"The rod of discipline". Körperliche Züchtigung als identitätsstiftende Handlung innerhalb der religiösen Bewegung "Twelve Tribes"


Bachelorarbeit, 2016
50 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Twelve Tribes

3. Zugang und Methoden
3.1 Eigene Feldforschung
3.2 Quellenlage
3.3 Aktueller Forschungsstand

4. Theoretische Konzepte
4.1 Kultur und Identität
4.2 Kommunitäres Leben
4.3 Neue Religiöse Bewegungen, Fundamentalismus und Millenarismus

5. Spanking als identitätsstiftende Handlung
5.1 Die Handlung des Spankings
5.2 Kulturverständnis
5.3 Hierarchie und Geschlechterordnung
5.4 Individuum und Körper
5.5 Disziplin und Arbeit
5.6 Haltung zur Außenwelt
5.7 Zeit- und Geschichtsauffassung

6. Schlussbemerkung
6.1 Spanking als Invented Tradition
6.2 Fazit

Anhang
Anhang 1
Anhang 2

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 21.06.2016 verhängte das Landgericht Augsburg in zweiter Instanz eine zweijährige Haftstrafe ohne Bewährung gegen eine 56-jährige Lehrerin aus einer der Communitys der religiösen Bewegung Twelve Tribes (TT) in Bayern (Truscheit 2016). Grund dafür war der Vorwurf, sie hätte mehrere Kinder der Gemeinschaft häufig sehr stark mit einer Rute geschlagen. Bereits seit Mitte 2015 laufen zahlreiche Verfahren wegen Kindesmisshandlung gegen Angehörige der beiden deutschen Ableger der Glaubens- gemeinschaft in Klosterzimmern und Wörnitz - das Urteil gegen die Lehrerin ist dabei die höchste Strafe, die ein Mitglied der TT jemals erhielt (ebd.). Ins Rollen gebracht hatte das Ganze ein RTL- Reporter, der im Jahr 2013 in der TT-Community in Klosterzimmern mit versteckter Kamera mehrere Mütter beim Schlagen ihrer Kinder mit einer Rute gefilmt hatte. Nach der Ausstrahlung des Materials wurden alle 40 Kinder der Gemeinschaft in staatliche Obhut genommen, wo sie sich zum Teil bis jetzt befinden (Lüpke-Narberhaus 2013).

Seit ihrer Gründung im Jahr 1973 stehen die TT im Verdacht der Kindesmisshandlung, was immer wieder polizeiliche Ermittlungen gegen sie zur Folge hatte. Doch nie zuvor gingen staatliche Behörden derart konsequent gegen sie vor (Truscheit 2016). Und das, obwohl die TT schon immer recht offen mit ihrer umstrittenen Erziehungsform umgehen. So schreiben sie auf ihrer Website: „Because we love our children we do spank them. […] When they are disobedient or intentionally hurtful to others we spank them with a small reed-like rod, which stings but does not damage. The rod removes guilt from their soul and trains them to do good“ (TT 2016c).

Diese Begründung basiert, wie alle anderen Ausprägungen des sozialen Lebens in den TT auch, auf einer wortwörtlichen Interpretation bestimmter Texte der Bibel, die sie als irrtumslose Offenbarung Gottes betrachten (u.a. TT 2016d: 40). Insofern kann man die TT als Neue Religiöse Bewegung katego- risieren, die sich durch einen christlich-fundamentalistischen Glaubensansatz auszeichnet. Deutlich radikaler als viele ähnlich kategorisierte Gruppen betrachten sich die TT aber als das neue von Gott auserwählte Volk Israel und versuchen, als dieses eine „brandneue“, von Gott durch die Bibel inspirierte Kultur aufzubauen (TT 2007: 1 ff.). Daher leben die Mitglieder der TT in Kommunen und versuchen, allem Weltlichen vollkommen zu entsagen, dazu eine Art „reine Liebe“ untereinander zu pflegen, sowie alle denkbaren Ausprägungen des sozialen Lebens auf eigene Weise zu gestalten (TT 2007: 2 f., 9).

Ich selbst verbrachte im Jahr 2015 insgesamt acht Wochen in einer US-amerikanischen Community der TT in Oneonta/NY. Im Rahmen meines Ethnologiestudiums führte ich dort eine Teilnehmende Beobachtung durch, interviewte zahlreiche Mitglieder und Gäste der Gemeinschaft und fertigte Filmaufnahmen des Alltagslebens an. Im Laufe meiner Forschung konnte ich beobachten, dass die Züchtigung der Kinder im gemeinschaftlichen Leben der TT eine bedeutungsvolle Stellung einnahm - bedeutungsvoller als viele andere in die „kulturelle Praxis“ umgesetzte biblische Normen.

Ausgehend von dieser Beobachtung möchte ich in dieser Arbeit untersuchen, warum das Span- king 1 derart zentral für die TT zu sein scheint. Dafür möchte ich diese Erziehungsmethode als symbo- lische Handlung, mit Bezug auf Clifford Geertz also in ethnographischer Perspektive als Text mit einer Reihe verschiedener Bedeutungsebenen interpretieren (vgl. Geertz 1983: 253). Ich gehe dabei von der These aus, dass das Spanking für die TT eine der zentralen Handlungen zur Konstruktion ihrer kol- lektiven Identität als „religiöse Kultur“ darstellt, da sich in den Bedeutungsebenen des Spankings die wichtigsten „kulturellen Merkmale“ der TT sowie Funktionen zur Erhaltung der Kultur widerspiegeln.

