Die Inszenierung Moralischer Panik in den ägyptischen Medien im Hinblick auf das Thema männliche Homosexualität


Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinweise zur besseren Lesbarkeit

Anmerkungen zu Begrifflichkeiten

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2. 1 Das Konzept Moralische Panik nach Stanley Cohen, Erich Goode und Nachman Ben-Yehuda
2.1.1 Wie ist eine Moralische Panik zu erfassen? – Vorstellung drei ausgewählter Definitionskriterien
2.1.2 Das elite-engineered model – eine Inszenierung „von oben“
2.2. Einführungen in die Theorie Hegemonialer Männlichkeit nach Raewyn Connell – ausgewählte Kategorien
2.2.1 Hegemoniale Männlichkeit
2.2.2 Untergeordnete Männlichkeit

3. Analyse und Einordnung ausgewählter Medienereignisse in Ägypten im Hinblick auf die Darstellung männlicher Homosexualität 3.1. Kontextualisierung von Geschlechterpolitiken im post-revolutionären Ägypten – ein religiös-konservativer backlash unter Präsident El-Sisi?
3.2 Die bathhouse raid – ein strategisch geplanter Mediencoup? – Analyse anhand des Konzepts Moralische Panik
3.3 Analyse des moralischen Diskurses auf medialer Ebene unter El-Sisi – Vorstellung ausgewählter Analysekategorien
3.3.1 Männliche Homosexualität – a subordinated masculinity – eine Gefahr für die nationale (heteronormative) Ordnung?
3.3.2 „Netzwerke homosexueller Männer“ als Zentren moralisch-feindlicher Einflüsse – eine Gefahr für die innere Stabilität des Landes?

4 Fazit

Bibliografie

Hinweise zur besseren Lesbarkeit

An dieser Stelle sollen zur besseren Lesbarkeit der Arbeit, einige formelle Anmerkungen gemacht werden. In Rücksichtnahme auf eine gendersensible Sprache, werden Personenbezeichnungen im besten Fall genderneutral (Studierende, Beschäftigte etc.) oder umschrieben wiedergegeben.[1] Falls dies in einem bestimmten Zusammenhang nicht möglich sein sollte, wird die Sparschreibung in Form eines Sternchens (*) verwendet. Fachterminologie sowie feststehende Begriffe in englischer Sprache werden kursiv geschrieben und an einigen Stellen nicht ins Deutsche übersetzt, da diese Begriffe sodann als bekannt vorausgesetzt werden. Häufig verwendete Begrifflichkeiten im Kontext eines bestimmten Themenbereichs, vor allem in der Medienanalyse in Kapitel 3.3, werden zuweilen in Anführungszeichen ohne Quellenangabe angegeben, da zu dem Zeitpunkt als bekannt vorausgesetzt und der besseren Lesbarkeit wegen. Aufgrund des begrenzten Zeitrahmens und der bisher im Studium fehlenden Auseinandersetzung mit Transkriptionsregeln für die arabische Sprache, werden die Überschriften entsprechender Zeitungsartikel in arabischer Schrift wiedergegeben.

Anmerkungen zu Begrifflichkeiten

Vorab soll auf terminologische Schwierigkeiten eingegangen werden, die auftreten, wenn sexuelle Identitäten thematisch in eine Arbeit eingebunden sind, insbesondere im Kontext der arabischen Welt. Die Kontroverse soll im Folgenden kurz dargestellt werden.

Während Samar Habib in ihrem gleichnamigen Werk von ‘(female) homosexuality in the Middle East‘[2] spricht, bezeichnet Joseph Massad Homosexualität im Nahen- und Mittleren Osten (NMO) - in seinem umstrittenen Buch „Desiring Arabs“ - lediglich als westliches Produkt des Gay International:

It is the very discourse of the Gay International, [the LGBT movement] which both produces homosexuals, as well as gays and lesbians, where they do not exist, and represses same-sex desires and practices that refuse to be assimilated into its sexual epistemology.[3]

Die Existenz einer Community in Ägypten, in der verschiedene sexuelle Identitäten vereint sind und einen Diskurs über die für sie relevanten Themen führen – wenn auch schwer zu verorten - ist hingegen in Anbetracht der Existenz von Websites und Initiativen, zum Beispiel GayEgypt.com [4] oder Solidarity with Egypt LGBT,[5] nicht von der Hand zu weisen. In einer Kritik an Massad weist auch Momin auf die oft verkannte LGBT- Lebensrealität im NMO hin:

Massads recent study, whilst providing a sharp epistemological critique of what he describes as the imperialism of the ‘Gay International’ human rights discourse based on western versions of gay identity, is similarly lacking in evidence of lived experience’.[6]

Dem jeweiligen Kontext entsprechend – meistens bezogen auf Ägypten - wird im Verlauf der Arbeit also häufig der Begriff LGBT[7] verwendet. Wenn die oft in Zeitungen im NMO verwendeten Begriffe für homosexuelle Menschen, mithly oder mithlyeen[8] – in deutscher Sprache homosexuell oder die Homosexuellen - im Kontext der Analyse fallen, soll mit diesen Begrifflichkeiten weiter gearbeitet werden. Da weibliche Homosexualität in den ägyptischen Medien kaum diskutiert wird, was mit der vernachlässigten Historie weiblicher Sexualität im Allgemeinen zusammenhängen könnte,[9] ist meistens die männliche Homosexualität gemeint, wenn die Bezeichnungen mithly oder mithlyeen fallen.

1. Einleitung

Der erfolgreiche Protest der Gegner*innen Mohammed Mursis im Juni 2013, der durch einen Militärcoup zur Absetzung Mursis im Juli 2013 führte,[10] war angetrieben von der Angst, Ägypten würde sich unter der Regentschaft der Muslimbruderschaft in eine Theokratie verwandeln.[11] Ein Jahr später schienen Religion und Politik eng miteinander verflochten zu sein; Mursis Nachfolgeregierung, die vermeintlich säkulare Hoffnung, setzte eine Task Force zur Bekämpfung von Atheismus in der jungen Bevölkerung ein und die Repressionen gegen die LGBT-Community hatten sich intensiviert und vervielfacht.[12] Seit dem Militärcoup 2013 wurden ungefähr 150 LGBT-Personen in Razzien festgenommen, ca. 53 Prozent davon wurden vorher über soziale Netzwerke wie z.B. Grindr aufgespürt und schätzungsweise 100 Personen befinden sich noch hinter Gittern, erheblich weniger Fälle waren unter der Regentschaft Mursis zu verzeichnen.[13] Obwohl auch transgender people in den letzten Jahren Teil des öffentlichen Diskurses geworden sind, sie gerne von den Medien als “Männer in Kleidern“ oder als she males dargestellt werden und von Verhaftungen und öffentlichen Kampagnen betroffen sind,[14] sollen die Fälle analysiert werden, die homosexuelle Männer betreffen, weil sie zu den größten Medienereignissen im Bereich der LGBT-Thematik in der letzten Zeit gehören.

Bei genauerer Betrachtung der sogenannten bathhouse raid,[15] die mit der Verhaftung von 26 Männern im November 2014 in einem Hammam in Downtown Kairo, auf Initiative der TV-Moderatorin Mona Iraqi hin, einherging, anlässlich der vermeintlichen Ausübung unmoralischen Verhaltens und sexueller Perversion und sogar von Iraqis Crew eines ägyptischen Privatsenders gefilmt wurde, handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen inszenierten Mediencoup. Die Unverhältnismäßigkeit der Reaktionen auf die Vorkommnisse sowie die Volatilität - also das plötzliche Auftauchen des Themas in den Medien, der gesellschaftliche Konsens und ein Minimum an Feindschaft in der Gesellschaft gegenüber derjenigen Gruppe, die in den Medien diffamiert wird, setzen Erich Goode und Nachman Ben-Yehuda als Voraussetzung für die Entstehung Moralischer Panik voraus. Anhand der o.g. Kriterien, die zu Beginn im Theorieteil der Arbeit erläutert werden, soll untersucht werden, ob es sich bei der bathhouse raid um eine strategisch inszenierte Moralische Panik handelt.

