Verwendung und Missbrauch der Sprache im Totalitarismus. Sprachkritik in "Oryx und Crake" von Margaret Atwood und "1984" von George Orwell


Masterarbeit, 2015
64 Seiten, Note: 1

Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...3
2. Aspekte der Sprachkritik des 19.und 20. Jahrhunderts...7
2.1. Anmerkungen zum Begriff ,,Sprachkritik"...7
2.2. Der Weg ins sprachkritische 19. Jahrhundert ­
Gemeinverständlichkeit und Öffentlichkeit...10
2.3. Sprachkritik im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert...15
2.4. Die korrupte und unwahrhaftige Sprache: Kraus und Tucholsky...20
2.5. Sprachkritik nach 1945...23
2.5.1. Karl Korns Sprache in der verwalteten Welt...23
2.5.2. Victor Klemperers LTI - Die Sprache des Dritten Reichs...25
3. Sprachkritische Aspekte der dystopischen Literatur...27
3.1. Phrasenhaftigkeit...32
3.2. Spracharmut...34
3.2.1. Ersetzung der Wörter durch Oberbegriffe...35
3.2.2. Verschwinden von unnötigen Wörtern...36
3.2.3. Gebrauch von kurzen Wortschöpfungen...38
3.2.4. Bedeutungsentleerung/Sinnentleerung...40
3.2.5. Transzendenzlosigkeit der Sprache...41
3.3. Transparenzlosigkeit der Sprache...42
3.4. Euphemismen und sprachliche Umkehrungen...43
4. Sprache als Widerstand...45
5. Dystopische Literatur und Sensibilisierung des Lesers...54
6. Fazit...58
7. Literaturverzeichnis...60

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1. Einleitung
Freiheit. Dieser vielschichtige Begriff verursachte im Laufe der Jahrhunderte die härtesten
Kämpfe in der philosophischen Theorie und der politischen Praxis. Schon immer sehnten sich
die Menschen nach einem Zustand der absoluten Freiheit, in dem sie über ihr eigenes Leben
bestimmen können ohne inneren oder äußeren Einschränkungen die von einer herrschenden
Macht ausgehen ausgesetzt zu sein. Freiheit setzt Selbstregulierung voraus, die Abschaffung von
Machtverhältnissen zwischen den Menschen und der Ausbeutung des Menschen und der Natur.
Die Sehnsucht nach Freiheit und die Wege, die zu ihr führen könnten, beschäftigen alle
Menschen, die ihr unabhängiges Denken zumindest teilweise bewahren können. Vielleicht ist
diese unermüdliche Suche nach Freiheit und den Wegen zu ihr ein Zeichen dafür, dass kein
Mensch jemals wirklich frei war. Und dies, weil natürliche, aber zumeist künstliche Schranken
die Freiheit verfälschen, verletzen, vernichten.
In jeder Periode gab es Gefangene, Herrscher und Beherrschte, Ausnutzer und Ausgenutzte. Die
Gesellschaft ergänzte: Staat, Rechtsystem, Prinzipien, Ethik, Vorurteile, (Aber)glaube. Medien
fügten hinzu: Abhängigkeiten, Desinformation, Verwirrung, Propaganda. Aber der Mensch trägt
diese Schranken auch in seinem innersten Ich: Angst und Furcht, Unsicherheit, verdrängte
Gefühle. Zahlreich sind also die Faktoren, die die Freiheit beschränken.
Wird über Freiheit gesprochen, beschreibt man sie meistens als hohen Wert bzw. als
unentbehrliches Grundrecht. Freiheit ist aber nicht nur ein hoher, sondern der höchste aller
Werte überhaupt. Sie ist nicht nur einfach ein Recht wie alle anderen Rechte. Freiheit ist die
Voraussetzung des Lebens. Jedes Lebewesen ist geboren um frei und unabhängig zu sein. Dies
ist die Vorrausetzung der Selbstentfaltung und nur so kann es den Sinn seines Daseins, seines
Lebens ergründen. Freiheit ist Leben selbst. Ohne sie gibt es kein wirkliches Leben, höchstens
ein qualvolles oder ein heuchlerisches Überleben. Deswegen wagten viele Menschen, ihr Leben
für die Freiheit zu opfern. Solche Charaktere spiegeln sich auch in der Literatur wieder.
Dieser Wunsch nach Freiheit ist der gefährlichste Feind eines autoritären Systems denn das
Bedürfnis nach Freiheit führt die Menschen auf den Pfad der Wahrheit und der Erkenntnis. Die
bestehenden Verhältnisse werden nicht einfach akzeptiert und hingenommen sondern hinterfragt
und kritisch betrachtet. Die Machtstrukturen werden infrage gestellt, aufgedeckt und es entsteht
das Bedürfnis der Abschaffung der bestehenden Ordnung. Dies liegt aber wohl kaum im

