Die Außenseiterthematik in "Paul Vier und die Schröders" von Andreas Steinhöfel


Hausarbeit, 2013

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffes Außenseiter

3. Theoretisches Analysemodell zur Untersuchung der Figuren

4. Figurenanalyse in Paul Vier und die Schröders mit Fokus auf die Außenseiterthematik
4.1 Optische Auffälligkeiten und unkonventionelle Verhaltensweisen der Familie Schröder als Merkmale der Außenseiterposition
4.2 „Telling names“ - Die Namen der Familie Schröder als Merkmal ihrer Außenseiterposition

5. Die Figurenkonstellation und ihre Wirkung auf die Außenseiterrolle der Familie Schröder

6. Didaktische Perspektiven

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Kinder- und Jugendbuchautor Andreas Steinhöfel macht Außenseiter zu den wahren Helden des Lebens. In seinen Werken übernehmen Randständige häufig die Rolle des Protagonisten oder spielen eine sympathisierende Rolle. Die vorliegende Hausarbeit behandelt diese Außenseiterthematik anhand Steinhöfels Werk Paul Vier und die Schröders, das erstmals 1992 erschienen ist. Das Ziel dieser Arbeit liegt in der Beantwortung der Frage, welche Bedeutung die Problematik des Außenseiters für den jungen Leser darstellt und in wie fern Literatur zu einer Auseinandersetzung mit dieser Thematik genutzt werden kann. Die Arbeit ist in sieben Kapiteln gegliedert, in denen dieser Fragestellung nachgegangen wird. Im zweiten Kapitel werde ich die Arbeit mit einer Definition des Begriffes Außenseiter beginnen. Wie kommt es zu diesem Status und wie sind die Reaktionen der Umwelt auf einen solchen Menschen? Um das Werk Paul Vier und die Schröders hinsichtlich der benannten Thematik analysieren zu können, werde ich in Kapitel drei das von mir verwendete analytische Verfahren vorstellen. In Kapitel vier werde ich diese Verfahren anwenden. Dabei wird die Untersuchung des normabweichenden Verhaltens, das Aussehen und die ungewöhnlichen Namen der Familie Schröder als Merkmal ihrer Außenseiterposition im Fokus stehen. Abschließend werde ich, um zur Ausgangsfrage zurück zu kehren, das didaktische Wirkungspotential des Werkes überprüfen. Im Fazit werden die Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammengefasst.

Zur besseren Übersicht habe ich Zitate aus der Primärliteratur Paul Vier und die Schröders, wie auch den Titel selbst in kursiv gekennzeichnet und diese mit der jeweiligen Seitenanzahl angegeben.

2. Definition des Begriffes „Außenseiter“

Die meisten Menschen sind Bestandteil einer oder mehrerer sozialer Gruppen und gehören damit einer Gesellschaft an. Außenseiter sind Menschen, die nicht in die jeweilige Gruppe integriert werden oder „lediglich am Rande des Kollektivs geduldet sind“ (Kurpjuhn 2000, 25). Der promovierte Professor Hansjosef Buchkremer bezeichnet Außenseiter als Menschen, die in einem „gebrochenen Verhältnis“ zu einer Gruppe stehen (Buchkremer 1977, 9). Er gibt als Ursache für diese Position Merkmale an, an denen die Randständigen erkennbar sind. Kurpjuhn bezieht sich auf diese Merkmale und zählt zu ihnen die äußere körperliche Erscheinung, die Herkunft, den sozialen Status der Personen, die Gewohnheiten oder sonstige Merkmale, die sich nicht den Maßstäben der Gesellschaft fügen (vgl. Kurpjuhn 2000, 26). Um Außenseiter zu werden, muss es eine Gemeinschaft geben, die bestimmte Normen vorgibt. So werden Außenseiter von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft, die ihren sozialen Status gesichert haben, abwertend behandelt. In vielen Fällen bleibe es nach Kurpjuhn nicht bei der Ausgrenzung der Außenseiter vom öffentlich-gesellschaftlichen Leben, Außenseiter werden von „der Allgemeinheit gemieden“, ihre Meinung werde ignoriert und sie werden für Fehlleistungen der Gruppe verantwortlich gemacht. Oftmals werden den Außenseitern „Verhaltensweisen zugeschrieben, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen“, zudem liege die Gewaltschwelle teilweise sehr niedrig, sodass sie schnell zu Opfern gewalttätiger Übergriffe werden (vgl. Kurpjuhn 2000, 26).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Menschen in die Rolle des Außenseiters gelangen, wenn sie bestimmte Merkmale besitzen, die den Maßstäben der jeweiligen Gruppierung nicht gerecht werden. Darauf reagieren Mitglieder dieser Gruppe häufig mit Rücksichtslosigkeit und Herablassung.