Im weiteren Verlauf der Arbeit soll sich der Frage angenähert werden, warum das Thema männliche Homosexualität in den Fokus des öffentlichen Interesses im post-islamistischen Ägypten gerückt wurde sowie als gesellschaftliches Feindbild konstruiert wird und inwiefern es in Konflikt mit auf nationaler Ebene propagierten Männlichkeitsbildern steht. Wird sich Pratts Einschätzung im Hinblick auf den Queen Boat case (2001) unter Präsident Hosni Mubarak – ’more importantly, this threat was constructed as originating with those people failing to conform to the “norm” of heterosexual relationships‘[16] - auch unter El-Sisi bestätigen? Unter Rückgriff auf das Konzept Hegemonialer Männlichkeit nach Raewyn Connell, die von einer hierarchisch organisierten Struktur verschiedener Männlichkeitsbilder ausgeht, sollen, unter Berücksichtigung einiger Ansätze der kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger, die Aussagen und Reaktionen einzelner öffentlicher Funktionsträger auf verschiedene Ereignisse im Hinblick auf das Thema männliche Homosexualität, im Zeitraum von November 2014 bis September 2015, in den Blick genommen werden.

Aufgrund der Tatsache, dass männliche Homosexualität im öffentlichen Diskurs in Ägypten oft in den Zusammenhang mit Prostitution, ausländischem Einfluss, Menschenhandel und HIV in Verbindung gebracht wird, obwohl einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Sex zwischen zwei erwachsenen Personen nicht einmal strafbar ist,[17] soll auch auf die Annahme, Homosexualität sei eine Bedrohung der nationalen Sicherheit eingegangen werden.

Ein Mitarbeiter der Moralpolizei äußerte in der Online-Boulevardzeitung VetoGate Folgendes:[18]

Der Ausbruch der Revolution am 25. Januar trug zur Verbreitung von Kriminalität und unmoralischer Aktivitäten bei. Dies war der Abwesenheit des Sicherheitsapparates zu dieser Zeit bis zur Revolution am 30. Juni (der Coup, der El-Sisi an die Macht brachte) geschuldet. Seitdem hat die nationale Sicherheit begonnen, ihre Stärke zurück zu gewinnen.[19]

Es liegt die Vermutung nahe, dass nicht nur die in den Medien heraufbeschworene “sexuelle Perversion“ seitens der LGBT-Community als “unmoralische Aktivität“ (siehe obiges Zitat) aufgefasst wird, sondern beispielsweise auch die angeblich gestiegene Verbreitung von Atheismus, vor allem unter jungen Menschen, die seit den Aufständen 2011 durch Soziale Medien und das Internet besser vernetzt sind und daher die Gefahr ihrer Beeinflussung durch „andere Kulturen“ besteht.[20] Es herrscht eine von Panik bestimmte Situation in Ägypten: Panik vor äußeren liberalen bzw. dekadenten Einflüssen, die zu einer inneren Bedrohung werden, die laut El-Sisi den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft gefährden kann: ‘modern communication channels, psychology and the media are . . . deployed to create divisions and harm Egypt from within‘[21] und den politischen Gegnern, z.B. der Muslimbruderschaft, in die Hände spielt. Abschließend kann daraus folgende Fragestellung abgeleitet werden, die für die Auseinandersetzung mit dem Thema im weiteren Verlauf der Arbeit von Relevanz sein wird: Wird eine Moralische Panik im Hinblick auf männliche Homosexualität in den ägyptischen Medien inszeniert[22] und soll an der LGBT Community ein Exempel statuiert werden im Hinblick auf vermeintlich fehlgeleitete Moralvorstellungen?[23]

2. Theoretische Grundlagen

2. 1 Das Konzept Moralische Panik nach Stanley Cohen, Erich Goode und Nachman Ben-Yehuda

Die Entstehung des Konzepts Moralische Panik ist in engem Bezug zu gewaltvollen Entwicklungen unter jungen Menschen – im Bereich der Rocker*innen- und Motorradszene - in Großbritannien Mitte der sechziger Jahre zu sehen, z.B. Vorfälle von Vandalismus in einem Badeort an der Südküste im Jahr 1964 und wurde erstmalig von Stanley Cohen im Rahmen der Veröffentlichung seines Werks „ Folk Devils and Moral Panics “ 1972 in den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt.[24] Die übertriebenen Reaktionen und verzerrten Wahrheiten hinsichtlich der Vorfälle seitens der Polizei, der Politiker*innen, Interessengruppen und vor allem der Medien, die über mehrere Jahre hinweg mit reißerischen Überschriften wie „Wild Ones Invade Seaside“ (Daily Mirror) über die jeweiligen Vorkommnisse mit teils, laut Goode & Ben-Yehuda, dazu erfundenen Informationen berichteten, riefen das Interesse Stanley Cohens an diesem Thema hervor.[25] Um die oben beschriebenen Reaktionen charakterisieren zu können, führte er den Begriff moral panic ein, dessen oft zitierte Definition es wert ist, hier in voller Länge wiedergegeben zu werden:

A condition, episode, person or group of persons emerged to be defined as a threat to societal values and interests; its nature is presented in a stylized and stereotypical fashion by the mass media; the moral barricades are manned by editors, bishops, politicians and other right-thinking people; socially accredited experts pronounce their diagnoses and solutions; ways of coping are evolved or… resorted to; the condition then disappears, submerges or deteriorates and becomes more visible. Sometimes the subject of the panic is quite novel and at other times it is something which has been in existence long enough, but suddenly appears in the limelight. Some times [sic] the panic passes over and is forgotten, except in folklore and collective memory; at other times it has more serious and long-lasting repurcussions [sic] and might produce such changes as those in legal and social policy or even in the way society conceives itself.[26]

Erich Goode und Nachman Ben-Yehuda gehen gedanklich einen Schritt weiter. Ausgehend von Cohens Theorie und seiner viel zitierten Definition Moralischer Panik (s.o.), untersuchten sie in ihrem 1994 erschienenen Aufsatz ‘Moral Panics: Culture, Politics and Social Construction‘,[27] die sozialen und politischen Ursachen für das Entstehen einer Panik. Sie fragen sich, warum manche Reaktionen auf bestimmte Vorfälle disproportional ausfallen in Bezug auf die tatsächliche Bedrohungslage und sie analysieren den Zeitpunkt sowie mögliche Interessen, die im Kontext einer Moralischen Panik bedeutungsvoll sein können.[28]

2.1.1 Wie ist eine Moralische Panik zu erfassen? – Vorstellung drei ausgewählter Definitionskriterien

Zur Bestimmung und Verortung einer Moralischen Panik in einer Gesellschaft, haben Goode und Ben-Yehuda fünf Definitionskriterien aufgestellt, die wie folgt lauten: concern (Besorgnis, Angst) hostility (Feindseligkeit), consensus (Konsens), disproportionality (Unverhältnismäßigkeit) und volatility (Flüchtigkeit).[29] Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit, sollen im Folgenden lediglich die drei Kriterien der beiden Soziologen vorgestellt werden, die für den weiteren Verlauf der Arbeit relevant sind.[30]

Ein Kriterium, welches laut den beiden Soziologen charakteristisch für die Entstehung einer Moralischen Panik ist, nennt sich Besorgnis (concern). Sie gehen davon aus, dass ein gewisses Maß an Besorgnis gegenüber einer bestimmten Gruppe oder Kategorie und deren mutmaßlichen Verhalten und den vermeintlichen Folgen dieses Verhaltens für die restliche Gesellschaft, innerhalb der Gesellschaft vorhanden sein muss, damit sich eine Panik entfalten kann.[31] Diese Form von Besorgnis ist auf konkrete Weise messbar, beispielsweise anhand von Umfragewerten, Gesetzesinitiativen, Interessengruppen oder in Gestalt von Aktivismus sozialer Bewegungen,[32] z.B. in der Auseinandersetzung mit der Thematik AIDS.