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Interesse der Machthabenden. Freie Menschen, die frei handeln und denken, können die Rolle
von einem Untertanen nicht akzeptieren. Denn sozial-politische Freiheit ist verbunden mit der
Selbstbestimmung jenseits hierarchischer Strukturen. Doch ein autoritäres System braucht
Untertanen um herrschen zu können. Darum hat es Mechanismen und Methoden entwickelt die
den Widerstand der Menschen brechen, sie außer Gefecht setzen und die vollkommene
Unterwerfung der Individuen erzielen. Sprache spielt hierbei eine mächtige Rolle.
Man lernt sie vom Kindesalter an, wie man Essen und Gehen lernt, man benutzt sie
selbstverständlich das ganze Leben lang. Sprache ist für die meisten Menschen etwas
Naturgegebenes; sie dient dem Austausch von Informationen und der Vermittlung von Wissen.
Aber ist Sprache tatsächlich einfach nur ein Kommunikationsmittel? Wissenschaftler,
Linguisten, Journalisten, Philologen und Philosophen verneinen das.
Die Sprache wurde als ein besonderer Gegenstand philosophischer Reflexion schon in der Antike
entdeckt. Das Sprachvermögen galt in der berühmten, von Aristoteles überlieferten Bestimmung
des Menschen als eines ,, " für ihn spezifisch gegenüber allen übrigen
Lebewesen (vgl. Lorenz 1970:23). Die Sprache ist wesentlicher Bestandteil menschlicher
Existenz. Sie ist Erkenntnismittel zu Formulierung von Gedanken in der Selbstreflexion. Sie ist
Kommunikationsmittel zur Information über Erkenntnisse, zur Wertung und Motivation des
gesellschaftlichen Handelns des Menschen. Sie dient zur Identifikation gesellschaftlicher
Gruppen (vgl. Hörz 1981:1315). Mit Sprache kann man das Bewusstsein der Menschen
beeinflussen und die Wahrnehmung der Realität bestimmen. Sprache hat Macht. Sie bietet aber
auch die Möglichkeit zur Befreiung von Machtstrukturen.
Eine der wichtigsten Aufgaben jedes aufgeklärten Menschen ist über die Sprache zu reflektieren
und Kritik an den gegebenen Diskursen zu üben. Die Sprachkritik
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ist ein hervorragendes
Werkzeug zur Entlarvung von Herrschaft, zum Entdecken der eigenen Wahrnehmungsgrenzen
und gleichzeitig zu deren Erweiterung. Dystopische Fiktionen, als zeitkritisches Genre, ruft zur
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Sprachkritik ist ein breitgefächertes Thema. Problematisch ist, dass man unter dem Begriff ,,Sprachkritik" verschiedene Vorstellungen einer
Kritik an Sprache subsumieren kann. Es existieren verschiedene Formen der Sprachkritik, z.B. die linguistische Sprachkritik oder Sprachkritik als
Sprachskepsis oder Kritik des Sprachgebrauchs.
Heringer stellt fest, dass noch keine Universal-Geschichte der Sprachkritik geschrieben wurde. Die Geschichte der Sprachkritik ist seiner
Meinung nach nicht geschrieben, denn sie scheint zu umfassend und zu disparat, um als Geschichte einer Disziplin geschrieben zu werden.
Heringer unternimmt den Versuch, die verschiedenen Formen der Sprachkritik zu systematisieren und unterscheidet zwischen philosophischer
Sprachkritik, Kritik an einer Einzelsprache und der Kritik an individuellen Äußerungen einzelner Sprecher (vgl. Leupold 2002).

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Skepsis auf und entlarvt die Strategien der Unterdrückung. Der Grund, aus dem die Verknüpfung
der Dystopie mit der Sprachkritik gewählt wurde liegt in dem kritischen Potenzial der Dystopien:
eine Dystopie ist ein Gegenbild zur positiven Utopie und in der Literaturwissenschaft eine
fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang. Sie entwirft ein
zukunftspessimistisches Szenario von einer Gesellschaft die sich zum Negativen entwickelt.
Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen
Zukunftsbildes auf bedenkliche Entwicklungen der Gegenwart aufmerksam machen und vor
deren Folgen warnen. Es erstaunt daher nicht, dass in Dystopien über die Macht der Sprache
reflektiert wird.
Obwohl es viele Studien über die dystopische Literatur gibt betonen nur wenige die Rolle der
Sprache als ein wichtiges Thema des literarischen Genres der Dystopie. Die Verbindung
zwischen Sprache und Dystopie wird nicht als ein Kernpunkt der dystopischen Literatur
beachtet. Eike Kühl bestätigt:
,,only few literary critics acknowledge the role of language as a theme throughout the
genre, despite its conspicuous prevalence" (Kühl 2009: 5).
Dies heißt wiederum nicht, dass der sprachliche Aspekt vollkommen unbeachtet bleibt.
Niemand, der sich mit 1984 von Orwell auseinandersetzt, kann umgehen, sich mit Neusprech zu
befassen. Und doch spielt der Aspekt Sprache in den literaturwissenschaftlichen Untersuchungen
und der Komparatistik eine untergeordnete Rolle:
,,Until now, most concerns with language are considered as "minor interests, points that
enrich affective dystopian societies but do not play a central role in them" (Kühl
2009:14).
In der vorliegenden Arbeit wird Sprachkritik in der dystopischen Literatur thematisiert und der
Versuch unternommen, dieses noch wenig erforschte Gebiet zu erhellen. Insbesondere soll die
Dystopie mit der philosophischen Tradition der Sprachkritik des 19. und 20. Jahrhunderts im
deutschsprachigen Raum in Verbindung gebracht werden. Nur in wenigen wissenschaftlichen
Arbeiten (s. Schiewe) wird ein Zusammenhang zwischen den deutschsprachigen Sprachkritikern
und der Dystopie hergestellt. Es geht in dieser Arbeit darum, einen Teil dieser Lücke
auszufüllen.

