheidungen den Unternehmensgesamtwert zu steigern bzw. die- sen auf dem einmal erreichten Niveau zu halten (Schneider & Waschk, 2002, S. 7). Insbeson- dere gelingt es der Geschäftsführung nicht, die notwendigen Erfolgspotenziale zu erzeugen.

Auf die Strategiekrise folgt die Erfolgskrise3. Sie kennzeichnet sich dadurch, dass „…die Verluste das Eigenkapital aufzehren und eine Überschuldung droht“ (Kemner, 2010, S. 20). Hieraus folgt, dass ein Absatzrückgang (aus den unterschiedlichsten Gründen) zu einer anhaltend rückläufigen Ertragslage führt, welches die finanziellen Reserven verbraucht. Damit stehen diese Reserven für eventuell spätere Neuinvestitionen nicht mehr zur Verfügung.

Die dritte und letzte Krisenart vor der Insolvenz ist die Liquiditätskrise. Sie zeichnet sich durch eine nachhaltige Verknappung der liquiden Mittel aus. In dieser Phase droht dem Un- ternehmen die Zahlungsunfähigkeit (Kemner, 2010, S. 20). Nach Hohberger / Damlachi (2014) befindet sich ein Unternehmen dann in der Liquiditätskrise, wenn entweder ein sog. Cash-Burn4 entsteht oder sich Cash-Verluste aus dem Working-Capital-Cashflow, dem Investi- tions-Cashflow sowie dem Finanzierungs-Cashflow entwickeln (Hohberger & Damlachi, S. 13).

Hinsichtlich des Krisenausmaßes und der Beeinflussbarkeit lassen sich drei typische Krisenstadien unterscheiden. Die (noch) beeinflussbare Krise wird als potentielle oder latente Krise bezeichnet. Ist die Krise schon weiter vorangeschritten, so ist die Rede von der existenzbedrohenden Krise. Wenn das Krisenausmaß nicht mehr beherrschbar ist und die Krise zur Existenzzerstörung des Unternehmens führt, dann wird von der existenzvernichtenden Krise gesprochen (Hohberger & Damlachi, 2014, S. 8).

Aus Abbildung 1 folgt, dass je früher eine Krise vom Management wahrgenommen und er- kannt wird, desto größer sind die Handlungsoptionen und damit die Sanierungswahrschein- lichkeit. Mit dem Voranschreiten der Krise nehmen diese Möglichkeiten sehr schnell ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Typisierter Verlauf einer Unternehmenskrise (Quelle: Ostermeier, 2006, S. 57).

2.3 Krisenursachen

Selten treffen Krisen ein Unternehmen unerwartet. Stattdessen ist die Unternehmenskrise oftmals ein schleichender Prozess, welcher sich über viele Jahre entwickelt und letztendlich durch einen Auslöser zum Vorschein tritt. Nach Seefelder (2012) überdecken gute konjunktu- relle Entwicklungen häufig fehlerhafte Strukturen, bis der Markt kippt und jene Strukturen dadurch umso schneller und schädlicher wirksam werden (Seefelder, 2012, S. 86).

Die Ursachen von Unternehmenskrisen können in exogene (nicht durch das Unternehmen verursacht) und in endogene (unternehmensinterne) Faktoren eingeteilt werden. Die folgende Tabelle gibt einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten und am häufigsten genannten Krisenursachen (abgeleitet aus Hess, 2011, S. 130 ff.; Sackmann, 2013, S. 46; Galuschge, 2008, S. 18):

Tabelle 1: Exogene und endogene Krisenursachen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Krisensymptome

Je nach Krisenstadium und Betrachtungsweise (Unternehmensebene, Unternehmensumfeld und der Bank vorliegenden Informationen) gibt es unterschiedliche Symptome für eine Unternehmenskrise. Vor allem das rechtzeitige Erkennen von solchen Indizien und die daraus abgeleiteten Maßnahmen haben einen entscheidenden Einfluss auf den Sanierungsprozess und nicht zuletzt auf die Sanierungschancen.

Auf der Unternehmensebene gibt es unterschiedliche Indizien für eine Unternehmenskrise. Beispiele sind ein schrumpfender Markt, sinkende Marktanteile, Kostensteigerungen durch Tarifabschlüsse und Einkaufspreise, Rentabilitätsverluste oder sinkende Erträge und Margen. Weiterhin können zu hohe Lagerbestände, geringe Lagerumsätze und somit eine hohe Kapi- talbindung ebenfalls Anzeichen für eine Krise sein. (Ostermeier, 2006, S. 30; Kemner, 2010, S. 20 f.).

