Was sind interkulturelle Konflikte und wie kann damit umgegangen werden? Eine Beratungsstelle für interkulturelle Konflikte als Pilotprojekt


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Was ist ein interkultureller Konflikt?

2 Hauptteil
2.1 Welche Faktoren bestimmen kultuelles Handeln?
2.2 Wie unterscheiden sich Kulturen?
2.3 In welchem Zusammenhang stehen interulturelle Konflikte mit Rassismus?
2.4 Wie kennzeichnen sich interkulturelle Konflikte?
2.5 Ansätze zur Lösung von interkulturellen Konflikten

3 Hauptteil
3.1 Die Lösung von interkulturellen Konflikten - Aktive Antidiskriminierungsarbeit
3.2 Der Hintergrund der Beratungsstelle für interkulturelle Konflikte
3.3 Der wissenschaftliche Hintergrund der Projektstudie
3.4 Zentrale Ergebnisse der Studie
3.5 Das Arbeitskonzept der Beratungsstelle für interkulturelle Konflike

4 Fazit

1. Einleitung: Was ist ein interkultureller Konflikt?

Was ist eigentlich ein interkultureller Konflikt? Welche Rolle spielt kulturelle Diversität in Konflikten oder anders ausgedrückt: Hat Interkulturalität überhaupt einen Einfluss auf Konflikte? Wie können solche Konflikte gelöst werden und was unterscheidet einen interkulturellen Konflikt von einem Konflikt ohne interkulturellen Zusammenhang?

Dieses facettenreiche Thema wirft viele Fragen auf und soll aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, um Antworten zu finden.

Auch aktuell stehen interkulturelle Konflikte im Fokus. Ein konkretes Beispiel ist die Beratungsstelle für interkulturelle Konflikte der technischen Universität Mittelhessen (THM). Dieses Pilotprojekt, auf welches im Zuge dieser Hausarbeit eingegangen wird, betreibt aktive Antidiskriminierungs- und Antirassismus-Arbeit, mit dem Ziel, interkulturelle Konflikte zu lösen oder zu verhindern.

Aufgrund der Komplexität der Thematik soll der Einstieg jedoch ganz fundamental beginnen, nämlich mit der Frage nach einer Definition dieses scheinbar unspezifischen Begriffs:

Was ist ein interkultureller Konflikt?

Nach dem aktuellen Duden ist ein Konflikt definiert als eine durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o.Ä. entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann. Dabei kann es sich auch um eine mit kriegerischen Mitteln ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Gegnern handeln (vgl. Duden.de, 2016).

„Interkulturell“ wird ein Konflikt nach allgemeiner Auffassung dann, wenn bei mindestens eine der Konfliktparteien eine andere kulturelle Identität vorliegt. Interkulturelle Konflikte müssen daher immer vor dem Hintergrund der unterschiedlichen kulturbedingten Ansichten betrachtet und behandelt werden.

Im Folgenden soll nun beleuchtet werden, wie interkulturelle Konflikte entstehen, welchen Einfluss die Kultur tatsächlich auf einen Konflikt hat bzw. haben kann und schließlich, wie kulturbedingte Konflikte gelöst werden können.

Nach der Betrachtung unterschiedlicher Fragestellungen zu dieser Thematik wird die Perspektive, die Arbeitsweise und der wissenschaftliche Hintergrund des Pilotprojekts der interkulturellen Beratungsstelle THM betrachtet und schließlich ein Fazit gezogen.

2. Hauptteil

2.1 Welche Faktoren bestimmen kulturelles Handeln (im Zusammenhang interkultureller Konflikte)?

Konflikte können in ihrer Ursache und / oder Manifestation kulturgedingt oder nicht-kulturbegingt sein (vgl. Tabelle 2/Anhang).

Handelt es sich um kulturbedingte Konflikte, so werden diese nach Ting-Toomey (1988) von den beteiligten Personen als Bedrohung der Identität und des Selbstbildes wahrgenommen. Dementsprechend fordern diese Konflikte von den Betroffenen ein aktives „facework“ (Imagearbeit), um das eigene Gesicht bzw. Image zu wahren. Dieser Prozess des kulturellen Handelns findet in allen Kulturen statt und ist daher kulturunabhängig.

Bei der Herangehensweise der Imagearbeit gibt es jedoch nicht unerhebliche Unterschiede: In individualistischen Kulturen wie den USA steht die Harmonie des individuellen privaten und öffentlichen Selbstbildes im Vordergrund, in kollektivistischen Kulturen wie Japan geht es darum, situationsabhängig einer bestimmten Norm zu entsprechen (Ting-Toomey 1988, S. 215).