Bei der Untersuchung dieser These verwende ich in erster Linie meine eigenen Ergebnisse der Teilnehmenden Beobachtung und Interviews mit aktiven und ehemaligen Mitgliedern der TT. Außer- dem greife ich auf zahlreiche Publikationen zurück, die von den TT selbst oder von ehemaligen Mitgliedern und im Rahmen der Medienberichterstattung dazu veröffentlicht wurden. Ebenfalls werde ich die umfangreiche wissenschaftliche Literatur zur Erläuterung der theoretischen Konzepte sowie die wenigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu den TT selbst mit einfließen lassen.

Gegliedert ist meine Arbeit im ersten Teil in drei einführende Kapitel. Um eine Grundlage zum Verständnis aller weiteren Kapitel zu schaffen, möchte ich bereits im zweiten Kapitel die Geschichte, Theologie und Lebensweise der TT grob umreißen. Im dritten Kapitel werde ich auf meinen eigenen Zugang, meine Methoden während der Feldforschung, sowie die relevanten Quellen und den aktuellen Stand der Forschung eingehen. Das vierte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit den Definitionen der wichtigsten theoretischen Grundkonzepte, die zur Bearbeitung der These hinzugezogen werden müssen. Diese habe ich hier aufgeteilt in Kultur und Identität, kommunitäres Leben und den drei verwandten Begriffen Neue Religiöse Bewegungen, Fundamentalismus und Millenarismus. Nach dieser Einführung werde ich im Hauptteil der Arbeit, dem fünften Kapitel, die oben genannte These interpretativ bearbeiten, indem ich in einem ersten Schritt die Handlung des Spankings beschreibe, um anschließend deren Bedeutungsebenen zu analysieren. Diese sind hier kategorisiert in Kultur- verständnis, Hierarchie und Geschlechterordnung, Individuum und Körper, Disziplin und Arbeit, Zeit- und Geschichtsbild, sowie Haltung zur Außenwelt. Zum Abschluss folgt ein zusammenfassendes Fazit.

Die Beschäftigung mit der Thematik besitzt in einem wissenschaftlichen Kontext eine hohe Relevanz, da bisher kaum Publikationen über die TT existieren, die über einen einführenden Charakter hinausgehen. Auch gesellschaftlich ist ein tieferes Verstehen der TT an sich und ihrer Erziehungspraxis im Besonderen gerade im Hinblick auf die aktuellen Prozesse in Deutschland durchaus relevant, da dies als Grundlage für einen sinnvollen Umgang mit der Bewegung, aber auch zur möglichen Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt gegen Kinder in religiösen Kontexten dienen könnte.

2. Die Twelve Tribes

Um meinen eigenen Zugang zum Thema und den aktuellen Quellen- und Forschungsstand verständlich zu erklären, erscheint es mir sinnvoll, zuvor einen groben Überblick über die Geschichte, Theologie und Lebensweise der TT zu geben.

Das erste Mal in Erscheinung traten die TT im Jahr 1972 unter dem Namen Vine Christian Community Church im US-amerikanischen Chattanooga/TN als christlicher Treff für Jugendliche. Ein Jahr später entwickelten deren Gründer Elbert Eugene Spriggs und seine Frau Marsha daraus eine Kommune mit ca. 60 Mitgliedern, die sich in ihrer theologischen Ausrichtung immer mehr vom „christlichen Mainstream“ in Form der First Presbyterian Church abwendete und sich, im Kontext der gesellschaftlichen Umbrüche der frühen 1970er Jahre, stark von der Hippie- und Ökobewegung, sowie deren christlichem Pendant, dem Jesus Movement, inspirieren ließ. Um ihr wirtschaftliches Überleben zu sichern und gleichzeitig neue Mitglieder zu gewinnen, gründete die Gruppe verschiedene Kleinunternehmen (u.a. Kerzen- und Kosmetikherstellung), sowie die Restaurantkette Yellow Deli (Asadi 2013a: 75; Palmer 2015; TT 2016d: 2 f.). Ab 1975 begann das sogenannte Anti-Cult Movement (ACM)2, das vor allem als Reaktion auf den im selben Jahr stattgefundenen Massenselbstmord der in den USA entstandenen Gruppierung Peoples Temple in Guyana stetig wuchs, die Vine Church in Chattanooga öffentlich als gefährliche Sekte anzuprangern, ihre Unternehmen zu boykottieren und vereinzelt Mitglieder zu entführen, um sie zu „deprogrammieren“ (Swantko 2000: 342; Palmer 2010: 63) . Spriggs (Yonek)3 ließ die Kommune daraufhin nach Island Pond im Bundesstaat Vermont umziehen, konnte sich dem ACM jedoch nicht entziehen: 1984 wurden nach Hinweisen einer ACM-Organisation alle 112 Kinder der Community wegen Verdachts auf Kindesmisshandlung in staatliche Obhut genommen, jedoch schon kurz darauf ihren Eltern zurückgegeben, da der Verdacht durch die untersuchenden Ärzte4 nicht bestätigt werden konnte (Palmer 2010: 64). Gleichzeitig zur wachsenden öffentlichen Kritik stieg die Mitgliederzahl, sodass die Gruppe in den späten 1980er Jahren begann, zu expandieren und - seit 1987 unter dem Namen Messianic Communites - in anderen Bundesstaaten und Ländern Communitys zu gründen (Palmer 2015). Inspiriert durch dieses Wachstum verstanden sich die Mitglieder immer mehr als von Gott gewolltes Volk und damit Nachfolger der zwölf Stämme Israels, weshalb schließlich die Umbenennung in Twelve Tribes erfolgte (Asadi 2013a: 8).

