Zu: Thomas Risse-Kappen: Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle


Rezension / Literaturbericht, 2005
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Der empirische Befund: demokratischer Frieden – unfriedliche Demokratien

2. Der demokratische Frieden

3. Überlegungen zu einer Theorie von Demokratie und Frieden

4. Erklärungsversuche zum Verhältnis von Demokratie und Frieden

5. Partizipationschancen und utilitaristische Kosten-Nutzen-Kalküle

6. Demokratische Normen und das Analogiemodell

7. Ansätze zu einer Theorie der Außenpolitik von Demokratien

8. Schlußfolgerung

„A democratic peace would be a genuine peace; it would not be just the absence of war“ James Barker, Secretary of State

In seinem Essay analysiert Thomas Risse-Kappen die generelle Friedfertigkeit der Demokratien und die Gewalthaltigkeit der außenpolitischen Beziehungen gegenüber demokratischen Systemen und Nicht-Demokratien. Er untersucht theoretische Ansätze, verwirft empirisch unbegründete Erklärungsversuche und beschreibt neue Ideen zur Errichtung einer Theorie zum „demokratischen Frieden“. In letzter Hinsicht wird der wissenschaftliche Versuch gemacht, das Zitat von James Barker empirisch zu untersuchen: Ist ein demokratischer Frieden ein echter Frieden? Wird es mehr sein als nur die Abwesenheit von Krieg?

In den einleitenden Worten zu seinem Aufsatz „Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle“ wirft er die Frage auf, was eigentlich hinter dem Postulat „demokratischen Frieden“ steht und wie es sich mit der Realität verträgt. Wie unterscheiden sich Demokratien von autoritären Staaten? Warum sind Demokratien zu einem foedus pacificum (Kant´scher Friedensbund) befähigt, Diktaturen aber nicht? Thomas Risse-Kappen argumentiert zu Anfang seines Essays folgendermassen, „dass Demokratien in ihrer Außenpolitik von der Gewalthaltigkeit der innenpolitischen Konfliktregelungsmodi auf das Außenverhalten politischer Systeme schließen.“ Die Friedfertigkeit von Demokratien wird mit der Perzeptionsdifferenz zu erklären versucht: Demokratien nehmen sich untereinander als friedfertig war, autoritären Systemen gegenüber wählen Demokratien andere Verhaltensmuster, die unter bestimmten Umständen zu einer kriegerischen Konfrontation ausarten können. Die Perzeptionsdifferenz unterscheidet zwischen Verhaltenskodizes zwischen Demokratien (friedfertig, friedliche Konfliktaustragung, Herausbildung einer stabilen Friedensordnung) und zwischen Verhaltensnormen zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien („Prämisse der Feindseligkeit“).

Thomas Risse-Kappen teilt seinen Aufsatz in drei Teile. Am Anfang fasst er den gegenwärtigen Stand der empirischen Forschung in der Thematik „Demokratie und Frieden“ zusammen. In seinen weiteren Ausführungen begründet er die Unvollkommenheit der liberalen Theorien zur Erklärung des „Demokratischen Friedens“ und schließlich versucht der Autor im letzten Teil seines Werkes das Defizit der liberalen Theorien zu beheben.

1. Der empirische Befund: demokratischer Frieden – unfriedliche Demokratien

In diesem Abschnitt wird die Friedfertigkeit von demokratischen Systemen untersucht. Ist es Realität, dass Demokratien keine Kriege gegeneinander führen? Unter Zuhilfenahme des Datensatzes des Correlates of War Projektes von Zeev Maoz und Nasrin Abdolali der University of Michigan wird festgestellt, dass Demokratien zwischen 1816 und 1976 in genauso viele Krisen, Konflikte und Kriege verwickelt waren, wie Anokratien und Autokratien. Diese Fakten begründen für Risse-Kappen, dass demokratisch verfasste Staaten genauso aggressiv agieren können wie nicht demokratische Staaten, der deutliche Unterschied liegt aber darin, dass der „demokratische Frieden“ nur im Zusammenhang mit mindestens zwei demokratischen Ländern zu funktionieren scheint. Die empirischen Fakten von Maoz und Abdolali falsifizieren die Aussage der generellen Friedfertigkeit von Demokratien.