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Nicht alle Methoden der Sprachlenkung werden bei diesem Versuch genannt. In seinen
Sprachbetrachtung bezieht Klemperer, neben Wörtern, Gesten und Zeichen auch den Witz
2
mit
in Betrachtung ein. Er erkennt seine Wirkung als ein kollektivbildendes Element des
Sprachgebrauchs im Nationalsozialismus. Außerdem wird die Sprache im Nationalsozialismus
weitgehend technisiert; technische Metaphern für Menschen und menschliche Handlungen
werden gebraucht. Feststellbar in der LTI ist auch die Tendenz zur Singularisierung oder zum
Kollektivsingular, z.B. DER Jude. Schlagworte
3
, Schlüsselworte, Stereotypen, Metaphern
4
,
Bewertungssteuerung, Wir-Bindung
5
und Sprachregelung sind charakteristisch für den
politischen Sprachgebrauch.
Sprache dient jedoch nicht nur dem Machterhalt. Sprache ist:
,,das verwirrende und befreiende, verräterische und erhellende, ausgreifende und
fesselnde, lösende und bindende, selige und gefährliche Medium und Siegel seines
Wesens.,, (Schiewe 1998: 232f).
Es werden in dieser Arbeit die sprachkritischen Elemente in zwei Werken aus der dystopischen
Literatur, nämlich in George Orwells 1984 und Margaret Atwoods Oryx und Crake untersucht.
Hierbei handelt es sich um Werke eines außerordentlich kritischen Genres. George Orwells 1984
zählt zu den klassischen dystopischen Werken des 20. Jahrhunderts. Darin wird deutlich, dass
Sprache ein starkes Mittel ist, das die Rolle des Menschen als Untertan manifestieren kann.
Margaret Atwood stellt die unkontrollierte Ausbeutung der Natur und des Menschen durch die
Biowissenschaften ins Zentrum. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen Ergebnisse sind
katastrophal. Mit dem Eingriff in natürliche Prozesse wie Geburt, Heranwachsen, Alterung und
Tod sowie Praktiken, die das ureigene Wesen des Menschen verändern, geht eine radikale
Veränderung der Sprache einher.
2
Nach Schiewe sind der Witz und das Sprachspiel, wegen ihrer Indirektheit, das wohl subtilste Mittel auf das Denken und das Gedächtnis der
Menschen einzuwirken und durch das gemeinschaftliche Lachen, ein Kollektiv zu erzeugen (vgl. Schiewe 1998:215)
3
Schlagwörter erfüllen drei Kriterien. Ihr Wortinhalt ist vage, ihr Gebrauch häufig, ihr Reizwert beträchtlich positiv oder negativ belegt. Ebenso
wie den Schlüsselwörtern eignet ihnen hohe soziale Penetranz aber geringe definitorische Präzision. Es handelt sich um Wörter die nicht wahr
sondern wirksam sein wollen. Sie signalisieren lediglich eingespielte Gut-Böse Gegensätze und sie sind geeignete Objekte einer politisch
semantischen Doppelstrategie. Sie haben zwar solidarisierende Wirkung aber gleichzeitig verunsichern sie das Denken, weil sie das
Übereinkommen über den traditionellen Sinn nicht einhalten und so die natürliche Vorgabe der Kommunikation zerstören.
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Metaphern können die Wahrnehmung steuern da sie auf gewisse Aspekte ihres Bezugsgegenstandes fokussieren und andere auszublenden
vermögen. Für die Analyse politischer Sprache ist nach Burkhardt gerade das Ausgeblendete, der ,,tote Winkel" der Metapher, von besonderem
Interesse (vgl. Burkhardt 2002: 85).
5
Unter Wir- Bindung werden alle Formulierungen subsumiert die solidaritätsstiftend ebenso wie loyalitätserhaltend wirken (vgl. Stummer
1975:74)

