Hochbegabung - Definition, Diagnostik, Förderung


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien und Modelle
2.1 Definitionen von Hochbegabung
2.2 Hochbegabungsmodelle
2.2.1 Drei-Ringe-Modell von RENZULLI
2.2.2 Komponentenmodell der Talententwicklung 6 von WIECZERKOWSKI und WAGNER
2.2.3 Triadisches Interdependenzmodell der Hochbegabung 7 von MÖNKS
2.2.4 Differenziertes Begabungs- und Talentmodell2 von GAGNÉ

3. Diagnostik der Hochbegabung
3.1 Intelligenztests
3.1.1 Intelligentdefinitionen
3.1.2 Intelligenztheorien
3.1.2.1 Faktorenanalytische Modelle der Intelligenz
3.1.3 Die Messung von Intelligenz
3.1.3.1 Ausdruck in IQ-Werten
3.1.3.2 Ausdruck in Prozentrang-Werten
3.1.4 Die drei Hauptgütekriterien von Intelligenztests
3.1.5 Intelligenztestung in der heutigen Praxis
3.1.5.1 Hamburg-Wechsler-Intelligenztest 13 für Kinder (HAWIK-R)
3.2 Beobachtungsverfahren

4. Hochbegabtenförderung
4.1 Akzeleration
4.2 Enrichment

5. Quellenverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Vorbereitungsphase dieser Hausarbeit habe ich mir überlegt, was ich gerne über das Thema Hochbegabung wissen möchte. Ergänzend dazu habe ich auch noch meine Familie und Freunde befragt. Ich, sowie die meisten der von mir Befragten, wollten erst einmal wissen, wann Menschen als hochbegabt gelten. Weiterhin besteht großes Interesse daran, wie man jemanden als hochbegabt identifizieren kann. Aus diesem Grund werde ich meine Hausarbeit dem Schwerpunkt der Definition und der Diagnostik Hochbegabter unterlegen. Da für mich als angehende Lehrerin außerdem interessant ist, wie man besonders begabte Kinder schulisch fördern kann, werde ich auch zu diesem Unterthema einen kurzen Exkurs bieten.

2. Theorien und Modelle

Die Bedeutung des Begriffs Hochbegabung hängt davon ab wie man dieses Phänomen definiert. Die unterschiedlichen Definitionen basieren direkt oder indirekt auf verschiedenen Modellvorstellungen von Hochbegabung. Um einen Einblick in die Entwicklung der Bedeutung dieses Begriffs zu bieten, erfolgt in diesem Kapitel ein Überblick über relevante Definitionen, Theorien und Modelle zur Hochbegabung.

2.1 Definitionen von Hochbegabung

Mittlerweile existieren sehr viele Definitionen von Hochbegabung (vgl. 1). Allerdings gibt es keine Definition, die alle möglichen Bereiche von Begabung einschließt und von allen Wissenschaftlern anerkannt wird (vgl. 2). Aus diesem Grund werde ich im folgenden nur zwei von mehreren hundert Definitionen exemplarisch aufführen:

„'Hochbegabt sind jene Schüler, deren potentielle intellektuelle Fähigkeiten sowohl im produktiven als auch im kritisch bewertenden Denken ein derartig hohes Niveau haben, daß begründet zu vermuten ist, daß sie diejenigen sind, die in Zukunft Probleme lösen, Innovationen einführen und die Kultur kritisch bewerten, wenn sie adäquate Bedingungen der Erziehung erhalten.' (LUCITO, 1964 (...))“3

„'(...) [Hochbegabte] Kinder, die imstande sind, hervorragende Leistungen zu vollbringen, umfassen all jene, die Leistungen vollbracht haben und/oder potentielle Fähigkeiten auf einem der nachfolgenden Gebiete besitzen: 1. allgemeine intellektuelle Fähigkeiten; 2. spezifische akademische Fähigkeiten; 3. kreatives oder produktives Denken; 4. soziale Hochbegabung (Führungsqualitäten); 5. bildende und darstellende Künste (Künste und Sport).' (MARLAND, 1978 (...))“4 (vgl. 5)

Alle Definitionen sind sich darüber einig, dass es um eine hohe Begabung geht. Jedoch ist das Begabungsniveau und welche Art von Begabung gemeint ist unterschiedlich (vgl. 6). (LUCITO legt einen Fokus auf die intellektuellen Fähigkeiten, MARLAND schließt zusätzlich Kreativität mit ein (vgl. 7)).

