Ästhetische Bildung und Kreativität im frühpädagogischen Bereich


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Ästhetik - ästhetisch
2.2 Ästhetische Bildung - Ästhetische Erfahrung

3. Merkmale Ästhetischer Erfahrungen
3.1 Selbstaufmerksamkeit
3.2 Ausdruckscharakter
3.3 Unbestimmtheitscharakter
3.4 Vollkommenheitscharakter

4. Die Bedeutung von sinnlicher Wahrnehmung

5. Verankerung in den Bildungs- und Erziehungsplänen

Fazit

Literaturhinweise

1. Einleitung

2001 ereignete sich in Deutschland nach der ersten PISA-Studie (Programm for International Student Assessment) der OECD (The Organisation for Economic Co-operation and Development) der sogenannte „PISA-Schock“, als es um den internationalen Vergleich 15­jähriger Schüler ging. Deutschland landete in der Statistik im untersten Drittel1. Dies war unteranderem Anlass dafür, dass die Bundesländer in Deutschland Bildungs- und Erziehungspläne entwickelten, da der frühpädagogische Bereich ein immer höheres Ansehen gewann und man sich durch die Förderung der frühkindlichen Entwicklung eine Nachhaltigkeit für den Schulbereich versprach2. Ebenso wollte man international nachziehen, da es in vielen Ländern bereits Bildungspläne gab, bevor in Deutschland überhaupt darüber gesprochen wurde. Im Mai 2010 trafen sich in Seoul, Korea Experten aus 120 Staaten zur zweiten UNESCO- Weltkonferenz zur kulturellen Bildung (The Second World Conference on Arts Education). Ihr Ziel war es, die Bedeutung von Forschen und Lernen neu zu bewerten. Auch ihnen war es ein Anliegen, dass qualitative Bildung nicht nur in der Schule zugänglich sei, sondern für alle Altersstufen geöffnet wird. Gerade für Korea war dies sehr maßgeblich, da sie von der „Paukkultur“ abrücken wollten. In der Seoul Agenda wurden drei Zielbereiche (Goals for the Development of Arts Education) zur Weiterentwicklung der Künstlerischen und Kulturellen Bildung festgehalten und in Strategien mit Handlungsempfehlungen formuliert. Die erste Strategie besagt:

“Die Künstlerische und Kulturelle Bildung als Basis für eine ausgeglichene kreative, kognitive, emotionale, ästhetische und soziale Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und lebenslang Lernenden bekräftigen[1].“

Dieses Zitat zählt einige der im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder niedergeschriebene Bildungsbereiche auf[2]: Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und Freude am Lernen, emotionale Entwicklung und soziales Lernen und Ästhetische Bildung.

Kinder sollen ästhetischen Erfahrungen machen, sich ästhetisch entwickeln. Doch was bedeutet Ästhetische Entwicklung und Bildung überhaupt? Warum ist sie für die Entwicklung der Kinder
so wichtig? Woran wird es deutlich, dass eine Ästhetische Erfahrung stattfindet? Welche Impulse geben die verschiedenen Bildungs- und Erziehungspläne zu diesem Thema?

Die Hausarbeit soll die Wichtigkeit von Ästhetischen Erfahrungen aufzeigen. Um dies angemessen durchzuführen, gilt es vorab die Begriffe ,Ästhetik‘ und ,Ästhetische Bildung‘ zu erläutern und im heutigen gesellschaftlichen Kontext aufzuzeigen. Ebenso werden die Merkmale von Ästhetischen Erfahrungen kurz dargelegt. Im zweiten Teil geht es um die Bedeutung sinnlicher Wahrnehmung und ihrer Relevanz für den frühpädagogischen Bereich. Der dritte Teil zeigt die Verankerung der Ästhetischen Bildung in den unterschiedlichen Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesrepublik Deutschland und die damit verbundenen Interpretationen und gesetzten Ziele.