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Die Ausgangsthese lautet: In totalitären Systemen und neoliberalen ,,Demokratien" gibt es
Gemeinsamkeiten in der Art der Sprachverwendung, Sprachlenkung und Sprachkreativität.
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit konzentriert sich auf die Darstellung der Geschichte der
Sprachkritik im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Es wird außerdem ein Rückblick ins
ausgehende 18.Jahrhundert sowie ein Einblick in die Sprachkritik nach 1945 gegeben.
Zunächst soll die Rolle von Sprache in den dystopischen Werken untersucht werden.
Insbesondere soll untersucht werden, wie einerseits das System die Menschen durch
Sprachlenkung manipuliert und anderseits, wie im Rahmen des Befreiungskampfes gegen das
jeweilige Regime und des Überlebenskampfes Widerstand geleistet wird. Die Arbeit befasst sich
außerdem mit drei hervorstechenden sprachkritischen Aspekten der hier bearbeiteten
dystopischen Werke. Es geht darum, den Zusammenhang von Sprache, Denken und Realität
sowie Merkmale der Sprache in Gesellschaften der Unfreiheit und Unterdrückung aufzulisten.
Den Abschluss bildet eine Erläuterung der Funktion der Sensibilisierung des Lesers im
literarischen Genre der Dystopie.
2. Aspekte der Sprachkritik des 19. und 20. Jahrhunderts
2.1. Anmerkungen zum Begriff ,,Sprachkritik"
Bevor die Entwicklung der Sprachkritik des 19. und 20. Jahrhunderts dargestellt wird ist es
wichtig zu erkennen, worin die Möglichkeit von Sprachkritik besteht.
Karl Bühler, Sprachpsychologe und Sprachtheoretiker, führt 1934 - von Platon inspiriert - in
seinem Werk Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache aus, die Sprache ist ein
,,Organum", ein Werkzeug, mit dem einer dem anderen etwas über die Dinge mitteilt (vgl.
Bühler, 1999: 24). Bei jeder Form von Kommunikation sind nach Bühler drei Komponenten
zugegen: der ,,Sender", der ,,Empfänger" und ,,die Dinge" ( Gegenstand und Sachverhalte ), über
die der Sender dem Empfänger eine Mitteilung macht. Daraus resultieren drei Grundfunktionen
der Sprache: das sprachliche Zeichen ( in Wort oder Satz ) verbindet während der
Kommunikation die drei o.g. Komponenten und ist aufgrund seiner Zuordnung zu Gegenständen
und Sachverhalten Symbol ( Darstellung ), aufgrund der Subjektivität des Senders Symptom
(Ausdruck der Innerlichkeit oder Absicht des Senders ) und Signal ( Appell ) an den Empfänger

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mit Auswirkungen auf sein äußeres und inneres Verhalten (vgl. Bühler, 1999: 28). Bühlers
Organon-Modell der Sprache kann so Schiewe ,,als ein Ausgangspunkt für die Begründung der
Möglichkeit von Sprachkritik genommen werden" (vgl. Schiewe 1998:13).
Roman Jakobson, ein
Prager Linguist, benannte Bühlers Sprachfunktionsmodell 1960 nicht nur um (,,Darstellung" in
,,referentielle" , ,,Ausdruck" in ,,emotive" und ,,Apell" in ,,konative" Funktion), sondern
erweiterte es auch um die metasprachliche Funktion, also die Sprache von der Sprache (ebd.:14).
Die metasprachliche Funktion der Sprache ist für Schiewe in Bezug auf Sprachkritik von
besonderem Interesse. Er stellt fest:
,,Eine sprachkritische Äußerung macht folglich von der metasprachlichen Funktion
dadurch Gebrauch, dass etwas mit Sprache über Sprache ausgesagt wird, und sie gibt
zusätzlich noch eine Bewertung desjenigen sprachlichen Gegenstandes ab, über den die
Aussage gemacht wird. Sprachkritik hat es mit dem Sollen von Sprache zu tun. Sie macht
Aussagen darüber, wie Sprache `aussehen` oder wie sie benutzt werden soll. Diese
Tätigkeit ist eine andere als die der Sprachwissenschaft, deren Aussagen prinzipiell ja
auch metasprachlich, jedoch lediglich auf das Sein von Sprache abzielen. Die
Sprachkritik also wertet Bestehendes, die Sprachwissenschaft beschreibt das Bestehende"
(Schiewe 1998:14f).
Dies impliziert ein subjektives Moment. Bis Ende 1970 bestanden innerhalb der
Sprachwissenschaft heftige Diskussionen über das Thema, dass Sprachkritik mit ihren
,,Sollaussagen" wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genüge, da eine Wissenschaft
nur ,,Seinsaussagen" zu treffen habe. Seit 1980 wird dieser Denkstil einer Überprüfung
unterzogen (ebd.: 25).
Das Postulat der Objektivität der Wissenschaft ist aus wissenschaftstheoretischen Gründen
problematisch, was aus Schriften des polnischen Wissenschaftshistorikers Ludwik Fleck
insbesondere aus dessen Abhandlung Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen
Tatsache aus dem Jahr 1935 gefolgert werden kann. Erkenntnis als Resultat eines Denkprozesses
hin auf die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache ist nach Fleck:
,,weder passive Kontemplation noch Erwerb einzig möglicher Einsicht im fertig
Gegebenen. Es ist ein tätiges, lebendiges Beziehungseingehen, ein Umformen und
Umgeformtwerden, kurz ein Schaffen. Weder dem ,, Subjekt ,, noch dem ,,Objekt ,,
kommt selbstständige Realität zu; jede Existenz beruht auf Wechselwirkung und ist
relativ" (Fleck 1980: 48)
.

