Ernährungsberatung für eine übergewichtige Frau

Ein Fallbeispiel aus dem Lehrgang Ernährungsberater B-Lizenz


Hausarbeit, 2017
44 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeiner Ablauf einer Ernährungsberatung

3. Das Informationsgespräch

4. Das erste Ernährungsberatungsgespräch
4.1. Anamnese-Fragebogen
4.2. Biometrische Daten
4.3. Berechnung der ernährungsrelevanten IST- Werte

5. Zielsetzung
5.1. Berechnung der ernährungsrelevanten SOLL- Werte

6. Das Ernährungsprotokoll
6.1. Auswertung des Ernährungsprotokolls
6.2. Ernährungsempfehlungen und Umsetzungstipps

7. Ernährungsempfehlung

8. Kontroll- und Feedbackgespräche
8.1. Kontrollgespräch am 03.02.17
8.2. Kontrollgespräch von 03.03.17
8.3. Kontroll- und Abschlussgespräch am 31.03.17

9. Fazit

10. Abbildungsverzeichnis

11. Literaturverzeichnis

Anhang
1. Anamnesebogen Ernährungsberatung
2. Ernährungsprotokoll von Frau

1. Einleitung

Ernährung ist in unserer heutigen Gesellschaft ein weit verbreitetes Thema. Schlanke Schönheitsideale werden durch Zeitschriften und Medien immer mehr in den Fokus gerückt und Themen wie Diätformen, Superfoods und Trennkost werden zahlreich diskutiert. Der Fitness- und Ernährungstrend ist längst weit verbreitet und bringt das Bestreben nach einem gesunden und fitten Lifestyle mit sich.[1]

Dem gegenüber steht jedoch die Tatsache, dass heutzutage immer mehr Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft an Übergewicht leiden, sogar adipös sind. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (DEGS1) sind in Deutschland 67% der Männer und 53% der Frauen übergewichtig, ein Viertel der Erwachsenen sogar adipös.[2]

Diese Entwicklung bringt ein großes gesundheitliches Problem mit sich, da Übergewicht und Adipositas eine Vielzahl von Erkrankungen begünstigen. Darunter fallen u.a. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck.[3]

Somit leiden immer mehr Menschen in Deutschland unter ihrem Übergewicht.

In diesem Zusammenhang kommt die Ernährungsberatung ins Spiel. Sie kann vor allem übergewichtigen Menschen bei der Reduktion ihres Körpergewichts helfen, gesundheitliche Probleme minimieren und letztendlich zu einem gesunden Lebensstil führen.

Bei der Ernährungsberatung wird individuell auf den Klienten eingegangen und ein passendes Ernährungskonzept erstellt. Hierbei geht es um eine Ernährungs-umstellung, die sich den Ernährungsgewohnheiten und Vorlieben des Klienten anpasst. Es wird gemeinsam erarbeitet, welches Ziel für den Klienten realistisch ist und wie man es am besten erreichen kann.

In meiner Hausarbeit werde ich eine Ernährungsberatung anhand einer leicht übergewichtigen Frau, die 6 kg abnehmen möchte, darstellen.

Dabei beginne ich mit einem Anamnese-Fragebogen und der Erfassung der biometrischen Daten, um den aktuellen IST-Zustand meiner Klientin zu ermitteln. Im nächsten Schritt wird ein realistisches Ziel festlegt.

Anschließend bekommt meine Klientin die Aufgabe ein Ernährungsprotokoll über 7 Tage auszufüllen, um den aktuellen IST-Zustand der Ernährungsaufnahme zu ermitteln. Dieses Ernährungsprotokoll stellt die Basis meiner Ernährungsberatung dar. Im nächsten Schritt werde ich das Ernährungsprotokoll auswerten, Ernährungsfehler herausarbeiten und sinnvolle Ernährungsempfehlungen und Alternativen für meine Klienten erarbeiten. In diesem Zusammenhang werde ich auch die SOLL-Werte meiner Klientin ermitteln, um schauen, was sie erreichen sollte. Anschließend werden gemeinsam mit meiner Klientin Teilziele festlegt und nach und nach in die Praxis umgesetzt.