Derzeit existieren ca. 44 Communitys, verteilt in den Ländern USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Deutschland, Tschechische Republik und Australien mit insgesamt ca. 2500-3000 Mitgliedern (TT 2015b: 1; Palmer und Wright 2016: 4). Jede Community besteht aus ca. 30-100 Mitgliedern und finanziert sich immer noch aus eigenen Unternehmen, wie beispielsweise Seifen- und Kosmetikfabriken, einem Teevertrieb, Handwerksfirmen (u.a. Solartechnik, Forstarbeit, Tischlereien) und der beliebten Restaurantkette „Yellow Deli“5 (Pleyer 2014: 204 ff.). Die bisherige Entwicklung und das aktuelle Erscheinungsbild der TT müssen im Kontext des Selbstverständnisses der Gruppe gesehen werden: Die TT betrachten sich als „emerging culture“ (TT 2007: 48), das heißt, Yonek implementierte in den Anfängen der TT keine detailliert festgelegten theo-logischen Dogmen, sondern fügte im Laufe der Jahre immer neue Regeln, Lehren und die Lebensweise der Mitglieder betreffende Bestimmungen hinzu. Diese hatte er (und in geringerem Maße auch andere führende Mitglieder) durch Visionen Gottes erhalten und danach regelmäßig in Teaching Books, von denen wohl mittlerweile über hundert Bände existieren, zur Rezeption für alle TT-Mitglieder veröffentlicht. Die TT sehen ihre „Kultur“ bzw. ihre Lebensweise und Theologie also in einer stetigen Entwicklung bzw. Erweiterung und Vervollkommnung, die durch Offenbarungen Gottes an sie immer weiter vorangebracht wird (Asadi 2013a: 5)6.

Grundsätzlich betrachten sich die TT derzeit als das neue, in der Bibel prophetisch angekündigte Volk Gottes und damit als Nachfolger des Volkes Israel, sowie als Erben der ersten christlichen Gemeinden, die diesen Anspruch ebenfalls verfolgten, jedoch scheiterten. Als Gottes Volk versuchen sie, die kulturellen Merkmale in ihre Gruppe zu implementieren, die eigentlich die Nach- fahren Abrahams auf Befehl Gottes laut Bibel annehmen sollten (TT 2012a). Dies betrifft vor allem sämtliche Gebote und Vorschriften der fünf Bücher Mose, aber auch die Verhaltensaufforderungen in den Büchern des Neuen Testaments. Beispielhaft dafür ist das Leben aller Communitymitglieder in Kommunen, also fast ohne persönlichen materiellen Besitz; das Einhalten jüdischer Speisevorschriften und Feiertage; das Erarbeiten von Kreistänzen, die an traditionell-jüdische Tänze angelehnt sind; die besondere Bedeutung der hebräischen Sprache7 ; die Entscheidungsmacht des Mannes über die Frau. Der Fokus für die Mitglieder liegt jedoch vor allem darauf, eigene Bedürfnisse vollkommen zu negieren, die Individualität aufzugeben und stattdessen allen Menschen in unterwürfiger, durch Gott möglich gemachter Liebe zu dienen, sodass eine Art paradiesische Liebesgemeinschaft entsteht (TT 2007: 7).

Aus all diesen Regeln und Neuentwicklungen von meist jüdischen Traditionen versuchen die TT, ihre eigene, von allen anderen Kulturen abgegrenzte „brand new culture“ (TT 2007) zu konstruieren. Die Mitglieder der TT verstehen sich damit gleichzeitig als Angehörige eines Volkes, einer Ethnie, einer Kultur und einer Nation (TT 2011: 12).

3. Zugang und Methoden

3.1 Eigene Feldforschung

Im Sommer 2015 führte ich für eine Dauer von insgesamt acht Wochen8 eine Feldforschung in einer Community der TT in der Kleinstadt Oneonta im US-amerikanischen Bundesstaat New York durch. Den Kontakt konnte ich durch das Internetportal workaway.info herstellen, auf dem einige TT-Communitys als Gastgeber registriert sind.9

In der Community in Oneonta lebten während meiner Anwesenheit ca. 35-38 Mitglieder. Sie besaß drei Häuser an verschiedenen Standorten in der Stadt, in denen die Mitglieder entweder in Familien- oder Single-Apartments (für 3-4 Singles eines Geschlechts) wohnten. In einem der Häuser befand sich ein Yellow Deli, in dem der Großteil der Mitglieder täglich arbeitete. Das Frühstück und das Abendessen wurden mit der gesamten Gemeinschaft im Haupthaus der Community eingenommen. Außerdem fanden dort zweimal täglich die obligatorischen spirituellen Versammlungen, genannt Minhas (hebr.: Opfer), statt, bei denen gesungen, getanzt, geweissagt und gebetet wurde.

