Kaiser Nero und der große Brand Roms. Eine Untersuchung der Schuldfrage


Hausarbeit, 2017

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Tacitus

3. Darlegung Tacitus Annales XV 38-44
3.1. Inhalt
3.2. Interpretation

4. Darlegung bei Sueton
4.1. Inhalt
4.2. Interpretation

5. Vergleich

6. Fazit

7. Literatur-und Quellenverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Forschungsliteratur

1. Einleitung

Es ist der 19. Juli des Jahres 64 nach Christus, Hochsommer in der Ewigen Stadt. Die Luft ist trocken und die Menschen finden keinen Antrieb. Sie öffnen Türen und Fenster, um der Trockenheit entgegen zu wirken, aber zwecklos. Gegen Abend macht sich doch eine leichte Brise bemerkbar und die Menschen hält es nicht mehr in ihren Häusern. Sie gehen auf die Straßen, sie sind heiter und belustigt. Doch dann macht sich unter der amüsierten Bevölkerung ein Brandgeruch bemerkbar, welcher vorerst für keine Aufregung sorgt. Der Geruch lässt nicht nach, ganz im Gegenteil er verstärkt sich immer mehr und plötzlich geht alles schnell:,,Es brennt“, schreien die Menschen auf den Straßen. Alle verfallen in Panik. Der Circus Maximus steht in Flammen. Das Flammenmeer entfaltet sich über die ganze Stadt Rom. Der Brand gehört mit seinem Ausmaß zu einer der größten Brände der antiken Zeit. Sieben von vierzehn Stadtbezirken waren unbewohnbar, drei sind völlig zerstört. Viele Menschen verlieren ihre Häuser und ihre hart erarbeiteten Besitztümer. Auf der Suche nach dem Schuldigen treten bei der Bevölkerung die ersten Spekulationen auf. Der Kaiser persönlich wird zum Verdächtigen.

Doch wer war wirklich schuld an dem Brand? Seit mehr als 2000 Jahren beschäftigen sich die Historiker mit dieser Frage. Auch diese Arbeit soll sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Dazu werden zwei große antike Historiker berücksichtigt. Es muss erwähnt werden, dass sich über die lange Zeit unterschiedliche Meinungen zu der Schuldfrage gebildet haben. Zu einer der detailliertesten antiken Überlieferungen gehört das Werk des Publius Cornelius Tacitus. Er ist zur Zeit des Brandes zehn Jahre alt. Neben Tacitus wird sich die Arbeit mit einem anderen, wichtigen, antiken Historiker beschäftigen, nämlich Sueton.

Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert: Tacitus Annalen XV 38-44 wird im Hinblick meiner Untersuchung als Hauptquelle dienen, da es sich um einer der größten Geschichtswerke handelt. Mit seinen umfassenden Aufzeichnungen gilt Tacitus als sehr geschätzter antiker Geschichtsschreiber. Sein Werk wird von duzenden Historikern in die Forschung miteingebunden. Um die Schuldfrage kritisch zu überprüfen, werde ich hinzu Suetons Überlieferung aus seiner Kaiserviten über Kaiser Nero dem Leser vorstellen, da seine Kaiserbiografie mit als einzige vollständig erhaltene Quelle nach Nero gilt. Sueton hatte zudem Zugang zu besonderen Archiven, die man seiner Kaiserviten entnehmen kann. Nach der ausführlichen Darlegung der Standpunkte der beiden Historiker, werde ich sie in einem neuen Abschnitt miteinander vergleichen. Die Arbeit runde ich mit meinem Fazit ab.

2. Biografie Tacitus

Publius Cornelius Tacitus kommt ca 55 n. Chr. auf die Welt und stirbt ca. 120 n. Chr. Geboren wird Tacitus in eines der römischen Provinzen Gallia Cisalpina (Norditalien) oder Gallia Narbonensis (Südfrankreich). In Rom erlang er seinen Abschluss in Rhetorik und wurde zu einer der bekanntesten Redner in der Stadt, welches ihm wahrscheinlich den Aufstieg zum Senator ermöglichte. Über das Leben des Tacitus erfährt man nur aus wenigen Werken oder dem Briefwechsel zwischen ihm und seinem engen Freund Pilinus des Jüngeren, der römischer Staatsmann und Redner war. Er bekleidete wahrscheinlich die Ämter des Quästors, des Prätors und des Konsuls. Heute zählt Tacitus als einer der bedeutendsten senatorischen Geschichtsschreiber und Historiker. Seine Überlieferungen gehören heute zu den wichtigsten Quellen aus der antiken Zeit. Zu seinen Werken gehören u.a. die Germania, Historiae und die Annales, welche die Zeit vom Tod des Augustus bis zur Regierung Domitians beinhalten.