2. Begriffserklärung

Der Bereich der Ästhetischen Bildung ist ein sehr weitläufiges Gebiet. Es reicht von sinnlicher Wahrnehmung bis hin zu künstlerischen Prozessen[3]. Um ein genaueres Bild davon zu gewinnen, worum es sich bei Ästhetischer Bildung handelt, gilt es die Begrifflichkeiten zu differenzieren und der heutigen gesellschaftlichen Interpretation auf den Grund zu gehen. Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass die allgemeine, gesellschaftliche Auffassung von Ästhetik nicht einfach auf den frühpädagogischen Bereich und die Ästhetische Erfahrung projiziert werden können.

2.1 Ästhetik - ästhetisch

Das Wort Ästhetik stammt von dem griechischen Wort ,Aisthesis‘ ab, welches sich wiederum von den griechischen Worten ,aisthetike‘(die Wissenschaft von sinnlich Wahrnehmbaren) und ,aisthetikós‘(wahmehmend) ableiten lässt.[4] Der Begriff Ästhetik findet in unserem Sprachgebrauch besonders viel Verwendung, wenn es um die Beschreibung von Kunstwerken, antiken Möbeln, Architektur oder, in der heutigen Zeit, schönen Körpern geht. „Das Adjektiv „ästhetisch“ bezeichnet die Art der Wahrnehmung eines Gegenstandes (der Kunst oder Natur; es dient aber auch zur Charakterisierung von Gegenständen selbst[5].“ Es vermittelt, vor allem laut Duden, die Bedeutung von Schönheit, Kultiviertheit und harmonischen Strukturen und impliziert somit nicht alltäglich gewonnen Eindrücke der Wahrnehmung.[6] Es wirkt fast so, als hätten ästhetische Eindrücke nur etwas mit der visuellen Wahrnehmung zu tun. Diese

Verbindung von Ästhetik und Kunst erweckt in der pädagogischen Arbeit oft den Eindruck, dass es sich nur um Basteln, Malen und Singen und um die Schulung der Sinne, bevorzugt die visuelle Wahrnehmung, handelt. Dem Begriff des Ästhetischen, wird oft auch der Begriff des Künstlerischen gleichgesetzt. Dies ist auch ein Grund dafür, warum ästhetische Bildung im frühkindlichen Bereich oftmals sehr salopp abgetan wird. Künstlerisch meint oft das Schaffen von künstlerischen Werken. In dem ästhetischen Begriff steckt jedoch weitaus mehr, es geht auch um sinnliche Aspekte. Ästhetik beinhaltet somit den Blick für das ,Schöne‘, [.. ,]“als auch die Wirkung von Alltags- und Naturphänomenen [,..][7] “. Die Begriffe werden umgangssprachlich gerne im Zusammenhang mit einer geschmacklichen Wertung verwendet.

2.2 Ästhetische Bildung - Ästhetische Erfahrung

Schaut man sich die zahlreichen Bildungspläne der Bundesländer in der Bundesrepublik Deutschland an, zeichnet sich ein ganz anderes Bild vom Verständnis und der Verwendung des Begriffes Ästhetik ab. Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder besagt:

“Ästhetik umfasst alles sinnliche Wahrnehmen und Empfinden. Von Beginn an nimmt ein Kind durch Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen Kontakt mit seiner Umwelt auf, und zwar mit der Gesamtheit seiner Sinne[8].“

Im Vordergrund stehen die Sinne und die Ganzheitlichkeit, ohne am Ende ein fertiges Produkt in den Händen zu halten, welches künstlerischen Techniken oder Perfektion entspricht. Ästhetische Bildung wird in zwei Vorgänge differenziert, die innerlichen und die äußerlichen Vorgänge, die auch als Ästhetisches Verhalten bezeichnet werden. Innere Vorgänge sind nicht eindeutig zu erkennen, denn es handelt sich um die Wahrnehmung mit allen Faktoren der Kognition und der Emotionen. Äußere Vorgänge zeigen alle sichtbaren Auseinandersetzungen mit der Umwelt und der eigenen Person, in Verbindung mit ästhetischen und sinnlichen Ausdrucksformen.[9]

3. Merkmale Ästhetischer Erfahrungen

Nachdem erläutert wurde, worum es sich bei Ästhetischer Bildung und Ästhetischen Erfahrungen handelt, geht es in diesem Punkt um die Merkmale. Woran können wir erkennen, dass eine Ästhetische Erfahrung stattfindet?