Das Kriterium hostility fordert zur Entstehung einer Moralischen Panik ein erhöhtes Maß an Feindseligkeit gegenüber der Kategorie von Menschen, die an dem für die gesellschaftlichen Normen, einzelnen Segmente der Gesellschaft bzw. für die Gesellschaft als Ganzes bedrohlich erachtetem Verhalten beteiligt sind.[33] Sie werden als Abweichler von den für die Gesellschaft als wichtig erachteten Normen gesehen und es erfolgt eine Art Dichotomisierung zwischen den folk devils auf der einen Seite und den folk heroes auf der anderen Seite – also ein moralisches Spiel zwischen „gut“ und „böse“.[34]

Die Unverhältnismäßigkeit (disproportionality) im Hinblick der Reaktionen auf die tatsächliche Bedrohung, die unter Berücksichtigung empirischer Daten übertrieben erscheinen,[35] stellt ein weiteres Kriterium zur Erfassung einer Moralischen Panik dar. Um diese teils umstrittene Unverhältnismäßigkeit von Reaktionen auf ein bestimmtes Phänomen überprüfen zu können, haben Goode und Ben-Yehuda einige Merkmale festgelegt: Die herangezogenen Daten, die das Ausmaß des Problems untermauern sollen, müssen weit übertrieben dargestellt worden sein, Stanley Cohen hat für dieses Phänomen die Kategorie exaggeration and distortion (dt. Übertreibung und Verzerrung) festgelegt.[36] Zudem sollte die gefürchtete Bedrohung unter Überprüfung sämtlicher Quellen gegenstandslos sein.[37] Darüber hinaus liegt das Kriterium der Disproportionalität vor, wenn die Aufmerksamkeit einem bestimmten Phänomen gegenüber viel größer ist als einem anderen gegenüber und die Bedrohung beim Ersteren nicht weniger groß bzw. sogar geringer einzuschätzen ist.[38] Ferner ist das Kriterium der Unverhältnismäßigkeit (disproportionality) erfüllt, wenn einer Angelegenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als zu einem früheren oder späteren Moment, ohne in Korrelation zu einem - objektiv gesehen - gesteigerten Ausmaß an „Bedrohung“ zu stehen.[39]

Nachdem nun das entsprechende Werkzeug zur Bestimmung einer Moralischen Panik bekannt ist, wird im darauffolgenden Kapitel der Frage nachgegangen, welche gesellschaftlichen Ebenen an der Initiierung von Paniken beteiligt sind und welche Interessen sie dabei jeweils verfolgen.

2.1.2 Das elite-engineered model – eine Inszenierung „von oben“

Die bisher bekannteste und detaillierteste Analyse des elite-engineered model im Zusammenhang mit dem Konzept Moralische Panik lieferte Stuart Hall et al mit seinem 1978 erschienenen und viel zitierten Werk „ Policing the Crisis - Mugging, the State, and Law and Order “.[40] Er analysierte Moralische Panik in einem konkreten Kontext, als ein Zusammenspiel des Staates mit elitären Interessen und politischer Ideologie zur Sicherstellung der Kontrolle über die Medienlandschaft: Er weicht also von der volatilen und gesonderten Darstellung einer Panik ab,[41] wie Stanley Cohen bemerkt:

This critique contrasts labelling theory’s supposed separate and free floating moral panics […]

Far from being isolated, sporadic or sudden, these are predictable moves from one ‘site’ of tension to another; each move is patrolled by identical and integrated interests.[42]

Folglich werde ich mich sowohl auf seine Ausführungen, als auch auf Goodes und Ben-Yehudas Ergänzungen seines Ansatzes beziehen. Im Hinblick auf die stetige Beschneidung der Pressefreiheit in Ägypten und der autoritär anmutenden Situation dort,[43] wird der theoretische Fokus der Arbeit auf dem elite engineerd model und nicht auf dem grassroots oder interest-group model, ebenfalls Bestandteile der Theorie Goodes und Ben-Yehudas, liegen.

Laut Hall verfügen Eliten über viel Macht gegenüber der restlichen Gesellschaft; sie dominieren die Medien, sie bestimmen die Gesetzgebung, die Ausrichtung der Justiz und üben Kontrolle über die Handlungsmöglichkeiten sozialer Bewegungen und Aktionsgruppen aus.[44] Die Theorie der elite-generierten Moralischen Panik, die besagt, dass ein ausgelesener machtvoller Kreis bzw. verschiedene Gruppen, bewusst Angst, Besorgnis und Panik in der Öffentlichkeit über ein Thema verbreiten und verfestigen, das nicht die gesamte Gesellschaft betrifft,[45] erscheint plausibel in Anbetracht des oben beschriebenen großen Handlungsspielraums der Eliten.

Welches Interesse die Eliten an der Konstruktion einer Panik haben und mit wem sie kooperieren, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, soll im Folgenden in Anlehnung an Stuart Hall beschrieben werden.

In seinen Ausführungen zu Straßenkriminalität, mugging, in den frühen siebziger Jahren in Großbritannien merkt Stuart Hall an, dass die Themen für die Paniken der Konstruktion einer Definition der sozialen und politischen Realität im Sinne der herrschenden Elite dient sowie von der aufstrebenden ökonomischen Rezession und der „Krise“ des Kapitalismus in Großbritannien zu der Zeit ablenken sollten.[46] In Zeiten eines solchen exceptional moment in kapitalistischen Gesellschaften, übernimmt der Staat eine „totale soziale Autorität“ – in kultureller und ideologischer Hinsicht – gegenüber „untergeordneten Klassen“, sodass die Ausrichtung des sozialen Lebens gänzlich nach den Vorstellungen des Staates geprägt wird.[47] Auf Anschuldigungen, die Darstellungsweise der Ereignisse sei konspirativ, reagierte die herrschende Elite - laut Hall - mit hegemonischer Praxis, um die Presse, die allgemeine Öffentlichkeit und die Justiz davon zu überzeugen, dass die eigentliche Bedrohung nicht von der Krise des Kapitalismus bzw. vom Kapitalismus selbst ausgeht, sondern von den „Kriminellen“ und der bisher zu nachlässigen Umgangsweise mit ihnen.[48] Es folgten law-and-order Maßnahmen, sodass das Gesetz ein Instrument zur Ausübung von Klassenherrschaft wurde und die Medien reproduzierten die Auffassungen der Mächtigen.[49]

Nach Goode & Ben-Yehuda handelt es sich also um einen klassischen Fall konstruierter Panik - hier im Hinblick auf das Thema mugging - seitens der Elite und der kapitalistischen Klasse in mehr oder weniger unwissentlicher Kooperation mit den Medien, der Gesetzgebung, der Polizei und der Justiz.[50] Wichtig ist ihnen aufzuzeigen, dass die Angst nicht aus der Masse hervorgebracht wurde, sondern ganz im Gegenteil, im strikten Widerspruch zu den Interessen der untergeordneten breiten Masse steht.[51] Ist die Moralische Panik ein Instrument zur De-Legitimierung einer bestimmten sozialen Schicht oder eher einer Gruppe und ihrer Interessen mit spezifischer Lebensweise? An diese Frage soll sich in Kapitel drei angenähert werden.

2.2. Einführungen in die Theorie Hegemonialer Männlichkeit nach Raewyn Connell – ausgewählte Kategorien

Dieses Konzept fand erstmalig Erwähnung im Rahmen einer Feldstudie zum Thema soziale Ungleichheit an australischen High Schools.[52] Daran schloss sich eine Diskussion über die Konstruktion von Männlichkeit und über die Erfahrung mit dem männlicher Körper[53] sowie über die Rolle von Männern in der australischen Arbeitspolitik an.[54] Mit dem Aufsatz „Toward a New Sociology of Masculinity“, den Raewyn Connell gemeinsam mit Tim Carrigan und Jon Lee publizierte, wurde das Konzept im Jahr 1985 in den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt.[55]

In meinen Ausführungen werde ich mich vorwiegend auf die deutschsprachige aktuelle vierte Ausgabe, basierend auf der zweiten Auflage Connells englischsprachigem Standardwerk in den masculinity studies, mit dem Titel ‚Masculinities‘ (2005), beziehen. In der Auswertung und Analyse des empirischen Teils wird es um eine bestimmte Form von Untergeordneter Männlichkeit gehen, nämlich um männliche Homosexualität. Bei der Vorstellung Raewyn Connells Konzept wird daher der Fokus auf den Kategorien Hegemoniale Männlichkeit und Untergeordnete Männlichkeit sowie auf deren Interaktion miteinander liegen. Die Kategorie Komplizenschaft wird in diesem Kapitel am Rande Erwähnung finden.