Als Teilnehmender Beobachter und gleichzeitiger „workawayer“ wohnte ich, zusammen mit zwei anderen männlichen Mitgliedern, in einem Single-Brother-Apartment, nahm an den gemeinsamen Mahlzeiten teil, besuchte regelmäßig die Minhas und arbeitete sechs Tage in der Woche für ca. acht Stunden täglich mit den anderen Communitymitgliedern an verschiedenen Stationen in der Küche des Yellow Delis. In meiner Rolle als Ethnologe führte ich zusätzlich Leitfadeninterviews mit elf Communitymitgliedern sowie einigen Bewohnern Oneontas und Gästen des Restaurants. Weiterhin fertigte ich Filmaufnahmen von verschiedenen Alltagssituationen an, aus denen später ein ethnographischer Dokumentarfilm entstand. Die meisten Informationen konnte ich jedoch in den zahlreichen informellen Gesprächen während der Arbeit im Restaurant gewinnen.

Obwohl ich aus Deutschland stammte und ein deutscher Reporter die TT zwei Jahre zuvor mit versteckter Kamera in die wohl größte Krise ihrer Geschichte gebracht hatte, akzeptierte mich die Community größtenteils in meiner Rolle als Forscher und Filmemacher. Da ich den Mitgliedern am Anfang meines Aufenthalts mitteilte, dass ich nicht vorhabe, sie zu kritisieren, sondern ihre „Kultur“ zu verstehen, sahen einige in mir einen Anwalt, der die TT später in Deutschland verteidigen könne. Anfangs versuchten sie außerdem relativ stark, mich von ihrem Glauben zu überzeugen, was sich jedoch änderte, als ich ausdrückte, dass ich dies als unangenehm empfand. Da die Mitglieder wussten, dass ich später über sie schreiben würde, hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie mich bei Regelverstößen weniger maßregelten als andere Gäste in ähnlichen Situationen, die zur gleichen Zeit anwesend waren. Insgesamt war die Feldforschung für mich persönlich eine recht schwierige Zeit, da ich mich sehr schwer an das von unzähligen Regeln bestimmte und jeglichen Individualismus ableh- nende Gemeinschaftsleben gewöhnen konnte. Auch befand ich mich in einem ständigen ethischen Konflikt mit mir selbst, ob ich in einer Gruppe forschen sollte, die vor meinen Augen systematisch schwerwiegende Menschenrechts-verstöße beging bzw. in ihrer Ideologie implementiert hatte.

Den bereits erwähnten Dokumentarfilm über meine Feldforschung veröffentlichte ich später im Internet. Aufgrund dieser Veröffentlichung kontaktierten mich einige ehemalige Mitglieder der TT und kritisierten, dass ich im Film nur die positiven Seiten des Communitylebens dargestellt hätte. Durch diese Kontakte erhielt ich Zugang in eine Art Netzwerk ehemaliger TT-Mitglieder. Acht dieser Aussteiger waren bereit, an einem schriftlichen, anonymen Online-Fragebogeninterview teilzunehmen, mit einer weiteren Person führte ich ein umfangreiches mündliches Leitfadeninterview. Durch diesen zweiten Zugang bekam ich einen wesentlich detaillierteren Einblick in die genaue Praxis des Spankings, der mir während meiner Feldforschung verwehrt blieb. Die Ergebnisse der Feldforschung wurden bereits in einem früheren Forschungsbericht systematisch ausgewertet und reflektiert. In der folgenden Darstellung werde ich vor allem auf meine durch Notizen festgehaltenen Beobachtungen und den durch Videoaufnahmen dokumentierten Interviews zurückgreifen.

3.2 Quellenlage

Neben der wissenschaftlichen Literatur greife ich bei der Themenbearbeitung vor allem auf die große Anzahl von Quellen zurück, die von öffentlichen Medien bzw. den TT veröffentlicht wurden. Die TT selbst sind äußerst aktiv in der Publikation von Texten, die für unterschiedliche Leserschaften entwickelt und über ihren eigenen Verlag Parchment Press herausgegeben werden. Für die Mitglieder der TT existieren wie bereits erwähnt weit über hundert Teaching Books (u.a. TT 1990/1998/2000/2011). Weiterhin erscheint zweimonatlich die Mitgliederzeitschrift Intertribal News, in der jede Community aktuell relevante Ereignisse beschreibt (u.a. TT 2015a/b). Aufgrund ihrer missionarischen Ausrichtung geben die TT ebenfalls regelmäßig Veröffentlichungen für Außenstehende heraus. Vor allem nutzen sie dafür ihr selbst entwickeltes Format des Freepapers - kleine Zeitschriften oder Traktate, in denen ihre Form des Glaubens in anschaulicher Weise beschrieben wird (u.a. TT 1999/2007). Diese liegen öffentlich in den Yellow Delis aus und werden bei missionarischen Einsätzen der Mitglieder, beispielsweise auf Rockkonzerten, an Passanten verteilt. Weiterhin werden missio- narische Bücher veröffentlicht, in denen historische oder gesellschaftspolitische Themen aus der Pers- pektive der TT interpretiert werden (u.a. TT 2008/2012b/2014). Viele dieser Quellen und weitere Texte sind in digitalisierter Form ebenfalls auf der umfangreichen Website der TT (TT 2016a) zugänglich. Neben diesen internen Quellen existieren online zahlreiche Blogs und Websites, die von Kriti- kern der TT, beispielsweise ehemaligen Mitgliedern oder dem ACM, erstellt wurden. Sie beinhalten Erfahrungesberichte, Warnungen und Anschuldigen gegen Yonek und die TT im Allgemeinen (u.a. yattt 2008; twelvetribes-ex 2010; Question12Tribes 2016), andererseits vermeintlich neutrale Beschreibungen der TT als „Sekte“ (u.a. NEIRR 2006; Apologetic Index 2012; CEI 2014). Die bisher einzige Autobiografie eines Aussteigers wurde von dem Deutschen Robert Pleyer (Pleyer 2014) verfasst, der darin äußerst detailliert das Leben in der Gruppe beschreibt, wie ich es in meiner Forschung ebenfalls, natürlich weitaus oberflächlicher, wahrgenommen habe.