Um die Vielzahl der verschiedenen Definitionen zu ordnen, haben DAVIS und RIMM folgende Gruppierungen der Definitionen vorgenommen:

a) Ex-post-facto-Definitionen

Laut diesen Definitionen wird ein Mensch als hochbegabt bezeichnet, wenn er etwas Hervorragendes geleistet hat. Diese Definitionsklasse bezieht sich hauptsächlich auf Erwachsene und ältere Kinder (vgl. 8).

b) IQ-Definitionen

Diese Definitionen sehen eine hohe Intelligenz als entscheidenden Indikator für Hochbegabung an. Erreicht eine Person bei einem Intelligenztest einen Intelligenzquotienten über 130, gilt sie als hochbegabt (vgl. 9).

c) Talentdefinitionen

Hier werden (Sonder-)Begabungen in verschiedenen Gebieten mit einbezogen. Personen gelten als hochbegabt, wenn sie in einem speziellen „künstlerischen oder akademischen“10 Bereich Besonderes leisten. d) Prozentsatzdefinitionen Durch diese Definition wird ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung als hochbegabt bezeichnet (vgl. 11). Dafür gibt es unterschiedliche Kriterien. Zum einen können das die Ergebnisse aus Schulleistungstests, Noten oder auch Intelligenztestergebnisse sein. Je nachdem welche Kriterien berücksichtigt werden, gelten ca. 0,5 bis 5 Prozent der Bevölkerung als hochbegabt (vgl. 12).

e) Kreativitätsdefinitionen:

Hochbegabung 4 Diese Definitionen lehnen eine Klassifizierung nach dem IQ ab. Sie stellen „originelle und produktive Leistungen“13 in den Vordergrund. Zu den eben genannten Definitionsgruppen der Hochbegabung ist hinzuzufügen, dass sie sich gegenseitig nicht ausschließen; so dass viele der momentan bestehenden Definitionen zur Hochbegabung durchaus auch mehreren Gruppierungen zugeordnet werden können (vgl. 14) (z. B.: LUCITO (s.o.): Kreativitäts- und IQ-Definition).

2.2 Hochbegabungsmodelle

Grundsätzlich lassen sich die Hochbegabungsmodelle in vier Kategorien einteilen:

a) In den fähigkeits- und eigenschaftsorientierten Modellen gilt Hochbegabung als „relativ stabile Eigenschaft“15, welche von äußeren Faktoren nur wenig beeinflussbar ist. Diese Modelle gehen davon aus, das in der Kindheit erworbene Intelligenzniveau verändert sich in der Enwicklung des Kindes nicht erheblich.
b) In den Modellen der kognitiven Komponenten sind nicht die Leistungen das Wichtigste, sondern die Qualität der kognitiven Prozesse.
c) In den soziokulturell orientierten Modellen wird davon ausgegangen, dass Umweltfaktoren auf Hochbegabung einwirken. (Bsp.: Die Politik hat Einfluss auf die Hochbegabtenförderung.)
d) Nach der Auffassung von leistungsorientierten Modellen kann Hochbegabung nur anhand erbrachter Leistungen festgestellt werden (vgl. 16).