2.2.1 Hegemoniale Männlichkeit

Im Zuge der Entstehung „der bourgeoisen Ideologie der getrennten Sphären“ im 19. Jahrhundert,[56] verbreitete sich die Annahme, dass Frauen nicht mehr nur vermeintlich unvollkommene männliche Charaktere darstellen, sondern Männer und Frauen jeweils unterschiedliche geschlechtsspezifische Charaktereigenschaften besitzen bzw. ihnen kulturell zugeschrieben wurden.[57] Folglich wurde für die Frauen der private- und für die Männer der öffentliche Bereich vorgesehen. Um den Begriff Männlichkeit definieren zu können, sollte er als kulturelles Konstrukt von Geschlecht in Relation zum Begriff Weiblichkeit betrachtet werden.[58] Er konstituiert sich durch seine „Position im Geschlechterverhältnis; die Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen und die Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur“.[59] In der ägyptischen Gesellschaft, in der die Geschlechterverhältnisse patriarchalisch geprägt sind (wie auch in den meisten westlichen Gesellschaften), stellen Männer ihre Männlichkeit sicher, indem sie sich frei im öffentlichen Raum bewegen, die Rolle des Familienernährers einnehmen, Bündnisse mit anderen Männern eingehen und die sexuelle Befriedigung von Frauen sicherstellen.[60] Eine gescheiterte sexuelle Befriedigung der Frau, z.B. aufgrund von Homosexualität, würde dazu führen, dass andere Männer ihm zuvor kommen würden, wodurch seine Männlichkeit, die gebunden ist an seine Position in der männlichen und in der gesamtgesellschaftlichen Ordnung, gefährdet wäre.[61]

Um die Beziehungen zwischen Männlichkeiten untersuchen zu können, gilt es nach Connell, unter Berücksichtigung der von Geschlecht, Ethnizität und Klasse ausgehenden Dynamik, die verschiedenen Formen von Männlichkeit anzuerkennen.[62] Dabei geht es weniger darum, zum Beispiel eine Form von bestimmter Männlichkeit auszumachen, sondern um die Wirkung von Geschlecht innerhalb des jeweiligen Milieus zu erfassen.[63] Hegemoniale Männlichkeit ist nicht als starre und unveränderliche Kategorie zu verstehen, sondern als jene Form von Männlichkeit, die die Struktur der Geschlechterverhältnisse – je nach Beschaffenheit – für sich nutzt, um eine übergeordnete Position einzunehmen, die allerdings zu jeder Zeit hinterfragt werden kann.[64] Auf Grundlage des Konzepts der Hegemonie nach Antonio Gramsci[65], definiert Connell Hegemoniale Männlichkeit als die Form von Männlichkeit, die gegenüber den anderen Männlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt kulturell hervorgehoben wird.[66] Voraussetzung für die Entstehung dieser Hegemonie ist hingegen, dass die „institutionelle […] Macht“[67] mit dem „kulturellen Ideal“[68] harmonisiert. Die Hegemonie entfaltet sich durch den geäußerten Anspruch auf Autorität und in seltenen Fällen steht direkte Gewalt dahinter, obschon Autorität häufig auf Gewalt basiert und durch sie aufrechterhalten wird.[69]

Die Verkörperung Hegemonialer Männlichkeit ist abstrakt zu verstehen, d.h. sie wird nicht unbedingt durch die machtvollsten Männer vertreten, sondern die Orientierung erfolgt eher an Vorbildern in der Film –, Sport- oder Phantasiewelt.[70] Obwohl die wenigsten Männer den normativen Ansprüchen der Hegemonialen Männlichkeit gerecht werden, „profitiert die überwiegende Mehrzahl der Männer von der Vorherrschaft dieser Männlichkeitsform, weil sie an der patriarchalen Dividende teilhaben, dem allgemeinen Vorteil, der den Männern aus der Unterdrückung der Frauen erwächst.“[71] Dieses Verhältnis zur Hegemonialen Männlichkeit kann als Komplizenschaft bezeichnet werden; gemeint sind bestimmte Männlichkeiten, die zwar patriarchale Privilegien erhalten, aber nicht den Gefahren und Risiken an der vordersten Front des Patriarchats ausgeliefert sind.[72]

Anhand des Beispiels eines bekannten australischen Surfers, des iron man, wird deutlich, dass sich der hegemoniale Charakter von Männlichkeiten von lokaler zu nationaler Ebene unterscheiden kann:

The young man’s regional status actually prevents him doing the things his local peer group defines as masculine – going wild, showing off, driving drunk, getting into fight, and defending his own prestige.[73]

In einem Aufsatz Connells aus dem Jahr 2014, der die Ausprägung von Männlichkeiten in post-kolonialen Gesellschaften thematisiert, werden politische, wirtschaftliche und sozioökonomische Veränderungen als treibende Kraft hinter der Neuordnung der Geschlechterverhältnisse gesehen.[74] Da die Hegemoniale Männlichkeit eng an das Konzept des männlichen Familienernährers gebunden ist,[75] sahen sich beispielsweise einige Männer aufgrund von gesunkenen Beschäftigungsmöglichkeiten im Zuge der neoliberalen Strukturanpassungs- und Privatisierungsprogramme Anfang der 1990er Jahre in Ägypten und der gestiegenen Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen infolge verbesserter Bildungschancen,[76] in ihrer Männlichkeit herausgefordert.[77]

Hegemoniale Männlichkeit ist als „eine historisch bewegliche Relation“[78] zu verstehen; sobald das Patriarchat in der bestehenden Form nicht mehr zu halten ist und durch neue Gruppen und Hegemonieformen bzw. veränderte sozioökonomische Bedingungen in Frage gestellt wird, sind die Möglichkeiten der Vorherrschaft einer bestimmten Männlichkeit ausgeschöpft.[79] Ein Zitat R.W. Connells fasst das oben Genannte gut zusammen:

Hegemoniale Männlichkeit kann man als jene Konfiguration geschlechtsbezogener Praxis definieren, welche die momentan akzeptierte Antwort auf das Legitimitätsproblem des Patriarchats verkörpert und die Dominanz der Männer sowie die Unterordnung der Frauen gewährleistet (oder gewährleisten soll).[80]

Abschließend ist die Frage von Interesse, ob alle Männer von dieser übergeordneten Stellung bzw. dem Patriarchat profitieren? Im nächsten Kapitel soll die Untergeordnete Männlichkeit thematisiert werden und es soll untersucht werden, ob die Propagierung Hegemonialer Männlichkeit nicht nur die Unterordnung der Frauen bedeutet, sondern ob gewisse Gruppen von Männern aufgrund bestimmter Merkmale ebenso ausgeschlossen werden.

2.2.2 Untergeordnete Männlichkeit

Laut Raewyn Connell sind Geschlechterbeziehungen zwischen Gruppen von Männern, die von Dominanz und Unterordnung geprägt sind, in einen allgemeinen gesellschaftlichen Kontext, der durch Hegemonie und kulturelle Dominanz charakterisiert ist, einzuordnen.[81] Viel bedeutender als die kulturelle Abwertung von Homosexualität oder schwuler Identität ist allerdings das von Überlegenheit und Unterordnung geprägte Verhältnis zwischen heterosexuellen und homosexuellen Männern in den gegenwärtigen westlichen Gesellschaften, in denen homosexuelle Männer in ihren alltäglichen Erfahrungen, heterosexuellen Männern unterstellt werden.[82] Homosexuell orientierte Männer sind immer noch von kulturellem Missbrauch, z.B. durch die religiös motivierten Rechten in den USA, Gewalt auf den Straßen, Diskriminierung auf wirtschaftlicher Ebene und persönlicher Ebene betroffen.[83] Folglich befindet sich die homosexuelle Männlichkeit in der männlichen Geschlechterhierarchie weit unten und „[a]lles, was die patriarchale Ideologie aus der hegemonialen Männlichkeit ausschließt, wird dem Schwul-sein zugeordnet;“[84] dies sind meist Attribute, Interessen und Verhaltensweisen, die gemäß gesellschaftlicher Normen weiblich konnotiert sind.