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Das Individuum ist in seinem Erkenntnisprozess nicht autonom hinsichtlich des Gegenstandes
bzw. der Form seiner Erkenntnis, sondern ist als Teil eines bestimmten Denkstils innerhalb eines
bestimmten ,,Denkkollektivs" determiniert.
Das von Fleck betonte soziale Moment am
Erkenntnisprozess lässt zwei Schlussfolgerungen zu, die sowohl für den
wissenschaftstheoretischen Status von Sprachwissenschaft als auch für das Verhältnis von
Sprachkritik und Sprachwissenschaft von Bedeutung sind: Objektivität im Erkenntnisprozess
gibt es nicht und ­ übertragen auf das Denkkollektiv der Sprachwissenschaft ­ handelt es sich
bei dem Einwand, Sprachkritik sei unwissenschaftlich, lediglich um die zu einem bestimmten
Zeitpunkt bzw. innerhalb eines Zeitrahmens getroffene Übereinkunft einer sozialen Gruppe die
festlegt, dass Sprachkritik nicht Teil der Sprachwissenschaft ist. Unter dieser Prämisse könne
eine andere Generation von Sprachwissenschaftlern vereinbaren, dass Sprachwissenschaft auf
der Grundlage einer Analyse der Sprachtatsachen diese Sprachtatsachen auch werten kann, darf
oder gar muss (vgl. Schiewe 1998:19).
Im Forschungsbereich der Sprachgeschichtsschreibung hat sich die Meinung, Sprachkritik könne
und müsse Teil sprachwissenschaftlicher Aussagen sein, bereits durchgesetzt. Bezüglich des
Begriffes ,,geschichtlich" sind in der Sprachwissenschaft zwei Bedeutungsbereiche zu
trennen: die historischen Fachzweige innerhalb der Sprachwissenschaft, die durch Nachweise
frühere Sprachzustände rekonstruieren, beschreiben und dokumentieren einerseits; andererseits
werde das Wort ,,geschichtlich" gebraucht für durchdachte Betonung und Wertung von
Ereignissen zurückliegender Zeiten. Innerhalb der Sprachwissenschaft bedeutet das:
,,Geschichte meint in unserem Zusammenhang schon immer eine Auswahl von Quellen
und Belegen sowie ihre auf Verstehen ausgerichtete Interpretation aus dem Blickwinkel
ganz bestimmter Fragen, bestimmter Erkenntnisinteressen"(Schiewe 1998:22).
Die verschiedenen Fragestellungen und Interessen sind gesellschaftlich bedingt und führen zu
verschiedenen Erkenntnissen. Die gesellschaftlichen Veränderungen, deren Niederschlag sich in
dem kurz skizzierten Sprachwandel offenbart, haben auch entsprechende Verschiebungen in den
wissenschaftlichen Fragestellungen bewirkt. Im Zuge der Nachkriegsdesillusionierung und der
Vergangenheitsbewältigung wurden nazistische Volksverführungs- und Verhetzungspraktiken
bloßgestellt und angeprangert (Sternberger, Storz, Süskind, Klemperer). Die gegenseitige
Ausdrucksindizierung des Kalten Krieges reichte von der Feinbildkonsolidierung bis zur