3. Darlegung Tacitus Annales XV 38-44

3.1. Inhalt

In der Schilderung des Tacitus über den Brand Roms, macht er die Unklarheit des Auslösers bzw. des Verursachers deutlich. Der Brand könne durch den Kaiser aber auch durch Zufall entstanden sein (38,1). Er erläutert den expliziten Vorgang des Brandes, der sich vom Circus Maximus aus bis in die alte Stadt entflammte und verdeutlicht die schrecklichen Ausmaße (38,2). Er beschreibt die Situation der hilflosen Frauen, Kinder und Schwachen. Manche sind bemüht das Leben des anderen zu retten, manche um sein eigenes (38,4). Die Hoffnung auf einen unversehrten Platz in der Stadt stirbt (38,5). Tacitus sagt aber auch, dass Einzelne die Löschmaßnahmen absichtlich verweigert haben sollen (38,7). Daraufhin werden Neros Maßnahmen und Hilfeleistungen an das Volk genannt (39,2). Die Gerüchte dessen, dass Nero die Vernichtung Roms besungen haben soll, hielten sich (39,3). Nachdem man glaubte, dass das Feuer nach sechs Tagen sein Ende gefunden hatte, brach es erneut auf den aemilianischen Grundstücken aus (40,1). Die Beschuldigungen auf den Kaiser verstärkten sich, in dessen Absicht wohl eine Neugründung der Stadt war (40,2). Die Anzahl der Verluste an heiligen und wertvollen Bauten seien enorm (41,1). Manche waren in Bemühungen, den Brand auf den 19. Juli zu datieren, da er sich mit einem vorherigen ereigneten Brand deckte (41,2). Tacitus erwähnt den neuen beabsichtigten prachtvollen Palast, der die verschwenderische Seite Neros zum Vorschein bringe (42,1). Der Wiederaufbau der Stadt solle genau nach Plan verlaufen und brandsicherer sein (43,1/3). Es folgte die Besänftigung der Götter (44,1). Jedoch wollte keiner an ein Zufall des Brandes glauben (44,2). Es müsse ein Sündenbock her, der in der Menge schon verhasst sei: die Christen (44,2). Nach einer kurzen Erklärung, woher die Christen stammen (44,3), beschreibt Tacitus den Ablauf der Christenverfolgung (44,4). Die qualvollen Prozeduren gingen soweit, dass die Menschen sogar Mitleid entwickelten (44,5).

3.2. Interpretation

Wenn wir uns Tacitus Heranführung an den Brand genau betrachten, fällt auf, dass bevor er den Brand überhaupt in Erwähnung bringt, sich mit der Schuldfrage beschäftigt. Das Unglück könne sowohl durch Zufall, als auch beabsichtigt durch den Kaiser entstanden sein. Die Beschreibungen über den Verlauf des Brandes fallen bei Tacitus sehr dramatisch aus. Obwohl Tacitus ein senatorischer Gesichtsschreiber war, ist er im Hinblick auf die harten Beschuldigungen, die auf Nero lasten nicht zurückhaltend. Tacitus erwähnt, dass während des Brandes Löschmaßnahamen zum Teil absichtlich gehindert bzw. durch weitere Fackeln weiterhin provoziert wurden, um u.a. leichter plündern zu können. Außerdem bestrebe Nero große Pläne, bezüglich einer Neugründung der Stadt, die durch eine überwiegende Zerstörung in die Tat gesetzt werden könne. Die Stadt solle zudem nach ihm benannt werden. Als Beispiel für die Umsetzung seiner Pläne dient hierzu sein neu erbauter und prachtvoller Palast, die Domus Aurea („Das Goldene Haus“). Zusätzlich habe Kaiser Nero den Untergang Trojas auf seiner privaten Hausbühne in Antium besungen. Trotz den schweren Beschuldigungen nennt Tacitus aber auch allerlei Maßnahmen die Nero sofort in Wege leitete. Wie z.B. der Eröffnung des kaiserlichen Parks oder der Errichtung von Zelten für die Obdachlosen[1]. Auch hat sich Nero um verbilligte Lebensmitteln aus Ostia gekümmert.