Bruce Dunne zeichnet für den Nahen- und Mittleren Osten im Hinblick auf die Beziehung zwischen homosexueller und heterosexueller Männlichkeit hingegen ein anderes Bild:

In Turkey, Egypt and the Maghrib, men who are ‘active’ in sexual relations with other men are not considered homosexual; the sexual domination of other men may even confer a status of hyper-masculinity [;] […] Equality in sexual relations, whether heterosexual or homosexual, threatens the ‘hyper-masculine’ order.[85]

Obwohl hier sexuelle Beziehungen im Vordergrund stehen und offensichtlich eine soziale Hierarchie zwischen passiver und aktiver Männlichkeit besteht, wird die aktive homosexuelle Männlichkeit in diesem Kontext eher als Hegemoniale und weniger als Untergeordnete Männlichkeit verstanden. Darüber hinaus geht aus der Beschreibung diesem von Dominanz geprägten Sexualverhältnis hervor, dass selbst die Beziehungen unter homosexuellen Männern von Untergeordneter - und Hegemonialer Männlichkeit geprägt sind. Hier sei nochmal auf die Wirkung von Geschlecht innerhalb des jeweiligen Milieus unter Berücksichtigung der von Geschlecht, Ethnizität und Klasse ausgehenden Dynamik, verwiesen.[86]

Wie bereits beschrieben, wird „Schwul-sein oft mit Weiblichkeit gleichgesetzt.“[87] Homophobe[88] Angriffe, teils mit hohem Ausmaß an Gewalt, hier auf westliche Staaten bezogen, werden als eine Folge dieser allgemeinen Wahrnehmung angesehen.[89] Es werden jedoch nicht nur homosexuell orientierte Männer aufgrund der ihnen zugeschriebenen Attribute, wie zum Beispiel Weiblichkeit und vermeintlicher Schwäche, der heterosexuellen Männlichkeit untergeordnet und in die Ideologie der Hegemonialen Männlichkeit nicht miteinbezogen, sondern auch heterosexuelle Jungen oder Männer werden als „Waschlappen, Feigling[e], […] halbe Portion[en], […] Memmen und so weiter“[90] gebrandmarkt und ausgestoßen.

Anhand von Everett K. Rowsons folgenden Beobachtungen zur Beziehung zwischen sexuellen Rollen und sozialen Positionen und ihre Ausprägung in der privaten und öffentlichen Sphäre wird deutlich, dass für die Position in der männlichen “Rangordnung“ weniger die Ausübung von Homosexualität entscheidend ist als die mit männlicher Homosexualität häufig in Verbindung gebrachten vermeintlich weiblichen Attribute bzw. äußeren Merkmale (auch bei heterosexuellen Männern s. o.):

Sex with boys or male prostitutes made men ‘sinners’, but did not undermine their public position as men […] Effeminate men [however] who voluntarily and publicly behaved as women (mukhanaths) gave up their claims to membership in the dominant male order.[91]

Obwohl sich dieses Zitat auf sexuelle Beziehungen in frühen muslimischen Gesellschaften bezieht und der Begriff Homosexualität als sexuelle Orientierung zu dieser Zeit noch nicht diskutiert wurde,[92] hat sich das Phänomen der Tabuisierung von Weiblichkeit bei Männern, beispielsweise in Ägypten, bis heute durchgesetzt. Anhand einer Werbekampagne von Birell[93], in der propagiert wird, dass Männer, die skinny jeans und Taxi fahren, homosexuell bzw. keine “echten“ Männer seien,[94] wird das aktuelle Ausmaß dieses Phänomens deutlich. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird noch detaillierter auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Männlichkeiten eingegangen. In Kapitel 3.3.1 soll das Phänomen der besonderen Hervorhebung einer Untergeordneten Männlichkeit, in dem Fall die männliche Homosexualität , in den ägyptischen Medien analysiert werden.

3. Analyse und Einordnung ausgewählter Medienereignisse in Ägypten im Hinblick auf die Darstellung männlicher Homosexualität

3.1. Kontextualisierung von Geschlechterpolitiken im post-revolutionären Ägypten – ein religiös-konservativer backlash unter Präsident El-Sisi?

Bevor ausgewählte Medienereignisse in Ägypten im Hinblick auf das Thema Homosexualität unter Rückgriff auf bereits vorgestellte Theorien, analysiert werden, sollen in diesem Kapitel zunächst die Veränderungen und Dynamiken im Hinblick auf Geschlechterpolitiken nach den Umbrüchen von 2011 beschrieben werden.

Die neue Sichtbarkeit von LGBT-Personen im Zuge der Aufstände von 2011[95] und die aktive Beteiligung von Frauen in vorderster Reihe[96], brachte neue Hoffnung für beide sozial und politisch marginalisierten Gruppen[97], die bevorstehenden sozialen und politischen Transformationen aktiv mitgestalten zu können.[98] Für Al-Natour hatte allein die Beteiligung von Frauen an den Protesten schon einen großen Effekt: ‘[t]he key role women played in the revolution may have shaken the social power structure and deconstructed master narratives about the Arab Woman’.[99] Die LGBT Community hat hingegen die Gunst der Stunde genutzt, um neue Räume zu schaffen, ‚where it’s safe for men to dance with men and where women sit on each other’s laps‘.[100]

Nachdem Mohammed Mursi am 24. Juni 2012 zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten in Ägypten erklärt wurde,[101] wurden die o.g. von Frauen errungenen Freiheiten zu Gunsten einer patriarchalen Gesellschaftsordnung schrittweise eingeschränkt. Dies äußerte sich erstmalig in dem Widerstand der Muslimbruderschaft gegen die Umsetzung der in der CEDAW -Konvention[102] festgeschriebenen Prinzipien zur Eliminierung jeglicher Form von Gewalt gegen Frauen mit der Begründung: ‘This declaration, if ratified, would lead to complete disintegration of society, and would certainly be the final step in the intellectual and cultural invasion of Muslim countries, eliminating the moral specificity that helps preserve cohesion of Islamic societies‘.[103] Außerdem wurde in einer von der MB verfassten „Liste von Einwänden“ Unbehagen darüber geäußert, dass homosexuellen Menschen in der Deklaration die gleichen Rechte zugestanden und Prostituierte geschützt und respektiert würden.[104] Die Entwicklungen auf der Straße zeichneten hingegen ein anderes Bild Ägyptens unter der Regentschaft Mursis: Viele neue LGBT-freundliche Bars und Cafes eröffneten in Kairo, die Zahlen der Alkoholverkäufe stiegen[105] und mit der Gründung einer Initiative zur Etablierung eines ‚National Day Against Homophobia and Transphobia‘, entstand sogar eine neue Form von LGBT-Aktivismus.[106]

Die durch das Militär unterstützten Proteste im Juni 2013, die im Anschluss in einen Putsch und die Absetzung Mohammed Mursis mündeten, waren angetrieben von der Angst vor Einschränkungen bürgerlicher Rechte und Freiheiten im Zuge einer „Islamisierung“ unter der Muslimbruderschaft.[107] Folglich lagen die Hoffnungen auf dem heutigen Präsidenten und damaligen Verteidigungsminister Abdel Fattah El-Sisi, gefeiert als ‚saviour of democracy and the revolution‘.[108]

Wie sind hingegen die brutalen Repressionen gegen die vermeintlichen Terrorist*innen - Oppositionelle, Journalist*innen, Menschenrechtsaktivist*innen, Atheist*innen, Wissenschaftler*innen und insbesondere gegen die LGBT Community, unter dem „demokratischen Heilsbringer“ El-Sisi zu erklären? Jackson Diehl behauptet, ‘[t]he answer is simple: It’s all part of fighting the fourth-generation war’.[109] Präsident El-Sisi verkündete in einer Militärakademie, ‘[m]odern communication channels, psychology and the media are being deployed to create divisions and harm Egypt from within [;] […] [n]o one can destroy a country, unless the country is harming itself’[110] und lieferte somit eine Definition der fourth-generation warfare – ‘the most dangerous thing’.[111] Das geforderte Arbeitsverbot US-amerikanischer NGOs, wie zum Beispiel Freedom House und die Ausweisung ihrer Beschäftigten[112] sowie ein national auferlegtes Programm zur Bekämpfung von Atheismus – eine „intellektuelle Bedrohung“[113] unter Jugendlichen - verdeutlichen, dass es sich bei dem o.g. Phänomen nicht nur um harmlose Rhetorik handelt. In einem Interview im Jahr 2015 vor den anstehenden Wahlen, bezeichnet El-Sisi die moralische Reformierung des Landes als eine seiner Pflichten als künftiger Präsident:

the law alone isn’t enough, we need to utilize other tools, such as the media, education, places of worship and the family … Aren’t those the elements that shape one’s personality and awareness? We need to work on those tools and promote them.[114]