Auf der Ebene des Unternehmensumfeldes werden Krisen z. B. durch Ausfälle (Insolvenzen) der Kunden und Lieferanten gekennzeichnet. Außerdem können allgemeine Branchenschwierigkeiten ebenfalls ein Hinweis auf eine Krise sein, indem z. B. wichtige Lieferanten nur noch gegen Vorkasse liefern (Ostermeier, 2006, S. 31).

Für Kreditinstitute ist es notwendig, möglichst frühzeitig jene Firmenkunden zu identifizieren, welche sich in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden. Denn die Krise eines Firmenkunden bedeutet gleichzeitig auch ein erhöhtes Risiko für die Bank, ihre gewährten Kredite unter Umständen teilweise oder komplett abschreiben zu müssen und nicht zuletzt eventuell einen langjährigen Kunden zu verlieren. Aus diesem Grund haben Kreditinstitute Frühwarnindikatoren entwickelt, um problematische wirtschaftliche Situationen ihrer Kreditnehmer frühzeitig zu erkennen. Typische Anzeichen für eine Firmenkundenkrise können eine starke Ausnutzung der Kontokorrentlinien, häufige Scheck- und Lastschriftrückgaben, die verspätete Einreichung von Finanzplänen, Bilanzen und betrieblichen Auswertungen sowie ein internes Ranking der Bank sein (Lützenrath, Peppmeier, und Schuppener, 2006, S. 13 f.).

3 Das Insolvenzverfahren

Der Höhepunkt einer Unternehmenskrise ist die (Regel-)Insolvenz. In diesem Endstadium der Krise befindet sich ein Unternehmen, wenn alle Sanierungsmaßnahmen gescheitert sind und nach § 16 InsO ein Insolvenzeröffnungsgrund vorliegt.

Das vorrangige Ziel des Insolvenzverfahren ist die gemeinschaftliche Befriedigung der Gläubi- ger des insolventen Schuldners (§ 1 InsO). Doch die Insolvenzordnung sieht nicht nur die gerichtliche Sanierung vor5, sondern ist vielmehr durch zahlreiche Vorschriften darum be- müht, eine außergerichtliche oder freie Sanierung anzustreben. Dem trägt beispielsweise der Gedanke des Insolvenzplans oder der übertragenden Sanierung Rechnung (Häuser, 2011, § 85 Rd. 152).

In diesem Abschnitt soll ein kurzer Überblick über den Ablauf des Insolvenzverfahrens gegeben werden, beginnend mit den erforderlichen Insolvenzeröffnungsgründen.

3.1 Insolvenzeröffnungsgründe

Die Frage, wann die Pflicht zu einem Insolvenzantrag besteht, wird in § 16 InsO geregelt. Ein Antrag muss demnach gestellt werden, wenn:

- Die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bzw. des Unternehmers vorliegt (§ 17 Abs. 1 InsO),
- Beim Vorliegen einer drohenden Zahlungsunfähigkeit (§ 18 Abs. 1 InsO). Hierzu besteht jedoch keine Verpflichtung.
- Die Überschuldung einer juristischen Person vorliegt (§ 19 Abs. 1 InsO).

Die Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat, also er nicht mehr in der Lage ist, fällige Zahlungspflichten zu erfüllen (§ 17 Abs. 2 InsO).

Von der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist dann die Rede, wenn der Schuldner voraussichtlich nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungspflichten zum Zeitpunkt der Fälligkeit nachzukommen (§ 18 Abs. 2 InsO). Zur Anmeldung der Insolvenzeröffnung ist in diesem Fall nur der Schuldner berechtigt. Eine Anmeldung durch etwaige Gläubiger ist unzulässig.

Die Überschuldung ist gegeben, wenn das Vermögen die Verbindlichkeiten des Schuldners nicht mehr deckt. Hiervon kann jedoch abgewichen werden, wenn trotz Überschuldung die Fortführungsprognose des Unternehmens als überwiegend wahrscheinlich gilt (§ 19 Abs. 2 InsO).