Nach Brown und Levinson (1978) wird bei der Imagearbeit / dem Facework zwischen „positiv“ und „negativ“ entschieden. Letzteres verfolgt dabei den Anspruch, eine Distanz zu bewahren und Respekt einzuflößen, ersteres (das positive Facework) zielt auf Faktoren wie Wertschätzung und Aufgeschlossenheit ab. Unabhängig davon, ob es sich um positives oder negatives Facework handelt, möchte jedes Gesellschaftsmitglied jeder Kultur ein bestimmtes Image für sich beanspruchen.

Insofern handelt es sich um ein kulturuniversales Konzept. Eine Differenzierung findet in dem Aspekt statt, wie wichtig Mitgliedern einer bestimmten Gesellschaft die Bewahrung ihres positiven oder negativen „Gesichts“ ist. Gleichzeitig findet in der kulturspezifischen Herangehensweise der Imagepflege ein kulturbedingter Unterschied statt (Ting-Toomey 1988, S. 216-217).

Das Konzept des Facework hat besonders in zwischenmenschlichen Situationen, die von Unsicherheit geprägt sind Relevanz: Z.B. wenn es darum geht, sich über etwas zu beschweren. Edward T. Hall hat in diesem Zusammenhang eine Unterscheidung nach Konfliktbearbeitungsstilen getroffen: Nämlich nach „high context“ und „low context“ Kulturen. Demnach wird in einer typischen high-context-Kultur wie Japan die indirekte Kommunikation bevorzugt, in einer Low-Context-Kultur wie Deutschland kommuniziert man ehr direkter und konfrontativer (vgl. Ting-Toomey 1988, S. 223).

Zusammenfassend lässt sich also die Frage, welche Faktoren kulturelles Handeln bestimmen, folgendermaßen beantworten: Entsteht ein kulturbedingter Konflikt, so wird er von den beteiligten Konfliktparteien als Bedrohung der Identität und des Selbstbildes wahrgenommen. Als Konsequenz führt dies zu einem bestimmten (kulturellen) Handeln („Facework“ / Imagearbeit) der Beteiligten, um das eigene kulturelle „Gesicht“ zu bewahren. Die entscheidenden Faktoren, die die Art und Weise dieses Handeln beeinflussen, sind dabei abhängig vom kulturellen Hintergrund. Faktoren des kulturellen Handelns sind also beispielsweise die Angehörigkeit zu einer high- oder low-context-Kultur und / oder zu einer individualistischen bzw. kollektivistischen Kultur.

2.2 Wie unterscheiden sich Kulturen?

Nach Triandis (2000) lassen sich Kulturen nach unterschiedlichen Aspekten unterscheiden. Ein Faktor ist dabei das Ausmaß der Aggression innerhalb einer Kultur, welches beispielsweise mit der Mordrate pro 100.000 Einwohner und Jahr berechnet werden kann.

Dabei muss jedoch zwischen der „intrakulturellen“ und der „interkulturellen Aggression“ unterschieden werden, da hier kein Zusammenhang belegt werden konnte. Ein weiterer Faktor ist die jeweilige individuelle und subjektive Perspektive auf eine Kultur, da jede Person eine eigene Perspektive auf eine Kultur haben kann, welche sich von anderen Perspektiven unterscheidet.

Dennoch gibt es bestimmte kulturelle Elemente, die von allen Kulturangehörigen zumindest ähnlich wahrgenommen werden. Dabei kann es sich um Aspekte wie Normen und Werte handeln. Diese kulturellen Elemente können beeinflussen, wie ein Mensch mit Informationen umgeht.

In kollektivistischen Kulturen werden tendenziell ehr beziehungsorientiere Informationen wahrgenommen, in individualistischen Kulturen werden dagegen mehr Informationen wahrgenommen, die die Haltungen von Individuen betreffen. Eine Schlussfolgerung kann somit sein, dass die Attributionen, die Menschen aufgrund der erhaltenen Informationen tätigen, auf Grund der kulturellen Wahrnehmung verfälscht werden. Dabei werden Menschen aus individualistischen Kulturen noch mehr beeinflusst, als Menschen aus kollektivistischen Kulturen (vgl. Triandis 2000, S. 146-149).

Weiterhin stellt Triandis fest, dass sich Menschen aus kollektivistischen Kulturen unterschiedlich verhalten, wenn ihr Gegenüber aus der eigenen oder einer fremden Kultur kommt. Während sie sich gegenüber den Mitgliedern ihrer eigenen Kultur häufig unterstützend verhalten, zeigen sie sich gegenüber Angehörigen einer fremden Kultur oft feindselig und aggressiv. Somit kann nach der Auffassung von Triandis geschlussfolgert werden, dass bestimmte Kombinationen kultureller Syndrome im interkulturellen Kontakt zu Konflikten führen können.