Gegen die LGBT Community, die mit dem propagierten Diskurs im Sinne einer heteronormativen und moralisch vertretbaren Geschlechterordnung unter El-Sisi nicht vereinbar ist,[115] wird ebenso vorgegangen wie gegen externe westlich-liberale Institutionen (s.o.) und Einflüsse, worunter auch der Atheismus zu zählen ist. Laut Jackson Diehl bleibt hingegen ungeklärt, weshalb die US-Administration unter Präsident Obama das ägyptische Militär im Jahr 2016 mit 1.6 Billionen Dollar unterstützte ‚[when] [t]he ultimate enemy in this war is not Sunni extremism but Western liberalism — headed by the United States’.[116]

3.2 Die bathhouse raid – ein strategisch geplanter Mediencoup? – Analyse anhand des Konzepts Moralische Panik

Am späten Abend des 7. Dezember 2014 wurden in einem Hammam in der Ramsis Gegend (Downtown Kairo) 26 Männer in einer großen Polizeioperation, initiiert und gefilmt von einer TV-Crew der Moderatorin Mona Iraqi in Zusammenarbeit mit den Central Security forces, [117] verhaftet und halb-nackt in LKWs abgeführt.[118] Die Rechtsgrundlage der Verhaftungen bildete Law 10/ 1961 gegen die Ausübung von „Norm-abweichendem Verhalten“ (debauchery) und „Prostitution“.[119] Während sexuelle Beziehungen im Einvernehmen zwischen gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in Ägypten nicht illegal sind wie zum Beispiel im Jemen oder in Syrien,[120] ‚the Law on the Combating of Prostitution, and the law against debauchery have been used to imprison gay men in recent years‘.[121]

Die sogenannte bathouse raid wurde zum Themenschwerpunkt der vermeintlich investigativen Sendung „El Mostakhbi“ („das Versteckte“) des Privatsenders „El-Qahera al Nas“, in der laut Moderatorin Mona Iraqi ‚the secret behind the spreading of Aids in Egypt‘[122] entlarvt werden sollte. Im Folgenden sollen die in Kapitel 2.1.1 vorgestellten Definitionskriterien einer Moralischen Panik auf das oben beschriebene Medienereignis angewendet werden.

Die im Rahmen der Sendung propagierte Bedrohungslage, ausgehend von vermeintlicher Sexarbeit, AIDS und Homosexualität, schien konstruiert und unverhältnismäßig im Hinblick auf das tatsächliche Ausmaß der Bedrohung (disproportionality).[123] Das oft von Iraqi verwendete Argument, sie habe der Polizei dazu verholfen ‘the biggest den of group perversion [ shuzooz gama‘ay ] [and illegal gay sex workers] in the heart of Cairo‘[124] aufzuspüren, verwendet Iraqi als Legitimationsgrundlage für ihre – aus persönlichkeitsrechtlicher Perspektive – äußerst bedenkliche und von mehreren Seiten kritisierte Aktion (die Gesichter der Angeklagten wurden z.B. nicht unkenntlich gemacht),[125] obwohl ihr kaum Beweise für die o.g. unverhältnismäßigen Anschuldigungen vorliegen. Ahmed Hashad, leitender Ermittler der Abteilung „öffentlicher Anstand“ des ägyptischen Innenministeriums gibt in der unmittelbar nach der bathhouse raid ausgestrahlten Sendung Iraqis, Nacktheit und Involvierung in Gruppensex bei dem Eintreffen der Polizei in der Badeanstalt Bab al-Bahr als Verhaftungsgründe an – angezogene Personen blieben verschont.[126] Nicht nur diese Beweislage wirkt laut Mada Masr fadenscheinig, auch die Anmerkung eines Polizisten während der zweiten Anhörung in der rechtlichen Angelegenheit des bathhouse case, homosexuelle Männer würden regelmäßig Sex-Orgien in dem besagten Hammam abhalten sowie die Ergebnisse der höchst fragwürdigen anal-forensischen Untersuchungen, die von der Strafverfolgung vorgelegt wurden, scheinen konstruiert und überzeugten die Verteidigungsanwälte, die die Verhaftungen als verfassungswidrig bezeichneten, nicht von den Anklagepunkten der Strafverfolgung“.[127] Übertrieben in Szene gesetzt (exaggeration)[128] wirkt der von Dr. Waleed Kamal, Direktor des nationalen AIDS-Kontrollprogramms des ägyptischen Gesundheitsministeriums, in Iraqis Show „El-Mostakhbi“ herangezogene Prozentsatz zur Steigerung der Verbreitungsrate von AIDS in Ägypten.[129] Er gibt an, diese Rate läge bei etwas mehr als 5 Prozent (Stand: 2010),[130] lediglich 11.000 Personen (ca. 0,1 Prozent der 15-49 Jährigen) sind jedoch mit AIDS in Ägypten infiziert und registriert (Stand: 2015).[131] Zum Vergleich: In Deutschland sind ca. 83.400 Personen verzeichnet, die mit AIDS oder HIV leben (Stand: 2015).[132]

Mona Iraqi lässt in ihrer Sendung einzelne Regierungs- und Polizeifunktionäre – vermeintliche Experten zu Wort kommen (‘socially accredited experts pronounce their diagnoses and solutions‘)[133] und rechtfertigt ihr Filmen der Verhaftungen und die “zur Schau-Stellung” der Verurteilten wie folgt:

[t]he only responsible authority is the police/ we notified them a week before broadcasting/ to take measures of preventing a sex trafficking crime in a public space/ [n]o one did anything about it for a week […]/ one day before broadcasting the episode/ [a]uthorities called to present the procedural problems for intervening/ [s]o we decided to postpone the episode/ [u]ntil giving a proof of the crime prohibited by law[134]

[...]


[1] Gemäß des „Leitfaden[s] gendergerechte Sprache der LMU München“, unter: http://www.frauenbeauftragte.uni-muenchen.de/genderkompetenz/sprache/sprache_pdf.pdf

[2] Vgl. Habib, Samar (2007): Female Homosexuality in the Middle East.

[3] Massad, Joseph (2007): Desiring Arabs, S.162-163.

[4] Website zurzeit nicht aufrufbar, letzte Aktivität am 27.04.16.

[5] ‘It's a campaign to reach out to LGBT movements and individuals worldwide about the LGBT issues in Egypt.’ (https://solidaritywithegyptlgbt.wordpress.com/, letzter Zugriff am 26.07.16) oder auch https://www.facebook.com/swelgbtq/ [letzter Zugriff: 04.07.16].

[6] Rahman, Momin (2010): Queer as Intersectionality. Theorizing Gay Muslim Identities. In: Sociology 44 (5), S. 951.

[7] Ich habe mich für die Verwendung des Begriffs „LGBT“ (L esbian, G ay, B isexual and T ransgender) entschieden, um die Existenz einer Gemeinschaft benennen zu können, in der verschiedene sexuelle Identitäten vereint sind; gegen die Verwendung der Bezeichnung „LGBTIQ+“ (L esbian, G ay, B isexual, T ransgender, I ntersexual, Q ueer + others) habe ich mich entschieden, da dieser Begriff teils sexuelle Identitäten und Konzepte beinhaltet, die (noch) nicht in hinreichendem Maße in Ägypten diskutiert werden.

[8] Vgl. Whitaker, Brian (2006): Unspeakable Love. Gay and Lesbian Life in the Middle East, A Note on Terminology.

[9] Vgl. Habib (2007), S.3.