Die Eröffnung des Insolvenzverfahren müssen die Vertreter juristischer Personen ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung stellen (§ 15a Abs. 1 InsO). Kommen sie dieser Verpflichtung nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig nach, so kann dies mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden (§ 15a Abs. 4 InsO).

3.2 Ablauf des Insolvenzverfahren

Das Insolvenzverfahren ist ein Antragsverfahren, d. h. das Insolvenzgericht wird nur auf An- trag des Schuldners oder der Gläubiger (§ 13 Abs. 1 InsO) tätig. Ein Antrag führt nicht sofort zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens, sondern zunächst zu einer Prüfung durch das zustän- dige Insolvenzgericht. In diesem Zeitraum, dem vorläufigen Insolvenzverfahren, wird die Zu- lässigkeit6 und Begründetheit7 durch den Insolvenzrichter geprüft. Dabei gilt, dass einem Fremdantrag (Antrag durch die Gläubiger) höhere Anforderungen zu Grunde gelegt werden als einem Eigenantrag (Antrag durch das Unternehmen bzw. die gesetzlichen Vertreter). Grund hierfür ist, dass vermieden werden soll, durch einen unbegründeten Antrag der Gläu- biger z. B. einen „lästigen“ Konkurrenten in Schwierigkeiten zu bringen (Schulz, Bert, und Lessing, 2012, S. 44 ff.). Nach § 21 InsO hat das Insolvenzgericht die Pflicht, Maßnahmen zur Sicherung des Schuldnervermögens zu treffen. Dies kann beispielsweise ein Verbot der Voll- streckungsmaßnahmen der Gläubiger gegen das Unternehmen sein oder das Auferlegen von Verfügungsbeschränkungen gegen das schuldnerische Unternehmen. Desweiteren kann das Gericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter mit oder ohne Verfügungsbefugnis bestellen, um zu verhindern, dass in irgendeiner Form Vermögenswerte verloren gehen (Seagon, 2014, § 24 Rd. 15).

Die folgende Grafik gibt eine Übersicht über den Ablauf des Insolvenzverfahrens:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Ablauf des Insolvenzverfahrens (Quelle: Schulz, Bert, und Lessing, 2011, S. 43).

Ist der Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht eingereicht und geprüft worden, so entscheidet der Insolvenzrichter entweder auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder weist diesen mangels Masse ab, d. h. das Vermögen des Schuldners reicht nicht zur Deckung der Massekosten8 (§§ 54, 55 InsO). Im Falle der Ablehnung wird das Unternehmen gemäß § 394 FamFG im Handelsregister von Amts wegen gelöscht.

Mit dem Beschluss der Insolvenzeröffnung werden der endgültige Insolvenzverwalter und der Insolvenzschuldner benannt (§ 27 InsO). Weiterhin werden nach § 28 InsO die Gläubiger zur Geltendmachung ihrer Forderungen innerhalb einer vorgegebenen Frist aufgefordert. Dane- ben gibt das Insolvenzgericht die Termine für den Berichts- und Prüfungstermin bekannt (§ 29 Abs. 1 InsO).

Durch den Beschluss geht die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über die Insolvenzmasse auf den Insolvenzverwalter über, der die Insolvenzmasse sofort in Besitz nimmt (§§ 80, 148 InsO).

Im Berichtstermin hat der Insolvenzverwalter der Gläubigerversammlung über die wirtschaftliche Lage des Schuldners und über die Möglichkeiten einer Unternehmensfortführung und des Insolvenzplans zu berichten (§ 156 Abs. 1 InsO). Auf Grundlage des Berichts entscheidet sich die Gläubigerversammlung entweder für die Stilllegung oder die Fortführung des Schuldnerunternehmens (§ 157 InsO).

Im Prüfungstermin werden die angemeldeten Forderungen der Insolvenzgläubiger nach Betrag und Rang (§ 176 InsO) geprüft. Stimmen sowohl der Insolvenzverwalter als auch die Insolvenzgläubiger den Forderungen zu, gelten sie als festgestellt und werden in die Tabelle mit Rang und Betrag aufgenommen (§ 178 InsO).

Ist die Massebereinigung9 durchgeführt worden, so findet nach dem Berichtstermin die Verwertung der Masse durch den Insolvenzverwalter statt (§ 159 InsO). Hierzu kann sich der Insolvenzverwalter der Liquidierung, der Sanierung oder der Übertragung bedienen.