Zur besseren Kontrolle der Umsetzung der Teilziele und zum Erreichen des Hauptziels meiner Klientin finden daraufhin in regelmäßigen Abständen Kontroll- und Feedbackgespräche statt.

Zum Abschluss meiner Hausarbeit werden die Ergebnisse der Ernährungsberatung dargestellt und mit einem Fazit abgeschlossen.

2. Allgemeiner Ablauf einer Ernährungsberatung

Zu Beginn jeder Ernährungsberatung steht ein unverbindliches Informations-gespräch, bei dem der Klient den Ablauf einer Ernährungsberatung, sowie deren zeitlichen Umfang und die Kosten kennenlernt. Der Klient kann sich auf dieser Basis für oder gegen eine Ernährungsberatung entscheiden.

Die Ernährungsberatung läuft nach folgendem Schema ab:[4]

1. Anamnese/Verhaltensdiagnose

Zuerst wird mit einem Ernährungsberatungsgespräch begonnen, bei dem mithilfe eines ausführlichen Anamnesebogens der aktuelle Ist-Zustand des Klienten ermittelt wird. Darunter fällt eine ausführliche Anamnese bezüglich persönlicher Daten, der Körperzusammensetzung (BMI, Taillenumfang), der Gesundheit, der Lebens-umstände und der aktuellen beruflichen Situation mit Hinblick auf die Kriterien „Belastung“, „Stress“ und „Bewegung“ an. Auch der Grund für eine Ernährungs-beratung wird erfragt.

Des Weiteren bekommt der Klient die Aufgabe bis zum nächsten Termin ein Ernährungsprotokoll über 7 Tage zu führen. Darin soll er festhalten, welche Nahrung er zu sich nimmt, wann und wieviel er isst und auch in welcher Situation er isst.

Durch das Ernährungsprotokoll werden die Nährstoffrelationen, die Energie-aufnahme, bevorzugte Lebensmittel, aber auch die Lebenssituation des Klienten für den Berater ersichtlich. Das Ernährungsprotokoll ist somit das wichtigste Instrument für den Berater und wird von ihm bezüglich der Kalorienmenge (kcal), der verwendeten Lebensmittel und der Makro- und Mikronährwerte ausgewertet.

2. Zieldefinition

Nach der ausführlichen Ermittlung des Ist-Zustands durch die Anamnese und das Protokoll wird nun der Soll-Zustand des Klienten definiert. Dabei ist es äußerst wichtig, dass der Klient sein Ziel selbst benennt, denn nur so ist auch die nötige Motivation vorhanden, um dieses Ziel auch erreichen zu wollen. Die Aufgabe des Beraters in dieser Phase ist lediglich, das Ziel auf seine Realisierbarkeit zu überprüfen und gemeinsam mit dem Klienten kleine Zwischenziele zu überlegen.

Notwendige Ziele wie Nährstoffrelationen, Energieaufnahme und Mikronährstoffe können allerdings vom Berater bestimmt werden, da der Klient diese in der Regel nicht einschätzen kann und Unterstützung benötigt. Außerdem sind sie essentiell und können bei falscher Nahrungsaufnahme Mängel verursachen.

3. Zielhierarchie

Nach dem Benennen der Ziele werden gemeinsam Teilziele zum Erreichen des Gesamtziels festgelegt. Diese Teilziele werden nun in eine Reihenfolge gebracht.

Hierbei ist vor allem das subjektive Empfinden des Klienten gefragt. Dieser soll nun beurteilen, welche Zielumsetzung ihm an wenigsten schwer fallen wird. Mit dieser wird dann begonnen. Dieses ist aus psychologischer Sicht sehr sinnvoll, da der Klient sein Ziel dann vermutlich auch besser und schneller erreichen wird. Ist das erste Ziel erreicht, so wird sich das nächstschwierigere Ziel vorgenommen und sich somit Schritt für Schritt vorgearbeitet, bis das Endziel erreicht ist.