[10] David D. Kirkpatrick, ‘Army Ousts Egypt’s President; Morsi Is Taken into Military Custody’, New York Times, 3. Juli 2013, http://www.nytimes.com/2013/07/04/world/middleeast/egypt.html?_r=0 [letzter Zugriff: 02.06.16]

[11] Patrick Kingsley, ‘Religion still leads the way in post-Morsi Egypt’, The Guardian, 18. September 2014, unter: http://www.theguardian.com/world/2014/sep/18/religion-still-leads-the-way-in-post-morsi-gypt [letzter Zugriff: 02.06.16].

[12] Vgl. ebd.

[13] Mada Masr, unter: http://www.madamasr.com/sections/politics/scaring-them-straight-name-morality [letzter Zugriff: 29.04.16]

[14] Vgl. Pesha Magid, ‘On being transgender in Egypt‘, 4. Juni 2015, http://www.madamasr.com/sections/politics/being-transgender-egypt [letzter Zugriff: 29.04.16].

[15] Dieses Medienereignis wird mir in Kapitel 3.2 als Fallbeispiel für die Erfassung einer Moralischen Panik unter Berücksichtigung der in Kapitel 2.1 vorgestellten Definitionskriterien, dienen.

[16] Pratt, Nicola (2007): The Queen Boat case in Egypt: sexuality, national security and state sovereignty. In: Review of International Studies, 33, S. 129.

[17] ILGA-Report, 2015: State sponsored Homophobia. A World Survey of Laws. Criminalisation, protection, and recognition of same-sex love. Zehnte Edition, S. 52, online verfügbar unter: http://old.ilga.org/Statehomophobia/ILGA_State_Sponsored_Homophobia_2015.pdf [letzter Zugriff: 16.06.16]

[18] Von der Autorin dieser Arbeit aus dem Arabischen übersetzt.

[19] VetoGate, unter: http://www.vetogate.com/1364321, 6. Dezember 2014 [letzter Zugriff: 15.07.16]

[20] Vgl. Nuamat Sati (verantwortlich für die Anti-Atheismus Kampagne) in: Ahmed Fouad, ‘Egypt campaigns against atheism’, 24. Juli 2014, unter: http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/07/egypt-government-fears-atheism.html [letzter Zugriff: 26.07.16]

[21] Zitat aus einer Rede Abdel-Fattah El-Sisis aus dem Jahr 2015 in einer Militärakademie. In: Dalia Rabie, ‘Technology, mind games and “fourth-generation warfare”', Mada Masr, 8. September 2015, unter: http://www.madamasr.com/sections/politics/technology-mind-games-and-fourth-generation-warfare [letzter Zugriff: 24.07.16]

[22] Die Verwendung des Begriffs „Inszenierung“ im Titel der Arbeit und in der obigen Fragestellung wurde gewählt, da er oft in Analysen bezogen auf das Thema Moralische Panik verwendet wurde und die übertriebene Theatralik, die mit einer (konstruierten) Panik einhergeht, ausdrückt.

[23] Zum besseren Verständnis der folgenden Kapitel ist anzumerken, dass sich die Theorien und einzelnen Definitionskriterien oft nicht trennscharf von den verschiedenen Theoretikern abgrenzen lassen, da sie häufig aufeinander aufbauen und Teile von älteren Konzepten in neuere übernommen wurden.

[24] Vgl. Cohen, Stanley, Folk Devils and Moral Panics, 3. Ausgabe (2002), Routledge: New York, Einleitung.

[25] Vgl. Ben-Yehuda, Nachman; Goode, Erich, Moral Panics: Culture, Politics and Social Construction. In: Annual Review of Sociology, Vol. 20 (1994), S. 155 f.

[26] Cohen, (1972), S.9.

[27] Ben-Yehuda & Goode (1994), S. 155 f.

[28] Vgl. ebd.

[29] Ben-Yehuda & Goode (1994), S. 156 ff.

[30] Die in dem nächsten Abschnitt vorgestellten drei Definitionskriterien werden in Kapitel 3.2 angewendet, wenn anhand der Analyse der sogenannten bathhouse raid geprüft wird, ob es sich bei diesem Medienevent um eine inszenierte Moralische Panik handelte.

[31] Vgl. ebd. S. 156 f.

[32] Vgl. ebd.

[33] Vgl. ebd. S. 157

[34] Vgl. Cohen (1972), S. 11-12.

[35] Vgl. ebd. S. 158

[36] Vgl. Cohen (2002), Einleitung.

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. ebd.

[39] Vgl. ebd.

[40] Vgl. Ben-Yehuda & Goode (1994), S.164.

[41] Vgl. Cohen (2002), Einleitung, xxxvi.

[42] Ebd.

[43] Ägypten befindet sich laut der Rangliste der Pressefreiheit 2016, im weltweiten Vergleich auf Platz 159 von 180; 23 Journalist*innen und 1 Online-Aktivist befinden sich zur Zeit in Haft (vgl. Reporter ohne Grenzen, unter: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/%C3%A4gypten/) [letzter Zugriff: 08.06.16]

[44] Vgl. Ben-Yehuda & Goode (1994), S. 164.

[45] Vgl. ebd.

[46] Vgl. Hall, Stuart (1978): Policing the Crisis. Mugging, the State and Law and Order. Macmillan: London, S. 216.

[47] Vgl. ebd.

[48] Vgl. ebd. S. 57.

[49] Vgl. ebd. S. 196

[50] Vgl. Ben-Yehuda & Goode (1994), S.165.

[51] Vgl. ebd.

[52] Vgl. R.W. Connell et al (1982): Ockers and disco-maniacs. Sydney, Australia: Inner City Education Center, S. 1.

[53] Vgl. Connell, R.W. (1983): Which way is up? Essays on Sex, Class and Culture . Sydney, Australia: Allen and Unwin, S.1.

[54] Vgl. Connell, R.W. (1982): Class, patriarchy, and Sarte’s theory of practice . Theory and Society 11. Ausgabe, S. 305-20.

[55] Connell, Raewyn (2015): Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. 4. Auflage, Springer VS, S. 9 f.

[56] Ebd. S. 120.

[57] Vgl. ebd.

[58] Vgl. ebd.

[59] Ebd. S. 124.

[60] Vgl. Abdalla, Mustafa (2007): Beach Politics. Gender and Sexuality in Dahab. Cairo Papers in Social Science, Vol. 27. American University in Cairo Press, S.13.

[61] Vgl. ebd.

[62] Vgl. Connell (2015), S.130.

[63] Vgl. ebd.

[64] Vgl. ebd.

[65] Gramsci brachte das Konzept der Hegemonie im Kontext der Analyse von Klassenbeziehungen unter Zwang und Konsensfindung hervor; jede gesellschaftliche, nach Hegemonie strebende Gruppe propagiert ihre Werte und Normen als die führenden, noch bevor sie eine anerkannte hegemoniale Position einnimmt (vgl. Gramsci Gefängnisheft 8, §88, 1947).

[66] Vgl. Connell (2015), S.130.

[67] Vgl. ebd. S.131.

[68] Vgl. ebd.

[69] Vgl. ebd.

[70] Vgl. Ebd.

[71] Connell (2015), S. 133.

[72] Vgl. ebd.

[73] Vgl. Connell, R.W.; Messerschmidt, J.W. (2005): Hegemonic Masculinity. Rethinking the Concept, S. 838.

[74] Vgl. Connell, R.W. (2014): Margin becoming centre. For a world-centred rethinking of masculinities. In: International Journal for Masculinity Studies, 9. Ausgabe, Nr. 4, S.9 ff.

[75] Vgl. Connell & Messerschmidt (2005), S. 840.

[76] Vgl. Asdar-Ali, Kamran (2002): Planning the Family in Egypt. New Bodies, New Selves. University of Texas Press, S.121.

[77] Vgl. Abdalla, Mustafa (2014): Masculinity on Shifting Grounds. Emasculation and the Rise of the Islamist Political Scene in Post-Mubarak Egypt. In: Helen Rizzo (Hg): Masculinities in Egypt and the Arab World, American University in Cairo Press, S. 57 f.

[78] Vgl. Connell (2015), S. 131.

[79] Vgl. ebd.

[80] Vgl. ebd. S. 130.

[81] Vgl. ebd. S. 131.

[82] Vgl. ebd. ff.

[83] Vgl. ebd.

[84] Ebd.