Die Verteilung der Masse findet unter Abzug der Kosten des Insolvenzverfahrens statt (§ 59 InsO). Es werden diejenigen Insolvenzgläubiger befriedigt, die zu Verfahrensbeginn einen Anspruch besaßen (§ 38 InsO).

Im Schlusstermin - der abschließenden Gläubigerversammlung - muss der Insolvenzverwalter den Gläubigern nochmals Rede und Antwort stehen. Hier hat er seine Schlussrechnung gemäß § 66 InsO zu erklären und die Gläubiger haben die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Schlussverzeichnis zu erheben und über nicht verwertbare Gegenstände der Insolvenzmasse zu entscheiden (§ 197 InsO).

Ist die Schlussverteilung vollzogen, so beschließt das Insolvenzgericht die Aufhebung des Insolvenzverfahrens (§ 200 InsO).

Gläubiger, die im Rahmen des Insolvenzverfahrens nicht befriedigt wurden, können ihre restlichen Forderungen wieder unbeschränkt geltend machen.

In der Praxis machen immer öfter natürliche Personen von der sog. Restschuldbefreiung gebrauch (§ 286 InsO).

4 Die Sanierung von Unternehmen

In diesem Kapitel sollen die Grundlagen zur Sanierung von Unternehmen erarbeitet werden. Für ein genaueres Verständnis der Unternehmenssanierung wird zunächst eine Abgrenzung zwischen den Begriffen Sanierung und Restrukturierung vorgenommen. Anschließend werden die allgemeinen Voraussetzungen für eine Unternehmenssanierung (u. a. Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit) behandelt. Darauf folgt eine kurze Übersicht der Sanierungsmaßnahmen.

4.1 Sanierung vs. Restrukturierung

Unter der Sanierung eines Unternehmens werden „…alle Maßnahmen unternehmenspolitischer, führungstechnischer, organisatorischer, finanz- und leistungswirtschaftlicher Art verstanden, die der Wiederherstellung existenzerhaltender und späteren Gewinn versprechender Grundlagen des Unternehmens dient“ (Hess, 2011, S. 16).

Im engeren Sinne wird von der Sanierung dann gesprochen, wenn die Krise so weit voran geschritten ist, dass der Bestand des Unternehmens ernsthaft gefährdet ist, d. h. das Unternehmen als sanierungsbedürftig anzusehen ist (Seefelder, 2012, S. 28). Die Überlebensfähigkeit des Unternehmens muss in solchen Fällen zumeist unter hohem Zeit- und Entscheidungsdruck gemeistert werden (Sartor, 2013, S. 276).

Im Gegensatz zur Sanierung erfolgt die Restrukturierung aus dem Unternehmen heraus und meist ohne Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Ressourcen externer Gruppen. Sie dient der mittel- bis langfristigen Absicherung der strategischen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens (Portisch, 2010a, S. 10; Sartor, 2013, S. 276). Die Restrukturierung erfolgt demnach eher noch in der Entstehungsphase der Krise, in der die Notwendigkeit zur Sanierung nicht gegeben ist (Seefelder, 2012, S. 28).

4.2 Allgemeine Sanierungsvoraussetzungen

Damit eine Sanierung überhaupt für Unternehmen in Betracht kommt, müssen einige wichtige Elemente Beachtung finden. Hierzu zählen die Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit des Unternehmens, die Erstellung einer Ist-Betriebsanalyse, die Erstellung eines Sanierungs- konzepts10 sowie der nicht zu unterschätzende Faktor Zeit (Hohberger & Damlachi, 2014, S. 38 f.). Darüber hinaus spielt die Informationsverteilung zwischen den beteiligten Akteuren einen zentralen Gesichtspunkt in der Sanierung des Unternehmens (Portisch, 2010a, S. 15).

Ein Unternehmen ist als sanierungsfähig einzustufen, wenn der Fortführungswert über dem Zerschlagungswert liegt, d. h. nach einer Turnaroundphase11 ausreichend Erträge und Cash- flows erwirtschaftet werden, und die Eigenkapitalbasis wieder auf eine gesunde Basis gestellt werden kann (Müller-Ganz, 2004, S. 61). In anderen Worten bedeutet es, dass eine positive Fortführungsprognose gegeben sein muss und zusätzlich die nachhaltige Rendite- und Wett- bewerbsfähigkeit bejaht werden muss. Durch die Erstellung des Sanierungskonzeptes kann die Bewertung der Sanierungsfähigkeit eines Unternehmens vorgenommen werden.