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sprachlichen Bestandaufnahme der Abgrenzungsbestrebungen der beiden deutschen
Nachkriegsstaaten (Moser, Reich). Als Folge des Aufschwungs der freien Marktwirtschaft ergab
sich die allmähliche Konvergenz der Wahlpropaganda und Werbekampagne. Aus der Sprache
der Propaganda (Dovring, Ellul), als die Sprache als einem Mittel der Spracherringung oder
Machterhaltung (Lasswell) war die Sprache der politischen Werbung bzw. ,,unpolitischen"
Werbung geworden (Platte, Römer, Schütte) (vgl. Stummer 1965: 746f).
In diesem Sinn wird nun ein Einblick in die Entwicklung der Sprachkritik des 19. und
beginnenden 20. Jahrhunderts mit einem Rückblick auf das ausgehende 18.Jahrhundert gegeben.
Außerdem wird die Sprachkritik bedeutender Kritiker der Sprache im und nach dem Dritten
Reich betrachtet.
2.2. Der Weg ins sprachkritische 19. Jahrhundert ­ Gemeinverständlichkeit und
Öffentlichkeit
Bevor die Sprachkritik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Augenschein genommen
wird,
muss aus folgendem Grund vorab ein Blick auf das ausgehende 18. Jahrhundert geworfen
werden:
Es besteht ein gravierender Kontrast zwischen der nationalistischen Sprachkritik des
19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und der aufklärerischen Sprachkritik des 18. Jahrhunderts.
Dieser Kontrast ist von herausragender Bedeutung. Es ist folglich unverzichtbar, auch auf einige
Sprachkritiker des 18. Jahrhunderts zurückzublicken.
Schiewe bezieht sich auf Denis Diderot (1713 ­ 1784),Wilhelm von Humboldt (1767 ­ 1835)
und Jakob Grimm (1785-1863) wenn er feststellt, dass das 18. Jahrhundert in seiner aufklärerisch
wirkenden Ausprägung sowohl auf Kultur und Gesellschaft als auch auf die Sprache bezogen
durch den Fortschrittsglauben geprägt war (vgl. Schiewe 1998:150).
Heinrich Campe (1746 -1818), Lehrer und Erzieher von Humboldt, ist ein bedeutender Vertreter
des aufklärerisch geprägten Purismus. Obwohl er nach der zeitlichen Einordnung seiner
Schaffenszeit von den meisten Autoren noch ins 18. Jahrhundert eingeordnet wird, muss ihm in
dieser Arbeit Aufmerksamkeit gewidmet werden, da er nicht nur das entscheidende Bindeglied
zwischen den sprachkritischen Bestrebungen vor und nach seiner Zeit darstellt, sondern die
Sprachkritik des 18. Jahrhunderts um einen bedeutsamen Aspekt erweiterte, der ihr bisher fehlte:
der politische Aspekt.
Entsprechend seiner humanistischen Bildung vertrat Campe den Grundgedanken von der

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natürlichen Gleichheit der Menschen als Gegensatz zu egalitär-aristokratischer Standeserziehung
und religiös-philosophischer Buchgelehrsamkeit. Sein Credo war die Aufklärung des Volkes
durch Aneignung von Wissen. Nach seiner Parisreise veröffentlichte er 1789 erste Überlegungen
zur Sprache in Proben einiger Versuche von deutscher Sprachbereicherung. In Paris beobachtete
er, dass der Dritte Stand in der Lage war, sprachlich und gedanklich am politischen
Zeitgeschehen teilzunehmen und sich in öffentlichen Versammlungen zu äußern. Aus dieser
Beobachtung ergab sich für ihn der erste Anstoß über Sprache, speziell natürlich über seine
deutsche Muttersprache, nachzudenken. Damit ging der aufklärerische Gedanke einher, dass
ohne die politische Bildung aller gesellschaftlichen Schichten die unabdingbare Voraussetzung
für das Gelingen einer Revolution nicht gegeben sei (vgl. Leupold 2002).
In seinen Briefen aus
Paris gibt er zu bedenken:
,,Doch mögen alle, welche sich in dieser schmählichen und unglücklichen Lage befinden
[nämlich: unterdrückt zu werden ], bevor sie Frankreichs Beispiel in übereilter Weise
sich zur Nachahmung aufstellen, vorher wohl erwägen: ob ihre Nation auf eine so
gänzliche Umwälzung ihrer Verfassung auch schon eben so vorbereitet sey?[...] Ob die
Aufklärung über Menschenrechte und Bürgerpflichten sich bei ihnen schon ebenso durch
alle Stände, bis zu den untersten hinab, vorbereitet habe, wie es dort der Fall war? [ ...]
Und vor allem, ob bei ihnen die allerunterste Volksklasse schon zu eben dem richtigen
und feinen Gefühl von Ehre, Wohlanständigkeit und Gerechtigkeit ausgebildet und
gereift sey, welches der pariser Pöbel bei dieser Gelegenheit an den Tag gelegt hat [ ...]
Wehe der Nation, die [ ...] sich von einem unzeitigen Freiheitsenthusiasmus zu Schritten
verleiten ließe, die sie in der Folge nicht behaupten könnte, und die also nur dazu dienen
würden, alle Gräuel und Unmenschlichkeiten, welche bei allgemeinen Empörungen nie
ganz vermieden werden können, in einem Lande zu veranlassen, wo die unmündige
Menschheit einer auf Vernunft gegründeten Freiheit noch nicht fähig wäre!" (Campe
1970: 35f)
Für Deutschland wäre der erste Schritt in die richtige Richtung die Schaffung einer Sprache, die
vor allem im politischen Bereich den Angehörigen aller Bevölkerungsschichten zugänglich ist,
die also gemeinverständlich ist. Das aufklärerische Wissen darf kein abgegrenztes Wissen einer
Elite sein, sondern das eines großen Publikums. Bevor in Deutschland politisches Handeln zu
erwarten ist und solch einschneidende gesellschaftliche Veränderungen wie in Frankreich in
Angriff genommen werden können, müsste überhaupt erst einmal ein politisches Bewusstsein in
allen Schichten der Gesellschaft geweckt und entsprechende Kommunikationsbedingungen