4. Maßnahmenplanung

Zum Erreichen des Ziels ist die Planung konkreter Maßnahmen ausschlaggebend.

Hier werden konkrete Maßnahmen bezüglich der Kalorienzufuhr, der Makronährstoffe, gesunder Lebensmittel und des Essverhaltens besprochen und in den Ernährungsplan des Klienten integriert. Die Maßnahmen sollen so aufgebaut sein, dass mit der leichtesten Umsetzung begonnen wird und sich dann langsam zu den schwierigeren Umsetzungen vorgearbeitet wird.

Wichtig ist, dass der Berater dem Klienten mehrere Maßnahmen und Möglichkeiten anbietet und der Klient nach seinem subjektiven Empfinden auswählt. Des Weiteren ist es wichtig, die Maßnahmen alltagstauglich und praxisnah zu gestalten und konkret zu benennen.

Schafft es der Klient sich an die Maßnahmen zu halten, so ist er auf dem richtigen Weg, seine Ziele auch zu erreichen.

5. Evaluation

Die Ernährungsberatung besteht außerdem aus regelmäßigen Rücksprachen (Evaluation), in denen der Erfolg der Maßnahmenumsetzung besprochen und kontrolliert wird. Werden alle Maßnahmen gut eingehalten und umgesetzt, kann durch Lob und positive Rückmeldung die Motivation des Klienten gestärkt und weiterhin aufrechterhalten werden.

Sollte es Probleme bei der Einhaltung der Maßnahmen geben, so wird das Problem analysiert und Alternativen angeboten.

Ist das Endziel erreicht, so ist die Ernährungsberatung abgeschlossen.

3. Das Informationsgespräch

Vor jeder Ernährungsberatung findet in der Regel ein unverbindliches Informationsgespräch statt, welches zum gegenseitigen Kennenlernen und dem Ermitteln gegenseitiger Empathie dient und den Ablauf einer Ernährungsberatung darstellt. Hierbei wird u.a. auf das Ernährungsprotokoll eingegangen, die Motivation und Ernsthaftigkeit des Klienten abgefragt und auf die aktive Mitarbeit hingewiesen. Auch der Kostenfaktor wird geklärt. Auf Grundlage des ersten Informationsgesprächs kann sich dann der Klient für oder gegen eine Ernährungsberatung entscheiden.

Meine Klientin Frau S. und ich haben uns im Informationsgespräch direkt gut verstanden und es herrschte von Anfang an eine gegenseitige Sympathie. Sie hat mir von ihrem Ziel erzählt, dass sie gerne 6 kg abnehmen möchte, um auf ihre vorherigen 60kg zu gelangen. Dieser Wunsch kommt vor allem daher, dass sie nach der Geburt ihres 1. Kindes vor 2 Jahren zugenommen hat und sich dadurch körperlich unwohl und unzufrieden fühlt. Auch ihre Belastbarkeit z.B. beim Treppensteigen hat sich durch die Zunahme ihres Gewichts verschlechtert.

Sie ist mit dem Ablauf der Ernährungsberatung einverstanden, ist durchaus zu aktiver Mitarbeit bereit und stimmt dem Kosten- und Zeitumfang der Ernährungsberatung direkt zu.

Wir vereinbaren daraufhin einen Termin für das erste Ernährungsberatungsgespräch, welches ein paar Tage später stattfindet.

4. Das erste Ernährungsberatungsgespräch

4.1. Anamnese-Fragebogen

Das Ernährungsberatungsgespräch mit meiner Klientin Frau S. beginnt mit einer netten Begrüßung und einem kurzen Smalltalk, um einen guten Einstieg zu ermöglichen. Ich erkläre ihr, dass es heute um die Erfassung sämtlicher Daten geht, die ich anhand eines Fragebogens erfragen werde, um ihren aktuellen IST-Zustand zu ermitteln. Sie ist damit einverstanden und beantwortet mir alle Daten ehrlich und zuverlässig. Des Weiteren habe ich sie vorab informiert, dass es sinnvoll wäre, eine Labordiagnose vom Arzt durchführen zu lassen, um Stoffwechselerkrankungen oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Auch dieses hat sie getan und die notwendigen ärztlichen Bescheinigungen mitgebracht. Nachfolgend werden nun die gewonnenen Daten dargestellt:[5]

1. Allgemeinanamnese

Zu Beginn werden allgemeine persönliche Daten erfasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Allgemeinanamnese (Frau S.)