Kulturen unterscheiden sich also in der Perspektive auf das jeweilige Gegenüber. Dabei spielt es eine wichtige Rolle, ob die Konfliktparteien aus einer kollektivistischen oder individualistischen Kultur kommen. Grade wenn die eine Fraktion aus einer individualistischen Kultur, die andere Konfliktpartei jedoch einen kollektivistischen kulturellen Hintergrund hat, kommt es schnell zu kulturellen Differenzen, die zu gegenseitigem Missverständnis und damit auch zu einem Konflikt führen können (vgl. ebd., S. 150-151).

2.3 In welchem Zusammenhang stehen interkulturelle Konflikte mit Rassismus?

Es ist naheliegend, dass interkulturelle Konflikte in einem Zusammenhang mit Rassismus stehen können. Im Text „Race Talk: Discourses on ´race´ and racial difference“ von Duncan (2003) wird dieses Thema betrachtet. Dabei wird auf die Problematik eingegangen, dass Opfer von Rassismus oft nicht zu Wort kommen und sich somit nicht selbst repräsentieren können.

Duncan beschäftigt sich deshalb mit der Analyse zweier unterschiedlicher Gruppen von schwarzen Südafrikanern, also mit Menschen, die Rassismus ausgesetzt waren.

Mit der ersten Gruppe wurde die Studie durchgeführt, als sich das Apartheitsregime in Südafrika zugunsten demokratischer Strukturen allmählich auflöste. Die zweite Studie fand fünf Jahre nach Amtsantritt einer demokratisch gewählten südafrikanischen Regierung statt.

Als Ergebnis der Studien lässt sich feststellen, dass die einzelnen Personen der beiden Gruppen, welche dem Rassismus der weißen Südafrikaner ausgesetzt waren, diese Diskriminierungen sehr unterschiedlich wahrgenommen haben.

An dieser Stelle soll klargestellt werden, dass Rassismus eine Weltanschauung ist, die die Ausgrenzung bestimmter „Rassen“ rechtfertigen will, dabei ist es wichtig, klarzustellen, dass der Begriff „Rasse“ von gegenwärtigen Wissenschaften abgelehnt wird und keinen wissenschaftlichen Anspruch erfüllt (vgl. Duncan 2003, S. 136-139).

Interessant ist, dass in Südafrika nach dem Ende der Apartheit das Wort „Rasse“ oft durch politisch korrekte Begriffe wie zum Beispiel sprachliche- ethische- oder kulturelle Gruppe ersetzt wurde, obwohl damit praktisch nichts Anderes gemeint war. Daraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Rassismus in interkulturellen Konflikten viele Gesichter annehmen kann und nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist (vgl. ebd. S. 139).

Rassismus und interkulturelle Konflikte stehen also in einem direkten Zusammenhang: Rassismus, in welcher Form auch immer, sorgt aufgrund der ideologischen Inhalte für Vorurteile kann interkulturelle Konflikte erzeugen und / oder verschärfen. Rassistische Ideologien gefährden somit das gesellschaftliche Zusammenleben. Typische Konfliktursachen sind dabei die rassistische Ansicht, dass die Mehrheitsgruppe als homogen und überlegen angesehen wird, die Minderheitsgruppe bzw. „Outgroup“ wird stattdessen als unterlegen und heterogen dargestellt (vgl. ebd., S. 139-140).

2.4 Wie kennzeichnen sich interkulturelle Konflikte?

Um diese Fragestellung zu beantworten, sollen die zentralen Aussagen von Weiß (2005) zu dieser Thematik skizziert werden.

Es gibt unterschliche kulturelle Bedeutungssysteme, die sich jedoch nur schwer operationalisieren lassen. Dies wird dadurch bedingt, dass sich diese Bedeutungssysteme auch innerhalb verschiedener Milieus unterscheiden und deshalb Missverständnisse erzeugen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Was sind interkulturelle Konflikte und wie kann damit umgegangen werden? Eine Beratungsstelle für interkulturelle Konflikte als Pilotprojekt
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V373688
ISBN (eBook)
9783668509450
ISBN (Buch)
9783668509467
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikte, Diskriminierung, Antidiskriminierung, Gleichstellung, Beratung, interkulturell, THM, Beratungsstelle, Rassismus, Kulturell, Mittelhessen, Hochschule, Interkulturelle Konflikte, 2017, Kommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Konfliktmanagement, Gleichberechtigung, Pilotprojekt, Neubiberg
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Was sind interkulturelle Konflikte und wie kann damit umgegangen werden? Eine Beratungsstelle für interkulturelle Konflikte als Pilotprojekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373688

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