[85] Dunne, Bruce (1998): Power and Sexuality in the Middle East. In: Middle East Report, Nr. 206, S.10 f.

[86] Siehe Kap. 2.2.1, Connell (2015), S.130.

[87] Vgl. Connell (2015), S. 132.

[88] Der Begriff Homophobie steht für die ablehnende Haltung bzw. Feindseligkeit gegenüber Homosexualität sowie für Ekel-, Hass- und Gewaltgefühle gegenüber homosexuelle Menschen, bis hin zu tatsächlicher Gewaltausübung (Kampagne Stoppt Homo-& Transphobie!, unter: http://www.homophobie.at/wasisthomophobie/ [letzter Zugriff am 29.07.16]

[89] Ebd.

[90] Ebd.

[91] Everett K. Rowson (1991): The Categorization of Gender and Sexual Irregularity in Medieval Arabic Vice Lists. In: Julia Epstein und Kristina Straub (Hg.): Body Guards. The Cultural Politics of Ambiguity. New York and London: Routledge, S. 73.

[92] Vgl. Tolino, Serena (2014): Homosexuality in the Middle East. An Analysis of Dominant and Competitive Discourses. In: DEP (Deportate, Esule, Profughe) 25: S.76.

[93] Die Firma Birell vertreibt alkoholfreies Bier in Ägypten.

[94] Mohamed Khairat, ‘The Beer Company Promoting Sexism and Sexual Harassment in Egypt’, Egyptian Streets, 27. März 2015, unter: http://egyptianstreets.com/2015/03/27/the-beer-company-promoting-sexism-and-sexual-harassment-in-egypt/ [letzter Zugriff: 16.06.2016]

[95] Vgl. Ernesto Londono, ‘Egypt gays hope for change in culture after revolt’, The Washington Post, 18. August 2011, unter: https://www.washingtonpost.com/lifestyle/style/egypts-gays-hope-for-change-in-culture-after-revolt/2011/08/15/gIQAOiskQJ_story.html [letzter Zugriff: 28.06.16]

[96] Vgl. Al-Natour, Manal (2012): The Role of Women in the Egyptian 25th January Revolution. In: Journal of International Women's Studies, 13(5), S.59.

[97] Vgl. ebd.

[98] Vgl. Londono (2011).

[99] Al-Natour (2012), S. 59.

[100] Londono (2011).

[101] Vgl. Abdel-Rahman Hussein, ‘Muslim Brotherhood’s Mohamed Morsi declared President of Egypt’, The Guardian, 24. Juni 2012, unter: https://www.theguardian.com/world/2012/jun/24/muslim-brotherhood-egypt-president-mohamed-morsi [letzter Zugriff: 29.06.16]

[102] CEDAW (The Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women) wird oft bezeichnet als internationales Frauenrechtsgesetz, bestehend aus einer Agenda für nationales Handeln und wurde 1979 zur Beendigung jeglicher Form von Diskriminierung gegen Frauen eingeführt. (UN Women, unter: http://www.un.org/womenwatch/daw/cedaw/, letzter Zugriff am 30.07.16)

[103] Ikhwanweb, ‘Muslim Brotherhodd Statement Denouncing UN Women Declaration for Violating Sharia Principles’, 14. März 2013, unter: http://www.ikhwanweb.com/article.php?id=30731 [letzter Zugriff: 29.06.16]

[104] Vgl. ebd.

[105] Ynetnews, ‘Egypt foaming over beer sales’, 15.06.2013, unter: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4387511,00.html [letzter Zugriff: 29.06.16]

[106] Vgl. Jannis Grimm, ‘Sisi’s Moralism’, Carnegie Endowment for International Peace, 19. Dezember 2014, unter: http://carnegieendowment.org/sada/?fa=57574 [letzter Zugriff: 29.06.16]

[107] Vgl. Shahira Amin, ‘For fear of Morsi, Egypt’s secularists got something far worse’, Middle East Eye, 26. Juni 2015, unter: http://www.middleeasteye.net/columns/fear-morsi-egypt-s-secularists-got-something-worse-1258985653 [letzter Zugriff: 29.06.16]

[108] Vgl. ebd.

[109] Jackson Diehl, ‘America gives Egypt free armored vehicles. Egypt gives America a slap in the face’, The Washington Post, 29. Mai 2016, unter: https://www.washingtonpost.com/opinions/america-gives-egypt-free-armored-vehicles-and-money-egypt-gives-america-a-slap-in-the-face/2016/05/29/b4f5376c-235b-11e6-8690-f14ca9de2972_story.html [letzter Zugriff: 29.06.16]

[110] Rabie (2015).

[111] Vgl. ebd.

[112] Vgl. Diehl, (2016).

[113] Mada Masr, ‘Govt announces campaign to save youth from atheism’, 19. Juni 2014, unter: http://www.madamasr.com/news/govt-announces-campaign-save-youth-atheism [letzter Zugriff: 29.06.16]

[114] Omar Said, ‘The state’s moral authority’, Mada Masr, 13. April 2015, unter: http://www.madamasr.com/sections/politics/state%E2%80%99s-moral-authority [letzter Zugriff: 15.07.16]

[115] Vgl. Grimm (2014).

[116] Vgl. Diehl (2016).

[117] Eine Einheit der Armee, hauptsächlich zusammengesetzt aus unerfahrenen Rekruten, die in einem zunehmend militaristischen Klima in Ägypten viele Polizeiaufgaben übernimmt (vgl. Long, Scott, ‘Dozens arrested for “perversion” in a huge raid in Cairo’, A Paper Bird, 8. Dezember 2014, unter: https://paper-bird.net/2014/12/08/dozens-arrested-cairo/, letzter Zugriff am 05.07.16).

[118] Vgl. ebd.

[119] ILGA-Report (2015), S.52.

[120] Vgl. ebd.

[121] Vgl. ebd.

[122] Patrick Kingsley, ‘Egyptian TV crew criticised over police raid on Cairo bath house’, The Guardian, 9. Dezember 2014, unter: https://www.theguardian.com/world/2014/dec/09/egypt-police-raid-cairo-bath-house [letzter Zugriff: 05.07.16]

[123] Siehe Kap. 2.1.1, Goode & Ben-Yehuda (1994).

[124] Long (2014).

[125] Mada Masr, ‘Defendants acquitted in 'Ramses bathhouse' case’, 12. Januar 2015, unter: http://www.madamasr.com/news/defendants-acquitted-ramses-bathhouse-case [letzter Zugriff: 06.07.16]

[126] Mona Iraqis YouTube-Kanal, ‘Series of uncovering male sex trafficking and the spread of AIDS in Egypt – El-Mostakhbi’, veröffentlicht am 20.12.2014, unter: https://www.youtube.com/watch?v=A8wYbnyn73I [letzter Zugriff: 06.07.16]

[127] Mada Masr, ‘Defense lawyers decry 'illegal' arrests at Ramses bathhouse in second hearing’, 4. Januar 2015, unter: http://www.madamasr.com/news/defense-lawyers-decry-illegal-arrests-ramses-bathhouse-second-hearing [letzter Zugriff: 06.07.16]

[128] Siehe Kapitel 2.1.1, Cohen (1972).

[129] Vgl. Iraqi (2014).

[130] Vgl. ebd.

[131] UN Aids Egypt, ‘HIV and AIDS estimates‘, 2015, unter: http://www.unaids.org/en/regionscountries/countries/egypt [letzter Zugriff: 06.07.16]

[132] Robert-Koch Institut,“Neue Schätzung zu HIV/AIDS in Deutschland“, 2015, unter: https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2015/08_2015.html [letzter Zugriff: 06.07.16]

[133] Cohen (2002), S.9.

[134] Vgl. Iraqi (2014).

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die Inszenierung Moralischer Panik in den ägyptischen Medien im Hinblick auf das Thema männliche Homosexualität
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
41
Katalognummer
V371759
ISBN (eBook)
9783668496323
ISBN (Buch)
9783668496330
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medien, homosexualität, Ägypten, Politik
Arbeit zitieren
Eliza Friederichs (Autor), 2016, Die Inszenierung Moralischer Panik in den ägyptischen Medien im Hinblick auf das Thema männliche Homosexualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371759

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