2. Umfeldanamnese

Hier geht es um das Umfeld der Klientin. Ist sie in einer Partnerschaft, wo arbeitet sie, wie hoch ist ihre berufliche Belastung? Die Umfeldanamnese kann großen Einfluss auf das Essverhalten der Klientin haben und sollte unbedingt erfragt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Umfeldanamnese (Frau S.)

3. Gesundheitsanamnese

Bei der Gesundheitsanamnese geht es um den aktuellen Gesundheitsstand der Klientin, welcher u.a. Vorerkrankungen, familiäre Erkrankungen, Nahrungsun-verträglichkeiten und Medikamenteneinnahme abfragt. Eine ärztliche Untersuchung bezüglich möglicher Stoffwechselerkrankungen vor der Ernährungsberatung ist sinnvoll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gesundheitsanamnese (Frau S.)

4. Alltagsbelastung/ sportliches Verhalten

Hierbei geht es u.a. um den vorhandenen Stress der Klientin, ihre Hobbies und sportlichen Betätigungen, sowie die Beurteilung des eigenen Essverhaltens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Anamnese -Alltagsbelastung (Frau S.)

4.2. Biometrische Daten

Nach dem Erarbeiten des Fragebogens werden nun die biometrischen Daten erfasst.

Hierbei werden sowohl der BMI und der Körperfettanteil errechnet, als auch der Blutdruck, der Puls sowie der Taillen-, Hüft, Brust- und Oberschenkelumfang gemessen. Diese Daten sind für die Beurteilung des Gesundheitszustands von großer Bedeutung und geben einen Hinweis auf mögliches Übergewicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Biometrische Daten (Frau S.)

1. Ermittlung des BMI

Der BMI (Body-Mass-Index) ist eine Messeinheit zur Bewertung des Gewichts. Anhand des Messwerts kann festgestellt werden, ob ein Mensch normalgewichtig, übergewichtig oder untergewichtig ist.

Der BMI wird mithilfe des Körpergewichts und der Körpergröße wie folgt errechnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Ermittlung des BMI (Formel)

Bei meiner Klientin Frau S. errechnet sich ein BMI von 25,7.

Laut der BMI-Auswertungstabelle[6] hat Frau S. Übergewicht.

2. Ermittlung des Taillen-,Hüft-, Brust- und Oberschenkelumfangs

Um die Verteilung des Körperfetts zu ermitteln, werden sowohl Taillen-, also auch Hüft-, Brust- und Oberschenkelumfang gemessen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, wo sich die Fettpölsterchen einlagern. Hierbei kann man einen Birnen- und einen Apfeltyp unterscheiden. Beim Birnentyp lagert sich das Fett auf der Hüfte ab, beim Apfeltyp hingegen setzt sich das Fett am Bauch fest und was größere gesundheitliche Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzinfarkt mit sich bringt. Ein Bauchumfang von über 88cm bei Frauen weist auf eine abdominale Adipositas (Übergewicht), also auf einen Apfeltyp, hin.

Bei Frau S. wurde ein Taillenumfang von 86cm, ein Hüftumfang von 115cm, ein Brustumfang von 89cm und ein Oberschenkelumfang von 67cm gemessen.

Da sich der Taillenumfang von Frau S. unter 88cm befindet, liegt kein Apfeltyp vor. Die Fetteinlagerungen finden bei Frau S. vermehrt an Hüfte und Oberschenkel statt.