In den öffentlichen Medien werden die TT ebenfalls immer wieder und vor allem seit der Razzia in der deutschen Community der TT im Jahr 2013 und den folgenden Prozessen thematisiert. Vor allem werden sie hier als gefährliche, gewalttätige, fundamentalistische Sekte dargestellt (u.a. Vasagar 2000; Scheeres 2015; Bayrischer Rundfunk 2016; Kaufmann 2016).

3.3 Stand der Forschung

Die wissenschaftliche Bearbeitung der TT im Allgemeinen und ihrer Erziehungsmethode im Speziellen kann als bisher noch äußerst lückenhaft bezeichnet werden. Tatsächlich führten nur zwei mit Neuen Religiösen Bewegungen (bzw. New Religious Movements - NRMs) beschäftigte US-amerikanische Religionswissenschaftlerinnen umfangreichere Feldforschungen in Communitys der TT durch. Susan J. Palmer veröffentlichte aus ihren Ergebnissen verschiedene eher deskriptive Artikel über die Geschichte der TT (Palmer 2010), sowie die Rolle der Frau (Palmer 1994) und die der Kinder (Palmer 1999) innerhalb der Gruppe. Außerdem thematisiert sie in einigen Aufsätzen den Eingriff des deutschen Staates in die deutschen TT-Communitys (u.a. Palmer und Frisk 2014; Palmer und Wright 2016). Torang Asadi wiederum verfasste einen Sammelbandartikel (Asadi 2013b), sowie ihre unveröffentlichte Masterarbeit (Asadi 2013a), die sie mir zur Verfügung stellte und aus der in Kürze eine Buchver- öffentlichung entstehen soll. In beiden Texten geht sie mit einem eher theoretischen Ansatz auf die von den TT umgesetzte spezielle Konstruktion einer „religiösen Kultur“ ein. Sie argumentiert, dass die TT den Überbau einer Kultur unbedingt für das Ausleben ihrer Religiosität benötigen, diese Kultur von den TT jedoch in einem fortlaufenden Entwicklungszustand gehalten wird, um sie durch die dadurch entstehende Flexibilität am Leben zu erhalten (Asadi 2013a: 5).

In weiteren Aufsätzen aus der Soziologie, die sich jedoch ausschließlich auf Fremdquellen stüt- zen, wird vor allem die Problematik der Kindesmisshandlung und die Rolle des Staates gegenüber NRMs hierbei thematisiert (Malcarne und Burchard 1992; Kent 2010). Weitere knappe und eher beschreibende Erwähnungen finden die TT in allgemeinen Aufsätzen über NRMs (u.a. Miller 2010).

Demgegenüber steht jedoch ein umfangreicher Literaturkanon über ähnlich konzipierte NRMs, in denen unter anderem ebenfalls Gewalt angewendet wird, und theoretischen Konzepten, durch die die TT betrachtet werden können. Auf einige dieser Konzepte möchte ich im Folgenden eingehen.

4. Theoretische Konzepte

Im Folgenden möchte ich auf ethnologische bzw. sozialwissenschaftliche Konzepte eingehen, mit denen die TT theoretisch eingeordnet werden können und die damit als Grundlage für die spätere Analyse dienen.

4.1 Kultur und Identität

Mit ihrem Selbstverständnis als klar definierte und selbst gegründete Kultur - einer Kultur also, die aus Sicht der TT bewusst konstruiert und wahrgenommen wird - nehmen die TT eine Sonderstellung in den in der Ethnologie untersuchten Gruppen und Gesellschaften ein, da die Ethnologie eher von dem Paradigma ausgeht, dass „in every society, a good deal of what anthropologists call ‘culture’ exists as self-evident fact. To formulate it differently: cultures are symbolic orders structured by beliefs whose continuance does not depend on a conscious choice, on a ‘decision to believe in’. Anthropologists, and quite a few others, are well aware that every culture consists in large part of values, norms, categories and schemes of thought and action, the existence of which is naturalised, or simply not perceived at all.” (Babadzan 2010: 143)