Nachfolgend werden die am häufigsten in der Literatur erwähnten Modelle in chronologischer Abfolge ihrer Entstehungszeiträume beschrieben:

2.2.1 Drei-Ringe-Modell von RENZULLI

1979 entwickelte RENZULLI das Drei-Ringe-Modell der Hochbegabung. Dieses Modell Hochbegabung 5 fordert, dass „Begabung als Schnittmenge dreier Personenmerkmale“17 zu verstehen sei (vgl. 18). Die Komponenten, welche alle gleichberechtigt sind, werden wie folgt beschrieben:

- Überdurchschnittliche Fähigkeiten: Hierunter sind allgemeine kognitive Fähigkeiten, wie z. B. erfasste allgemeine Intelligenz, spezielle Intelligenzfaktoren und Schulleistungen zu verstehen (vgl. 19).

- Kreativität: Für RENZULLI ist Kreativität ein bestimmtes Verhalten Aufgaben zu lösen, und zwar auf originellem, flexiblem, produktivem und individuell-selbstständigem Weg.

- Aufgabenverpflichtung (vgl. 20)/Motivation: Hiermit ist eine spezielle Form der Leistungsmotivation gemeint, und zwar „die Energie, die eine Person in die Bearbeitung eines speziellen Problems oder Leistungsbereichs einbringt“21 (vgl. 22). Also die Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum mit einer Aufgabe zu befassen.

Mit diesem Modell möchte RENZULLI seine entwicklungsorientierte Einstellung zum Thema Hochbegabung darstellen. Denn seiner Auffassung nach kann sich Hochbegabung entwickeln, d. h. eine Person kommt nicht schon hochbegabt zur Welt. Allerdings können spezifische Leistungen nur dann ausgebildet werden, wenn es zu einer „gelungenen“23 Verbindung von überdurchschnittlichen Fähigkeiten, hoher Aufgabenverpflichtung und hoher Kreativität kommt. RENZULLIs Meinung nach sollen nicht nur Intelligenztests zur Feststellung von Hochbegabung verwendet werden, sondern auch Komponenten wie Kreativität und Aufgabenorientierung müssten seiner Meinung nach mit in die Diagnostik einbezogen werden. Denn sonst würden nur die schulisch Begabten berücksichtigt, wonach die „kreativ-produktiv Begabten“24 unentdeckt blieben.

Das Drei-Ringe-Modell hat in der Begabtenforschung viel Beachtung gefunden aber auch einige Kritik erfahren. Hauptkritikpunkte sind, dass RENZULLI Begabung mit Leistung gleichsetzt und sowohl Kreativität und Aufgabenbereitschaft neben den überdurchschnittlich kognitiven Fähigkeiten mit einbezieht. Denn die Gleichsetzung von Begabung und Leistung berücksichtigt nicht, dass es viele Kinder gibt, die trotz Hochbegabung 6 eines hohen IQs, schwache Schulleistungen erbringen (sog. „underachiever“) und somit nach seinem Modell nicht als hochbegabt gelten. Außerdem dürfen nach RENZULLI Personen nicht als hochbegabt bezeichnet werden, weil ihnen die Motivation fehlt, sich über längere Zeit mit einer Aufgabe zu beschäftigen.

Seine eigene Definition von Hochbegabung widerspricht somit seinem eigentlichen Vorhaben; die seines Erachtens nach große Gruppe der Menschen zu entdecken und zu fördern die als nicht hochbegabt diagnostiziert wurde.

Das Drei-Ringe-Modell wurde von mehreren Forschern als Basis für eigene Modellkonzeptionen verwendet und lässt sich deshalb in den folgenden drei Modellen in veränderter Form wiedererkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Komponentenmodell der Talententwicklung von WIECZERKOWSKI und WAGNER