3. Messung des Blutdrucks

Der Blutdruck eines Menschen wird durch den systolischen und den diastolischen Wert dargestellt. Der systolische Wert bezeichnet den ersten Wert und liegt im Normalbereich bei 100-130mmHg. Dieser wird bestimmt, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und das Blut in den Körper- und Lungenkreislauf befördert. Der diastolische Wert hingegen ist der zweite Wert und liegt im Normalbereich bei 60-85 mmHg. Dieser Wert wird während der Entspannungsphase des Herzens hervorgerufen, in der sich der Herzmuskel wieder mit Blut befüllt.[7]

Der Blutdruck wurde bei Frau S. während des ersten Ernährungsberatungs-gesprächs im ruhigen Zustand gemessen. Dabei ergab sich ein Wert von 127/83 mmHg. Dieser Wert ist im Normalbereich einzuordnen.

4. Messung des Pulses

Ein Durchschnittsbürger hat im Ruhezustand einen Puls von 60-80 Schlägen pro Minute (S/min). Trainierte Menschen hingegen haben aufgrund eines vergrößerten Herzens und eines erhöhten Lungenvolumens einen geringeren Puls der bei unter 60 Schlägen pro Minute liegt.

Frau S. weist einen Puls von 72 S/min auf. Dieser liegt im Normalbereich.

5. Körperfettanalyse nach der Fat-Caliper Methode

Mithilfe eines Hautfaltengeräts (Fat-Caliper) kann der Körperfettanteil eines Menschen ermittelt werden. Hierbei werden Messungen an verschiedenen Körperstellen durchgeführt, um dadurch die Gesamtkörperfettmenge zu errechnen.

Ich werde mich auf die 4-Punkte Methode nach Durnin und Womersley beziehen.[8] Diese beinhaltet die Messungen am Trizeps, am Bizeps, am Darmbein und am Schulterblatt.

Bei Frau S. habe ich diese Messung durchgeführt und die Anzahl aller gemessenen Hautfalten zusammenaddiert (in mm). Daraus ergab sich in Abhängigkeit vom Alter ein Körperfettanteil von 27,8%. Dieser liegt im erhöhten Bereich.[9]

4.3. Berechnung der ernährungsrelevanten IST- Werte

Nachdem die notwendigen Daten aus dem Anamnesefragebogen erfasst und die biometrischen Daten ermittelt wurden, werden nun im nächsten Schritt die ernährungsrelevanten IST-Werte von Frau S. berechnet.

Dabei handelt es sich um die Berechnung des Grundumsatzes, die Berechnung des Leistungsumsatzes mithilfe des PAL-Wert und die Berechnung des Gesamtenergie-umsatzes von Frau S..

Diese Werte sind besonders wichtig, um zu ermitteln, wie viele Kalorien Frau S. täglich zu sich nehmen darf.

1. Der Grundumsatz

Der Grundumsatz beschreibt die Energie, die ein Mensch im absoluten Ruhezustand benötigt, um alle lebenswichtigen Körper- und Organfunktionen aufrechtzuerhalten.

Der Grundumsatz wird beeinflusst durch Alter, Gewicht, Größe, Geschlecht, hormonellen Faktoren, dem Anteil der Muskelmasse und ist bei jedem Menschen unterschiedlich hoch.

Es gibt verschiedene Formeln, um den Grundumsatz zu berechnen.

Die Harris-Benedict-Formel gilt hierbei als die genauste Methode, da sie das Körpergewicht, die Größe und das Alter berücksichtigt.

Die Harris Benedict Formel für Frauen lautet:[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Ermittlung des Grundumsatzes (Formel)

Berechnet man den Grundumsatz von Frau S. (66kg, 160cm und 34 Jahren) so ergibt sich ein Grundumsatz von 1416,9 kcal.

1416,9 kcal beschreibt die Energie, die der Körper ohne jegliches Tun von alleine täglich verbrennt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Ermittlung des Grundumsatzes von Frau S.

2. Der Leistungsumsatz und PAL-Wert

Der Grundumsatz alleine ist noch nicht ausschlaggebend für die tägliche Kalorienzufuhr, sondern muss durch den Leistungsumsatz ergänzt werden.