Tatsächlich versuchen die TT, dieses Paradigma ins Gegenteil zu verkehren: Der Entschluss, ein Mitglied der TT zu werden, verlangt die aktive Entscheidung, an die bewusst konstruierte Kultur der TT zu glauben, deren Ausprägungen für sich selbst anzunehmen und die eigene „Ausgangskultur“ dabei völlig abzulegen (Asadi 2013: 15 f.). Einerseits ist es nun natürlich problematisch und wenig zielführend, die TT, um sie theoretisch greifbar zu machen, aus wissenschaftlicher Perspektive objektiv als Kultur zu begreifen. Andererseits steht der Kulturgedanke und dessen Auslebung derart im Zentrum des Selbstverständnisses der TT, dass eine reine theoretische Einordnung als Neue Religiöse Bewegung hier zu wenig Erklärungskraft besitzt. Da es sich um eine Selbstzuschreibung - im übertragenen Sinne also „from the native‘s point of view“ (Geertz 1983: 289) - handelt, sollte sich diesem Problem nach ethnologischem Verständnis auch aus Sicht der TT genähert werden. Welche Bedeutung die TT ihrer Selbstzuschreibung als Kultur selbst beimessen, äußern sie recht klar, unter anderem in einem ihrer missionarischen Freepaper:

„Another thing dear to the Creator’s heart is that His people could have a culture that is completely distinct from the cultures of this fallen world. The internal, invisible things that bind people into a national identity are expressed in the external, visible details of their culture — the standards, customs, traditions, ethics, and attitudes shared by the people in that society. […] This new culture is being made pure, so nothing from the old cultures of the world is allowed to come in.” (TT 2007: 4)

Der Ansatz, eine abgegrenzte Art von Kultur zu schaffen, die durch die Konstruktion einer Anzahl sicht- barer Elemente konstitutiert wird, um eine (nationale) Identität für die Kulturangehörigen zu schaffen, wird bereits in einem akademischen Diskurs aufgegriffen, der sich zwar eher auf andere Kontexte bezieht, in seinen Grundzügen jedoch durchaus auf die TT angewendet werden kann: 1983 stießen sowohl der Historiker Eric Hobsbawm (Hobsbawm 1983), als auch der Ethnologe Ernest Gellner (Gellner 1983) mit ihren Werken über die Konstruktion von Nationen und dem daraus entstehendem Nationalismus den weitreichenden Diskurs über die „Invention of tradition“ an. Hobsbawm vertritt hier die konstruktivistische These, dass nationale kollektive Identitäten durch die Erfindung von Traditionen entstehen (Hobsbawm 1983: 1 ff.). Erfundene Traditionen definiert er als „set of practices, normally governed by overtly or tacitly accepted rules and of a ritual or symbolic nature, which seek to inculcate certain values and norms of behaviour by repetition, which automatically implies continuity with the past” (Ders.: 1). Hobsbawm ordnet diesen Traditionen die Funktionen zu, einen sozialen Zusammenhalt unter den Gruppenmitgliedern zu erzeugen; Status, Autorität oder Institutionen innerhalb der Gruppe zu legitimieren und das kollektive Überzeugungs- und Wertesystem in der Gruppe zu implementieren (Ders.: 9). Durch eine spezifische Zusammenstellung dieser erfundenen, aber den Anspruch der Authentizität implizierenden Traditionen, die teilweise frei interpretiert auf historische Ereignisse/ Handlungen fußen, teilweise vollkommen erfunden sein können, wird von den Erfindern - meist die politische Elite der jeweiligen Gruppe oder Gemeinschaft - ein kollektives System, sei es beispielsweise in Form einer Kultur oder einer Nation, konstruiert, das sich durch diese Traditionen definiert und legitimiert (Babadzan 2010: 133 f.). In Bezug auf die Gruppenmitglieder würde dadurch dann ein „sense of identification with a ‚community‘ and/or the institutions representing, expressing or symbolizing it” (Hobsbawm 1983: 9) entstehen. Identität wird hier im Sinne eines kollektiven Gefühls von „groupness“ (Brubaker und Cooper 2000: 27) verstanden, das mit „Gemeinsamkeit, Verbundenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl“ (Stachel 2005: 423) umschrieben werden kann.10

Auch wenn Hobsbawm seine Theorie eher auf die Nationenbildung im Europa seit der Zeit der Industrialisierung bezieht (Hobsbawm 1983: 3), sind dessen Grundlagen auf die konstruierte Kultur der TT anwendbar. Was Hobsbawm hier als „erfundene Tradition“ bezeichnet, findet sich bei den TT gewissermaßen in allen „kulturellen Ausprägungen“, die sie (bzw. Yonek) für ihre eigene Gemeinschaft entwickelt und mit Bedeutung gefüllt haben (z.B. Kleidung, Nahrungsaufnahme, Musik, Tanz, Religiöse Versammlungen, Tagesablauf, Arbeit, etc.). Im Einzelnen betrachtet sind diese Traditionen tatsächlich nicht neu, sondern meist eher aus verschiedenen kulturellen Kontexten jenseits der TT entnommen.11

In ihrer spezifischen Zusammensetzung und neuen Bedeutungsgebung erschaffen die TT jedoch ihr einzigartiges kulturelles Konstrukt, mit dem sie das kulturelle Erbe einer durch biblische Texte inspirierten, konstruierten Geschichte des jüdischen Volkes und der ersten christlichen Gemeinden weiterführen möchten (Asadi 2013: 4). Durch ein Volk, das direkt von Gott geführt und „besessen“ wird, entwickeln sie bewusst eine kollektive Identität, die weit über die einer ethnischen oder nationalen Identität hinausgeht, wie unter anderem in folgendem Text deutlich wird: „Everyone has one or more racial or ethnic identities, and within that identity some have a certain sense of belonging. But racial identity does not in itself form a people for God's own possession. God wants a people. He wants a people who will be His own special possession“ (TT 2016f).