WIECZERKOWSKI und WAGNER haben das Modell von RENZULLI im Jahre 1985 insofern weiterentwickelt, dass „sie die drei Komponenten seines Modells ausdifferenzieren“25 und zusätzlich zwischen den Begriffen Begabung und Talent unterscheiden. Begabung ist ihrer Meinung nach die Voraussetzung, um Talent entwickeln zu können (vgl. 26). Somit ist der Begriff des Talents dem der Begabung übergeordnet (vgl. 27). Nach diesem Modell sind also auch Menschen, die zwar einen hohen IQ besitzen, aber z. B. in der Schule nur schwache Leistungen erbringen (also die die kein Talent entwickelt haben) auch als hochbegabt zu bezeichnen. Des weiteren haben sie das Drei-Ringe- Modell modifiziert, indem sie das Merkmal der Aufgabenverpflichtung/Motivation um Umwelteinflüsse erweitert haben. Unter Umwelteinflüssen wird hier (vgl. 28) die „[in RENZULLIs Modell] als fehlend bemängelte Bezugnahme zu anderen Personen zum Ausdruck [gebracht]“29 (vgl. 30), was die „Anerkennung durch Bezugspersonen und Förderung des Kindes [meint]“31.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.3 Triadisches Interdependenzmodell der Hochbegabug von MÖNKS

Dieses Modell stellt eine weitere Modifizierung des Drei-Ringe-Modells von RENZULLI dar. MÖNKS hat dieses Modell 1990 entwickelt. Er geht davon aus, dass das Verhalten einer Person das Ergebnis der wechselseitigen Beeinflussung zwischen „ individuellen Anlagen32 und sozialer Umwelt ist, wobei das soziale Umfeld den „Nährboden für die Entwicklung einer Anlage darstellt“33.

Da Familie, Schule und Freunde (hier: Peers) für ihn die wichtigsten Bereiche im sozialen Umfeld eines Kindes sind, berücksichtigte er diese neben den drei Persönlichkeitskomponenten von RENZULLI in seinem Modell.

[...]


1 Holling, Heinz: Hochbegabung: Forschungsergebnisse Prof. Dr. (Hrsg. u. a.) und Fördermöglichkeiten. Göttingen: Hogrefe, Verl. f. Psychologie, 1999. S. 5

2 Heinbokel, Annette: Hochbegabte: Erkennen, Probleme, Lösungswege. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 1988. S. 23

3 Langeneder, Astrid: Selektive Begabtenförderung?: Probleme und Möglichkeiten. Frankfurt am Main, 1997. S. 18

4 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 18

5 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 18

6 Schulte zu Berge, Sabine: Hochbegabte Kinder in der Grundschule: Erkennen – Verstehen – im Unterricht berücksichtigen. Münster: LIT, 2001. S. 18

7 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 19

8 Holling, Heinz: a. a. O., S. 5 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

9 Schulte zu Berge, Sabine: a. a. O., S. 18

10 Holling, Heinz: a. a. O., S. 5 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

11 Holling, Heinz: a. a. O., S. 5 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

12 Schulte zu Berge,Sabine: a. a. O., S. 18

13 Holling, Heinz: a. a. O., S. 6 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

14 Holling, Heinz: a. a. O., S. 6 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

15 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 25

16 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 24 – 26

17 Holling, Heinz: a. a. O., S. 8 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

18 Holling, Heinz: a. a. O., S. 8 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

19 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 27

20 Holling, Heinz: a. a. O., S. 8 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

21 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 28

22 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 28

23 Holling, Heinz: a. a. O., S. 8 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.) Hochbegabung 18

24 Holling, Heinz: a. a. O., S. 9 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

25 Holling, Heinz: a. a. O., S. 10 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

26 Holling, Heinz: a. a. O., S. 8 - 10 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

27 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 33

28 Holling, Heinz: a. a. O., S. 11 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

29 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 33

30 Langeneder, Astrid: a. a. O., S. 33

31 Holling, Heinz: a. a. O., S. 11 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

32 Holling, Heinz: a. a. O., S. 11 Prof. Dr. (Hrsg. u. a.)

33 Holling, Heinz: a. a. O., S. 11

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hochbegabung - Definition, Diagnostik, Förderung
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Psychologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V37258
ISBN (eBook)
9783638366557
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochbegabung, Definition, Diagnostik, Förderung
Arbeit zitieren
Jennifer Buchna (Autor), 2004, Hochbegabung - Definition, Diagnostik, Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37258

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