3. Theoretisches Analysemodell zur Untersuchung der Figuren

Um die Figuren in dem Roman Paul Vier und die Schröders zu analysieren, werden verschiedene Analysemodelle, die von Stefanie Bachhorz zusammengefasst wurden, Grundlage sein. Dabei wird der Fokus auf die Figurenkonstellation und -charakterisierung gelegt. Um Figuren in Ihrer Fülle analysieren zu können, ist nach Bachorz die „genaue Bestimmung der Figur im Zusammenhang mit den anderen Figuren im Text unentbehrlich.“ Dabei unterscheidet sie bei der Figurenkonstellation zwei Konstellationstypen: Paare und Dreieckskonstellationen. Dabei wird unter „Paaren“ das klassische Gegensatzpaar Gut-Böse bzw. das Konstrastpaar verstanden, bei dem Einzelfiguren in Handlung oder Diskurs miteinander in Beziehung gesetzt werden. Häufig ist jedoch eine komplexere Konstellation vorzufinden. Zur Erzeugung von Spannung benennt Bachorz die Dreieckskonstellationen, aus denen wiederum neue Kontrast- und Korrespondenzpaare entstehen. Bei der Figurencharaktersierung bezieht sich Bachorz auf Rimmon-Kenan (20021983, 39-42), die grundsätzlich zwischen direkter und indirekter Charakterisierung unterscheidet. Bei der direkten Charakterisierung sei auf die „Verlässlichkeit des Senders“ (Bachorz 2004, 60) zu achten, da die direkten Kommentare so subjektiv geprägt sein können, dass sie häufig als ein indirekter Hinweis auf sich selbst gedeutet werden könne. So sei „jede explizite Fremdcharaktersierung“ stets auch eine „implizite Selbstcharaktersierung“ (ebd., 60). Die indirekte Charakterisierung sei im Gegensatz dazu sehr vielfältig, sodass sie systematisch gar nicht darzustellen sei. Bachorz bezieht sich dementsprechend nur auf vier Möglichkeiten, in denen Figuren analysiert werden können. Die erste Möglichkeit sind „Handlungen“ (ebd.), dabei unterscheidet sie (nach Rimmon-Kenan) zwischen zwei Aspekten: Erstens werden „gewohnheitsmäßige Handlungen“ und „einmalige Handlungen“ unterschieden, wobei gerade Gewohnheiten Rückschlüsse auf den jeweiligen Charakter der Figur geben können. Zweitens muss man zwischen „ausgeführten Handlungen und unterlassenen oder nur in Betracht gezogenen Handlungen“ unterscheiden (ebd.). Als weitere Analysemerkmale benennt Bachorz die „direkte Rede“ (ebd.) und das „äußere Erscheinungsbild“ einer Figur. Auch hier gibt es eine wichtige Unterscheidung. Zum einen geben die von der Figur beeinflussbaren Faktoren (Kleidung etc.) direkte Auskunft über die Charaktereigenschaft einer Figur, andererseits können nicht beeinflussbare Faktoren häufig eine symbolische Funktion in der Geschichte übernehmen und sind dementsprechend bei der Analyse nicht zu vernachlässigen. Als letztes Analysemerkmal nennt Bachorz die „Umwelt“ (ebd., 61). Darunter fasst sie Umweltgestaltungen wie die Möblierung eines Zimmers, als auch Analogien zu Namen einer Figuren, sogenannten „telling/ticket name[s]“ (ebd.) und unterschiedliche Reaktionen auf ähnliche Situationen einer Figur zusammen. Unter „telling/ticket name[s]“ versteht man Namen, die vom Autoren nicht willkürlich gewählt werden, sondern bereits eine Verbindung zu Eigenarten, Aussehen oder sonstigen Charaktereigenschaften der Figur herstellen.

Zusammenfassend ermöglicht das Analysemodell von Bachorz eine differenzierte Betrachtung der Figuren. Literarische Figuren sind sehr komplex, einerseits sind sie „Bestandteil eines künstlichen Systems“ (ebd. 65), was die Analyse der Figurenkonstellation unentbehrlich macht, andererseits sind sie zugleich „Personen“, die das Bedürfnis nach Identifikation oder Urteilsinstinkt des Lesers stillt, was die genauere Betrachtung der Charakterisierung nötig macht (vgl. Bachorz 2004).

4. Figurenanalyse in Paul Vier und die Schröders mit Fokus auf die Außenseiterthematik

In Paul Vier und die Schröders erzählt Andreas Steinhöfel die Geschichte von dem Jungen Paul, den Bewohnern der Ulmenstraße und den neuen Nachbarn, der Familie Schröder. Familie Schröder ist anders: Frau Schröder, alleinerziehende Mutter und alleine aus diesem Grund schon als höchst unmoralisch verurteilt, zeigt sich während der Geschichte nur selten der Öffentlichkeit und bewegt sich im Schutz der eigenen vier Wände.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Außenseiterthematik in "Paul Vier und die Schröders" von Andreas Steinhöfel
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Literatur)
Veranstaltung
Kinder- und Jugendliteratur
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V367541
ISBN (eBook)
9783668459915
ISBN (Buch)
9783668459922
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder-und Jugendliteratur, Andreas Steinhöfel, Paul Vier und die Schröders, Paul 4
Arbeit zitieren
Finja Hindenburg (Autor), 2013, Die Außenseiterthematik in "Paul Vier und die Schröders" von Andreas Steinhöfel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367541

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