Die Ethnologie ist eine der Disziplinen, die sich im Diskurs um die „Invented Traditions” wohl am Kritischsten - vor allem bei Fragen um vermeintliche Authentizität und Essentialisierung von Kulturen durch die Erfindung ihrer Traditionen - geäußert, ihn aber auch am Fruchtbarsten weitergeführt hat (Babadzan 2010: 140 f.). Allen Hanson fordert in seinem berühmt gewordenen Aufsatz über die Erfindung der Kultur der Maori, in der einige Ausprägungen unter anderem paradoxerweise durch vermeintliche Erkenntnisse von Anthropologen selbst konstruiert wurden, dass „the analytic task is not to strip away the invented portions of culture as inauthentic, but to understand the process by which they acquire authenticity“ (Hanson 1989: 898).

In diesem Sinne möchte ich den Ansatz der „Invented Tradition“ im Sinne von Hobsbawm (Hobsbawm 1983)12 als grundlegenden Rahmen für die folgende Arbeit nutzen. Ich möchte die Züchtigung der Kinder in den TT als erfundene Tradition nach der oben genannten Definition begreifen. Meine These ist also, dass die TT mit der Züchtigung ihrer Kinder eine Tradition konstruiert haben, die in ihrer vermeintlichen Authentizität eine Kontinuität mit der vergangenen, in der Bibel beschriebenen „Kultur Gottes“ aufweist, und in ihrer symbolhaften Natur auf verschiedene Bedeutungsebenen verweist, durch die in ihrer Gesamtheit eine kollektive Identität der TT entstehen soll. Die einzelnen Bedeutungsebenen erfüllen dabei eine oder mehrere der oben beschriebenen, von Hobsbawm aufgestellten Funktionen (vgl. Hobsbawm 1983: 9).

Die nach meinen Ergebnissen wichtigsten Bedeutungsebenen des Spankings und dessen einhergehenden Funktionen möchte ich im folgenden Kapitel einzeln untersuchen. Dabei lehne ich mich an die Symbolische Anthropologie, im Speziellen an deren Begründer Clifford Geertz an, der nicht nur wie Hobsbawm in konstruierten Traditionen, sondern in allen kulturellen Ausprägungen einen symbolhaften Charakter erkennt und Kultur daher als „selbstgesponnene[s] Bedeutungsge- webe“ (Geertz 1983: 9) begreift, das aus Systemen von Symbolen besteht (Ders.: 21). Der Ethnologie weist er die Aufgabe zu, die Bedeutungsstrukturen dieser Symbole herauszuarbeiten, sie also wie einen Text zu lesen und zu interpretieren, um letztendlich einen hermeneutischen Verstehensprozess in Gang zu setzen - diese Form der Ethnographie nennt Geertz „Dichte Beschreibung“ (vgl. Ders.: 15, 21 f., 253 f.). In einem für die Ethnologie wegweisend gewordenen Essay interpretiert er beispielsweise äußerst detailliert die einzelnen Aspekte des Hahnenkampfs auf Bali und zeigt auf, wie sich in dessen verschiedenen Bedeutungsebenen die balinesische Kultur offenbart (Ders.: 289). Einen ähnlichen, jedoch natürlich weit weniger umfassenden Ansatz verfolge ich in dieser Arbeit: Die Züchtigung der Kinder der TT möchte ich ethnographisch „dicht beschreiben“, um damit deren tiefere Bedeutung für die kollektive Identität der TT aufzuzeigen.

Die Einordnung der TT in diese kultur- bzw. identitätstheoretische Konzepte soll hier als grundlegender theoretischer Rahmen dienen. Nichtsdestotrotz möchte ich zum tieferen Verständnis im Folgenden noch knapp auf einige Definitionen bzw. Konzepte hinweisen, die auf relevante Merkmale des sozialen Zusammenlebens der TT, sowie der Art ihrer Religionsausführung anwendbar sind.

4.2 Kommunitäres Leben

„When we see people being real, being able to share a common life together, then we will know that this new social order is being restored here on earth.” (TT 2007: 23)

Die soziale Ordnung, die die TT nach der Wiederkunft Jesu für die ganze Welt anstreben, üben sie bereits jetzt in ihren Gemeinschaften aus: Kein Mitglied besitzt nennenswerte materielle Güter, niemand darf ein eigenes Bankkonto führen oder Geld für sich selbst verdienen. Stattdessen leben alle Mitglieder der TT-Communitys in gemeinsamen Häusern, nehmen die Mahlzeiten kollektiv ein und verbringen fast die gesamte Zeit des Tages beim gemeinschaftlichen Arbeiten. Dass sich ein Mitglied für einige Stunden zurückzieht oder etwas nur für sich selbst macht, ist eher unerwünscht. Dieses Konzept des sozialen Zusammenlebens definiert der Ethnologe Christoph Brumann unter der Bezeichnung Kommune als „eine Menge von Menschen beiderlei Geschlechts, die nicht ausschließlich verwandtschaftlich miteinander verbunden sind und die auf freiwilliger Basis ihr Eigentum teilen und gememinsam leben. Dabei wenden sie sich bewusst gegen gesellschaftlich etablierte Praktiken und haben ein ideelles Ziel vor Augen.“ (Brumann 1998: 1)

[...]


