Sprachwandel in der Vormorderne. Phonologischer Wandel


Essay, 2014
7 Pages, Grade: 1,0

Excerpt

Hinweis:

Der vorliegende Essay stützt sich primär auf die in der Vorlesung (vom 05.06.14) vermittelten Informationen bezüglich der Thematik des phonologischen Wandels und der zweiten hochdeutschen Lautverschiebung. Zusätzliche, bzw. ergänzende, nicht in der Vorlesung erwähnte Informationen wurden daher zitier-konform markiert und angegeben.

Wie fast alles auf unserer Erde, unterliegen auch unsere natürlichen Sprachen einem konstanten Wandel, welcher zu den Universalien einer jeder Sprache gehört. Wichtig hierbei ist jedoch die Notwendigkeit, Sprachwandel nicht als komplexes, autonomes System „an sich“ zu begreifen, sondern die Unterscheidung verschiedener Teil- bzw. Subsysteme, sogenannte „Ebenen“, auf denen sich Sprachwandel teilweise unabhängig von anderen Ebenen vollziehen kann, vorzunehmen. Wir haben es bei dem Phänomen des Sprachwandels folglich mit einem ebenenspezifischen Wandel zu tun.[1]

Um die verschiedenen sprachlichen Ebenen, auf denen Sprachwandel stattfinden kann, besser begreifen zu können, greift man auf das sogenannte Zwiebelmodell der sprachlichen Ebenen zurück, das sich Sprache als eine interne gegliederte Einheit vorstellt. Die äußerste Schicht bildet hierbei die Pragmatik, welche die Schnittstelle zum Sprachgebrauch bzw. zur außersprachlichen Wirklichkeit darstellt. Je

mehr man sich in das Innere des Sprachsystems begibt, desto weniger anfällig sind die einzelnen Ebenen für äußere Einflüsse: Beispielsweise benötigt eine lexikalische Einheit länger, um in den innersten Kernbereich vorzudringen als ein Fremdwort, das durch Entlehnung aus dem außersprachlichen Bereich schnell in die äußersten Schichten wie Pragmatik oder Lexik dringen kann. Den inneren Kern dieser Subsysteme bilden Phonologie, Morphologie und Syntax, der oftmals auch als „Grammatik“ zusammengefasst wird.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das „Zwiebelmodell“ der sprachlichen Ebenen.

Aus: Nübling, Damaris (2013): Historische Sprachwissenschaft des Deutschen. Tübingen, 2.

Der folgende Essay soll sich nun speziell mit dem in der dritten Vorlesungseinheit thematisierten phonologischen Wandel und der zweiten hochdeutschen Lautverschiebung befassen.

Die Phonologie bildet, zusammen mit der Morphologie und der Syntax die niedrigste Einheit im Sprachenmodell. Sie ist eng mit einer weiteren linguistischen Wissenschaft, der Phonetik, verbunden. Obgleich sich beide Disziplinen mit Lauten (im einfachsten Sinne betrachtet) beschäftigen, gibt es zwischen beiden Ansätzen doch fundamentale Unterschiede: während die Phonetik alle möglichen, realisierbaren physikalischen Laute untersucht und beschreibt, betrachtet die Phonologie die systematisch festgelegten bzw. definierten Laute eines Sprachsystems. Das Phonem als definierter Laut steht daher im Gegensatz zur Phonetik und der Einheit Phon, als tatsächlich realisierter Laut. Die Phoneme bilden in Bezug auf die unterschiedlichen Artikulationsarten/-orte eine funktionale Gruppe, sie haben eine distinktive Funktion, was besonders bei den sogenannten Minimalpaaren deutlich wird.