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geschaffen werden. Genau an dieser Stelle setzt Campe mit seinen
Sprachreinigungsbestrebungen an. Im Abbau der schichten- bzw. klassenspezifischen Sprache
im politisch-gesellschaftlichen Bereich durch gemeinverständliche Begriffe und sprachliche
Wissensverbreitung unter großem Publikum sieht Campe die Möglichkeit zur öffentlichen
Meinungsbildung und die Voraussetzung für die Umsetzung in politisches Handeln. Diese
Erkenntnis bildet den politischen Kern seines Sprachreinigungsprogramms. Es setzt sich aus fünf
Bestandteilen zusammen: dem pädagogischen, sprachkritischen, nationalen, bürgerlich-
emanzipatorischen und realpolitischen (vgl. Schiewe 1998: 131-134).
Campe strebte mit seinen teilweise übertriebenen Bemühungen um Sprachreinigung und seiner
Überschätzung der Leistungsfähigkeit der Sprache (vgl. Schiewe 1998: 137f) die innere
Einigung des politisch und sprachlich heterogenen Deutschlands an, hatte insofern die Nation im
Blick. Sein Grundgedanke war, durch Allgemeinverständlichkeit die Ideen der Französischen
Revolution vor allem den unteren, weniger gebildeten Schichten zugänglich zu machen
(ebd.:134). Campe hat erkannt:
,,Wenn Herrschaftsausübung sich durch Sprache verhüllt, dann haben die Beherrschten
keine Möglichkeit zur Kontrolle dieser Herrschaft, dann wird die Sprache zu einem
Instrument der Macht. Die Voraussetzung zu einer solchen Kontrolle ist erst dann
gegeben, wenn Herrscher und Beherrschte die gleiche Sprache sprechen." (Campe 1974
XXXVI)
Für Campe ist die Sprache demnach ein System das unter der Voraussetzung funktioniert, dass
alle Sprecher daran teilnehmen indem sie in der Lage sind das System sowohl auf der
Ausdrucks- als auch auf der Inhaltsseite der Wörter zu durchblicken bzw. von der
Ausdrucksseite auf die Inhaltsseite schließen können (ebd. 135). Campe wandte die synchrone
Methode an, zielte mit dem Prinzip der Allgemeinverständlichkeit auf den aktuellen Zustand der
deutschen Sprache und den gesellschaftlichen Zustand, den mit ihm auch Jochmann kritisierte.
Carl Gustav Jochmanns ( 1789 ­ 1830 ) Wurzeln liegen im Baltikum. Er war kein
Sprachwissenschaftler im heutigen Sinn, sondern ausgebildeter Jurist, ein ,,Selbstdenker" in
vielen Fächern, der sich als freier Schriftsteller betätigte. Seine Schriften und Werke entstanden
während der Restaurationszeit. Es herrschte eine strenge Zensur, Bespitzelung der Universitäten
und Kontrolle öffentlicher Äußerungen, wodurch er sich gezwungen sah sie anonym zu
veröffentlichen.

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Jochmanns Sprachkritik zielt auf diese Verhältnisse, scheint historisch gebunden und ist poli-
tisch-soziologisch orientiert. Er teilt Campes emanzipatorisches und aufklärerisches Anliegen. In
seinem 1828 anonym veröffentlichten Buch mit dem schlichten Titel Über die Sprache schreibt
er:
,,Herren und Knechte sind selten gute Sprecher"(Jochmann 1828:221)
,,Ein stummer Gedanke ist ein todter" äußert Jochmann in seinem Essay Über die Öffentlichkeit
(Jochmann 1990: 210).
Dort dokumentiert Jochmann seine Haltung zu den politisch ­
gesellschaftlichen Zuständen seiner Zeit, die in einer Wechselbeziehung zum Zustand der
deutschen Sprache, vor allem dem Sprachgebrauch befinden.
Seine Kritik ist eine Kritik der Herrschaftsverhältnisse in Verbindung mit der asymmetrischen
Kommunikation. Für Jochmann ist Sprache ein Instrument der Verständigung und des
Verstehens und ihr wichtigster Zweck ist es, ein allgemeines Werkzeug gesellschaftlicher
Entwicklung auf dem Wege zur Freiheit und Demokratie zu sein. Dem steht der Mangel an
Gemeinverständlichkeit durch den Gebrauch von Fremdwörtern in öffentlich relevanten
Bereichen, also Sprachtrennung auf Kosten der Verständlichkeit im Weg. Die Öffentlichkeit
bedarf jedoch insbesondere in den ideologiehaltigen Bereichen wie Politik, Religion und
Philosophie eine verständliche Sprache, da Sprachtrennung eine verschleiernde Funktion haben
kann (vgl. Schiewe 1998:148). Jochmann fordert die Übersetzung von Fremdwörtern, da
Gemeinverständlichkeit Öffentlichkeit erst ermöglicht, in der Meinungen gebildet und
umgebildet sowie Meinungsaustausch auf dem Weg zur Wahrheitsfindung stattfinden kann:
,,Die erste und wichtigste von allen Öffentlichkeit, und die jeder andern zum Grunde
liegt, ist eine verständliche Sprache; und wie jede andre Öffentlichkeit nicht nur indem
sie das Gute bekannt macht, sondern auch, und noch mehr, indem sie das Böse aufdeckt,
ihre Wohltätigkeit bewährt, so ist eine Sprache um so höher zu schätzen, je unverhüllter
sie auch die hinfällige Lüge in ihrer ganzen Blöße darstellt, wie die nackte Wahrheit in
ihrer ganzen Kraft." (Jochmann 1828:44)
Sprache ist für Jochmann selbst eine Form von Öffentlichkeit, nicht nur Werkzeug der
Bezeichnung und insofern Mittel der Erkenntnis und des Verstehens von Sachen und
Sachzusammenhängen, sondern auch Mitteilungsinstrument. Jochmann befürwortet die
Beibehaltung von Fremdwörtern im wissenschaftlichen Bereich, da sie die internationale