Der Brand wird auf den 19. Juli datiert. Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um eine helle Vollmondnacht gehandelt haben müsse. Es ist also eine unpassende Nacht für eine beabsichtigte Brandkatastrophe. Außerdem waren Brände zu dieser Zeit keine Seltenheit.[2] Hinzu kommt, dass es Hochsommer war und viele Häuser aus leicht brennbarem Holz erbaut waren, die also für einen ausgebrochenen Brand sich sehr gut eigneten. Wenn wir in Betracht ziehen, dass Nero ein Künstler war und Kunstgegenstände sehr schätzte, ist es sehr zu hinterfragen, ob er wirklich für den Brand verantwortlich gemacht werden kann. Vom Brand war nämlich nicht nur die Bevölkerung betroffen, sondern auch die ganzen kostbaren Kunstgegenstände, sein Palast und die ganzen anderen effektiven Bauten, die er errichten ließ. Auch waren es wohlhabende Bezirke, die vom Brand getroffen waren. Wie erwähnt war Nero nach seiner Ankunft in Rom mit sofortigen Hilfeleistungen beschäftigt. Er ließ der bedürftigen Bevölkerung Brot austeilen und setzte den Preis für das Korn auf drei Sesterzen.[3] Nun ist die Aussage, dass Nero den Brand besungen haben soll, sehr umstritten, auch bei vielen Historikern. Wir wissen, dass Nero leidenschaftlicher Sänger und Schauspieler war, jedoch bin ich nicht davon überzeugt, dass er die Zeit dafür hätte sich seinem Element der Künste zu geben. Wir finden diese Vorwürfe in den Überlieferungen von Cassius Dio und Sueton zwar wieder, jedoch decken sich die Behauptungen im Detail nicht. Es ist aber auch fraglich, wie die Bevölkerung Neros Auftritt auf seiner Hausbühne beobachtet haben soll. Sein Palast war nicht für jedermann zugänglich. Nur bestimmte Personen hatten den Zugang zum Palast. Tacitus berichtet darüber hinaus, dass Nero sich erst der Stadt näherte, als die Flammen seinen Palast drohten. Außerdem war Nero mit sofortigen Hilfeleistungen in der Stadt beschäftigt. Sein musischer Auftritt ist also unvorstellbar. Auch ist nicht die gesamte Bevölkerung von den Vorwürfen überzeugt, da Nero als führsorglich und volksnah galt. Um die Stadt wieder aufzubauen hat Nero zum Teil in seine Privatkasse gegriffen. Jeder, der den Wiederaufbau mitfinanzierte, bekam Vergünstigungen. Hinzu erlangte jeder, der finanziell mitwirkte, die volle Zustimmung der Bürgerrechte, die sie nur bedingt hatten. Die Bewältigung von Schutt wurde organisiert, breitere Straßen geplant und jeder Hausbesitzer sollte eigene Löschmittel besitzen. Die neuen Häuser wurden aus Stein erbaut und Gebäudehöhen wurden eingeschränkt, um weitere Brände zu verhindern. Auch hatte sich Nero um eine Versöhnung mit den Göttern bemüht.

Nero stand also unter Druck. Um den Gerüchten ein Ende zu setzten, habe der Kaiser sich die Christen als Schuldige rausgepickt. Sie waren der römischen Bevölkerung durch ihre monotheistische Lehre und ihrer Zurückhaltung an dem täglichen Leben schon fremd genug. Tacitus Haltung zu den Christen können wir klar an folgenden Äußerungen wie:,,exitiabilis superstitio“[4], die unheilvolle Aberglaube“, erkennen. Er sieht sie als ,,atrocia aut pudenda“[5], also ,,Greuel und Scheußlichkeit“ der Stadt. Er gibt jedoch wieder, dass die Grausamkeiten an den Christen nicht nur wegen den Beschuldigungen an der Brandstiftung durchgeführt wurden, sondern weil sie schon unter dem Vorwurf der ,,odium humani generis“[6] verhasst waren. Also ist von einer bewiesenen Schuld an den Christen hier nicht die Rede. Nach soviel Unbarmherzigkeit habe sich bei der Bevölkerung Kritik an Nero und sogar Mitleid an den Christen entwickelt. Das zeigt, dass Nero das Maß relativ überschritten hatte. Auch sagte Tacitus, dass jeder festgenommen wurde, der ein Geständnis ablegte. Hier fragt man sich, um welches Geständnis es sich handelte. Haben sie der Schuld am Brand zugestimmt, oder nur zugegeben, dass sie Christen waren. Neben der Kreuzigung, wurden die Christen zum anderen auch den Tieren zum Fraß vorgeworfen oder verbrannt.

[...]


[1] Stöver, Hans Dieter: Christenverfolgung im römischen Reich, Düsseldorf und Wien 1982, S.20.

[2] Malitz, Jürgen: Nero, München, 2013, S.70

[3] Stöver, Hans Dieter: Christenverfolgung im römischen Reich, Düsseldorf und Wien 1982, S.20.

[4] Tac. Ann. XV 44,3

[5] Ebd.

[6] Tac. Ann. XV 44,4

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kaiser Nero und der große Brand Roms. Eine Untersuchung der Schuldfrage
Hochschule
Freie Universität Berlin  (FMI)
Veranstaltung
Alte Geschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V370952
ISBN (eBook)
9783668495555
ISBN (Buch)
9783668495562
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brand Roms, Kaiser Nero, Antike, Tacitus, Sueton
Arbeit zitieren
Nafiye Saglam (Autor), 2017, Kaiser Nero und der große Brand Roms. Eine Untersuchung der Schuldfrage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370952

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