Hinsichtlich der Bestimmung von Lauten (hier Konsonanten) lassen sich drei Unterscheidungsmerkmale feststellen: Artikulationsort, Artikulationsart und Sonorität (Stimmhaftigkeit oder Stimmlosigkeit). Hinsichtlich des Artikulationsortes werden Konsonanten der deutschen Sprache in die Bereiche bilabial (/p/), labiodental (/f/), alveolar (/t/), post-alveolar (/ƒ/), velar (/k/), uvular (/x/) und glottal (/h/) unterteilt. Bezüglich der Artikulationsart können sogenannte Verschlusslaute (Plosive), Reibelaute (Frikative), eine Kombination beider (Affrikaten) und Nasale (/n/, /m/, /g/) festgehalten werden. Stimmhaft ist ein Laut durch das Schwingen der Stimmlippen, stimmlos wird er bei geöffneter Glottis realisiert. Lautliche Varianten eines Phonems werden als Allophone bezeichnet. Im Gegensatz zu Phonemen haben Allophone keine unterscheidungsstiftende Eigenschaft; ob im Deutschen das Wort <Rose> mit gerolltem Zungen-R, oder uvularem Zäpfchen-R ausgesprochen wird, ändert nämlich in keiner Weise die Bedeutung. (vgl. die unterschiedlichen Realisierungen des /r/ im Deutschen).

Die Einführung in die Grundlagen der Phonologie und Phonetik ist elementar, um die in dem zweiten Teil der Vorlesung thematisierte „Zweite Hochdeutsche Lautverschiebung“ zu begreifen, die exemplarisch für sprachlichen Wandel auf phonologischer Ebene ist und nun im Folgenden ausführlich dargestellt werden soll.

Um das Phänomen der (sowohl ersten, germanischen, als auch der zweiten, hochdeutschen) Lautverschiebung(en) zu begreifen, ist es wichtig, sich der Verwandtschaft der indogermanischen bzw. europäischen Sprachen bewusst zu werden (vgl. Abb. 2). Die erste (germanische) Lautverschiebung, etwa um das erste Jahrtausend vor Christi Geburt

zeitlich einzuordnen und 1806 von Friedrich Schlegel erstmals entdeckt, ist kennzeichnend dafür, die germanischen Sprachen von den restlichen indogermanischen durch die Tenuesverschiebung /p/, /t/, /k/ -> /f/, /р/, /x/ bzw. der Medienverschiebung /b/, /d/, /g/ -> /p/, /t/, /k/[3] abzusondern. Deutlich wird dieses Phänomen bei der Gegenüberstellung von Beispielen aus den romanischen Sprachen mit solchen aus den germanischen:[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahmen, die mit der ersten Lautverschiebung zunächst nicht erklärt werden konnten, z.B. das Beispiel lat. frater -> nhd. Bruder, obwohl ebenso gilt: lat. pater -> nhd. Vater, wurden letzten Endes durch das Vernersche Gesetz erklärt, wodurch die von den Junggrammatikern postulierte und zunächst nur angenommene „Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze“ bestätigt wurde.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die Indogermanischen Sprachfamilien

Aus: Conzelmann, Jochen (2011): Erläuterungen zur mhd. Grammatik. Freiburg, 24.

[...]


[1] vgl. Nübling, Historische Sprachwissenschaft des Deutschen, S. 1ff.

[2] vgl. Nübling, Historische Sprachwissenschaft des Deutschen, S. 3.

[3] Ausgangsbasis für die Hochdeutsche Tenuesverschiebung.

[4] vgl. Conzelmann, Aspekte mittelhochdeutscher Literatur - Zur Einführung in die mhd. Literatur und Sprache, Teil II: Grammatik. Erläuterungen zur mittelhochdeutschen Grammatik, S. 26.

[5] vgl. Willms, Klassische Philologie und Sprachwissenschaft, S. 45.

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Details

Title
Sprachwandel in der Vormorderne. Phonologischer Wandel
College
University of Freiburg
Grade
1,0
Author
Year
2014
Pages
7
Catalog Number
V372069
ISBN (eBook)
9783668498013
ISBN (Book)
9783668498020
File size
742 KB
Language
German
Tags
Sprachwandel, Phonologie, Phonologischer Wandel, Linguistik, Sprachwissenschaft
Quote paper
Jannik Streeb (Author), 2014, Sprachwandel in der Vormorderne. Phonologischer Wandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372069

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