Im weiteren wird betont, dass die Daten der Universität von Michigan keine Aussagen über Angreifer und Angegriffenen treffen. Dieses „Nicht-Ergebnis" stellt für den Autor einen wichtigen Befund dar: „Die These von der generellen Friedfertigkeit demokratischer Systeme ließe sich nämlich nur dann aufrechterhalten, wenn nachgewiesen werden könnte, dass sie in militärischen Auseinadersetzungen mit autoritären Systemen überproportional häufig auf der verteidigenden Seite zu finden sind.“ Die Faktenlage lässt nur einen Schluß zu, dass die These der generellen Friedfertigkeit von Demokratien nicht zu halten ist. In weiteren Beispielen und Falländerungen (Diaden-Konstellation) wird die These weiter geprüft und letztendlich fallengelassen.

2. Der demokratische Frieden

In diesem Abschnitt wird festgestellt, dass Demokratien seit 1816 (fast) keine Kriege gegeneinander geführt haben. Passenderweise vergleicht er den demokratischen Frieden als „eine Insel der Gewaltarmut in einem Meer von Konflikten“. Die Daten der Universität Michigan lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sich Demokratien in Konfliktfällen mit anderen Demokratien (fast) immer friedlich oder ,besser, nicht-kriegerisch verhalten. Es gab zwar „Drohgebärden, Mobilisierung von Truppen und kleine Scharmützel“, aber keine bewaffneten zwischenstaatlichen Kriege.

Zur weiteren Begründung des demokratischen Friedens zieht der Autor Ergebnisse von Randall Schweller mit ein. In seinen Studien untersucht Schweller die außenpolitischen Aktionen zweier unterschiedlicher Typen von Hegemonialmächten im Niedergang, nämlich demokratischen und autoritären Hegemonialkräften. Beide Diaden unterscheiden sich empirisch in ihren Handlungen. Die nicht-demokratischen Mächte führen häufig einen Präventivkrieg um ihren Niedergang zu beenden, die demokratischen Hegemonialmächte hingegen versuchen durch Kooperationen und durch einen „modus vivendi“ ihren Status beizubehalten. Zum weiteren wurde eine „deutliche Korrelation zwischen internem Partizipationsgrad und Friedfertigkeit gegenüber den Nachbarstaaten festgestellt.“ Im nächsten Schritt stellt Risse-Kappen andere Erkenntnisse vor, die die These des demokratischen Friedens stützen:

- Allianzen sind das bevorzugte Mittel von Demokratien
- Gewaltsamen Auseinandersetzungen gehen Vermittlungsversuche Dritter einher
- Grenzfälle, die die These des demokratischen Friedens falsifizieren wollen, sind bei genauerer Betrachtung aufgelöst

In der weiteren Betrachtung des demokratischen Friedens wird das Argument beseitigt, dass die Mitgliedschaft in einem Verteidigungsbündnis die Friedfertigkeit eines Mitgliedes erhöht. Im Gegenteil. Die gesammelten Fakten lassen darauf schließen, dass die Mitgliedschaft in einer Verteidigungsallianz die Friedfertigkeit senkt und das Aggressionspotential erhöht. Ebenfalls wird der Zusammenhang zwischen Reichtum/Wohlstand und Konfliktverhalten in den Kontext seiner Untersuchung mit eingenommen. Es stellt sich aber fest, dass vermehrter Wohlstand das Konfliktpotential eines Landes eher steigen lässt als das es das vermindert. Zweitens wird die fehlende geographische Nähe zwischen zwei Staaten als Erklärungsmuster für den demokratischen Frieden als nicht ausreichend dargestellt. Als einen wichtigen Indikator, der die These des Friedens zwischen demokratischen Staaten stützt, ist die Dauer der Stabilität einer Demokratie zu nennen. Der Autor konstatiert: „Stabile politische Systeme [...] bekämpfen sich untereinander signifikant weniger. Dies deutet darauf hin, dass die „Insel des Friedens“ vor allem von stabilen demokratischen Systemen bevölkert wird.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zu: Thomas Risse-Kappen: Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Südasien-Institut)
Veranstaltung
Theorien der Internationalen Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V37107
ISBN (eBook)
9783638365482
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Risse-Kappen, Demokratischer, Frieden, Unfriedliche, Demokratien, Puzzle, Theorien, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
Sebastian Buciak (Autor), 2005, Zu: Thomas Risse-Kappen: Demokratischer Frieden? Unfriedliche Demokratien? Überlegungen zu einem theoretischen Puzzle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37107

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