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Verständigung zwischen den Gelehrten gewährleistet. Dem o.g. Zweck der Sprache stehen
zusätzlich die Unbestimmtheit der deutschen Sprache, die aus dem Fehlen einer allgemeinen
Sprachnorm resultiert und ihre Härte im Wege. Schiewe interpretiert, die Leitfrage in Jochmanns
Buch Über die Sprache könnte gelautet haben:
,,Wie muss die innere und äußere Organisation einer Sprache sein, damit sie den Zweck ­
den eines allgemeinen Werkszeugs gesellschaftlicher Entwicklung ­ erfüllen kann?"
(Schiewe 1998:141)
Die Sprachkritik Jochmanns, die mit nationaler Sprachkritik nur deshalb in Verbindung gebracht
werden darf weil sie Deutschland und die deutsche Sprache kritisch analysiert, ist eine zutiefst
politische, in ihren engeren Zielen freiheitliche und demokratische. Seine Kritik bezieht sich vor
allem auf die außersprachlichen Mängel
.
Jochmanns Sprachideal ist Öffentlichkeit mit freier
Presse als das Forum zur Bildung und Ausdruck der öffentlichen Meinung, Ort der
Wahrheitsfindung und öffentlicher Kontrolle zur Verhinderung einseitiger Machtausübung.
Schiewe merkt an, dass sich Jochmanns Kommunikationsideal in der heutigen Zeit umgekehrt
darstellt, da sich die öffentliche Meinung nicht in der Presse bildet, sondern von ihr gebildet
wird. Dennoch regt er an, Jochmanns Ziel einer Verbesserung der Kommunikation und einer
Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Bedingungen auch zukünftig Aufmerksamkeit zu widmen
(vgl. Schiewe 1998:149).
Schiewe kommt zu folgendem Schluss: Aufklärerische Sprachkritik ist motiviert durch
Kosmopolitismus, Aufklärung, Gesellschaftskritik, Öffentlichkeit. Ihre Argumente sind
synchronisch. Sprache ist Werkzeug für Meinungsaustausch, Wahrheitsfindung und Erkenntnis.
Sie ist Ausdruck von Herrschaftsverhältnissen und ihre Funktion ist der Maßstab der Kritik.
Ziele aufklärerischer Sprachkritik sind Demokratie durch allgemeinverständliche Sprache,
Freiheit des einzelnen Menschen, Beseitigung einer gesellschaftlich bedingten
Sprachentrennung und Humanität (ebd:174f).
Nach diesem Exkurs in die Sprachkritik des ausgehenden 18. Jahrhunderts wird im Folgenden
die Sprachkritik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts betrachtet. Hier wird es darum gehen,
den aufklärerischen Purismus gegen den nationalistischen vorrangig in politischer Hinsicht
abzugrenzen.
Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Verwendung und Missbrauch der Sprache im Totalitarismus. Sprachkritik in "Oryx und Crake" von Margaret Atwood und "1984" von George Orwell
Hochschule
Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης - Thessaloniki
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
64
Katalognummer
V375015
ISBN (eBook)
9783668526662
ISBN (Buch)
9783668526679
Dateigröße
1034 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl kraus, victor klemperer, dystopie, sprachkritik, grimm, humboldt
Arbeit zitieren
Marina Mantenioti (Autor), 2015, Verwendung und Missbrauch der Sprache im Totalitarismus. Sprachkritik in "Oryx und Crake" von Margaret Atwood und "1984" von George Orwell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375015

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Titel: Verwendung und Missbrauch der Sprache im Totalitarismus. Sprachkritik in "Oryx und Crake" von Margaret Atwood und "1984" von George Orwell


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