Harald Schmidt - Der Abgang

Die Berichterstattung über die Einstellung der Fernsehsendung von Harald Schmidt


Seminararbeit, 2005

29 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhalt

0. Vorwort

1. Die Inszenierung eines Abgangs

2. Die medialen Reaktionen
2.1. Die Berichte quantitativ
2.2. Die Berichte qualitativ

3. Das Phänomen Harald Schmidt

4. Berichterstattungsmuster
4.1. Interpretativer Journalismus
4.2. Präzisionsjournalismus
4.3. Neuer Journalismus
4.4. Investigativer Journalismus

5. Schlusswort

6. Quellenverzeichnis

0. Vorwort

Wissen Sie noch was Sie gerade gemacht haben, als Sie erfahren haben, dass Prinzessin Diana tot ist? Wo waren Sie, als Sie erfuhren, dass Kennedy erschossen wurde? Womit waren Sie gerade beschäftigt, als Sie die Nachricht von den Anschlägen vom 11. September gehört haben? Und was taten Sie gerade als Harald Schmidt seine Kreativpause angekündigt hat?

Wie? Das wissen Sie nicht mehr. Also wenn man in den Tagen des Dezembers 2003 die ersten Seiten der Tageszeitungen und Magazine betrachtete, fehlte ein Gesicht fast nie: Das von Harald Schmidt. Als er am 8. Dezember 2003 bekannt gab, dass er eine Kreativpause einlegen wolle und deswegen die Harald-Schmidt-Show 2004 nicht fortgesetzt wird, brach das Feuilleton zusammen.

Man räumte seitenweise Platz ein und veröffentlichte Nachrufe, brachte die besten Sprüche und Aktionen aus der Show, befragte Prominente, berichtete über Demonstrationen, recherchierte Hintergründe, schrieb in Sonderseiten nur über Harald Schmidt und versuchte somit seine Trauer kundzutun.

Keine Zeitung kam am Late-Nighter Harald Schmidt vorbei. Selbst die Financial Times Deutschland veröffentlichte auf Seite eins einen Bericht über die Unhaltbarkeit des Senders, wenn Schmidt ginge.

In dieser Hausarbeit soll die Artikelflut, die über den Rücktritt Harald Schmidt s erschienen ist, selektiert und bewertet werden. Hier wird neben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und dem SPIEGEL auch die tageszeitung näher betrachtet. Wer hat wie oft berichtet? Worin unterschieden sich die Berichte inhaltlich? Wer hat nach welchem Berichterstattungsmuster was veröffentlicht? Und warum gab es überhaupt so einen gewaltigen Medienrummel um die Einstellung einer Fernsehsendung.

1. Die Inszenierung eines Abgangs

Beckmann: „Wie sicher bist Du beim Kuschelsender ? Gibt es bei Dir so etwas wie eine Horrorvision vor der großen Leere?“

Schmidt: „Das hat nichts miteinander zu tun. Wann soll diese große Leere eintreten?“

Beckmann: „Wenn Du nicht mehr da bist.“

Schmidt: „Bei SAT. 1 ?“

Beckmann: „Ja.“

Schmidt: „SAT. 1 und ich, das ist ‚now and forever’. Das ist weiter als Cats. Ich kann mir mich selbst und die Sendung nicht mehr woanders vorstellen als bei SAT. 1, definitiv.“

Beckmann: „Definitiv?“

Schmidt: „Ich wüsste nicht, wo. Ich war bei der ARD. Du weißt, wie schwierig es ist, bei der ARD etwas durchzukriegen. Das ZDF ist ein wunderbarer Sender, aber nicht unbedingt das, wo man auf mich wartet. RTL ist zu erfolgreich, da würde ich mich gar nicht reintrauen. […] Bei SAT. 1 habe ich angefangen mit Fred Kogel, und die haben durchgehalten. Ich sehe mich auf Gedeih und Verderb bei SAT. 1.“ (Beckmann, ARD, 17.12.2002, 23 Uhr)

Aus dem „Now and forever“ wurden acht Jahre. Am 8. Dezember 2003 verkündete die Pro Sieben SAT. 1 Media AG in einer Pressemitteilung, dass die Harald-Schmidt-Show im kommenden Jahr nicht mehr fortgesetzt wird. Es sei eine Kreativpause notwendig, Schmidt bleibe aber mit SAT. 1 weiterhin verbunden. Das Medienecho war enorm. Harald Schmidt nutzte die Resonanz, um aus seinem Abgang ein weiteres Kapitel für His Schmidtness zu verfassen. Presseanfragen werden grundsätzlich abgelehnt. Alle Journalisten stießen bei Schmidt, bzw. seiner Managerin Sigrid Korbmacher, auf eine kalte Schulter: „Ich sage nichts.“ (Süddeutsche Zeitung, 9.12.2003, „Ciiaooooo“)

Die Sendung Nummer eins nach Bekanntgabe der Kreativpause verlief wie gewohnt. Die Zuschauer, die auf einen Wink zum Ende der Show warteten, wurden enttäuscht. Erst am Ende fragte ZDF -Journalist Claus Kleber, der Gast in der Show war: „Ich habe gehört, Sie wollen eine kreative Pause machen?“. Schmidt palaverte daraufhin politisch los, dass sei nun nicht der richtige Zeitpunkt darüber zu reden, die Partei stünde hinter ihm, Olaf Scholz würde das schon klären. Auch auf die Frage, was Kleber nun jeden Abend um 23.15 Uhr machen solle, konterte Schmidt professionell: „Kerner gucken!“. (Harald-Schmidt-Show, SAT. 1, 8.Dezember 2003, 23.15 Uhr).

Einen Tag später, die Zeitungen waren nun voll mit dem Ende der Harald-Schmidt-Show, ging der Entertainer nun doch auf das Ende ein. Im Warm-Up zur Sendung, in dem die Zuschauer begrüßt wurden, klagte eine Zuschauerin im Publikum, dass ihr kalt sei. „Letzte Woche hatten wir noch 24 Grad im Studio“, lächelte Schmidt.

In der Sendung machte er sich auf die Suche nach seinem Redaktionsleiter Manuel Andrack, der in der Show als Sidekick funktioniert. Er findet ihn in einem Nebenraum des Studio 449, wo bereits Proben für die Manuel-Andrack-Show laufen. Auf dem Weg zurück kann der Zuschauer dann die Reporterin Nathalie Licard sehen, die mit zwei großen Koffern gerade das Haus verlässt. Die Inszenierung beginnt. (Harald-Schmidt-Show, SAT.1, 9.12.2003, 23.15 Uhr)

Einen Tag später bedient Schmidt die Journalisten und Gläubiger mit Frischfleisch, die meinten, dass er unter dem Burn-Out-Syndrom leide. Keine Ideen mehr, null Motivation – völlig ausgebrannt eben. Grund dafür war ein Gespräch zwischen Sandra Maischberger und Hannelore Elstner, die in der Talkshow (Menschen bei Maischberger) meinten, wie sehr Harald Schmidt in den Jahren verfallen und gealtert sei. Nachdem dieser Ausschnitt eingespielt wurde, legte er sich eine Decke um und setzte eine alte Militärsmütze auf und betonte, dass er sich ausgebrannt fühle, ihm sei kalt, die Heizung habe man bereits ausgestellt. Dazu bewegte er sich in Zeitlupen-Geschwindigkeit. (Harald-Schmidt-Show, SAT.1, 10.12.2003, 23.15 Uhr)

In den folgenden Sendungen waren es vor allem die Mitarbeiter, die die Inszenierung fortsetzten. Sven Schmidt trug ein Schild mit der Aufschrift Suche Job auf dem Rücken, als er seinem Cheff, so nennt Harald Schmidt sich selbst gerne , in der Sendung das Wasserglas brachte.

Am 17. Dezember 2003 wurde in der Harald-Schmidt-Show die Infrastruktur rund um das Studiogelände als Modell dargestellt. Auffällig war dabei, dass Schmidt rund um sein Studio lauter WDR -Ü-Wagen postiert hatte. (Harald-Schmidt-Show, SAT.1, 17.12.2003, 23.15 Uhr)

Am 23. Dezember 2003 wurde die letzte Ausgabe der Harald-Schmidt-Show gesendet. Alle, die darauf warteten, dass Schmidt mal Klartext spricht, warteten vergebens.

Zu Beginn der Sendung versprach der Entertainer „ein echtes Festmahl – mit viel Sülze“ (Harald-Schmidt-Show, SAT. 1, 23.Dezember 2003, 23.15 Uhr). Wortlos erlebte man Schmidt gleich wenige Minuten später, als nicht sein Mitarbeiter Sven sondern Günther Jauch auf die Bühne kam, um ihm das Wasserglas zu bringen. Jauch sagte kein Wort, stellte ihm das obligatorische Glas auf den Schreibtisch und ging.

Dieser Szene folgten einige Momente, in denen jede kleine Geste in Szene gesetzt wurde. Schmidt amüsierte sich über das ständige Kameraklicken der 40 angereisten Journalisten, die nahezu jeden Moment festhielten. Im Hauptteil der Harald-Schmidt-Show Nummer 1363 spielten Bandleader Helmut Zerlett, Redakteurin Susan Novinscak, Manuel Andrack und Harald Schmidt eine Szene aus Samuel Beckett s Endspiel.

Bei einer Publikumsaktion fragte eine Journalistik-Studentin nach den Gründen der Kreativpause. Schmidt fragte, was sie denn meine. „Naja Sie sind mit der neuen Geschäftsführung nicht einverstanden.“Harald Schmidt tat erschrocken und schrie daraufhin: „Wer hat Sie denn aufgehetzt?“ (Harald-Schmidt-Show, SAT.1, 23.12.2003, 23.15 Uhr)

Am Ende sang der Werkschor von Bonito White Christmas auf Deutsch, so wie er es sich gewünscht habe, sagte Schmidt.

„Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachten […] Und achten Sie auf das Kleingedruckte in Ihrer Lokalzeitung, wenn unsere kleine Winterpause vorbei ist“, (Harald-Schmidt-Show, SAT.1, 23.12.2003, 23.15 Uhr) verabschiedete sich Schmidt an diesem Abend von den Zuschauern.

2. Die mediale Reaktion

2.1.Berichte quantitativ

Um eine quantitative Untersuchung über das Erscheinen von Berichten über den Rücktritt Harald Schmidt s herzuleiten, habe ich den Zeitraum von einem Monat gewählt. Angefangen vom 06. Dezember 2003 bis zum 06. Januar 2004. Da die Frankfurter Rundschau das Ende der Harald-Schmidt-Show bereits einige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe vermutete (Frankfurter Rundschau, 06.12.2003, S.18, Block der Eidgenossen – SAT 1: Was tut Harald Schmidt) und andere – zumindest im Zitat – nachrückten, sei der Blick bereits zwei Tage vor der Information über die Kreativpause auf die Medien gerichtet.

Am 6.12.2003 erscheint in der FAZ ein Bericht über die Ausgabe der Harald Schmidt-Show vom 4.12.2003, in der sich Schmidt und Sidekick Andrack über den neuen Chef von SAT. 1, Roger Schawinski, unterhalten .

Am 7.12.2003 veröffentlichte die FAS einen Bericht über die Zukunft von SAT. 1, in der auch Aspekte der Harald-Schmidt-Show aufgeworfen werden.

Am 8.12.2003, dem Rücktrittstag, ist in den Printmedien logischer Weise kaum etwas zu finden, da man bei Redaktionsschluss nichts von den folgenden Ereignissen ahnen konnte. Lediglich die taz berichtet über Harald Schmidt.

Bei den Online-Ausgaben der hier aufgeführten Zeitungen waren allesamt Berichte zu finden, die dann am Folgetag auch in der Printversion erschienen sind. SPIEGEL ONLINE veröffentlichte an diesem Tag gleich vier Berichte über den Rücktritt, die FAZ und die Süddeutsche Zeitung veröffentlichten zwei Texte. Da die taz ihre Online-Ausgabe lediglich dazu nutzt, die Ausgabe vom heutigen Tage als Online-Version anzubieten, sind am 8.12.2003 auch noch keine Worte über den Abschied von Harald Schmidt zu lesen.

Der 9.12.2003 ist der Tag von Harald Schmidt – zumindest in den Zeitungen. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht vier Beiträge, auch die FAZ nimmt sich Platz für vier Berichte. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht im Laufe des Tages zwei Artikel und die taz führt die Spitze mit sechs Texten über Harald Schmidt an. Die Berichte sind bei der Berliner tageszeitung aber auch deutlich kürzer als bei den Kollegen der FAZ oder der Süddeutschen Zeitung.

Am Folgetag lässt die Flut der Veröffentlichungen ein wenig nach. Die Süddeutsche Zeitung publiziert zwei Berichte, die FAZ steht mit vier Artikeln an der Spitze des Tages, knapp gefolgt von taz (drei Berichte) und SPIEGEL ONLINE (zwei Texte).

Am 11.12.2003, dem dritten Tag nach Bekanntgabe vom Ende der Harald-Schmidt-Show, hält die FAZ die Spitze der Veröffentlichungen. Wie auch an den bisherigen Tagen werden vier Berichte abgedruckt. Die taz berichtet dreimal, SPIEGEL ONLINE zweimal. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht an diesem Tag keinen Bericht.

Am 12.12.2003 berichten weder SPIEGEL ONLINE noch die FAZ über die Einstellung der SAT. 1 -Late-Night-Show. In der Süddeutsche Zeitung und die tageszeitung erscheinen jeweils drei Berichte.

Am Tag Nummer fünf ziehen sich die Süddeutsche Zeitung und SPIEGEL ONLINE vorerst aus der Berichterstattung zurück. Die taz sowie die FAZ berichten mit jeweils zwei Artikeln weiter.

An den darauf folgenden Tagen lässt die Berichterstattung immer mehr nach. Die Medien haben andere Themen, die sie in den Vordergrund drücken. Die FAS veröffentlicht am 14.12.2003, den Tag an dem Saddam Hussein in Tikrit festgenommen wurde, nur noch zwei Artikel, ab dem 16.12.2003 berichtet täglich die tageszeitung. In der Süddeutschen Zeitung und der Online-Ausgabe des SPIEGEL sind fast keine Berichte mehr über Harald Schmidt zu entdecken.

Kurz vor der letzten Ausgabe der Harald-Schmidt-Show am 23.12.2003 berichten die benannten Zeitungen erneut, allerdings in einem weitaus geringeren Ausmaß als in den Wochen zuvor. Nach Weihnachten scheint Schmidt endgültig vom Tisch zu sein. Die FAZ schenkt ihm noch dreimal Beachtung, dann taucht er lediglich in den Jahresrückblicken auf.

Resümee: In der beobachteten Zeit veröffentlicht die Frankfurter Allgemeine Zeitung 30 Artikel, die tageszeitung 24 Berichte, SPIEGEL ONLINE 13 Artikel und die Süddeutsche Zeitung fand Platz für 12 Texte über das Ende der Harald-Schmidt-Show.

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Details

Titel
Harald Schmidt - Der Abgang
Untertitel
Die Berichterstattung über die Einstellung der Fernsehsendung von Harald Schmidt
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Inst. für Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Jahr
2005
Seiten
29
Katalognummer
V36797
ISBN (eBook)
9783638363242
ISBN (Buch)
9783638679947
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit handelt vom Rücktritt Harald Schmidts im Dezember 2003 und die Reaktionen der Medien.
Schlagworte
Harald, Schmidt, Abgang
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Anonym, 2005, Harald Schmidt - Der Abgang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36797

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