Der Leistungsumsatz beinhaltet den Mehrbedarf an Energie über den normalen Grundumsatz hinaus. Das bedeutet, dass der Körper zusätzlich Energie für die Muskelarbeit und die Thermoregulation bei körperlicher Bewegung benötigt.

Der tägliche Leistungsbedarf eines Menschen setzt sich somit aus den beruflichen Tätigkeiten und dem Freizeitverhalten (Bewegung, Sport, Schlafen) zusammen und kann durch den PAL- Wert (physical activity level) berechnet werden.

Der PAL-Wert beschreibt die körperliche Tätigkeit. Je intensiver die körperliche Tätigkeit ist, desto höher ist auch der PAL-Wert.

Um den Gesamtenergieumsatz zu bestimmen, wird der Grundumsatz mit dem PAL-Wert multipliziert. Der Leistungsumsatz kann ermittelt werden, indem vom Gesamtenergieumsatz der Grundumsatz subtrahiert wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Ermittlung des Gesamtenergieumsatzes (Formel)

Der PAL-Wert fällt je nach Arbeitsschwere und Freizeitverhalten anders aus und kann durch die nachfolgende Tabelle ermittelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Einstufungskriterien zur Ermittlung des PAL-Werts

Der PAL-Wert von Frau S. kann wie folgt berechnet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Bestimmung des PAL-Werts von Frau S.

Der errechnete PAL Wert von Frau S. liegt bei 1,4. Die wechselnden täglichen Tätigkeiten wurden dabei berücksichtigt.

Der Gesamtenergieumsatz von Frau S. liegt somit bei 1983,6 kcal. (1416,9 x 1,4) Der Leistungsumsatz bei 566,7 kcal.

Ermittlung des Gesamtenergiebedarfs

Um den Gesamtenergiebedarf eines Menschen zu berechnen, summiert man den Grundumsatz und den Leistungsumsatz und berechnet zudem die Energie für die nahrungsinduzierte Thermogenese.

Die nahrungsinduzierte Thermogenese beschreibt die Energie, die der Körper nach der Nahrungsaufnahme benötigt, um diese zu transportieren und zu verdauen. Sie ist abhängig von der Menge und der Art der aufgenommenen Nahrung.

Die Thermogenese beträgt im Durchschnitt ca 6 % und wird mit dem Gesamtenergieumsatz multipliziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Ermittlung des Gesamtenergiebedarfs (Formel)

Der Gesamtenergieumsatz bei Frau S. liegt bei 1983,6, der Gesamt-energiebedarf bei 2102,6.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Ermittlung des Gesamtenergiebedarfs von Frau S.

Nach der Berechnung und der Ermittlung der relevanten Grunddaten ist die Bestandsaufnahme von Frau S. vorerst abgeschlossen.

Auf Basis dieser Daten erfolgt nun die gemeinsame Festlegung der Ziele.

5. Zielsetzung

Die Zielsetzung orientiert sich an dem individuellen Ziel des Klienten, welches während der Anamnese erfragt wurde. Oberstes Gebot ist es, dass der Berater das Ziel gemeinsam mit dem Klient überprüft und überlegt, ob auch eine realistische Zielsetzung vorliegt, die der Klient auch erreichen kann. Denn nur so kann die nötige Motivation des Klienten auch aufrechterhalten werden.

Allgemein kann man sagen, dass die vorrangige Zielsetzung ist, die aktuellen Werte des Klienten, die über der Norm liegen, wieder in den Normalbereich zu bringen und somit gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Hauptsächlich geht es dabei um Gewichtsabnahme, welche sich positiv auf den BMI und den Körperfettanteil auswirkt und gesundheitliche Risiken verringert.

Bei der Zielsetzung werden neben dem Inhalt, was der Klient erreichen möchte, auch das Ausmaß der Zielsetzung und die benötigte Zeit beachtet.

Dabei geht es um die Fragen: Was soll erreicht werden? (Inhalt) Wie viel davon soll erreicht werden? (Ausmaß) und in welchem Zeitraum soll es erreicht werden? (Zeitrahmen).