„Ästhetische Erfahrung [...] entsteht in der Beziehung zwischen Subjekt und Gegenstand[10].“ Um eine Ästhetische Erfahrung zu vollziehen, werden somit drei Faktoren vorausgesetzt: ein Subjekt („mit Bewusstsein ausgestattetes, denkendes, erkennendes, handelndes Wesen; Ich[11] “), ein Objekt oder ein Ereignis und eine vermittelnde Aktivität.[12] In einem Moment des ästhetischen Empfindens gibt es nichts wichtigeres als den Moment und die Erfahrung selbst. Das komplette Augenmerk wird auf etwas Gehörtes, Gesehenes oder auch etwas Gelesenes gerichtet und auf die Empfindungen in diesem Moment, nicht nur die reine Bedeutung der wahrgenommenen Situation. Indem ein Abstand zu alltäglichen Verbindungen bezüglich einer Wahrnehmung vorgenommen werden und der Fokus auf den sinnlichen Eindrücken ruht, kann ein innerliches Wechselspiel, eine Art Austausch mit bereits gemachten und neuen Erfahrungen vollzogen werden. Somit kann eine neue Gewichtigkeit für bereits gemachte Erfahrungen entstehen. „Ästhetische Erfahrungen sind authentisch, sie können nicht aus zweiter Hand bezogen werden.“[13] Jeder nimmt seine Umwelt anders und verschiedene Situationen stärker oder schwächer wahr. Nicht jeder macht im selben Augenblick, die gleiche ästhetische Erfahrung oder überhaupt eine. Ästhetische Erfahrungen liegen folgende Merkmale zugrunde:

3.1 Selbstaufmerksamkeit

Zu Beginn eines Ästhetischen Prozesses richtet sich die Aufmerksamkeit des Subjekts und seine Wahrnehmung auf ein bestimmtes Ereignis. Die daraus resultierenden Empfindungen sind von großer Bedeutung. „Von Selbstaufmerksamkeit ist also die Rede, wenn die Empfindung über die einfache sinnliche Wahrnehmung [.] hinausgeht und eine Aufmerksamkeit auf die eigene Wahrnehmung entsteht.[14]

[...]


[1] Seoul Agenda, 2010, S.3

[2] Diese Bildungsbereiche finden, unter anderer Bezeichnung, auch in den anderen Bildungs- und Erziehungsplänen Erwähnung. Hier findet nur der niedersächsische Orientierungsplan Erwähnung, da ich selbst nach diesem Plan arbeite.

[3] Vgl. Staenge, 2016, S. 7

[4] Vgl. Duden, online

[5] Dietrich/Krinninger/Schubert, 2012, S. 16

[6] Vgl. Kathrin Borg, 2013, S. 5

[7] Meis, 2012, S. 20

[8] Niedersächsischer Kultusministerium, 2011, S. 26

[9] Vgl. Meis/Mies, 2012, S.21

[10] Jäger/ Kuckhermann, 2004, S. 13

[11] Duden, 2016, online

[12] Vgl.Jäger/Kuckhermann, 2004, S.13

[13] Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder, 2005, S. 26

[14] Borg, 2013, S. 9

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Bildung und Kreativität im frühpädagogischen Bereich
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V368934
ISBN (eBook)
9783668476592
ISBN (Buch)
9783668476608
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetische, bildung, kreativität, bedeutung, ästhetischen, bereich
Arbeit zitieren
Ronja Zengel (Autor), 2016, Ästhetische Bildung und Kreativität im frühpädagogischen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368934

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