Von der Sanierungsw ü rdigkeit einer Unternehmung ist die Rede, wenn die erforderliche Be- triebssubstanz nicht ohne Stützungsmaßnahmen für eine erfolgreiche Weiterführung des Be- triebs und die Abdeckung der bestehenden Verpflichtungen erhalten werden kann. Von einer solchen Situation kann ausgegangen werden, wenn abzusehen ist, dass durch die weitere Entwicklung das Unternehmen in eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung geraten wird und wenn eine rechtzeitige Änderung dieser Entwicklung nicht mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist (Obermüller, 2011, Rd. 5.104). Portisch (2010a) erweitert diesen Begriff um „…die individuelle Einschätzung eines Kreditinstituts, mit subjektiven Wertungselementen, ein Krisenunternehmen bei den Sanierungsbemühungen unterstützen zu wollen“ (Portisch, S. 177).

Durch die Erstellung einer Ist-Betriebsanalyse, d. h. einer strukturierten Aufbereitung der Betriebsdaten, erhält der Sanierungsmanager die Möglichkeit, sich ein genaueres Bild über das Unternehmen zu machen.

Je nach Komplexität der Unternehmenssituation müssen Sanierungsmanager unter höchstem Zeitdruck eine Betriebsanalyse und ein Sanierungskonzept erstellen. Daher ist es wichtig, dass trotz Zeitdruck die Professionalität der Gutachten gewahrt wird.

[...]


1 Fast 90 % aller Unternehmen bevorzugen zur Durchführung ihrer Finanzierungsvorhaben die Bankenfinanzie- rung (Roland Berger Strategy Consultants, 2014, S. 25).

2 Unter Erfolgspotenzialen werden unternehmens-, produkt- und marktspezifische Handlungen der Unternehmen verstanden, um Erfolge realisieren zu können (Lombriser & Abplanalp, 2012, S. 37-40).

3 Auch Ertragskrise genannt.

4 Die Cash-Burn-Rate gibt die Geschwindigkeit an, mit der sich die finanziellen Mittel verringern.

5 Auf die Sanierung im Insolvenzverfahren wird hier nicht näher eingegangen.

6 Unter der Zulässigkeit wird die Prüfung der Insolvenzfähigkeit (§ 11 InsO) sowie bei einem Gläubigerantrag die Berechtigung der Forderung und die Glaubhaftmachung der vorgebrachten Eröffnungsgründe (§ 14 InsO) verstanden.

7 Begründetheit liegt vor, wenn einer der Insolvenzeröffnungsgründe gegeben ist und zusätzlich die Insolvenzmas- se die Verfahrenskosten deckt (§ 26 InsO).

8 Die Kosten für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens hängen von der Unternehmensgröße ab und setzen sich zusammen aus den Gerichtskosten, den Vergütungsansprüchen des Verwalters usw.

9 Hierunter ist die Aussonderung von Fremdeigentum (§ 47 InsO) oder solcher Gegenstände, die mit Absonde- rungsrechten versehen sind, zu verstehen.

10 Auf die Erstellung des Sanierungskonzepts wird im Abschnitt 4.3. eingegangen.

11 Man spricht von einem Turnaround, wenn ein Unternehmen noch rechtzeitig seine kritische Situation erkennt und Maßnahmen ergreift, um den Weg in die Insolvenz zu verhindern (vgl. Müller-Ganz, 2004, S. 24).

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Die Sanierungskreditvergabe im Prozeß der Unternehmenssanierung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Unternehmensfinanzierung)
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
60
Katalognummer
V367387
ISBN (eBook)
9783668458482
ISBN (Buch)
9783668458499
Dateigröße
974 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sanierungskredit, Unternehmenssanierung, Kreditvergabe, Entscheidungsfaktoren, Entscheidungskriterien, Sanierungskreditvergabe, Einflussfaktoren des Sanierungskredits, Restrukturierung
Arbeit zitieren
Abdul Muqeet Ghaffar (Autor), 2015, Die Sanierungskreditvergabe im Prozeß der Unternehmenssanierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367387

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