Hierbei wird das Hauptziel in viele kleine Teilziele unterteilt. Diese Teilziele werden klar und deutlich definiert und haben den Sinn, die Motivation des Klienten aufrecht zu erhalten, da er nach und nach seinem Hauptziel näher kommt. Außerdem werden Erfolge schneller sichtbar und es kann besser und flexibler auf aktuelle Zustände reagiert werden.

Wichtig hierbei sind die regelmäßigen Beratungsgespräche, in denen jeweils an einem Teilziel gearbeitet und die Umsetzung besprochen und analysiert wird.

Wie im Rahmen der Beschreibung des Anamnesegesprächs bereits erwähnt, möchte Frau S. 6kg abnehmen, um sich dadurch wieder besser zu fühlen und ihre Lebensqualität zu erhöhen.

Durch die Ermittlung des BMI, des Körperfettanteils und des Hüft- und Taillenumfangs während der Anamnese wurde Frau S. bewusst, dass ein erhöhtes Gewicht auch starke Auswirkungen auf ihren gesundheitlichen Zustand nehmen kann. So hat sie nachträglich ihr Ziel dadurch ergänzt, dass sie nicht nur Gewicht abnehmen, sondern auch ihren Körperfettanteil reduzieren und ihren erhöhten Cholesterinwert (LDL) minimieren möchte, um gesundheitliche Risiken zu verringern.

Bezüglich des Cholesterins möchte Frau S. ihren Cholesterinwert so senken, dass dieser im Normalbereich liegt. Hierbei liegt das Augenmerk auf dem LDL-Cholesterin und den Triglyceriden, deren Werte beide leicht erhöht sind.

Tabellarisch lassen sich die Ziele wie folgt zusammenfassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Aktuelle Werte und langfristige Zielsetzung von Frau S.

5.1. Berechnung der ernährungsrelevanten SOLL- Werte

Nachdem die Ziele festgelegt wurden, gilt es im nächsten Schritt die erwünschten SOLL-Werte des BMIs und des Gesamtenergieumsatzes genau zu definieren.

Diese SOLL-Werte sind für die Kontrolle, ob das Ziel erreicht wurde, unabdinglich.

Sie werden zudem in einen zeitlichen Rahmen gesetzt.

Geht man von dem Wunschziel von 60kg bei Frau S. aus, so wird sich der BMI wie folgt verändern:

[...]


[1] http://www.markant-magazin.com/markant/gesund-leben-ist-das-ziel (letzter Zugriff: 30.05.17)

[2] http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Uebergewicht_Adipositas/Uebergewicht_Adipositas_node.html (letzter Zugriff: 30.05.2017)

[3] https://www.gesundheit.de/ernaehrung/essstoerungen/hintergrund/folgen-von-uebergewicht (letzter Zugriff: 30.05.2017)

[4] Vgl.: Lehrskript: Ernährungsberatung, Academy of Sports, Backnang, S.91

[5] Der komplette Anamnesebogen befindet sich im Anhang.

[6] Vgl: Lehrskript Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, Backnang, S.31

[7] Vgl.: Lehrskript: Berufspraxis im Personal Training, Academy of Sports, Backnang, S.33

[8] Vgl.: Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, Backnang, S.50

[9] Vgl.: Grundlagen der Ernährung, Academy of Sports, Backnang, S.52

[10] http://www.sportunterricht.ch/Theorie/Energie/energie.php (letzter Zugriff: 30.05.17)

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Ernährungsberatung für eine übergewichtige Frau
Untertitel
Ein Fallbeispiel aus dem Lehrgang Ernährungsberater B-Lizenz
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
44
Katalognummer
V374348
ISBN (eBook)
9783668517622
ISBN (Buch)
9783668517639
Dateigröße
901 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernährungsberatung B-Lizenz Ernährungskonzept
Arbeit zitieren
Lisa Hennek (Autor), 2017, Ernährungsberatung für eine übergewichtige Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374348

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