1 Die TT wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden ihre Kinder schlagen (Engl.: beat), da dieses Wort eine Gewalthandlung mit einer Hand implizieren würde. Sie nutzen für die Züchtigung dagegen ausschließlich eine Rute und bezeichen die Handlung als Spanking. Diese Bezeichnung werde ich im Folgenden ebenfalls nutzen, da es sich einerseits um eine Eigenbezeichnung handelt, andererseits keine hier sinnvolle deutsche Übersetzung existiert.

2 Unter dem Sammelbegriff Anti-Cult Movement werden Organisationen und Individuen verstanden, die sich seit den 1970er Jahren kritisch mit „Cults“ auseinandersetzen und diese, teilweise mit kriminellen Methoden, bekämpfen (Swantko 2000: 341).

3 Yonek ist Spriggs‘ hebräischer Name innerhalb der TT und wird im Folgenden ausschließlich verwendet.

4 In dieser Arbeit wird bei Pluralbildung von personalen Substantiven aus Gründen einer vereinfachten Lesbarkeit und des vor allem im Bereich der TT nicht relevanten Zusatzes eines Gender-Sterns o.ä. auf die gegenderte Endung verzichtet. Hiermit stelle ich fest, dass - wenn nicht anders angegeben - dabei alle Gender gemeint sind.

5 Alle Yellow Delis bieten vor allem Sandwiches und Suppen, sowie verschiedene Mate-Tee-Variationen an und sind in einem recht ungewöhnlichen Stil - einer Art urigen Mischung aus Strandbar und Westernsaloon - eingerichtet. Auf Vergleichs- portalen, wie Yelp oder Tripadvisor, werden sie regelmäßig mit Höchstbewertungen ausgezeichnet (vgl. Tripadvisor 2016).

6 Daher sind auch die Daten und Beobachtungen, die ich im Folgenden in dieser Arbeit schreiben werde, unter Berücksichtigungen dieses Veränderungsprozesses zu verstehen, das heißt, sie betreffen ausschließlich die Zeit, in der sie vor Ort aufgenommen bzw. gemacht wurden und könnten zum Zeitpunkt des Schreibens mitunter schon erweitert worden sein.

7 Für die TT bedeutsame Wörter, wie Namen, Titel, bestimmte Gegenstände oder religiöse Bezeichnungen werden durch hebräische Wörter ersetzt. Außerdem bekommt jedes Mitglied bei seiner Taufe einen neuen, hebräischen Namen.

8 Nach fünf Wochen musste ich den Aufenthalt aufgrund einer Erkrankung unterbrechen, führte ihn jedoch später für weitere drei Wochen fort. Dadurch war ich im Zeitraum vom 21.04.-26.05.2015 sowie vom 24.07.-17.08.2015 am Forschungsort.

9 Diese Website vermittelt Reisende an Haushalte, Farmen oder private Unternehmen in verschiedenen Ländern, bei denen sie als Freiwillige arbeiten können, um dafür Unterkunft und Verpflegung zu bekommen. Die TT sind nach eigenen Angaben vor allem deshalb dort registriert, um ihren Glauben missionarisch an Gäste aus Ländern weiterzugeben, in denen die TT derzeit noch nicht aktiv sind.

10 Hobsbawm unternimmt nicht den Versuch, den Begriff Identit ä t genauer zu definieren. Tatsächlich ist der Begriff in verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen derart unterschiedlich definiert und geformt worden, dass einige Autoren ihn nur noch für eine Worthülse halten (Stachel 2005: 396). In dieser Arbeit werde ich daher, auch aufgrund der Begrenztheit und der daraus gegebenen Unmöglichkeit, gängige Identitätsdiskurse genauer aufzuzeigen, ebenfalls darauf verzichten, eine Definition zu liefern. Ich werde stattdessen mit der Bedeutungsmöglichkeit arbeiten, die die TT diesem Begriff selbst zuschrei- ben und die mit Hobsbawms Ansatz der kollektiven Identität bzw. dem Begriff der groupness am ehesten auszudrücken ist.

11 Beispielsweise nutzen die TT Essstäbchen beim Einnehmen ihrer Mahlzeiten, was sie bewusst aus asiatischen Kontexten übernommen haben.

12 Natürlich ist eine Beschränkung auf Hobsbawm und bei ihm auch nur auf den grundlegenden theoretischen Kern in Anbetracht der Weitläufigkeit des Diskurses stark vereinfacht, aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit jedoch meiner Ansicht nach sinnvoll, auch weil sein Modell für die Bearbeitung meiner These am Ergiebigsten zu sein scheint.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
"The rod of discipline". Körperliche Züchtigung als identitätsstiftende Handlung innerhalb der religiösen Bewegung "Twelve Tribes"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ethnologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V369963
ISBN (eBook)
9783668486133
ISBN (Buch)
9783668486140
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Twelve Tribes, Zwölf Stämme, Sekte, New Religious Movement, Misshandlung, Kinder, Fundamentalismus, Christentum, Kommune, Identität, Endzeit, Apokalypse, Religiöse Bewegung, Religion
Arbeit zitieren
Manuel Steinert (Autor), 2016, "The rod of discipline". Körperliche Züchtigung als identitätsstiftende Handlung innerhalb der religiösen Bewegung "Twelve Tribes", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369963

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "The rod of discipline". Körperliche Züchtigung als identitätsstiftende Handlung innerhalb der religiösen Bewegung "Twelve Tribes"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden