Gruppen und Gruppendynamik. Ein Überblick


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gruppen

3. Primär- und Sekundärgruppen

4. Gruppendynamik

5. Die Gruppe aus zwei Sichtweisen
5.1 Vertikaler Schnitt - Innere und äußere Umwelt
5.2 Horizontaler Schnitt - Das Eisbergmodell

6. Gruppendynamischer Raum
6.1 Zugehörigkeit
6.2 Macht und Einfluss
6.3 Intimität

7. Normen und Rollen
7.1 Bildung von Werten und Normen
7.2 Differenzierung von Rollen

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Wort Gruppe ist jedem bekannt und die meiste Zeit unseres Lebens verbrachten und verbringen wir in solchen:

„Anthropologisch kann davon ausgegangen werden, dass der Mensch von seiner Organausstattung ein Gruppenwesen ist. Rein zeitlich betrachtet lebte der Mensch über die mit Abstand längsten Phasen seiner Geschichte in Horden und Klans (Gruppen in einem Stamm, die miteinander verwandt sind), in erweiterten Familiengruppen und überschaubaren Stammesorganisationen;“[1].

Wir wachsen in einer Familie auf und gründen selbst eine, arbeiten in einer großen Firma mit mehreren Abteilungen, wir haben einen Freundeskreis, den wir in unserer Freizeit pflegen und gehen gemeinsam mit anderen zum Sport. Wir sind religiös, gehen in die Kirche und haben eine wöchentliche Therapiesitzung. Diese Arbeit soll einen Einblick in das Thema Gruppen und Gruppendynamik geben, da wir diesem Phänomen tagtäglich in den verschiedensten Formen begegnen. Welche Prozesse finden innerhalb dieser Gemeinschaften statt, dass sie sich am Ende als Gruppe ansehen und identifizieren? Zu Beginn wird der Begriff Gruppe definiert. Welche Formen gibt es und welche Merkmale machen sie aus? Danach werden die zwei häufigsten Arten in unserem sozialen Leben beleuchtet, die Primär- und Sekundärgruppe. Es folgt eine kleine Einführung in die Gruppendynamik. Was lässt eine Gemeinschaft so agieren, wie sie es tut? Wodurch wird die Dynamik begünstigt? Im Anschluss folgen verschiedenen Sichtweisen auf Gruppen. Hier beschränkt sich der Einblick auf die inneren und äußerlichen Faktoren und das Eisbergmodell mit seinen manifesten und latenten Ebenen. Der Gruppendynamische Raum erläutert, welche Faktoren für die innere Ordnung der Gemeinschaft von Bedeutung sind. Zum Schluss geht es um den Nutzen von Werten, Normen und Rollen. Ziel ist es, das Gebilde Gruppe, deren Entstehung und interne Prozesse besser verstehen zu können. Das Thema wird aus dem soziologischen und psychologischen Standpunkt betrachtet, da diese beiden Ansichten in der Gruppen und Gruppendynamik für die Entwicklungsprozesse zuständig sind. Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird in den Kapiteln dieser Arbeit immer die weibliche Form verwendet. Die männliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen. Des Weiteren ist das Wort Gemeinschaft dem Wort Gruppe gleichzusetzten und dient der besseren Übersicht, um eine ständige Wiederholung zu vermeiden.

2. Gruppen

Was ist eine Gruppe? Diese Frage scheint einfach, doch gibt es keine genaue Definition für diesen Begriff. Der wissenschaftliche Blick des Betrachters ist hier ausschlaggebend. Während sich die Psychologie dafür interessiert, wie die Mitglieder einer Gruppe im Denken und Handeln beeinflusst werden, richtet sich das Interesse der Soziologie eher auf die Umwelteinflüsse, die auf eine Gruppe einwirken[2]. Eine weitere Rolle in der Soziologie spielen die verschiedenen Gruppentypen. Zum einen gibt es die statistische Gruppe, diese wird zum Beispiel von allen Arbeitnehmern mit einem bestimmten Gehalt gebildet. „Die Zugehörigkeit zu einer statistischen Gruppe und deren Grenzen werden von Statistikern oder Soziologen definiert, nicht von den „Gruppenmitgliedern“ selbst“[3]. Ein weiterer Typ ist die soziale Kategorie, dort werden alle Menschen vereint, die ein besonderes Merkmal haben (Sommersprossen, Rothaarig). Die soziale Aggregate vereint Personen zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort; z.B. auf einem Flug in den Urlaub.

Nach Robert Peter Hofstätter (1913-1994), einem österreichischer Sozialpsychologe (Gruppendynamik. Die Kritik der Massenpsychologie), werden fünf Kategorisierungsformen von menschlichem Zusammenkommen unterschieden.

1. Die Menge: Menschen treffen hier durch Zufall zur gleich Zeit am gleichen Ort aufeinander (z.B. Menschen die in einem Supermarkt einkaufen).
2. Die Masse: Menschen, die kurzzeitig ein gemeinsames Ziel haben, ohne Rollenverteilung und Interaktion (z.B. Feueralarm in einem Supermarkt, alle folgen den Anweisungen).
3. Die Klasse: Menschen, die wie in der sozialen Kategorie (weiter oben beschrieben), gleiche Merkmale oder Interessen aufweisen, sich daran erkennen, jedoch nicht miteinander interagieren.
4. Der Verband: Menschen mit gemeinsamen Interessen finden sich und erreichen durch ihrer Gemeinsamkeit ein Ziel (z.B. vegane Hausfrauen gehen gemeinsam im Supermarkt einkaufen).
5. Die Gruppe: Menschen interagieren miteinander, sie haben gemeinsame Werte und Normen und eine Binnenstruktur (z.B. vegane Hausfrauen gehen regelmäßig zusammen im Supermarkt einkaufen).[4]

Wie Hofstätter in seinem Umriss der Gruppe schon aufzeigt, gibt es vier wesentliche Merkmale, dessen Erfüllung auf eine soziale Struktur schließen lassen: Rollensystem, enge soziale

Interaktion, gemeinsame Normen & Ziele und ein Wir-Gefühl[5]. Werden diese Merkmale einzeln genauer betrachtet, wird für jeden der Gruppenbegriff greifbarer. Beginnend mit dem Rollensystem. Wir nehmen in jeder sozialen Interaktion eine Rolle ein: Mutter, Schwester, Studentin, Kollegin - manchmal haben wir auch mehrere Rollen inne, es ist immer die aktiv, die am besten zur Situation passt. Daheim wird die Rolle der große Schwester bekleidet, während an der Hochschule die Rolle der Studentin eingenommen wird. Viele dieser Rollen sind nicht offiziell vergeben, sie entwickeln sich im Laufe der Zeit und können immer wieder überarbeitet und neu vergeben werden. Dennoch gibt es oft eine Struktur innerhalb der Gemeinschaft, so nehmen meist ältere Mitglieder Rollen mit Verantwortung an sich, während jüngere Mitglieder sich von ihnen leiten lassen.

Soziale Interaktionen machen eine Gruppe aus, da ohne regelmäßige Kommunikation keine Gemeinschaft möglich wäre. Wer nicht miteinander kommuniziert, tritt nicht in Kontakt zu anderen und hat somit auch keinen Austausch, kann sein Wissen und seine Persönlichkeit nicht erweitern. Ohne soziale Interaktionen untereinander, wäre eine Gruppe eine gestaltlose Ansammlung von Menschen (siehe auch, die Kategorisierungsformen Hofstätters). Die Entwicklung von gemeinsamen Normen und Zielen ist ausschlaggebend für die Orientierung der Gruppe. Normen und Werte, die gemeinsam gesetzt werden, erleichtern das Miteinander, sie werden meist nicht festgeschrieben, weil sie sich nicht stark von anderen Normen und Regelungen im gesellschaftlichen Kontext abheben. Sie regeln den Zusammenhalt und sind selbstverständlich. Ein gemeinsames Ziel kann einer Gemeinschaft erwünschten Erfolg bringen, gegensätzliche Ziele verschiedener Mitglieder wären hier eher kontraproduktiv und würden kein Gruppengefühl aufkommen lassen. Das vierte Merkmal ist die gemeinsame Identität, über welche sich die Gruppe definiert, das sogenannte Wir-Gefühl. Durch die gemeinsame Identität identifizieren sich alle Mitglieder miteinander und grenzen sich ganz klar von Nichtmitgliedern und Fremdgruppen ab. Zwischen Gruppe und Außenwelt wird somit eine Grenze gezogen.[6] Durch diese Prozesse unterscheiden sie sich von anderen und bilden eine soziale Gruppe. Wird nun die Frage „Welche Formen gibt es und welche Merkmale machen sie aus?“ aus der Einleitung betrachtet, kann sie damit beantwortet werden, dass eine Masse an Menschen noch keine Gruppe ausmacht, erst Faktoren wie: ein Rollensystem innerhalb der Gruppe, soziale Interaktionen unter den Mitgliedern, die gemeinsame Entwicklung von Werten und Normen innerhalb der Gruppenstruktur und ein Wir-Gefühl machen viele Menschen zu einer sozialen Gruppe.

3. Primär- und Sekundärgruppen

Tagtäglich bewegen wir uns in verschiedenen sozialen Gruppen und identifizieren uns mit diesen. Dennoch haben wir nicht zu allen Mitgliedern Kontakt und interagieren auch nicht mit jedem, demzufolge werden Kontakte in zwei Gruppentypen unterschieden. „Man differenziert zwischen Gruppen, die dauerhafte und persönliche Beziehungen ermöglichen (Primärgruppen), und solchen, die vergleichsweise unpersönlich und stärker formal geregelt sind (Sekundärgruppen)“[7].Gemeinschaften, die durch enge persönliche Bindungen gekennzeichnet sind, werden Primärgruppen genannt. Diese Definition wurde vom amerikanischen Soziologen und Sozialpsychologen Charles Horton Cooley (1864-1929) geprägt und wird durch folgende fünf Eigenschaften geprägt: fortlaufende persönliche Interaktion der Mitglieder, starke Identifikation mit der Gruppe, große Zuneigung zwischen den Mitgliedern, vielseitige Kontakte und eine lange Dauer. Bestes und wichtigstes Beispiel für die Primärgruppe ist die Kernfamilie, sie erfüllt alle Eigenschaften, die auf solch eine Gruppenform schließen lassen. Man interagiert und identifiziert sich stark mit der eigenen Familie. Die Zuneigung und Liebe einer Familie verbindet alle Mitglieder emotional stark miteinander und auch die vielseitigen Kontakte sind auf lange Dauer gegeben. „Cooley wählte das Adjektiv primär zur Charakterisierung dieses Gruppentypus, weil diese Gruppen die primären oder „ersten“ Instanzen der Sozialisation sind“[8]. Diese Instanz formt den Menschen in seiner Individualität für den Rest seines Lebens, z.B. durch die Weitergabe von Werten und Normen, die ein Leben lang bestehen bleiben. Die Primärgruppe Familie fungiert auch als eine Art soziale Kontrolle, indem sie das Verhalten der Mitglieder bezüglich der Normen beobachtet und im negativen Falle korrigiert. Des Weiteren erfüllt sie das emotionale Bedürfnis ihrer Mitglieder durch Zuneigung, Anerkennung und Geborgenheit. Diese Form der Gemeinschaft lässt sich oftmals nicht selbst auswählen (man wird hineingeboren) und die Mitgliedschaft ist nicht leicht zu beenden. Eine andere Form bildet die Sekundärgruppe. Diese ist durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet: begrenzte persönliche Interaktion, schwache Identifikation mit der Gruppe, geringe Zuneigung zwischen den Mitgliedern, oberflächlich, begrenzte Kontakte und eine kurze Dauer. Ein Beispiel für die Sekundärgruppe ist ein Ausschuss. Die Ausschüsse treffen sich lediglich, um ein gemeinsames Ziel für ihr Unternehmen zu erfüllen. Sie treffen sich somit nur gelegentlich, tauschen sich aus und planen. Hier kommt es zu keinerlei emotionaler Bindung. Die Gruppen dienen keinem Selbstzweck, sondern sind Mittel um ein Ziel zu erreichen. Sekundärgruppen sind nur oberflächlich durch gewisse gemeinsame Interessen verbunden. Anders als bei den Primärgruppen, kann die Mitgliedschaft hier selbst gewählt und die Gemeinschaft auch verlassen werden.[9]

4. Gruppendynamik

Die Dynamik einer Gruppe hängt zum größten Teil von den vorher beschriebenen Umwelten ab, aber auch andere Faktoren haben Einfluss auf die Interaktionen der Mitglieder untereinander und somit auf die Dynamik. Ein wichtiger Faktor ist die Größe. Besteht eine Gruppe beispielsweise nur aus zwei Mitgliedern, ist der Druck der Interaktion höher, als bei einer Gruppe bestehend aus drei Mitgliedern. Interagiert einer der zwei nicht ständig, hört die Gruppe auf zu existieren, mit einem dritten Mitglied senkt sich der Druck. Je mehr Mitglieder eine Gemeinschaft hat, desto niedriger wir der Handlungsdruck und desto mehr spezifische Aufgaben können verteilt werden. Durch steigende Größe vermindert sich jedoch auch die Qualität der Kommunikation, da nicht jeder regelmäßig an Diskussionen teilnehmen muss, damit die Interaktionen aufrecht erhalten werden. Es bildet sich viel Platz zum Abkapseln. Bei der Lösung von Problemen bietet eine große Gruppe viele Fertigkeiten und Erfahrungen, jedoch ist der Beitrag des Einzelnen nicht so hoch, wie er in einer kleineren Gruppe wäre. Durch das Entwickeln von Normen wird ein gewisser Konformitätsdruck auf die Mitglieder der Gemeinschaft ausgeübt, da jeder seine Aufgabe zu bewältigen hat. Konformität alleine reich allerdings nicht aus, da es im Gruppengeschehen häufig passiert, dass Aufgaben vernachlässigt werden. Deshalb spielt auch die Kontrolle eine Rolle. Mit dieser Kontrolle entwickelt sich meist auch eine Führungs- oder Machtbeziehung. Eine Führung ist aus zwei Gründen wichtig für eine Gruppe: Zum einen, um die Mitglieder in ihren Aufgaben zu unterstützen und anzuleiten (instrumentelle Führung). Und zum Anderen, um die Stimmung innerhalb der Gruppe als Autorität aufrecht zu erhalten (expressive Führung).

5. Die Gruppe aus zwei Sichtweisen

„Die Beschaffenheit dieser Gruppen richtet sich einmal nach der Wesensart ihrer Mitglieder, zum anderen aber beeinflusst auch die Gruppe selbst die Erscheinungsweisen und die Stellungnahmen ihrer Mitglieder[10].“ Doch nicht nur die Gemeinschaft selbst, sondern auch äußerliche Faktoren beeinflussen deren Tun und Handeln. Der vertikale Schnitt zeigt, wie das Handeln der Mitglieder von innen, durch vorhandene Emotionen, und von außen, durch umweltbedingte Einflüsse, geprägt wird. Der horizontale Schnitt wiederum zeigt, das Gruppen viel komplexer aufgebaut sind, als es auf Außenstehende wirkt und es viele Faktoren beim Blick auf diese Konstellation zu berücksichtigen gibt, um diese zu verstehen.

5.1 Vertikaler Schnitt - Innere und äußere Umwelt

Gruppen stehen in ihrer Autonomie in Interdependenz mit ihrer Umwelt, es ist ein Wechselspiel von Einbeziehung, Ausgrenzung und Abhängigkeit. Dabei gilt es zwei Arten von Umwelten zu unterscheiden. Die innere Umwelt der Gruppe bezieht alle Wertvorstellungen, Verhaltensweisen, Gefühle und Bedürfnisse etc. der Gemeinschaft und jedes einzelnen Mitgliedes mit ein. Die Mitglieder können nur einen gewissen Grad ihrer eigenen Persönlichkeit einbringen und müssen aufeinander Rücksicht nehmen, das bedeutet, einen Teil von sich auszuschließen. Würden alle Mitglieder mit der vollen Spanne ihrer Bedürfnisse, Gefühle und Vorstellungen in einer Gruppe auftreten, gäbe es keine Grenzen und sie würde sich aufgrund von Orientierungslosigkeit auflösen. Es muss eine Anpassungsleistung vollbracht und Grenzen gesetzt werden, um sich so vor Übersättigung zu schützen. Das bedeutet einen Verzicht vieler Themen, die in der Gruppe keinen Platz haben. Vieles muss unterschwellig behandelt werden, nicht allem kann das gleiche Maß an Bedeutung zuteilwerden. Die gesetzten Grenzen sind keine festen, sie könne immer wieder verkleinert und erweitert werden, um den Mitgliedern mehr Spielraum für ihre Bedürfnisse zu geben. Die äußere Umwelt der Gruppe wird als gemeinsame Umwelt zusammengefasst. Personen, Vorkommnisse und Einrichtungen, die nicht zur Gemeinschaft gehören machen diese Umwelt aus. Was von den äußeren Einflüssen für die Mitglieder von Bedeutung ist, entscheiden diese selbst. Auch hier werden Grenzen gezogen, damit die Gruppe nicht an Einflüssen der Außenwelt übersättigt wird. Diese sind wie bei der inneren Umwelt nicht festgesetzt und können nach Bedarf verändert werden, um auch hier mehr Handlungsspielraum der Mitglieder zu ermöglichen.

Die Grenzziehung ist ein wichtiger Aspekt, um die Form der Gruppe zu ermitteln. Je nachdem, wie die Gemeinschaft ihren Grenzschwerpunkt der beiden Umwelten setzt, entsteht ein anderes Gruppenmodell. Bei der Grenzziehung wird zwischen dem „Psychoschnitt“ und dem „Sozioschnitt“ unterschieden. Gruppen die ihre Aufmerksamkeit der inneren Umwelt zuteilwerden lassen und somit dem Psychoschnitt unterliegen, beziehen sich auf die Geschehnisse innerhalb der eigenen Konstellation. Es handelt sich dabei oft um therapeutische oder selbsterfahrungsorientierte Gruppen.

Liegt die Aufmerksamkeit auf der äußeren Umwelt, beim Sozioschnitt, dann beziehen sich die Geschehnisse auf Außeneinwirkungen. Handlungsdruck und andere Einflüsse von außen liegen dann im Fokus. Bei dieser Art von Gruppe handelt es sich meist um Schulklassen oder Gremien.[11]

5.2 Horizontaler Schnitt - Das Eisbergmodell

Meist wird diese Sichtweise Tiefendimension genannt und teilt dies in manifestes und latentes Geschehen ein. Zum besseren Verständnis von Gruppenprozessen, die im Alltag beobachtet werden können, gibt es jedoch das Eisbergmodell, basierend auf dem Eisbergmodell von Sigmund Freud (1856-1939) vom psychischen Aufbau des Menschen, dieses verbildlicht die Prozesse innerhalb der Gruppe.

„Die Gruppe als Ganzes wird nur verständlich, wenn man die Wirklichkeit von Wünschen und Ängsten annimmt, die für die Beteiligten (zunächst) verborgen sind“[12]. Aufgrund dessen werden Geschehnisse innerhalb der Gemeinschaft als Eisberg angesehen. Ein kleiner Teil, sichtbar für alle, liegt über der Wasseroberfläche und ein großer Teil, der Interaktionen liegt unter dieser Oberfläche. Alles was von den Mitgliedern innerhalb der Gruppe besprochen werden kann, hierzu zählen Gefühle, Verhaltensweisen und Sachthemen, bilden den sichtbaren Teil des Modells. Dieses Modell kann in vier Ebenen aufteilen werden. Die erste Ebene ist die Sachebene (manifeste Ebene) oder auch die sichtbare Ebene genannt. Wird sich das Modell bildlich wie einen Eisberg vorgestellt, ist diese Ebene der Teil, der aus dem Wasser, sichtbar für alle, herausragt. Auf dieser „... Sachebene einer Gruppe geht es um alles, was die Aufgabe der Gruppe und ihr Arbeitsziel betrifft und was unternommen wird, um diese Aufgabe zu erledigen und das Ziel zu erreichen“[13]. Im Fokus dieser Ebene stehen alle Interaktionen, die zur Zielerreichung nötig sind und die Gruppe somit in den kommunikativen Austausch bringt. Diese manifesten Interaktionen werden von allen Mitgliedern wahrgenommen. Auch für Außenstehende, die eine Gruppe betrachten, sind diese beobachtbaren interaktiven Geschehnisse sichtbar und können beurteilt werden. Als nächstes folgt die soziodynamische (latente Ebene) oder auch teilweise sichtbare Ebene. Diese Ebene liegt bildlich betrachtet zu gleichen Teilen über und unter dem Wasser. Es handelt sich hierbei um die Verhaltensebene der Mitglieder, die miteinander kommunizieren. Beim Austausch geht es jedoch nicht um den Inhalt, sondern darum, wie miteinander gesprochen

[...]


[1] Schäfers 2008, S.130

[2] Vgl. Schattenhofer 2009, S.16

[3] Vester 2009, S.80

[4] Vgl.Wellhöfer 2007, S.7; Aehnelt, online, S. 1

[5] Vgl. Wellhöfer 2007, S8

[6] Vgl. Joas 2003, S. 201f.

[7] Metz-Göckel, 2003, online

[8] Joas 2003, S. 206

[9] Vgl. Joas 2003, S.206f.; Schäfers 2008, S.134-136

[10] Hofstätter 1973, S.175

[11] Vgl. Schattenhofer 1992, S.44f.; Schattenhofer 2009, S. 20-23

[12] Schattenhofer 2009, S.24

[13] König/Schattenhofer 2012, S.28

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gruppen und Gruppendynamik. Ein Überblick
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Humanwissenschaftliche Grundlagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V368933
ISBN (eBook)
9783668490673
ISBN (Buch)
9783668490680
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gruppen, gruppendynamik, überblick
Arbeit zitieren
Ronja Zengel (Autor), 2015, Gruppen und Gruppendynamik. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368933

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